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<journal-id journal-id-type="issn">1205-6545</journal-id>
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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<issn pub-type="epub">1205-6545</issn>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.4761</article-id>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Vom Alphabet zum Text: Schriftspracherwerb im Herkunftssprachlichen Unterricht Arabisch. Herausforderungen und Chancen</article-title>
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<contrib contrib-type="author">
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<surname>Soukah</surname>
<given-names>Zouheir</given-names>
<prefix>Dr</prefix>
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<email>zouheir.soukah@uni-duesseldorf.de</email>
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<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-03-03">
<day>03</day>
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<year>2026</year>
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<pub-date pub-type="collection">
<year>2026</year>
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<volume>31</volume>
<issue>1</issue>
<fpage>147</fpage>
<lpage>175</lpage>
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<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2026 The Author(s)</copyright-statement>
<copyright-year>2025</copyright-year>
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<abstract>
<p>Der Beitrag analysiert die spezifischen Herausforderungen und Chancen im Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) Arabisch. Die Entwicklung der Schreibkompetenz wird als entwicklungspsychologischer Prozess beschrieben, der eng mit der sozio-kognitiven Entwicklung der Sch&#252;ler*innen verkn&#252;pft ist. Besonderes Augenmerk gilt den Anforderungen des arabischen Schriftsystems. Didaktische Ans&#228;tze und Methoden werden vorgestellt, die Lehrkr&#228;fte im HSU dabei unterst&#252;tzen, die Schreibf&#228;higkeiten der Sch&#252;ler*innen systematisch zu f&#246;rdern und einen strukturierten &#220;bergang von der Alphabetisierung zur Textproduktion zu gew&#228;hrleisten.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>From Alphabet to Text: Literacy Acquisition in Arabic Heritage Language Education &#8211; Challenges and Opportunities</bold></p>
<p>The article examines the specific challenges and opportunities in heritage language education (HLE) for Arabic-speaking students. The development of writing competence is described as a developmental psychological process closely linked to learners&#39; socio-cognitive growth. Special attention is given to the demands of the Arabic writing system. Didactic approaches and methods are presented to support HLE teachers in systematically fostering students&#39; writing skills and ensuring a structured transition from alphabetization to text production.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Schriftspracherwerb</kwd>
<kwd>Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU)</kwd>
<kwd>Arabisch</kwd>
<kwd>Zweit-Alphabetisierung</kwd>
<kwd>Zweitschriftlerner</kwd>
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<kwd>Literacy acquisition</kwd>
<kwd>Heritage Language Education (HLE)</kwd>
<kwd>Arabic</kwd>
<kwd>Second literacy</kwd>
<kwd>Second-script learners</kwd>
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<sec>
<title>1 Einleitung</title>
<p>Schreiben stellt eine besonders anspruchsvolle Kompetenz dar, da sie eine enge Verkn&#252;pfung von kognitiven, metakognitiven und sprachlichen F&#228;higkeiten erfordert. Diese erm&#246;glichen es den Schreibenden, ihre lexikalischen und syntaktischen Mittel an unterschiedliche kommunikative Kontexte flexibel anzupassen. Im schulischen Alltag dient das Schreiben Sch&#252;ler*innen vor allem dazu, Lerninhalte zu strukturieren und zu vertiefen. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen an schriftliche Ausdrucksformen erheblich in den einzelnen F&#228;chern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Usanova/Schnoor 2024: 117</xref>).</p>
<p>Aus entwicklungspsychologischer Perspektive ist der Erwerb von Schreibkompetenz ein langwieriger Prozess, der eng mit der sozio-kognitiven Entwicklung der Sch&#252;ler*innen verbunden ist und voraussetzt, dass sie vielf&#228;ltige sprachpragmatische Erfahrungen sammeln. Dieser Prozess vollzieht sich schrittweise auf einem Kontinuum zwischen der Alphabetisierung und der motorischen Aneignung der Schrift und der sicheren Beherrschung von Schreibfertigkeiten. Im Verlauf der Schulzeit erweitern Kinder nicht nur ihre F&#228;higkeiten &#8211; etwa in den Bereichen Wortschatz, Grammatik und Textstrukturierung &#8211; sondern auch die Qualit&#228;t ihrer Texte. Sprachliche Formen treten dabei bereits fr&#252;h auf, doch bleibt das Verst&#228;ndnis f&#252;r deren strategische Nutzung zur Bew&#228;ltigung von Schreibaufgaben &#8211; insbesondere in der Primarstufe &#8211; zun&#228;chst fragmentarisch. In der Sekundarstufe entwickelt sich hingegen ein gr&#246;&#223;eres Repertoire an Form-Bedeutungs-Beziehungen, das zunehmend produktiv eingesetzt werden kann (vgl. ebd.: 118).</p>
<p>In Anlehnung daran stellt der Schriftspracherwerb im Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU) eine zentrale Aufgabe dar, die sowohl aus sprachwissenschaftlicher Perspektive &#8211; etwa im Hinblick auf Mehrschriftlichkeit und Sprachbewusstsein &#8211; als auch aus schulpraktischer Sicht von erheblicher Bedeutung ist. W&#228;hrend Schreibkompetenzen in Deutsch und Englisch (sowie weiteren Fremdsprachen) systematisch im Unterricht gef&#246;rdert werden, erf&#228;hrt die Entwicklung der herkunftssprachlichen Schreibkompetenz deutlich weniger institutionelle Unterst&#252;tzung. Wissenschaftliche Studien, die sich mit der Entwicklung von Schreibf&#228;higkeiten in Herkunftssprachen befassen, sind bislang selten (vgl. ebd.: 119).</p>
<p>F&#252;r Sch&#252;ler*innen bedeutet der Erwerb von Schreibkompetenz in ihrer Herkunftssprache jedoch, dass sie den Anschluss an die schriftsprachliche Kultur ihrer Familie und Community bewahren k&#246;nnen. Gerade im HSU Arabisch ist dies bedeutsam, da Sch&#252;ler*innen nicht nur Zugang zur arabischen Schrift erlangen, sondern auch in die spezifischen Schriftpraxen dieser Sprache eingef&#252;hrt werden. Einschl&#228;gige Forschungsarbeiten zum Schriftspracherwerb betonen dabei die zentrale Rolle des Zugangs zu schriftsprachlicher Kultur, wozu Aspekte wie der Besitz von B&#252;chern, die Verf&#252;gbarkeit und Nutzung schriftlicher Texte sowie Lese- und Vorlesepraktiken geh&#246;ren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Reich/Roth 2002: 35</xref>).</p>
<p>Der HSU kann dazu beitragen, die ungesteuert erworbene Erstsprache in einem strukturierten Rahmen zu festigen. Gleichzeitig er&#246;ffnet er M&#246;glichkeiten zur Erweiterung der schriftsprachlichen Kompetenzen, was zu einer umfassenderen Sprachbeherrschung f&#252;hren kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Mehlhorn 2024: 151</xref>). Dies ist insbesondere f&#252;r Sch&#252;ler*innen mit Arabisch als Herkunftssprache bedeutsam, da Arabisch im Alltag in der Regel in gesprochener Form und in unterschiedlichen Dialekten verwendet wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Soukah 2022: 416</xref>). Der Zugang zum schriftsprachlichen Arabisch ist dagegen meist auf schulische Kontexte oder religi&#246;se und kulturelle Praktiken beschr&#228;nkt. Der Erwerb des arabischen Schriftsystems stellt daher eine zentrale Herausforderung dar.</p>
<p>In diesem Artikel wird der Schriftspracherwerb im HSU Arabisch in drei Schritten behandelt: Zun&#228;chst erfolgt ein &#220;berblick &#252;ber zentrale Besonderheiten und Herausforderungen des arabischen Schriftsystems. Ein charakteristisches Merkmal ist, dass sich die Buchstabenformen je nach ihrer Position im Wort ver&#228;ndern. Hinzu kommt, dass nur Konsonanten und Langvokale ausgeschrieben werden, w&#228;hrend Kurzvokale in der Regel ausgelassen und von den Lesenden kontextuell erschlossen werden m&#252;ssen. Diese Eigenschaften erfordern bei den Sch&#252;ler*innen ein spezifisches phonologisches Bewusstsein, um Graphem-Phonem-Korrespondenzen sicher herzustellen.</p>
<p>Darauf aufbauend werden anhand ausgew&#228;hlter Beispiele aus der schulischen Praxis spezifische Schwierigkeiten des Schreibens im HSU Arabisch dargestellt.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> Hierbei wird aufgezeigt, mit welchen Herausforderungen Zweitschriftlernende<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> konfrontiert sind: Sie m&#252;ssen nicht nur mit einem nicht-lateinischen Schriftsystem vertraut werden, sondern zugleich die korrekte Aussprache und Schreibweise der Schriftzeichen in Verbindung mit ihren Lautwerten erwerben.</p>
