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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Sprachliche Handlungen in Physik: Kritische Analyse von Lehrplanvorgaben und Schulbuchleseaufgaben</article-title>
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<contrib-id contrib-id-type="orcid">https://orcid.org/0009-0000-6662-958X</contrib-id>
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<surname>Knapp</surname>
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<email>iris.knapp@phst.at</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Sprachsensibler Fachunterricht im Kontext von Mehrsprachigkeit, University of Teacher Education Styria</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2026-03-02">
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<abstract>
<p>Der Artikel analysiert die sprachlichen Anforderungen des &#246;sterreichischen Physik-Lehrplans der 6. Schulstufe und deren Umsetzung in den vier am h&#228;ufigsten verwendeten Schulb&#252;chern an Mittelschulen des Schuljahres 2023/24. Untersucht werden sprachliche Operatoren im Lehrplan sowie Textkomplexit&#228;t und Aufgabenstellungen in Leseaufgaben der Schulb&#252;cher. Die h&#228;ufigsten geforderten Handlungen sind &#8218;Beschreiben&#8216; und &#8218;Erkl&#228;ren&#8216;, viele Operatoren werden jedoch nur einmal genannt. Es zeigen sich Unterschiede in der Eignung der Lehrwerke, insbesondere hinsichtlich der Anpassung an die Lesekompetenz der Sch&#252;ler*innen. Sprachliche Reproduktion wird kaum ber&#252;cksichtigt und bleibt weitgehend Aufgabe der Lehrkr&#228;fte.</p>
</abstract>
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<p><bold>Linguistic Objectives in Physics: A Critical Analysis of Curriculum Requirements and Textbook Reading Tasks</bold></p>
<p>This article analyses the linguistic objectives outlined in the Austrian physics curriculum for 6th grade and their implementation in four widely used textbooks in middle schools during the 2023/24 school year. It examines the linguistic objectives in the curriculum, as well as the text complexity and task formulations in reading exercises found in these textbooks. The most frequently required actions are &#8216;describing&#8217; and &#8216;explaining&#8217;, although many objectives are mentioned only once. The textbooks vary in their suitability, particularly regarding alignment with students&#8217; reading proficiency. Linguistic reproduction is largely neglected, placing the responsibility for its implementation primarily on teachers.</p>
</trans-abstract>
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<kwd>Lehrplan</kwd>
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<kwd>Schulbuch</kwd>
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<title>1 Einleitung</title>
<p>&#8222;Als wesentlicher Faktor f&#252;r den Bildungserfolg wird mit wenigen Ausnahmen das ausreichende Verstehen der Unterrichtssprache Deutsch betrachtet&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Bundesministerium f&#252;r Bildung, Wissenschaft und Forschung [BMBWF] 2021: 176</xref>). Auch Boeckmann (<xref ref-type="bibr" rid="B14">2022: 31</xref>) schlussfolgert, dass sprachliche Entwicklung und Schulerfolg eng zusammenh&#228;ngen. Geht man davon aus, dass die Unterrichtssprache nicht nur m&#252;ndlich, sondern auch schriftlich in Form von Schulbuchsachtexten stattfindet, bedeutet das, dass das Verstehen von Schulbuchtexten ein wesentlicher Faktor f&#252;r das Gelingen von Bildungslaufbahnen ist. Die j&#252;ngsten Ergebnisse der PISA-Studie deuten jedoch darauf hin, dass die Lesekompetenz von 15-j&#228;hrigen Sch&#252;ler*innen in &#214;sterreich im internationalen Vergleich teilweise Defizite aufweist. Im Rahmen der Studie erzielten 17 L&#228;nder h&#246;here Durchschnittswerte als &#214;sterreich. (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B56">Toferer et al. 2023: 47</xref>). Viele Sch&#252;ler*innen bringen au&#223;erdem unterschiedliche Erstsprachen mit, was ein gro&#223;es Potenzial f&#252;r kognitive, soziale und interkulturelle Kompetenzen birgt. Bildungssysteme sollten diese Mehrsprachigkeit nicht als Defizit, sondern als St&#228;rke begreifen. Umso wichtiger ist es daher, allen Sch&#252;ler*innen, unabh&#228;ngig von ihrer sprachlichen Herkunft, durch sprachlich unterst&#252;tzenden Unterricht und verst&#228;ndliche Schulbuchtexte chancengleichen Zugang zu Bildung zu erm&#246;glichen. Insbesondere naturwissenschaftliche Schulb&#252;cher sind sprachlich oft sehr komplex bis zu komplex, da sie haupts&#228;chlich die bildungs- und fachsprachlichen Register von Sprache gebrauchen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Kruawong/Phoocharoensil 2024: 277</xref>).</p>
<p>Der aktuell g&#252;ltige Lehrplan &#214;sterreichs von 2023 f&#252;hrt &#8222;Sprachliche Bildung und Lesen&#8220; als &#252;bergreifendes Bildungsziel auf. Als allgemein didaktischer Grundsatz gilt, dass &#8222;sprachsensibler Fachunterricht in allen Unterrichtsgegenst&#228;nden stattfindet&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Rechtsinformationssystem des Bundes [RIS] 2023: 6</xref>). Dies impliziert, dass sprachliche Bildung und Lesef&#246;rderung integrativ in s&#228;mtlichen F&#228;chern erfolgen sollen, wobei sprachsensible Methoden zur Anwendung kommen. Dabei ist nicht gemeint, dass in jedem Fach explizit Grammatikunterricht angeboten oder t&#228;glich feste Lesezeiten vorgesehen werden m&#252;ssen. Vielmehr geht es darum, dass z.B. in einem Physikunterricht ein fachbezogener Text gemeinsam gelesen wird, der sprachlich so aufbereitet ist, dass die Sprache keine Barriere f&#252;r das fachliche Lernen darstellt. Auf diese Weise steht das inhaltliche Lernen im Vordergrund, w&#228;hrend gleichzeitig die Lesekompetenz der Sch&#252;ler*innen implizit gef&#246;rdert wird.</p>
<p>Schulb&#252;cher m&#252;ssen, um f&#252;r Schulen empfohlen zu werden, dem Lehrplan entsprechen und sind somit eine potenzielle Repr&#228;sentation des Lehrplans (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B57">T&#246;rnroos 2005: 317</xref>). Jedoch zeigen unterschiedlichste Studien, dass es l&#228;ngere Zeit dauern kann, bis die Vorgaben des Lehrplans korrekt in Schulb&#252;chern umgesetzt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Andersen 2019: 504</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Andersson-Bakken/Jegstad/Bakken 2020: 1333</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Garrecht/Czinczel/Kretschmann/Reiss 2023: 1776</xref>). Au&#223;erdem weist Seifert (<xref ref-type="bibr" rid="B51">2021: 383</xref>) darauf hin, dass Schulb&#252;cher bez&#252;glich ihrer Textinhalte, Textkomplexit&#228;t und Lernziele, insbesondere bei Leseaufgaben, kritisch analysiert werden sollten. Zudem variieren die Schwierigkeitsgrade von Lehrb&#252;chern in einem bestimmten Schulfach je nach Autor*innen, wodurch den Sch&#252;ler*innen unterschiedliche Lernangebote gesetzt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B27">Haggarty/Pepin 2002: 574&#8211;582</xref>). Dies wirkt sich folglich unmittelbar auf ihre Lernleistungen aus.</p>
