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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum Themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Baum, Luisa &amp; G&#252;nay, G&#252;ls&#252;m (Hrsg.) (2025): <italic>K&#252;nstliche Intelligenz in DaF/DaZ</italic>. Berlin: Frank &amp; Timme. ISBN: 978-3-732-9116-60. 253 Seiten. Buch: 29,80 &#8364;; pdf: open access.</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#228;t Kassel</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-03-03">
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<p>K&#252;nstliche Intelligenz in DaF/DaZ &#8211; Lernbooster oder Kreativit&#228;tskiller? Diese zugespitzte Frage, die einem der Beitr&#228;ge als Titel dient, bringt die Ambivalenz auf den Punkt, die den aktuellen Diskurs &#252;ber KI in der Bildung pr&#228;gt. Die Diskussion erstreckt sich zwischen Hoffnungen auf individualisierte Lernpfade und adaptives Feedback (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Schleiss et al. 2023</xref>) einerseits sowie Sorgen um <italic>Deskilling</italic>-Effekte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Reinmann 2023</xref>), Datenschutz, Urheberrecht und die Verl&#228;sslichkeit KI-generierter Inhalte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Deutscher Ethikrat 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Hoeren 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B6">Schleiss et al. 2023</xref>) andererseits. Der von Luisa Baum und G&#252;ls&#252;m G&#252;nay herausgegebene Sammelband &#8222;K&#252;nstliche Intelligenz in DaF/DaZ&#8220; widmet sich genau dieser Spannung zwischen Euphorie, Neugier und Skepsis. Auf 15 Beitr&#228;ge verteilt werden Chancen und Herausforderungen des KI-Einsatzes im Unterricht und in der Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. Thematisch lassen sich die Beitr&#228;ge vier Schwerpunkten zuordnen: wissenschaftliches Schreiben mit KI-Unterst&#252;tzung, Professionalisierung der Lehrkr&#228;fte, praktische Unterrichtsszenarien mit KI-Tools sowie die Nutzung von KI durch Lernende und Lehrende. Zwei letzte Beitr&#228;ge leisten dar&#252;ber hinaus eine begriffliche und theoretische Einordnung. Der Band bietet eine breite Palette an Beitragstypen f&#252;r verschiedene Zielgruppen: Neben den Konzeptpapieren und Bedarfserhebungen werden Fortbildungskonzepte, Praxisberichte und empirische Studien zur Diskussion gestellt. Zahlreiche Querverweise zwischen den Beitr&#228;gen unterstreichen die thematische Vernetzung, erschweren jedoch aufgrund ihrer nicht linearen Struktur eine gezielte Navigation.</p>
<p>Im ersten Beitrag mit dem Titel <italic>Die Nutzung von KI beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten in DaF/DaZ</italic> betont <bold>Marion Grein</bold>, dass KI in der Hochschulbildung mittlerweile kein optionaler Zusatz mehr ist, sondern zu einem &#8222;essenziellen Bestandteil&#8220; (20) geworden ist. Das Vers&#228;umnis einer verantwortungsvollen Thematisierung riskiere einen unreflektierten Ansatz durch Studierende (ebd.). Der Beitrag dokumentiert zun&#228;chst die curriculare Verankerung von KI im neu konzipierten Pflichtmodul &#8222;Virtuelle Lehre&#8220; des Mainzer Masterstudiengangs DaF/DaZ. Anschlie&#223;end res&#252;miert die Autorin anhand dreier Vergleichsstudien, dass ausl&#228;ndische Studierende, trotz potenzieller Vorteile gerade beim wissenschaftlichen Schreiben in der Fremdsprache, KI-Tools deutlich seltener nutzen als deutsche Kommiliton:innen. Die eigene Erhebung unter 53 Mainzer DaF/DaZ-Studierenden best&#228;tigt zwar weiterhin eine Nutzungsdifferenz, zeigt jedoch insgesamt h&#246;here Nutzungsraten als in den Vergleichsstudien. An dieser Stelle w&#228;re eine qualitative Perspektive w&#252;nschenswert: Nutzen die Studierenden KI tats&#228;chlich reflektierter, oder nur h&#228;ufiger?</p>
