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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Targo&#324;ska, Joanna &amp; Jakosz, Mariusz (Hrsg.) (2024): Wendepunkte in der Fremdsprachenlehr- und -lernforschung. Teil 2. G&#246;ttingen: V&amp;R unipress. ISBN: 978-3-8471-1683-7. Buch: 50,00 &#8364;; pdf: open access.</article-title>
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<contrib-id contrib-id-type="orcid">https://orcid.org/0000-0002-2729-4112</contrib-id>
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<surname>Longhi</surname>
<given-names>Elisabetta</given-names>
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<email>elisabetta.longhi@unipr.it</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Senior Researcher, Department of Humanities, Social Sciences and Cultural Industries, University of Parma</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-03-03">
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<issue>1</issue>
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<p>Der Sammelband <italic>Wendepunkte in der Fremdsprachenlehr- und -lernforschung. Teil 2</italic> setzt die mit dem ersten Band begonnene Auseinandersetzung mit zentralen Umbr&#252;chen innerhalb der Fremdsprachendidaktik konsequent fort. W&#228;hrend <italic>Teil 1</italic> den Fokus vor allem auf historische und konzeptionelle Grundlinien legte, konzentriert sich <italic>Teil 2</italic> st&#228;rker auf aktuelle Felder, die gegenw&#228;rtige Entwicklungen ma&#223;geblich pr&#228;gen. Dieser Band erscheint in der Tat zu einem Zeitpunkt, an dem die Fremdsprachendidaktik erneut vor grundlegenden Fragen steht: Wie ver&#228;ndern digitale Medien Lehr- und Lernprozesse? Welche neuen Anforderungen ergeben sich aus kompetenzorientierten Bildungsstandards? (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">R&#246;sler 2012</xref>). Und wie l&#228;sst sich die professionelle Rolle von Lehrkr&#228;ften in einer medialen Lernkultur neu denken? Der Band kn&#252;pft an diese Debatten an, indem er zentrale Umbr&#252;che der letzten Jahrzehnte systematisiert und zugleich zuk&#252;nftige Perspektiven er&#246;ffnet. Bereits die Einleitung macht deutlich, dass Fremdsprachenlernen sich nicht linear, sondern &#252;ber &#8222;gr&#246;&#223;ere Ver&#228;nderungen oder sogar Umbr&#252;che bzw. Wendepunkte&#8220; (7) vollzieht. Diese Wendepunkte sind keineswegs isoliert, sondern Ausdruck ver&#228;nderter gesellschaftlicher und technischer Bedingungen.</p>
<p>Die Herausgeber:innen unterscheiden zwischen expliziten Wendepunkten, die als Reformforderungen artikuliert wurden, und impliziten Wandlungsprozessen, die sich erst retrospektiv als paradigmatische Verschiebungen herausstellen (8). Diese konzeptionelle Kl&#228;rung ist f&#252;r den Band zentral, weil sie den Rahmen schafft f&#252;r eine Betrachtung der digitalen Transformation als eines jener impliziten, aber weitreichenden Umbr&#252;che, die Unterricht und Forschung gleicherma&#223;en betreffen. Damit positioniert sich <italic>Teil 2</italic> effektiv im aktuellen Diskurs zur digitalen Lernkultur (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Burwitz-Melzer/Riemer/Schmelter 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B2">Feick/Biebigh&#228;user 2025</xref>).</p>
<p>Im ersten thematischen Block wird die Neudefinition des Kompetenzbegriffs aufgegriffen. Der Band zeigt, wie sich im Laufe der Zeit die Perspektive auf sprachliche Kompetenz von der fixierten Grammatikbeherrschung zur Handlungskompetenz im sozialen Kontext verschoben hat. Besonders im Bereich der Wortschatzkompetenz wird ein deutliches Umdenken nachgezeichnet: Der Fokus liegt nun verst&#228;rkt auf Vernetzung, Kollokationen und auf der funktionalen Verwendung lexikalischer Mittel in authentischen Kommunikationssituationen. Dabei wird aufgezeigt, dass Wortschatz und kommunikative Anforderungen im 20. Jahrhundert Wendepunkte markierten, etwa wenn die Abkehr von der Grammatikzentrierung und die &#8222;Wortschatzwende&#8220; (35) neue Unterrichtskonzepte hervorriefen, die sich heute unter anderem anhand digitaler Lexikarbeit realisieren lassen.</p>
