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Praxisbericht

„Wir bringen die Welt ins Klassenzimmer“ –Transkulturelles Lernen mit Europa macht Schule im Fremdsprachenunterricht “Bringing the world into the classroom”- Transcultural learning with “Europe makes school” in the foreign language classroom

Abstract

“Bringing the world into the classroom” – A project report about transcultural learning with “Europe makes school” in the foreign language classroom           
The ‘Europa macht Schule’ programme promotes intercultural communicative competences in foreign language teaching through direct encounters between pupils and international students. These interactions promote openness, curiosity, and the ability to reflect on cultural similarities and differences. Authentic sociocultural knowledge is exchanged, while all participants are encouraged to change their perspective. The programme offers additional value for students who present their home country and for pupils who develop transcultural competence and experience language as a valuable means of communication for coping with international encounters. This is illustrated by three project examples from English, French and Spanish foreign language classrooms.

Keywords:

How to Cite:

Kanli, Eleni; Velkin, Elina & Hugargowitsch, Larissa (2026): „Wir bringen die Welt ins Klassenzimmer“ – ein Projektbericht über transkulturelles Lernen mit „Europa macht Schule“ im Fremdsprachenunterricht. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht 31: 2, 303–319. https://doi.org/10.48694/zif.4731

1 Einleitung

Die Europäische Union (EU) basiert auf den Werten Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichstellung und Rechtsstaatlichkeit, festgelegt im Vertrag von Lissabon und der EU-Grundrechtecharta. Diese Prinzipien prägen ihre Politik und ihr Handeln und wurden 2012 mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt. Ihre zentralen Ziele sind der Schutz ihrer Werte, die Wahrung des Friedens und das Wohlergehen ihrer Bürger:innen. Sie schafft einen Raum der Freiheit, Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit ohne Binnengrenzen. Zudem strebt sie eine nachhaltige Entwicklung an, die auf Wirtschaftswachstum, sozialem Fortschritt und dem Schutz der Umwelt basiert (vgl. Europäische Union o.J.).

Laut dem Eurobarometer 2025 messen Europäer:innen der EU als Wertegemeinschaft einen großen Wert bei. Insbesondere „Frieden (41 Prozent), gefolgt von Demokratie (33 Prozent) und […] [die] Achtung von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Grundfreiheiten (28 Prozent)” (Bildungsspiegel digital 2025: o.S.) werden mit der EU in Verbindung gebracht und als ihre großen Vorzüge wahrgenommen. Für junge Menschen in Europa sind wiederum die Reisefreiheit sowie die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten und zu studieren, von großer Bedeutung, gefolgt vom Euro als Währung und den beschriebenen europäischen Grundrechten. Worauf sie sorgenvoll schauen, ist die Frage der Migration und des Asylrechts sowie Umwelt, Klima und potentielle militärische Angriffe auf die EU (vgl. TUI Stiftung 2025). Die EU steht in den letzten Jahren auch immer mehr in der Kritik: Begonnen mit der fehlenden Einigkeit in der Asylfrage oder der Frage um die Waffenlieferung während des Ukrainekriegs sowie der wachsenden Beliebtheit rechtspopulistischer Parteien, um einige Entwicklungen zu nennen.

Um die Wertegemeinschaft trotz aller Herausforderungen, die sich ihr in den Weg stellen, aufrechtzuerhalten und sich als Einheit den zukünftigen Herausforderungen wie der Migration, dem Umweltschutz und der Wettbewerbsfähigkeit (vgl. Europäische Union 2024) zu stellen, bedarf es nicht nur einer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit, sondern auch einer Identifikation der EU-Bürger:innen mit den europäischen Werten. Fernández, Bedasheva und Durban (2026) stellten in ihrer Meta-Analyse fest, dass die Identifikation mit der EU sehr heterogen ist. Sie hängt unter anderem von der Bildung und dem sozioökonomischen Status der Bürger:innen sowie davon ab, ob sie die Möglichkeit hatten, im Ausland zu leben oder für eine gewisse Zeit dort zu arbeiten. Da nicht alle Schüler:innen einen Auslandsaufenthalt in Erwägung ziehen, ist es von Bedeutung, den internationalen Austausch über die Vielfalt an Bräuchen, Traditionen und Kulturen und über aktuelle gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Probleme bereits während der Schulzeit durch Begegnungen mit Personen aus verschiedenen Ländern zu ermöglichen. Ziel ist, vorhandene Stereotype und Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten zu finden und aus geschichtlichen Ereignissen für die Zukunft zu lernen. Dies kann unter anderem durch „Europa macht Schule“-Projekte im Klassenzimmer deutscher Schulen implementiert werden. Im folgenden Projektbericht werden Praxisbeispiele und zugrundeliegende wissenschaftliche Theorien über interkulturelles kommunikatives Lernen in der Schule vereint.