<p>In Anbetracht dieser Aspekte stellt sich die Frage, inwiefern sich die sprachsensiblen Vorgaben des aktuellen &#246;sterreichischen Lehrplans von 2023 in den nach diesem Lehrplan gestalteten Physikschulb&#252;chern widerspiegeln. Dabei geht es insbesondere um die im Unterricht eingesetzten Methoden und die sprachlichen Inhalte. Von besonderem Interesse ist, wie gut diese B&#252;cher f&#252;r eine sprachlich vielf&#228;ltige Sch&#252;ler*innenschaft zug&#228;nglich sind und damit zur F&#246;rderung von Bildungsgerechtigkeit beitragen k&#246;nnen. Dieser Frage wird in dem vorliegenden Artikel im Zusammenhang mit Schulb&#252;chern der 6. Schulstufe (Sekundarstufe I) nachgegangen, wobei insbesondere sprachliche Operatoren bei Leseaufgaben in den Blick genommen werden.</p>
<sec>
<title>1.1 Sprache in Physikschulb&#252;chern</title>
<p>In den akademischen Kreisen der Naturwissenschaftsdidaktik ist man sich mittlerweile einig, dass das Fachlernen eng mit der Sprachkompetenz der Unterrichtssprache verbunden ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bergh Nestlog/Danielsson/Jeppsson 2024: 1</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B54">Tajmel/H&#228;gi-Mead 2017</xref>). Aus diesem Grund fordern viele Autor*innen seit einiger Zeit, dass Sprachf&#246;rderung einen bewussteren Teil in naturwissenschaftlichem Unterricht wie Physik einnehmen sollte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Ernst-Slavit/Pratt 2017: 2</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B29">Hodgson-Drysdale 2014: 54&#8211;55</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B48">Schleppegrell 2007: 147</xref>). In der Theorie wurde dies in &#214;sterreich mit den Lehrplan&#228;nderungen 2023 (<xref ref-type="bibr" rid="B45">RIS 2023</xref>) gefordert und somit umgesetzt. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Sprachkomplexit&#228;t der Sachtexte in den Naturwissenschaften, also auch besonders in Physikschulb&#252;chern, nicht einfacher wird und Sch&#252;ler*innen weiterhin Schwierigkeiten haben, Sachtexte zu verstehen und die darin gelesenen Informationen auch zu verarbeiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Best/Rowe/Ozuru/McNamara 2005: 71</xref>). Green (<xref ref-type="bibr" rid="B26">2019: 8</xref>) fand heraus, dass Sachtexte im Vergleich zu literarischen Texten und auch Texten in Sprachschulb&#252;chern, wie Englisch, strukturell durchschnittlich komplexer geschrieben sind. Diese Komplexit&#228;t setzt sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen. Auf der Wortebene k&#246;nnen seltene und komplexe W&#246;rter das Textverst&#228;ndnis erschweren, da sie schwieriger zu verstehen und oft nicht aus dem Kontext ableitbar sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">McNamara/Graesser/Louwerse 2012: 111</xref>). Im Deutschen gilt dies jedoch nur eingeschr&#228;nkt, da die Sprache viele beschreibende Komposita verwendet, die das Erschlie&#223;en der Bedeutung erleichtern. Dennoch sind Komposita ein Indiz f&#252;r Bildungssprache, da viele Komposita auch sehr abstrakt und nicht beschreibend sind, wie zum Beispiel &#8218;Leitungsaufnahme&#8216; und &#8218;Strahlungsintensit&#228;t&#8216; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Ahrenholz 2017: 12</xref>). Auch auf der Satzebene sind die S&#228;tze l&#228;nger und mit komplexeren Satzstrukturen, wie z.B. Passivkonstruktionen, versehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Biber/Gray 2010: 17</xref>). Aber auch auf der Textebene sind Faktoren f&#252;r die erh&#246;hte Komplexit&#228;t von Sachtexten im Vergleich zu literarischen Texten zu finden. Sachtexte haben eine hohe Informationsdichte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Best/Floyd/Mcnamara 2008: 140</xref>), aufgrund von Nominalisierungen, Passivkonstruktionen, aber auch der extremen Information, die viele Fachbegriffe tragen, welche aus dem Kontext nicht erschlie&#223;bar sind. In dem folgenden Beispiel ist dies gut ersichtlich: <italic>Die Temperaturerh&#246;hung des K&#246;rpers wird durch die Energie&#252;bertragung infolge der W&#228;rmeleitung verursacht</italic>. Fr&#252;here Studien zeigen, dass deutschsprachige Sch&#252;ler*innen besonders in naturwissenschaftlichen F&#228;chern bei Sachtexten Schwierigkeiten mit Textverst&#228;ndnis haben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Beerenwinkel/Gr&#228;sel 2005: 23</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>1.2 Sprachliche Operatoren</title>
<p>Die Bew&#228;ltigung von Aufgaben im Unterricht l&#228;sst sich anhand von Verben und Funktionsverbgef&#252;gen erfassen, die die Lernenden zu einer sprachlichen Handlung auffordern. Diese werden im Folgenden als sprachliche Operatoren bezeichnet und bestimmen die Art der Handlung sowie die Komplexit&#228;t ihrer Umsetzung durch die Sch&#252;ler*innen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B44">Rathmann 2021: 41</xref>).</p>
<p>Beispiele f&#252;r sprachliche Operatoren sind &#8218;Zusammenfassen&#8216;, &#8218;Erkl&#228;ren&#8216; oder &#8218;Begr&#252;nden&#8216; (<xref ref-type="bibr" rid="B54">Tajmel/H&#228;gi-Mead 2017: 56</xref>). In der Literatur werden sie in der Regel drei Anforderungsbereichen zugeteilt:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Anforderungsbereich I <italic>Reproduktion</italic> (z.B. &#8218;Zusammenfassen&#8216; und &#8218;Nennen&#8216;)</p></list-item>
<list-item><p>Anforderungsbereich II <italic>Reorganisation und Transfer</italic> (z.B. &#8218;Erkl&#228;ren&#8216;) und</p></list-item>