<p>Praktische Ans&#228;tze zur Unterst&#252;tzung dieser Sch&#252;ler*innen k&#246;nnen den Einsatz von Piktogrammen und visuellen Hilfsmitteln einschlie&#223;en, um das Verst&#228;ndnis zu erleichtern und den Lernprozess zu unterst&#252;tzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">DaZ-Portal o.J.</xref>). Abschlie&#223;end werden in diesem Artikel konkrete Strategien f&#252;r die Vermittlung von Schriftlichkeit im HSU Arabisch vorgestellt. Diese Strategien verfolgen einen integrativen Ansatz, der mit der (Zweit-)Alphabetisierung beginnt und &#252;ber verschiedene &#220;bungsformen in die Textproduktion &#252;berleitet. Zu den behandelten Methoden geh&#246;ren:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>(Zweit-)Alphabetisierung: Einf&#252;hrung in das arabische Schriftsystem mit Fokus auf die korrekte Form und Aussprache der Buchstaben.</p></list-item>
<list-item><p>Schreib&#252;bungen: Regelm&#228;&#223;ige &#220;bungen zur Verbesserung der motorischen Fertigkeiten beim Schreiben arabischer Buchstaben und W&#246;rter.</p></list-item>
<list-item><p>Textproduktion: Erstellung einfacher Texte, die den Sch&#252;ler*innen helfen, ihre schriftsprachlichen Ausdrucksm&#246;glichkeiten im Arabischen als Herkunftssprache schrittweise auszubauen.</p></list-item>
</list>
<p>Um die Relevanz des Schriftspracherwerbs im HSU Arabisch zu verdeutlichen, ergeben sich folgende zentrale Fragestellungen, die sowohl Herausforderungen als auch didaktische Unterst&#252;tzungsm&#246;glichkeiten beleuchten:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Welche spezifischen Schwierigkeiten begegnen Sch&#252;ler*innen beim Erwerb der arabischen Schriftsprache?</p></list-item>
<list-item><p>Welche didaktischen Methoden sind am wirksamsten f&#252;r die F&#246;rderung von Zweitschriftlernenden im HSU Arabisch?</p></list-item>
<list-item><p>Welche Bedeutung hat die (Zweit-)Alphabetisierung im HSU Arabisch f&#252;r den schulischen Erfolg von Sch&#252;ler*innen?</p></list-item>
<list-item><p>Mit welchen Strategien k&#246;nnen Lehrkr&#228;fte gezielt die Schreibkompetenz im Arabischen als Herkunftssprache f&#246;rdern?</p></list-item>
<list-item><p>Wie l&#228;sst sich der &#220;bergang von der (Zweit-)Alphabetisierung zur Textproduktion im HSU Arabisch systematisch gestalten?</p></list-item>
</list>
</sec>
<sec>
<title>2 (Zweit-)Alphabetisierung im Schriftsystem der Herkunftssprache Arabisch</title>
<p>Wie in der Einleitung ausgef&#252;hrt, stellt die Alphabetisierung einen entscheidenden Bestandteil der Textkompetenz in jeder Sprache dar, insbesondere f&#252;r die Herkunftssprache von Kindern und Jugendlichen. Die gezielte F&#246;rderung dieser literalen F&#228;higkeiten ist zentral, da bei unzureichender Unterst&#252;tzung viele Sch&#252;ler*innen ihre Herkunftssprache schriftlich nicht beherrschen und somit im funktionalen Sinne Analphabeten bleiben. Aus diesem Grund profitieren die Sch&#252;ler*innen im HSU besonders von der (Zweit-)Alphabetisierung und vom gezielten Ausbau sprachlicher Kompetenzen in ihrer Herkunftssprache. Zudem er&#246;ffnet diese F&#246;rderung einen Zugang zu kulturellen Inhalten und Wissen aus dem Herkunftsland der Familie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Mehlhorn 2024: 152</xref>). Dies unterstreicht die besondere Relevanz der (Zweit-)Alphabetisierung im Kontext des HSU, insbesondere bei nicht-lateinischen Schriftsystemen wie dem Arabischen.</p>
<p>Das arabische Schriftsystem weist dabei spezifische Merkmale auf, die im Rahmen der (Zweit-)Alphabetisierung gezielt ber&#252;cksichtigt werden sollten:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Schreibrichtung: Arabisch wird von rechts nach links geschrieben, was f&#252;r viele Kinder eine ungewohnte Herausforderung darstellt.</p></list-item>
<list-item><p>Buchstabenformen: Die Buchstaben ver&#228;ndern je nach Position im Wort (Anfang, Mitte, Ende) ihr Aussehen, was das Schriftlernen komplex macht.</p></list-item>
<list-item><p>Diakritische Zeichen: Diese Zeichen markieren Vokale und Konsonanten und sind f&#252;r die korrekte Aussprache sowie das Verst&#228;ndnis von Texten entscheidend.</p></list-item>
</list>
<p>Diese Merkmale machen das arabische Schriftsystem besonders anspruchsvoll und verlangen eine gezielte didaktische Herangehensweise, um den Sch&#252;lrt*innen eine angemessene Entwicklung ihrer Lese- und Schreibf&#228;higkeiten zu erm&#246;glichen. Das arabische Alphabet umfasst 28 Buchstaben, die innerhalb eines Wortes jeweils miteinander verbunden werden. Dabei kann jeder Buchstabe in bis zu vier verschiedenen Formen erscheinen, abh&#228;ngig von seiner Position im Wort. Eine Ausnahme bilden sechs Buchstaben &#8211; Alif, D&#257;l, Dh&#257;l, R&#257;&#39;, Z&#257;y und W&#257;w &#8211; diese werden nicht mit dem nachfolgenden Buchstaben verbunden.</p>
<p>Die Schreibrichtung des Arabischen stellt im Alphabetisierungsprozess eine bedeutende Herausforderung dar. Im Gegensatz zur deutschen Schreibrichtung, die von links nach rechts verl&#228;uft, erfolgt die arabische Schrift von rechts nach links. Diese grundlegende Differenz f&#252;hrt insbesondere in den ersten Lernphasen h&#228;ufig zu Irritationen bei den Sch&#252;ler*innen. Um die Anpassung an das arabische Schriftsystem zu erleichtern, sind gezielte didaktische Ans&#228;tze erforderlich. Die F&#246;rderung von Schriftkompetenz im HSU ist folglich nicht nur eine Bildungsaufgabe, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil kultureller und sozialer Integration in mehrsprachigen Gesellschaften.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref></p>
<p>Im Arabischen variieren die Buchstaben je nach ihrer Position im Wort in Form und Erscheinung. Sie treten am Wortanfang, in der Mitte, am Ende oder als isolierte Zeichen auf. Das sichere Erkennen und Anwenden dieser unterschiedlichen Formen stellt f&#252;r Sch&#252;ler*innen in der (Zweit-)Alphabetisierungsphase eine besondere Herausforderung dar. Um den Lernprozess zu erleichtern, sind gezielte didaktische Ans&#228;tze erforderlich.</p>
<p>Im Folgenden werden ausgew&#228;hlte Buchstaben n&#228;her beleuchtet.</p>
<p>Beispiel: Der Buchstabe &#1578; (t&#257;&#702;)</p>
<p>Dieser Buchstabe nimmt in verschiedenen Positionen folgende Schriftformen an, s. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>.</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Schriftformen des Buchstabens &#1578; (t&#257;&#702;)</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Position</td>
<td align="left" valign="top">Form</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">isoliert</td>
<td align="left" valign="top">&#1578;</td>
<td align="left" valign="top">t</td>
<td align="left" valign="top">/t/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">final</td>
<td align="left" valign="top">&#1600;&#1578;</td>
<td align="left" valign="top">t</td>
<td align="left" valign="top">/t/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">medial</td>
<td align="left" valign="top">&#1600;&#1578;&#1600;</td>
<td align="left" valign="top">t</td>
<td align="left" valign="top">/t/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">initial</td>
<td align="left" valign="top">&#1578;&#1600;</td>
<td align="left" valign="top">t</td>
<td align="left" valign="top">/t/</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Ein besonderes morphologisches Zeichen im Arabischen ist die sogenannte &#8222;t&#257;&#702; marb&#363;&#7789;a&#8220; (&#1577; oder &#1600;&#1577;), die am Wortende steht und in der Regel das grammatische Genus eines Substantivs als weiblich markiert, s. <xref ref-type="table" rid="T2">Tab. 2</xref>.</p>
<table-wrap id="T2">
<caption>
<p>Tab. 2: Die Formen der t&#257;&#702; marb&#363;&#7789;a</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Position</td>
<td align="left" valign="top">Form</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
<td align="left" valign="top">Funktion</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">isoliert/final</td>
<td align="left" valign="top">&#1577;, &#1600;&#1577;</td>
<td align="left" valign="top">t&#817;</td>
<td align="left" valign="top">/a/ oder Stumm/im Auslaut, /t/ im Genitiv</td>
<td align="left" valign="top">Markiert Femininum von Substantiven</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Diese morphologischen Marker sind sprachlich relevant, da sie die Geschlechtszugeh&#246;rigkeit eines Substantivs im grammatischen System anzeigen.</p>
<p>Die Anzahl der Modifikationen kann je nach Buchstaben variieren &#8211; im Allgemeinen treten zwei bis vier verschiedene Formen auf. In seltenen F&#228;llen kann die Vielfalt der Formen durch zus&#228;tzliche diakritische Zeichen erweitert werden.</p>
<p>Diese Unterschiede in der Schreibweise haben erhebliche Auswirkungen auf den Lernprozess der Sch&#252;ler*innen. W&#228;hrend einige Buchstaben relativ schnell zu erlernen sind, erfordern andere durch die Vielzahl an Formen und Kombinationen deutlich mehr Konzentration, &#220;bung und Zeit. Eine hohe Motivation, m&#246;glichst unterst&#252;tzt durch Lehrkr&#228;fte und Eltern, ist dabei von besonderer Bedeutung.</p>
<sec>
<title>2.1 Beispiele f&#252;r einfache und komplexe Buchstaben</title>
<p>Ein Beispiel f&#252;r einen orthographisch einfachen Buchstaben ist &#1583; (d&#257;l). Dieser Buchstabe weist nur zwei verschiedene Formen auf, unabh&#228;ngig von seiner Position im Wort, s. <xref ref-type="table" rid="T3">Tab. 3</xref>.</p>
<table-wrap id="T3">
<caption>
<p>Tab. 3: Formen des Buchstabens &#1583; (d&#257;l)</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Position</td>
<td align="left" valign="top">Form</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">isoliert</td>
