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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Cai, Hong (2022): <italic>Bedarfsanalysen f&#252;r einen berufsbegleitenden Fremdsprachenunterricht am Beispiel von Deutsch als Fremdsprache</italic>. M&#252;nchen: IUDICIUM Verlag. ISBN: 978-3-86205-625-5. 382 Seiten. 48,00 &#8364;.</article-title>
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<surname>Prikoszovits</surname>
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<email>matthias.prikoszovits@uni-paderborn.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>DaZ/DaF und Mehrsprachigkeit, Universit&#228;t Paderborn</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-09-04">
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<p>So sehr j&#252;ngst unter anderem aufgrund von Fachkr&#228;ftemangel und arbeitsmarktpolitischen Umbr&#252;chen im amtlich deutschsprachigen Raum das Arbeitsfeld Deutsch f&#252;r den Beruf aus DaF- und DaZ-Perspektive beleuchtet und bereichert wurde, so sehr ben&#246;tigt es aus eben dieser Perspektive weitere Zuwendung. Das Arbeitsfeld zeigt sich heute als weit ausdifferenziert, was Lernende, Lehrende, methodisch-didaktische Vorschl&#228;ge oder Unterrichtsmaterial anbelangt. Die Curriculumentwicklung und die Curriculumforschung wurden im Feld bislang jedoch erst wenig bzw. nur punktuell vorangetrieben (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Niederhaus/Prikoszovits 2023: 75</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Prikoszovits 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Seyfarth 2020</xref>), was vor allem darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, dass einer passgenauen DaF-/DaZ-Curriculumerstellung vorgeschaltete Bedarfsanalysen in den amtlich deutschsprachigen L&#228;ndern immer noch in verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig geringer Zahl durchgef&#252;hrt und folglich auch kaum beforscht werden (vgl. jedoch <xref ref-type="bibr" rid="B5">Seyfarth 2020</xref>). Um sich solchen Bedarfsanalysen im DaF-Bereich anzun&#228;hern, &#8222;wird viel englischsprachige Literatur in der vorliegenden Arbeit verwendet und zitiert&#8220; (S. 40), so Cai, die mit ihrer Schrift in ein Fachgebiet vorst&#246;&#223;t, das im deutschsprachigen Raum im Vergleich zum englischsprachigen Raum sehr viel seltener Beachtung erf&#228;hrt.</p>
<p>Auf ein Vorwort sowie auf ein Inhalts-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis zu Beginn des Buches, &#8222;eine[r] &#252;berarbeitete[n] Fassung [Cais] Dissertationsschrift, die 2017 von der Philosophischen Fakult&#228;t der Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena angenommen wurde&#8220; (S. 5), folgt eine Einleitung (Kapitel 1, S. 15&#8211;17), die kurz und dabei willkommen erhellend ausf&#228;llt: Die Autorin vermag hier in wenigen Abs&#228;tzen ihr Erkenntnisinteresse und den Gang ihrer Untersuchung offenzulegen sowie einen Gesamt&#252;berblick &#252;ber ihre Arbeit zu geben. Ihr geht es zuv&#246;rderst darum, eine &#8222;Verkn&#252;pfung zwischen Bedarfsanalyse und Unterrichtspraxis herzustellen&#8220; (S. 16). Bei diesem Unterfangen st&#252;tzt sie sich auf verschiedene Korpora (Befragungs- und Interviewdaten, Jobanzeigen, Forumsdiskussionsbeitr&#228;ge); bei den Proband:innen handelt es sich &#252;berwiegend um chinesische Besch&#228;ftigte in Deutschland.</p>
