1 Einleitung
„Ich liebe die Vielfalt dieses Projekts. Jeder hat präsentiert, was ihn interessiert.“ – „Ich habe gelernt, kreativ zu sein und meine Arbeit für andere interessant und nützlich zu machen.“ – „Es gibt so viele deutsche Dinge um uns herum.“
Diese drei Zitate von thailändischen Studierenden stammen aus einer Abschlussumfrage und verdeutlichen exemplarisch zentrale Erfahrungen, die Teilnehmende im Projekt „123-mal Deutsch in Thailand“ gemacht haben. Sie verweisen auf Aspekte wie thematische Vielfalt, den Bezug zu individuellen Interessen, kreative Arbeitsprozesse sowie eine veränderte Wahrnehmung deutschsprachiger Spuren im eigenen Alltag. Der vorliegende Beitrag versteht sich als Praxisbericht und erläutert Hintergrund, Ablauf und Ergebnisse des Projektes.
Soziale Medien wie YouTube, Instagram oder TikTok sind fester Bestandteil der Lebenswelt vieler junger Menschen (vgl. Kessler 2018). Auch im Fremdsprachenunterricht können sie neue Möglichkeiten bieten, Lernen multimedial, interaktiv und interkulturell zu gestalten (vgl. Blattner/Fiori 2011; Reinhardt/Zander 2019). Sie können dazu beitragen, sprachliche Fertigkeiten zu fördern und neue Zugänge zu Inhalten und Kulturen deutschsprachiger Länder zu eröffnen. Digitale Kanäle können zudem zeitliche und räumliche Distanzen überbrücken (vgl. Roche 2012) und erlauben mit wenigen Klicks Einblicke in deutschsprachige Alltagswelten. Zugleich können sie zur aktiven Teilhabe anregen und Ansatzpunkte für einen kooperativen und handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht schaffen (vgl. Schmidt 2005). Lernende rezipieren Inhalte dabei nicht nur passiv, sondern planen, gestalten und veröffentlichen sie eigenständig und bringen sich so als Akteur*innen ein. Dies zeigt sich beispielsweise in Social-Media-Projekten, in denen sie eigene Beiträge erstellen und dadurch konkrete Produkte entwickeln (vgl. Jaszenovics 2016).
Vor diesem Hintergrund wurde das Instagram-Projekt „123-mal Deutsch in Thailand“ entwickelt.1 Es sollte die Potenziale sozialer Medien für kulturbezogenes Lernen im DaF-Unterricht nutzbar machen. Die Studierenden begaben sich auf Spurensuche in ihrer eigenen Lebenswelt, entdeckten deutschsprachige Bezüge und präsentierten diese in Form kreativer Multimedia-Beiträge. Das Projekt verfolgte zwei Hauptziele: Erstens sollten die Lernenden einen direkten Zugang zu vielfältigen Aspekten deutschsprachiger Kultur gewinnen, indem sie Spuren selbstständig in ihrem Alltag in Thailand recherchierten. Zweitens sollten sie befähigt werden, eigene Medienprodukte in deutscher Sprache zu erstellen, die ihre Interessen und Perspektiven widerspiegeln. Im Verlauf des Projekts entstanden 263 Beiträge aus Themenfeldern wie Geschichte, Literatur, Wirtschaft, Sport und Gastronomie. Die Studierenden kochten Gerichte, besuchten Ausstellungen, empfahlen Bücher oder stellten Unternehmen und Persönlichkeiten vor. Damit schlugen sie Brücken zwischen deutschsprachiger Kultur und ihrer eigenen Lebenswelt. Zugleich konnten sie ihre Medien- und Projektkompetenzen schulen, da sie den Account selbstständig verwalteten, Beiträge veröffentlichten und Kommentare beantworteten.
Ziel dieses Beitrags ist es, das Projekt systematisch vorzustellen und seine Potenziale wie auch Herausforderungen für den Einsatz im DaF-Unterricht herauszuarbeiten. Dazu werden das Projekt und seine Ergebnisse beschrieben sowie die mithilfe eines Online-Fragebogens erhobenen Rückmeldungen der Studierenden und die Beobachtungen des Kursleiters reflektiert. Auf diese Weise soll auch aufgezeigt werden, wie ein solches Unterrichtsprojekt im Rahmen kulturbezogenen Lernens im DaF-Unterricht eingesetzt werden kann.
2 Theoretischer Hintergrund
Projektorientierte Lernformen haben sich im heutigen Fremdsprachenunterricht als fester Bestandteil etabliert (vgl. Siebold/Thaller 2023: 73). Sie zeichnen sich durch thematische Offenheit aus, die kooperatives Arbeiten erleichtert und den Lernenden Raum für aktive Mitgestaltung eröffnet (vgl. Legutke 2016: 350–354). Auf diese Weise entstehen Anknüpfungspunkte an persönliche Interessen und lebensweltliche Erfahrungen, die nicht nur die Motivation steigern, sondern auch die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme fördern können (vgl. Herrmann/Siebold 2012: 640). Darüber hinaus kann Projektarbeit zur Entwicklung überfachlicher Kompetenzen beitragen, indem Lernende im Team planen, gemeinsam Lösungen erarbeiten und Verantwortung für ihre Ergebnisse übernehmen (vgl. Herrmann/Siebold 2012: 641). Die Vielgestaltigkeit projektorientierter Lernformen erklärt sich auch daraus, dass sie zentrale Prinzipien des modernen Fremdsprachenunterrichts miteinander verbinden, etwa Handlungsorientierung, erfahrungsbasiertes Lernen, Selbstständigkeit, Mitbestimmung, ganzheitliche Kompetenzentwicklung und Methodenvielfalt (vgl. Ceylan/Mollaoğlu 2012: 28).