<list-item><p>Anforderungsbereich III <italic>Reflexion und Probleml&#246;sun</italic>g (z.B. &#8218;Begr&#252;nden&#8216; und &#8218;Umschreiben&#8216;) (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Feilke/Rezat 2019: 10</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B1">Abraham/Saxalber 2016: 3</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B36">K&#252;hberger 2011: 1</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B47">Reitbrecht/Sorger 2018: 3</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Feilke und Rezat (<xref ref-type="bibr" rid="B22">2019: 10</xref>) beschreiben, dass die drei Anforderungsbereiche der Operatoren in einem hierarchischen System angeordnet sind. Dabei handelt es sich ihnen zufolge bei den <italic>Reproduktionsleistungen</italic>, also im Anforderungsbereich I, um grundlegende Handlungen, die vor allem auf das Wiedergeben von Informationen aus Texten abzielen. In diesem Bereich sind die einfacheren Operatoren, aufgrund des hierarchischen Systems, wie &#8218;beschreiben&#8216; und &#8218;wiedergeben&#8216; zu erkennen. Im Anforderungsbereich II, also bei den <italic>Reorganisations- und Transferleistungen</italic>, werden tiefergehende Auseinandersetzungen mit den Texten gefordert, bei denen die Sch&#252;ler*innen Informationen analysieren, erkl&#228;ren oder vergleichen m&#252;ssen. Deshalb sind hier komplexere Operatoren wie &#8218;analysieren&#8216; und &#8218;erkl&#228;ren&#8216; angesiedelt, die die F&#228;higkeit zur Umstrukturierung und tiefenverst&#228;ndlichen Reflexion von Inhalten erfordern. Der Anforderungsbereich III, welcher <italic>Reflexions- und Probleml&#246;sekompetenzen</italic> f&#246;rdert, ist der h&#246;chste Anforderungsbereich. Er fordert kritisches Denken und die F&#228;higkeit zur Bewertung von Informationen. Operatoren wie &#8218;diskutieren&#8216;,&#8218;er&#246;rtern&#8216;oder &#8218;kritisch Stellung nehmen&#8216; fallen in diesen Bereich, da sie umfangreiche analytische und argumentierende F&#228;higkeiten erfordern. Wenn man Sprachhandlungen bzw. sprachliche Operatoren in dem hierarchischen System denkt, wie es Feilke und Rezat (<xref ref-type="bibr" rid="B22">2019: 10</xref>) beschreiben, und dieses auf den Unterricht &#252;bertr&#228;gt, zeigt sich, dass viele Aufgabenstellungen f&#252;r Sch&#252;ler*innen sprachlich zu komplex sein k&#246;nnen. Das liegt daran, dass sie die sprachlichen Kompetenzen der unteren Anforderungsbereiche (I und II), die z.B. f&#252;r eine Umschreibung oder Begr&#252;ndung notwendig sind (beide geh&#246;ren zum Anforderungsbereich III), noch nicht ausreichend beherrschen, um diese Aufgaben sprachlich angemessen umzusetzen.</p>
<p>Es gibt unterschiedlichste Listen und Zuteilungen der sprachlichen Operatoren zu den Anforderungsbereichen, von Verlagen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Klett Verlag 2025</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B58">Veritas Verlag 2025</xref>), Webseiten zu Unterricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B52">studyflix 2025</xref>) und Ministerien oder Schulen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Abraham/Saxalber 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B16">Bundesrealgymnasium Wien [BRG] 14 2025</xref>). Diese unterscheiden sich teilweise in der Auswahl, welche Operatoren genannt werden, stimmen jedoch &#252;berein, wenn gleiche Operatoren erw&#228;hnt werden. Zum Beispiel wird der Operator &#8218;Erkl&#228;ren&#8216; in allen dieser Listen dem Anforderungsbereich II <italic>Reorganisation und Transfer</italic> zugeteilt. Manche Listen enthalten jedoch mehr Operatoren als andere. Verschiedene Studien (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Andersen 2019: 500</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Andersson-Bakken et al. 2020: 1329&#8211;1330</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Garrecht et al. 2023: 1776&#8211;1778</xref>) zeigen, dass im Unterricht vorwiegend der Anforderungsbereich I <italic>Reproduktion</italic> gefordert und somit auch gef&#246;rdert wird. Sie deuten auch darauf hin, dass der Anforderungsbereich III <italic>Reflexion und Probleml&#246;sun</italic>g am wenigsten gef&#246;rdert wird. Sprachliche Operatoren finden seit der Einf&#252;hrung der zentralen Reife- und Diplompr&#252;fung in &#214;sterreich im Schuljahr 2015/2016 (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Abraham/Saxalber 2016</xref>) und seit der zunehmenden Umsetzung von sprachsensiblen Methoden im deutschsprachigen Bereich des naturwissenschaftlichen Unterrichts vermehrt Verwendung in Unterrichts- und Testsituationen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B54">Tajmel/H&#228;gi-Mead 2017</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>1.3 Sprachliche Operatoren im Kontext von Aufgabenstellungen</title>
<p>Die Umsetzung von sprachlichen Operatoren birgt eine gewisse Komplexit&#228;t in sich und setzt ein spezielles Vorwissen der Sch&#252;ler*innen voraus. Zanker und Hartmann (<xref ref-type="bibr" rid="B63">2024: 168&#8211;171</xref>) zeigten, dass es keineswegs selbstverst&#228;ndlich ist, dass Sch&#252;ler*innen die komplexen Sprachhandlungen, die hinter der Verwendung von Operatoren stehen, erfolgreich umsetzen k&#246;nnen. Sie stellen die Hypothese auf, dass sich ihre Befunde aus der Grundschule auch in der Sekundarstufe widerspiegeln k&#246;nnten, da die Anforderungen an die sprachliche und kognitive Verarbeitung durch zunehmend komplexere Operatoren mit fortschreitendem Bildungsniveau steigen. Nimmt man den sprachlichen Operator &#8218;Beschreiben&#8216; als Beispiel, zeigt sich schnell, dass eine Beschreibung sehr viele unterschiedliche Komponenten einbezieht, die jedoch nicht immer relevant sind. Es gibt beispielsweise einen wesentlichen Unterschied zwischen einer Personenbeschreibung im Bereich der Geisteswissenschaften und einer Versuchsbeschreibung in den Naturwissenschaften. W&#228;hrend eine Personenbeschreibung einen Zustand beschreibt, werden viele anschauliche Attribute und Pr&#228;dikationen verwendet, um die Leser*innen in den Text einzubeziehen und ein mentales Bild zu erzeugen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Ossner 2020: 252&#8211;256</xref>). Eine Versuchsbeschreibung hingegen beschreibt einen Ablauf. Hier sollten nur die f&#252;r das Verst&#228;ndnis wesentlichen Informationen zum Vorgang genannt werden, weshalb kurze und pr&#228;gnante Formulierungen wesentlich sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Krabbe 2015: 158</xref>).</p>
<p>Schleppegrell (<xref ref-type="bibr" rid="B49">2020: 19, 22</xref>) f&#252;hrt in Zusammenhang mit dem oben beschriebenen Unterschied aus, dass die Umsetzung von Sprachhandlungen von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, darunter (a) das soziale Ziel, das das Genre des Textes bestimmt, (b) der Situationskontext, der das Register der Sprache bestimmt, sowie (c) die disziplin&#228;ren Praktiken in den Fachbereichen, die die Sprachstrukturen beeinflussen. Soll also der sprachliche Operator &#8218;Beschreiben&#8216; ohne eine genauere Konkretisierung der Aufgabenstellung umgesetzt werden, sind die Sch&#252;ler*innen vor das Problem gestellt, den sprachlichen Kontext der Aufgabenstellung bez&#252;glich Textsorte und geforderter Sprachstrukturen selbst herausfinden oder bereits wissen zu m&#252;ssen. Idealerweise wird dies im Rahmen des Fachunterrichts systematisch vermittelt.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>2 Zielsetzung und Fragestellung</title>
