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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<issn pub-type="epub">1205-6545</issn>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.4790</article-id>
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<subject>Aufsatz zum Themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Denkprozesse w&#228;hrend des Schreibens: Introspektive Einblicke in Schreibprozesse mehrsprachiger Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler der Sekundarstufe I</article-title>
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<surname>Grimm</surname>
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<prefix>Dr. phil. habil.</prefix>
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<email>julia.ricartbrede@uni-passau.de</email>
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<surname>Brede</surname>
<given-names>Julia Ricart</given-names>
<prefix>Prof. Dr.</prefix>
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<xref ref-type="aff" rid="aff-1">1</xref>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Professorin, Lehrstuhl f&#252;r Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache, University of Passau</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-03-06">
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<year>2026</year>
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<year>2026</year>
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<volume>31</volume>
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<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2026 The Author(s)</copyright-statement>
<copyright-year>2026</copyright-year>
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<license-p>CC BY 4.0 International - Creative Commons, Namensnennung. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>Der Beitrag gew&#228;hrt Einblick in ein Projekt zur Erforschung von Schreibprozessen migrationsbedingt mehrsprachiger Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der sechsten und neunten Jahrgangsstufe. Anhand jahrgangstypischer Aufgabenstellungen des Deutschunterrichts verfassen die Versuchspersonen Texte und begleiten diesen Prozess durch Lautes Denken. Folgend auf die Darlegung des Forschungsdesigns fokussiert der Beitrag exemplarisch auf das Laut-Denk-Protokoll einer zugewanderten Sechstkl&#228;sslerin. Dieses macht deutlich, dass das Laute Denken bereits zu Anfang der Sekundarstufe zu aussagekr&#228;ftigen Daten f&#252;hren kann. Ferner zeigt sich, welch zentrale Rolle der Erstsprache (Russisch) bei der Textproduktion zukommt. So erfolgt das Ausformulieren des Textes in einem komplexen Wechselspiel der beiden Sprachen Russisch und Deutsch.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>Mental processes during writing: Introspective insights into the writing processes of multilingual secondary school pupils</bold></p>
<p>The article sheds light on a project investigating the writing processes of sixth and ninth graders who are multilingual due to migration. The pupils are asked to write texts based on grade-specific tasks in German lessons and accompany this process by thinking aloud. Following the presentation of the research design, the article focusses on the think-aloud protocol of an immigrant sixth-grader. The protocol demonstrates that thinking aloud can lead to meaningful data even at the beginning of secondary school. It also shows the central role that the first language (Russian) plays in text production. The formulation of the text is carried out in a complex interplay between the two languages Russian and German.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Lautes Denken</kwd>
<kwd>Textproduktionsprozess</kwd>
<kwd>Sekundarstufe</kwd>
<kwd>Mehrsprachigkeit</kwd>
<kwd>Seiteneinsteiger(innen)</kwd>
<kwd>Zweitsprache</kwd>
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<kwd>thinking aloud</kwd>
<kwd>text production process</kwd>
<kwd>secondary school</kwd>
<kwd>multilingualism</kwd>
<kwd>second language</kwd>
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<sec>
<title>1 Einf&#252;hrung</title>
<p>Mit der Arbeit von Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) wurden bis heute g&#252;ltige Fundamente f&#252;r die Erforschung von Schreibprozessen gelegt. In dieser Studie wurde auf Grundlage von Laut-Denk-Protokollen ein Modell zum Ablauf von Schreibprozessen entwickelt. Obwohl Hayes und Flower zusammenfassend einschr&#228;nken, dass ihr Modell lediglich den Schreibprozess kompetenter bzw. versierter Schreiberinnen und Schreiber abbildet (vgl. ebd.: 29), wird es in zahlreichen Einf&#252;hrungen der Deutsch- und Zweitsprachdidaktik aufgegriffen. Die &#220;bertragbarkeit des Modells auf Kinder und Jugendliche ist jedoch fraglich. Au&#223;erdem bezieht sich das Modell von Hayes und Flower ausschlie&#223;lich auf Schreibende in der Erstsprache. Schreibprozesse in einer Fremd- oder Zweitsprache unterscheiden sich allerdings von Schreibprozessen in der Erstsprache (vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989</xref>). Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass migrationsbedingt mehrsprachige Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler beim Schreiben ihre gesamten Sprachressourcen aktivieren und translingual agieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">Ricart Brede 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B52">Velasco/Garc&#237;a 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">Gantefort/Stehr/Goltsev 2021</xref>). Obwohl bekannt ist, dass das Alter, die Anzahl der Schuljahre im In- oder Ausland bzw. der Literalisierungsgrad in der Erstsprache, die Art der Erstsprache, die Kompetenz in der Zweit- bzw. Schreibsprache und die Art der Textaufgabe auf die Textproduktion mehrsprachiger Schreiberinnen und Schreiber einwirken (s. dazu Kap. 2), ist das Zusammenspiel dieser Faktoren und der Schreibprozess an sich noch nicht ausreichend empirisch erforscht.</p>
<p>Das im vorliegenden Beitrag vorgestellte Passauer Projekt zielt darauf ab, diese Forschungsl&#252;cke anzugehen, um auf empirischer Basis eine Adaption des Schreibprozessmodells von Hayes und Flower f&#252;r mehrsprachige Schreibende der Sekundarstufe I vorzulegen, sofern es die Daten nahelegen. Hierzu werden Schreibprozesse migrationsbedingt mehrsprachiger Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler introspektiv erfasst, indem diese s&#228;mtliche Gedanken w&#228;hrend des Schreibprozesses laut &#228;u&#223;ern. Diese Laut-Denk-Protokolle werden videographiert und anschlie&#223;end analysiert. Ziel ist es, auf diese Weise Einblick in den Ablauf des Schreibprozesses zu gewinnen und etwaige Regelm&#228;&#223;igkeiten im Texterstellungsprozess zu erkennen. Zur Erfassung der Schreibprozesse werden jahrgangstypische Aufgabenstellungen des Deutschunterrichts eingesetzt: In der sechsten Klassenstufe wird ein beschreibender Text und in der neunten Klassenstufe ein argumentativer Text verfasst. Aus dem noch im Aufbau befindlichen Korpus werden f&#252;r diesen Beitrag die Daten einer Sch&#252;lerin der sechsten Jahrgangsstufe mit der Erstsprache Russisch ausgew&#228;hlt. Bevor anhand dieses Fallbeispiels ein Einblick in das Projekt gew&#228;hrt wird, soll in Kap. 2 jedoch zun&#228;chst auf die bereits erw&#228;hnte Studie von Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>), aber bspw. auch auf Untersuchungen von Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989</xref>) eingegangen werden, an die das Forschungsprojekt theoretisch und methodisch ankn&#252;pft. Darauffolgend werden die Untersuchungsfragen und das Design des Projektes beschrieben (s. Kap. 3 und 4); hieran schlie&#223;t sich die Pr&#228;sentation der Fallstudie an (s. Kap. 5). An diesem Beispiel wird Einblick in die im Projekt geplante Auswertungspraxis gegeben. Im abschlie&#223;enden Fazit (s. Kap. 6) werden erste Erkenntnisse aus der Datenauswertung herausgestellt und diskutiert.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Zur Erforschung von Schreibprozessen mithilfe von Laut-Denk-Protokollen</title>
<p>John R. Hayes und Linda S. Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) entwickelten auf der Basis von geschriebenen Texten sowie Laut-Denk-Protokollen ein kognitives Modell des Schreibprozesses in Analogie zu einem Probleml&#246;seprozess (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980: 11</xref>).<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> In diesem Modell konstituieren die drei Teilhandlungen des Planens, Formulierens und &#220;berarbeitens den eigentlichen Kern des Schreibprozesses; dabei sehen Hayes und Flower auf Grundlage ihrer Daten alle drei Teilprozesse &#8211; wenn auch in unterschiedlicher Abfolge und Gewichtung &#8211; als integrale Bestandteile eines jeglichen (erfolgreichen) Schreibprozesses an: &#8222;We propose that writing consists of three major processes: PLANNING, TRANSLATING, and REVIEWING.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980: 12, Herv.i.O.</xref>).<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Eine mentale &#220;berwachungsinstanz (&#8222;Monitor&#8220;) steuert diese Aktivit&#228;ten und f&#228;llt die Entscheidung, ob (erneut) in Planungs-, Formulierungs- bzw. &#220;berarbeitungshandlungen einzutreten ist oder ob der bereits hervorgebrachte Text eine ad&#228;quate L&#246;sung der Schreibaufgabe darstellt und der Schreibprozess damit an sein Ende gelangt ist. So &#228;hnelt der Schreibprozess keinem linearen, sondern einem rekursiven Durchlaufen der drei Teilprozesse.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Obwohl Hayes und Flower einr&#228;umen, dass ihr Modell vorl&#228;ufig sei (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980: 10</xref>), und auch zeitlebens an elaborierteren Schreibprozessmodellen arbeiteten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Hayes 1996</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Hayes 2012</xref>), und obwohl sie ihr Modell explizit als &#8222;a model of competent writers&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980: 29</xref>) bezeichnen, wird es in zahlreichen aktuellen Einf&#252;hrungen der Deutsch- und Zweitsprachdidaktik f&#252;r den Schulkontext aufgegriffen (vgl. bspw. <xref ref-type="bibr" rid="B27">K&#246;ller 2023: 154&#8211;155</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B55">Wildemann/Vach 2022: 69&#8211;71</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B37">Pompe/Spinner/Ossner 2020: 110&#8211;111</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B54">Wild/Schilcher 2019: 164&#8211;165</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Geist/Krafft 2017: 96&#8211;97</xref>). Daf&#252;r lassen sich mehrere Begr&#252;ndungen anf&#252;hren:</p>
<p>Erstens gibt das Modell mit dem Begriff des &#8222;competent writer(s)&#8220; geradezu einen Zielpunkt f&#252;r unterrichtliche Lehr-Lern-Aktivit&#228;ten vor. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass sich die Schreibdidaktik mitunter mit der Frage befasst, welche methodischen Verfahren Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern an die Hand gegeben werden k&#246;nnen, um die drei Teilprozesse (das Planen, das Formulieren und das &#220;berarbeiten) in verschiedenen Jahrgangsstufen zu trainieren und zu meistern. Diese Sichtweise spiegelt sich auch in den Vorgaben der Kultusministerkonferenz wider, die das eigenverantwortliche Gestalten eines Schreibprozesses mit den Teilprozessen &#8222;Texte planen und strukturieren&#8220;, &#8222;Texte formulieren&#8220; und &#8222;Texte &#252;berarbeiten&#8220; bereits f&#252;r die Klassenstufe vier (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">KMK Primarstufe 2022: 14&#8211;15</xref>), aber auch f&#252;r die Abschl&#252;sse der Sekundarstufe I im Fach Deutsch in den Bildungsstandards auff&#252;hren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">KMK Sekundarstufe 2022: 23&#8211;27</xref>).</p>