Gerade an Lernorten wie Thailand, die geografisch weit vom deutschsprachigen Raum entfernt liegen, fällt es jedoch häufig schwer, einen Bezug zwischen der Lebenswelt der Lernenden und der oftmals als fremd wahrgenommenen Sprache und Kultur herzustellen. Dies gilt insbesondere für inhaltsbezogene Kurse, in denen neben dem Spracherwerb auch das Verstehen kultureller Kontexte angestrebt wird (vgl. Louis 2023: 314). Dies trifft auch auf den Kurs German Culture zu, in dem das hier beschriebene Projekt durchgeführt wurde. Curriculares Ziel des Kurses ist es, zentrale Informationen zu Geschichte, Geographie, Politik und Gesellschaft deutschsprachiger Länder zu vermitteln. Zugleich sollen im Sinne des interkulturellen und kulturbezogenen Lernens auch transkulturelle Vergleiche ermöglicht sowie Deutungs- und Diskurskompetenzen gefördert werden, mit denen Lernende sich kulturelle Muster eigenständig erschließen können (vgl. Altmayer 2006; Nicolaescu 2021). Da zahlreiche Studierende das Deutschstudium ohne vertiefte Vorkenntnisse der deutschen Sprache und Kultur beginnen und sich auch in ihrer Alltagswelt wenig Berührungspunkte mit dem deutschsprachigen Raum ergeben, entsteht eine gewisse Lücke zwischen angestrebtem Lern- und Kompetenzzuwachs und den realen Gegebenheiten.2
Aufgrund ihrer thematischen und didaktischen Offenheit können Unterrichtsprojekte dazu beitragen, diese Lücken zu verringern, indem sie interkulturelle Verbindungen herstellen und entsprechende Kompetenzen fördern. Sie eröffnen Möglichkeiten für Austausch und Perspektivwechsel, können Reflexionsprozesse anstoßen und so eine vertiefte Auseinandersetzung mit kulturellen Differenzerfahrungen unterstützen (vgl. Walkowska 2018: 196). Soziale Medien bieten zudem Möglichkeiten authentischer Kommunikation in der Fremdsprache, da Lernende durch die Konzeption eigener Beiträge kreativ tätig werden und mit anderen Deutschsprechenden in einen direkten Austausch treten können (vgl. Jaszenovics 2016: 57).
Würffel weist jedoch darauf hin, dass der Einsatz von sozialen Medien häufig mit überhöhten Erwartungen, nicht belegten Annahmen und vielschichtigen Herausforderungen verbunden ist (vgl. Würffel 2020: 219–222). So ist beispielsweise nicht ausreichend belegt, ob Lernende tatsächlich dieselben medialen Kanäle sowohl für informelles privates Lernen als auch für formelles, gesteuertes Lernen nutzen können oder wollen. Zudem kann die Öffentlichkeit sozialer Medien zwar motivationsfördernd wirken, zugleich aber auch sozialen Druck erzeugen und dadurch hemmende oder einschüchternde Effekte haben. Nicht zuletzt nennt sie die Schwierigkeit, informelle Lernergebnisse sinnvoll in curriculare Sprachlernkurse zu integrieren (vgl. Würffel 2020: 222–227). Aus diesem Grund erfordert der Einsatz sozialer Medien im DaF-Unterricht zielgerichtete und sorgfältig geplante didaktische Konzepte, um Potenziale zu nutzen und Herausforderungen angemessen zu berücksichtigen.
Ein Beispiel für eine gelungene Integration sozialer Medien in den kulturbezogenen Fremdsprachenunterricht stellt das Projekt „GDR goes Instagram“ dar, das von Louis (2023) beschrieben wird. Es zeigt, wie Plattformen wie Instagram Lernräume eröffnen können, in denen historische und kulturelle Inhalte innovativ aufbereitet und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Studierende setzten sich dort in kreativen Formaten mit der DDR-Geschichte auseinander und präsentierten ihre Ergebnisse über soziale Medien. Auf diese Weise entstand nicht nur ein authentischer Kommunikationsrahmen, sondern auch die Möglichkeit, Resonanz über den Seminarraum hinaus zu erfahren.
Dieses Beispiel verdeutlicht das Potenzial sozialer Medien für den Fremdsprachenunterricht, insbesondere wenn sie in projektorientierte Settings eingebunden werden. An diese Diskussion knüpft das im Folgenden vorgestellte Instagram-Projekt an.
3 Das Unterrichtsprojekt: Rahmenkonzept, Umsetzung und Reflexion
Das Projekt „123-mal Deutsch in Thailand“ wurde insgesamt in drei Durchgängen durchgeführt und erstreckte sich von Dezember 2022 bis April 2025. Es war in den dreistündigen Pflichtkurs German Culture eingebettet und als semesterbegleitendes Projekt konzipiert. Insgesamt nahmen 113 Studierende des dritten Studienjahres teil, die alle Deutsch als Hauptfach im Bachelorprogramm der Silpakorn-Universität studierten. Zum Zeitpunkt des Projekts verfügten sie über ein Sprachniveau von A2 bis B2. Ziel war es, den Kurs um eine interaktive und handlungsorientierte Komponente zu erweitern, die ergänzend zu den weiteren Prüfungsleistungen eingeführt wurde.
Die konkrete Aufgabenstellung sah vor, dass die Studierenden jeweils zwei Beiträge in Form von Posts oder Reels für Instagram erstellten. Diese sollten aus einem kurzen Text und einem Bild oder Video bestehen. Die Beiträge wurden vom Kursleiter bewertet und flossen in die Gesamtnote des Kurses mit ein. Vor Beginn des Projekts wurden die Bewertungskriterien gemeinsam mit den Teilnehmenden besprochen. Erstens sollten alle Beiträge informativ sowie sprachlich und inhaltlich verständlich sein. Zweitens sollten sie sowohl auf ein deutschsprachiges Land als auch auf Thailand Bezug nehmen, sodass eine Verbindung zwischen beiden Kontexten sichtbar wurde. Drittens sollte ein deutlicher Bezug zu den Studierenden selbst hergestellt werden.