2 Europa im Schulkontext

Im schulischen Alltag kommt der Mehrwert der kulturellen Diversität in Europa oftmals zu kurz. Jedoch sind das Leben und Erlernen der in der Einleitung dargestellten europäischen Werte, wie Demokratie, Freiheit oder Gleichstellung, von zentraler Bedeutung. Auch bildungspolitisch führt die Kultusministerkonferenz Empfehlungen zur Europabildung in der Schule aus. Dabei ist

Ziel der pädagogischen Arbeit an Schulen […], die Europakompetenz, d. h. neben europabezogenen Kenntnissen vor allem interkulturelle Kompetenz, Partizipations- und Gestaltungskompetenz sowie Mehrsprachenkompetenz, bei Kindern und Jugendlichen zu fördern und somit das Bewusstsein einer europäischen Identität als Ergänzung zu den lokalen, regionalen und nationalen Identitäten zu ermöglichen. […] Sie werden so zu einer selbstständigen, reflektierten Auseinandersetzung mit der aktiven Rolle Deutschlands in Europa, dem Europarat und der Europäischen Union, zur Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen auf europäischer Ebene sowie zum Umgang mit globalen Herausforderungen befähigt (KMK 2020: 5–6).

Das im Folgenden beschriebene Programm „Europa macht Schule” ist eine gute Möglichkeit, um diese Ziele in der Schulpraxis umzusetzen, was in den ausgeführten Projektbeispielen in Kap. 7 deutlich wird. Die internationalen Studierenden können dabei „gleichzeitig ihrer Verbundenheit sowohl zur Herkunftsregion als auch zu Europa Ausdruck geben“ (ebd.: 3). Die soziale Integration auf europäischer Ebene kann dadurch gefördert werden, da ein Zugehörigkeitsgefühl durch das Herausstellen von Gemeinsamkeiten sowie die Offenheit und Neugier gegenüber anderen Kulturräumen im Rahmen von solchen Projekten durch den direkten Austausch entwickelt werden können.

Darüber hinaus kann die Europabildung an Schulen sowohl in den Fachunterricht einbezogen als auch durch schulkulturelle Praktiken gefördert werden. Im Fremdsprachenunterricht kann Englisch als Lingua Franca zur Kommunikation mit internationalen Studierenden erlebt werden. Die Sprache wird als Brücke zu anderen kulturellen Lebenswelten erfahren. In Gesellschaftslehre kann Europa insbesondere heutzutage als erfolgreiches Friedensprojekt wahrgenommen und wertgeschätzt werden (vgl. ebd. 2020). Bei den Juniorwahlen und der Europawahl im vergangenen Jahr kam heraus, dass Schüler:innen sich als Teil Europas erleben. Im Geographieunterricht kann die Erschließung des europäischen Nahraums, auch im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung als zentrales Bildungsziel, stattfinden. Im Geschichtsunterricht findet die Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Entwicklung Europas sowie deren Meilensteine und Herausforderungen statt. Schulkulturelle Praktiken können sich auf die Demokratieerziehung beziehen, wie die Etablierung eines Klassenrats, die Möglichkeit der Partizipation in der Schülervertretung, vielzählige Demokratieprojekte sowie das Leben europäischer Werte im schulischen Alltag (vgl. ebd.: 9).

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die „jugendpolitische Zusammenarbeit in der Europäischen Union“ (ebd.: 4). So gibt es Gruppen wie Junior- und Seniorbotschafter:innen an Schulen, die an von der Europäischen Union organisierten Veranstaltungen teilnehmen, für den Europagedanken an der eigenen Schule stehen sowie Projekte, wie beispielsweise ein Europapausenquiz, an der eigenen Schule organisieren und damit zur Sichtbarkeit und Relevanz der Europabildung auf Augenhöhe mit Mitschüler:innen beitragen. Einen wichtigen Beitrag zur Europabildung leisten Europaschulen, die interkulturelle Lernprozesse in besonderer Weise fördern. Die hessischen Europaschulen implementieren beispielsweise seit dem Schuljahr 2024/2025 im Auftrag des Europarats den „Reference Framework of Competences for Democratic Culture (RFCDC)“. Das Kompetenzmodell definiert, wie das Mitwirken an einer Kultur der Demokratie sowie das friedliche Zusammenleben in kulturell vielfältigen Gesellschaften unterstützt werden soll (vgl. HMKB 2025).

Zahlreiche Austauschprogramme, wie Erasmus+, bieten jungen Europäer:innen die Möglichkeit, während des Studiums, der Schulzeit oder der Ausbildung für eine bestimmte Zeit unter anderem im europäischen und auch außereuropäischen Ausland zu leben, interkulturelle sowie fremdsprachliche Kompetenzen zu erwerben, am europäischen Austausch teilzuhaben und ihre europäische Identität zu stärken (vgl. Deutsche Nationale Agenturen im EU-Bildungsprogramm Erasmus+ o.J.). Deutschland zieht ebenso jedes Jahr mit steigender Tendenz viele internationale Studierende aus dem Ausland an, die an deutschen Universitäten wertvolle Erfahrungen sammeln wollen. Im Wintersemester 2024/2025 studierten laut einer Schnellumfrage des Deutschen akademischen Austauschdienstes (DAAD) 402.000 internationale Studierende an deutschen Hochschulen, was eine Steigerung von etwa 6% zum Vorjahr bedeutet (vgl. Deutscher akademischer Auslandsdienst 2025: o.S.). Dieses Potential kann weiter genutzt werden, um interkulturelle, kurzzeitige Projekte innerhalb Deutschlands durchzuführen, wie zum Beispiel „Europa macht Schule“, welches im Folgenden vorgestellt sowie dessen Potenzial für den Fremdsprachenunterricht herausgestellt wird.