<p>Zweitens teilt das typische Schreiben in der allgemeinbildenden Schule mit dem Setting der Untersuchung in der Erhebung von Hayes und Flower etliche Merkmale: So basiert die in dem breit zitierten Aufsatz von Hayes und Flower pr&#228;sentierte Detailanalyse auf einem Schreibszenario, bei dem ein Student handschriftlich einen Essay &#252;ber Henri Rousseau verfasste (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980: 15</xref>). Auch im schulischen Deutschunterricht &#252;berwiegt bis heute das handschriftliche Verfassen kontinuierlicher, idealiter in sich stimmiger, koh&#228;renter und textsortenfunktionaler Texte durch eine einzelne Person, der reichlich Zeit f&#252;r den Schreibprozess zur Verf&#252;gung steht, wobei die Texte oftmals an einen nicht bestimmten bzw. nicht bekannten Adressaten(kreis) gerichtet sind.</p>
<p>Drittens ist das Schreibprozessmodell von Hayes und Flower durch die Gliederung in nur drei Teilprozesse derart allgemein gehalten, dass es f&#252;r (nahezu) s&#228;mtliche Textproduk-tionsprozesse &#8211; unbeschadet der Textsorte oder des Umfangs &#8211; G&#252;ltigkeit hat; (<xref ref-type="bibr" rid="B56">Wrobel 2020: 87</xref>) bezeichnet es ebendaher als &#8222;hinreichend unspezifisch&#8220;. Entsprechend breit l&#228;sst sich das Modell folglich didaktisch nutzbar machen.</p>
<p>Dennoch lassen sich gravierende Argumente anf&#252;hren, die an der Passung des Modells von Hayes und Flower f&#252;r den schulischen Kontext zweifeln lassen. Auf zwei dieser Argumente soll hier n&#228;her eingegangen werden:</p>
<p>Erstens wurde die Untersuchung von Hayes und Flower mit Erwachsenen mit hoher Schreibkompetenz durchgef&#252;hrt.<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> Am schulischen Deutsch- oder DaZ-Unterricht nehmen allerdings Kinder und Jugendliche teil, die erst auf dem Weg sind, ihre Schreibkompetenzen auszubilden. Sie sind demnach in aller Regel noch keine &#8222;competent writers&#8220;. Vielmehr sollen sie Jahrgangsstufe um Jahrgangsstufe ihre Schreibkompetenzen im Hinblick auf die Planung, die Ausformulierung und die &#220;berarbeitung verschiedener Textmuster bzw. konkreter Textsorten ausbauen. Da eigenst&#228;ndige Planungsphasen vor dem Beginn des Schreibens oder &#220;berarbeitungsphasen f&#252;r Schreibnovizinnen und Schreibnovizen eher ungew&#246;hnlich sind (vgl. den &#220;berblick bei <xref ref-type="bibr" rid="B11">Donahue/Lillis 2014: 67&#8211;68</xref>), scheint das eigenst&#228;ndige Planen, Ausformulieren und &#220;berarbeiten von Texten hier folglich eher Zielperspektive denn Realit&#228;t zu sein. Insofern ist die Forderung wohlbegr&#252;ndet, empirisch zu untersuchen, wie Textproduktionsprozesse in unterschiedlichen Jahrgangsstufen beschaffen sind und ablaufen, statt sich didaktisch an einer Untersuchung zu orientieren, die Erwachsene mit bereits weit ausgebauten Schreibkompetenzen als Versuchspersonen eingesetzt hat.</p>
<p>Zweitens bezogen Hayes und Flower ausschlie&#223;lich in ihrer Erstsprache Schreibende ein. Auch wenn der Prozess des Schreibens in einer Erst- und Zweitsprache im Gro&#223;en und Ganzen in vergleichbarer Weise abl&#228;uft (vgl. dazu <xref ref-type="bibr" rid="B4">Becker-Mrotzek/Jambor-Fahlen 2017: 144</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Marx/Steinhoff 2017: 177</xref>), ist er doch nicht v&#246;llig gleichartig. Bspw. gibt es Belege daf&#252;r, dass mehrsprachige Personen beim Schreiben ihre gesamten Sprachressourcen aktivieren und translingual agieren (vgl. f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die eine Zweitsprache erlernen, etwa <xref ref-type="bibr" rid="B39">Ricart Brede 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B52">Velasco/Garc&#237;a 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">Gantefort/Stehr/Goltsev 2021</xref>; f&#252;r den fremdsprachlichen Erwerbskontext etwa <xref ref-type="bibr" rid="B43">Schnell 2020</xref>). Ferner wird zweit- bzw. fremdsprachliches Schreiben durch Transfereffekte zwischen den einzelnen Sprachen beeinflusst. So konnte Riehl (<xref ref-type="bibr" rid="B40">2018: 227&#8211;228</xref>) nachweisen, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit den Herkunftssprachen Italienisch, Griechisch und T&#252;rkisch (Klassenstufe 9/10) bessere argumentative Texte in ihrer Schulsprache als in ihrer Herkunftssprache verfassen, dass aber &#8222;die Kompetenzen in L1 [Erstsprache] und L2 [Zweitsprache] durchaus korrelieren. Man kann daher davon ausgehen, dass eine hohe Textkompetenz in L1 mit einer hohen Textkompetenz in L2 korreliert&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Riehl 2018: 228</xref>). Solche interlingualen Transfereffekte zwischen Erst- bzw. Herkunftssprachen und Zweit- oder Fremdsprachen wurden auch in einigen anderen Studien nachgewiesen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Marx/Steinhoff 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Usanova/Schnoor 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Roll et al. 2019</xref>). Dies geht konform mit der Erkenntnis, dass insbesondere F&#228;higkeiten wie logisches Denken, Strukturieren oder der Einsatz von Revisionsstrategien sprachen&#252;bergreifend bzw. transversal nutzbar sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Reichert/Marx 2020: 44</xref>).</p>
<p>Dem Einwand, dass das Textproduktionsmodell von Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) nur f&#252;r solche Kontexte anwendbar ist, in denen Personen in ihren Erstsprachen schreiben, l&#228;sst sich entgegenhalten, dass es derart allgemein gehalten ist, dass erst- bzw. anderssprachliche Einfl&#252;sse immerhin mitgedacht werden k&#246;nnen. Einen konkreten Vorschlag hierzu unterbreitet Grie&#223;haber (<xref ref-type="bibr" rid="B17">2010: 232</xref>): Erstsprachliche Einfl&#252;sse beim Schreiben von Texten in einer Zweitsprache werden von ihm als M&#246;glichkeit im Bereich des zugrunde liegenden Schreibwissens sowie in Bezug auf die Aufgabenumgebung mitgedacht, vor allem aber in Bezug auf das Formulieren und &#220;berarbeiten des Textes, &#8222;da hier Wortschatz und Grammatik der verschiedenen Sprachen eine zentrale Rolle zukommt.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Grie&#223;haber 2010: 233</xref>).</p>
<p>In Anbetracht der Auswirkung, die der Umstand, einen Text in einer zweiten oder fremden Sprache zu verfassen, auf den Textproduktionsprozess haben kann, scheint diesbez&#252;glich aus schreibdidaktischer Sicht allerdings eine genauere Eruierung angebracht. Die Tragweite des Einflusses wird bspw. deutlich, wenn man mit Blick auf die an einem Schreibprozess beteiligten Teilprozesse zwischen hierarchieniedrigen und hierarchiehohen Teilprozessen differenziert. Hierarchieniedrige Prozesse sind mit automatisierbaren Fertigkeiten verbunden, w&#228;hrend sich hierarchiehohe auf reflexive Handlungen beziehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B48">Sturm/Weder 2016: 41</xref>). Die von Hayes und Flower beschriebenen Teilprozesse des Planens und &#220;berarbeitens sind als hierarchiehoch zu klassifizieren, w&#228;hrend sich das Formulieren aus hierarchieniedrigen und hierarchieh&#246;heren Prozessen zusammensetzt. Dessen hierarchieniedrige Teilprozesse fasst man unter dem Begriff der Schreibfl&#252;ssigkeit zusammen. Diese liegt dann vor, wenn die T&#228;tigkeit des motorischen Schreibens (d.h. das Hand- bzw. Tastaturschreiben), die Orthografie und der Abruf des Wortschatzes automatisiert sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Sturm/Lindauer 2014: 2</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B31">Lemke/Hoffmann 2022: 20</xref>). Wenn Hayes und Flower also ein &#8222;model of competent writers&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980: 29</xref>) vorlegen, so deutet das darauf hin, dass sowohl die handschriftliche Motorik als auch das Rechtschreibk&#246;nnen und der Abruf von Wortschatz so weit ausgebildet sind, dass man diese Teilprozesse als automatisiert bezeichnen kann. Dass derartige Automatisierungen selbst bei versierten Schreiberinnen und Schreibern aufgebrochen werden und dadurch den Textproduktionsprozess hemmen k&#246;nnen, sofern Texte in einer Fremd- bzw. Zweitsprache (L2) statt in der Erstsprache (L1) zu verfassen sind, zeigen Untersuchungen von Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989</xref>): Auf der Basis von Laut-Denk-Protokollen zu Textproduktionsprozessen von Studierenden in einer Fremdsprache identifizierte er unabh&#228;ngig von der Textsorte<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> neben den &#252;blichen &#8222;Planungsproblemen&#8220; (worunter Krings die Teilprozesse der Textproduktion nach Hayes und Flower subsumiert) explizit &#8222;fremdsprachliche Realisierungsprobleme&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 396</xref>):</p>
<disp-quote>
<p>Solche durch fremdsprachliche Kompetenzdefizite ausgel&#246;sten Unterbrechungen des eigentlichen Formulierungsprozesses sind f&#252;r fremdsprachliche Textproduktionsprozesse typisch. Sie sind von den normalen sprachlichen Realisierungsproblemen, wie sie in jedem Schreibproze&#223; auftreten, qualitativ verschieden, da sie im Gegensatz zu diesen nicht aus der generellen Schwierigkeit, Gedanken in Sprache zu bringen, sondern unmittelbar aus fremdsprachlichen Wissensdefiziten resultieren. Entsprechende Wissensdefizite in der Muttersprache sind, zumindest bei vergleichbaren Schreibaufgaben und vergleichbaren Schreibern, eher untypisch [&#8230;]. In der fremdsprachlichen Textproduktion dagegen ist ein weites Spektrum solcher L2-Probleme zu beobachten, das von orthographischen &#252;ber morphosyntaktische und lexikosemantische bis hin zu kommunikativ-stilistischen Problemen reicht. (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 397&#8211;398</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Entsprechend ist f&#252;r Kinder und Jugendliche mit einer noch relativ geringen Kontaktzeit zur Zweitsprache ebenfalls anzunehmen, dass sie l&#228;ngere Zeit ben&#246;tigen, um Schreibfl&#252;ssigkeit im o.g. Sinne in der schulisch relevanten Sprache (in diesem Fall Deutsch) auszubilden, was zun&#228;chst Ressourcen von den hierarchieh&#246;heren Schreibprozessen abzieht und sich erwartbarerweise sowohl im Textprodukt als auch im Textproduktionsprozess widerspiegeln wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Untersuchungsfragen und Erhebungsdesign im &#220;berblick</title>
<p>Vor dem Hintergrund der in Kap. 2 skizzierten Befunde und Desiderate soll im geplanten Passauer Forschungsprojekt untersucht werden, wie Textproduktionsprozesse von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern beschaffen sind und von welchen Faktoren es dabei abh&#228;ngt, in welcher Weise mehrsprachige Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ihr gesamtes Sprachrepertoire nutzen. Die konkreten Fragestellungen des Projektes lauten:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Welche Teilprozesse zeigen sich in den Textproduktionsprozessen der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler und wie h&#228;ngen diese zusammen? Werden Planungs-, Formulierungs- und &#220;berarbeitungsprozesse sichtbar? Zeigen sich Regelm&#228;&#223;igkeiten im Texterstellungsprozess?</p></list-item>
<list-item><p>Inwiefern zeigen sich in den Textproduktionsprozessen Unterschiede in Abh&#228;ngigkeit erstens vom Sprachrepertoire der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, zweitens von deren (Schreib-)Alter<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> und drittens von der Textsorte des zu verfassenden Textes?</p></list-item>
</list>