Die organisatorische Umsetzung lag weitgehend in den Händen der Studierenden. Sie wählten ihre Themen selbst und gestalteten die Beiträge eigenverantwortlich. Für die Verwaltung des Projekt-Accounts wurde ein Organisationsteam aus drei bis fünf Teilnehmenden gebildet, das die fertigen Beiträge auf die Projektseite stellte, die Reihenfolge festlegte und eingehende Kommentare betreute.3 Der Arbeitsprozess wurde durch regelmäßige Zwischengespräche im Kurs begleitet, in denen Ideen, Entwürfe und Herausforderungen diskutiert sowie konkrete Unterstützung angeboten wurden. Diese Zwischengespräche fanden vor allem in der Mitte des Kurses statt, sodass die Studierenden noch Gelegenheit hatten, die thematisierten Aspekte in ihren zweiten Beiträgen umzusetzen. Am Ende des Kurses stellten die Teilnehmenden ihre Beiträge dem Plenum vor. Zudem fand ein reflektierendes Abschlussgespräch statt.
Der Projektname entstand während der ersten Durchführung auf Vorschlag einer Studentin. Da in dieser Runde insgesamt 123 Beiträge erstellt worden waren, wurde der Titel „123-mal Deutsch“ gewählt. Er erschien den Studierenden zugleich eingängig und leicht zu merken, sodass er in den folgenden Durchführungen beibehalten wurde.
Das Projekt verfolgte mehrere miteinander verknüpfte Lernziele, die sprachliche, landeskundliche und medienpädagogische Dimensionen umfassen und ineinandergreifen:
Die Studierenden sollten ihr landeskundliches Wissen erweitern, indem sie deutschsprachige Spuren in Thailand eigenständig aufspürten und hierzu weiterführende Informationen recherchierten.
Darüber hinaus sollten sie ihre Medienkompetenz ausbauen, indem sie eigenständig Beiträge für Instagram konzipierten, produzierten und veröffentlichten sowie den Account gemeinschaftlich verwalteten.
Schließlich zielte das Projekt auf die Förderung der Sprachkompetenz, da die Studierenden Informationen zu ihren Themen recherchierten, Texte in deutscher Sprache verfassten und eigene Medienprodukte entwickelten.
Gerade im Zusammenspiel dieser Dimensionen lag ein besonderer erhoffter Mehrwert: Die Sprachkompetenz wurde durch die mediale Umsetzung praktisch angewendet, während landeskundliches Wissen durch die eigenständige Recherche in der thailändischen Lebenswelt erfahrbar wurde. Nicht zuletzt sollte durch die Begegnung der beiden Kulturen ein Reflexionsprozess angestoßen werden, der zur Steigerung interkultureller Sensibilität der Teilnehmenden beitragen kann.
Zum Abschluss des Projekts erfolgte eine zweigleisige Evaluation. Neben den Rückmeldungen der Studierenden dokumentierte auch der Kursleiter seine Beobachtungen. Ziel war es, die Akzeptanz des Formats zu überprüfen und zugleich Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung zu identifizieren. Die Studierendenperspektive wurde mithilfe eines Fragebogens erhoben, der 16 Items in vier thematische Blöcke gliederte: (1) Gesamteinschätzung des Projekts, (2) Erweiterung von Kenntnissen und Kompetenzen, (3) Inhalte und Beiträge des Projekts, (4) Zukunftsperspektiven. Neun Fragen waren offen formuliert, sechs basierten auf einer fünfstufigen Likert-Skala, eine im Multiple-Choice-Format. Der Fragebogen wurde mit Google Forms erstellt und anonym ausgefüllt. Von 35 Teilnehmenden nahmen 25 teil (Rücklaufquote 71,4 %). Die Umfrage zum Projekt wurde nur mit der Lerngruppe des letzten Projektdurchgangs unternommen. Hierdurch ist auch die geringe Datenmenge begründet. Von den 35 Studierenden nahmen 25 (71,4 %) an der Umfrage teil.
Die Kombination aus standardisierten Skalen und offenen Fragen erlaubte es, sowohl systematisch vergleichbare Daten zu generieren als auch individuelle Eindrücke und Reflexionen differenziert zu erfassen sowie den Teilnehmenden Raum zu geben, eigene Erfahrungen zu teilen.
Die dargestellte Konzeption und Durchführung bilden die Grundlage für die sich anschließende Analyse. Kapitel 4 präsentiert nachfolgend die Projektergebnisse, wertet die Rückmeldungen der Studierenden sowie die Beobachtungen des Kursleiters aus und ordnet sie im Hinblick auf die formulierten Lernziele ein.
4 Analyse und Diskussion des Unterrichtsprojekts
4.1 Projektergebnisse
Während der drei Projektdurchgänge entstanden insgesamt 263 Beiträge, die vom Autor anhand ihrer thematischen Schwerpunkte acht Kategorien zugeordnet wurden. Die Verteilung der Beiträge ist in Tabelle 1 dargestellt.
Tab. 1: Themenverteilung der Studierenden-Beiträge
| Inhalt | Anzahl und Prozent |
| Unternehmen | 112 (42,5 %) |
| Geschichte, Kunst, Kultur und Literatur | 42 (16 %) |
| Lebensmittel und Gastronomie | 30 (11,4 %) |
| Personen | 25 (9,5 %) |
| Medien, Filme, Serien und Musik | 22 (8,4 %) |
| Organisationen | 11 (4,2 %) |
| Tiere und Tierschutzorganisationen | 11 (4,2 %) |
| Sport, Spiele und Alltagskultur | 10 (3,8 %) |
| Gesamt | 263 (100 %) |
Wie Tabelle 1 zu entnehmen ist, beschäftigten sich die Studierenden in ihren Beiträgen am häufigsten mit Unternehmen aus deutschsprachigen Ländern, gefolgt von den Bereichen „Geschichte, Kunst, Kultur und Literatur“ sowie „Lebensmittel und Gastronomie“. Deutlich weniger Beiträge widmeten sich den Kategorien „Sport, Spiele und Alltagskultur“, „Tiere und Tierschutzorganisationen“ und „Organisationen“. Auffällig ist dabei die starke Dominanz von unternehmensbezogenen Themen, die nahezu die Hälfte aller Beiträge ausmachen.
Zudem zeigte sich, dass die Teilnehmenden im ersten Durchlauf vor allem Unternehmen auswählten, während sich das Themenspektrum erst im weiteren Verlauf zunehmend ausdifferenzierte. Im ersten Jahr war das Projekt zudem ausschließlich auf Deutschland beschränkt, ab dem zweiten Durchgang wurden auch Österreich, die Schweiz und Liechtenstein einbezogen. Unter den Beiträgen finden sich deshalb zahlreiche Beispiele aus allen DACHL-Ländern, bis hin zu Liechtenstein, vertreten durch den Werkzeughersteller Hilti.