<p>Um genaueren Einblick zu bekommen, wie der Einsatz von sprachlichen Handlungen im Lehrplan vorgegeben und in Schulb&#252;chern, durch die Verwendung von Operatoren, umgesetzt wird, wird eine zweiteilige Analyse vorgenommen, um im &#246;sterreichischen Kontext zu beleuchten, wieviel spezifische Unterst&#252;tzung Schulb&#252;cher Lehrenden bieten, um die Anforderungen des Lehrplans hinsichtlich sprachsensiblen Unterrichtens umzusetzen und Lernunterst&#252;tzung f&#252;r Sch&#252;ler*innen zu bieten.</p>
<p>Der erste Teil der Analyse widmet sich dem Lehrplan im Pflichtfach Physik f&#252;r die Sekundarstufe I. Hierbei wird analysiert, welche Sprachanforderungen der neue, seit 2023 g&#252;ltige Lehrplan in Form von sprachlichen Operatoren an Lernende stellt und in welcher H&#228;ufigkeit sich diese auf die drei Anforderungsbereiche der Operatoren verteilen.</p>
<p>Im zweiten Teil der Analyse wird untersucht, ob Leseaufgaben in Physikschulb&#252;chern die Forderungen des Lehrplans umsetzen.</p>
<p>Dabei wird den Fragen nachgegangen, inwiefern die Texte in Physikb&#252;chern der 6. Schulstufe in ihrer Schwierigkeit f&#252;r die Zielgruppe angemessen sind, welche Rolle sprachliche Operatoren bei den Aufgabenstellungen einnehmen und inwiefern diese Rolle mit den Anforderungen des Lehrplans &#252;bereinstimmt.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Methode</title>
<sec>
<title>3.1 Lehrplananalyse</title>
<p>Zum einen wurde der &#246;sterreichische Lehrplan hinsichtlich der sprachlichen Handlungen, die die Sch&#252;ler*innen umsetzen sollen, analysiert. Analyseeinheiten sind jene Teile des &#246;sterreichischen Lehrplans 2023 (<xref ref-type="bibr" rid="B45">RIS 2023</xref>), die sich auf das Pflichtfach Physik beziehen: der erste Teil im Lehrplan (Allgemeines Bildungsziel), der zweite Teil (Kompetenzorientierung), der dritte Teil (Allgemeine didaktische Grunds&#228;tze), im vierten Teil die &#252;bergreifenden Themen 1, 2, 4, 8, 10, 11, 12 und 13<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> und im achten Teil des Lehrplans der Abschnitt &#8222;Physik&#8220; unter den Pflichtgegenst&#228;nden.</p>
<p>In der Analyse wurden alle sprachlichen Handlungen herausgefiltert, die explizit genannt werden und darauf abzielen, dass Sch&#252;ler*innen in der Lage sein sollen, sie umzusetzen oder sie zu beherrschen. Dabei wurden im Beispielsatz &#8222;Die Sch&#252;ler*innen k&#246;nnen &#8211; Vorg&#228;nge und Ph&#228;nomene in Natur, Alltag und Technik beschreiben und benennen.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B45">RIS 2023: 89</xref>) die Operatoren &#8218;Beschreiben&#8216; und &#8218;Benennen&#8216; verbunden mit den dazugeh&#246;rigen Anwendungsbereichen &#8222;Vorg&#228;nge und Ph&#228;nomene&#8221; herausgefiltert. Diese methodische Vorgehensweise st&#252;tzt sich auf Tajmels (2011) Lehrplananalyse. Abschlie&#223;end wurde die Frequenz, mit der die jeweiligen sprachlichen Operatoren angefordert wurden, analysiert. Es wurde auch erhoben, in welcher H&#228;ufigkeit die Operatoren in den Anforderungsbereichen gefordert werden.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Schulbuchanalyse</title>
<p>Zum anderen wurden vier der f&#252;nf im Schuljahr 2023/24 f&#252;r die 6. Schulstufe am h&#228;ufigsten gew&#228;hlten Physikschulb&#252;cher<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> in der Steiermark untersucht, die im Jahr 2024 ver&#246;ffentlicht und soweit &#252;berarbeitet wurden, dass sie bereits auf den neuen Lehrplan verweisen (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Blauensteiner/Margl/Micko 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B19">Duenbostl/Mathelitsch/Matouschek/Oudin/Wald&#246;r 2024a</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B20">Duenbostl et al. 2024b</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B37">Lanker/Mayrhofer-Reithuber 2024a</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Lanker/Mayrhofer-Reithuber 2024b</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B40">Ma&#353;in/Grois/Glaeser 2024a</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Ma&#353;in et al. 2024b</xref>). Das f&#252;nfte der Schulb&#252;cher wurde nicht f&#252;r den neuen Lehrplan approbiert, weshalb es aus der Analyse ausgeschlossen wurde. Um die Darstellung der Ergebnisse zu vereinfachen, die Lesbarkeit des Artikels zu verbessern, eine unvoreingenommene Diskussion der Ergebnisse zu erm&#246;glichen und die Fokussierung auf inhaltliche Aspekte der Analyse zu gew&#228;hrleisten, wurden den Schulb&#252;chern anonymisierte Bezeichnungen zugeordnet:&#8218;Schulbuch 1&#8216;, &#8218;Schulbuch 2&#8216;, &#8218;Schulbuch 3&#8216; und &#8218;Schulbuch 4&#8216;.</p>
<p>Schulbuchanalysen sind eine g&#228;ngige Methode, um Unterrichtsmaterialien zu analysieren und zu untersuchen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B60">Voj&#237;&#345;/Rusek 2019: 1497</xref>), nicht allzu oft jedoch werden die einzelnen Aufgabenstellungen direkt untersucht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B60">Voj&#237;&#345;/Rusek 2019: 1500</xref>). Wie bereits erw&#228;hnt m&#252;ssen Schulb&#252;cher dem Lehrplan entsprechend angepasst werden, was Studien zufolge einige Jahre dauern kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Andersen 2019: 504</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Andersson-Bakken et al. 2020: 1333</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Garrecht et al. 2023: 1776</xref>) es ist an dieser Stelle somit angebracht zu untersuchen, ob die jetzige &#220;berarbeitung und Anpassung der Schulb&#252;cher eine ad&#228;quate Repr&#228;sentation des Lehrplans verk&#246;rpern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B57">T&#246;rnroos 2005: 317</xref>).</p>