3 Das Programm „Europa macht Schule“

Das vom DAAD koordinierte Programm „Europa macht Schule“ ermöglicht internationalen Studierenden, ein drei- bis fünfstündiges Projekt mit Europabezug in einer Schulklasse durchzuführen und dadurch den Schüler:innen ihr Heimatland auf aktive und lebendige Art und Weise näher zu bringen. Organisiert wird das Programm von ehrenamtlichen Standortteams, meistens von Studierenden an verschiedenen Hochschulorten in ganz Deutschland. Diese kontaktieren Schulen in der Nähe ihres Hochschulstandorts und werben internationale Studierende über Social Media, auf Hochschulveranstaltungen oder in Deutschkursen an. Bei einem Kennenlerntreffen vernetzen sich dann Lehrkräfte und Studierende und können mit der Planung der Projekte beginnen. Die Standortteams stehen während der Projektlaufzeit jederzeit für Fragen zur Verfügung und unterstützen bei Bedarf die Studierenden bei der Planung und Durchführung ihres Projekts. Am Ende der Projektlaufzeit (entweder am Ende des Sommersemesters oder des Wintersemesters) wird eine Abschlussveranstaltung vom Standortteam organisiert, auf der die durchgeführten Projekte vorgestellt und Zertifikate verliehen werden (vgl. Europa macht Schule o.J. a).

Darüber hinaus wird das Projekt von hauptamtlichen DAAD-Mitarbeiter:innen in Bonn koordiniert, die als Ansprechpartner:innen allen Beteiligten zur Verfügung stehen und für die Abrechnung sowie für die Werbematerialien verantwortlich sind. Der Verein, der ideelle Träger von „Europa macht Schule”, und seine Arbeitsgruppen unterstützen bei der Weiterentwicklung des Programms (vgl. Europa macht Schule o.J. b). „Europa macht Schule“ steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier und wurde bereits mit mehreren Preisen, wie der „Europa-Lilie für Europäische Jugendarbeit“ (2016) und dem Europapreis „Großer Blauer Bär“ (2015) ausgezeichnet (vgl. Europa macht Schule o.J. c). Ebenso war „Europa macht Schule” auf dem Bürgerfest des Bundespräsidenten, Frank Walter Steinmeier, im Jahr 2023 eingeladen und unter anderen mit dem Vorstand vertreten (vgl. Europa macht Schule 2023).

Das Ziel von EmS ist es, den Blick der Teilnehmenden für diese Vielfalt und Diversität zu öffnen. Alle Teilnehmenden bekommen neue und unterschiedliche Sichtweisen auf Europa, wodurch das Verständnis füreinander gestärkt wird. Unter den Schülerinnen und Schülern wird gleichzeitig erstes Interesse für einen eigenen Aufenthalt im Ausland geschaffen (Europa macht Schule o.J. d).

Internationale Studierende aller Studienfächer und Länder sowie Schulklassen aller Schularten und Klassenstufen können an dem Projekt teilnehmen (vgl. Europa macht Schule o.J. a).

Gerade auf den Abschlussveranstaltungen, auf denen die Projekte vorgestellt werden, wird deutlich, dass die Beteiligten vom internationalen Austausch vor Ort profitieren können: Schüler:innen, Lehrkräfte, Eltern und das ehrenamtliche Standortteam. Neben den Personen vor Ort profitieren auch die europäischen sowie außereuropäischen Studierenden vom Austausch mit den Kindern und Jugendlichen. Das Projekt an einer Schule in Deutschland durchzuführen, das Schulsystem kennenzulernen, sich mit Lehrkräften abzusprechen und sich auf die vielfältigen jungen Menschen in Deutschland einzulassen, fördert und fordert interkulturelle kommunikative Kompetenz.

Im Folgenden wird dargestellt, wie das Programm im Schulunterricht auf vielfältige Weise integriert werden kann.

4 Das Programm „Europa macht Schule“ im Fremdsprachenunterricht

Insbesondere im Fremdsprachenunterricht, der sich als oberstes Ziel die Entwicklung einer interkulturellen kommunikativen Kompetenz auf die Fahne schreibt (vgl. KMK 2012: 11), bietet es sich an, ein „Europa macht Schule“-Projekt durchzuführen. Die Lernenden erleben interkulturellen Austausch, indem internationale Studierende im Fremdsprachenunterricht ihr Heimatland und den Bezug zu Europa mit den Schüler:innen erarbeiten. Nieweler zufolge ist der

respektvolle und tolerante Umgang mit anderen Kulturen […] eine Querschnittsaufgabe von Schule. Die Vermittlung von Werten und Normen erinnert an Schulfächer wie Religion oder Praktische Philosophie. Die Besonderheit des Fremdsprachenunterrichts besteht nun darin, diese Werte in kommunikativen Situationen auch anzuwenden, also nicht nur darüber zu reden, sondern es auch zu tun (Nieweler 2019: 179).

Diesem primären Ziel des Fremdsprachenunterrichts liegt das Modell des intercultural speakers von Michael Byram (2021) zugrunde, welches den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) maßgeblich geprägt hat.