Zur Vorstellung von Firmen erstellten viele Studierende kurze Videos, in denen sie Geschäfte besuchten und dort zeigten, wo die jeweiligen Produkte in Thailand erhältlich sind. Manche forderten die Follower*innen auch auf, eigene Erfahrungen oder ihre bevorzugten Geschmacksrichtungen zu teilen. Besonders bei bekannten Süßwarenherstellern wurde diese Strategie wiederholt angewendet. Andere recherchierten die nächstgelegenen Filialen und Vertretungen der präsentierten Unternehmen. Die Beiträge in dieser Kategorie waren damit häufig stark alltagsbezogen und auf unmittelbare Erfahrbarkeit im Umfeld der Lernenden ausgerichtet.
Die Kategorie „Geschichte, Kunst, Kultur und Literatur“ bot zahlreiche Gelegenheiten, historische Beziehungen zwischen deutschsprachigen Ländern und Thailand sichtbar zu machen. Mehrere Beiträge befassten sich etwa mit Karl Döhring, einem deutschen Architekten und Wissenschaftler, der Anfang des 20. Jahrhunderts in Thailand wirkte und dort zahlreiche Bahnhöfe und Paläste errichtete (vgl. Kaewsumrit 2012). Fünf Teilnehmende besuchten seine Bauten und dokumentierten die historischen Orte. Eine Studentin entdeckte am Wat Suthat in Bangkok eine deutsche Inschrift aus dem Jahr 1982, die auf Renovierungsarbeiten des Tempels im Rahmen der Kulturförderung der Bundesrepublik Deutschland verweist. Andere Beiträge führten in Museen, Ausstellungen und Bibliotheken oder stellten Lieblingsbücher in deutscher Sprache vor. In dieser Kategorie zeigte sich somit besonders deutlich, dass die Studierenden eigenständig Verbindungen zwischen ihrer Lebenswelt und historischen sowie kulturellen Kontexten herstellten.
Bemerkenswert ist zudem, dass die Studierenden in einigen Fällen auch Aspekte thematisierten, die bislang noch nicht im Kanon der thailändisch-deutschen Beziehungen verankert waren. Ein prägnantes Beispiel ist hierbei die Person Elisabeth Scharnberger, die Anfang des 20. Jahrhunderts Prinz Rangsit heiratete und gemeinsam mit ihm in Thailand lebte (vgl. Manalapanacharoen 2021: 47).
Besonders kreative und interaktive Videos entstanden im Bereich „Lebensmittel und Gastronomie“. Hier präsentierten die Studierenden Kochvideos zu kulinarischen Klassikern wie Sachertorte, Käsefondue oder Käsespätzle. Zudem teilten sie Rezepte und schilderten ihre Eindrücke. Auch zahlreiche Restaurants und Cafés in Thailand wurden besucht und vorgestellt, beispielsweise eine Filiale von „Berliner Döner“, mitten in Bangkok gelegen oder eine deutsche Bäckerei, in der eine Studentin Christstollen bestellte und diesen ihren Follower*innen vorstellte. Die Beiträge aus dieser Kategorie waren besonders beliebt und erzeugten die größte Resonanz. So erreichte der Beitrag „ein deutsches Restaurant auf Phuket“ 5.604 Aufrufe, „das Restaurant Mensa“ 4.993 Aufrufe und „Kaiserschmarrn“ 3.004 Aufrufe.4
Die Kategorien „Personen“, „Medien, Filme, Serien und Musik“ sowie „Organisationen“ boten ein breites Spektrum an Themen. Vorgestellt wurden vor allem prominente thailändische Persönlichkeiten mit Wurzeln in einem deutschsprachigen Land, etwa Musiker*innen oder Sportler*innen. Zudem wurden auch renommierte Germanist*innen, die für die Übersetzung zahlreicher Publikationen vom Thai ins Deutsche bekannt sind, vorgestellt. Daneben präsentierten die Studierenden Medienprodukte wie den Film „Im Westen nichts Neues“ oder die Serie „Dark“ sowie Institutionen wie die Botschaften der DACH-Länder oder die Swiss Society in Thailand. Eine Studentin berichtete beispielsweise von ihrer Mitarbeit am Weihnachtsmarkt des Bangkoker Goethe-Instituts und verband persönliche Erfahrungen mit der Vorstellung dieser Veranstaltung. Eine andere Person besuchte den Tag der offenen Tür an der deutschen Botschaft Bangkok und war sehr erstaunt, dort originale Stücke der „Berliner Mauer“ entdecken zu können. Die Beiträge dieser Kategorien zeichneten sich insgesamt besonders durch die Verbindung von Information und persönlicher Erfahrung aus.
Darüber hinaus fanden auch weniger naheliegende Themenfelder Beachtung. So stellte ein Student die Arbeit einer deutsch-thailändischen Tierschutzorganisation vor, während eine andere Studentin die Follower*innen zu einem Tischfußballturnier in der deutschen Botschaft mitnahm, das ihre Gruppe gewinnen konnte. Somit boten die Beiträge des Projekts auch Raum für individuelle und unerwartete Zugänge.
4.2 Rückmeldungen der Studierenden
Ein zentrales Ziel des Projekts bestand darin, nicht nur die Beiträge zu dokumentieren und zu analysieren, sondern auch die Sichtweisen der Studierenden einzubeziehen. Ihre Rückmeldungen geben Aufschluss darüber, wie das Projekt wahrgenommen wurde, inwiefern die Lernziele erreicht wurden und welche Potenziale und Grenzen sie für den DaF-Unterricht aufzeigen. Die Eindrücke wurden mithilfe eines Online-Fragebogens nach Abschluss des letzten Projektdurchgangs erhoben. Tabelle 2 fasst die Ergebnisse der geschlossenen Fragen zusammen, die auf einer fünfstufigen Likert-Skala beantwortet wurden (1 = sehr wenig, 5 = sehr viel). Im Anschluss werden die Ergebnisse ausgewertet und mit den ausführlicheren qualitativen Rückmeldungen in Beziehung gesetzt.