<p>Mit dem reflektierten Umgang mit generativen KI-Tools beim wissenschaftlichen Schreiben befasst sich auch der Beitrag von <bold>Corinna Herrmann</bold> mit dem Titel <italic>Einsatz von generativen KI-Tools zur F&#246;rderung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen in der Auslandsgermanistik</italic>. Die Autorin untersucht, wie KI-generiertes Feedback wissenschaftliche Schreibkompetenzen im DaF-Kontext f&#246;rdern kann. Anhand einer explorativen Fallstudie mit 24 Germanistikstudierenden der Universit&#228;t Ljubljana zeigt sie die Wichtigkeit eines pr&#228;zisen sorgf&#228;ltig ausgearbeiteten Mega-Prompts f&#252;r ein qualitativ hochwertiges KI-Feedback, welches die wissenschaftssprachliche Schreibkompetenz im DaF-Kontext f&#246;rdern kann. Wertvoll erscheint die schlussfolgernde Aussage, dass KI-Feedback allein nicht ausreicht und &#8222;menschliche R&#252;ckmeldungen weiterhin essenziell&#8220; (41) sind.</p>
<p>Ein weiterer Beitrag im Themenfeld &#8222;Wissenschaftliches Schreiben&#8220; von <bold>Erzhena Mikheeva</bold> <italic>KI-gest&#252;tzte Schreibf&#246;rderung im DaZ-/DaF-Kontext</italic> beschreibt den Aufbau und die Zielsetzung einer empirischen Studie zu Potenzialen und Herausforderungen von KI f&#252;r das wissenschaftliche Schreiben im Rahmen eines Dissertationsprojektes. Anhand der geplanten Untersuchung m&#246;chte die Autorin &#8222;ein praxisorientiertes Lehr-Lern-Konzept&#8220; (46) entwickeln, das KI gezielt zur F&#246;rderung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen einsetzt und Lernende sowie Lehrkr&#228;fte f&#252;r Potenziale und Risiken sensibilisiert. Der expos&#233;hafte Charakter des Beitrages ist seiner Funktion als Projektvorstellung geschuldet. Methodische Konkretisierungen, z.B. zu Stichprobengr&#246;&#223;e, Studiendauer sowie Mess- und Analyseverfahren zur Bestimmung von Schreibqualit&#228;t stehen noch aus.</p>
<p>Das Themenfeld &#8222;Professionalisierung der Lehrkr&#228;fte&#8220; mit KI er&#246;ffnet der Beitrag von <bold>Luisa Baum</bold> <italic>KI-Fortbildungen f&#252;r Sprachlehrkr&#228;fte</italic>. Die Autorin reflektiert Konzeption, Durchf&#252;hrung und Evaluation einer zweiteiligen KI-Fortbildung (Dezember 2024) f&#252;r 14 Sprachlehrkr&#228;fte des Studienkollegs der Johannes Gutenberg-Universit&#228;t Mainz. Der Erfahrungsbericht beschreibt das Spannungsfeld zwischen Grundlagenvermittlung und Praxisorientierung sowie zentrale Herausforderungen wie das Entlastungsparadoxon (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Falck 2025</xref>). Als Handlungsempfehlungen schl&#228;gt die Autorin niedrigschwellige, nach Kenntnisstand differenzierte Fortbildungen mit Raum f&#252;r kollegialen Austausch vor, die in eine kontinuierliche Professionalisierung eingebettet sein sollten.</p>
