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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.4295</article-id>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Digitale (Medien)Kompetenz von Absolvent*innen der DaF-Lehrer*innenausbildung in Kamerun. Ergebnisse einer Studie in zwei Hochschulen</article-title>
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<surname>Ngoei</surname>
<given-names>Hamadou</given-names>
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<email>h.ngoei@hbksaar.org</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Keplerstra&#223;e 3-5 66117 Saarbr&#252;cken</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-09-15">
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<year>2025</year>
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<year>2025</year>
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<abstract>
<p>Die Studie analysiert die digitalen Kompetenzen von Absolvent*innen der DaF-Lehrer*innenausbildung an den ENS Maroua und Bertoua in Kamerun. Die Ergebnisse zeigen ein interessantes Paradoxon: W&#228;hrend die Studierenden der ENS Maroua im digitalen Raum m&#252;helos zusammenarbeiten und E-Learning-Tools sicher bedienen, fehlt ihnen die notwendige kritische Distanz und Medienkompetenz. Im Gegensatz dazu k&#228;mpft die ENS Bertoua mit einer pragmatischen Softwarenutzung, leidet aber unter wenig digitaler Interaktion und veralteten Lernmethoden. Hier scheint die Theorie die Praxis zu &#252;berlagern &#8211; ein digitaler R&#252;ckschritt. Die Studie empfiehlt gezielte F&#246;rderma&#223;nahmen an beiden Hochschulen, um die digitalen F&#228;higkeiten aller Absolvent*innen zu verbessern.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>Digital literacy among graduates of German as a foreign language teacher training programmes in Cameroon. Results of a study conducted at two universities</bold></p>
<p>The study uses the examples of ENS Maroua and ENS Bertoua to analyse the level of digital skills of graduates of GFL teacher training in Cameroon. The digital inventory at ENS Maroua and ENS Bertoua reveals a fascinating paradox: while the students at ENS Maroua seem to collaborate effortlessly in the digital space and use e-learning tools confidently, they lack critical distance and media skills. ENS Bertoua, on the other hand, which is characterised by pragmatic software use, suffers from a lack of digital interaction and outdated learning methods. Theory seems to dominate practice here - a digital anachronism. The study recommends targeted support measures at both universities to strengthen the digital skills of all graduates.</p>
</trans-abstract>
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<kwd>Digitalisierung</kwd>
<kwd>digitale (Medien)Kompetenz</kwd>
<kwd>Kamerun</kwd>
<kwd>DaF-Lehrer*innenausbildung</kwd>
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<kwd>digitalisation</kwd>
<kwd>digital (media) skills</kwd>
<kwd>Cameroon</kwd>
<kwd>GFL teacher training</kwd>
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<title>Einleitendes</title>
<p>Die Diskussion &#252;ber die Digitalisierung im DaF-Unterricht in Kamerun und Afrika ist aktuell, produktiv und intensiv. Es gibt zwei Hauptrichtungen, die miteinander konkurrieren. Die erste ist die medienorientierte Richtung, die den Einsatz von Medien im DaF-Unterricht aus Gr&#252;nden wie Spa&#223; und der Ber&#252;cksichtigung verschiedener Lerntypen im Klassenzimmer betont. Die zweite Richtung wiederum ist auf die Einf&#252;hrung von E-Learning ausgerichtet und bef&#252;rwortet eine tiefgreifende Transformation des DaF-Unterrichts. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie r&#252;ckt die erste Richtung zunehmend in den Fokus der Forschung. Der vorliegende Beitrag besch&#228;ftigt sich mit der Frage der digitalen (Medien)Kompetenz und stellt eine empirische Studie vor, die an der ENS Bertoua und der ENS Maroua durchgef&#252;hrt wurde und die Situation der digitalen (Medien)Kompetenz in der DaF-Lehrer*innenausbildung in Kamerun darstellt. Im Mittelpunkt des Beitrags stehen folgende Fragen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Wie sch&#228;tzen Absolvent*innen der DaF-Lehrer*innenausbildung an der ENS Bertoua und ENS Maroua ihre digitale (Medien)Kompetenz ein?</p></list-item>
<list-item><p>In welchen Bereichen der digitalen (Medien)Kompetenz f&#252;hlen sich die Absolvent*innen gut vorbereitet?</p></list-item>
</list>
<p>Die Wahl der ENS Maroua und der ENS Bertoua als Fallbeispiele f&#252;r die vorliegende Studie ist nicht zuf&#228;llig. Die ENS Bertoua ist die j&#252;ngste, die ENS Maroua die zweit&#228;lteste Einrichtung in der Kartierung der DaF-Lehrer*innenbildung in Kamerun. Im Gegensatz zur ENS Bertoua, die zwar im Osten liegt und von der Expertise der ENS Yaound&#233; profitiert, nimmt die ENS Maroua eine Sonderstellung ein: Sie ist die einzige Institution, die im Norden Kameruns, in der Sahelzone, eine Ausbildung f&#252;r DaF-Lehrkr&#228;fte anbietet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B27">Ngoei 2024: 38</xref>). Die ENS Bertoua hingegen nimmt eine geographisch zentrale Position zwischen dem S&#252;den und dem Norden Kameruns ein. Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zur Debatte &#252;ber die Digitalisierung des DaF-Unterrichts.</p>
</sec>
<sec>
<title>1 Paradigmenwechsel im DaF-Unterricht: Von traditionellen Ans&#228;tzen zur mediengest&#252;tzten Didaktik im afrikanischen Kontext</title>