Seit der kommunikativen Wende in den 70er Jahren und der Publikation der Stuttgarter Thesen 1982 distanziert man sich immer mehr vom Ideal eines near native speaker, der im Fremdsprachenunterricht linguistische Kompetenzen erwirbt, um sich wie eine Person in ihrer Erstsprache auszudrücken (vgl. Baumgratz 1982). Es rücken der intercultural speaker als Ideal und die Schulung einer „interkulturellen Handlungsfähigkeit“ (Nieweler 2019: 175, in Anlehnung an Byram 1997: 43–47) als oberste Priorität in den Vordergrund.

Demnach sollen Schüler:innen die nötigen Fähigkeiten erlangen, um mit Gleichaltrigen und Erwachsenen unterschiedlichster Nationalitäten in Kontakt zu treten, Freundschaften zu knüpfen und die Beziehung über kulturelle Grenzen hinweg aufrechtzuerhalten. Das Modell der „interkulturellen kommunikativen Kompetenz“ von Byram (1997) prägt den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (vgl. Europarat 2001), der die Grundlage für die Bildungsstandards und Kerncurricula an deutschen Schulen darstellt. Dem Modell zufolge benötigen die Schüler:innen neben kommunikativen Kompetenzen auch interkulturelle Kompetenzen, um zum intercultural speaker zu werden und müssen sich gleichzeitig ihres eigenen kulturellen Hintergrunds bewusst sein (vgl. Byram 2021). Mit dem Projekt „Europa macht Schule“ werden Kompetenzen in allen Teilbereichen des Modells geschult. Aufgrund vielfältiger, langjähriger Beobachtungen von am Projekt beteiligten Akteur:innen und der jährlichen schriftlichen internen Evaluation der durchgeführten Projekte stellen sich die im Folgenden beschriebenen Effekte auf den Kompetenzerwerb deutlich in den Vordergrund. Zudem belegt eine Meta-Analyse von Studien über internationale Austauschprogramme den positiven Effekt von persönlichen Begegnungen auf das interkulturelle Lernen, selbst bei kurzzeitigen Programmen (vgl. Heinzmann/Ferris/Roderer/Ehrsam 2025). Es sind jedoch noch weitere, methodisch robustere empirische Studien erforderlich, um diese Beobachtungen wissenschaftlich zu überprüfen.

Das Kennenlernen eines anderen Landes und seiner Kultur durch internationale Studierende im eigenen Klassenzimmer erlaubt den Schüler:innen die Haltung der Neugierde und Offenheit gegenüber anderen Kulturen einzunehmen und sich auf diese einzulassen, während die eigene Sichtweise und mögliche Vorurteile vorübergehend relativiert werden (savoir être). Das Projekt kann in diesem Fall als Anregung zum Perspektivwechsel auf Seiten der Schüler:innen dienen, welche im geschützten Raum des Schulunterrichts ihre eigene kulturelle Identität hinterfragen können, Vorurteile kritisch reflektieren und Unterschiede nicht als Barrieren, sondern als Bereicherung wertschätzend wahrzunehmen lernen. Das gemeinsame Kennenlernen, Unterhaltungen, Spiele und Austauschrunden schaffen dabei Raum für Empathie und gegenseitiges Verständnis. Eine spielerische Herangehensweise an Vorurteile und Gemeinsamkeiten kann dabei als Einstieg dienen und den Schüler:innen gleichzeitig die Außenansicht auf die eigene Lebensrealität ermöglichen.

Weiterhin erwerben die Schüler:innen während des Projekts wertvolles deklaratives Wissen (savoirs) über die Kulturen, Traditionen, Geographie, Geschichte etc. des jeweiligen Landes und den Bezug zu Europa. Oftmals beginnen die Projekte mit der Aktivierung des Vorwissens und erster Assoziationen zu dem Land, z.B. mithilfe eines Quiz, eines Bildimpulses oder eines kurzen Videos. Die Präsentation eines bestimmten kulturellen Aspekts ist oft ein zentraler Bestandteil eines „Europa macht Schule“-Projekts. Dies kann ebenso mehrkanalig erfolgen, zum Beispiel über Texte, Filme oder schüleraktivierend durch Escape Rooms. Anschließend erarbeiten die Teilnehmer:innen in einem aktivierenden Teil zusammen mit den Schüler:innen faktisches Wissen und wenden es gemeinsam an. Hierbei kann beispielsweise gemeinsam gekocht werden, eine Diskussion in Gruppen oder im Plenum geführt werden oder eine bestimmte Reiseroute mithilfe des Inputs der internationalen Studierenden erarbeitet werden.