<p>Bez&#252;glich seiner Anlage ist das Passauer Forschungsprojekt grundlegend dem Design der Studie von Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) nachempfunden, d.h. &#228;hnlich wie bei Hayes und Flower werden die Versuchspersonen unter quasi-experimentellen Bedingungen dazu aufgefordert, einen Text zu verfassen und simultan ihre Gedanken und Ideen zu verbalisieren. Die Methode des Lauten Denkens wird in der Schreibforschung h&#228;ufig verwendet, da sich auf diese Weise Einblicke in die kognitiven Prozesse der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler gewinnen lassen. Auf der Grundlage reiner Beobachtungen w&#228;hrend der Textgenese lie&#223;e sich nicht erfassen, ob jemand bei der Bew&#228;ltigung einer Schreibaufgabe gerade Planungsaktivit&#228;ten durchf&#252;hrt, ob Formulierungsalternativen einander gegen&#252;bergestellt werden, um die angemessenste auszuw&#228;hlen oder anderes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Krings 1992: 56</xref>). Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980: 10</xref>) selbst stellen die Vorz&#252;ge dieses Vorgehens wie folgt heraus:</p>
<disp-quote>
<p>The power of [think aloud] protocol analysis lies in the richness of its data. Even though protocols are typically incomplete, they provide us with much more information about processes by which tasks are performed than does simply examining the outcome of the process.</p>
</disp-quote>
<p>Die Validit&#228;t derartiger Laut-Denk-Protokolle bewerten Ericsson und Simon (1993: 78&#8211;80) in Abh&#228;ngigkeit von der Art der zugrunde liegenden Denkprozesse: Besonders geeignet erscheinen Laut-Denk-Verfahren demnach, wenn sie sich auf nicht-automatisierte und sprachlich kodierte Prozesse beziehen. Ericsson und Simon (<xref ref-type="bibr" rid="B12">1993: 79</xref>) sprechen in diesem Fall von &#8222;first level verbaliziation[s]&#8220; (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B44">Schnell 2013: 94&#8211;95</xref>). Das Schreiben von Texten ist eine solche level-1-T&#228;tigkeit: Denn das Texteschreiben l&#228;uft &#8211; im Unterschied etwa zum Schuhebinden &#8211; zumindest in weiten Teilen (abgesehen von einigen Teilprozessen wie bspw. dem motorischen Prozess des Schreibens an sich) nicht automatisiert ab und bezieht sich &#8211; anders als zum Beispiel eine Bildbetrachtung &#8211; auf sprachlich kodierte Prozesse. Ferner gilt ein periaktionaler, d.h. ein handlungsbegleitender Zugang zu kognitiven Prozessen im Vergleich zu einem postaktionalen Zugang allgemeinhin als valider, d.h. eine solche simultane Verbalisierung ist einer Verbalisierung im Nachgang vorzuziehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 387, 390</xref>). Grund daf&#252;r ist, dass periaktionale Verbalisierungen &#8222;unmittelbar aus dem Kurzzeitged&#228;chtnis [&#8230;] abgerufen werden, w&#228;hrend bei einem retrospektiven [d.h. postaktionalen] Zugriff die Informationen im Langzeitged&#228;chtnis der Versuchsperson wieder aufgefunden werden m&#252;ssen, was durch spezielle <italic>retrieval</italic>-Prozesse geschieht. Der R&#252;ckgriff auf das Langzeitged&#228;chtnis ist jedoch mit einer Neukodierung verbunden, die h&#228;ufig ein Element der Selektion, Interpretation oder Elaboration enth&#228;lt&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 390, Herv.i.O.</xref>), was zu Verzerrungen f&#252;hrt. Die von Hayes und Flower erhobenen Laut-Denk-Protokolle, die zeitgleich mit dem Verfassen von Texten erhoben wurden, k&#246;nnen damit innerhalb des Spektrums introspektiver Daten als vergleichsweise valide angesehen werden.</p>
<p>Doch weicht das Erhebungsdesign des Passauer Projektes in einigen Aspekten durchaus von der Referenzstudie ab. Dies h&#228;ngt mit der Intention der Untersuchung zusammen: Um Aufschluss &#252;ber Einflussfaktoren auf den Textproduktionsprozess zu erhalten, gilt es diese Faktoren bei der Erhebung zu erfassen bzw. zu kontrollieren. So ist mit Blick auf das Schreibrepertoire der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler bspw. die sprachtypologische Art ihrer Erstsprache(n) und deren Schrifttyp bzw. Schreibrichtung, die Kontaktdauer mit dem Deutschen sowie der Literalisierungsgrad in der bzw. den Erstsprache(n) von Interesse. In Erg&#228;nzung zum Design der Studie von Hayes und Flower wird die Erhebung daher um den Einsatz eines soziobiografischen Fragebogens erweitert. Die Kombination und Triangulation der drei auf diese Weise entstehenden Datens&#228;tze &#8211; d.h. erstens der soziobiografischen Fragebogendaten, zweitens der verfassten Texte sowie drittens der Laut-Denk-Protokolle &#8211; soll eine m&#246;glichst umfassende Analyse der Schreibprozesse erlauben.</p>
<p>Da das Passauer Projekt ferner auf Textproduktionsprozesse von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der Sekundarstufe fokussiert, werden mit den Schreibaufgaben andere Textsorten adressiert als von Hayes und Flower. Der zu schreibende Text variiert dabei abh&#228;ngig von der Klassenstufe. Die Aufgaben orientieren sich jeweils an jahrgangstypischen Aufgabenstellungen bzw. Textsorten des Deutschunterrichts. F&#252;r die sechste Klasse wurde eine beschreibende, f&#252;r die neunte Klasse eine argumentierende Schreibaufgabe konzipiert. Um Erkenntnisse &#252;ber die schrittweise Entwicklung mit Blick auf die Strukturierung und die Ausf&#252;hrung von Textproduktionsprozessen ein- und mehrsprachiger Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu erhalten, w&#228;re eine echte Longitudinalstudie w&#252;nschenswert. Vor allem aus kapazitativen Gr&#252;nden wird die Studie stattdessen als Querschnittstudie mit Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der sechsten und der neunten Jahrgangsstufe durchgef&#252;hrt. Individuelle Entwicklungsprozesse lassen sich damit folglich nicht rekonstruieren.</p>
<p>Vielmehr sollen quasi-longitudinale Einblicke in Textproduktionsprozesse zu Beginn und zum Ende der Sekundarstufe I gew&#228;hrt werden. Die Erhebung wird nicht in der f&#252;nften Klassenstufe angesiedelt, da diese noch st&#228;rker vom &#220;bergang von der Grundschule in die weiterf&#252;hrende Schule gepr&#228;gt ist. Zudem stellt das Laute Denken in Kombination mit einer Schreibaufgabe eine hohe kognitive Anforderung dar. Grundschulkinder k&#246;nnen zwar einfache Laut-Denk-Aufgaben bew&#228;ltigen, allerdings sind sie bei einem so komplexen Vorgang wie dem Verfassen eines Textes mit dem simultan ablaufenden Lauten Denken oft &#252;berfordert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Linnemann 2017: 342</xref>). Da die Unterschiede zwischen der vierten und f&#252;nften Klassenstufe gering sind, setzen wir mit der sechsten Klasse an. Es kann aber selbst f&#252;r diese Klassenstufe nicht als belegt gelten, dass das Laute Denken parallel zum Schreiben funktioniert. Uns ist lediglich eine einzige Studie bekannt, die bereits Probandinnen und Probanden der vierten und f&#252;nften Klassenstufe einbezieht und auch Laut-Denk-Protokolle nutzt, um deren Formulierungsprozessen auf die Spur zu kommen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">Sturm/Schneider 2021</xref>). Allerdings wird die Methode des Lauten Denkens in Bezug auf diese Altersgruppe in dieser Studie nicht reflektiert. An einem abgedruckten Laut-Denk-Protokoll zeigt sich jedoch, dass sich die interviewende Person in dieser Untersuchung mit expliziten R&#252;ckfragen in das Laute Denken einschaltet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">Sturm/Schneider 2021: 31</xref>). Dies unterst&#252;tzt zwar einerseits die &#8222;Monitor-Funktion&#8220;, stellt andererseits jedoch eine massive Beeinflussung des Denkprozesses dar.</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Das Passauer Forschungsprojekt</title>
<sec>
<title>4.1 Erhebung der Daten</title>
<p>Die Erhebung der Daten findet in der Schule statt. Der finale Text soll in deutscher Sprache verfasst werden, und zwar so, wie er auch zu Hause verschriftlicht w&#252;rde. F&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler d&#252;rfte die Produktion eines Textes als Hausaufgabe damit verbunden sein, &#228;u&#223;ere Hilfsmittel zu nutzen, z.B. das Deutschheft, das Schulbuch, ein Smartphone, ein W&#246;rterbuch etc. Entsprechend d&#252;rfen die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler des Passauer Projektes von diesen Hilfsmitteln ebenfalls Gebrauch machen. In der Studie von Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) ist von derartigen Hilfsmitteln keine Rede; erst in sp&#228;teren Artikeln wird darauf Bezug genommen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Chenoweth/Hayes 2001: 84</xref>). Ferner erhalten die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler des Passauer Projektes f&#252;r die Textproduktion keine Zeitvorgabe.</p>
<p>Das Laute Denken d&#252;rfen die Probandinnen und Probanden sowohl auf Deutsch als auch in anderen Sprachen vollziehen. Zudem haben sie die Freiheit, nach Belieben zwischen den Sprachen zu wechseln. Darauf wird im Vorfeld ausdr&#252;cklich hingewiesen, weil anzunehmen ist, dass Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler eher selten die Erfahrung machen, dass anderen Sprachen als Deutsch im schulischen Kontext als nat&#252;rlicher Bestandteil des Sprachenrepertoires Berechtigung zugestanden wird. Durch die Verortung der Erhebung an der Institution Schule k&#246;nnten etwaig verinnerlichte Deutsch-Gebote (vgl. bspw. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Gogolin 1994</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Born et al. 2019</xref>) die Erhebung daher stark beeinflussen, indem sich die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler &#8211; entsprechend der Sanktion &#8211; bem&#252;hen, ihre Gedanken ausschlie&#223;lich auf Deutsch zu &#228;u&#223;ern.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref></p>
<p>Zur Vorbereitung auf die ungewohnte und kognitiv fordernde Aufgabe, einen Text zu verfassen und diesen Prozess sprachlich laut denkend zu begleiten, werden die Teilnehmenden des Passauer Projektes als Vor&#252;bung mit einer einfacheren Aufgabe konfrontiert, an der sie trainieren sollen, das eigene Tun sprachlich laut zu begleiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 394</xref>). Die Trainingsaufgabe besteht darin, aus sechs Bildern vier auszuw&#228;hlen und anhand dieser eine Geschichte zu erz&#228;hlen. W&#228;hrend der Trainingsaufgabe werden die Probandinnen und Probanden ggf. an die Aufgabe des Lauten Denkens erinnert.</p>
<p>Die Aufgabenstellung f&#252;r das Laute Denken wird in der Erhebung von der Versuchsleiterin bzw. dem Versuchsleiter etwa folgenderma&#223;en formuliert: &#8222;Bitte sprich alles laut aus, was dir durch den Kopf geht, so wie deine Gedanken gerade kommen und gehen.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Heine 2014: 126</xref>; vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B24">Heine/Schramm 2007: 178</xref>) &#8211; erg&#228;nzt eben um den Hinweis, dass hierf&#252;r s&#228;mtliche Sprachen genutzt werden d&#252;rfen.</p>
<p>Zur Dokumentation des Lauten Denkens werden eine Videokamera sowie ein zus&#228;tzliches Audioger&#228;t eingesetzt. Dies erm&#246;glicht es, sowohl das Laute Denken aufzuzeichnen als auch den motorischen Schreibprozess visuell nachzuvollziehen, sodass die Textentstehung rekonstruierbar ist.</p>
<p>Im Anschluss an die Textproduktion wird ein kurzes Interview zur Reflexion der Methode des Lauten Denkens und zur Erhebung im Allgemeinen durchgef&#252;hrt sowie der soziobiografische Fragebogen ausgef&#252;llt.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Versuchspersonen</title>