<p>Die zunehmende Digitalisierung durchdringt alle Bereiche der Gesellschaft und stellt das globale Bildungssystem vor umfassende und transformative Herausforderungen, die eine grundlegende Neuausrichtung der p&#228;dagogischen Konzepte und Methoden erfordern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kerres 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Selwyn 2016</xref>). Besonders der Unterricht in Fremdsprachen, der sich ma&#223;geblich auf Kommunikation und Interaktion st&#252;tzt, sieht sich der Herausforderung gegen&#252;ber, sich diesem Wandel nicht nur anzupassen, sondern ihn auch aktiv zu gestalten. Herk&#246;mmliche, stark lehrerzentrierte mediendidaktische Konzepte, die den Lernprozess strikt kontrollieren und Medien haupts&#228;chlich als Werkzeuge zur Pr&#228;sentation nutzen, erweisen sich zunehmend als ungeeignet f&#252;r die F&#246;rderung der im 21. Jahrhundert notwendigen, nachhaltigen und &#252;bertragbaren Sprachf&#228;higkeiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Roche/Su&#241;er 2017</xref>). Roche und Su&#241;er (ebd.) bringen &#252;berzeugend vor, dass eine solche lehrerzentrierte Steuerung die Entwicklung von Autonomie und selbstgesteuerten Lernmethoden hemmt, die im Umgang mit der digitalen Informationsflut von gro&#223;er Bedeutung sind.</p>
<p>Die digitale Transformation verlangt daher eine grundlegende &#220;berarbeitung der Prinzipien des Fremdsprachenunterrichts hin zu einer umfassenden Mediendidaktik. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass sie die zahlreichen M&#246;glichkeiten digitaler, virtueller sowie weiterhin bedeutender analoger Medien synergetisch in lernzentrierte und kommunikationsfokussierte Szenarien integriert. Im Mittelpunkt steht die F&#246;rderung von authentischer Kommunikation und Interaktion, die &#252;ber die blo&#223;e Sprachvermittlung hinausgeht. Durch die Ankn&#252;pfung des Unterrichts an relevante Themen aus der Lebenswelt der Lernenden, die durch verschiedene Medienformate (z. B. Online-Zeitungen, soziale Netzwerke, Videoclips, Podcasts) bereitgestellt werden, k&#246;nnen wichtige Kompetenzen des 21. Jahrhunderts gef&#246;rdert werden: kritisches Denken bei der Bewertung von Online-Quellen, kollaboratives Probleml&#246;sen in digitalen Arbeitsumgebungen und die F&#228;higkeit zur multiperspektivischen Auseinandersetzung mit komplexen Sachverhalten (vgl. ebd.: 22; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Warschauer/Kern 2000</xref>). Der Sprachunterricht bewahrt somit seine Relevanz, indem er jene F&#228;higkeiten akzentuiert, die &#252;ber algorithmische Verarbeitung hinausgehen: Kreativit&#228;t, interkulturelle Sensibilit&#228;t und die metakognitive Kompetenz im Umgang mit Information und Wissen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">M&#252;ller-Hartmann/Schocker-v. Ditfurth 2018</xref>). Selbst avancierte Technologien wie Virtual Reality (VR) zur Simulation immersiver Sprachumgebungen oder k&#252;nstliche Intelligenz (KI) f&#252;r personalisierte Lernpfade k&#246;nnen didaktisch reflektiert als Erg&#228;nzung implementiert werden, um spezifische Aspekte der Sprachkompetenz gezielt zu adressieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Legault/Zhao/Chi/Chen/Klippel/Ping 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">Golonka/Bowles/Frank/Richardson/Freynik 2014</xref>).</p>
<p>Diese Entwicklung manifestiert sich auch im Bereich Deutsch als Fremdsprache. Der traditionelle, oft lehrbuchzentrierter DaF-Unterricht wird zunehmend durch den Einsatz mobiler Endger&#228;te (Smartphones, Tablets), digitaler Kommunikationsplattformen (z.B. Lernmanagementsysteme, Messenger-Dienste), virtueller Klassenzimmer f&#252;r Distanzlernformate und digital gest&#252;tzter individueller F&#246;rderangebote angereichert und transformiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">R&#246;sler 2023</xref>).</p>
<p>Folglich ergibt sich f&#252;r die fachdidaktische Aus- und Fortbildung von DaF- und DaZ-Lehrkr&#228;ften die dringende Notwendigkeit, diese technologischen und p&#228;dagogischen Entwicklungen nicht nur reaktiv nachzuvollziehen, sondern proaktiv mitzugestalten. Dies impliziert eine curriculare Verankerung professionsspezifischer digitaler Kompetenzen, die sowohl mediendidaktisches Wissen als auch praktische Anwendungskompetenz umfassen und dabei stets die spezifischen infrastrukturellen, soziokulturellen und bildungspolitischen Kontexte der jeweiligen Standorte ber&#252;cksichtigen m&#252;ssen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Peuschel/Da Silva/Onya 2023: 10</xref>).</p>
<p>Insbesondere im afrikanischen Umfeld r&#252;ckt die Rolle digitaler Medien im Deutschunterricht zunehmend in den Fokus der Forschung. Dies ist unter anderem auf die deutlich steigende Nachfrage nach Deutschkenntnissen in zahlreichen L&#228;ndern Sub-Sahara-Afrikas zur&#252;ckzuf&#252;hren. Becker/Bui/Nunes/Wittmann/Peuschel/Zeyer (<xref ref-type="bibr" rid="B4">2024</xref>) betonen, dass die Entwicklung digitaler F&#228;higkeiten bei Lehrkr&#228;ften und der bewusste Einsatz digitaler Medien entscheidende Faktoren sind, um dieser Nachfrage sowohl quantitativ als auch qualitativ gerecht zu werden und die Nachhaltigkeit der Ausbildung von DaF-Lehrkr&#228;ften zu gew&#228;hrleisten. Allerdings ist, wie bereits von Roche (<xref ref-type="bibr" rid="B32">2010: 198</xref>) angemerkt, eine kritische Perspektive entscheidend: Der p&#228;dagogische Nutzen der Medien als kognitive Hilfsmittel und Motor f&#252;r kommunikative Prozesse sollte immer im Vordergrund stehen und darf nicht durch die Begeisterung f&#252;r technologische Fortschritte in den Hintergrund gedr&#228;ngt werden. Zur Unterst&#252;tzung dieser Entwicklung