<p>Der zweite Block des Bandes besch&#228;ftigt sich mit innovativen Zug&#228;ngen zu Teilkompetenzen, insbesondere mit digital gest&#252;tzten Formen des Schreibens. Hier ist von einer &#8222;(coronapandemiebedingten) Wende&#8220; (67) die Rede, insofern digitale Medien nicht lediglich Werkzeuge darstellen, sondern strukturell neue Lernformen erm&#246;glichen. Nicht zu vergessen ist dabei der von den Herausgeberinnen bereits in der Einleitung formulierte Hinweis, dass medieninduzierte Umbr&#252;che historische Konstante der Fremdsprachendidaktik sind &#8211; vom Grammophon und Sprachlabor bis hin zu interaktiven Plattformen und KI-basierten Schreibtools. Diese historische Tiefensch&#228;rfe macht die aktuelle Digitalisierungswelle nicht zu einer singul&#228;ren Erscheinung, sondern zu einer Fortsetzung eines kontinuierlichen medientechnischen Wandels, der heute vor allem durch Multimodalit&#228;t, kollaboratives Schreiben und adaptive Lernumgebungen gekennzeichnet ist. Damit leistet der Band einen wichtigen Beitrag zu einer nuancierten Sicht auf digitale Transformation, der weder technologischer Euphorie verf&#228;llt noch kulturpessimistisch argumentiert, sondern die empirischen Potenziale und Herausforderungen differenziert beleuchtet.</p>
<p>Besonders anschlussf&#228;hig an aktuelle Forschung ist der dritte Block des Bandes, der die Entwicklung der Sprachbildung im Zeichen der Subjekt- und Handlungsorientierung analysiert. In diesem Sinne markierte die pragmatisch-kommunikative Wende nicht allein eine methodische Umstellung, sondern einen grundlegenden Perspektivenwechsel: Im Zentrum stehen schlie&#223;lich die Lernenden, die &#8222;als ernst zu nehmende Subjekte betrachtet&#8220; (18) werden sollen. Dieser Ansatz findet heute in Konzepten wie selbstreguliertem Lernen, performativem Fremdsprachenunterricht und kulturreflexiven Zug&#228;ngen Anwendung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Hallet/K&#246;nigs 2019</xref>). Der Band greift diese Entwicklungen auf, etwa wenn Humor als Ressource f&#252;r positive Lernatmosph&#228;ren diskutiert wird oder wenn interkulturelle, bilinguale und kulturgeschichtliche Lernprozesse vorgestellt werden, die Lernende zur aktiven Wissenskonstruktion anregen. Diese Beitr&#228;ge zeigen deutlich, dass Sprachbildung heute mehr ist als der Erwerb linguistischer Mittel: Sie umfasst Weltorientierung, kritische Urteilskraft und personale Entwicklung &#8211; Kompetenzen, die angesichts globalisierter Kommunikationsr&#228;ume und digitaler Informationsvielfalt unverzichtbar sind.</p>
<p>Der vierte Themenblock widmet sich abschlie&#223;end der Neupositionierung der Lehrkr&#228;fte, deren professionelle Rolle sich im Laufe des 20. und 21. Jahrhunderts ver&#228;ndert hat. Ausgehend von einer historischen Perspektive, die den Weg vom Lateinunterricht &#252;ber die Reformbewegung bis hin zum kommunikativen Ansatz nachzeichnet, wird im Band ersichtlich, wie sich das Berufsbild gewandelt hat: Lehrkr&#228;fte sind heute nicht mehr prim&#228;r Wissensvermittelnde, sondern Sprach- und Lernberater:innen, Coaches und Kulturvermittler:innen, die daher angemessene Kommunikationskompetenzen ben&#246;tigen. Diese Entwicklung ist eng mit digitalen Lernumgebungen verkn&#252;pft, die weniger frontale Vermittlung und st&#228;rker kuratorische, moderierende und diagnostische Kompetenzen erfordern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Will/Kurtz/Zeyer/Martinez 2022</xref>). Besonders relevant ist der Beitrag zur nonverbalen Instruktionskompetenz, der zeigt, wie stark Unterricht von multimodalen Kommunikationsformen gepr&#228;gt ist &#8211; ein Aspekt, der im digitalen Raum weiter an Bedeutung gewinnt. Ebenso bietet der Beitrag zur Mehrsprachigkeitsdidaktik eine realistische Einsch&#228;tzung der Herausforderungen, die entstehen, wenn bildungspolitische Ziele auf konkrete schulische Strukturen treffen. Die hier am Beispiel Polens sichtbar werdenden Spannungsfelder spiegeln zentrale Debatten der gegenw&#228;rtigen Lehrerbildungsforschung wider.</p>