<p>Im vorliegenden Beitrag wurden Leseaufgaben und ihre zugeh&#246;rigen Anweisungen hinsichtlich der Textkomplexit&#228;t und der verwendeten sprachlichen Operatoren analysiert. Als Leseaufgaben wurden Hattendorf, Schulz und Bittins (<xref ref-type="bibr" rid="B28">2013: 53</xref>) folgend jene Aufgabenstellungen bestimmt, die Sch&#252;ler*innen dazu anregen und motivieren sollten, Texte nicht nur zu lesen, sondern auch intensiv zu erarbeiten und sich eingehend damit auseinanderzusetzen. Ein Beispiel daf&#252;r ist in <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref> gegeben.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Leseaufgabenstellung in <italic>Impuls Physik 2</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Blauensteiner et al. 2024: 27</xref>)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4304_knapp-g1.png"/>
</fig>
<p>Um definieren zu k&#246;nnen, was ein Text ist, wurden die Charakteristika thematische Orientierung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Rei&#223; 1976</xref>), Intentionalit&#228;t (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B50">Schmidt 1977: 155</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B59">Viehweger 1977: 107</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B61">Werlich 1975: 17</xref>), Koh&#228;renz (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Rei&#223; 1976: 14</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B61">Werlich 1975: 17</xref>) und Abgeschlossenheit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Rei&#223; 1976: 14</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B50">Schmidt 1977: 155</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B61">Werlich 1975: 17</xref>) herangezogen.</p>
<p>Thematische Orientierung und Intentionalit&#228;t waren bereits aufgrund der Stichprobe (Lehrwerke des Pflichtfaches Physik) gegeben. Um Koh&#228;renz und Abgeschlossenheit zu garantieren, wurden Texte als Texte gewertet, sobald mindestens zwei abgeschlossene S&#228;tze koh&#228;rent aufeinander folgten. F&#252;r die Analyse der sprachlichen Textkomplexit&#228;t wurde das <italic>Regensburger Analysetool f&#252;r Texte</italic> (RATTE: <xref ref-type="bibr" rid="B62">Wild/Pissarek o. J.</xref>) verwendet. Dieses Tool bewertet einen Text auf einer quantitativen Einsch&#228;tzung mithilfe mehrerer Formeln inklusive des Lesbarkeitsindex (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Anderson 1981</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B6">Bamberger 2006: 260&#8211;261</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B7">Bamberger/Vanecek 1984: 62&#8211;63</xref>), des Flesch-Index (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Flesch 1979: 20&#8211;33</xref>) und der Vierten Wiener Sachtextformel (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Bamberger 2006: 260</xref>), wodurch eine gute Einsch&#228;tzung der Lesbarkeit entsprechend verschiedener Parameter (u.a. L&#228;nge der S&#228;tze, Anzahl der Buchstaben oder Silben im Wort) gegeben ist. Das Onlinetool RATTE bewertet, ob die Komplexit&#228;t der Texte im Lehrbuch an das Leseverst&#228;ndnis der Sch&#252;ler*innen in der 6. Schulstufe angepasst ist. Der Autorin ist bewusst, dass die Textqualit&#228;t in dieser Analyse nicht ber&#252;cksichtigt wird, jedoch basiert das verwendete Tool auf Algorithmen, die auch von Cruz Neri et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B18">2025</xref>) in ihrer Studie genutzt wurden, weshalb hier eine quantitative Herangehensweise gew&#228;hlt wurde. Das f&#252;r die Analyse verwendete Kategoriensystem wurde im Rahmen einer mehrstufigen Pilotierung erstellt und erprobt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Knapp 2024</xref>). Die einzelnen Leseaufgaben in den jeweiligen Lehrwerken wurden als Analyseeinheiten der Schulbuchanalyse herangezogen.</p>
<p>Die jeweils ersten 20 Aufgabenstellungen (<italic>N</italic> = 80) der untersuchten Schulb&#252;cher wurden von der Autorin im Abstand von jeweils zwei Wochen mithilfe des Kodierungsmanuals kodiert, um die Intrakoderreliabilit&#228;t bei der Kodierung zu bestimmen. Aufgrund der gro&#223;en Menge an Nominalskalen wurde hierf&#252;r Cohen&#8217;s Kappa= 0,95 ausgerechnet, was als &#8218;sehr gute&#8216; &#220;bereinstimmung gilt. Hierbei wurde sich f&#252;r eine Intrakoderreliabelit&#228;t entschieden, da es sich um quantitative Daten handelt, die keine subjektiven Einsch&#228;tzungen der Koder, sondern lediglich nominale, ordinale oder metrische Zuordnungen verlangen, welche objektiv getroffen werden k&#246;nnen.</p>
<p>Zuerst wurden alle Analyseeinheiten, also Leseaufgaben, analysiert. Das Kategoriensystem der Schulbuchanalyse erhob die folgenden Informationen.</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Zuerst wurden die Texte sowohl auf ihre <italic>Wort- und Satzanzahl</italic></p></list-item>
<list-item><p>als auch auf ihre <italic>Texteignung f&#252;r die 6. Schulstufe</italic> analysiert. Die Texteignung wurde hierbei mit RATTE (<xref ref-type="bibr" rid="B62">Wild/Pissarek o. J.</xref>) durchgef&#252;hrt.</p></list-item>
<list-item><p>Anschlie&#223;end wurde die <italic>Aufgabenstellung bez&#252;glich ihrer Handlungsaufforderung</italic> bzw. dem verwendeten Operator analysiert. Dabei wurde herausgefiltert,</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>(a) ob der jeweilige Operator <italic>explizit oder implizit</italic> genannt wird,</p></list-item>
<list-item><p>(b) ob es sich dabei um einen <italic>sprachlichen Operator handelt oder nicht</italic> und</p></list-item>
<list-item><p>(c) in <italic>welchen Anforderungsbereich</italic> die Operatoren, die eine Sprachhandlung fordern, fallen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Abraham/Saxalber 2016: 3</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B47">Reitbrecht/Sorger 2018: 3</xref>).</p></list-item>
</list></list-item>
</list>
<p>Nachdem alle Analyseeinheiten untersucht wurden, wurde das Lehrwerk &#252;bergreifend analysiert.</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Dabei wurden alle Texte und Aufgabenstellungen im Schulbuch gez&#228;hlt, um zu erheben, <italic>wie viele Texte von einer Leseaufgabe unterst&#252;tzt</italic> werden.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref></p></list-item>
<list-item><p>Au&#223;erdem wurde eine <italic>deskriptive Statistik f&#252;r die Wort- und Satzanzahl</italic> bei Texten, die von einer Leseaufgabe begleitet wurden, berechnet.</p></list-item>
<list-item><p>Danach wurde sowohl f&#252;r die <italic>Texteignung</italic>,</p></list-item>
<list-item><p>die <italic>Aufteilung in Sprachhandlungen und andere Handlungen</italic> bei Aufgabenstellungen und</p></list-item>
<list-item><p>den <italic>Anforderungsbereichen der Operatoren</italic> bei Aufgabenstellungen eine deskriptive Statistik erstellt.</p></list-item>
<list-item><p>Zum Schluss wurde noch erhoben, welche <italic>drei sprachlichen Operatoren am h&#228;ufigsten</italic> bei den Leseaufgaben des jeweiligen Schulbuches <italic>verlangt werden</italic>.</p></list-item>