sind zahlreiche regionale Programme und Projekte entstanden, h&#228;ufig initiiert und gef&#246;rdert durch Organisationen wie den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Ein prominentes Beispiel stellt das im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaften entwickelte Dhoch3-Modul <italic>Lehren und Lernen mit elektronischen (Online-)Medien</italic> dar (<xref ref-type="bibr" rid="B7">DAAD 2023</xref>). Dieses Modul bietet (angehenden) DaF-Lehrenden eine systematische und wissenschaftlich fundierte Einf&#252;hrung in die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungsm&#246;glichkeiten der mediengest&#252;tzten Fremdsprachendidaktik. Es integriert lerntheoretische (z.B. konstruktivistische, konnektivistische), psycho- und kognitionslinguistische sowie medientheoretische und -didaktische Perspektiven und illustriert anhand konkreter Beispiele, wie Online-Medien den Sprachunterricht didaktisch bereichern und f&#252;r heterogene Lernergruppen adaptiert werden k&#246;nnen (vgl. ebd.). Ein wesentliches Merkmal dieses Moduls ist seine Konzeption als Open Educational Ressource (OER), die unter einer Creative-Commons-Lizenz ver&#246;ffentlicht wurde. Dies erm&#246;glicht nicht nur einen freien Zugang, sondern explizit auch die Bearbeitung und Anpassung der Materialien an spezifische lokale und regionale Bedarfe und Kontexte, was insbesondere f&#252;r die Diversit&#228;t der Bildungssysteme im afrikanischen Raum von hoher Relevanz ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">DAAD 2023</xref>).</p>
<p>Um die f&#252;r einen solchen mediengest&#252;tzten Unterricht erforderlichen Kompetenzen bei Lehrkr&#228;ften ad&#228;quat fassen und f&#246;rdern zu k&#246;nnen, bedarf es eines theoretischen Rahmens, der die Vielschichtigkeit von Medienkompetenz abbildet. Das im Folgenden dargestellte Modell von Dieter Baacke bietet hierf&#252;r eine etablierte und differenzierte Grundlage.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Theoretischer Rahmen: Das Medienkompetenzmodell nach Dieter Baacke</title>
<p>Zur theoretischen Fundierung der Untersuchung der digitalen Kompetenzen von DaF-Lehrkr&#228;ften wird auf das einflussreiche Medienkompetenzmodell von Dieter Baacke zur&#252;ckgegriffen. Dieses in den 1970er Jahren entwickelte und seither kontinuierlich rezipierte und weiterentwickelte Modell, oft auch als &#8222;Bielefelder Medienkompetenzmodell&#8220; bezeichnet, stellt ein zentrales Konzept der deutschsprachigen Medienp&#228;dagogik dar (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baacke 1997</xref>). Baackes prim&#228;res Anliegen war es, ein Konzept zu entwickeln, das Individuen bef&#228;higt, Medien souver&#228;n, kritisch-reflexiv und kreativ zu nutzen, um sowohl die pers&#246;nliche Autonomie als auch die aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Kommunikationsprozessen zu st&#228;rken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Reuter 2021: 55</xref>). Medienkompetenz definierte Baacke (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1997: 98</xref>) in diesem Sinne als die F&#228;higkeit des Subjekts, &#8222;sich in der Auseinandersetzung mit der Welt [&#8230;] alle Arten von Medien f&#252;r sein Kommunikations- und Handlungsrepertoire nutzbar zu machen&#8220;.</p>
<p>Baackes Verst&#228;ndnis von Medienkompetenz ist intrinsisch mit dem Konzept der kommunikativen Kompetenz (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Habermas 1981</xref>) verkn&#252;pft und kann als dessen notwendige Erweiterung im Kontext einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft betrachtet werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Ganguin/Sander 2023: 112</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Hellriegel 2022: 45</xref>). Es hebt die aktive, gestaltende Rolle des Individuums gegen&#252;ber einer rein rezeptiven Mediennutzung hervor und postuliert das Ziel, Menschen zu m&#252;ndigen, selbstbestimmten und kreativen Akteuren in der Medienlandschaft zu erziehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Ganguin/Sander 2023: 112</xref>). Insbesondere im Bildungssektor dient Baackes Modell bis heute als normative und analytische Grundlage f&#252;r die Konzeption medienp&#228;dagogischer Ma&#223;nahmen, die darauf abzielen, insbesondere Kinder und Jugendliche auf einen kompetenten Umgang mit den komplexen und sich st&#228;ndig wandelnden Mediensystemen vorzubereiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Tulodziecki 2010</xref>). Dabei umfasst sein Medienbegriff explizit sowohl digitale und elektronische Medien als auch klassische Printmedien, was seine anhaltende Relevanz trotz des digitalen Wandels unterstreicht.</p>
<p>Das Modell von Baacke zeichnet sich durch eine starke Verankerung in der medienp&#228;dagogischen Praxis und eine klare Orientierung an Bildungskontexten aus. Im Vergleich zu anderen Modellen, wie beispielsweise dem stark auf berufliche Anforderungen und digitale Fertigkeiten im europ&#228;ischen Kontext ausgerichteten &#8222;Digital Competence Framework for Citizens&#8220; (DigComp) der Europ&#228;ischen Kommission (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Carretero/Riina/Punie 2017</xref>), betont Baacke st&#228;rker die kritisch-reflexiven und kreativ-gestalterischen Dimensionen sowie die gesamtgesellschaftliche Relevanz von Medienkompetenz (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Ganguin/Sander 2023: 115</xref>). W&#228;hrend DigComp prim&#228;r auf die Operationalisierung und Messbarkeit digitaler F&#228;higkeiten abzielt, legt das Bielefelder Modell einen besonderen Fokus auf die Entwicklung einer kritischen Haltung gegen&#252;ber Medieninhalten und -strukturen sowie auf die Bef&#228;higung zur aktiven, auch &#228;sthetisch anspruchsvollen Mediengestaltung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baacke 1997</xref>).</p>