<p>Das Passauer Projekt fokussiert auf zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, d.h. auf sog. Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger (f&#252;r n&#228;here Erl&#228;uterungen zu diesem Begriff vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Ahrenholz/Ohm/Ricart Brede 2017: 246&#8211;248</xref> sowie <xref ref-type="bibr" rid="B1">Ahrenholz/Maak 2013: 82</xref>). Im Unterschied zu famili&#228;r zwar mehrsprachig aufgewachsenen, aber schon l&#228;nger in Deutschland lebenden oder gar in Deutschland geborenen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern haben Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger in ihrem Herkunftsland in vielen F&#228;llen bereits eine Schule besucht; entsprechend verf&#252;gen sie h&#228;ufig &#252;ber Schreibkompetenzen in ihren Erstsprachen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Diebel/Ahrenholz 2023: 32&#8211;33, 41&#8211;45</xref>), die beim Schreiben in der Zweitsprache nutzbar gemacht werden k&#246;nnen.</p>
<p>Eine Bedingung f&#252;r die Teilnahme an der Studie ist, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler f&#252;r die Deutsch eine Zweit- (oder Dritt-)sprache darstellt, seit mindestens einem Jahr, aber h&#246;chstens seit vier Jahren in Deutschland leben bzw. Kontakt mit dem Deutschen haben und dass sie bereits in eine Regelklasse &#252;bergetreten sind. Dadurch soll sichergestellt werden, dass ihre Textproduktion nicht &#252;berm&#228;&#223;ig von noch nicht hinreichend routinisierten bzw. automatisierten grafomotorischen F&#228;higkeiten oder orthografischen Kompetenzen im Deutschen beeintr&#228;chtigt wird. Die genaue Kontaktdauer mit dem Deutschen wird anhand des soziobiografischen Fragebogens erfasst. Je nach Erfahrungen in der Pilotstudie wird die Kontaktdauer mit dem Deutschen ggf. noch angepasst (und z.B. auf mind. zwei Jahre angehoben). Da die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, sobald sie eine Regelklasse besuchen, aber grunds&#228;tzlich vor der Aufgabe stehen, Texte in deutscher Sprache zu verfassen, wird zun&#228;chst der Versuch unternommen, auch Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler, die erst seit einem Jahr Deutsch lernen, bei der Erhebung zu ber&#252;cksichtigen.</p>
<p>Bez&#252;glich der Erstsprachen sollen &#8211; basierend auf den beiden bedeutenden Zuwanderungsgruppen der letzten Jahre &#8211; vor allem Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler mit den Erstsprachen Ukrainisch oder Russisch sowie Arabisch ber&#252;cksichtigt werden (eine etwaige Ausweitung des Korpus auf weitere Erstsprachen erfolgt je nach Kapazit&#228;ten und sofern sich diesbez&#252;glich Erhebungsm&#246;glichkeiten bieten). Beiden fokussierten Sprachgruppen liegt eine vom lateinischen Alphabet abweichende Alphabetschrift zugrunde; sofern die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in ihren Erstsprachen alphabetisiert sind, k&#246;nnen sie somit als Zweitschriftlerner(innen) gelten. Um einen allgemeinen Vergleichspunkt f&#252;r die Textproduktionsprozesse migrationsbedingt mehrsprachiger Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler zu erhalten, werden erg&#228;nzend Textproduktionsprozesse von solchen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern erhoben, die lebensweltlich einsprachig Deutsch aufwachsen.</p>
<p>F&#252;r die Durchf&#252;hrung statistischer Analysen sollen pro Jahrgangsstufe jeweils 30 Versuchspersonen einbezogen werden, die sich idealerweise m&#246;glichst gleichm&#228;&#223;ig auf die Sprachgruppen verteilen. Angesichts der Tatsache, dass Versuchspersonen unterschiedlich verbalisierungswillig und -f&#228;hig (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Krings 1986: 276</xref>) und einige daher m&#246;glicherweise f&#252;r Laut-Denk-Untersuchungen ungeeignet sind, wird f&#252;r jede Sprachgruppe in jeder Jahrgangsstufe nicht eine Anzahl von zehn, sondern jeweils von zw&#246;lf Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern anvisiert. Dies f&#252;hrt zu insgesamt 36 Versuchspersonen f&#252;r die sechste sowie 36 f&#252;r die neunte Jahrgangsstufe.</p>
<p>Die Erhebung der Daten f&#252;r die aktuell laufenden Pilotuntersuchungen erfolgt an Mittelschulen, die in Bayern zum Ersten Schulabschluss f&#252;hren, und f&#252;r die bereits eine Erhebungsgenehmigung seitens des Schulamtes vorliegt. Geplant ist, f&#252;r die Haupterhebung auch Realschulen und etwaig Gymnasien in die Erhebung einzubeziehen.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.3 Auswertung der Daten</title>
<p>Selbst wenn Laut-Denk-Protokolle f&#252;r die Erfassung von Schreibprozessen als das Verfahren der Wahl angesehen werden k&#246;nnen, vermag letztlich kein Laut-Denk-Protokoll die mentale Verarbeitung direkt widerzuspiegeln; vielmehr ist von fragmentarischen Einblicken in die Denkprozesse auszugehen (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B44">Schnell 2013: 95</xref>). Dementsprechend sind Versprachlichungen beim Lauten Denken h&#228;ufig bruchst&#252;ckhaft, wenig koh&#228;siv und ohne den Kontext der Aufgabe mitunter schwer verst&#228;ndlich (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">Schuttkowski/Staubach 2022: 341</xref>). Nicht selten werden Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen auch leise ausgesprochen, da es sich dabei nicht um kommunikative, d.h. nicht an andere Personen gerichtete Sprachhandlungen handelt. Zudem k&#246;nnen die Verbalisierungen aufgrund von Vermutungen &#252;ber die soziale Erw&#252;nschtheit beeinflusst werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B53">Weidle/Wagner 1994: 99&#8211;100</xref>); f&#252;r die vorliegende Erhebung wurde in diesem Zusammenhang in Kap. 4.1 bereits auf die etwaige Gefahr hingewiesen, dass der an deutschen Schulen i.d.R. pr&#228;sente und wirkm&#228;chtige monolinguale Habitus dem lauten Aussprechen von Gedanken in einer anderen Sprache als Deutsch entgegenstehen k&#246;nnte. Entsprechend vorsichtig gilt es bei der teilweise beinahe forensischen Analyse und Interpretation der Protokollfragmente vorzugehen.</p>
<p>Die &#196;u&#223;erungen des Lauten Denkens werden gem&#228;&#223; Audio- und Videoaufzeichnung unter Benutzung von FOLKER transkribiert. F&#252;r den Fall, dass die mehrsprachigen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler sich im Lauten Denken nicht der deutschen Sprache bedienen, werden die nicht deutschsprachigen &#196;u&#223;erungen im Original notiert, aber mit einer deutschen &#220;bersetzung aliniert. Auf Deutsch get&#228;tigte &#196;u&#223;erungen werden entsprechend der GAT2-Konventionen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Selting et al. 2009</xref>) transkribiert; &#220;bersetzungen ins Deutsche werden stattdessen gem&#228;&#223; der Standardorthografie verschriftlicht. Das Transkript dokumentiert ferner die parallel vollzogenen Schreibhandlungen sowie allf&#228;llige Recherchet&#228;tigkeiten und Verbalisierungspausen. Um das zeitliche Ineinandergreifen von Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen und Schreibt&#228;tigkeiten m&#246;glichst gut abbilden zu k&#246;nnen, erfolgt die Ausgabe der Transkripte &#8211; in Abweichung zur GAT2-Konvention &#8211; in Partiturnotation.</p>
<p>Die transkribierten Laut-Denk-Daten sollen anhand eines deduktiv-induktiv gebildeten Kategoriensystems analysiert werden, um auf diese Weise &#8211; analog zu den Vorgehensweisen in den Studien von Hayes/Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) und Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989</xref>) &#8211; Subprozesse innerhalb der individuellen Textproduktionsprozesse zu ermitteln und in Verl&#228;ngerung dazu im Idealfall Aufschl&#252;sse &#252;ber &#252;berindividuelle Regelm&#228;&#223;igkeiten in den Textproduktionsprozessen zu erhalten (vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 405</xref>). Als deduktive Bezugsgrundlage f&#252;r die Bildung eines Kategoriensystems dient &#8211; neben den drei von Hayes und Flower (<xref ref-type="bibr" rid="B20">1980</xref>) ermittelten Teilprozessen des Planens, des Formulierens und des &#220;berarbeitens &#8211; ein von Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989: 396&#8211;403</xref>) vorgelegtes und aus 14 Kategorien bestehendes Analyseraster, das auf den drei von Hayes und Flower identifizierten Teilprozessen aufbaut, aber deutlich detaillierter angelegt ist und vor allem das Zusammenspiel verschiedener Sprachen im Schreibprozess abbildet.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref></p>
<p>Bezugnehmend auf neuere kognitionspsychologische Annahmen wie Embodied-Cognition-Ans&#228;tze geht Schnell (<xref ref-type="bibr" rid="B44">2013</xref>) davon aus, dass auch an solch kognitiven Prozessen wie der menschlichen Sprachverarbeitung ma&#223;geblich emotionale, situationale und soziale Komponenten beteiligt sind und dass deshalb beim Lauten Denken &#8222;zus&#228;tzlich zu den &#252;ber die Verbalisierung freigelegten, nicht automatisierten Kurzzeitged&#228;chtnisinhalten noch etliche weitere innere Verarbeitungsmechanismen vermutet werden k&#246;nnen.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B44">Schnell 2013: 98</xref>). Um derartige multimodale Simulationen wie k&#246;rperlich-emotionale Reaktionen in Laut-Denk-Daten aufzusp&#252;ren, pl&#228;diert Schnell (<xref ref-type="bibr" rid="B44">2013: 100, 110&#8211;111</xref>) daf&#252;r, bei der Analyse st&#228;rker diskurslinguistische Analysemethoden einzubeziehen. F&#252;r die Analyse der Laut-Denk-Protokolle von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, die mit dem Lauten Denken noch wenig vertraut sind und ihre Gedanken daher m&#246;glicherweise nicht konsequent verbalisieren, k&#246;nnte in der Ber&#252;cksichtigung derartiger affektiv-emotionaler Aspekte ein besonderes Potenzial liegen, um bspw. anhand der K&#246;rpersprache, der Mimik, der Gestik, der Stimmlage (gereizte oder fragende Intonation) oder anhand von paraverbalen &#196;u&#223;erungen wie Seufzen oder Lachen Hinweise auf Herausforderungen oder Erfolgserlebnisse beim Texteschreiben zu erhalten. Entsprechend sollen bei der Analyse der Laut-Denk-Daten des Passauer Projektes anhand der Videoaufzeichnung perspektivisch auch nonverbale und paraverbale Aspekte ber&#252;cksichtigt werden.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Fallanalyse zu Nadja</title>
<p>Im Folgenden wird ein Einblick in die Datenerhebung und -auswertung anhand eines M&#228;dchens gegeben, dem das Pseudonym Nadja zugeordnet wird. Nadjas Familie stammt aus Kasachstan; zuhause spricht sie mit ihren Eltern Russisch. Bevor die Familie nach Deutschland auswanderte, lebte sie in Griechenland, wo Nadja geboren wurde und die Schule besuchte. Als sie mit ihrer Familie nach Deutschland emigrierte, war sie bereits in der dritten Klasse. Um ihr Griechisch nicht zu vergessen, spricht sie diese Sprache nach wie vor zuhause mit ihrem Bruder. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung lebt sie seit etwas mehr als drei Jahren in Deutschland. In der Untersuchung nutzte sie als Laut-Denk-Sprache ausschlie&#223;lich Russisch.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> Die folgenden Ausf&#252;hrungen sind zweigeteilt. Zun&#228;chst wird das Textprodukt von Nadja analysiert. Im anschlie&#223;enden Teil wird ein Einblick in das Laut-Denk-Protokoll zur Textproduktion des M&#228;dchens gegeben.</p>
<sec>
<title>5.1 Analyse des Textes</title>
<p>Die Schreibaufgabe, die Nadja bearbeitet hat, basiert auf der fiktiven Beobachtung einer Situation, in der ein Mann sein Handy verliert. Die daraufhin anzufertigende Beschreibung soll der Identifikation des Mannes f&#252;r das Fundb&#252;ro dienen. Um diese Personenbeschreibung anfertigen zu k&#246;nnen, ist neben der Aufgabenstellung das Foto des zu beschreibenden Mannes abgebildet. Nadja hat das Blatt mit der Aufgabenstellung und dem Bild vor sich liegen, der Versuchsleiter liest die Aufgabenstellung aber auch vor; anschlie&#223;end erinnert er Nadja noch einmal daran, w&#228;hrend des Schreibens laut zu denken.</p>