<td align="left" valign="top">&#1583;</td>
<td align="left" valign="top">d</td>
<td align="left" valign="top">/d/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">final</td>
<td align="left" valign="top">&#1600;&#1583;</td>
<td align="left" valign="top">d</td>
<td align="left" valign="top">/d/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">medial</td>
<td align="left" valign="top">&#1600;&#1583;</td>
<td align="left" valign="top">d</td>
<td align="left" valign="top">/d/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">initial</td>
<td align="left" valign="top">&#1583;</td>
<td align="left" valign="top">d</td>
<td align="left" valign="top">/d/</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Im Gegensatz dazu steht der Buchstabe &#1593; (&#703;ayn), der als einer der orthographisch und phonetisch anspruchsvollsten Buchstaben gilt. Das dazugeh&#246;rige Phonem hat keine Entsprechung im Deutschen und in den meisten europ&#228;ischen Sprachen, weshalb es f&#252;r viele Sch&#252;ler*innen besonders schwer zu erfassen ist, s. <xref ref-type="table" rid="T4">Tab. 4</xref>.</p>
<table-wrap id="T4">
<caption>
<p>Tab. 4: Formen des Buchstabens &#1593; (&#703;ayn)</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Position</td>
<td align="left" valign="top">Form</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">isoliert</td>
<td align="left" valign="top">&#1593;</td>
<td align="left" valign="top">&#703;</td>
<td align="left" valign="top">/&#661;/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">final</td>
<td align="left" valign="top">&#1600;&#1593;</td>
<td align="left" valign="top">&#703;</td>
<td align="left" valign="top">/&#661;/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">medial</td>
<td align="left" valign="top">&#1600;&#1593;&#1600;</td>
<td align="left" valign="top">&#703;</td>
<td align="left" valign="top">/&#661;/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">initial</td>
<td align="left" valign="top">&#1593;&#1600;</td>
<td align="left" valign="top">&#703;</td>
<td align="left" valign="top">/&#661;/</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
</sec>
<sec>
<title>2.2 Vokalisierung und diakritische Zeichen im Arabischen</title>
<p>Die Vokalisierung bildet eine grundlegende Herausforderung im Kontext der (Zweit-)Alphabetisierung im Arabischen. Das Arabische ist als Konsonantenschrift klassifiziert; das hei&#223;t, kurze Vokale werden in der Regel im Schriftbild nicht durch eigenst&#228;ndige Schriftzeichen wiedergegeben. Diese Besonderheit kann zu Mehrdeutigkeiten f&#252;hren, da die Bedeutung vieler W&#246;rter stark von der jeweils intendierten Vokalisierung abh&#228;ngt. Um diese Mehrdeutigkeiten zu adressieren, werden zus&#228;tzliche diakritische Zeichen verwendet, die das arabische Wortbild vokalisieren. Diese sogenannten &#8218;Harak&#257;t&#8216; sind entscheidend f&#252;r das korrekte Verst&#228;ndnis und die richtige Aussprache und deshalb ein zentrales Element beim Einstieg in die arabische Schrift.</p>
<p>Im Zuge der (Zweit-)Alphabetisierung m&#252;ssen neben den Buchstaben auch diese diakritischen Vokalzeichen didaktisch vermittelt werden. Aus der Praxis erweist sich ein Zeitraum von maximal zwei Schuljahren f&#252;r die Einf&#252;hrung und Festigung der Schrift in w&#246;chentlichem HSU Arabisch als sinnvoll.</p>
<p>Das arabische Schriftsystem unterscheidet zwischen kurzen und langen Vokalen, die im Folgenden kurz dargestellt werden.</p>
<p>Kurze Vokale (Harak&#257;t):</p>
<p>Diese entsprechen den Phonemen [a], [i] und [u]. Sie werden in der Schrift durch diakritische Zeichen &#252;ber oder unter dem jeweiligen Buchstaben markiert, nicht aber als eigenst&#228;ndige Buchstaben geschrieben, s. <xref ref-type="table" rid="T5">Tab. 5</xref>.</p>
<table-wrap id="T5">
<caption>
<p>Tab. 5: Kurze Vokale (Harak&#257;t).</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Vokal</td>
<td align="left" valign="top">Zeichen</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">a</td>
<td align="right" valign="top">&#9676;&#1614;</td>
<td align="left" valign="top">a</td>
<td align="left" valign="top">/a/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">i</td>
<td align="right" valign="top">&#9676;&#1616;</td>
<td align="left" valign="top">i</td>
<td align="left" valign="top">/i/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">u</td>
<td align="right" valign="top">&#9676;&#1615;</td>
<td align="left" valign="top">u</td>
<td align="left" valign="top">/u/</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Zus&#228;tzlich gibt es die Endungen -un, -an, -in (Nominativ, Akkusativ, Genitiv), die durch die entsprechenden doppelten Vokalzeichen (&#8222;Tanwin&#8220;) kodiert werden, s. <xref ref-type="table" rid="T6">Tab. 6</xref>.</p>
<table-wrap id="T6">
<caption>
<p>Tab. 6: Die doppelten Vokalzeichen (Tanwin)</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Kasus</td>
<td align="left" valign="top">Zeichen</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
<td align="left" valign="top">Funktion</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Nominativ</td>
<td align="left" valign="top">&#9676;&#1612;</td>
<td align="left" valign="top">-un</td>
<td align="left" valign="top">/un/</td>
<td align="left" valign="top">Markiert indefiniten Nom.</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Akkusativ</td>
<td align="left" valign="top">&#9676;&#1611;</td>
<td align="left" valign="top">-an</td>
<td align="left" valign="top">/an/</td>
<td align="left" valign="top">Markiert indefiniten Akk.</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Genitiv</td>
<td align="left" valign="top">&#9676;&#1613;</td>
<td align="left" valign="top">-in</td>
<td align="left" valign="top">/in/</td>
<td align="left" valign="top">Markiert indefiniten Gen.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Diese Tanwin-Zeichen dienen sowohl als grammatische Marker (Kasus) als auch als Indikator f&#252;r indefiniten Status und sind mit einem expliziten Lautwert verbunden.</p>
<p>Lange Vokale:</p>
<p>Im Gegensatz zu den kurzen Vokalen werden die langen Vokale durch eigene Buchstaben dargestellt, s. <xref ref-type="table" rid="T7">Tab. 7</xref>.</p>
<table-wrap id="T7">
<caption>
<p>Tab. 7: Lange Vokale im Arabischen</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Laut</td>
<td align="left" valign="top">Buchstabe</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">IPA-Lautwert</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#257;</td>
<td align="left" valign="top">&#1575;</td>
<td align="left" valign="top">&#257;</td>
<td align="left" valign="top">/a&#720;/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#299;</td>
<td align="left" valign="top">&#1610;</td>
<td align="left" valign="top">&#299;</td>
<td align="left" valign="top">/i&#720;/</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#363;</td>
<td align="left" valign="top">&#1608;</td>
<td align="left" valign="top">&#363;</td>
<td align="left" valign="top">/u&#720;/</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Zus&#228;tzlich zu den sechs Vokalen existieren im arabischen Schriftsystem zwei fakultative diakritische Hilfszeichen: das &#8218;Sukun&#8216; und das &#8218;Schadda&#8216;. Das Sukun ist ein diakritisches Zeichen, das die Lautlosigkeit eines Konsonanten markiert &#8211; es zeigt an, dass der betreffende Buchstabe keinen Vokal tr&#228;gt und somit stimmlos bleibt. Das Sukun wird als kleiner Kreis &#252;ber dem Konsonanten platziert. Im Gegensatz dazu dient das Schadda der Kennzeichnung einer Konsonantverdopplung: Es zeigt an, dass der entsprechende Konsonant mit doppelter Artikulation ausgesprochen wird &#8211; das hei&#223;t, der Laut wird verl&#228;ngert, so als w&#252;rde er zweimal hintereinander artikuliert. Das Schadda kann zusammen mit einem kurzen Vokalzeichen (Fatha, Damma, Kasra) auftreten, wodurch sich verschiedene phonetische Kombinationen ergeben, s. <xref ref-type="table" rid="T8">Tab. 8</xref>.</p>
<table-wrap id="T8">
<caption>
<p>Tab. 8: Diakritische Hilfszeichen (Sukun und Schadda)</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Hilfszeichen</td>
<td align="left" valign="top">Funktion</td>
<td align="left" valign="top">Zeichen</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Sukun</td>
<td align="left" valign="top">Markiert einen Konsonanten ohne Vokallaut (stimmlos)</td>
<td align="left" valign="top">&#9676;&#1618;</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Schadda</td>
<td align="left" valign="top">Markiert eine Verdopplung des Konsonanten (Gemination)</td>
<td align="left" valign="top">&#9676;&#1617;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die Vokalisierungszeichen (kurze Vokale und Hilfszeichen) sind vor allem in Schulb&#252;chern und Unterrichtsmaterialien umfassend zu finden, da sie das Lesenlernen und die Schriftaneignung erleichtern. Im Alltag, etwa in journalistischen oder literarischen Texten, werden diese Zeichen meist weggelassen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Hirschfeld/Seddiki o.J.: 9</xref>). F&#252;r ge&#252;bte Leser*innen &#8211; also Personen, die sowohl die arabische Schrift sicher anwenden als auch &#252;ber den notwendigen Wortschatz der Standardsprache verf&#252;gen &#8211; ist in der Regel klar, welche Vokale und Lautfolgen jeweils gemeint sind. Das Fehlen der Vokalisierungszeichen sollte beim Schreiben in normalem Kontext folglich nicht als Fehler bewertet werden.</p>