<fig id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Dimensionen von Medienkompetenz nach Dieter Baacke (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Baacke 1997: 98</xref>)</p>
</caption>
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</fig>
<p>Zur systematischen Analyse gliedert Baacke (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1997: 98</xref>) Medienkompetenz in vier zentrale Dimensionen, die interdependent sind und sich gegenseitig bedingen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Ganguin/Sander 2023</xref>):</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p><bold>Medienkritik:</bold> Diese Dimension umfasst die F&#228;higkeit zur analytischen Auseinandersetzung mit Medieninhalten und -angeboten (analytische Dimension), zur reflexiven Einordnung des Medienhandelns in den eigenen Lebenskontext (reflexive Dimension) sowie zur ethischen Bewertung medialer Ph&#228;nomene und ihrer gesellschaftlichen Implikationen (ethische Dimension). Es geht darum, problematische gesellschaftliche Prozesse, die durch Medien vermittelt oder verst&#228;rkt werden, zu erkennen und zu bewerten.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Medienkunde:</bold> Diese Dimension beinhaltet zum einen das Wissen &#252;ber die Funktionsweise und die gesellschaftliche Bedeutung von Mediensystemen (informative Dimension) und zum anderen die F&#228;higkeit zur sachgerechten Bedienung und Anwendung von Medientechnologien (instrumentell-qualifikatorische Dimension). Dies schlie&#223;t explizit die F&#228;higkeit ein, sich neue Medientechnologien und -anwendungen selbstst&#228;ndig anzueignen und deren Potenziale f&#252;r eigene Zwecke einzusch&#228;tzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baacke 1997: 99</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Ganguin/Sander 2023</xref>).</p></list-item>
<list-item><p><bold>Mediennutzung:</bold> Diese Dimension bezieht sich auf die F&#228;higkeit zur rezeptiven Nutzung und interaktiven Anwendung von Medienangeboten (rezeptiv-anwendende Dimension). Sie umfasst die Kompetenz, Medienangebote entsprechend den eigenen Bed&#252;rfnissen auszuw&#228;hlen und zu nutzen, einschlie&#223;lich interaktiver und partizipativer Nutzungsm&#246;glichkeiten (z.B. in sozialen Netzwerken).</p></list-item>
<list-item><p><bold>Mediengestaltung:</bold> Diese Dimension fokussiert auf die F&#228;higkeit, eigene Medienbeitr&#228;ge kreativ und innovativ zu erstellen und zu verbreiten (kreativ-innovative Dimension). Sie geht &#252;ber die reine Nutzung hinaus und beinhaltet die Kompetenz, Medien als Ausdrucksmittel f&#252;r eigene Ideen, Meinungen und &#228;sthetische Vorstellungen aktiv zu gestalten.</p></list-item>
</list>
<p>Im Unterschied zu st&#228;rker ausdifferenzierten Modellen, wie etwa dem von Stefan Aufenanger (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2001</xref>) vorgeschlagenen, das sechs Dimensionen (kognitiv, moralisch, sozial, &#228;sthetisch, handlungsbezogen, emotional) unterscheidet, bietet Baackes Ansatz eine st&#228;rker integrative und f&#252;r die p&#228;dagogische Praxis unmittelbar anschlussf&#228;hige Strukturierung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Ganguin/Sander 2023: 114</xref>). Die Betonung der gesellschaftlichen Dimension, also das Ziel der Bef&#228;higung zur Partizipation und Selbstbestimmung in einer mediatisierten Welt, macht das Modell besonders geeignet f&#252;r die Analyse von Lehrkompetenzen, da Lehrkr&#228;fte nicht nur individuelle F&#228;higkeiten vermitteln, sondern auch zur kritischen M&#252;ndigkeit ihrer Lernenden beitragen sollen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Hellriegel 2022: 48</xref>).</p>
<p>Die Anwendung dieses theoretischen Rahmens auf den spezifischen Kontext Kameruns erfordert eine Betrachtung der dortigen bildungspolitischen Rahmenbedingungen und der realen Gegebenheiten hinsichtlich der digitalen Ausstattung und Kompetenzf&#246;rderung von Lehrkr&#228;ften.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Digitale (Medien)Kompetenz von Lehrkr&#228;ften in Kamerun: Politische Ambitionen und infrastrukturelle Realit&#228;ten</title>
<p>Die strategische Integration digitaler Technologien in das Bildungssystem gewinnt in Kamerun als essenzieller Baustein zur Bew&#228;ltigung der sozio&#246;konomischen und bildungspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zunehmend an politischer Priorit&#228;t. Die nationale &#8222;Strategie f&#252;r Wachstum und Besch&#228;ftigung&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B25">MINEPAT 2020</xref>) identifiziert Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als transversalen Hebel f&#252;r Wirtschaftswachstum und soziale Entwicklung und weist der Verbesserung digitaler Kompetenzen im Bildungssektor eine Schl&#252;sselrolle zu (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">MINEPAT 2020: 78</xref>). Konkretisiert wird dieser Anspruch im Bildungssektorplan (PSE - Plan Sectoriel de l&#39;&#201;ducation 2018&#8211;2030), der explizit darauf abzielt, den Einsatz digitaler Technologien auf allen Ebenen des Bildungswesens auszuweiten. Dies umfasst Ma&#223;nahmen zur Verbesserung der IKT-Infrastruktur an Bildungseinrichtungen sowie zur systematischen Aus- und Fortbildung von Lehrkr&#228;ften im Bereich digitaler Lehr-Lern-Kompetenzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">MINEDUB/MINESEC 2018: 55</xref>).</p>