Dieses erworbene Wissen sollen die Schüler:innen auf der Grundlage ihres bereits vorhandenen Vorwissens interpretieren und mögliche Missverständnisse und Diskrepanzen aufdecken (savoir comprendre). Hierbei ist zudem das Bewusstsein über die eigene Kultur und Sozialisierung von Bedeutung, was dazu beiträgt, Brücken zwischen unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu schlagen und sich in multikulturellen Kontexten sicher bewegen zu können (vgl. Byram 2021: 37). Indem das eigene Wissen, die eigenen Haltungen und Einstellungen mit den neuen Eindrücken, die während des Projekts auf die Schüler:innen einwirken, in Bezug gesetzt werden, soll erreicht werden, dass die SchülerInnen ihren eigenen Standpunkt hinterfragen, einen Perspektivwechsel vornehmen und „neue, hybride Positionen und Sichtweisen“ (Freitag-Hild 2019: 127) entstehen. Diese Teilkompetenz bezeichnet Byram als savoir apprendre/faire. Der Lernprozess kann durch Rollenspiele, critical incidents (vgl. Pfadenhauer/Jansen 2025) und die Arbeit mit Hetero- und Autostereotypen angeregt werden, bei denen die Schüler:innen mit kulturellen Missverständnissen auf tieferer Ebene konfrontiert werden (vgl. Decke-Cornill/Küster 2010: 228–229). Dabei sollen sie diese Missverständnisse zunächst identifizieren, ihren eigenen Standpunkt und den des Gesprächspartners durch den Perspektivwechsel hinterfragen und für die möglichen Missverständnisse in der Kommunikation sensibilisiert werden (vgl. Grünewald 2017: 193).

Kritische Diskussionen und Rollenspiele eignen sich besonders, um sowohl Byrams savoir comprendre als auch savoir apprendre/faire zu fördern. Die Schüler:innen können beispielsweise im Laufe des „Europa macht Schule”-Projekts landestypische kulturelle Symbole, Sprachen und Gestiken der Zielkultur mit ihrer eigenen vergleichen und vor diesem Hintergrund Einstellungen und Vorurteile diskutieren. Einblicke in zwischenmenschliche Beziehungen und deren Wahrnehmung wie die Lehrer:innen-Schüler:innen-Beziehung in der Zielkultur oder das Verhalten eines Liebespaares in der eigenen Kultur, im Vergleich mit der Zielkultur, können hier eine Grundlage für den Austausch liefern.

Eine weitere zentrale Kompetenz, zu der „Europa macht Schule“ einen wichtigen Beitrag leistet, ist die Persönlichkeitsentwicklung und Friedenserziehung (savoir-être). Durch das Projekt wird das Interesse für Unbekanntes gefördert sowie die Bereitschaft, neue Kulturen kennenzulernen. „Damit unterstützt der Fremdsprachenunterricht in besonderem Maße die Entwicklung von Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt und trägt zu einem friedlichen Zusammenleben in der Welt bei” (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg 2016: 3). Durch die Teilnahme an einem „Europa macht Schule“-Projekt soll das Interesse geweckt werden, das Land selbst zu erkunden, an einem Austauschprojekt teilzunehmen und die Zielsprache zu lernen. Außerdem bietet es eine gute Möglichkeit, mit neuen Kulturräumen in Kontakt zu kommen, die für einige Schüler:innen möglicherweise aufgrund der räumlichen Distanz nicht zu erreichen sind.

Da interkulturelles Lernen einen konstruktivistischen Prozess darstellt und das vorhandene Vorwissen und die Haltung der Schüler:innen sehr unterschiedlich sind, ist „die Deutung des Neuen stets subjektiv gefärbt” (Sommerfeldt 2020: 186). Häufig ist die Bewertung und konkrete Messung dieses Prozesses eine Herausforderung, da interkulturelle Verstehensprozesse und -entwicklungen nicht immer sichtbar sind (Nieweler 2019: 175). An dieser Stelle ist viel Raum für Austausch, Fragen und Reflexion nötig, was das große Potential des persönlichen Austausches ist. Der Fremdsprachenunterricht kann somit als Third Space in Anlehnung an Bhabha (1994) aufgefasst werden, in dem Raum für Aushandlungsprozesse und Perspektivwechsel geboten wird und die Entstehung neuer hybrider Auffassungen entstehen können (vgl. Freitag-Hild 2019: 127). Im aktuellen fremdsprachendidaktischen Diskurs rückt der Fokus von der interkulturellen Kompetenz zum Konzept der transkulturellen Kompetenz (vgl. Reimann 2023: 53).

5 Von der Förderung der interkulturellen Kompetenz zur transkulturellen Kompetenz

Das Konzept der „Transkulturalität“, welches seinen Ursprung in der Anthropologie und in der Beschreibung der kolonialen Gesellschaften in Kuba (vgl. Ortiz 1940) hat, begreift „Kulturen“ als permanent veränderte Konstrukte, die keineswegs statisch sind (vgl. Sommerfeldt 2020: 177). Kulturen sind keine in sich geschlossenen Einheiten, sondern beeinflussen sich gegenseitig und weisen Synergieeffekte auf. Folglich soll transkulturelle Kompetenz im Fremdsprachenunterricht gefördert werden, indem Schüler:innen nicht nur für die Unterschiede, sondern auch für die Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen als fluide Konstrukte mit Überlappungen sensibilisiert werden (vgl. Aldridge/Kilgo/Christensen 2014). Diese Gemeinsamkeiten können auf verschiedensten Ebenen beobachtet werden: von Speisen, die als ‚typisch‘ für ein Land gehalten werden und dennoch in mehreren Ländern auf der Speisekarte stehen bis hin zu sozialen gesellschaftlichen Bewegungen, wie die MeToo-Bewegung, die sich weltweit verbreitet hat. Auch Werte wie Gastfreundschaft und ihre Ausprägungen weisen länderübergreifend Gemeinsamkeiten auf. Innerhalb eines Landes können sie jedoch variieren, sodass eine differenzierte Betrachtung nötig ist.