<p>In Kapitel 2, Bedarfsanalysen als Basis des berufsorientierten Fremdsprachenunterrichts (S. 18&#8211;122), werden definitorische und terminologische Kl&#228;rungen vorgenommen (z.B. zu <italic>Berufssprache, Berufsorientierung, Fremdsprachenbedarf, Bedarfsanalyse</italic>). Es f&#228;llt auf, dass hier &#252;berwiegend deskriptiv, also einerseits wohl reflektiert, andererseits jedoch wenig kritisch verfahren wird. So steht etwa das Register der Berufssprache seit geraumer Zeit aufgrund einer kaum m&#246;glichen Abgrenzbarkeit zu anderen Registern wie Fach- oder Wirtschaftssprache in der Kritik und es werden daf&#252;r Alternativen wie &#8222;<italic>Berufskommunikation</italic>&#8220; oder &#8222;<italic>berufliche Kommunikation</italic>&#8220; vorgeschlagen (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Roelcke 2020: 7</xref>, Kursivdruck im Original), woran durch die Autorin jedoch kaum je angekn&#252;pft wird. Die Ausf&#252;hrungen zur Klassifikation des berufsorientierten Fremdsprachenunterrichts (S. 30&#8211;32) sind zwar durchweg korrekt, jedoch bereits an zahlreichen anderen Stellen in entsprechender Fachliteratur zu finden. Letztlich ist daraus f&#252;r Cais Zwecke lediglich die Kategorie des &#8222;berufsbegleitenden Fremdsprachenunterricht[s]&#8220; (S. 31) wesentlich. Informativ wiederum sind die Abhandlung zum berufsorientierten Deutschunterricht in China (S. 32&#8211;39) sowie die Erl&#228;uterungen zu den einzelnen Arbeitsschritten in der Durchf&#252;hrung von Bedarfsanalysen (S. 99&#8211;112), durch welche die Leser:innenschaft zur Empirie hingef&#252;hrt wird.</p>
<p>Kapitel 3 ist mit Empirischer Teil (S. 123&#8211;154) betitelt. Die darin formulierten Forschungsfragen (S. 127) lauten: &#8222;1. Wie l&#228;sst sich eine Bedarfsanalyse nach prozessorientiertem Konzept verwirklichen, damit sie n&#252;tzliche Informationen f&#252;r die entsprechende Kursplanung liefern kann?&#8220; sowie &#8222;2. Wie l&#228;sst sich der Fremdsprachenbedarf der chinesischen Arbeitskr&#228;fte definieren?&#8220;. Unter einem prozessorientierten Konzept ist zu verstehen, dass &#8222;Bedarfsanalysen nicht einmalig vor dem Kursstart, sondern kursbegleitend, andauernd und wiederholt durchgef&#252;hrt werden [sollen]&#8220; (S. 83).</p>
<p>Im empirischen Teil wird des Weiteren auf das Forschungsdesign, die Methodik (Ablauf und Bestandteile der Bedarfsanalyse, S. 133), die Instrumente (so wurde unter anderem der GeR f&#252;r die Konzipierung eines Fragebogens herangezogen, S. 136) und auf die Datenerhebung eingegangen. Abb. 6 (S. 133) verdeutlicht, wie und in welcher Reihenfolge Daten f&#252;r die Bedarfsanalyse erhoben wurden. Die Autorin hat zun&#228;chst chinesische Arbeitskr&#228;fte in Deutschland und China, die an ihrem Arbeitsplatz Deutsch f&#252;r den Beruf ben&#246;tigen, per Fragebogen unter anderem zum Trainingsbedarf befragt sowie als erg&#228;nzende Untersuchungen drei Interviews (ein Mitarbeiterinterview, zwei Experteninterviews) gef&#252;hrt, Jobanzeigen (also Anzeigen deutscher Unternehmen f&#252;r ihre Standorte in China) analysiert und eine Forumsdiskussion ausgewertet. Im Rahmen der Forumsdiskussion haben chinesische Arbeitskr&#228;fte in Deutschland &#252;berwiegend dar&#252;ber debattiert, wie sich ihr Sprachengebrauch am Arbeitsplatz gestaltet und auf welche Kriterien die Sprachwahl zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Es wird immer wieder betont, dass die Erg&#228;nzungsuntersuchungen zur Triangulation der Umfrageergebnisse dienen.</p>