Tab. 2: Ergebnisse der geschlossenen Fragen (Mittelwert und Standardabweichung; Skala: 1 = sehr wenig, 2 = wenig, 3 = teilweise, 4 = viel, 5 = sehr viel; n = 25)
| Nr. | Item | M (Mittelwert) | SD (Standardabweichung) |
| 1 | Hat Ihnen das Projekt Spaß gemacht? | 4,6 | 0,5 |
| 2 | Haben Sie durch das Projekt neue Informationen über deutschsprachige Länder bekommen? | 4,8 | 0,4 |
| 3 | Haben Sie durch das Projekt Ihre Medienkompetenzen verbessert? | 4,4 | 0,6 |
| 4 | Haben Sie durch das Projekt Ihre Sprachkenntnisse verbessert? | 3,8 | 0,8 |
Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass die teilnehmenden Studierenden das Projekt insgesamt als motivierende und sinnvolle Lerneinheit wahrnahmen, die ihnen den Erwerb neuen Wissens sowie die Erweiterung ihrer Kompetenzen ermöglichte. Bei drei der vier Items liegt das arithmetische Mittel zwischen 4,0 und 5,0, was auf eine sehr positive Resonanz schließen lässt. Item vier, das die Verbesserung der Sprachkenntnisse abfragt, erreicht mit 3,8 zwar einen niedrigeren Wert und weist zugleich die größte Streuung auf, liegt jedoch weiterhin im Bereich der Skalenstufe „viel“. Insgesamt deutet sich somit bereits in den geschlossenen Antworten an, dass das Projekt vor allem als motivierendes, landeskundliches und medienpraktisches Lernformat wahrgenommen wurde, während sprachliche Fortschritte weniger eindeutig eingeschätzt wurden.
Ein noch differenzierter Eindruck ergibt sich, wenn auch die Antworten auf die offenen Fragen hinzugezogen werden. Bei der Frage, was den Teilnehmenden besonders gut gefallen habe, nannten die meisten, dass sie im Rahmen des Projekts neue Informationen über deutschsprachige Länder und die thailändisch-deutschen Beziehungen erhalten hätten (68 %). Weitere Nennungen waren der Bezug zum eigenen Alltag und den persönlichen Interessen (20 %) sowie die Vielfalt der Beiträge (8 %) und die verwendete Plattform (4 %).
Bezüglich ihrer eigenen Beiträge erwähnten die Teilnehmenden, dass ihnen vor allem ihr Thema (41,6 %) gefallen habe und dass sie von ihren persönlichen Erfahrungen und Vorlieben berichten konnten (29,2 %). Zudem wurden der Aufwand (16,7 %), die Kreativität (8,3 %) und die visuelle Gestaltung (4,2 %) hervorgehoben.
Exemplarische Zitate der Teilnehmenden unterstreichen und veranschaulichen diese Ergebnisse. Die Zitate wurden sprachlich leicht geglättet, um die Verständlichkeit zu erhöhen.
- (1)
- „Ich suche gern nach weiteren interessanten Informationen und lerne die thailändisch-deutsche Kultur kennen.“
- (2)
- „Ich liebe es, dass ich meine Interessen mit anderen Menschen teilen kann.“
Zur Frage, was sie im Rahmen des Projekts gelernt haben, nannten die Studierenden mehrheitlich Lernzuwachs im Bereich des landeskundlichen Wissens (59 %). Weiterhin erwähnten die Studierenden, dass sie gelernt hätten, kreative Videobeiträge zu erstellen (20,5 %) und Verantwortung für die eigenen Aufgaben und Produkte zu übernehmen (11,4 %). Lernzuwächse im Bereich der sprachlichen Kompetenzen wurden von 9,1 % der Teilnehmenden genannt.
- (3)
- „Ich habe gelernt, dass die thailändisch-deutschen Beziehungen eine lange Geschichte haben.“
- (4)
- „Informationen über die Schattenseiten Deutschlands und wenig bekannte Informationen.“
- (5)
- „Durch die Arbeit an diesem Projekt bin ich mit mehr Begeisterung für meine Arbeit und mehr Verantwortungsbewusstsein herangegangen. Zudem konnte ich meine Sprachkenntnisse entwickeln und Kenntnisse in der Videobearbeitung erwerben.“
- (6)
- „Ich habe beide Beiträge mit meinem vollen Einsatz gemacht, besonders den zweiten Beitrag, bei dem ich versucht habe, die Mängel des ersten Beitrags zu verbessern. Außerdem handelt es sich um ein Thema, das ich mag, daher hatte ich viel Freude daran, den Beitrag zu gestalten.“
- (7)
- „Ich habe meine Deutschkenntnisse verbessert, die ich vorher nicht kannte.“
Die Aussagen legen den Schluss nahe, dass die Studierenden durch das Projekt in Bezug auf alle drei Lernziele profitieren konnten. Im Bereich des landeskundlichen Wissens wurde sowohl die lange Geschichte der thailändisch-deutschen Beziehungen betont (3) als auch weniger bekannte und kritischere Aspekte thematisiert (4). Mit Blick auf die Medienkompetenz hoben die Studierenden hervor, dass sie mit größerer Begeisterung und Verantwortungsbewusstsein arbeiteten und zugleich technische Fähigkeiten wie die Videobearbeitung erwerben konnten (5). Zudem wird sichtbar, dass die Arbeit an den Beiträgen zur Reflexion des eigenen Lernprozesses führte und zur Verbesserung der Ergebnisse im zweiten Durchgang beitrug (6). Schließlich machten die Rückmeldungen deutlich, dass die Studierenden auch ihre Deutschkenntnisse erweitern konnten (7). Dieser Aspekt wurde jedoch insgesamt seltener genannt, was auch die vergleichsweise geringere Zustimmung bei dieser Frage erklärt.