<p><bold>G&#252;ls&#252;m G&#252;nay</bold>&#8201;und <bold>Michael Bigos</bold> stellen in ihrem Beitrag <italic>Das Weiterbildungsmodul &#8222;K&#252;nstliche Intelligenz im DaZ-Unterricht&#8220; f&#252;r Lehrkr&#228;fte der Sekundarstufe</italic> das Modul 12 des am Zentrum f&#252;r wissenschaftliche Weiterbildung JGU Mainz angebotenen Zertifikats &#8222;Deutsch als Zweitsprache&#8220; vor, das auf grundlegende Technologieeinf&#252;hrung, konzeptionelle Implementation und Erprobung von KI-Anwendungsszenarien zielt. Au&#223;erdem wird die inhaltliche und methodische Gestaltung des Moduls durch 11 Teilnehmende evaluiert. Die ausschlie&#223;lich positiven Evaluationsergebnisse lassen offen, ob auch Herausforderungen oder Verbesserungsbedarfe thematisiert wurden. Wie bereits bei Baum heben die Teilnehmenden besonders den kollegialen Austausch und die Theorie-Praxis-Verkn&#252;pfung positiv hervor.</p>
<p>Der Beitrag von <bold>Larissa Heitmann</bold> <italic>Zukunftsorientierte Qualifizierung von DaF-/DaZ-Lehrkr&#228;ften</italic> fokussiert die fehlende curriculare Verankerung von KI in Lehrkr&#228;ftequalifizierungen des BAMF (Bundesamt f&#252;r Migration und Fl&#252;chtlinge) und liefert anhand einer qualitativen Umfrage unter 14 aktiven Qualifizierenden eine erste Bestandaufnahme zu Haltung, Bedarfen und Erfahrungen bez&#252;glich KI-Integration in die Lehrkr&#228;ftequalifizierung. Dabei werden besonders geeignete Module eruiert sowie ein festes Kontingent f&#252;r KI-Themen in jeder Zusatzqualifizierung neben zus&#228;tzlichen KI-Workshops gefordert. Die Handlungsempfehlungen bleiben allerdings wenig spezifisch: Neben der Curriculum-Anpassung schl&#228;gt die Autorin Fortbildungskonzepte f&#252;r Qualifizierende, didaktische Leitlinien und Austauschplattformen mit Good-Practice-Sammlungen vor.</p>
<p><bold>Laura K&#246;bis</bold> er&#246;ffnet den Themenbereich zur praktischen Nutzung von KI-Tools und erg&#228;nzt in ihrem Beitrag <italic>Eine Klassifikation von KI-Werkzeugen in DaF/DaZ</italic> die von ihr bereits 2023 eingef&#252;hrte Klassifikation nach Anwendungstypen (Textgeneratoren, Chatbots, Learning Analytics-Software usw.) um eine neue Systematik aktueller KI-Werkzeuge mit Fokus auf Lehrprozesse und -phasen (Materialienerstellung, Lehren nach AVIVA-Modell, Nachbereitung, S. 95) und tr&#228;gt so zur Systematisierung der un&#252;bersichtlichen KI-Tool-Landschaft bei, was besonders KI-unerfahrenen Lehrkr&#228;ften als Einstiegsorientierung dienen kann. Anschlie&#223;end pr&#228;sentiert sie konkrete Tools und deren Einsatzm&#246;glichkeiten, wobei didaktische Grenzen kaum thematisiert werden. Abschlie&#223;end diskutiert sie m&#246;gliche Ver&#228;nderungen der Lehr-Lernprozesse und betont die Notwendigkeit explorativer Erprobungs- und Reflexionsr&#228;ume.</p>
<p><bold>Henriette Reiche</bold> pr&#228;sentiert mit dem <italic>Prompt-Battle f&#252;r den DaF-Unterricht</italic> ein kreatives, spielerisches Format f&#252;r bildgenerierende KI, erprobt in DaF/DaZ-Fortbildungen und einem Masterseminar an der JGU Mainz. Inspiriert vom Rap-Battle treten Teilnehmende paarweise an, um mithilfe bildgenerierender KI vorgegebene Bilder zu reproduzieren oder Situationen kreativ zu visualisieren. Neben Grundlagen zu Prompting werden Best Practices mit konkreten Aufgaben und generierten Bildern pr&#228;sentiert. Das Format wurde bereits auf der DaFWebKon<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> 2024 vorgestellt, ist aber durch seine anschauliche Dokumentation direkt umsetzbar. Herausforderungen umfassen heterogenen technischen Zugang, begrenzte kostenfreie Nutzung der Bildgeneratoren sowie erforderliches Sprachniveau (laut Befragung ab B1 optimal). Die Erprobung beschr&#228;nkte sich allerdings auf Lehrkr&#228;fte statt Lernende, sodass die &#220;bertragbarkeit auf niedrigere Niveaustufen noch zu kl&#228;ren bleibt, wie die Autorin selbst einr&#228;umt (116).</p>