<p>In Kapitel 4, Auswertung (S. 155&#8211;308), stellt die Autorin die Ergebnisse aller Erhebungen vor. Aus dem Fragebogen resultierende qualitative Ergebnisse werden in Flie&#223;texten pr&#228;sentiert, die sich aus dem Bogen ergebenden quantitativen Resultate wiederum in Form von Tabellen bzw. Diagrammen/Schaubildern. Eine interviewte Mitarbeiterin mit Arbeitserfahrungen in China und Deutschland sowie die Forumsdiskussionsteilnehmenden &#8222;berichteten vor allem &#252;ber ihre Sprachenverwendung am Standort Deutschland&#8220; (S. 253). Die beiden interviewten Experten, ein Studienautor sowie der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer eines deutsch-chinesischen Online-Jobportals werden sogar namentlich genannt (S. 257). In den Experteninterviews ging es unter anderem um die Vorgehensweise bei Unternehmensbefragungen (S. 257) oder um &#8222;Weiterbildungspotenzial nach dem Studium&#8220; (S. 258) bzw. &#8222;Weiterbildungsma&#223;nahmen von Arbeitgebern&#8220; (S. 262). Im Rahmen der Befundbeschreibung (S. 281&#8211;308) identifiziert Cai vier &#8222;Bedarfstypen&#8220; unter den chinesischen Arbeitskr&#228;ften, so etwa &#8222;stilistische Verbesserung&#8220; (S. 290&#8211;295) oder &#8222;Verbesserung einzelner Fertigkeitenbereiche&#8220; (S. 295&#8211;300).</p>
<p>Kapitel 5 dient der Beschreibung der Konsequenzen f&#252;r die Curriculumentwicklung (S. 309&#8211;334), die sich durch die durchgef&#252;hrte Bedarfsanalyse ergeben. Hier wird mehrfach darauf hingewiesen, dass arbeitsplatzrelevante Aufgaben, die aus einer Bedarfsanalyse resultieren, in Curricula in Form von Ranglisten nach H&#228;ufigkeit und Wichtigkeit niederzuschreiben w&#228;ren (z.B. S. 311), und es werden zudem Beispiele f&#252;r m&#246;gliche Aufgabensequenzen, z.B. Small Talks (S. 319&#8211;323), gegeben. In Kapitel 6, Fazit und Ausblick (S. 335&#8211;337), benennt die Autorin Zielgruppen ihrer Arbeit (S. 335) und h&#228;lt abschlie&#223;end fest, dass Bedarfsanalysen f&#252;r den Fremdsprachenunterricht &#8222;als ein konstanter Bestandteil in die Lehreraus- und -weiterbildung eingebaut werden sollten&#8220; (S. 337). An das Kapitel sechs schlie&#223;en das Literaturverzeichnis (S. 338&#8211;351) sowie ein Anhang (S. 352&#8211;382) an, der unter anderem aus dem f&#252;r die Studie eingesetzten Fragebogen, drei Interviewprotokollen sowie Stellenanzeigenbeispielen besteht.</p>
<p>Hong Cai hat eine f&#252;r das Fach Deutsch als Fremdsprache und f&#252;r das Arbeitsfeld Deutsch f&#252;r den Beruf sehr relevante und wichtige Arbeit vorgelegt, die sich durch profunde Recherchen in den Bereichen berufsorientierter Fremdsprachenunterricht und Bedarfsanalysen f&#252;r ebendiesen Unterricht auszeichnet. Als sehr positiv sind Sprache und Stil der Autorin hervorzuheben &#8211; an keiner Stelle sind ihre Ausf&#252;hrungen je uneindeutig oder gar missverst&#228;ndlich. Einzig die Anzahl der Fu&#223;noten erscheint mit insgesamt 416 f&#252;r ein Buch mit 382 Seiten unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig. Was im &#220;brigen ausgespart wird, sind terminologische Kl&#228;rungen in den Bereichen Curriculum/Lehrplan, wodurch das Verst&#228;ndnis der Autorin von &#8222;Curriculum&#8220; unklar bleibt. Der Terminus &#8222;Curriculum&#8220; ist in der Fachliteratur keineswegs einheitlich definiert bzw. k&#246;nnen in unterschiedlichen Erdregionen Curricula ganz unterschiedliche theoretische Konzepte zugrunde liegen.</p>