<p>Insgesamt zeichnet der Band ein breit gef&#228;chertes, aber koh&#228;rentes Bild gegenw&#228;rtiger Umbr&#252;che in der Fremdsprachendidaktik. Von besonderem Wert ist seine F&#228;higkeit, historische Linien mit aktuellen Transformationsprozessen zu verkn&#252;pfen und zugleich konkrete didaktische Implikationen zu formulieren. Der Sammelband macht plausibel, dass digitale Transformation, Kompetenzorientierung und Professionalisierung nicht als voneinander getrennte Trends zu betrachten sind, sondern als interdependente Entwicklungen, die gemeinsam neue Anforderungen an Unterricht und Forschung formulieren. Die Beitr&#228;ge sprechen somit unterschiedliche Zielgruppen an: Wissenschaftler:innen erhalten einen fundierten &#220;berblick &#252;ber zentrale Diskursverschiebungen, w&#228;hrend Lehrkr&#228;fte und Lehrerausbildende konkrete didaktische Impulse mitnehmen k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus er&#246;ffnet die internationale Zusammensetzung der Autorenschaft spannende Einblicke in regionale Differenzen.</p>
<p>Trotz der thematischen und geographischen Vielfalt bleibt der Schwerpunkt &#252;berwiegend im mitteleurop&#228;ischen Raum, w&#228;hrend globale Perspektiven auf Digitalisierung und Kompetenzentwicklung nur punktuell einbezogen werden. Paradigmenwechsel verlaufen jedoch global und k&#246;nnten durch eine st&#228;rkere Ber&#252;cksichtigung au&#223;ereurop&#228;ischer Kontexte weiter gesch&#228;rft werden. W&#252;nschenswert erscheint daher eine Erweiterung des Blickwinkels auf bislang vernachl&#228;ssigte Bildungskulturen. Es bleibt Raum f&#252;r weitere Forschung.</p>
<p>Nichtsdestoweniger erweist sich <italic>Wendepunkte in der Fremdsprachenlehr- und -lernforschung. Teil 2</italic> als wichtige Orientierungsliteratur in einer Zeit, in der sich die Bedingungen f&#252;r Sprachenlernen und -lehren rasant ver&#228;ndern. Der Sammelband leistet damit einen substanziellen Beitrag zur aktuellen Diskussion um digitale Transformation, Kompetenzorientierung und Professionalisierung in der Fremdsprachendidaktik. In diesem Sinne kann diese Publikation uneingeschr&#228;nkt allen empfohlen werden, die sich aus wissenschaftlicher, wie auch aus berufspraktischer Perspektive mit der Weiterentwicklung des Fachs auseinandersetzen.</p>
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<title>Literatur (Auswahl)</title>
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<ref id="B3"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Hallet</surname>, <given-names>Wolfgang</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>K&#246;nigs</surname>, <given-names>Frank G.</given-names></string-name> (Hrsg.) (<year>2019</year>): <source>Fremdsprachendidaktik. Eine Einf&#252;hrung</source>. [<edition>3.</edition> Aufl.]. <publisher-loc>Seelze</publisher-loc>: <publisher-name>Klett Kallmeyer</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B4"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>R&#246;sler</surname>, <given-names>Dietmar</given-names></string-name> (<year>2012</year>): <source>Deutsch als Fremdsprache. Eine Einf&#252;hrung</source>. <publisher-loc>Stuttgart</publisher-loc>: <publisher-name>Metzler</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
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