<p>Zur Umsetzung dieser Ziele engagieren sich diverse Akteure auf nationaler und internationaler Ebene. Die zust&#228;ndigen Ministerien (MINESUP f&#252;r Hochschulbildung, MINESEC f&#252;r Sekundarbildung, MINEDUB f&#252;r Grundbildung) implementieren zunehmend Fortbildungsprogramme, die digitale Kompetenzen als integralen Bestandteil der Lehrerprofessionalisierung verankern (z.B. durch die Integration von IKT-Modulen in die Curricula der p&#228;dagogischen Hochschulen, den &#201;coles Normales Sup&#233;rieures, ENS). Parallel dazu unterst&#252;tzen Nichtregierungsorganisationen (NROs) und internationale Organisationen wie die UNESCO, UNICEF und World Vision durch gezielte Projekte, Workshops und Materialentwicklung die Verbesserung der digitalen Kompetenzen von Lehrkr&#228;ften (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">UNESCO 2018</xref>). Ein spezifisches Beispiel im DaF-Bereich ist die vom Goethe-Institut Kamerun angebotene Fortbildungsreihe &#8222;Digitale Expert*innen f&#252;r den DaF-Unterricht&#8220;, den Lehrkr&#228;ften praxisorientierte Kompetenzen zur didaktisch sinnvollen Integration interaktiver Tools wie Kahoot, Padlet oder LearningApps in ihren Unterricht vermittelt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Goethe-Institut Kamerun n.d.</xref>). Flankiert werden diese Bem&#252;hungen durch Initiativen zur Ausstattung von Schulen mit Computern, zur Einrichtung von Multimediazentren und zur Entwicklung lokalisierter digitaler Lernressourcen, wenngleich diese Ma&#223;nahmen oft punktuell bleiben.</p>
<p>Trotz dieser erkennbaren Fortschritte und politischen Willensbekundungen bestehen in Kamerun weiterhin signifikante Herausforderungen bei der fl&#228;chendeckenden F&#246;rderung digitaler Lehrkompetenzen. Eine wesentliche H&#252;rde stellt die heterogene und oft defizit&#228;re IKT-Infrastruktur dar. Insbesondere in l&#228;ndlichen Regionen limitiert der eingeschr&#228;nkte Zugang zu zuverl&#228;ssiger Stromversorgung, Computern und stabiler Internetverbindung die Nutzung digitaler Medien im Unterricht erheblich (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Tchamabe 2017</xref>).</p>
<p>Des Weiteren limitieren knappe finanzielle und personelle Ressourcen die systematische und nachhaltige Qualifizierung von Lehrkr&#228;ften; es mangelt sowohl an finanziellen Mitteln f&#252;r umfassende Fortbildungsprogramme als auch an ausreichend qualifizierten Ausbilderinnen und Ausbildern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Asongu/Agyenim 2018</xref>). Dar&#252;ber hinaus manifestiert sich teilweise ein Widerstand oder eine Zur&#252;ckhaltung bei Lehrkr&#228;ften gegen&#252;ber dem Einsatz digitaler Technologien. Dies kann auf technikbezogene Unsicherheiten, mangelnde p&#228;dagogische Unterst&#252;tzung bei der Integration in den Fachunterricht oder auf eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen den Anforderungen digitaler Tools und den curricularen Vorgaben zur&#252;ckzuf&#252;hren sein (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Tondeur/Van Braak/Ertmer/Ottenbreit-Leftwich 2017</xref>) f&#252;r einen allgemeinen &#220;berblick &#252;ber Teacher Acceptance). Schlie&#223;lich stellt die Dominanz von digitalen Lernressourcen in den Amtssprachen Englisch und Franz&#246;sisch eine Barriere f&#252;r Lehrkr&#228;fte und Sch&#252;ler*innen dar, deren prim&#228;re Kommunikationssprachen lokale oder regionale Sprachen sind, was die Zug&#228;nglichkeit und kulturelle Angemessenheit der Materialien einschr&#228;nkt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">UNESCO 2018</xref>). Diese komplexen Herausforderungen bilden den spezifischen Kontext, in dem die digitale Kompetenz von DaF-Lehrkr&#228;ften in Kamerun betrachtet werden muss.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wurde eine empirische Studie konzipiert, um die Selbsteinsch&#228;tzung der digitalen Kompetenzen von angehenden DaF-Lehrkr&#228;ften an zwei zentralen Ausbildungsinstitutionen in Kamerun zu untersuchen. Die methodische Vorgehensweise dieser Studie wird im Folgenden dargelegt.</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Methodisches Vorgehen der Studie</title>
<p>Die vorliegende Arbeit basiert auf einer empirischen Untersuchung, die darauf abzielt, die Selbsteinsch&#228;tzung der digitalen Kompetenzen von Absolventinnen und Absolventen der DaF-Lehrer*innenausbildung an zwei staatlichen P&#228;dagogischen Hochschulen (&#201;coles Normales Sup&#233;rieures, ENS) in Kamerun zu erfassen. Das Forschungsdesign verfolgt das Ziel, kontextspezifisches Wissen &#252;ber den Stand der digitalisierungsbezogenen Kompetenzen dieser wichtigen Multiplikatorengruppe zu generieren und Einblicke in die subjektive Wahrnehmung ihrer professionellen F&#228;higkeiten im Umgang mit digitalen Medien im DaF-Unterricht zu gewinnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">D&#246;ring/Bortz 2016</xref>). Die Datenerhebung wurde im Zeitraum von August bis September 2023 durchgef&#252;hrt.</p>
<p>Als prim&#228;res Erhebungsinstrument wurde eine standardisierte Online-Befragung mittels eines strukturierten Fragebogens gew&#228;hlt. Diese Methode erm&#246;glichte eine effiziente Erreichung der geografisch potenziell verteilten Zielgruppe und gew&#228;hrleistete eine einheitliche Datengrundlage f&#252;r quantitative Analysen. Es wurde eine Vollerhebung aller erreichbaren Absolvent*innen der relevanten Abschlussjahrg&#228;nge der DaF-Sektionen an der ENS Bertoua und der ENS Maroua angestrebt. Die Durchf&#252;hrung erfolgte unter strikter Einhaltung ethischer Forschungsstandards. Alle potenziellen Teilnehmenden wurden vorab umfassend &#252;ber die Ziele der Studie, die Art der Befragung, die Freiwilligkeit der Teilnahme sowie die Ma&#223;nahmen zur Gew&#228;hrleistung von Anonymit&#228;t und Vertraulichkeit der erhobenen Daten informiert. Die explizite Zustimmung (Informed Consent) wurde vor Beginn der Befragung eingeholt.</p>