<p>Die Struktur des arabischen Alphabets verdeutlicht die Komplexit&#228;t und gezielte Funktionalit&#228;t der Vokale und diakritischen Zeichen. Ein fundiertes Verst&#228;ndnis dieser Elemente ist essenziell f&#252;r den Erwerb der arabischen Phonologie und die erfolgreiche (Zweit-)Alphabetisierung im Herkunftssprachlichen Unterricht. Diakritische Zeichen werden im Alphabetisierungsprozess bewusst schrittweise und h&#228;ufig spielerisch eingef&#252;hrt, um den Sch&#252;ler*innen ein intuitives Verstehen der Lautstruktur zu erm&#246;glichen und ihre F&#228;higkeit zur korrekten Aussprache zu f&#246;rdern. Hier ein Beispiel f&#252;r die Einf&#252;gung des Buchstabens t &#1578; mit den oben vorgestellten diakritischen Grundzeichen, s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Beispiel f&#252;r die Einf&#252;gung des Buchstabens t &#1578; mit vier diakritischen Grundzeichen</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g1.png"/>
</fig>
<p>Die <xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> illustriert eine typische &#220;bung zur Einf&#252;hrung des Buchstabens &#1578; (t&#257;&#702;) im Zusammenspiel mit verschiedenen diakritischen Grundzeichen. Die Sch&#252;ler*innen setzen sich hier mit unterschiedlichen Vokalvarianten des Buchstabens auseinander:<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref></p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Die Form &#1578;&#1614; stellt den Buchstaben mit &#8218;Fatha&#8216; (kurzes a) dar.</p></list-item>
<list-item><p>Die Form &#1578;&#1616; zeigt den Buchstaben mit &#8218;Kasra&#8216; (kurzes i).</p></list-item>
<list-item><p>Die Form &#1578;&#1615; pr&#228;sentiert den Buchstaben mit &#8218;Damma&#8216; (kurzes u).</p></list-item>
<list-item><p>Die Form mit Tanwin-Form, also mit der doppelten &#8218;Damma&#8216; &#1578;&#1612;, markiert einen unbestimmten Nominativ im Arabischen.</p></list-item>
</list>
<p>Diese systematische Gegen&#252;berstellung hilft den Sch&#252;ler*innen, die Zuordnung zwischen Zeichen und Lautwert fr&#252;h zu verinnerlichen und die Aussprache differenziert zu &#252;ben. Das Beispiel in <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref> stammt aus dem Grundschulunterricht und illustriert, wie die diakritischen Zeichen in Schreib&#252;bungen integriert und mit Feedback-Symbolen (z.&#8239;B. Krone) spielerisch begleitet werden.</p>
<p>Die Empfehlung, die (Zweit-)Alphabetisierung &#252;ber zwei Schuljahre zu erstrecken, basiert auf praktischen Beobachtungen und Erfahrungen aus dem HSU. Dieser lange Zeitraum f&#246;rdert das schrittweise und nachhaltige Erlernen der Schriftkompetenz. Die didaktische Strategie stellt sicher, dass Sch&#252;ler*innen nicht nur die Grundlagen erwerben, sondern auch ein solides Fundament f&#252;r den Erwerb weiterer Sprachkenntnisse erhalten.</p>
<p>Die Bedeutung der Vokalisierung im Kontext des Schreiberwerbs im Arabischen l&#228;sst sich besonders anschaulich an konkreten Beispielen demonstrieren. In der unvokalisierten Schreibweise der Wurzel &#1603;&#1578;&#1576; (k-t-b) bleiben sowohl Aussprache als auch Bedeutung unklar und mehrdeutig. Erst die gezielte Vokalisierung kl&#228;rt die Bedeutung, s. <xref ref-type="table" rid="T9">Tab. 9</xref>.</p>
<table-wrap id="T9">
<caption>
<p>Tab. 9: Bedeutungswandel durch Vokalisierung am Beispiel der Wurzel &#1603;&#1578;&#1576;</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Vokalisierte Form</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">Bedeutung</td>
<td align="left" valign="top">Erl&#228;uterung</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#1603;&#1614;&#1578;&#1614;&#1576;&#1614;</td>
<td align="left" valign="top">kataba</td>
<td align="left" valign="top">er hat geschrieben</td>
<td align="left" valign="top">Verb, 3. Pers. Sg. Mask.</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#1603;&#1615;&#1578;&#1615;&#1576;</td>
<td align="left" valign="top">kutub</td>
<td align="left" valign="top">B&#252;cher</td>
<td align="left" valign="top">Plural, Substantiv</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#1603;&#1615;&#1578;&#1616;&#1576;&#1614;</td>
<td align="left" valign="top">kutiba</td>
<td align="left" valign="top">es wurde geschrieben</td>
<td align="left" valign="top">Passiv, Verb</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Diese Beispiele zeigen, dass die korrekte Aussprache und Interpretation arabischer W&#246;rter ausschlie&#223;lich durch Vokalisierung m&#246;glich ist, und verdeutlichen die Notwendigkeit, Vokalisierungsstrategien im Arabischunterricht zu integrieren. Sch&#252;ler*innen k&#246;nnen nur durch die systematische Einf&#252;hrung dieser Zeichen pr&#228;zise Wortbedeutungen erfassen und differenziert kommunizieren.</p>
<p>Auch im Bereich der Vokall&#228;nge ergeben sich unterschiedliche Bedeutungen, s. <xref ref-type="table" rid="T10">Tab. 10</xref>.</p>
<table-wrap id="T10">
<caption>
<p>Tab. 10: Bedeutungsunterschiede durch Vokall&#228;nge</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Vokalisiert</td>
<td align="left" valign="top">Transliteration</td>
<td align="left" valign="top">Bedeutung</td>
<td align="left" valign="top">Erl&#228;uterung</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#1605;&#1614;</td>
<td align="left" valign="top">ma</td>
<td align="left" valign="top">ma (kurz)</td>
<td align="left" valign="top">mit kurzem a</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#1605;&#1575;</td>
<td align="left" valign="top">m&#257;</td>
<td align="left" valign="top">m&#257; (lang, &#8222;nicht&#8220;; &#8222;kein&#8220;)</td>
<td align="left" valign="top">mit langem &#257;</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">&#1605;&#1575;&#1605;&#1575;</td>
<td align="left" valign="top">m&#257; m&#257;</td>
<td align="left" valign="top">m&#257; m&#257; (&#8222;Mama&#8220;)</td>
<td align="left" valign="top">zweimal langes &#257;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die Vokalisierung tr&#228;gt somit zentral zur korrekten Verwendung und zum Verst&#228;ndnis arabischer W&#246;rter bei. Unterschiedliche Vokalvarianten k&#246;nnen zu v&#246;llig unterschiedlichen Bedeutungen f&#252;hren, was ein grundlegendes Prinzip der arabischen Sprachbeherrschung ist. Die systematische und spielerische Vermittlung der Vokalisierung im HSU Arabisch &#8211; etwa durch Schreib&#252;bungen und visuelle Hilfen &#8211; ist deshalb entscheidend f&#252;r den Kompetenzerwerb und sollte &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum erfolgen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.3 Auswahl der eingef&#252;hrten Buchstaben</title>
<p>In der (Zweit-)Alphabetisierung ist die didaktisch fundierte Auswahl der einzuf&#252;hrenden Buchstaben von zentraler Bedeutung. Diese Auswahl bildet nicht nur die Grundlage f&#252;r den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenzen, sondern bestimmt auch die Lernmotivation und das Verst&#228;ndnis der Sch&#252;ler*innen ma&#223;geblich. Die traditionelle Alphabetreihenfolge der arabischen Konsonanten erweist sich bei j&#252;ngeren Sch&#252;ler*innen im HSU als wenig f&#246;rderlich; sie kann dazu f&#252;hren, dass Buchstaben schwer miteinander verkn&#252;pft und in sinnvolle W&#246;rter integriert werden, was das Selbstbewusstsein und die Motivation der Sch&#252;ler*innen beeintr&#228;chtigen kann.</p>
<p>Kognitive und linguistische Aspekte spielen im Alphabetisierungsprozess eine wesentliche Rolle. Die Lernvoraussetzungen sind heterogen, insbesondere wenn die Sch&#252;ler*innen unterschiedliche Bildungshintergr&#252;nde haben. Viele haben keine Vorerfahrung mit dem arabischen Alphabet, auch wenn sie bereits in anderen Sprachen lesen und schreiben k&#246;nnen. Daraus folgt die Notwendigkeit, alternative Einf&#252;hrungsmethoden zu entwickeln, die auf die kognitiven und sprachlichen Voraussetzungen der Sch&#252;ler*innen im HSU eingehen.</p>
<p>Alternative Ans&#228;tze zur Buchstabeneinf&#252;hrung umfassen die Arbeit mit bildhaften oder kontextualisierten Unterrichtsmaterialien, die den Sch&#252;ler*innen helfen, die Buchstaben mit Alltagsbez&#252;gen zu verkn&#252;pfen. Interaktive &#220;bungen und praxisnahe Beispiele erm&#246;glichen es, das Gelernte in allt&#228;gliche Situationen zu &#252;bertragen und eine nachhaltige Sprachkompetenz zu entwickeln.</p>
<p>Die klassische Einf&#252;hrung in das arabische Alphabetsystem kann im HSU kontraproduktiv wirken &#8211; insbesondere f&#252;r junge Sch&#252;ler*innen in den Eingangsstufen der Grundschule. Denn viele Buchstaben und Laute existieren im Deutschen oder in bestimmten arabischen Dialekten nicht, oder sie werden unterschiedlich ausgesprochen. Dies stellt eine zus&#228;tzliche Herausforderung dar, die Motivation und Lernerfolg beeinflussen kann. Die gro&#223;e Heterogenit&#228;t in den Lerngruppen verlangt eine differenzierte und adaptive Unterrichtsgestaltung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Soukah 2019</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B13">2022</xref>).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>3 Innovative L&#246;sungen zur Verbesserung der (Zweit-)Alphabetisierung</title>