<p><xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> zeigt Nadjas Text. Er ist recht kurz und umfasst lediglich vier S&#228;tze mit insgesamt 29 W&#246;rtern. Bereits am Textprodukt sind einige &#220;berarbeitungen sichtbar. So kann man an dem mit F&#252;ller verfassten Text sehen, dass am Hilfsverb (&#8222;hat&#8220;) im zweiten Satz offenbar mit einem Tintenkiller eine &#196;nderung vorgenommen worden ist (die &#196;nderung selbst ist nicht mehr sichtbar). Dasselbe gilt f&#252;r das letzte Wort des Textes (&#8222;Hals&#8220;). Ferner ist eine Positions&#228;nderung im zweiten Satz sichtbar: Hier ist das trennbare Pr&#228;fix &#8222;an&#8220; an das Satzende verschoben worden.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Textprodukt von Nadja.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4790_ricart-brede-g1.png"/>
</fig>
<p>Die von Nadja verfasste Personenbeschreibung kann eindeutig als Progression mit durchlaufendem Thema (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Dan&#283;s 1970: 76</xref>) bestimmt werden, d.h. Nadja beginnt den Text mit &#8222;Der Mann&#8220; und leitet die n&#228;chsten S&#228;tze zweimal mit der Rekurrenz (&#8222;Der Mann&#8220;) und einmal (anaphorisch nicht korrekt) mit einem deiktischen &#8222;Der&#8220; ein. Das Vorfeld ihrer S&#228;tze ist also immer mit dem Subjekt besetzt. Im herk&#246;mmlichen Deutschunterricht w&#252;rde dieser gleichf&#246;rmige Satzbau vermutlich als stilistisch unbefriedigend beurteilt werden.</p>
<p>Gem&#228;&#223; Marx und Steinhoff (<xref ref-type="bibr" rid="B34">2019: 9</xref>) besteht eine Personenbeschreibung textuell aus den sprachlichen Teilhandlungen Kategorisieren, Visualisieren, Kontextuieren und Verorten. <xref ref-type="table" rid="T1">Tabelle 1</xref> zeigt das Vorkommen dieser Teilhandlungen in Nadjas Text.</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Teilhandlungen einer Personenbeschreibung und ihr Vorkommen in Nadjas Text.</p>
</caption>
<table>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>Teilhandlung</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Erkl&#228;rung der Teilhandlung</bold></td>
<td align="left" valign="top"><bold>Vorkommen</bold></td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Kategorisieren</td>
<td align="left" valign="top">Klassifizierung der beschriebenen Person als m&#228;nnlich oder weiblich, Kind oder Erwachsener etc.</td>
<td align="right" valign="top">1</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Visualisieren</td>
<td align="left" valign="top">Nennung &#228;u&#223;erer Merkmale (z.B. gro&#223;e Augen)</td>
<td align="right" valign="top">5</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Kontextuieren</td>
<td align="left" valign="top">Angabe zum Aufenthaltsort der Person</td>
<td align="right" valign="top">-</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Verorten</td>
<td align="left" valign="top">Lokalisation von Objekten (z.B. Tasche in der Hand vs. Tasche um die Schulter)</td>
<td align="right" valign="top">1</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="2" align="left" valign="top"><italic>Gesamt</italic></td>
<td align="right" valign="top">7</td>
</tr>
</table>
</table-wrap>
<p>Insgesamt realisiert Nadja also sieben relevante Beschreibungshandlungen. Sie beschr&#228;nkt sich dabei &#252;berwiegend auf Visualisierungen (betreffend die Bekleidung bzw. Accessoires); komplexere oder st&#228;rker abstrahierende Teilhandlungen setzt Nadja insgesamt lediglich in zwei F&#228;llen um, indem sie die Person als Mann klassifiziert und die Kopfh&#246;rer &#8222;am Hals&#8220; verortet.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Inhaltsanalytische Betrachtung des Textproduktionsprozesses</title>
<p>Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989: 412</xref>) schl&#228;gt f&#252;r die Analyse von Textproduktionsprozessen zun&#228;chst die Ermittlung einiger Produkt- und Prozessparameter vor. Diese Parameter beziehen sich v.a. auf den zeitlichen Ablauf der Textproduktion; so empfiehlt Krings u.a. die Ermittlung jener Zeitspannen, in denen die schreibende Person weder spricht noch schreibt. Nadja widmet sich in der Videoaufzeichnung ab 02.10 min. der Schreibaufgabe, bis sie ihren Textproduktionsprozess in 09.43 min. mit der an den Versuchsleiter gewandten Aussage &#8222;Eigentlich bin ich fertig.&#8220; beendet. Die Gesamtdauer der Textproduktion betr&#228;gt damit 07.33 min. (d.h. 7 Minuten und 33 Sekunden). Ber&#252;cksichtigt man Pausen ab einer L&#228;nge von einer Sekunde Dauer, so finden dabei w&#228;hrend 04.51 min. keinerlei Schreib- oder Sprechhandlungen statt. Sofern motorische Schreibpausen ab mindestens einer Sekunde Dauer, die w&#228;hrend einer Schreibphase zwischen einzelnen Buchstaben oder W&#246;rtern liegen, ebenfalls zu den Sprech- und Schreibpausen gez&#228;hlt werden, erh&#246;ht sich die Pausenzeit um 13 Sekunden auf insgesamt 05.04 min., betr&#228;gt also sogar &#252;ber f&#252;nf Minuten. Damit t&#228;tigt Nadja in &#252;ber zwei Dritteln der Zeit, die der Textproduktionsprozess insgesamt dauert, keinen sprachlichen Output im Sinne von motorischen Schreibaktivit&#228;ten oder m&#252;ndlichen Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen. Auf Basis der Videoaufzeichnungen wird allerdings deutlich, dass Nadja in einigen der Sprech- und Schreibpausen etwas auf dem Smartphone nachschaut. D.h. es findet in diesen Zeiten zwar keine Schreibt&#228;tigkeit auf dem Papier, aber teilweise ein Tippen auf dem Smartphone statt.<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> Wie anhand der Laut-Denk-Daten rekonstruierbar, recherchiert Nadja in diesen Phasen die &#220;bersetzungen zu einzelnen W&#246;rtern oder deren Schreibung.</p>
<p>Mit Blick auf die Schreibfl&#252;ssigkeit gilt zudem die Ermittlung der sog. &#8222;bursts&#8220; als einschl&#228;giger Indikator und damit als relevanter Prozessparameter: Unter einem &#8222;burst&#8220; wird in der englischsprachigen Schreibforschung die w&#228;hrend eines kontinuierlichen Schreibprozesses in einem Zug niedergeschriebene Menge an W&#246;rtern bezeichnet. Das Ma&#223; basiert auf dem Umstand, dass beim Texteschreiben nach ein paar W&#246;rtern &#252;blicherweise jeweils eine Pause gemacht wird, bevor dann wieder die n&#228;chsten W&#246;rter zu Papier gebracht werden. Entscheidend f&#252;r die Definition eines Bursts ist die L&#228;nge der ihn umgebenden Pausen. Nach Schneider et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B42">2013: 38</xref>) liegt zwischen zwei Bursts eine Pause von mindestens zwei Sekunden. Dieser Wert wurde auch f&#252;r die Bestimmung der Bursts in Nadjas Textproduktionsprozess zugrunde gelegt. Dabei werden die Schreibhandlungen, bei denen ein Tintenkiller zum Einsatz kam, um etwas vorher Geschriebenes zu korrigieren oder zu tilgen oder sonstige &#220;berarbeitungshandlungen durchzuf&#252;hren, nicht mit einbezogen. Gez&#228;hlt werden also ausschlie&#223;lich jene Bursts, durch die weiterer Text produziert wurde. Nadja bringt ihren Text mit 20 Bursts zu Papier, wovon einer dem Text keine W&#246;rter oder Buchstaben hinzuf&#252;gt, sondern nur darin besteht, einen Punkt zu setzen. Von den verbleibenden 19 Bursts bestehen zehn aus einem Wort, sieben aus zwei W&#246;rtern, einer aus drei und einer aus vier W&#246;rtern. Dies verrechnet sich zu einer durchschnittlichen W&#246;rterzahl pro Burst von 1,61. Das ist ein auffallend niedriger Wert.</p>
<p><xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> zeigt das Transkript zu Nadjas Textproduktion in Partiturnotation. Das Transkript zeichnet die Entstehung des Textes chronologisch nach (s. die Zeile &#8222;Text&#8220;); zudem werden l&#228;ngere Sprech- und Schreibpausen (s. die Zeile &#8222;Pause&#8220;) und weitere nonverbale Aktivit&#228;ten (s. die Zeile &#8222;NV&#8220;) in separaten Transkriptzeilen abgebildet. Die mit &#8222;LD_R&#8220; gekennzeichnete Zeile gibt die Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen von Nadja wider; augenf&#228;llig ist daran, dass Nadja diese ausschlie&#223;lich auf Russisch t&#228;tigt; in der Zeile &#8222;LD_&#220;&#8220; findet sich die deutsche &#220;bersetzung hierzu.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> Eine an den Versuchsleiter gerichtete &#196;u&#223;erung am Ende der Textproduktion wurde in einer separaten Zeile mit der Beschriftung &#8222;VS&#8220; (f&#252;r Verbalsprache) notiert.</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Transkript zum Textproduktionsprotokoll von Nadja.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4790_ricart-brede-g2.png"/>
</fig>
<p>In Anlehnung an das von Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989: 399</xref>) vorgeschlagene Analyseraster &#8222;zur Identifizierung von Subprozessen innerhalb des gesamten Textproduktionsprozesses&#8220; (ebd.: 396) wurde zur Detailanalyse des Textproduktionsprozesses von Nadja ein Kategoriensystem entworfen und inhaltsanalytisch angewandt. Dieses deduktiv-induktiv gebildete Kategoriensystem umfasst neun Kategorien (s. <xref ref-type="table" rid="T2">Tab. 2</xref>).</p>
<p>Die Kategorie &#8222;Feinpl&#228;ne generieren&#8220; wurde dabei direkt von Krings &#252;bernommen. Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989: 400</xref>) versteht darunter Subprozesse, die sich &#8222;durch ihren konkreten Bezug auf einzelne im Text auszudr&#252;ckende Inhalte&#8220; beziehen. Nadja t&#228;tigt relativ zu Beginn ihres Textproduktionsprozesses eine Laut-Denk-&#196;u&#223;erung, die dieser Kategorie zuzurechnen ist. Das M&#228;dchen &#252;berlegt hier, welche konkreten Inhalte im Text zu ber&#252;cksichtigen sind (&#8222;&#196;hm. Zuerst soll ich den Mann anschauen und def/ feststellen, in, in, in was/ in was er gekleidet ist und aufschreiben&#8220;, 02.34&#8211;02.42 min.). Allgemeinere &#220;berlegungen betreffend die Textsorte oder den Adressatenbezug finden sich in den Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen allerdings keine. Die von Krings als &#8222;Grobpl&#228;ne generieren&#8220; bezeichnete Kategorie zeigt sich damit in den Daten von Nadja nicht.<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> Dass Nadja ihren Textproduktionsprozess statt mit generellen &#220;berlegungen zur Textgestaltung direkt mit &#220;berlegungen zur Feinplanung beginnt, k&#246;nnte ein erster Hinweis auf einen generellen Unterschied zwischen Textproduk-tionsprozessen j&#252;ngerer bzw. weniger erfahrener Schreibender wie Nadja und erfahreneren Schreibenden (wie sie z.B. von Krings 1989 oder <xref ref-type="bibr" rid="B20">Hayes/Flower 1980</xref> untersucht wurden) sein, und zwar in dem Sinne, dass weniger erfahrene Schreiberinnen und Schreiber in Bezug auf ihre Textplanung nicht makrostrukturell agieren, sondern eher im Kleinen verhaftet bleiben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Nadjas Textproduktionsprozess g&#228;nzlich ohne metareflexive Steuerung ablaufen w&#252;rde: So weist das Transkript zu Nadjas Textproduktionsprozess insgesamt drei Belegstellen f&#252;r die Kategorie &#8222;Planungsausf&#252;hrung &#252;berwachen&#8220; auf.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> Und zwar sagt Nadja an einer Stelle &#8222;Gerade schreibe ich, was er anhat;&#8220; (05.19&#8211;05.21 min.); deutlich sp&#228;ter konstatiert sie &#8222;ich bin mit seinem Erscheinungsbild fast fertig und schreibe gerade den Satz fertig&#8220; (08.17&#8211;08.20 min.) und schlie&#223;lich beendet sie ihren Textproduktionsprozess mit der Einsch&#228;tzung &#8222;Eigentlich bin ich fertig.&#8220; (09.41&#8211;09.42 min.). Dass diese metareflexiven &#196;u&#223;erungen zu den verschiedensten Zeitpunkten des Textproduktionsprozesses auftreten, deutet darauf hin, dass Nadja ihr Schreiben die ganze Zeit &#252;ber metareflexiv im Blick beh&#228;lt und steuert.</p>