Bezüglich der Herausforderungen, mit denen sich die Studierenden bei der Erstellung ihrer Beiträge konfrontiert sahen, wurden von den Teilnehmenden vor allem die Themenfindung (43,5 %) und die Recherche nach Informationen genannt (30,4 %). Weitere Schwierigkeiten umfassten technische Aspekte wie die Videobearbeitung oder visuelle Gestaltung (17,4 %) sowie die sprachliche Umsetzung (8,7 %).
- (8)
- „Mir ist es schwergefallen, interessante Themen zu finden.“
- (9)
- „Man muss einen echten Ort besuchen, um die Informationen zu finden. Wenn man nicht an einem echten Ort ist, ist es schwer, Inhalte zu erstellen.“
Befragt nach möglichen Verbesserungen oder Weiterentwicklungen des Projekts, sprachen sich die Teilnehmenden vor allem für die Nutzung einer anderen Plattform (25 %) und die Öffnung für weitere Themen ohne Bezug zu Thailand aus (25 %). Zudem wurde angeregt, dass die Beiträge mehr Interaktionsmöglichkeiten für Rezipient*innen beinhalten sollten (20,8 %) und die Sichtbarkeit des Projekts durch Werbung erhöht werden sollte (16,7 %). 12,5 % gaben an, dass das Projekt in keiner Form verbessert werden müsse.
- (10)
- „Dieses Projekt sollte mehr gefördert werden und eine andere Plattform verwenden, zum Beispiel TikTok, da sich viele Menschen dafür interessieren. Kurze Videos erreichen vielleicht mehr Interesse von den Menschen.“
- (11)
- „Es sollte eine Vielzahl von Geschichten geben. Das muss nicht unbedingt mit Thailand zusammenhängen.“
Bezüglich der Zukunft des Projekts sprachen sich die Studierenden mehrheitlich dafür aus (84 %), die erarbeiteten Beiträge in Form einer Ausstellung zu präsentieren. Diese sollte sowohl virtuell umgesetzt als auch vor Ort besichtigt werden können. Andere Vorschläge, etwa eine Publikation in Buchform, fanden hingegen nur geringe Zustimmung (16 %).
Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Studierendenbefragung, dass das Projekt vor allem als motivierende und wissensfördernde Lerneinheit wahrgenommen wurde. Besonders deutlich wird dies in den hohen Zustimmungswerten zum Spaß am Projekt sowie zum Erwerb neuer Informationen über deutschsprachige Länder. Gleichzeitig wird sichtbar, dass insbesondere die Verbindung von persönlichen Interessen, thailändischer Lebenswelt und deutschsprachigen Bezügen für viele Studierende eine zentrale Rolle spielte.
Lernzuwächse im Bereich der sprachlichen Kompetenzen wurden zwar ebenfalls genannt, standen jedoch deutlich weniger im Zentrum der Rückmeldungen als landeskundliches Wissen und medienpraktische Fähigkeiten. Dies deutet darauf hin, dass sprachliche Lernprozesse im Projekt eher begleitend wahrgenommen wurden.
Einschränkend ist anzumerken, dass die Datenbasis vergleichsweise gering ist, da die Umfrage ausschließlich mit der letzten Studierendengruppe durchgeführt wurde und somit lediglich 35 Lernende zu ihren Einschätzungen und Eindrücken zum Projekt befragt werden konnten. Diese begrenzte Datenmenge schränkt die Aussagekraft der daraus abgeleiteten Aussagen für das Gesamtprojekt ein. Zudem eignen sich die durchgeführten empirischen Erhebungen nur bedingt dazu, tatsächliche Fortschritte bei sprachlichen Fähigkeiten oder interkulturellen Kompetenzen beurteilen zu können. Darüber hinaus bleibt offen, inwiefern die wahrgenommenen Lernzuwächse mit dem individuellen Engagement der Studierenden zusammenhängen, da dieser Aspekt im Rahmen der Erhebung nicht gesondert erfasst wurde. Es ist daher möglich, dass insbesondere stärker engagierte Teilnehmende tendenziell größere Lernfortschritte wahrgenommen haben. Zur genaueren Untersuchung dieses Zusammenhangs wären andere Erhebungs- und Messverfahren erforderlich gewesen, etwa diskursanalytische Auswertungen einzelner Beiträge oder sprachspezifische Pre- und Posttests. Da der Schwerpunkt der Untersuchung jedoch auf der Erfassung der allgemeinen Akzeptanz des Projekts lag, wurde bewusst auf das hier verwendete Verfahren zurückgegriffen.
Neben den Eindrücken der Teilnehmenden sind auch die Beobachtungen der Lehrkraft von Bedeutung, da sie eine ergänzende Perspektive auf Planung, Durchführung und Wirkung des Projekts eröffnen. Im folgenden Abschnitt werden daher die Eindrücke des Autors geschildert.
4.3 Eindrücke der Lehrkraft
Aus Sicht des Kursleiters verlief das Projekt „123-mal Deutsch in Thailand“ insgesamt sehr erfolgreich. Die angestrebten Projekt- und Lernziele konnten erreicht werden, und es entstanden zahlreiche kreative und vielfältige Beiträge. Besonders positiv fiel auf, dass die Studierenden nicht nur erwartbare oder allgemein bekannte Aspekte präsentierten, sondern sich selbst auf Spurensuche begaben und dabei auch weniger bekannte Themenfelder sichtbar machten. Viele Teilnehmende hatten Freude an der Arbeit und waren stolz auf ihre Ergebnisse. Im Verlauf des Projekts war zudem eine deutliche Steigerung der Qualität und Themenvielfalt zu beobachten. Die gewählten Inhalte wurden zunehmend differenzierter und kreativer. Vor allem Beiträge zu kulturellen oder kulinarischen Themen zeichneten sich durch Eigenständigkeit und intensive Auseinandersetzung aus.
Auffällig war zudem, dass die erstellten Videos insgesamt kreativer, inhaltlich gehaltvoller und eigenständiger gestaltet waren als viele der textbasierten Posts. Insgesamt zeigte sich eine klare Progression, sowohl innerhalb der einzelnen Durchgänge als auch über den gesamten Projektzeitraum hinweg. Mit zunehmender Dauer fiel es den Studierenden leichter, eigene Themen zu finden und diese kreativ umzusetzen.