</list>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Ergebnisse</title>
<sec>
<title>4.1 Ergebnisse der Lehrplananalyse</title>
<p>Im Rahmen der Lehrplananalyse konnten insgesamt 27 unterschiedliche Operatoren identifiziert werden. Die am h&#228;ufigsten vorkommenden Operatoren sind dabei &#8218;Beschreiben&#8216; (<italic>N</italic> = 20), &#8218;Erkl&#228;ren&#8216; (<italic>N</italic> = 13) und &#8218;Begr&#252;nden&#8216; (<italic>N</italic> = 10). Weitere Beispiele sind: &#8218;Argumentieren&#8216;, &#8218;Begr&#252;nden&#8216;, &#8218;Benennen&#8216;, &#8218;Diskutieren&#8216; und &#8218;Protokollieren&#8216;. Die Zuordnung der Operatoren zu den drei etablierten Anforderungsbereichen ergibt folgendes Bild: 35 der gesamten Aufforderungen zu Sprachhandlungen entfallen auf den Anforderungsbereich I (<italic>Reproduktion</italic>), 21 auf den Anforderungsbereich II (<italic>Reorganisation und Transfer</italic>) und 45 auf den Anforderungsbereich III (<italic>Reflexion und Probleml&#246;sung</italic>). Diese Verteilung weist auf eine deutliche Betonung h&#246;herer kognitiver Anforderungen im untersuchten Lehrplan hin.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Ergebnisse der Schulbuchanalyse</title>
<p>Ein &#220;berblick &#252;ber die Ergebnisse der Schulbuchanalyse ist in <xref ref-type="table" rid="T1">Tabelle 1</xref> dargestellt. Bereits auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass sowohl die Anzahl der Aufgabenstellungen, als auch die der Texte zwischen den Schulb&#252;chern erheblich variiert. Im Weiteren wurde auch bei den Aufgabenstellungen unterschiedlich darauf fokussiert, ob diese die Handlungsaufforderung implizit in Form einer Frage oder in einer Aufforderung, also mit einem expliziten Operator, formuliert wurde. Es wurde auch erfasst, wie viele der Leseaufgaben, die einen expliziten Operator enthalten, von den Sch&#252;ler*innen auch eine sprachliche Handlung mit explizitem oder m&#246;glichem Ausdruck verlangen.</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Zusammengefasste Ergebnisse der Schulbuchanalyse</p>
</caption>
<table>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top" style="background-color:#cccccc;"></td>
<td align="center" valign="top" style="background-color:#cccccc;"><italic>Schulbuch 1</italic></td>
<td align="center" valign="top" style="background-color:#cccccc;"><italic>Schulbuch 2</italic></td>
<td align="center" valign="top" style="background-color:#cccccc;"><italic>Schulbuch 3</italic></td>
<td align="center" valign="top" style="background-color:#cccccc;"><italic>Schulbuch 4</italic></td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>&#216; Wortanzahl von Texten mit einer Leseaufgabe</bold></td>
<td align="center" valign="top">105</td>
<td align="center" valign="top">76</td>
<td align="center" valign="top">82</td>
<td align="center" valign="top">114</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>&#216; Satzanzahl von Texten mit einer Leseaufgabe</bold></td>
<td align="center" valign="top">9</td>
<td align="center" valign="top">7</td>
<td align="center" valign="top">7</td>
<td align="center" valign="top">11</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Alle Texte im Schulbuch</bold></td>
<td align="center" valign="top">161</td>
<td align="center" valign="top">221</td>
<td align="center" valign="top">195</td>
<td align="center" valign="top">312</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>% Texte, die von einer Leseaufgabe begleitet sind</bold></td>
<td align="center" valign="top">28 %</td>
<td align="center" valign="top">26 %</td>
<td align="center" valign="top">18 %</td>
<td align="center" valign="top">20 %</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Alle Aufgabenstellungen im Schulbuch</bold></td>
<td align="center" valign="top">215</td>
<td align="center" valign="top">293</td>
<td align="center" valign="top">300</td>
<td align="center" valign="top">338</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Leseaufgaben</bold></td>
<td align="center" valign="top">39</td>
<td align="center" valign="top">57</td>
<td align="center" valign="top">41</td>
<td align="center" valign="top">68</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Leseaufgaben, die eine sprachliche Handlung erfordern</bold></td>
<td align="center" valign="top">21</td>
<td align="center" valign="top">39</td>
<td align="center" valign="top">36</td>
<td align="center" valign="top">54</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Leseaufgaben, die Anforderungsbereich I fordern</bold></td>
<td align="center" valign="top">3</td>
<td align="center" valign="top">10</td>
<td align="center" valign="top">1</td>
<td align="center" valign="top">9</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Leseaufgaben, die Anforderungsbereich II fordern</bold></td>
<td align="center" valign="top">11</td>
<td align="center" valign="top">11</td>
<td align="center" valign="top">21</td>
<td align="center" valign="top">27</td>
</tr>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Leseaufgaben, die Anforderungsbereich III fordern</bold></td>
<td align="center" valign="top">11</td>
<td align="center" valign="top">24</td>
<td align="center" valign="top">14</td>
<td align="center" valign="top">25</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Auch hier zeigten sich Unterschiede zwischen den Schulb&#252;chern: W&#228;hrend bei Schulbuch 3 36 von 41, also 88 % der Leseaufgaben eine sprachliche Handlung forderten, waren es bei Schulbuch 1 21 von 39, also lediglich 54 %. Diese sprachlichen Operatoren lassen sich, wie bereits erw&#228;hnt, in drei Anforderungsbereiche einteilen, die unterschiedliche Kompetenzen, welche Feilke und Rezat (<xref ref-type="bibr" rid="B22">2019: 10</xref>) zufolge jedoch aufeinander aufbauend sind, der Sch&#252;ler*innen fordern: <italic>Reproduktion</italic> (I), <italic>Reorganisation und Transfer</italic> (II) und <italic>Reflexion und Probleml&#246;sun</italic>g (III). Auff&#228;llig ist, dass der Anforderungsbereich I <italic>Reproduktion</italic> in allen vier untersuchten Schulb&#252;chern sehr selten abgefragt wird. Das Lehrwerk mit dem h&#246;chsten Anteil Aufgabenstellungen aus diesem Bereich verzeichnet 10 Leseaufgaben. Das Lehrwerk mit dem geringsten Anteil an derartigen Aufgaben enth&#228;lt eine einzige Leseaufgabe im gesamten Lehrwerk.</p>