<p>Die Lernenden, die von der Bedarfsanalyse bzw. dem daraus resultierenden Curriculum profitieren k&#246;nnten, k&#246;nnen wohl einhellig als Lernende beschrieben werden, die sich nach Beginn ihrer Berufst&#228;tigkeit berufsbezogenes Deutsch aneignen und die in ihrer Erstsprache literalisiert sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Drumm/Niederhaus 2024: 3</xref>). Dennoch ist augenf&#228;llig, dass die im Rahmen der Bedarfsanalyse befragten Personen sehr unterschiedliche berufliche Hintergr&#252;nde haben und auch in sehr unterschiedlichen Feldern arbeiten. &#8222;Berufsbegleitend&#8220;, wie es im Titel des Buches lautet, bedeutet mit Blick auf Fremdsprachenunterricht jedoch viel eher, dass Menschen mit demselben oder einem sehr &#228;hnlichen beruflichen Hintergrund zusammen in einer Kursgruppe &#8211; im Idealfall wohl am Arbeitsplatz selbst &#8211; berufsbezogenes, wenn nicht gar berufsspezifisches Deutsch lernen. Dies und die Tatsache, dass die Autorin letztlich nur eine Bedarfsanalyse (die jedoch nat&#252;rlich in vielen einzelnen Teilschritten realisiert wurde) durchgef&#252;hrt hat, suggeriert, dass der Titel des Buches wohl eher z.B. wie folgt lauten m&#252;sste: &#8222;Eine beispielhafte Bedarfsanalyse f&#252;r einen berufsbezogenen DaF-Unterricht f&#252;r chinesische Arbeitskr&#228;fte in China und Deutschland&#8220;.</p>
<p>Es f&#228;llt schlie&#223;lich schwer, die Art der von der Autorin durchgef&#252;hrten Studie pr&#228;zise zu benennen. Letztlich, so geht es auch aus den Forschungsfragen hervor, hat Hong Cai selbst eine Bedarfsanalyse f&#252;r einen von ihr so bezeichneten berufsbegleitenden DaF-Unterricht durchgef&#252;hrt. Diese Bedarfsanalyse kommt demnach der in ihrem Buch pr&#228;sentierten empirischen Studie gleich. Die von Cai realisierte Forschung verfolgt somit recht utilitaristische Zwecke, ist jedoch weder als Begleit- noch als Evaluationsforschung zu begreifen. Folglich leistet die Autorin keinen Beitrag zur Beforschung der Bedarfsanalysen f&#252;r berufsbezogene Deutschkurse, was ja vor allem im amtlich deutschsprachigen Raum doch ein wichtiges Ziel w&#228;re, sondern gibt durch ihre Studie sehr detaillierte Einblicke in die einzelnen Ablaufschritte einer Bedarfsanalyse.</p>
<p>Selbstverst&#228;ndlich sind derartige Einblicke auch sehr wertvoll, vor allem f&#252;r jene Zielgruppen, die auch Cai selbst in ihrem Buch benennt: &#8222;Kursplaner&#8220;, &#8222;Lehrkr&#228;fte&#8220;, &#8222;Unternehmen&#8220;, &#8222;Hochschulen&#8220; sowie &#8222;Bildungspolitiker&#8220; (S. 335). Als Dissertationsschrift spricht das Buch jedoch gewiss auch Wissenschaftler:innen an, die sich mit Sprachbed&#252;rfnissen bzw. -bedarfen in spezifischen Dom&#228;nen, mit Curriculumforschung sowie mit Deutsch bzw. generell Sprache im Beruf befassen. In universit&#228;ren Seminaren kann es der profunden Veranschaulichung theoretischer wie auch praktischer Aspekte in den Bereichen Sprachbedarfsermittlung und Curriculumerstellung dienen. Studierende in Studieng&#228;ngen zu DaF/DaZ/Mehrsprachigkeit k&#246;nnen demnach ebenso von den Inhalten des Buches profitieren. Schlie&#223;lich beleuchtet Cai aus einer berufsorientierten Perspektive die Situation von Deutsch (als Fremdsprache) in einem wirtschaftlich deutlich erstarkten China, was in jedem Fall auch f&#252;r &#214;konom:innen von Relevanz sein d&#252;rfte.</p>
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<title>Literatur:</title>
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