Es ist ebenfalls wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Sprachen nicht mit Ländergrenzen gleichzusetzen sind. So nimmt das Französische in vielen frankophonen Ländern eine führende Rolle in offiziellen Kommunikationskontexten ein, was eine Gemeinsamkeit darstellt, konkurriert im privaten Bereich jedoch mit anderen Sprachen. Es wäre stark vereinfacht und nicht treffend, Schüler:innen zu vermitteln, dass in bestimmten Ländern Afrikas nur Französisch gesprochen wird. Ein differenziertes Bild der Sprachlandschaft und die Rolle der Sprachpraktiken für eigene Identität sollten im Fokus stehen (vgl. Kanli 2025).

Plikat (2017) geht einen Schritt weiter und zieht das Konzept der „fremdsprachlichen Diskursbewusstheit“ dem Kulturbegriff vor. Er argumentiert, dass sich „sprachliche und soziale Pluralität mit dem Diskursbegriff wesentlich besser rekonstruieren, dekonstruieren und konstruieren lässt als mit dem oft alltagssprachlich überlagerten Kulturbegriff“ (Plikat 2017: 295). Im Fremdsprachenunterricht sollten demnach

Diskurse und Praxen aus und in fremd- und muttersprachlichen Kontexten konstruiert, dekonstruiert und rekonstruiert werden, indem hierbei ihre affektiven, machtbezogenen und sprachstrukturellen Dimensionen reflektiert werden, und indem sie im Hinblick auf ihr bildendes, das heißt vor allem transformatorisches Potential befragt werden (Plikat 2017: 297).

Dies spricht auch stärker dafür, Diskurse im Rahmen von internationalen Projekten mit den Schüler:innen anzusprechen und aus verschiedenen Perspektiven zu reflektieren. Beispielsweise könnten das Geschlechterverhältnis in den Zielsprachenländern, politische Systeme oder auch die Sprachenvielfalt und ihre Rolle für die Identität thematisiert werden.

Damit werden vielzählige Potenziale und Anknüpfungspunkte ersichtlich. Diese bringen auch Herausforderungen in dem hier dargestellten Programm „Europa macht Schule“ mit sich, welche im nachfolgenden Abschnitt näher beleuchtet werden.

6 Herausforderungen der Förderung des transkulturellen Lernens durch „Europa macht Schule“-Projekte im Fremdsprachenunterricht

Wenngleich die Projekte in erster Linie auf Deutsch erfolgen und die Studierenden nicht die Rolle der Fremdsprachenassistent:innen einnehmen, ist der Mehrwert für das inter- und transkulturelle Lernen von großer Bedeutung.

Die Überwindung der Diskrepanz zwischen intellektuellen Fähigkeiten einerseits und eingeschränkten fremdsprachlichen Kompetenzen andererseits stellt eine zentrale Herausforderung bei der Förderung der interkulturellen kommunikativen Kompetenz dar (Grünewald 2017: 191).

Insbesondere bei Reflexionsprozessen stellt die Mehrsprachigkeit eine Herausforderung dar, der durch sprachliches Scaffolding begegnet werden kann. In solchen Unterrichtssituationen kommen insbesondere die benannten savoirs nach Byram (1997 und 2021) zum Tragen. Die Kompetenzen des intercultural speakers werden hier fokussiert und können an der Stelle gefestigt werden.

Neben der sprachlichen Komplexität ist es von großer Bedeutung, die Projekte dem inhaltlichen Komplexitätsgrad der jeweiligen Zielgruppe anzupassen (vgl. Plikat 2019: 219). Projekte in der Primar- und Unterstufe unterscheiden sich demnach von Projekten in der Mittel- und Oberstufe, da hier von mehr Vorwissen zu Europa auszugehen ist, was eine tiefgründigere Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht. Während in der Unterstufe z.B. kollektive Symbole, Feste, Rituale, Sprachen, Gerichte vergleichend eingeführt werden, können in der Oberstufe anspruchsvolle Diskussionen über europäische Werte oder auch über Migrationserfahrung und hybride Identitäten erfolgen (vgl. u.a. Grünewald 2017: 192–193; Nieweler 2019: 84–85).

7 Projektbeispiele

Im Folgenden werden drei Projektbeispiele exemplarisch aus dem Unterricht verschiedener Fremdsprachen dargestellt, die die theoretischen Grundlagen veranschaulichen. Die hier beschriebenen Projekte wurden in der Sekundarstufe durchgeführt, wobei sich eine Umsetzung auch in der Primar- und Oberstufe eignet (vgl. Europa macht Schule o.J. e).

7.1 Mexiko im Spanischunterricht (Gymnasium)

Saul Ortiz Izquierdo Arellano führte 2022 an einem Gymnasium in der Nähe von Stuttgart ein Projekt über sein Heimatland Mexiko durch. Nachdem sich die Schüler:innen das Lied „México en la piel“ von Luis Miguel anhörten und eine Hörverstehaufgabe bearbeiteten, wurde auf die im Lied erwähnten Orte in Mexiko sowie auf kulturelle Aspekte näher eingegangen. Im Anschluss schrieben die Schüler:innen ein eigenes Lied über Deutschland und diskutierten über die Frage, was typisch deutsch und typisch mexikanisch ist. In der zweiten Doppelstunde hatten sie die Möglichkeit, ‚Quesadillas‘ zu probieren, die Saul selbst gekocht hatte. Darüber hinaus ließ er die Schüler:innen mexikanische Süßigkeiten wie ‚Pulparindo‘ probieren. Nachdem eine angenehme Atmosphäre geschaffen wurde, berichtete Saul von seinen Erfahrungen als internationaler Student der Hochschule Reutlingen, von den Auto- und Heterostereotypen, die über Mexiko existieren, und von den wahrgenommenen Ähnlichkeiten zwischen Deutschland und Mexiko. Darüber hinaus plädierte er für das Lernen neuer Sprachen, da diese den Horizont erweitern.