<p>Die Texte, die jeweils von einer Leseaufgabe (i.e. eine Aufgabe, die aufgrund der Information in dem dazugeh&#246;rigen Text beantwortet werden kann) begleitet werden, wurden auf ihre Texteignung f&#252;r die 6. Schulstufe gepr&#252;ft. Auch hierbei zeigte sich in den Ergebnissen eine gro&#223;e Differenz zwischen den einzelnen Schulb&#252;chern, die in <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 1</xref> gezeigt wird. W&#228;hrend bei Schulbuch 2 und Schulbuch 4 &#252;ber 70 % der Texte f&#252;r die 6. Schulstufe geeignet sind, f&#252;r die die B&#252;cher konzipiert sind, sind es bei Schulbuch 1 nur noch 62 % und bei Schulbuch 3 sogar nur noch 46 % der Texte. Hingegen sind im Schulbuch 3 sogar 12 % der Texte f&#252;r die Schulstufe 10 geeignet und damit f&#252;r die Zielgruppe des Buches vermutlich zu komplex und schwer verst&#228;ndlich.</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 1: Lesbarkeit der Texte der B&#252;cher f&#252;r die 6. Schulstufe als Darstellung der Eignung f&#252;r Schulstufen, analysiert mittels RATTE (<xref ref-type="bibr" rid="B62">Wild/Pissarek o. J.</xref>)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4304_knapp-g2.png"/>
</fig>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Diskussion</title>
<p>In der vorliegenden Studie sollten der &#246;sterreichische Lehrplan des Pflichtfaches Physik und entsprechende auf diesen Lehrplan abgestimmte Schulb&#252;cher f&#252;r die 6. Schulstufe dahingehend untersucht werden, ob eine Passung hinsichtlich spezifischer sprachlicher Anforderungen vorliegt.</p>
<sec>
<title>5.1 Lehrplananalyse</title>
<p>Zun&#228;chst wurde der Lehrplan hinsichtlich der Frage analysiert, welche sprachlichen Anforderungen er im Pflichtfach Physik an Sch&#252;ler*innen stellt. Dabei zeigte sich, dass verlangt wird, dass Lernende nicht nur Gegenst&#228;nde beschreiben, sondern auch die Auswirkungen bestimmter Situationen auf ihr eigenes Leben und die Gesellschaft, Kriterien, Rechte und Pflichten sowie Vorg&#228;nge und Prozesse in der Natur beschreiben k&#246;nnen. Jede dieser Anforderungen erfordert unterschiedliche sprachliche Strukturen auf Wort-, Satz- und Textebene. Diese Vielzahl an Kontexten, in denen das &#8218;Beschreiben&#8216; gefordert wird, setzt ein hohes Ma&#223; an sprachlichem Verst&#228;ndnis bei den Lernenden voraus, damit sie der Aufforderung &#8218;Beschreiben&#8216; gerecht werden k&#246;nnen und best&#228;tigen Schleppegrells (<xref ref-type="bibr" rid="B49">2020: 19, 22</xref>) Aussage, dass die Umsetzung von Sprachhandlungen abh&#228;ngig vom Kontext ist. Und das bezieht sich lediglich auf eine einzige sprachliche Handlung. Insgesamt werden jedoch im Lehrplan f&#252;r das Pflichtfach Physik 27 verschiedene Sprachhandlungen gefordert. Diese Vielseitigkeit der sprachlichen Operatoren und Komplexit&#228;t ihrer Umsetzung hat bereits Tajmel (<xref ref-type="bibr" rid="B53">2011: 1, 5, 7</xref>) hervorgehoben und ausformulierte Erwartungshorizonte und konkrete sprachliche Mittel daf&#252;r gefordert, um eine Einheitlichkeit der sprachlichen Anforderungen und Lernprozesse im Physikunterricht zu gew&#228;hrleisten. Die ungleiche Gewichtung der Anforderungsbereiche im Physiklehrplan, insbesondere die geringe Ber&#252;cksichtigung des Anforderungsbereichs II (<italic>Reorganisation</italic>), l&#228;sst eine didaktische Schwerpunktsetzung erkennen, die potenziell problematisch ist. Obwohl die F&#246;rderung reproduktiver und reflexiver Kompetenzen zentrale Bildungsziele darstellt, bleibt die Vermittlung analytisch-strukturierender (<italic>Reorganisation)</italic> F&#228;higkeiten, die f&#252;r ein tiefes Textverst&#228;ndnis und eine nachhaltige Wissensverarbeitung essenziell sind, eher unterrepr&#228;sentiert. Diese Vernachl&#228;ssigung kann langfristig zu kognitiven L&#252;cken f&#252;hren, da komplexe reflexive Leistungen des Anforderungsbereichs III ohne ein solides Fundament an Reorganisationskompetenzen nur eingeschr&#228;nkt m&#246;glich sind, wie Feilke und Rezat (<xref ref-type="bibr" rid="B22">2019: 10</xref>) in ihrem Modell klar darstellen. Eine ausgewogene Ber&#252;cksichtigung aller drei Anforderungsbereiche erscheint daher unabdingbar, um eine ganzheitliche Kompetenzentwicklung im Sinne bildungsdidaktischer Prinzipien sicherzustellen.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Schulbuchanalyse</title>
<p>Die Analyse von vier Physikschulb&#252;chern f&#252;r die 6. Schulstufe wurde anschlie&#223;end mit Fokussierung auf die sprachlichen Anforderungen vorgenommen. Dabei zeigte sich, dass die Schulb&#252;cher f&#252;r unterschiedliche Anforderungen geeignet sind. Betrachtet man beispielsweise die Anzahl von Aufgabenstellungen im Allgemeinen sowie Leseaufgaben im Speziellen, wird schnell deutlich, dass hier Diskrepanzen zwischen den Schulb&#252;chern vorliegen. Ohne die Qualit&#228;t der Aufgabenstellungen zu ber&#252;cksichtigen, k&#246;nnte eine Lehrkraft, die im Unterricht gerne viele Aufgaben integriert und deren Lernende selbstst&#228;ndig in der Lage sind, diese zu l&#246;sen, zu einem Lehrwerk tendieren, das mehr Aufgabenstellungen beinhaltet, wie Schulbuch 4 oder Schulbuch 3. Legt eine Lehrkraft besonderen Wert darauf, dass die Texte im Schulbuch dem Schwierigkeitsniveau der 6. Schulstufe entsprechen, etwa weil die Sch&#252;ler*innen in ihrer Klasse bildungssprachlich noch nicht so weit entwickelt sind wie andere, k&#246;nnten Schulbuch 2 oder Schulbuch 4 die passendere Wahl darstellen. Allerdings l&#228;sst sich auch argumentieren, dass Schulb&#252;cher f&#252;r die 6. Schulstufe durchaus Texte enthalten d&#252;rfen, die sich am Niveau der 7. oder 8. Schulstufe orientieren. Eine solche Herangehensweise lie&#223;e sich damit begr&#252;nden, dass die F&#246;rderung der Sprachkompetenz gerade auch &#252;ber das Verstehen komplexerer Texte erfolgen sollte, selbst wenn diese &#252;ber das hinausgehen, was Sch&#252;ler*innen bereits produktiv verwenden k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Gogolin/Lange 2009: 122</xref>). Diese &#220;berlegung verdient jedoch eine kritische Betrachtung: Wie bereits erw&#228;hnt befinden sich in einer Schulklasse nicht ausschlie&#223;lich Sch&#252;ler*innen, die bildungssprachlich dem typischen Niveau der 6. Schulstufe entsprechen. Es ist daher anzunehmen, dass Texte, die eigentlich f&#252;r h&#246;here Schulstufen konzipiert wurden, f&#252;r manche Sch&#252;ler*innen der 6. Schulstufe bereits eine sprachliche &#220;berforderung darstellen k&#246;nnten.</p>