<p>Um den Herausforderungen im Alphabetisierungsprozess zu begegnen, werden in vielen Schulb&#252;chern und Unterrichtsmaterialien neue Reihenfolgen und Methoden zur Einf&#252;hrung arabischer Buchstaben und Laute entwickelt. Ziel dieser Ans&#228;tze ist es, das Lernen effizienter und passgenauer f&#252;r die Bed&#252;rfnisse der Sch&#252;ler*innen zu gestalten. Hilfreiche Methoden wie das Ausschneiden und Sortieren von Buchstaben oder die Arbeit mit visuellen Hilfsmitteln f&#246;rdern sowohl das Schriftverst&#228;ndnis als auch die motorischen F&#228;higkeiten der Sch&#252;ler*innen. Aus unserer langj&#228;hrigen HSU-Praxis schlage ich die Sequenz &#1605; &#8594; &#1575; &#8594;&#1576; vor, da diese die fr&#252;he Schriftsprachaneignung motorisch-pragmatisch strukturiert. Nach dieser Sequenz folgen die weiteren einfachsten Buchstaben, die den Start im ersten Schuljahr bilden. Sie sind gruppiert nach einem logischen Lernfortschritt, basierend auf ihrer &#196;hnlichkeit zur deutschen Aussprache und ihrer relativ einfachen Schreibweise. Diese einfachen Buchstaben machen etwa die H&#228;lfte des arabischen Alphabets aus (14 Buchstaben).</p>
<p>Zunehmend findet eine Verbindung synthetischer und analytischer Lehrmethoden Anwendung: Das isolierte Erarbeiten einzelner Laute wird mit dem Zusammensetzen und Analysieren von W&#246;rtern verkn&#252;pft (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Schulze 2024</xref>). So entsteht ein ganzheitlicher Zugang zur Schrift &#8211; die Sch&#252;ler*innen lernen nicht nur einzelne Zeichen, sondern deren Funktion im Wortzusammenhang zu verstehen. Kreative und spielerische Methoden, z. B. das Nachformen von Buchstaben mit Knetmasse oder die bildhafte Inszenierung von Buchstaben als &#8218;Besucher im Klassenraum&#8216;&#8220;, st&#228;rken das Interesse und die Neugier der Kinder. In der fr&#252;hen Lernphase ist es wesentlich, Fehler bei der Darstellung von Buchstaben und Vokalen mit hoher Toleranz zu bewerten: Sie sind ein normaler Teil der Entwicklung und k&#246;nnen wichtige Hinweise zum Lernstand geben.</p>
<p>Schon nach dem Erwerb weniger Buchstaben erm&#246;glichen die innovativen Ans&#228;tze den Sch&#252;ler*innen, erste W&#246;rter zu schreiben und zu lesen. Dies ist eine entscheidende Basis f&#252;r den Erwerb weiterer Sprachkenntnisse und st&#228;rkt das Selbstbewusstsein im Umgang mit der arabischen Schriftsprache.</p>
<sec>
<title>3.1 Verbindung von Buchstaben und W&#246;rtern</title>
<p>Die Verbindung einzelner Buchstaben zu sinnvollen W&#246;rtern ist ein grundlegender Schritt im Lese- und Schreibprozess und erm&#246;glicht den Sch&#252;ler*innen ein vertieftes Verst&#228;ndnis der Sprachstruktur. Im Arabischunterricht wird besonderer Fokus darauf gelegt, Buchstaben nicht isoliert zu lernen, sondern sie fr&#252;hzeitig miteinander zu verbinden und dadurch bevorstehende Lesekompetenzen sowie Schreibf&#228;higkeit systematisch zu f&#246;rdern.</p>
<p>Erl&#228;uterung zu <xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>:</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Schreibvariationen des Buchstabens &#1576; in unterschiedlichen W&#246;rtern</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g2.png"/>
</fig>
<p>In der abgebildeten Schreib&#252;bung wird der Buchstabe &#1576; (b&#257;&#702;), einer der ersten und einfachsten arabischen Buchstaben, in verschiedenen Wortkontexten einge&#252;bt. Die Sch&#252;ler*innen schreiben dabei W&#246;rter wie:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>&#1576;&#1575; (b&#257;) &#8211; Silbe</p></list-item>
<list-item><p>&#1576;&#1575;&#1576;&#1575; (b&#257;b&#257;) &#8211; Papa</p></list-item>
<list-item><p>&#1576;&#1575;&#1576; (b&#257;b) &#8211; T&#252;r</p></list-item>
<list-item><p>&#1605;&#1575; (m&#257;) &#8211; Was/Kein</p></list-item>
<list-item><p>&#1605;&#1575;&#1605;&#1575; (m&#257;m&#257;) &#8211; Mama</p></list-item>
<list-item><p>&#1603;&#1616;&#1578;&#1575;&#1576; (kit&#257;b) &#8211; Buch</p></list-item>
</list>
<p>Diese W&#246;rter zeigen, wie der Buchstabe &#1576; je nach Position am Wortanfang, in der Mitte oder am Ende variiert und welche Schreibvariation jeweils gefordert ist. Das &#220;ben solchen Wortmaterials f&#246;rdert die buchstaben&#252;bergreifende Lesestrategie und erleichtert die Anwendung im Alltag. Die Beispiele stammen typischerweise aus dem Wortschatz rund ums Zuhause oder die Familie.</p>
<p>Die n&#228;chste Schreib&#252;bung zeigt handschriftlich erworbenes Vokabular zum Thema (Haus-)Tiere, s. <xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>.</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Handschriftliches Vokabular zum Thema (Haus-)Tiere</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g3.png"/>
</fig>
<p>Hier werden Begriffe wie:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>&#1583;&#1576; (dubb) &#8211; B&#228;r</p></list-item>
<list-item><p>&#1603;&#1604;&#1576; (kalb) &#8211; Hund</p></list-item>
<list-item><p>&#1571;&#1587;&#1583; (asad) &#8211; L&#246;we</p></list-item>
<list-item><p>&#1601;&#1610;&#1604; (f&#299;l) &#8211; Elefant</p></list-item>
<list-item><p>&#1607;&#1583;&#1607;&#1583; (hudhud) &#8211;Wiedehopf</p></list-item>
</list>
<p>geschrieben. Die W&#246;rter illustrieren, wie die Sch&#252;ler*innen bereits nach wenigen Unterrichtswochen viele Alltagsthemen buchstabieren und in eigenen Schriftst&#252;cken darstellen k&#246;nnen. Die Einbettung in thematische Zusammenh&#228;nge erleichtert nicht nur den Erwerb neuer Vokabeln, sondern f&#246;rdert die lebenspraktische Anwendung des Gelernten.</p>
<p>Diese Beispiele machen anschaulich, wie die Verbindung von Buchstaben zu sinntragenden W&#246;rtern die Grundlage f&#252;r die Weiterentwicklung schriftsprachlicher und kommunikativer Kompetenzen im HSU Arabisch bildet.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Kreative Minibuchprojekte zur F&#246;rderung der Schriftlichkeit</title>
<p>Die Herstellung von Minib&#252;chern durch Sch&#252;ler*innen in der Schuleingangsphase des HSU Arabisch stellt eine effektive Methode dar, um fr&#252;he schriftsprachliche Kompetenzen zu f&#246;rdern. Das kreative Arbeiten mit Minib&#252;chern erm&#246;glicht es den Sch&#252;ler*innen, grundlegende herkunftssprachliche F&#228;higkeiten praxisnah zu entwickeln und dabei ihre kreative Ausdrucksf&#228;higkeit zu st&#228;rken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Schader 2016: 60</xref>). Die fr&#252;he Schriftlichkeit ist dabei wesentlich f&#252;r die kognitive und sprachliche Entwicklung, da sie sowohl das Verst&#228;ndnis der Herkunftssprache als auch die strukturierte Gedanken&#228;u&#223;erung f&#246;rdert.</p>
<p>Die <xref ref-type="fig" rid="F4">Abbildung 4</xref> dokumentiert die Umsetzung eines Minibuchprojekts zum Thema Tiere. Die Kinder gestalten ihr eigenes kleines Buch, indem sie Tiere malen und die zugeh&#246;rigen Tiernamen in arabischer Schrift notieren. Diese Arbeit verbindet visuelle, sprachliche und feinmotorische Aspekte. Sie motiviert die Kinder, das Gelernte kreativ zu nutzen und durch die mehrfache Wiederholung der Namen sowohl die Schreibkompetenz als auch die Wort-Bild-Zuordnung zu festigen. Dar&#252;ber hinaus dient die oft wiederholte Struktur mit &#1607;&#1584;&#1575; (h&#257;dh&#257;/dieser) oder &#1607;&#1584;&#1607; (h&#257;dhihi/diese) dazu, die Unterscheidung maskuliner und femininer Demonstrativpronomen spielerisch zu &#252;ben.</p>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Abb. 4: Ein von Sch&#252;ler*innen selbst erstelltes Minibuch &#252;ber das Thema Tiere</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g4.png"/>
</fig>
<p>Die Gestaltung eigener B&#252;cher er&#246;ffnet den Raum, Fantasie einzusetzen und strukturiert kurze Texte zu verfassen, oft auch in mehreren Sprachen. Die Integration solcher Projektarbeit im HSU bringt zahlreiche Vorteile mit sich:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>F&#246;rderung individueller Kreativit&#228;t,</p></list-item>
<list-item><p>Aufbau von grundlegender Schriftkompetenz,</p></list-item>
<list-item><p>Entwicklung von narrativen F&#228;higkeiten,</p></list-item>
<list-item><p>St&#228;rkung des Gemeinschaftsgef&#252;hls durch die Pr&#228;sentation der eigenen Werke.</p></list-item>
</list>
<p>Lehrkr&#228;fte k&#246;nnen gezielt Minibuchprojekte initiieren, bei denen die Kinder kleine Geschichten schreiben, illustrieren und miteinander austauschen. Solche handlungsorientierten Projekte tragen ma&#223;geblich zur nachhaltigen Entwicklung schriftsprachlicher Fertigkeiten in der Herkunftssprache bei.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Von (Zweit-)alphabetisierung zur Textproduktion</title>
<p>Die (Zweit-)Alphabetisierung ist ein grundlegender Schritt in der sprachlichen Entwicklung, vor allem im Umgang mit nicht-lateinischen Schriftsystemen wie dem Arabischen. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die klare Trennung der Schriftsysteme eine bessere geistige Organisation f&#246;rdert, wodurch Verwechslungen mit der deutschen Schulsprache verringert werden. Dies unterst&#252;tzt den Spracherwerb, beschleunigt Lernprozesse und steigert die Motivation, da Sch&#252;ler*innen spezifische Merkmale jeder Sprache zielgerichtet vermittelt werden.</p>