<table-wrap id="T2">
<caption>
<p>Tab. 2: Kategorien zur Detailanalyse von Nadjas Textproduktionsprozesses inkl. Vorkommensh&#228;ufigkeiten.</p>
</caption>
<table>
<tr>
<td align="left" valign="top">Kategorie</td>
<td align="left" valign="top">H&#228;ufigkeit dieses Teilprozesses in Nadjas Text</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Feinpl&#228;ne generieren</td>
<td align="right" valign="top">1</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Planungsausf&#252;hrung &#252;berwachen</td>
<td align="right" valign="top">3</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Feinpl&#228;ne realisieren in der L1 Russisch</td>
<td align="right" valign="top">5</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Feinpl&#228;ne realisieren in der L2 Deutsch</td>
<td align="right" valign="top">14</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Feinpl&#228;ne revidieren</td>
<td align="right" valign="top">6</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">L2-Problem identifizieren und L2-Probleml&#246;sungsstrategie ausw&#228;hlen</td>
<td align="right" valign="top">2</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Strategie zur L&#246;sung des L2-Problems anwenden</td>
<td align="right" valign="top">2</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Allgemeines Textproduktionsproblem identifizieren und Probleml&#246;sungsstrategie ausw&#228;hlen</td>
<td align="right" valign="top">1</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Strategie zur L&#246;sung des allgemeinen Textproduktionsproblems anwenden</td>
<td align="right" valign="top">2</td>
</tr>
</table>
</table-wrap>
<p>Zahlenm&#228;&#223;ig die meisten Vorkommen entfallen auf die Kategorien zur Realisierung von Feinpl&#228;nen. Letztlich geht es hier um das konkrete Ausformulieren des Textes. Wie von Krings vorgeschlagen, wird in diesem Zusammenhang zwischen der Realisierung von Feinpl&#228;nen in der L1 (hier: Russisch) auf der einen Seite und in der L2 (hier: Deutsch) auf der anderen Seite unterschieden. Auff&#228;llig ist diesbez&#252;glich f&#252;r Nadjas Textproduktionsprozess ein st&#228;ndiges Switchen zwischen der L1 Russisch und der L2 Deutsch: Wie die Laut-Denk-Daten zeigen, formuliert Nadja den Text gedanklich portionsweise vollst&#228;ndig auf Russisch vor; die schriftliche Manifestation der Formulierungen erfolgt dann jedoch ausnahmslos in der L2 Deutsch. Mal laufen denksprachliches Vorformulieren und verbalsprachliches Niederschreiben der Formulierungen dabei als verschr&#228;nkte Prozesse ab (vgl. bspw. 02.20&#8211;03.05 min.), mal geht die gedankliche Vorformulierung auf Russisch der verbalsprachlichen Niederschrift auf Deutsch unmittelbar voraus (vgl. z.B. 03.11&#8211;05.10 min.). Lediglich in einem Fall wird eine Information ohne laut-denksprachliche Entsprechung bzw. Vorformulierung in der L2 Deutsch zu Papier gebracht (dies betrifft die Angabe zur Hosenfarbe in 05.22&#8211;05.34 min.). Betrachtet man die Formulierungen in den beiden Sprachen genauer, so f&#228;llt auf, dass die gedanklichen Vorformulierungen in der Regel deutlich elaborierter ausfallen als die schriftlich dann tats&#228;chlich umgesetzten Formulierungen. So wird aus dem angedachten &#8222;In seinen H&#228;nden befinden sich drei (1.3) Hefte&#8216; (1.5) Eins ist rot, ein anderes ist gelb und eins ist blau;&#8220; (02.52&#8211;02.59 min.) schriftlich &#8222;Der Mann hat drei Bl&#246;cke.&#8220; (02.20&#8211;03.05 min.). Damit geht im Zuge der &#220;berf&#252;hrung der Denksprache in eine verbalsprachliche &#196;u&#223;erung nicht nur die Information um die Farbe der Bl&#246;cke bzw. Hefte verloren, sondern auch die Angabe zur Lokalisation ebendieser (d.h. die Information, dass der Mann diese Hefte in der Hand h&#228;lt), was mit Blick auf die Realisierung textuell relevanter Teilhandlungen (s. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref> in Kap. 5.1 bzw. vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Marx/Steinhoff 2019: 9</xref>) ein nicht unerheblicher Informationsverlust ist. Auff&#228;llig ist ferner, dass die gedanklichen Vorformulierungen in deutlich umfangreicheren Einheiten erfolgen. Insgesamt dr&#228;ngt sich deshalb die Vermutung auf, dass das schriftliche Formulieren in der Zweitsprache Deutsch f&#252;r Nadja eine erhebliche Anstrengung bedeutet, die letztlich zu einem Informations- und Komplexit&#228;tsverlust f&#252;hrt. Zu welchen Grad dieser Komplexit&#228;tsverlust auf den zu leistenden Transfer von der L1 in die L2 bzw. &#8211; im Sinne eines Translanguagings (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B50">Th&#246;ne/K&#246;lling 2023</xref>) &#8211; auf die Verengung des gesamtsprachlichen Repertoires (im denksprachlichen Bereich) hin zu einer ausschlie&#223;lichen Nutzung der Zweitsprache (in der Textproduktion) geschuldet ist, oder welchen Anteil daran auch der ebenfalls zu leistende Transfer vom M&#252;ndlichen (bzw. gar vom denksprachlich M&#252;ndlichen) ins Schriftliche hat, l&#228;sst sich anhand der vorliegenden Daten nicht kl&#228;ren.</p>
<p>Die weiteren Kategorien zur Analyse von Nadjas Textproduktionsprozess beziehen sich auf Probleml&#246;se- und Revisionsprozesse. Dem Vorschlag von Krings entsprechend werden dabei Probleml&#246;seprozesse, die sich auf L2-bedingte Herausforderungen und Fragen beziehen (wie z.B. die Suche nach einem in der Zweitsprache unbekannten Wort), separat gefasst. In Nadjas Daten sind jedoch au&#223;erdem Probleml&#246;seprozesse vorfindlich, die sich nicht eindeutig auf L2-bedingte Fragen beziehen. So m&#252;ssen Unsicherheiten in Bezug auf die orthografisch korrekte Schreibung einzelner W&#246;rter nicht per se darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren sein, dass die Textproduktion in einer Zweitsprache erfolgt. Insbesondere f&#252;r j&#252;ngere bzw. noch weniger versierte Schreiberinnen und Schreiber sind derartige Unsicherheiten und damit verbundene Probleml&#246;seprozesse infolge teilweise noch nicht vollst&#228;ndig automatisierter Teilprozesse (bspw. in Bezug auf die Kenntnis und Anwendung orthografischer Regeln) generell denkbar oder sogar erwartbar. Aus diesem Grund wurde das von Krings vorgelegte Kategoriensystem um zwei Kategorien betreffend allgemeine Textproduktionsprobleme erg&#228;nzt. Und die Kategoriensysteme unterscheiden sich in einem weiteren Punkt: Krings vermochte anhand der ihm vorliegenden Laut-Denk-Daten zwischen der Identifikation von Textproduktionsproblemen auf der einen Seite und der Auswahl einer L&#246;sungsstrategie zur Bew&#228;ltigung ebendieser Probleme zu differenzieren; in Nadjas Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen lassen sich diese beiden Prozesse kaum voneinander trennen. Dies liegt daran, dass Nadja von den Problemen (im Sinne von zu bew&#228;ltigenden Herausforderungen bzw. Aufgaben) erst dann berichtet, w&#228;hrend sie die daraufhin ausgew&#228;hlte Probleml&#246;sungsstrategie anwendet oder gar erst, nachdem sie diese angewandt hat. Exemplarisch hierf&#252;r sei auf die Situation ab 03.39 min. im Transkript verwiesen: Hier schaut Nadja zun&#228;chst etwas auf dem Smartphone nach, ohne dies laut denkend zu begleiten (03.39&#8211;04.12 min.), bevor sie anschlie&#223;end sagt: &#8222;&#196;h &#8211; Ich habe ein Wort &#252;bersetzt, weil ich nicht wusste, wie es hei&#223;t;&#8220; (04.13&#8211;04.15 min.). Die &#196;u&#223;erung erkl&#228;rt damit die bereits vollzogene Handlung und erscheint insofern eher als Retrospektion denn als Introspektion. Mutma&#223;lich verlangt Nadja die Koordination und Ausf&#252;hrung derartiger Probleml&#246;seprozesse (d.h. die Problemidentifikation, die Auswahl der geeigneten L&#246;sungsstrategie und die Aktivierung bzw. Anwendung ebendieser) eine derart hohe Konzentration ab, dass sie die zus&#228;tzlich an sie herangetragene Aufgabe, ihre Gedanken sprachlich begleitend zu verbalisieren, in diesen Momenten vergisst.</p>
<p>Dennoch lassen sich aufgrund der Daten einige Einsichten in Bezug auf die von Nadja bew&#228;ltigten Probleml&#246;seprozesse gewinnen: Zum einen f&#228;llt auf, dass sich die Probleml&#246;seprozesse ausnahmslos auf die Lexik (unbekannte W&#246;rter in der L2) und auf die Orthografie (Unklarheiten in Bezug auf die Schreibung einzelner W&#246;rter) beziehen. Die Probleml&#246;seprozesse tangieren damit jeweils sehr lokal begrenzte Schreibprobleme und nicht etwa satz&#252;bergreifende Fragen oder gar den Textaufbau als Ganzes. Des Weiteren w&#228;hlt Nadja zur L&#246;sung bzw. zur Bew&#228;ltigung identifizierter Probleme stets dieselbe Strategie aus: Sie nutzt ihr Smartphone und recherchiert damit &#220;bersetzungen oder Schreibungen einzelner W&#246;rter. Insgesamt wendet Nadja diese Probleml&#246;sestrategie w&#228;hrend ihrer Textproduktion viermal an. In einem Fall kommentiert Nadja dies in ihrem Laut-Denk-Protokoll gar nicht (s. 07.29&#8211;07.53 min.). Doch scheint es immerhin so, als f&#252;hrte die Recherche in diesem Fall zum Ziel, d.h. zu einer Probleml&#246;sung, da sie direkt danach die im Text vorkommenden Schreibungen des Lexems &#8222;Man[n]&#8220; anpasst und orthographisch korrekt jeweils um ein zweites &#8222;n&#8220; erg&#228;nzt. Derartige Revisionen am Feinplan nimmt Nadja w&#228;hrend des Textproduktionsprozesses insgesamt sechsmal vor. Ebenso wie die Probleml&#246;seprozesse beziehen sich dabei auch die Revisionen lediglich auf lokal begrenzte Korrekturen in den Bereichen Orthografie und Grammatik und damit auf die Textoberfl&#228;che. Nicht immer ist der diesen Revisionen vorausgehende Probleml&#246;seprozess in den Daten im &#220;brigen ersichtlich. So &#228;ndert Nadja bspw. ein als Minuskel verschriftlichtes &#8222;h&#8220; in 05.32 min. direkt nach der Notation in eine Majuskel. Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf Mikropausen, die Nadja w&#228;hrend des motorischen Schreibprozesses innerhalb einzelner Bursts teilweise einlegt. Unter anderem macht Nadja direkt im Anschluss an die soeben erw&#228;hnte orthografische Korrektur von &#8222;h&#8220; zu &#8222;H&#8220; eine solche Mikropause (s. &#8222;H(&#8209;)ose&#8220; in 05.32 min.). Weitere derartige Mikropausen w&#228;hrend der Inskription finden sich bspw. im Zuge der Verschriftlichung von &#8222;karie(&#8209;)rtes Hem(&#8209;)d&#8220; (04.58&#8211;05.10 min.) und &#8222;ein(.)e&#8220; (s. 06.17 min.) und damit unmittelbar vor der Realisierung grammatikalisch komplexer Endungen bzw. in unmittelbarer N&#228;he zu orthografisch relevanten Fragen (bspw. die Auslautverh&#228;rtung betreffend).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>6 Fazit und Ausblick</title>