<p>Der Beitrag von <bold>Magdalena Sieradz</bold> <italic>KI-gest&#252;tzte Werkzeuge als Lernpartnerin</italic> untersucht Potenziale von KI-Tools wie ChatGPT oder Google Gemini f&#252;r die selbstgesteuerte Vorbereitung auf standardisierte Sprachpr&#252;fungen wie Goethe, telc oder DTZ. Die Autorin fokussiert dabei drei Anwendungsbereiche: Schreiben, Sprechen sowie Organisation und Planung. Als Potenziale werden Personalisierung, Flexibilit&#228;t, sofortiges Feedback, Generierung unbegrenzter &#220;bungsmaterialien und Pr&#252;fungssimulationen identifiziert. Herausforderungen umfassen unzuverl&#228;ssiges Feedback bei Akzenten oder Idiomatik, Demotivation durch permanente Fehlerkorrektur, Abh&#228;ngigkeitsrisiken, fehlende authentische Kommunikation sowie erforderliche Prompting-Kompetenz. Die Diskussion von Potenzialen und Herausforderungen scheint allerdings wenig spezifisch f&#252;r Pr&#252;fungsvorbereitung zu sein, vieles gilt allgemein f&#252;r KI im Sprachlernen. Kritisch anzumerken ist zudem, dass hier keine eigene empirische Erhebung vorliegt, alle Ausf&#252;hrungen basieren auf konzeptionellen &#220;berlegungen und exemplarischen Tool-Tests durch die Autorin selbst.</p>
<p><bold>Daniela Hartmann</bold> und <bold>Max M&#246;ller</bold> stellen in ihrem Beitrag <italic>Future Skills und KI-Kompetenz im Sprachunterricht</italic> ein f&#252;nfphasiges KI-Projekt am Sprachenzentrum der Humboldt-Universit&#228;t zu Berlin vor (SoSe 2024), das in zwei DaF-Kursen mit jeweils 20 und 18 Teilnehmenden &#252;ber 13 Wochen durchgef&#252;hrt wurde. Das Projekt zielte darauf ab, neben der Sprachkompetenz auch KI-Kompetenz als Future Skills zu f&#246;rdern. Nach einer kurzen Einf&#252;hrung sollten die Lernenden KI-Tools au&#223;erunterrichtlich als Lernhilfe nutzen und anschlie&#223;end dar&#252;ber reflektieren. Die in der f&#252;nften Phase des Projektes durch eine Feedbackrunde und einen Online-Fragebogen mit neun pauschal formulierten Aussagen erhobenen Daten zeigen eine durchweg positive Resonanz. Es bleibt jedoch bei den Selbstreflexionen und wie die Autor:innen selbst einr&#228;umen, unklar, ob und wie KI kognitive Lernprozesse f&#246;rdern kann. Zu bem&#228;ngeln ist, dass das eigentliche Herzst&#252;ck des Projekts &#8211; die schriftlichen Reflexionen (Phase 3) und die m&#252;ndlichen Pr&#228;sentationen (Phase 4) &#8211; nicht analysiert wird, obwohl genau hier die tiefsten Einblicke in Lernprozesse, kritisches Denken und tats&#228;chliche KI-Nutzungsstrategien zu erwarten w&#228;ren.</p>