<p>Der &#220;bergang zur Textproduktion verl&#228;uft schrittweise und verlangt eine langfristige Perspektive. Ausgangspunkt ist das sichere Erkennen und Unterscheiden von Lauten, worauf die Laut-Buchstaben-Zuordnung und die Entwicklung motorischer Schreibfertigkeiten folgen. Dabei werden verschiedene Schreibstrategien einge&#252;bt: Zun&#228;chst erfolgt das reproduktive Schreiben bekannter Wortbilder, anschlie&#223;end das lautgetreue Verschriften von W&#246;rtern und schlie&#223;lich der Erwerb orthografischer Kenntnisse (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Weber 2018: 1</xref>).</p>
<p>Mit Abschluss der Alphabetisierung r&#252;ckt die Einf&#252;hrung in die Bildungssprache in den Fokus. Bildungssprache ist f&#252;r den schulischen und akademischen Erfolg unerl&#228;sslich und f&#246;rdert die Entwicklung produktiver wie rezeptiver Kompetenzen. Diese Kompetenzen &#8211; Lesen und Schreiben als Grundlage der Literalit&#228;t &#8211; werden &#252;ber die gesamte Sekundarstufe hinweg weiterentwickelt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Usanova/Schnoor 2024: 118</xref>).</p>
<p>Besonders bedeutsam ist die differenzierte F&#246;rderung im heterogenen HSU Arabisch seit 2015, bedingt durch die verst&#228;rkte Zuwanderung schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher aus Syrien und anderen arabischsprachigen Krisengebieten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Soukah 2019</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B13">2022</xref>). Dies f&#252;hrt zu einer noch gr&#246;&#223;eren Heterogenit&#228;t hinsichtlich der Bildungsst&#228;nde sowie der sozialen und kulturellen Erfahrungen in den Lerngruppen. Die Individualisierung und adaptive Diagnostik sind entscheidend, um allen Sch&#252;ler*innen gerecht zu werden und faire Bewertung zu erm&#246;glichen.</p>
<p>Schader (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2016: 10</xref>) hebt f&#252;r den HSU drei zentrale Unterrichtsprinzipien hervor:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Sorgsamkeit: Die Freude am Schreiben muss Priorit&#228;t haben, da &#252;berm&#228;&#223;ige Normorientierung die Kreativit&#228;t und Motivation hemmen kann. Studien zeigen, dass kreativer Schreibunterricht das Ausdrucksverm&#246;gen und die Strukturierung komplexer Gedanken f&#246;rdert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Dengscherz 2019</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>Entdeckender und vergleichender Ansatz: Sch&#252;ler*innen sollen Unterschiede und &#196;hnlichkeiten zwischen Bildungssprache und Dialekten erkennen und auf dieser Basis ein tieferes Strukturverst&#228;ndnis entwickeln.</p></list-item>
<list-item><p>Vielf&#228;ltige &#220;bungsanl&#228;sse: Der Erwerb von Wortschatz und Grammatik findet in sinnvollen Schreibkontexten statt und erm&#246;glicht es Sch&#252;ler*innen, das Gelernte praktisch anzuwenden.</p></list-item>
</list>
<p>Schreiben wird als sozialer und kommunikativer Prozess begriffen. Die Bezugnahme auf Lebenswelt, W&#252;nsche, Tr&#228;ume und Fantasien der Sch&#252;ler*innen steigert das Interesse und die Identifikation mit dem Geschriebenen und f&#246;rdert die Motivation. Motivierende Schreibaufgaben, klare Erwartungshorizonte und transparente Bewertungskriterien sind wesentliche Bestandteile eines professionellen Unterrichts. Die Integration von konzeptioneller M&#252;ndlichkeit und Schriftlichkeit erleichtert den &#220;bergang von m&#252;ndlichen zu schriftlichen Ausdrucksformen und spricht auch kreative und kritische Denkf&#228;higkeiten an (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Schader 2016: 8&#8211;9</xref>).</p>
<p>Die herkunftssprachliche Schrift ist somit nicht nur ein Kommunikationsinstrument, sondern auch ein Medium zur F&#246;rderung von Selbstverwirklichung und Identit&#228;tsbildung.</p>
</sec>
<sec>
<title>5 Beispiele zur Schreibf&#246;rderung im HSU Arabisch aus schulischer Praxis</title>
<p>Die nachfolgenden Beispiele aus der schulischen Praxis zeigen, wie der HSU Arabisch von sprachen&#252;bergreifenden Aufgaben und motivierenden Methoden profitiert:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Kreatives Schreiben: Sch&#252;ler*innen werden ermutigt, Geschichten oder Gedichte in mehreren Sprachen zu verfassen, die ihre kulturellen Erfahrungen und Lebenswelt widerspiegeln. Diese &#220;bungen st&#228;rken nicht nur kreatives Denken, sondern f&#246;rdern das Verst&#228;ndnis f&#252;r sprachliche Struktur und Stilmittel der arabischen Herkunftssprache. Besonders die Verkn&#252;pfung mit pers&#246;nlichen Erlebnissen tr&#228;gt dazu bei, sprachliche und kulturelle Identit&#228;t aufzubauen.</p></list-item>
<list-item><p>Schreibwerkst&#228;tten: In HSU-Workshops arbeiten Sch&#252;ler*innen gemeinsam an unterschiedlichen Textsorten, erhalten Feedback von Mitsch&#252;ler*innen und Lehrkr&#228;ften und lernen, ihre schriftlichen Ausdrucksf&#228;higkeiten kontinuierlich weiterzuentwickeln. Durch kooperative Arbeitsformen wird die Kommunikation gest&#228;rkt und die Vielfalt der HSU-Gruppen produktiv genutzt.</p></list-item>
<list-item><p>Interaktive Schreib&#252;bungen: Durch den Einsatz digitaler Medien, interaktiver Plattformen und KI-Anwendungen k&#246;nnen Sch&#252;ler*innen ihre Texte pr&#228;sentieren und diskutieren. Dies f&#246;rdert neben dem Schreiben auch Sprechen und H&#246;ren auf Arabisch, st&#228;rkt die Medienkompetenz und erleichtert selbstbestimmte Lernwege im Alltag.</p></list-item>
</list>
<p>Die Umsetzung solcher Methoden im HSU Arabisch ist nicht nur eine Frage der sprachlichen F&#246;rderung, sondern tr&#228;gt wesentlich zur St&#228;rkung des kulturellen Erbes der Sch&#252;ler*innen bei. Der HSU sollte den Erwerb von Sprachkenntnissen ebenso f&#246;rdern wie die aktive Auseinandersetzung mit kulturellen Inhalten. Projektbasiertes Lernen &#8211; etwa zu Themen der arabischen Kultur oder zu biografischen Ereignissen &#8211; regt die Sch&#252;ler*innen dazu an, eigene Texte in der Herkunftssprache zu produzieren, kreativ zu gestalten und mit anderen zu teilen.</p>
<sec>
<title>5.1 Beispiele aus der Primarstufe</title>
<p>Die folgenden Methoden und Aktivit&#228;ten illustrieren die unterrichtspraktische F&#246;rderung schriftsprachlicher Kompetenzen im HSU der Primarstufe:<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref></p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Thematische Sammlungen</p></list-item>
</list>
<p>Eine effektive Methode zur F&#246;rderung der Sprachentwicklung ist die thematische Sammlung von W&#246;rtern und Texten. Diese Sammlungen k&#246;nnen, wie bereits erw&#228;hnt, in Form von Mini-(bilder)b&#252;chern gestaltet werden, die den Sch&#252;ler*innen erm&#246;glichen, sich kreativ mit einem bestimmten Thema auseinanderzusetzen.</p>
<fig id="F5">
<caption>
<p>Abb. 5: Eine Fantasiegeschichte als Minibuch zum Thema Familie</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g5.png"/>
</fig>
<p>Das Minibuch wurde von einem Kind selbst gestaltet. Es enth&#228;lt kurze, einfache S&#228;tze, die die Familie beschreiben. Der Text lautet: <italic>Das ist die Familie von Zainab. Ihr Bruder Nizar ist ein Sch&#252;ler. Ihre Schwester Sa&#39;ida ist eine Sch&#252;lerin. Zainab liebt ihre Familie</italic>. Solche Materialien tragen nicht nur zur Erweiterung des Wortschatzes bei, sondern f&#246;rdern auch das Textverst&#228;ndnis und die Ausdrucksf&#228;higkeit, indem sie eine kreative Auseinandersetzung mit den Themen erm&#246;glichen.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Diktate und Schreib&#252;bungen</p></list-item>
</list>
<p>Einfache und spielerische Diktate sind eine weitere M&#246;glichkeit, um die Schreib- und H&#246;rverstehensf&#228;higkeiten im HSU zu trainieren.</p>
<fig id="F6">
<caption>
<p>Abb. 6: Diktat&#252;bung zum arabischen Buchstaben &#1588; (Sch)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g6.png"/>
</fig>
<p>Diese Diktat&#252;bung zeigt, wie Kinder nach vorherigem &#220;ben spielerisch W&#246;rter schreiben, die den Buchstaben &#1588; (Sch) enthalten. Die Lehrkraft diktiert die W&#246;rter &#1601;&#1585;&#1575;&#1588;&#1577; (Schmetterling), &#1588;&#1605;&#1587; (Sonne), &#1588;&#1580;&#1585;&#1577; (Baum) und &#1588;&#1585;&#1591;&#1610; (Polizist), und die Kinder schreiben diese auf. Solche &#220;bungen k&#246;nnen an das Sprachniveau der Sch&#252;ler*innen angepasst werden und bieten eine niedrigschwellige Gelegenheit zur Praxis der Herkunftssprache.</p>
<p>Zudem k&#246;nnen die Sch&#252;ler*innen kurze Urlaubs- und Ferienberichte verfassen, die durch Bilder erg&#228;nzt werden.</p>
<p>Die <xref ref-type="fig" rid="F7">Abbildung 7</xref> zeigt einen kurzen, handschriftlichen Ferienbericht eines Kindes. Die S&#228;tze sind einfach, Der Aufsatz tr&#228;gt den Titel &#1593;&#1591;&#1604;&#1577; &#1575;&#1604;&#1588;&#1578;&#1575;&#1569; (Winterferien) und beschreibt kurz die Erlebnisse w&#228;hrend dieser Zeit und den Wiedereinstieg in die Schule. Diese Aktivit&#228;t f&#246;rdert nicht nur das Schreiben, sondern auch die F&#228;higkeit, Erlebnisse strukturiert darzustellen und zu reflektieren.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref></p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Strukturierungs&#252;bungen</p></list-item>