<p>Zur Sicherstellung der Validit&#228;t, Reliabilit&#228;t und Verst&#228;ndlichkeit des Erhebungsinstruments wurde vor der Hauptfeldphase ein Pretest durchgef&#252;hrt. Dieser umfasste eine kognitive Befragung (Cognitive Interviewing) mit zwei erfahrenen DaF-Dozent*innen der beteiligten Hochschulen vor Ort in Kamerun. Das Feedback aus dem Pretest f&#252;hrte zu geringf&#252;gigen Anpassungen bei der Formulierung einzelner Items zur Verbesserung der Klarheit und kulturellen Angemessenheit. Der Fragebogen operationalisierte die digitalen (Medien)Kompetenzen anhand von Items, die sich an etablierten Kompetenzmodellen (orientiert an Baacke und angepasst an den Lehrkontext) orientierten und die Teilnehmenden aufforderten, ihre F&#228;higkeiten auf Likert-Skalen selbst einzusch&#228;tzen.</p>
<p>Die resultierenden quantitativen Daten wurden nach der Erhebung anonymisiert, codiert und anschlie&#223;end mittels deskriptiver Statistik, insbesondere durch H&#228;ufigkeitsanalysen und Vergleiche von Mittelwerten und Verteilungen, ausgewertet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Benninghaus 1989</xref>). Die Stichprobe umfasste insgesamt 35 Absolvent*innen der DaF-Lehrer*innenausbildung. Davon geh&#246;rten 15 Teilnehmende (ca. 42,86%) der ENS Bertoua und 20 Teilnehmende (ca. 57,14%) der ENS Maroua an. Die Geschlechterverteilung innerhalb der Stichprobe war ann&#228;hernd ausgeglichen, mit 19 m&#228;nnlichen (ca. 54,29%) und 16 weiblichen (ca. 45,71%) Teilnehmenden. Hinsichtlich des Alters der Befragten verteilten sich die Angaben wie folgt: 11 Personen (ca. 31,43%) waren j&#252;nger als 25 Jahre, 9 Personen (ca. 25,71%) waren zwischen 25 und 29 Jahre alt, 7 Personen (ca. 20%) waren zwischen 30 und 34 Jahre alt und 8 Personen (ca. 22,86%) waren zwischen 35 und 39 Jahre alt.</p>
<p>Wie jede empirische Untersuchung unterliegt auch die vorliegende Studie spezifischen Limitationen, die bei der Interpretation der Ergebnisse ber&#252;cksichtigt werden m&#252;ssen.</p>
</sec>
<sec>
<title>5 Limitationen der Studie</title>
<p>Die Aussagekraft der pr&#228;sentierten empirischen Ergebnisse unterliegt mehreren Limitationen, die inh&#228;rent mit der gew&#228;hlten Methodik und den spezifischen Rahmenbedingungen der Untersuchung verbunden sind. Erstens ist bei der Interpretation der Daten zu ber&#252;cksichtigen, dass Selbsteinsch&#228;tzungen von Kompetenzen potenziellen Verzerrungseffekten unterliegen k&#246;nnen. Insbesondere das Ph&#228;nomen der sozialen Erw&#252;nschtheit (Social Desirability Bias), also die Tendenz von Befragten, Antworten zu geben, die sie als sozial akzeptabel oder vorteilhaft wahrnehmen, k&#246;nnte die berichteten Kompetenzniveaus beeinflusst haben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Podsakoff/MacKenzie/Podsakoff 2003</xref>). Ebenso ist nicht auszuschlie&#223;en, dass bei einigen Teilnehmenden zum Befragungszeitpunkt noch keine vollst&#228;ndig ausdifferenzierte oder reflektierte Meinung zu allen Aspekten ihrer digitalen Kompetenz vorlag, was die Validit&#228;t einzelner Antworten einschr&#228;nken k&#246;nnte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Krosnick 1991</xref>).</p>
<p>Zweitens gestaltete sich der Zugang zur definierten Zielgruppe als logistisch herausfordernd. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung hatten die Absolventinnen und Absolventen der DaF-Lehrer*innenausbildung bereits ihre Zuweisungen an staatliche Gymnasien (Lyc&#233;es) erhalten. Diese befinden sich h&#228;ufig in l&#228;ndlichen Regionen Kameruns, die teilweise &#252;ber eine nur rudiment&#228;r ausgebaute digitale Infrastruktur verf&#252;gen (z.B. unzuverl&#228;ssige Internetverbindung, Stromausf&#228;lle). Um dennoch eine m&#246;glichst hohe Teilnahmequote zu erzielen, wurde die Datenerhebung als Online-Befragung konzipiert, musste jedoch situativ durch alternative &#220;bermittlungswege (z.B. Bereitstellung des Fragebogens als bearbeitbares Dokument via Messenger-Diensten bei Internetproblemen) erg&#228;nzt werden. Dieses hybride Vorgehen war pragmatisch notwendig, birgt jedoch potenziell die Gefahr uneinheitlicher Erhebungsbedingungen.</p>
<p>Drittens ist die Stichprobengr&#246;&#223;e von N=35 als relativ klein zu bewerten. Obwohl eine Vollerhebung der erreichbaren Absolvent*innen an den beiden spezifischen Standorten angestrebt wurde, limitiert die absolute Fallzahl die statistische Aussagekraft und die M&#246;glichkeit zur Durchf&#252;hrung komplexerer inferenzstatistischer Analysen (z.B. detaillierte Gruppenvergleiche). Folglich sind die gewonnenen Erkenntnisse prim&#228;r als explorative Einblicke in die Situation an den untersuchten P&#228;dagogischen Hochschulen (ENS Bertoua und ENS Maroua) zu verstehen. Eine Generalisierung der Ergebnisse auf die Gesamtheit der DaF-Lehrkr&#228;fte in Kamerun oder auf andere Hochschulstandorte ist aufgrund der begrenzten und standortspezifischen Stichprobe nicht zul&#228;ssig und w&#252;rde weiterf&#252;hrende, breiter angelegte Untersuchungen erfordern.</p>
</sec>
<sec>
<title>6 Zentrale Ergebnisse der Studie</title>