Zugleich wurden im Verlauf des Projekts auch verschiedene Schwierigkeiten und Herausforderungen sichtbar. So verlief die Themenfindung zu Beginn häufig stockend, und manche Studierende taten sich schwer, eigenständige Zugänge zu entwickeln. Zudem machten sich Diskrepanzen in der Qualität der Beiträge bemerkbar. Teilweise war ein starker Fokus auf Unternehmen und reine Internetrecherche erkennbar. Während einige Teilnehmende ihre Beiträge mit großem Engagement erstellten, Orte besuchten und eigene Recherchen durchführten, beschränkten sich andere auf bekannte Informationen, ohne eigene Reflexionen einzubringen. In Einzelfällen fehlte zudem der klare Bezug zu Thailand, da sich die Beiträge ausschließlich auf Informationen aus deutschsprachigen Ländern beschränkten. Darüber hinaus wurde nicht immer ein direkter und erkennbarer Bezug zur eigenen Person hergestellt, sodass einige Beiträge zu unpersönlich und unspezifisch gestaltet waren.
Um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, ihre Ergebnisse zu reflektieren und produktive Schlussfolgerungen für ihre zweiten Beiträge zu ziehen, wurden jeweils in der Mitte des Projektes im Plenum Zwischengespräche durchgeführt. Dabei wurden exemplarisch besonders gelungene Beispiele besprochen und gemeinsam Strategien für die Verbesserung erarbeitet. Im Zentrum standen die drei Kernkriterien, die hauptsächlich zur Beurteilung der Beiträge herangezogen wurden: ein sprachlich und inhaltlich verständlicher Inhalt, ein deutlicher Bezug zu Thailand sowie ein klar erkennbarer Bezug zur eigenen Person. Die nachfolgende Tabelle bietet einen Überblick über die Erfüllung der Vorgaben.
Wie aus Tabelle 3 hervorgeht, stellten insbesondere die Kriterien „Bezug zu Thailand“ und in noch stärkerem Maße „Bezug zur eigenen Person“ eine Herausforderung für einen relevanten Teil der Lerngruppe dar. Während im ersten Beitrag vier Beiträge (11,4 %) keinen Bezug zu Thailand herstellten, traf dies beim Bezug zur eigenen Person auf 15 Beiträge (42,9 %) zu. Aus diesem Grund wurden diese Aspekte in den Zwischengesprächen gezielt aufgegriffen und Impulse für Verbesserungen gegeben. So wurden im Verbund mit der Lerngruppe weitere Themen sowie Möglichkeiten der Interaktion erarbeitet. Dazu zählten etwa der Besuch relevanter Orte, das Recherchieren und Ausprobieren von Produkten, eigene Aktivitäten wie das Kochen von Gerichten oder das Nachspielen von Liedern sowie die Vorstellung und Bewertung unterschiedlicher Medien. Diese Impulse erwiesen sich für viele Lernende als hilfreich und spiegelten sich in den zweiten Beiträgen wider, die durch deutlich mehr direktes Engagement und persönliche Involviertheit geprägt waren. So gelang es 30 der 35 Teilnehmenden (85,7 %), in ihrem zweiten Beitrag einen direkten Bezug zu sich und ihrem Alltag herzustellen. Die deutlich besseren Ergebnisse im zweiten Beitrag legen nahe, dass die gezielte Thematisierung dieser Aspekte in den Zwischengesprächen zur Qualitätssteigerung beitrug.
Tab. 3: Erfüllung der Bewertungskriterien in den Beiträgen (n = 35)
| Kriterien | Erster Beitrag | Zweiter Beitrag |
| Informativer und verständlicher Inhalt | 34 (97,1 %) | 35 (100,0 %) |
| Bezug zu Thailand | 31 (88,6 %) | 35 (100,0 %) |
| Bezug zur eigenen Person | 20 (57,1 %) | 30 (85,7 %) |
Auch im Hinblick auf Reichweite und Interaktion zeigte sich Entwicklungspotenzial. Zwar erzielten einige Beiträge mehr als 5.000 Aufrufe, insgesamt blieb die Zahl der Follower*innen mit etwa 425 jedoch relativ gering. Hier stimmt der Kursleiter mit den Studierenden überein, die sich mehr Sichtbarkeit wünschten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass dort, wo die Studierenden gezielt Follower*innen zur aktiven Teilnahme aufforderten, zahlreiche Interaktionen in Form von Kommentaren und Reaktionen zustande kamen. Für zukünftige Durchführungen erscheint es daher sinnvoll, solche Aufrufe und Interaktionsangebote verbindlich in die Aufgabenstellungen zu integrieren, da entsprechende Beiträge sich als besonders kreativ, produktiv und wirksam erwiesen haben.
Darüber hinaus wurde deutlich, dass auch die Wahl der Plattform Vor- und Nachteile mit sich brachte. Instagram war den meisten Studierenden vertraut und wurde in Kommentaren sogar als Lieblingsplattform bezeichnet. Aus diesem Grund ergaben sich kaum technische Einstiegshürden. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten der Plattform begrenzt, und als Teil des Meta-Konzerns verfolgt sie klar gewinnorientierte Interessen, weshalb Sichtbarkeit häufig durch bezahlte Werbung gesteigert werden muss. Zudem ist Instagram im Jahr 2025 verstärkt in die Kritik geraten, da Meta das professionelle Faktenprüfungsprogramm abgeschafft hat und die Verantwortung für die Überprüfung von Inhalten stärker an die Community überträgt (vgl. Cazzamatta 2025).
Zusammenfassend lässt sich für die Einbindung eines solchen Projekts in den Fremdsprachenunterricht festhalten, dass eine solche Aktivität vielfältige Potenziale für einen lerner*innen- und handlungsorientierten Unterricht bietet. Zugleich erfordert sie von Lehrenden und Lernenden eine hohe Einsatzbereitschaft sowie eine sorgfältige Planung vor und während des Projekts. Zentral sind dabei eine klare Kommunikation der Bewertungskriterien und des Erwartungshorizonts sowie ausreichend eingeplante Zeit für Zwischengespräche, da diese wesentlich dazu beitragen können, die Qualität und Tiefe der Beiträge zu erhöhen und die Studierenden bei der Entwicklung eigenständiger und reflektierter Ergebnisse zu unterstützen.