Saul beschrieb im Gespräch seine Motivation, während seines Auslandssemesters ein „Europa macht Schule“-Projekt durchzuführen, wie folgt:

Ich finde, dass das Programm die perfekte Möglichkeit bietet, den eher schlechten Ruf Mexikos in Bezug auf Drogen und Kriminalität zu verändern und einer jüngeren Generation die schönsten Seiten des Landes näher zu bringen.

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7.2 Vom Rhein bis zur Karibik – Europa verbindet im Französischunterricht (Gymnasium)

Victor-Oscar Sébastien studierte im akademischen Jahr 2022/2023 an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Theologie. Er ist in Straßburg geboren und aufgewachsen, seine Eltern stammen aus Guadeloupe. Im Rahmen der Unterrichtseinheit „Europa – vereint in der Vielfalt“ kam Sébastien mit den Schüler:innen der 10. Klasse über die Werte Europas ins Gespräch. Anschließend stellte er Straßburg und Guadeloupe vor und ging dabei auf Traditionen, Feste und die Sprachenvielfalt ein.

Sowohl Straßburg als auch Guadeloupe liegen in Europa, jedoch spiegelt sich Europa in beiden Orten unterschiedlich wider. Während Straßburg europäische Institutionen beherbergt und im Herzen Europas liegt, befindet sich Guadeloupe etwa 7.179,60 Kilometer westlich in der Karibik. Da Guadeloupe eine ehemalige französische Kolonie und ein aktuelles französisches Überseegebiet ist, gehört es zur Europäischen Union. Dort kann man mit dem Euro bezahlen, braucht keinen Reisepass und kann sich auf Französisch verständigen. Aufgrund der geografischen Distanz weist Guadeloupe jedoch wesentliche soziokulturelle und soziohistorische Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum französischen Festland auf, die sich auch in der Vielfalt Europas niederschlagen. Die Schüler:innen für diese Vielfalt zu sensibilisieren und ihnen die Werte Europas nahezubringen, ist auch Aufgabe des Französischunterrichts (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 2025: 9).

Neben Französisch werden auf Guadeloupe auch Kreolsprachen gesprochen. Tanzarten wie die ‚Biguine‘, die ihre Wurzeln in der Kolonialzeit haben, und der Zouk, aus dem die Jazzmusik hervorgegangen ist, sind ebenfalls typisch für die Insel. Sébastien räumte im Rahmen seines Projekts auch der Kolonialgeschichte viel Raum ein, um den Schüler:innen zu verdeutlichen, warum in den jeweiligen Ländern Französisch gesprochen wird und welche Folgen die Kolonialzeit für Guadeloupe hat. Nach einem Kahoot-Quiz wurde die Frage beantwortet, was Straßburg und Guadeloupe mit Europa zu tun haben und inwiefern sich die Perspektive der Schüler:innen auf Europa durch das Projekt geändert hat.

7.3 England im Englischunterricht (Gesamtschule)

Lucinda Herrick machte ein Auslandsjahr an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und führte ein „Europa macht Schule“-Projekt im Wintersemester 2024/25 zu Ihrem Heimatland Großbritannien durch. Sie wurde in London geboren und studierte Psychologie an der Universität in Birmingham. Ihre Mutter wurde in Deutschland geboren, ihr Vater wuchs in Australien auf. Dadurch war ihre Kindheit von unterschiedlichen kulturellen Einflüssen geprägt.

In ihrem Projekt verglich sie mehrere Aspekte des Lebens in London und in einer Kleinstadt in Deutschland. Unter anderem ging sie auf die Vielfalt unterschiedlicher öffentlicher Transportmittel und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Schulsysteme ein. In einem fiktiven Rundgang durch London konnten die Schüler:innen Sehenswürdigkeiten ihren Bezeichnungen zuordnen. Mithilfe audiovisueller Impulse zeigte sie exemplarisch, anhand der unterschiedlichen Realisierungen des [r], diatopische Varietäten der englischen Sprache. Die Studentin berichtete von Festen und Traditionen, wie sie von ihrer Familie gelebt werden. Ein besonderes Highlight für die Schüler:innen war ein abschließendes Quiz, bei dem sie mithilfe von Beschreibungen bestimmte Orte in London erraten sollten.

In diesem Projekt wurden vielzählige innereuropäische Vergleiche angestrebt, wodurch Gemeinsamkeiten und Unterschiede nähergebracht wurden. Ergänzend zur Lehrwerkseinheit über Großbritannien ermöglichte das Projekt einen lebendigen und motivierenden Zugang zum primären Bezugsland des Englischunterrichts der Sekundarstufe I.