<p>Obgleich der von Nadja geschriebene Text in Form einer Personenbeschreibung mit 29 W&#246;rtern in insgesamt vier S&#228;tzen nur sehr kurz ist, ist der Textproduktionsprozess, der zu diesem Endprodukt f&#252;hrt, erstaunlich komplex und vielschichtig. Zwar nimmt die Generierung von Feinpl&#228;nen, d.h. das (Vor-)Formulieren und Schreiben des Textes insgesamt den gr&#246;&#223;ten Anteil am Textproduktionsprozess ein, doch werden anhand des Laut-Denk-Protokolls und der begleitenden Videoaufzeichnung durchaus weitere Teilprozesse sichtbar. So beginnt Nadja ihre Textproduktion mit der Generierung eines Feinplanes, indem sie definiert, welche Inhalte im Text ber&#252;cksichtigt werden sollten. Ferner werden Probleml&#246;seprozesse initiiert und ausgef&#252;hrt und Feinpl&#228;ne revidiert, d.h. es finden &#220;berarbeitungen am Text statt. Besonders beachtlich ist mit Blick auf das noch relativ junge Schreibalter von Nadja, dass sie die Planungsausf&#252;hrung w&#228;hrend des gesamten Textproduktionsprozesses metareflexiv zu &#252;berwachen scheint. Bei einer genaueren Analyse der Teilprozesse zeigt sich allerdings auch, dass diese allesamt stark an der Textoberfl&#228;che verhaftet, d.h. auf das Lokale begrenzt bleiben. So leitet Nadja Probleml&#246;seprozesse ausschlie&#223;lich f&#252;r lokal begrenzte Probleme im Bereich der Lexik (unbekannte W&#246;rter) und der Orthografie (unklare Schreibung) ein. Selbiges ist f&#252;r Revisionen zu konstatieren. Und auch in Bezug auf planerische T&#228;tigkeiten bleibt Nadja im Kleinen verhaftet; &#220;berlegungen mit Blick auf die Textsorte im Allgemeinen werden nicht sichtbar. Dass weniger versierte und routinierte Schreibende eher auf lokale als auf globale Probleme achten, ist in der Schreibforschung bereits mehrfach festgestellt worden (vgl. bspw. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Hayes 2012, s. auch Kap. 2</xref>). Die ersten vier dokumentierten Textproduktionsprozesse von Sechstkl&#228;sslerinnen und Sechstkl&#228;sslern der Passauer Pilotstudie best&#228;tigen dies ebenfalls. Dass eine dieser vier Sechstkl&#228;sslerinnen Deutsch als ausschlie&#223;liche Erstsprache hat, verdeutlicht &#8211; ebenfalls konsistent zu vorliegenden Forschungsergebnissen &#8211;, dass dies (alleinig) nicht auf den Umstand zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, dass Deutsch f&#252;r die Schreibenden eine Zweitsprache darstellt.</p>
<p>Die Fallanalyse zu Nadja zeigt zudem, dass f&#252;r den Textproduktionsprozess keinesfalls nur die Text- und damit Zielsprache Deutsch relevant ist. Vielmehr wird deutlich, dass der Erstsprache eine zentrale Rolle f&#252;r den Textproduktionsprozess zukommt und dass Nadja beim Schreiben auf ihr gesamtsprachliches Repertoire zur&#252;ckgreift. Zwar wird auf dem Papier nur die L2 Deutsch verwendet, doch vollzieht Nadja den gesamten Planungs- und Vorformulierungsprozess gedanklich orientiert an der L1 Russisch, sodass in Bezug auf das Ausformulieren ein komplexes Zusammenspiel der beiden Sprachen Russisch und Deutsch sichtbar wird. Nadja entwirft dabei f&#252;r s&#228;mtliche Textbausteine gedanklich eine Vorversion, die jedoch nicht vollst&#228;ndig der dann tats&#228;chlich realisierten Textfassung entspricht. Auff&#228;llig ist dabei insbesondere der mit der Niederschrift im Deutschen verbundene Komplexit&#228;tsverlust. Unklar ist, inwiefern dieser auf die notwendige Verengung zur&#252;ckzuf&#252;hren ist, die mit Blick auf das gesamtsprachliche Repertoire (das auch die L1 einschlie&#223;t) unumg&#228;nglich ist, um am Ende ein einsprachig deutsches Textprodukt zu verfassen. Ebenso ist denkbar, dass der im Zuge des Textproduktionsprozesses ebenfalls zu leistende Transfer vom M&#252;ndlichen (bzw. sogar vom denksprachlich M&#252;ndlichen) ins Schriftliche an sich zu einem erheblichen Komplexit&#228;tsverlust f&#252;hrt. M&#246;glicherweise k&#246;nnten Vergleichsdaten zu Textproduktionsprozessen von erstsprachlich deutschen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern diesbez&#252;glich erhellend sein.</p>
<p>Methodologisch zeigt die Fallanalyse, dass das Laute Denken bereits f&#252;r Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler der sechsten Jahrgangsstufe eine durchaus gewinnbringende Methode sein kann, um detaillierte Einblicke in Textproduktionsprozesse zu erhalten. Als besonders verlohnend erscheint in diesem Zusammenhang die videografische Aufzeichnung des Laut-Denk-Prozesses: Durch die erg&#228;nzende bildliche Fixation wird die Inskription als motorischer Prozess f&#252;r die Analyse zug&#228;nglich. Dies erm&#246;glicht es, die Chronologie des Schreibprozesses, aber auch etwaige H&#228;sitationsmomente w&#228;hrend der Inskription oder nicht kommentierte Textrevisionen zu erfassen. Auf der Grundlage weiterer Textproduktionsprotokolle sollen derartige H&#228;sitationen w&#228;hrend der Inskription perspektivisch genauer analysiert werden, um auf diese Weise eventuelle Hinweise auf nicht versprachlichte Probleml&#246;seprozesse betreffend die Realisierung einzelner Schreibungen und damit auf noch nicht vollst&#228;ndig automatisierte Schreibregeln zu erhalten. Au&#223;erdem soll bei weiteren Erhebungen versucht werden, auch den Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. des Smartphones) videografisch so zu erfassen, dass er f&#252;r die Analyse zug&#228;nglich wird. Ferner sollen die angewandten Probleml&#246;sestrategien und eingesetzten Hilfsmittel explizit im anschlie&#223;enden Interview thematisiert werden.</p>
<p>Mit Blick auf die Einf&#252;hrung in das Laute Denken als Methode scheint f&#252;r die vorliegende Untersuchung jener Instruktionshinweis zentral, dass der Text so geschrieben werden soll, wie dies zuhause erfolgen w&#252;rde. Ohne diesen zus&#228;tzlichen Hinweis, der die Datenerhebung explizit vom schulischen Unterricht bzw. von der Institution Schule abgrenzt, w&#228;re vermutlich kaum erwartbar, dass die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler ungezwungen auf ihr gesamtes Sprachrepertoire zur&#252;ckgreifen und in den Textproduktionsprozessen auch von ihren Erst- und Familiensprachen Gebrauch machen. Dass Nadja es zum Beispiel eher nicht gewohnt zu sein scheint, ihre vom Deutschen abweichenden Erst- und Familiensprachen im schulischen Kontext zu nutzen, wird w&#228;hrend der ebenfalls aufgezeichneten Instruktionsphase deutlich, in der der Versuchsleiter Nadja die Aufgabenstellung erl&#228;utert: Auf dessen Hinweis, dass Nadja f&#252;r das Laute Denken gerne s&#228;mtliche ihr zur Verf&#252;gung stehenden Sprachen nutzen k&#246;nne und dass die Textproduktion und das Laute Denken so ablaufen sollten, wie dies zuhause der Fall sei, reagiert Nadja zun&#228;chst in fragender Intonation mit der Aussage &#8222;aschso weil zuHAUse reden nur RUSsisch&#8216;.&#8220; (01.24&#8211;01.25 min.). Der Versuchsleiter goutiert dies mit einem &#8222;ok;&#8220; und expliziert weiter: &#8222;also wie du:- (1.0) was dir am ehesten in den SINN kommt- welche sprache du nutzen m&#246;chtest. ja?&#8220; (01.26&#8211;01.32 min.). Dass Nadja sich trotzdem noch nicht sicher ist, ob die Verwendung des Russischen tats&#228;chlich akzeptiert wird, zeigt die erneute Nachfrage: &#8222;also kann ich einfach russisch reden?&#8220; (01.32&#8211;01.33 min.). Obgleich der Versuchsleiter dies daraufhin nochmals best&#228;tigt &#8222;kannst du auch;&#8220; (01.34&#8211;01.35 min.) und Nadja mit der Antwort &#8222;aha oke;&#8220; (01.35 min.) Verstehen signalisiert, vergewissert sie sich nach einer knapp vier-sek&#252;ndigen Sprechpause erneut der M&#246;glichkeit zur Verwendung des Russischen: &#8222;darf ich auf russisch redn (.) oder&#8216;&#8220; (02.06&#8211;02.07 min.), die der Versuchsleiter noch einmal explizit best&#228;tigt: &#8222;&lt;bestimmt&lt; ja=ja.&gt;&gt; du darfst russisch REden; aber du musst den text DEUtsch schreiben.&#8220; (02.07&#8211;02.09 min.). Erst daraufhin beginnt Nadja ihren Textproduktionsprozess, den sie laut denkend ausschlie&#223;lich auf Russisch begleitet.</p>
<p>Die sich bei Nadja zeigende Tendenz, das Laute Denken zeitweise zu pausieren und still am Text weiterzuarbeiten, schr&#228;nkt u.E. zwar die L&#252;ckenlosigkeit der Daten, aber zumindest nicht ma&#223;geblich deren Validit&#228;t ein. Denn h&#228;ufig verbalisiert Nadja im Nachgang, womit sie unmittelbar zuvor besch&#228;ftigt war. Dennoch bleibt es eine zentrale Aufgabe der noch nicht abgeschlossenen Pilotierungsphase des Projektes, herauszufinden, auf welche Weise und unter welchen Bedingungen schon am Anfang der Sekundarstufe m&#246;glichst kontinuierliche Laut-Denk-Protokolle elizitiert werden k&#246;nnen. W&#228;hrend der n&#228;chsten Datenerhebungen im Rahmen der Pilotierungsphase sollen daher unterschiedliche verbale und nonverbale Reaktionen auf l&#228;ngere Schweigephasen eingesetzt und erprobt werden. Um den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern musterhaft erfahrbar zu machen, was dann selbst getan werden soll, wurde ferner ein Video zur Veranschaulichung des Lauten Denkens erstellt. Dieses soll k&#252;nftig vor der eigentlichen Textproduktion zum Einsatz kommen. Da die im Vorgespr&#228;ch verwendete Sprache die Wahl der Laut-Denk-Sprache der Versuchspersonen zu beeinflussen scheint (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Schnell 2020: 195</xref>) und sich dieser Einfluss bei unserer Zielgruppe durch den monolingualen Habitus der Schule noch verst&#228;rken d&#252;rfte, zeigt dieses Beispielvideo bewusst mehrsprachige Laut-Denk-Versprachlichungen. Es ist zu hoffen, dass ein solches Video verdeutlichen kann, dass die Laut-Denk-Verbalisierungen trotz Datenaufnahme in den R&#228;umlichkeiten der Schule keineswegs in deutscher Sprache erfolgen m&#252;ssen, sondern dass hierf&#252;r s&#228;mtliche Sprachen des gesamtsprachlichen Repertoires genutzt werden k&#246;nnen. An die bereits erfolgten Erhebungen von Daten in der sechsten Klassenstufe schlie&#223;en sich die Datenerhebungen in der neunten Klassenstufe an. Erst dann, wenn auch diese Daten erhoben und reflektiert sind, wird die Pilotierungsphase abgeschlossen sein und die Hauptuntersuchung beginnen k&#246;nnen.</p>
<p>In Bezug auf die Datenanalyse soll perspektivisch zum einen das inhaltsanalytische Kodierschema anhand weiterer Datens&#228;tze erprobt und ggf. modifiziert bzw. verfeinert werden. Des Weiteren soll in Anlehnung an Schnell (<xref ref-type="bibr" rid="B44">2013</xref>) auf der Basis optimierter videografischer Aufzeichnungen, die nicht nur das Schreibwerkzeug und den entstehenden Text, sondern au&#223;erdem die Mimik und Gestik der schreibenden Person bildlich festhalten, mittels diskurslinguistischer Ans&#228;tze der Versuch unternommen werden, auch situationale und emotionale Begleitumst&#228;nde st&#228;rker in die Analyse einzubeziehen.</p>
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<fn id="n1"><p>Vgl. zur Gleichsetzung des Verfassens von Texten mit dem L&#246;sen von Problemen Dengscherz (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2019: 131&#8211;136</xref>); bedenkt man, dass Textmuster und Textprozeduren Standardl&#246;sungen f&#252;r Textprobleme bereitstellen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B56">Wrobel 2020: 93</xref>), f&#252;hrt dies &#8222;mindestens partiell zu einer Deproblematisierung des Schreibens&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Bachmann/Becker-Mrotzek 2017: 41</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>In einer &#252;berarbeiteten Modelldarstellung bezeichnet Hayes (<xref ref-type="bibr" rid="B19">1996: 3</xref>) diese drei Prozesse als &#8222;Planning&#8220;, &#8222;Text Generation&#8220; and &#8222;Revision&#8220;.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Ferner ber&#252;cksichtigt das von Hayes und Flower vorgelegte Schreibprozessmodell den Einfluss der Aufgabenumgebung (&#8222;task environment&#8220;) sowie der Wissensbest&#228;nde aus dem Langzeitged&#228;chtnis (&#8222;the writer&#8217;s long term memory&#8220;) auf den Schreibprozess.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Selbiges gilt f&#252;r das in der aktuellen Forschung diskutierte und elaborierte PROSIMS-Modell von Dengscherz (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">2020</xref>), das professionelles Schreiben in mehreren Sprachen in den Blick nimmt.</p></fn>
<fn id="n5"><p>In der einen Studie hatten die Studierenden ein Antwortschreiben auf eine Zeitungsannonce zu einer Au-Pair-Stelle zu verfassen; in der anderen Studie bestand die Schreibaufgabe in der Nacherz&#228;hlung von Bildergeschichten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krings 1989: 393&#8211;394</xref>).</p></fn>