<p>Die nachfolgende Darstellung der empirischen Ergebnisse orientiert sich an der etablierten vierdimensionalen Struktur der Medienkompetenz nach Dieter Baacke. Dieses Modell, das Medienkompetenz als F&#228;higkeit zur Orientierung in und zur aktiven Teilhabe an der mediatisierten Welt konzeptualisiert, umfasst die Dimensionen Medienkritik (1), Medienkunde (2), Mediennutzung (3) und Mediengestaltung (4) (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baacke 1997</xref>). Die Analyse fokussiert auf die vergleichende Betrachtung der Ergebnisse von Lehramtsstudierenden an den &#201;cole Normale Sup&#233;rieure (ENS) in Maroua und Bertoua, Kamerun.</p>
<sec>
<title>6.1 Medienethik</title>
<p>Die Dimension der Medienkritik umfasst nach Baacke (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1997</xref>) analytische F&#228;higkeiten (Problemerkennung bez&#252;glich medialer Prozesse), reflexive F&#228;higkeiten (Entwicklung eines eigenen Standpunkts) und ethische F&#228;higkeiten (sozial verantwortliches Handeln in Bezug auf Medien). In der vorliegenden Studie wurden Aspekte wie ethisches Urteilsverm&#246;gen, Kenntnis von Verhaltensnormen im digitalen Raum sowie die F&#228;higkeit zum Selbst- und Fremdschutz vor sch&#228;dlichen Inhalten operationalisiert.</p>
<p>Hinsichtlich des ethischen Urteilsverm&#246;gens im digitalen Kontext deuten die Selbstausk&#252;nfte auf eine grunds&#228;tzlich positive Selbsteinsch&#228;tzung hin, jedoch mit signifikanten Unterschieden zwischen den Standorten. W&#228;hrend an der ENS Maroua eine deutliche Mehrheit (75%) angibt, &#252;ber ein &#8222;sehr hohes Ma&#223;&#8220; an Wissen &#252;ber ethisch korrektes Verhalten zu verf&#252;gen, trifft dies an der ENS Bertoua nur auf 50% der Befragten zu. Obgleich beide Werte eine mehrheitliche Zustimmung signalisieren, indiziert die Differenz potenziell unterschiedliche Sensibilisierungsgrade oder curriculare Verankerungen ethischer Fragestellungen.</p>
<p>Ein heterogeneres Bild ergibt sich bei der Kenntnis allgemeiner Verhaltensregeln im Internet (oft als &#8222;Netiquette&#8220; bezeichnet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Shea 1994</xref>). An der ENS Maroua gibt eine klare Mehrheit (62%) an, diese Regeln zu kennen. Im Gegensatz dazu zeigt sich an der ENS Bertoua eine auff&#228;llige Streuung: Jeweils 30% der Studierenden sch&#228;tzen ihre Kenntnisse als &#8222;sehr gering&#8220; bzw. &#8222;sehr hoch&#8220; ein, w&#228;hrend die gr&#246;&#223;te Gruppe (40%) ihre Kenntnisse im mittleren Bereich (&#8222;mittelm&#228;&#223;ig&#8220;) verortet. Diese Heterogenit&#228;t an der ENS Bertoua k&#246;nnte auf diverse Faktoren zur&#252;ckzuf&#252;hren sein, darunter unterschiedliche Vorerfahrungen mit digitalen Medien, uneinheitliche curriculare Behandlung des Themas oder auch differente Interpretationen.</p>
<p>Besonders kritisch stellt sich die Kompetenz zum Schutz vor sch&#228;dlichen Online-Inhalten dar. An beiden Hochschulen sch&#228;tzt eine Mehrheit der Studierenden ihre F&#228;higkeit, sich selbst und andere vor Risiken wie Cybermobbing, Desinformation oder verst&#246;renden Inhalten zu sch&#252;tzen, als defizit&#228;r ein. An der ENS Maroua bewerten 50% ihre Kompetenz als &#8222;eher nicht vorhanden&#8220; oder &#8222;einigerma&#223;en vorhanden&#8220;, an der ENS Bertoua sind es sogar 60%. Diese Ergebnisse legen nahe, dass wesentliche Aspekte der digitalen Ethik und Sicherheit &#8211; wie der Umgang mit drastischen Inhalten, Datenschutzbewusstsein, die Beachtung von Urheberrechten und Lizenzmodellen &#8211; in der Ausbildung bisher unzureichend ber&#252;cksichtigt werden. Eine Analyse der Curricula (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">ENS Maroua n.d.</xref> Programme d&#8217;Etudes de DIPES II &#8211; Allemand; <xref ref-type="bibr" rid="B9">ENS Bertoua n.d.</xref> Programme d&#8217;Etudes de DIPES II &#8211; Allemand) best&#228;tigt, dass diese Themen in den bestehenden Informatik- oder E-Learning-Modulen nicht explizit verankert sind. Diese L&#252;cke wird m&#246;glicherweise durch einen gesamtgesellschaftlichen Kontext verst&#228;rkt, in dem digitale Rechte und Pflichten noch keine breite Beachtung finden. Die Befunde unterstreichen die dringende Notwendigkeit, gezielte Bildungsangebote zur St&#228;rkung der kritisch-reflexiven und ethischen Medienkompetenz an beiden Institutionen zu implementieren, um Studierende besser auf die Herausforderungen des digitalen Raums vorzubereiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">Tulodziecki/Grafe 2012</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>6.2 Medienkunde</title>
<p>Medienkunde bezieht sich nach Baacke (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1997</xref>) auf das Wissen &#252;ber Mediensysteme und deren Funktionsweisen sowie auf die F&#228;higkeit, mediale Ger&#228;te und Software zu bedienen (instrumentell-qualifikatorische Ebene). Letzteres korrespondiert eng mit dem Konzept der &#8222;Digital Literacy&#8220; im Sinne grundlegender digitaler Anwenderkompetenzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">UNESCO 2018</xref>). Die Abbildungen 1und 2 visualisieren die Selbsteinsch&#228;tzungen der Studierenden hinsichtlich ihrer Kenntnisse spezifischer Softwaretypen.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Selbsteingesch&#228;tzte Softwarekenntnisse der DaF-Lehramtsstudierenden an der ENS Maroua (N=20).</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4295_ngoei-g1.jpg"/>
</fig>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Selbsteingesch&#228;tzte Softwarekenntnisse der DaF-Lehramtsstudierenden an der ENS Bertoua (N=15).</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4295_ngoei-g2.jpg"/>