<p><bold>Paula Juliane Hilker</bold> dokumentiert in ihrem Beitrag <italic>Sprachbarrieren mit KI &#252;berwinden</italic> einen KI-Workshop f&#252;r 13 zugewanderte Akademikerinnen der Br&#252;ckenma&#223;nahme B3 am Zentrum f&#252;r wissenschaftliche Weiterbildung der JGU Mainz (Januar 2025). Neben der Mentimeter-Umfrage unter den Lernenden zu Beginn des Workshops werden f&#252;r diesen Erfahrungsbericht Planungs- und Reflexionsgespr&#228;che mit Koordinatorinnen einbezogen, um deren institutionelle Perspektive zu ber&#252;cksichtigen. Die Workshop-Durchf&#252;hrung wird allerdings nur skizzenhaft beschrieben, wobei lediglich ein gemeinsam erstelltes Gedicht als Beispiel pr&#228;sentiert wird. Die abschlie&#223;ende Diskussion &#252;ber Potenziale und Herausforderungen des KI-Einsatzes st&#252;tzt sich ausschlie&#223;lich auf Fachliteratur. Gerade hier h&#228;tte der Beitrag durch konkrete Ankerbeispiele in Form von Zitaten oder Situationsbeschreibungen Einblicke in die tats&#228;chlichen Lernprozesse der Teilnehmerinnen erm&#246;glicht.</p>
<p><bold>Lea Schulz</bold> und <bold>Gesa Gunkel</bold> pr&#228;sentieren im Beitrag <italic>Der Einsatz generativer KI zur F&#246;rderung des Textverstehens im schulischen Fachunterricht</italic> eine explorative Pilotstudie zu Potenzialen generativer KI bei der Erschlie&#223;ung fachsprachlicher Texte durch f&#252;nf mehrsprachige Sch&#252;ler:innen mit Leseschwierigkeiten in sprachlich heterogenen, inklusiven Lernsettings. Die Studie liefert erste vielversprechende Impulse in reale Nutzungsmuster und zeigt differenziert, wie sprachliches Ausgangsniveau und Selbstwirksamkeit die KI-Nutzung beeinflussen k&#246;nnen. Kritisch zu betrachten sind jedoch eine sehr kleine Stichprobe und der kurze Erhebungszeitraum von zwei Unterrichtsstunden, die keine generalisierbaren Aussagen erlauben, was aber die Autorinnen selbst transparent benennen. Der Beitrag liefert erste wichtige Impulse zur nachhaltigen Integration von KI in sprachlich heterogenen Klassen.</p>
<p>Der bereits in der Einleitung erw&#228;hnte Beitrag <italic>Lernbooster oder Kreativit&#228;tskiller?</italic> von <bold>Zuzana M&#252;nch-Mankov&#225;, Michael Sailer</bold> und <bold>Amadeus J. Pickal</bold> pr&#228;sentiert Ergebnisse einer Befragung von 66 DaF/DaZ-Lehrkr&#228;ften aus verschiedenen L&#228;ndern und Lernkontexten zum KI-Einsatz im Sprachunterricht. Ziel der Befragung war herauszufinden, &#252;ber welche Erfahrungen mit KI die DaF/DaZ-Lehrkr&#228;fte verf&#252;gen und welche Chancen und Herausforderungen sie darin sehen. Die Ergebnisse verdeutlichen auch hier die Ambivalenz des KI-Einsatzes: Als Chancen werden Effizienzsteigerung und Personalisierung genannt, als Risiken Abh&#228;ngigkeit, Kreativit&#228;tsverlust und technische Limitierungen. Die Studie bietet wertvolle Praxiseinblicke, die exemplarisch in Form von Zitaten pr&#228;sentiert werden (187). Zugleich zeigt sich, dass auch Lehrkr&#228;fte die technischen M&#246;glichkeiten einzelner Ger&#228;te (z.B. Smartwatches) teilweise &#252;bersch&#228;tzen und dadurch Fehlannahmen &#252;ber deren Einsatzm&#246;glichkeiten verbreiten k&#246;nnen (ebd.).</p>
<p>Dass h&#246;here digitale Kompetenzen mit positiverer ChatGPT-Wahrnehmung korrelieren, stellt <bold>Irina Karmazina</bold> in ihrer Studie an der Universidad de Los Andes in Bogot&#225; fest. Der Beitrag <italic>ChatGPT im Sprachunterricht</italic> pr&#228;sentiert eine quantitative Erhebung zur Wahrnehmung von ChatGPT durch 37 Sprachlehrkr&#228;fte (Dezember 2023). Mittels eines 61-Item-Fragebogens wurden digitale Kompetenzen, ChatGPT-Kenntnisse, Nutzungserfahrungen, wahrgenommene Vorteile, Bedenken und Zukunftsperspektiven erfasst. Vier Hypothesen zum Zusammenhang zwischen digitalen