<p>Es zeigte sich, dass sprachliche Operatoren des Anforderungsbereichs I <italic>Reproduktion</italic> von allen untersuchten Schulb&#252;chern am wenigsten verwendet werden. Dieses Ergebnis ist insofern bemerkenswert, als es im Widerspruch zur Literatur steht. Ganz im Gegenteil zeigen Analysen chinesischer, norwegischer, englischer, luxemburgischer und deutscher Schulb&#252;cher (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Andersen 2019: 500</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Andersson-Bakken et al. 2020: 1329&#8211;1330</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Garrecht et al. 2023: 1776&#8211;1778</xref>), dass insbesondere im naturwissenschaftlichen Bereich der Anforderungsbereich III <italic>Reflexion und Probleml&#246;sung</italic> zu wenig gefordert und trainiert wird. Die Studien betonen zudem, dass &#252;berwiegend Reproduktionsaufgaben gestellt werden und die Sch&#252;ler*innen nur selten angeleitet werden, mit den erlernten Inhalten weiterzuarbeiten.</p>
<p>Auch wenn ein Lehrwerk die Lehrkraft nicht ersetzen soll, ist zu ber&#252;cksichtigen, dass viele Lehrpersonen im Bereich der Naturwissenschaften ausgebildet wurden und daher in der Regel nur &#252;ber geringe oder keine spezifische Qualifikation im Bereich sprachlicher Bildung oder Lesef&#246;rderung verf&#252;gen. Lehrkr&#228;fte, die sich in diesem Bereich nicht ausreichend vorbereitet oder unterst&#252;tzt f&#252;hlen, neigen dazu, auf traditionelle und vertraute Unterrichtsmethoden zur&#252;ckzugreifen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Hurd 1994: 108</xref>). Eine &#220;berarbeitung der Schulb&#252;cher, die diesen Aspekt st&#228;rker ber&#252;cksichtigt und gezielte Lehrer*innenfortbildungen f&#252;r sprachsensiblen Fachunterricht, werden in den kommenden Jahren n&#246;tig sein.</p>
<p>Betrachtet man nun Schulbuch 3 beispielhaft, zeigt die Analyse, dass von insgesamt 300 Aufgabenstellungen in Schulbuch 3 lediglich 41 Leseaufgaben sind. Von diesen 41 Leseaufgaben verlangen 36 eine aktive sprachliche Handlung im Anschluss an den Leseprozess. Diese doch sehr geringe Anzahl verdeutlicht, dass der Bereich der Lesekompetenz nur einen geringen Stellenwert einnimmt, obwohl dies im Lehrplan als &#252;bergreifendes Thema genannt wird und somit eine wichtige Rolle im Fachunterricht einnehmen sollte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">RIS 2023: 7</xref>). Obwohl in der vorliegenden Untersuchung keine qualitative Analyse der Aufgabenstellungen vorgenommen wurde, sondern lediglich eine quantitative Beschreibung erfolgte, stellt sich dennoch die Frage, ob 41 Leseaufgabenstellungen ausreichen, um &#252;ber ein gesamtes Schuljahr hinweg im Fachunterricht Physik eine fundierte und integrierte Lesef&#246;rderung zu gew&#228;hrleisten.</p>
<p>Abschlie&#223;end zeigt diese Untersuchung, dass eine bewusstere Ber&#252;cksichtigung und Aufteilung von sprachlichen Operatoren in Schulb&#252;chern essenziell sind, um die Lese- und Sprachkompetenz und damit auch das fachliche Verst&#228;ndnis der Lernenden nachhaltig zu f&#246;rdern. Eine tiefergehende qualitative Analyse w&#228;re jedoch sinnvoll, um die Eignung und Effektivit&#228;t der vorliegenden Aufgaben im Kontext der Lesef&#246;rderung bewerten zu k&#246;nnen. Insbesondere f&#252;r mehrsprachige Sch&#252;ler*innen kann eine solche Optimierung der sprachlichen Gestaltung von Aufgaben dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Bildungserfolg unabh&#228;ngig von der bildungssprachlichen Entwicklung besser zu erm&#246;glichen.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>6 Limitationen und Ausblick</title>
<p>Da in der vorliegenden Untersuchung lediglich vier Schulb&#252;cher analysiert wurden, sind die Ergebnisse nicht ohne Weiteres f&#252;r alle Lehrwerke generalisierbar. Dennoch bietet die Analyse wertvolle Einblicke in die Umsetzung der im Lehrplan geforderten sprachlichen F&#246;rderung innerhalb der untersuchten Schulb&#252;cher. Die vorliegende Studie weist eine zentrale Limitation auf, da die Aufgabenstellungen nicht im Hinblick auf sprachliche Bewusstheit sowie auf potenzielle sprachliche Unterst&#252;tzungsma&#223;nahmen analysiert wurden, insbesondere im Umgang mit sprachlichen Operatoren. F&#252;r weiterf&#252;hrende Erkenntnisse w&#228;re eine qualitative Untersuchung der Aufgabenstellungen notwendig. Diese k&#246;nnte Lehrkr&#228;ften eine fundiertere Entscheidungsgrundlage bieten, um das Lehrwerk auszuw&#228;hlen, das ihren Unterricht bestm&#246;glich im Sinne der F&#246;rderung ihrer Sch&#252;ler*innen unterst&#252;tzt. Eine weitere Einschr&#228;nkung der Studie ergibt sich aus der Unsicherheit dar&#252;ber, in welchem Ausma&#223; Lehrkr&#228;fte die Leseaufgaben tats&#228;chlich im Unterricht einsetzen. Sollten sie Methoden der Lesef&#246;rderung oder spezifische Lesestrategien integrieren, m&#252;ssten die pr&#228;sentierten Ergebnisse in diesem Kontext anders interpretiert werden, als wenn solche Ans&#228;tze nicht angewendet werden. Um dies zu kl&#228;ren, w&#228;re eine gezielte und strukturierte Befragung von Physiklehrkr&#228;ften erforderlich. Diese k&#246;nnte dazu beitragen, gezielte F&#246;rderma&#223;nahmen zu identifizieren und Lesephasen im Physikunterricht optimal und sprachsensibel zu gestalten.</p>
</sec>
<sec>
<title>7 Finanzierung</title>
<p>Finanziert und gef&#246;rdert aus Mitteln des Bundesministeriums f&#252;r Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Innovationsstiftung f&#252;r Bildung in &#214;sterreich</p>
</sec>
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<fn id="n1"><p>Diese sind: 1 Bildungs-, Berufs- und Lebensorientierung, 2 Entrepreneurship Education, 4 Informatische Bildung, 8 Reflexive Geschlechterp&#228;dagogik und Gleichstellung, 10 Sprachliche Bildung und Lesen, 11 Umweltbildung f&#252;r nachhaltige Entwicklung, 12 Verkehrs- und Mobilit&#228;tsbildung, 13 Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucher/innenbildung.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Die Schulbuchaktion &#214;sterreich gab Auskunft &#252;ber die f&#252;nf meistbestellten Physikschulb&#252;cher an Mittelschulen in der Steiermark im Schuljahr 2023/2024, ohne deren genaue Rangfolge nach H&#228;ufigkeit anzugeben.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Hierbei ist zu erw&#228;hnen, dass Experimentanleitungen nicht als Leseaufgabenstellungen gewertet wurden, da die Hauptintention dieser nicht die Animation zu lesen, sondern die praktische Umsetzung von Experimenten ist und die Einbeziehung dieser Aufgabenstellungen die Ergebnisse der Studie signifikant beeinflussen und verzerren k&#246;nnte.</p></fn>
</fn-group>
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<title>Literatur</title>
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