<fn id="n6"><p>Statt mit dem Lebensalter operiert die aktuelle Schreibdidaktik mit dem Schreibalter als der &#8222;Summe der bis zu einem Zeitpunkt gemachten Schreiberfahrungen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Neugebauer 2008: 1</xref>) bzw. der &#8222;Dauer der Auseinandersetzung mit den Normen einer literalen Kultur&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Feilke 1996: 1181</xref>). Einflussfaktoren auf das Schreibalter sind etwa die literalen Erfahrungen in der Familie, die Durchg&#228;ngigkeit der Beschulung, die Anforderungen im Deutschunterricht gem&#228;&#223; der gew&#228;hlten Schulart etc.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Andere Studien, in denen Schreibprozesse von Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern der Sekundarstufe mittels Laut-Denk-Daten beforscht werden, nehmen fremdsprachliches Handeln (in der Schulfremdsprache Englisch) und nicht etwa zweitsprachliches Handeln in den Blick. Dies gilt f&#252;r die Dissertationsstudie von Heine (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2010</xref>) ebenso wie f&#252;r das im Entstehen befindliche Projekt &#8222;Donk-AI&#8220; (Digitales Schreiben, ownership und neues fachspezifisches Wissen &#8211; K&#252;nstliche Intelligenz und Schreibprozesse im Englischunterricht der Sekundarstufe) unter Leitung von Dr. Can K&#252;pl&#252;ce, in dem &#8222;die Grenzen und die notwendigen (Kompetenz-)Voraussetzungen f&#252;r eine gewinnbringende Nutzung generativer KI-Tools&#8220; in fremdsprachlichen Schreibprozessen der Sekundarstufe analysiert werden sollen (vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://postdoc-kolleg.de/digital-writing-ownership-and-new-subject-specific-knowledge-ai-and-the-writing-process-in-secondary-elt/">https://postdoc-kolleg.de/digital-writing-ownership-and-new-subject-specific-knowledge-ai-and-the-writing-process-in-secondary-elt/</ext-link> 13.02.20225). Es ist anzunehmen, dass den institutionell verankerten Schulfremdsprachen selbst von den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern ein anderer Stellenwert und demzufolge auch eine andere Berechtigung beigemessen wird als migrationsbedingter Mehrsprachigkeit.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Konkret unterscheidet Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989: 396-397</xref>) zwischen den Kategorien &#8222;Planungsprobleme identifizieren&#8220;, &#8222;Grobpl&#228;ne generieren&#8220;, &#8222;Feinpl&#228;ne generieren&#8220;, &#8222;Feinpl&#228;ne realisieren in der L1&#8220;, &#8222;Feinpl&#228;ne realisieren in der L2&#8220;, &#8222;Pl&#228;ne organisieren&#8220;, &#8222;Pl&#228;ne evaluieren&#8220;, &#8222;&#252;ber Pl&#228;ne entscheiden&#8220;, &#8222;die Planungsausf&#252;hrung &#252;berwachen&#8220;, &#8222;Pl&#228;ne revidieren&#8220;, &#8222;L2-Probleme identifizieren&#8220;, &#8222;L2-Probleml&#246;sungsstrategien aktivieren&#8220;, &#8222;Probleml&#246;sungen evaluieren&#8220; und &#8222;&#252;ber L2-Probleml&#246;sungen entscheiden&#8220;.</p></fn>
<fn id="n9"><p>An dieser Stelle m&#246;chten wir uns herzlich bei unserer studentischen Hilfskraft Matvii Shevchenko f&#252;r die Transkription und &#220;bersetzung bedanken.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Aufgrund der Kamerapositionierung ist das Display des Smartphones leider nicht entzifferbar, sodass nicht im Detail nachvollzogen werden kann, was Nadja in das Smartphone eintippt und welche Seiten bzw. Tools sie f&#252;r diese Recherchen nutzt.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Die Laut-Denk-&#196;u&#223;erungen wurden entsprechend der orthografischen Konventionen transkribiert; allerdings wurden die Satzzeichen (? &#8216; &#8211; ; .) entsprechend der GAT2-Konventionen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Selting et al. 2009</xref>) genutzt, um die Intonation bzw. um Abbr&#252;che abzubilden. Erg&#228;nzt wurden ferner Hinweise auf Pausen, die im gesamten Transkript in Klammern notiert werden. Die Angabe der Pausenl&#228;nge erfolgt dabei stets in Sekunden bzw. f&#252;r Pausen von 0,5&#8211;1,0 Sekunden Dauer mit einem Bindestrich (-) und f&#252;r Mikropausen von weniger als 0,5 Sekunden Dauer mit einem Punkt (.).</p></fn>
<fn id="n12"><p>Die Kategorie &#8222;Globalpl&#228;ne generieren&#8220; bezieht sich gem&#228;&#223; Krings (<xref ref-type="bibr" rid="B29">1989: 399&#8211;400</xref>) &#8222;zum einen auf Pl&#228;ne, die Fragen des globalen Vorgehens bei der Texterstellung betreffen (z.B. ob Notizen gemacht werden, ob eine Gliederung angefertigt wird, ob zun&#228;chst ein Konzept erarbeitet wird, ob Hilfsmittel bereitgehalten werden usw.). Zum anderen werden in dieser Kategorie alle Verbalisierungen erfa&#223;t, die sich nicht auf einzelne Inhalte des Textes, sondern auf den Text als ganzen und seine kommunikative Einbettung beziehen, also z.B. Fragen des Adressatenbezugs, des Stils, der Verst&#228;ndlichkeit usw.&#8220;.</p></fn>
<fn id="n13"><p>F&#252;r die Analyse von Nadjas Textproduktionsprozess wurde diese Kategorie allgemeiner gefasst als die gleichlautende Kategorie von Krings. Letztlich b&#252;ndelt diese Kategorie die von Krings distinkt ausgewiesenen Kategorien &#8222;Planungsausf&#252;hrung &#252;berwachen&#8220; und &#8222;Pl&#228;ne evaluieren&#8220;.</p></fn>
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<ref id="B51"><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Usanova</surname>, <given-names>Irina</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Schnoor</surname>, <given-names>Birger</given-names></string-name> (<year>2024</year>): <article-title>Die Entwicklung von Schreibf&#228;higkeit in mehreren Sprachen im Verlauf der Sekundarstufe &#8211; eine sprachpragmatische Sicht</article-title>. <source>DDS &#8211; Die Deutsche Schule</source> <volume>116</volume>: <issue>2</issue>, <fpage>116</fpage>&#8211;<lpage>136</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B52"><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Velasco</surname>, <given-names>Patricia</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Garc&#237;a</surname>, <given-names>Ofelia</given-names></string-name> (<year>2014</year>): <article-title>Translanguaging and the Writing of Bilingual Learners</article-title>. <source>Bilingual Research</source> <volume>37</volume>: <issue>1</issue>, <fpage>6</fpage>&#8211;<lpage>23</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B53"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Weidle</surname>, <given-names>Renate</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Wagner</surname>, <given-names>Angelika</given-names></string-name> (<year>1994</year>): <chapter-title>Die Methode des Lauten Denkens</chapter-title>. In: <string-name><surname>Huber</surname>, <given-names>G&#252;nter</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Mandl</surname>, <given-names>Heinz</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Verbale Daten. Eine Einf&#252;hrung in die Grundlagen und Methoden der Erhebung und Auswertung</source>. [<edition>2.</edition> Aufl.]. <publisher-loc>Weinheim u.a.</publisher-loc>: <publisher-name>Beltz</publisher-name>, <fpage>81</fpage>&#8211;<lpage>103</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B54"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Wild</surname>, <given-names>Johannes</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Schilcher</surname>, <given-names>Anita</given-names></string-name> (<year>2019</year>): <chapter-title>Texte verfassen</chapter-title>. In: <string-name><surname>Wild</surname>, <given-names>Johannes</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Wildfeuer</surname>, <given-names>Alfred</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Sprachendidaktik. Eine Ein- und Weiterf&#252;hrung zur Erst- und Zweitsprachdidaktik des Deutschen</source>. <publisher-loc>T&#252;bingen</publisher-loc>: <publisher-name>Narr Francke Attempto</publisher-name>, <fpage>157</fpage>&#8211;<lpage>189</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B55"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Wildemann</surname>, <given-names>Anja</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Vach</surname>, <given-names>Karin</given-names></string-name> (<year>2022</year>): <source>Deutsch unterrichten in der Grundschule. Kompetenzen f&#246;rdern, Lernumgebungen gestalten</source>. [<edition>6.</edition> Aufl.]. <publisher-loc>Seelze</publisher-loc>: <publisher-name>Kallmeyer in Verbindung mit Klett</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B56"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Wrobel</surname>, <given-names>Arne</given-names></string-name> (<year>2020</year>): <chapter-title>Schreibkompetenz und Schreibprozess</chapter-title>. In: <string-name><surname>Feilke</surname>, <given-names>Helmuth</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Pohl</surname>, <given-names>Thorsten</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Schriftlicher Sprachgebrauch. Texte verfassen</source>. <publisher-loc>Baltmannsweiler</publisher-loc>: <publisher-name>Schneider Hohengehren</publisher-name>, <fpage>85</fpage>&#8211;<lpage>100</lpage>.</mixed-citation></ref>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Dr. phil. habil. Thomas Grimm</bold> ist Lehrkraft f&#252;r besondere Aufgaben am Lehrstuhl f&#252;r Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache an der Universit&#228;t Passau. Habilitation an der Friedrich-Alexander-Universit&#228;t Erlangen-N&#252;rnberg, Lehrbefugnis f&#252;r &#8222;Didaktik des Deutschen als Zweitsprache&#8220;. Professurvertretungen in Erlangen-N&#252;rnberg (Deutsch als Zweitsprache), Erfurt (Didaktik der deutschen Sprache) und Greifswald (Deutsch als Zweitsprache/Fremdsprache). Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Zweitspracherwerb und Zweitsprachdidaktik, sprachbewusster Unterricht, F&#246;rderung von Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern, Sprachdiagnostik.</p>
<p><bold>Prof. Dr. Julia Ricart Brede</bold> ist Inhaberin des Lehrstuhls f&#252;r Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache an der Universit&#228;t Passau. Nach Studium und Promotion zu einer videografischen Analyse von Sprachf&#246;rdersituationen an der P&#228;dagogischen Hochschule Weingarten war sie Wiss. Mitarbeiterin an der Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena, Juniorprofessorin an der P&#228;dagogischen Hochschule Heidelberg und dann Professorin an der Europa-Universit&#228;t Flensburg. 2018 nahm sie einen Ruf an die Universit&#228;t Passau an. F&#252;r die an der Friedrich-Schiller-Universit&#228;t Jena eingereichte Habilitationsschrift zu Sprache im Fach wurde ihr die venia legendi Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik erteilt. Verortet in der Angewandten Linguistik, insbesondere der Sozio- und Variet&#228;tenlinguistik, befasst sie sich forschend wie lehrend mit Mehrsprachigkeit, Migration, deutsch(sprachig)en Minderheiten au&#223;erhalb des DACH(L)-Raumes, Lernersprachanalyse und -entwicklung (v.a. mit Blick auf das Schreiben) sowie mit dem Themenfeld Sprache im Fach. Ein weiterer ihrer Arbeitsschwerpunkte liegt im Bereich der Professionsforschung.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Dr. phil. habil. Thomas Grimm</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Dr.-Hans-Kapfinger-Str. 12</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">94032 Passau</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:thomas.grimm@uni-passau.de">thomas.grimm@uni-passau.de</ext-link></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Prof. Dr. Julia Ricart Brede</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Dr.-Hans-Kapfinger-Str. 12</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">94032 Passau</styled-content></p>
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