Kompetenzen, Berufserfahrung und ChatGPT-Wahrnehmung konnten teilweise oder vollst&#228;ndig best&#228;tigt werden. Die Ergebnisse bieten eine wertvolle empirische Grundlage und sollen durch qualitative Anschlussstudien vertieft werden. Offen bleibt jedoch, warum etwa erfahrene Lehrkr&#228;fte kritischer gegen&#252;ber der KI-Integration sind als ihre weniger erfahrenen Kolleg:innen. In den Handlungsempfehlungen werden W&#252;nsche der Lehrkr&#228;fte nach klaren Regelungen zur KI-Nutzung und fundierten Weiterbildungsangeboten deutlich.</p>
<p><bold>Mark Reinhard</bold> liefert mit seinem Beitrag <italic>KI in der Erwachsenenbildung</italic> erste empirische Einblicke in das laufende Erasmus+-Projekt &#8222;AI in ADU&#8220; (Artifcial Intelligence in Adult Education and Self-Learning), das von der JGU Mainz koordiniert wird und sechs weitere europ&#228;ische Partner umfasst. Ziel ist die Erforschung und Implementierung KI-gest&#252;tzter Lernl&#246;sungen f&#252;r Erwachsene mit Fokus auf Sprachenlernen. Der Beitrag pr&#228;sentiert Ergebnisse einer Online-Umfrage mit 77 Teilnehmenden aus sechs L&#228;ndern sowie zehn Expert:inneninterviews aus Deutschland. Die Befunde zeigen l&#228;nderspezifische Unterschiede, mehrheitlich positive Effekte auf Produktivit&#228;t und Lernergebnisse sowie verbreitete ethische Bedenken. Die Interviews betonen die Notwendigkeit kritischen Denkens und ausgewogener KI-Integration. Darauf aufbauend sollen in den n&#228;chsten Projektphasen Leitf&#228;den f&#252;r Lehrkr&#228;fte und Selbstlernende entwickelt werden.</p>
<p>Die beiden abschlie&#223;enden Beitr&#228;ge des Bandes wechseln die Perspektive: Sie kl&#228;ren zentrale Begriffe und ordnen die KI-Diskussion auf einer Metaebene ein. Der Beitrag von <bold>Michael Bigos</bold> und <bold>G&#252;ls&#252;m G&#252;nay</bold> <italic>Generative KI als algorithmische Assistenzen</italic> behandelt die Integration generativer KI in Unterricht und Lehrkr&#228;ftebildung aus einer &#252;bergeordneten, strukturierenden Perspektive. Die Autor:innen systematisieren die komplexe KI-Debatte und gliedern die Diskussion in drei zentrale Ebenen: Lernen mit KI aus Lehrenden- und Lernendenperspektive, KI-Kompetenzen f&#252;r beide Gruppen und m&#246;gliche St&#246;rungen im Lernprozess durch KI. Positiv hervorzuheben ist die realistische Einsch&#228;tzung, dass Lehrkr&#228;fte nicht ersetzt, sondern durch Mensch-Maschine-Kooperationen (etwa bei Lernpfaderstellung, Vorkorrektur oder Materialdifferenzierung) in ver&#228;nderten Rollen unterst&#252;tzt werden, da nur etwa ein Viertel der Lehrt&#228;tigkeiten automatisierbar ist. In Bezug auf das Thema des Sammelbandes bleibt der Beitrag eher unspezifisch. Die konkreten DaF/DaZ-Bez&#252;ge beschr&#228;nken sich weitgehend auf allgemeine Aufz&#228;hlungen m&#246;glicher Einsatzfelder von KI wie Konversationspartner, Sprachmittler oder Korrekturhilfe.</p>
<p>Der Beitrag von <bold>Milica Sabo</bold> und <bold>Christian Beutenm&#252;ller</bold> <italic>Begriffskl&#228;rung: LLMs, KI, Maschinelles Lernen im Kontext von Lehren und Lernen von Fremdsprachen</italic> richtet sich prim&#228;r an Leser:innen ohne technische Vorkenntnisse und erf&#252;llt eine wichtige Funktion als Grundlagenvermittlung. Die DaF/DaZ-spezifischen Ausf&#252;hrungen bleiben auch hier knapp und verweisen lediglich auf externe Quellen (<xref ref-type="bibr" rid="B4">K&#246;bis 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B7">Wang et al. 2024</xref>). Irritierend erscheint die Platzierung am Schluss des Bandes: Inhaltlich sinnvoller w&#228;re eine Positionierung zu Beginn der Publikation, um allen folgenden Beitr&#228;gen ein gemeinsames terminologisches und konzeptuelles Fundament zu geben.</p>