</list>
<fig id="F7">
<caption>
<p>Abb. 7: Ferienbericht eines Kindes</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g7.png"/>
</fig>
<p>&#220;bungen zur Satzbildung oder zum Satzbau helfen den Sch&#252;ler*innen, grammatische Strukturen zu erkennen und zu verstehen.</p>
<fig id="F8">
<caption>
<p>Abb. 8: Eine &#220;bungsform der Satzbau&#252;bung</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g8.png"/>
</fig>
<p>Die Aufgabe besteht darin, eine Reihe dissoziierter W&#246;rter in die korrekte syntaktische Reihenfolge zu bringen, um einen grammatikalisch vollst&#228;ndigen und koh&#228;renten Satz zu bilden. Diese &#220;bungsform f&#246;rdert die Verinnerlichung grundlegender Satzstrukturen und die syntaktische Kompetenz der Sch&#252;ler*innen. Sie ist ein entscheidendes didaktisches Instrument, um den korrekten Gebrauch von Funktionsw&#246;rtern (Pr&#228;positionen, Konjunktionen) zu festigen und so direkt zur Verbesserung der schriftlichen Ausdrucksf&#228;higkeit beizutragen.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Kreatives Erz&#228;hlen</p></list-item>
</list>
<p>Die Methode der &#8218;Wer-wo-was-Geschichten&#8216; bietet den Sch&#252;ler*innen die M&#246;glichkeit, ihre Fantasie zu nutzen und gleichzeitig ihre herkunftssprachlichen F&#228;higkeiten zu verbessern. Diese Geschichten erfordern kreatives Denken sowie die Anwendung der Herkunftssprache in einem narrativen Kontext. Durch das Erz&#228;hlen eigener Geschichten entwickeln die Sch&#252;ler*innen nicht nur ihre Sprachfertigkeiten, sondern auch ihr Selbstbewusstsein im Umgang mit der Herkunftssprache.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Beispiele aus der Sekundarstufe I</title>
<p>Im Bereich des HSU in der Sekundarstufe I werden verschiedene didaktische Ans&#228;tze und Textprodukte eingesetzt, um die herkunftssprachlichen F&#228;higkeiten der Sch&#252;ler*innen zu f&#246;rdern.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Textprodukte im HSU</p></list-item>
</list>
<p>Die Gestaltung von L&#252;ckentexten und Dialogen erm&#246;glicht es den Sch&#252;ler*innen, ihre Sprachkenntnisse aktiv anzuwenden und zu vertiefen. Solche &#220;bungen f&#246;rdern das Verst&#228;ndnis f&#252;r grammatische Strukturen und den aktiven Wortschatz, indem sie die Sch&#252;ler*innen dazu anregen, ihre Herkunftssprache in einem kommunikativen und anwendungsorientierten Kontext zu nutzen. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen Ferienberichte und (mehrsprachige) Rezeptsammlungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Schader 2016: 58</xref>) als kreative Aufgaben dienen, die nicht nur das Schreiben, sondern auch kulturelle Aspekte der Herkunftssprachen integrieren. Diese Aufgaben ermutigen die Sch&#252;ler*innen, pers&#246;nliche Erfahrungen zu reflektieren und ihre kulturellen Hintergr&#252;nde in den Unterricht einzubringen. Ein weiterer innovativer Ansatz ist das gemeinsame Verfassen von zweisprachigen (oder mehrsprachigen) Textsammlungen, die Gedichte, Fabeln und &#228;hnliche literarische Formen umfassen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Schader 2016: 13, 18</xref>). Dies erm&#246;glicht den Sch&#252;ler*innen, verschiedene literarische Traditionen zu erkunden und zu vergleichen.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Vielfalt der Sprachen im HSU Arabisch</p></list-item>
</list>
<p>Wie bereits erw&#228;hnt, k&#246;nnen neben Arabisch und Deutsch auch andere Herkunftssprachen wie Berbisch und Kurdisch sowie Fremdsprachen wie Englisch und Franz&#246;sisch in die Schreibpraxis des HSU integriert werden. Diese Vielfalt erweitert die Perspektiven der Sch&#252;ler*innen und unterst&#252;tzt die Entwicklung einer mehrsprachigen und multikollektiven Identit&#228;t (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Soukah 2025: 225&#8211;262</xref>).</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Interne Sprachvergleiche im HSU</p></list-item>
</list>
<p>Ein interessanter Aspekt des HSU Arabisch ist die Durchf&#252;hrung interner Sprachvergleiche zwischen Hocharabisch und verschiedenen Dialekten. Hierbei k&#246;nnen Sprichw&#246;rter und Witze als anschauliche Beispiele dienen, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Sprachvarianten zu verdeutlichen. Solche Vergleiche f&#246;rdern das Sprachbewusstsein der Sch&#252;ler*innen und helfen ihnen, ein tieferes Verst&#228;ndnis f&#252;r ihre eigene Herkunftssprache sowie f&#252;r die ihrer Mitsch&#252;lerinnen zu entwickeln.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Pr&#228;sentation und Mediennutzung</p></list-item>
</list>
<p>Die erstellten Textprodukte k&#246;nnen gebunden oder geheftet werden, sodass sie wie Bibliotheksb&#252;cher ausgeliehen werden k&#246;nnen. Zudem sind Zusammenfassungen von Texten sowie Projektwochen mit Ausstellungen, Plakaten, Referaten und Pr&#228;sentationen wichtige Bestandteile des HS-Unterrichts. Die Integration von Medien, wie Computer oder Smartphones, wird ebenfalls gef&#246;rdert. Die Nutzung von Instant-Messaging-Diensten, E-Mails sowie das Verfassen funktionaler Texte stellt sicher, dass die Sch&#252;ler*innen moderne Kommunikationsmittel in ihre sprachlichen Aktivit&#228;ten einbeziehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Schader 2016: 55</xref>). Dies tr&#228;gt dazu bei, dass sie sich in verschiedenen Kommunikationskontexten sicherer f&#252;hlen.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Scaffolding im HSU</p></list-item>
</list>
<p>Das Konzept des Scaffolding basiert auf der Idee, dass Sch&#252;ler*innen durch strukturierte Unterst&#252;tzung in der Lage sind, komplexere sprachliche F&#228;higkeiten zu entwickeln und eigenst&#228;ndig Texte zu erstellen. Im Rahmen des Scaffolding erhalten Sch&#252;ler*innen ein strukturiertes Ger&#252;st, das als Orientierungshilfe dient (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Trommer 2018: 176</xref>). Ein Beispiel hierf&#252;r ist ein Aufbauschema, das die Sch&#252;ler*innen &#252;bernehmen und mit eigenen Formulierungen ausf&#252;llen k&#246;nnen. Diese Struktur hilft den Sch&#252;ler*innen, ihre Gedanken zu organisieren und ihre sprachlichen F&#228;higkeiten schrittweise zu erweitern. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen spezifische Textbausteine oder Elemente f&#252;r bestimmte Textteile bereitgestellt werden. Solche Hilfsmittel unterst&#252;tzen die Sch&#252;ler*innen dabei, ihren eigenen Text zu schreiben oder zusammenzustellen, indem sie auf vorgegebene Strukturen zur&#252;ckgreifen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Kniffka 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">QUA-LiS NRW 2024</xref>). Diese Methode erm&#246;glicht es den Sch&#252;ler*innen, anspruchsvollere Aufgaben zu bew&#228;ltigen, als sie es allein k&#246;nnten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Trommer 2018: 176</xref>). Die praktische Umsetzung von Scaffolding erfordert eine bewusste Planung und Reflexion durch die Lehrkr&#228;fte. Zun&#228;chst ist eine Bedarfsanalyse notwendig, um festzustellen, welche sprachlichen Anforderungen in den verwendeten Materialien bestehen und welche Fachtermini eingef&#252;hrt werden m&#252;ssen. Anschlie&#223;end sollte eine Lernstandserfassung erfolgen, um gezielt diejenigen Sch&#252;ler*innen zu identifizieren, die besondere Unterst&#252;tzung ben&#246;tigen. Ein effektives Scaffolding ber&#252;cksichtigt auch die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Sch&#252;ler*innen. Es sollte darauf abzielen, den &#220;bergang von konkreten Anschauungen zu abstrakten Konzepten zu f&#246;rdern. Dies geschieht durch eine schrittweise Erh&#246;hung der sprachlichen Komplexit&#228;t im Unterricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">QUA-LiS NRW 2024</xref>). Insgesamt stellt Scaffolding eine wertvolle Methode dar, um die Schriftlichkeit im HSU effektiver zu f&#246;rdern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Trommer 2018: 176</xref>). Die Integration von Scaffolding in den HS-Unterricht f&#246;rdert somit nicht nur die sprachliche Kompetenz der Sch&#252;ler*innen, sondern auch deren Selbstst&#228;ndigkeit und Kreativit&#228;t im Umgang mit der Herkunftssprache, s. <xref ref-type="fig" rid="F9">Abb. 9</xref>).</p>
<fig id="F9">
<caption>
<p>Abb. 9: &#220;bung zum Thema Fabel mit Scaffolding-Unterst&#252;tzung</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4761_soukah-g9.png"/>
</fig>
<p>Beispielhafte Fabeltexte wie &#8216;Der B&#228;r und der Schmetterling&#8216; und &#8218;Der schlaue Igel und der Wolf* (s. <xref ref-type="fig" rid="F9">Abb.&#8239;9</xref>) verdeutlichen, wie literarische Traditionen und eigene Erz&#228;hlinhalte kreativ verschriftlicht werden. Die Kombination von handschriftlichem Text, Dialog, direkter Rede und Illustration f&#246;rdert die Motivation, die Erz&#228;hltechnik und die &#228;sthetische Gestaltung.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>6 K&#252;nstliche Intelligenz (KI) und Schriftspracherwerb im HSU Arabisch</title>