5 Fazit und Ausblick
Das Unterrichtsprojekt „123-mal Deutsch in Thailand“ eröffnete den Studierenden die Möglichkeit, sich eigenständig und kreativ mit deutschsprachigen Spuren in ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen. Sie recherchierten und erstellten alle Beiträge selbstständig und übernahmen Verantwortung für den gesamten Produktions- und Organisationsprozess. Ziel war es dabei, landeskundliche, medienpädagogische sowie sprachbezogene Dimensionen des Lernens miteinander zu verknüpfen und den Studierenden auf diese Weise eine lerner*innen- und handlungsorientierte Lernerfahrung zu ermöglichen.
Die Auswertung der Evaluation sowie die Beobachtungen des Kursleiters legen nahe, dass dieses Ziel weitgehend erreicht wurde. Besonders im Bereich der Erweiterung landeskundlicher Kenntnisse, der Motivation und der Entwicklung medienpraktischer Fertigkeiten ließen sich deutliche Lernfortschritte erkennen. Viele Studierende arbeiteten mit Engagement, suchten nach originellen Themen und stellten bislang wenig bekannte Aspekte der thailändisch-deutschen Beziehungen heraus. Sprachliche Lernprozesse dürften das Projekt begleitet haben, standen jedoch nicht im Fokus der Untersuchung. Zwar berichteten einzelne Teilnehmende auch von positiven sprachbezogenen Erfahrungen, systematisch untersucht wurden sprachliche Lernfortschritte im Rahmen der vorliegenden Studie jedoch nicht.
Als besonders hilfreich erwiesen sich die Zwischengespräche im Kurs, die Raum für Reflexion und gezielte Verbesserungen boten. Im Projektverlauf zeigte sich dadurch eine klare Steigerung von Qualität, Eigenständigkeit und Themenvielfalt. Zudem nahmen infolge dieser Intervention die Bezüge zu Thailand und zur eigenen Person zu, die zu den zentralen Bewertungskriterien gehörten. Auffällig war zudem, dass Videobeiträge und interaktive Formate eine besondere Wirkung entfalten konnten. Diese wurden von den Studierenden mit großem Engagement umgesetzt und erhielten bei den Follower:innen die größte Resonanz. Für den DaF-Unterricht ergibt sich daraus, dass ein Fokus auf Videos und Interaktionen sinnvoll ist und von der Lehrkraft gezielt angeregt sowie in der Aufgabenstellung verankert werden sollte.
Gleichzeitig blieb sichtbar, dass die Themenfindung zu Beginn häufig schwerfiel und manche Beiträge stark auf Unternehmen und reine Internetrecherche beschränkt waren, was die inhaltliche Tiefe und Vielfalt teilweise begrenzte.
Insgesamt verdeutlicht das Projekt, dass soziale Medien im DaF-Unterricht produktive Lernräume schaffen können, in denen Sprachlernen, interkulturelle Sensibilisierung und digitale Kompetenzen eng miteinander verbunden werden. Die Ergebnisse legen nahe, dass die besondere Stärke des Projekts vor allem in der Verbindung von Motivation, kulturbezogenem Lernen und Medienproduktion liegt. Damit kann das Projekt „123-mal Deutsch in Thailand“ zu einem praxisnahen, kreativen und zugleich reflexiven Fremdsprachenunterricht beitragen.
In der vorliegenden Untersuchung lag der Fokus vor allem auf der Analyse der Meinungen und Erfahrungen der Teilnehmenden zum Projekt, um dessen Potenziale und Herausforderungen erfassen zu können. Eine hierauf aufbauende Untersuchung könnte die im Rahmen des Projekts entstandenen Texte und Videos stärker in den Blick nehmen und den Schwerpunkt dabei auf sprachliche Realisationen sowie interkulturelle Aspekte legen. Zudem könnte das Projekt auch auf andere Länder übertragen werden, um anschließend die in Thailand zusammengetragenen Ergebnisse mit denen anderer Länder der Region zu vergleichen und so übergreifende Erkenntnisse zu gewinnen.
Notes
- Inspiriert wurde das Projekt zusätzlich durch einen Workshop, an dem der Autor im Rahmen der Internationalen Deutschlehrer:innen Tagung (IDT) 2022 in Wien teilnahm. Der Workshop trug den Titel: „Lernen, Mitmachen, Erleben: Instagram im Deutschunterricht“ und wurde von Christiane Barchfeld und Anne Essel geleitet. [^]
- Das Deutschstudium wird in Thailand in der Regel im Rahmen eines vierjährigen Bachelorstudiums absolviert, wobei Deutsch als Haupt- oder Nebenfach studiert werden kann. An der Silpakorn -Universität werden zu Studienbeginn keine Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Im Verlauf des Studiums erreichen die Studierenden ein Sprachniveau zwischen B1 und C1. Das Studium umfasst sowohl Sprachkurse als auch fachwissenschaftliche Seminare, unter anderem in Linguistik, Literaturwissenschaft und kulturbezogenem Lernen. [^]
- Das Engagement des Organisationsteams wurde bei der Gesamtbewertung des Projekts berücksichtigt. [^]
- Alle Aufrufzahlen wurden am 27.04.2026 erhoben. [^]
Literatur
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Kurzbio
Felix Pülm unterrichtet seit 2015 Deutsch als Fremdsprache an der thailändischen Silpakorn-Universität. Zu seinen Schwerpunkten zählen interkultureller und diskursiver Landeskundeunterricht, der die Studierenden in den Fokus setzt, und innovative Projekte, bei denen häufig multimediale Formen des Fremdsprachenunterrichts im Mittelpunkt stehen. Neben seiner Tätigkeit an der Silpakorn-Universität promovierte der Autor an der Freien Universität Berlin mit einem Dissertationsprojekt über thailändische Geschichtsmuseen.
Anschrift:
Felix Pülm
Department of German,
Faculty of Arts
Nakhon Pathom 73000
Thailand,