8 Fazit

Der vorliegende Projektbericht über das im Klassenzimmer durchgeführte Programm „Europa macht Schule“ zeigt, dass auf diese Weise ein zentraler Beitrag zur Förderung der interkulturellen kommunikativen Kompetenz im Fremdsprachenunterricht geleistet werden kann. Die direkten Begegnungen zwischen Schüler:innen und internationalen Studierenden führen zu Offenheit, Neugier und der Bereitschaft, die eigenen Vorstellungen und mögliche Vorurteile über einen anderen Kulturraum zu reflektieren. Gleichzeitig wird auf beiden Seiten authentisches landeskundliches Wissen erworben, da kulturelle Besonderheiten, Alltagsrealitäten und gesellschaftliche Themen aus erster Hand vermittelt und gemeinsam in Diskurs gebracht werden. Hinzu kommt eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen kulturellen Werten und europäischen Identitäten, welche reflektiert und gegebenenfalls neu bewertet werden können.

Damit wird deutlich, dass das Programm in mehrfacher Hinsicht einen Mehrwert bietet. Die internationalen Studierenden bekommen einen Einblick in das Schulsystem, können ihre Deutschkenntnisse weiterentwickeln und ihr Heimatland auf kreative und aktivierende Art und Weise darstellen. Die Schüler:innen kommen mit einer ihnen oft unbekannten Kultur in Berührung, wodurch transkulturelle Kompetenzen gefördert werden können. Sie erleben häufig eine Sprache als Lingua Franca und werden durch einen direkten Kontakt mit den internationalen Studierenden auch für andere Kulturen begeistert. Wie deutlich wurde, ist eine Anknüpfung an unterschiedlichste Unterrichtsfächer sowie allgemein für die Europabildung möglich.

Abschließend kann festgehalten werden, dass unsere Demokratie von Toleranz, Völkerverständigung und vom öffentlichen Diskurs lebt. Zur Förderung dieser Werte bedarf es entsprechender Initiativen, die den internationalen Austausch fördern. Wichtig ist dabei, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche davon profitieren – auch diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, an einem Schüleraustausch teilzunehmen oder (regelmäßig) in den Urlaub zu fahren. Zudem sollte der internationale Austausch allen Schulformen und Jahrgangsstufen regelmäßig ermöglicht werden. Vor dem Hintergrund einer noch unzureichenden Studienlage zum Programm „Europa macht Schule“ und dem hohen Stellenwert der interkulturellen kommunikativen Kompetenz im Fremdsprachenunterricht, wird deutlich, dass die Wirksamkeit der Projekte auf den Kompetenzerwerb in wissenschaftlichen Studien erforscht werden muss.

Danksagung

Wir danken der AG Innovation sowie dem Vorstand von „Europa macht Schule e.V.“ herzlich für die intensive Lektüre und das konstruktive Feedback zum Artikel im Rahmen des Jahrestreffens 2025. In die vorliegende Endfassung ist wertvolles Fach- und Erfahrungswissen von Lehramtsstudierenden, Lehrkräften, Psycholog:innen und anderen Ehrenamtlichen eingeflossen, die sich seit vielen Jahren in verschiedenen Rollen bei „Europa macht Schule“ engagieren. Zudem bedanken wir uns herzlich beim „Europa macht Schule“-Team beim Deutschen Akademischen Austauschdienst für die Koordination des Programms und beim Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt für die finanzielle Unterstützung.

Literatur

Aldridge, Jerry; Kilgo, Jennifer L. & Christensen, Lois M. (2014): Turning Culture Upside Down: The Role of Transcultural Education. Social Studies Research and Practice 9: 2, 107–19.  http://doi.org/10.1108/SSRP-02-2014-B0008.

Baumgratz, Gisela (1982): Stuttgarter Thesen zur Rolle der Landeskunde im Französischunterricht. Zielsprache Französisch 14: 4, 183–186.

Bhabha, Homi K. (1994): The Location of Culture. London: Routledge.

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Kurzbio

Eleni Kanli ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für Französisch, Spanisch und Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache und promoviert mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes am Romanischen Seminar und an der LEAD Graduate School and Research Network der Universität Tübingen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Lexiko-Grammatik, Mehrsprachigkeitsdidaktik und digitales Lernen im Tertiärsprachwerb. Seit 2016 engagiert sie sich bei „Europa macht Schule“ in verschiedenen Rollen, aktuell am Standort Tübingen/Reutlingen und in der Arbeitsgruppe Innovation.

Elina Velkin ist ausgebildete Haupt- und Realschullehrerin für Englisch, Mathematik und Ethik an der Gesamtschule Gießen-Ost in Giessen. Seit 2021 engagiert sie sich bei „Europa macht Schule“ am Standort Giessen und der Arbeitsgruppe Innovation.

Larissa Hugargowitsch ist ausgebildete Haupt- und Realschullehrerin für Deutsch und Englisch an der Josephine-Baker-Gesamtschule in Frankfurt. Seit 2021 engagiert sie sich bei „Europa macht Schule" in verschiedenen Rollen, aktuell am Standort Frankfurt, in den Arbeitsgruppen Innovation und Alums sowie im Vorstand des Vereins.

Anschrift:

eleni.kanli@uni-tuebingen.de

elina.velkin@europamachtschule.de

larissa@europamachtschule.de

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