<p>Der Einsatz von K&#252;nstlicher Intelligenz (KI) bietet auch im HSU Arabisch Potenziale zur individuellen F&#246;rderung von Schreibkompetenz, sofern der Bezug zur arabischen Unterrichtspraxis hergestellt wird. Konkret k&#246;nnen Lehrkr&#228;fte im HSU Arabisch KI-Tools nutzen, um individuelle R&#252;ckmeldungen zu Texten in arabischer Sprache zu geben &#8211; beispielsweise bei grammatischen oder stilistischen Unsicherheiten der Sch&#252;ler*innen. KI-Anwendungen unterst&#252;tzen auch das Brainstorming, helfen beim Strukturieren und &#220;berarbeiten arabischer Texte und eignen sich f&#252;r die differenzierte Aufgabenstellung etwa im Rahmen von Schreibwerkst&#228;tten. Diese personalisierten Lernangebote erm&#246;glichen es auch heterogenen Lerngruppen, gezielt an individuellen Schw&#228;chen zu arbeiten und ihre Kompetenzen in der Herkunftssprache weiterzuentwickeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">MSB NRW 2023: 5&#8211;7</xref>).</p>
<p>Zugleich ist ein kritischer Umgang mit KI unerl&#228;sslich. Sch&#252;ler*innen im HSU Arabisch sollten lernen, KI-generierte Texte oder Korrekturen zu hinterfragen &#8211; insbesondere da KI-Modelle f&#252;r Arabisch zum Teil noch eingeschr&#228;nkt sind, Dialekt und Hocharabisch unterscheiden m&#252;ssen und kulturelle bzw. inhaltliche Kontexte nicht immer treffend erfassen. Die p&#228;dagogische Begleitung und das Fachfeedback der Lehrkraft sind daher nach wie vor zentral. KI sollte nicht als Ersatz, sondern als eine unterst&#252;tzende Erg&#228;nzung in den Schreibprozess integriert werden.</p>
<p>Datenschutz und ethische Fragestellungen m&#252;ssen von Anfang an thematisiert und beachtet werden. Dies erfolgt in der Praxis vor allem durch die Verwendung schuldienstlich genehmigter Plattformen, die Anonymisierung personenbezogener Daten vor der Eingabe in KI-Tools sowie die Aufkl&#228;rung der Sch&#252;ler*innen &#252;ber einen kritisch-reflexiven Umgang mit KI-generierten Inhalten.</p>
<p>Konkret eingesetzte Tools reichen von allgemeinen Chatbots wie ChatGPT oder Gemini, die beim Ideensammeln und Formulieren arabischer Texte helfen, bis hin zu speziellen KI-Feedbacksystemen wie dem PEER-Projekt (einem KI-gest&#252;tzten Schreibassistenzsystem, das Sch&#252;ler*innen durch adaptive R&#252;ckmeldungen beim Verfassen von Texten unterst&#252;tzt) in mehrsprachigen Bildungssettings, deren Feedback zu Textstruktur und Rechtschreibung wichtige Anhaltspunkte f&#252;r die Sch&#252;ler*innen liefert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">MSB NRW 2023: 4</xref>).</p>
<p>Ein Beispiel aus der arabischen HSU-Praxis sind Schreibwerkst&#228;tten, in denen Sch&#252;ler*innen mithilfe von KI-Tools erste Entw&#252;rfe generieren, Varianten vergleichen und im Anschluss individuelle Verbesserungsm&#246;glichkeiten mit der Lehrkraft besprechen. Dar&#252;ber hinaus kann die KI-Unterst&#252;tzung die Lehrkr&#228;fte bei der Erstellung von L&#252;ckentexten oder personalisierten Schreibaufgaben entlasten. Auf der didaktischen Ebene gelingt eine solche Verkn&#252;pfung von Technik und HSU immer dann, wenn Werkzeug, Aufgabe und Reflexion ineinandergreifen. In dieser Funktion dient die KI nicht nur als technologisches Hilfsmittel, sondern als Br&#252;cke f&#252;r individuelle F&#246;rderung, kreative Textproduktion und kritisches Sprachlernen im Kontext der arabischen Herkunftssprache.</p>
</sec>
<sec>
<title>7 Zusammenfassung und Ausblick</title>
<p>Die Entwicklung der Schriftlichkeit ist eine zentrale Aufgabe im HSU Arabisch, ebenso wie in anderen Herkunftssprachen. Sie ist entscheidend f&#252;r die ganzheitliche und ausgewogene Entwicklung der multikollektiven Identit&#228;t der Sch&#252;ler*innen &#8211; also der F&#228;higkeit, sich innerhalb verschiedener kultureller, sozialer und sprachlicher Kollektive sicher zu bewegen. Ziel ist es, diese Sch&#252;ler*innen, die bereits &#252;ber informelle Kompetenzen verf&#252;gen, schriftsprachlich zu professionalisieren und in ihrer Sprachbiografie zu st&#228;rken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Soukah 2025</xref>).</p>
<p>Beim Erwerb der Schriftlichkeit im Hocharabischen stehen Sch&#252;ler*innen vor vielf&#228;ltigen Herausforderungen: Erstens unterscheidet sich das Hocharabische stark von den gesprochenen Dialekten und Variet&#228;ten, die im famili&#228;ren und sozialen Umfeld der Sch&#252;ler*innen verwendet werden. Zweitens handelt es sich bei der arabischen Schrift um eine Konsonantenschrift, bei der kurze Vokale &#252;berwiegend nicht verschriftlicht werden. Drittens unterscheidet sich die arabische Silbenstruktur mit maximal zwei Konsonanten pro Silbe deutlich von der komplexeren Struktur des Deutschen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Hirschfeld/Seddiki o.J.: 9</xref>).</p>
<p>Der HSU Arabisch kann jedoch einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung dieser Kompetenz leisten, insbesondere durch eine didaktisch fundierte (Zweit-)alphabetisierung, die Sch&#252;ler*innen einen sicheren Umgang mit der anspruchsvollen arabischen Standardsprache erm&#246;glicht. Der HSU bietet einen gesch&#252;tzten Raum, in dem die Sch&#252;ler*innen die Schriftsprache Hocharabisch sicher erlernen k&#246;nnen.</p>
<p>Innovative, sprachen&#252;bergreifende Methoden und Praktiken k&#246;nnen die F&#246;rderung der Schriftlichkeit effektiv unterst&#252;tzen. Dazu z&#228;hlen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Kreatives Erz&#228;hlen und Schreiben</p></list-item>
<list-item><p>Schreibwerkst&#228;tten</p></list-item>
<list-item><p>Interaktive Schreib&#252;bungen</p></list-item>
<list-item><p>Thematische Sammlungen</p></list-item>
<list-item><p>Diktate und Schreib&#252;bungen</p></list-item>
<list-item><p>Strukturierungs&#252;bungen</p></list-item>
<list-item><p>(Interne) Sprachvergleiche</p></list-item>
<list-item><p>Scaffolding</p></list-item>
</list>
<p>Insgesamt bleibt die F&#246;rderung der Schriftlichkeit im HSU Arabisch eine zentrale Aufgabe, die durch innovative didaktische Ans&#228;tze erfolgreich umgesetzt werden kann. Dies tr&#228;gt nachhaltig zur St&#228;rkung sprachlicher Identit&#228;t und zur allgemeinen Sprachkompetenz der Herkunftssprecher*innen bei. Gleichzeitig er&#246;ffnet der Erwerb von Schriftsprachkenntnissen R&#228;ume f&#252;r die Entfaltung sozialer und kultureller M&#246;glichkeiten sowie f&#252;r gesamtgesellschaftliche Teilhabe (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">M&#252;ller 2012: 130</xref>).</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Die Beispiele in diesem Beitrag beziehen sich prim&#228;r auf die Primarstufe sowie die Sekundarstufe I, da der HSU in Nordrhein-Westfalen die Jahrgangsstufen 1 bis 10 umfasst.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Die Mehrheit der Sch&#252;ler*innen im HSU kann als Zweitschriftlernende eingestuft werden, da sie das arabische Schriftsystem meist nach oder parallel zum Erwerb des deutschen Schriftsystems erlernen. Aus diesem Grund verwenden wir in diesem Artikel den Begriff &#8218;(Zweit-)Alphabetisierung&#8216; anstelle des allgemeineren Begriffs &#8218;Alphabetisierung&#8216;.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Zwar sieht die koordinierte Alphabetisierung in der Grundschule vor, dass die Alphabetisierung in deutscher Sprache parallel und in Abstimmung mit dem Unterricht in der Herkunftssprache erfolgt, doch wird dieses Vorgehen bislang nicht fl&#228;chendeckend an den Grundschulen umgesetzt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Weber 2018: 2</xref>).</p></fn>
<fn id="n4"><p>Die Abbildungen in diesem Artikel stammen aus der privaten Sammlung des Autors und enthalten keine pers&#246;nlichen Informationen &#252;ber die Sch&#252;ler*innen.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Um die Beispiele auch f&#252;r Leser ohne Arabischkenntnisse nachvollziehbar zu machen, werden sie detailliert erl&#228;utert.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Die &#220;bersetzung des Textes ins Deutsche lautet: <italic>Die Winterferien waren sch&#246;n und kurz. Ich war mit der Familie zusammen und feierte auch Neujahr. Ich war in Deutschland. Die erste Woche in der Schule war gut und sch&#246;n. Ich war mit meinen Freunden zusammen.</italic></p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Literatur</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="webpage"><collab>DaZ-Portal</collab> (o.J.): <source>Alphabetisierung</source>. <uri>https://www.daz-portal.be/material/alphabetisierung/</uri> (28.09.2024).</mixed-citation></ref>
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<sec>
<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Dr. Zouheir Soukah</bold> unterrichtete nach seinem Magisterstudium von 2009 bis 2012 im Rahmen der staatlichen Integrationskurse DaZ. Seit 2012 ist er im &#246;ffentlichen Schuldienst in D&#252;sseldorf als Lehrer f&#252;r Arabisch als Herkunftssprache t&#228;tig. 2016 promovierte er an der Heinrich-Heine-Universit&#228;t D&#252;sseldorf. Im Jahr 2020 war er externer Lehrbeauftragter an der Heinrich-Heine-Universit&#228;t D&#252;sseldorf. Von 2023 bis 2026 ist er Mitglied im BMBF-gef&#246;rderten Verbundprojekt &#8222;HSU-Interregio: Herkunftssprachlichen Unterricht interdisziplin&#228;r und interregional erforschen, entwickeln, vernetzen&#8220;.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:zouheir.soukah@uni-duesseldorf.de">zouheir.soukah@uni-duesseldorf.de</ext-link></styled-content></p>
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