<p>Die 15 Beitr&#228;ge des Sammelbandes machen deutlich, dass KI-Tools in der DaF/DaZ-Praxis l&#228;ngst angekommen sind, w&#228;hrend systematische Forschung und curriculare Verankerung erst in Ans&#228;tzen erkennbar werden. Die thematische Breite &#8211; von wissenschaftlichem Schreiben &#252;ber Lehrkr&#228;fteprofessionalisierung bis hin zu konkreten Unterrichtsszenarien &#8211; spiegelt die Vielfalt m&#246;glicher Einsatzfelder wider. Damit richtet sich der Band gleicherma&#223;en an Forschende und Studierende, die empirische Grundlagen suchen, wie an Lehrende in Schulen, Hochschulen und der Erwachsenenbildung, die unmittelbar einsetzbare Workshop- und Lernformate ben&#246;tigen.</p>
<p>Inhaltlich treten mehrere Spannungsfelder hervor, die den aktuellen Diskurs pr&#228;gen. Zentral ist die Frage, ob KI den Spracherwerb tats&#228;chlich f&#246;rdert. Sie zieht sich durch nahezu alle Beitr&#228;ge, ohne dass abschlie&#223;ende Antworten formuliert werden k&#246;nnen. Einigkeit besteht jedoch darin, dass KI ein substanzielles Potenzial zugesprochen wird. Ebenso wird auf gemeinsame Risiken hingewiesen, insbesondere die Gefahr einer wachsenden Abh&#228;ngigkeit von KI, m&#246;gliche Einschr&#228;nkungen der eigenen Kreativit&#228;t sowie technische Limitierungen der Systeme. Zugleich wird deutlich, dass der Einsatz von KI didaktisch vermittelt, kritisch reflektiert und professionell begleitet werden muss (vgl. die Beitr&#228;ge von Grein; Herrmann; Heitmann; Hilker). Entsprechend r&#252;ckt der Bedarf an Weiterbildungsformaten f&#252;r DaF/DaZ-Lehrkr&#228;fte in den Fokus, ebenso wie der Wunsch nach klaren didaktischen Leitlinien und Best-Practice-Beispielen (vgl. Heitmann; Karmazina).</p>
<p>Zugleich zeigt der Sammelband, wie explorativ das Feld derzeit noch arbeitet. Einige Beitr&#228;ge pr&#228;sentieren erste Erprobungen (Herrmann; Schulz/Gunkel), Evaluationen von Pilotprojekten (Hartmann/M&#246;ller; G&#252;nay/Bigos) oder konzeptionelle &#220;berlegungen (Mikheeva; Sieradz), h&#228;ufig auf Basis kleiner Stichproben und mit begrenzter methodischer Tiefe. Diese Limitationen sind jedoch nicht als Schw&#228;che zu verstehen, zumal sie von den Autor:innen selbst reflektiert werden, sondern als Ausdruck einer fr&#252;hen Entwicklungsphase des Forschungsfeldes. Genau darin liegt der besondere Wert der Publikation: Sie dokumentiert den Status quo der KI-Integration im Bereich DaF/DaZ und schafft, wie die Herausgeberinnen im Vorwort betonen, trotz der rasanten technologischen Entwicklungen einen wichtigen Referenzpunkt f&#252;r die Community (9). In einem Feld, in dem nahezu &#252;berall experimentiert wird, verhindert ein solcher Sammelband, dass jede:r &#8222;von vorn beginnt&#8220;. Die Erfahrungsberichte, Bedarfsanalysen und Praxisbeispiele bilden vielmehr eine unverzichtbare Basis f&#252;r die Planung systematischer empirischer Studien und markieren damit einen Ausgangspunkt f&#252;r die weitere Professionalisierung des Diskurses.</p>
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