</fig>
<p>Beide Kohorten berichten &#252;ber solide Grundkenntnisse in der Textverarbeitung. An der ENS Maroua sch&#228;tzen sich 75% der Befragten als &#8222;sehr gut&#8220; oder &#8222;gut&#8220; ein, an der ENS Bertoua sind es 66%. Diese Kompetenzen werden mutma&#223;lich in den obligatorischen Informatik- bzw. E-Learning-Kursen an beiden Hochschulen grundgelegt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">ENS Maroua/ENS Bertoua n.d</xref>. <italic>Programme d&#8217;Etudes de DIPES II &#8211; Allemand</italic>).</p>
<p>Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch bei anspruchsvolleren Anwendungen wie Bildbearbeitungs-, Audio-/Video- und Multimediasoftware. W&#228;hrend an der ENS Maroua die H&#228;lfte der Studierenden (50%) ihre Kenntnisse als &#8222;gen&#252;gend&#8220; bezeichnet, was auf rudiment&#228;re F&#228;higkeiten hindeutet, geben an der ENS Bertoua lediglich 10% &#8222;gute&#8220; oder &#8222;sehr gute&#8220; Kenntnisse an; 40% verorten sich sogar im Bereich geringer Kenntnisse (wenige Kenntnisse). Angesichts der wachsenden Bedeutung multimedialer Formate in Bildung und Wissenschaft legt dieser Befund nahe, dass insbesondere an der ENS Bertoua F&#246;rderbedarf besteht, um Studierende ad&#228;quat auf die Erstellung und Nutzung entsprechender Lehrmaterialien vorzubereiten.</p>
<p>Die relativ gro&#223;e Diskrepanz manifestiert sich im Bereich der Informationsrecherchekompetenz. 62% der Studierenden an der ENS Maroua bewerten ihre F&#228;higkeiten hier als &#8222;gut&#8220;, w&#228;hrend dies an der ENS Bertoua nur f&#252;r 30% zutrifft. Diese Differenz ist bemerkenswert, da eine fundierte Informationskompetenz &#8211; das systematische Suchen, Auffinden, Bewerten und Verarbeiten von Informationen &#8211; eine Schl&#252;sselqualifikation f&#252;r akademisches Arbeiten und lebenslanges Lernen darstellt. Eine m&#246;gliche Erkl&#228;rung f&#252;r den Vorsprung der ENS Maroua k&#246;nnte in den dort st&#228;rker implementierten Lehrmethoden liegen, die studentische Autonomie f&#246;rdern. Insbesondere die Methode der &#8222;Travaux Personnels de l&#39;&#201;tudiant&#8220; (TPE), die individuelle oder gruppenbasierte Projektarbeiten beinhaltet, erfordert von den Studierenden eine intensive selbstst&#228;ndige Recherche in Datenbanken, im Internet und anderen Quellen sowie die kritische Aufbereitung und Pr&#228;sentation der Ergebnisse (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">ENS Maroua n.d.</xref> <italic>Programme d&#8217;Etudes de DIPES II &#8211; Allemand</italic>). Solche Ans&#228;tze scheinen die Entwicklung von Informationskompetenz effektiver zu f&#246;rdern als st&#228;rker rezeptiv ausgerichtete Lehrformate (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Heinstr&#246;m 2005</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>6.1.4 	Mediennutzung</title>
<p>Die Dimension der Mediennutzung fokussiert auf die rezeptive und interaktive Anwendung von Medien (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baacke 1997</xref>). Dies umfasst sowohl die F&#228;higkeit, Medienangebote zur Bed&#252;rfnisbefriedigung (Information, Unterhaltung etc.) zu nutzen, als auch die Kompetenz zur Interaktion und Kooperation mittels digitaler Medien.</p>
<p>Ein markanter Unterschied zwischen den beiden Hochschulen zeigt sich bei der effektiven Nutzung von Software zur Zielerreichung. W&#228;hrend 80% der Studierenden an der ENS Bertoua angeben, Software effektiv zur Probleml&#246;sung einsetzen zu k&#246;nnen, berichten dies an der ENS Maroua lediglich 12%. Diese erhebliche Diskrepanz von 68% deutet auf eine ausgepr&#228;gtere instrumentelle Handlungskompetenz an der ENS Bertoua hin, zumindest in der subjektiven Wahrnehmung der Studierenden. Ein &#228;hnliches, wenn auch weniger extremes Muster zeigt sich bei der Effizienz der Softwarenutzung: 60% der Befragten an der ENS Bertoua geben an, Software zeitsparend nutzen zu k&#246;nnen, verglichen mit 40% an der ENS Maroua. Zusammengenommen suggerieren diese Daten eine h&#246;here pragmatische Anwendungskompetenz im Umgang mit Standardsoftware an der ENS Bertoua.</p>
<p>Die Ergebnisse zur digitalen Kollaboration und Kommunikation (siehe Abbildungen 3 und 4) offenbaren ebenfalls deutliche Kontraste und komplementieren das Bild.</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb.3: Selbsteingesch&#228;tzte Kompetenzen in digitaler Zusammenarbeit und Kommunikation an der ENS Maroua (N=20).</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4295_ngoei-g3.jpg"/>
</fig>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Abb.4: Selbsteingesch&#228;tzte Kompetenzen in digitaler Zusammenarbeit und Kommunikation an der ENS Bertoua (N=15).</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4295_ngoei-g4.jpg"/>
</fig>
<p>An der ENS Maroua zeigt sich ein sehr hohes Vertrauen in die eigene F&#228;higkeit zur produktiven und kooperativen Zusammenarbeit &#252;ber digitale Medien. 88% der Studierenden sch&#228;tzen ihre Kompetenz hier als &#8222;sehr hoch&#8220; ein. Dies korreliert m&#246;glicherweise mit den Erfahrungen aus den E-Learning-Kursen und den TPE-basierten Projektarbeiten. Im Gegensatz dazu weist die ENS Bertoua eine starke Polarisierung auf: Jeweils 30% der Antworten entfallen auf die Extremkategorien &#8222;sehr hoch&#8220; und &#8222;sehr gering&#8220;. Dies deutet auf eine erhebliche Heterogenit&#228;t innerhalb der Studierendenschaft hin &#8211; ein Teil scheint bereits sehr kompetent in digitaler Kollaboration zu sein, w&#228;hrend ein anderer Teil erhebliche Defizite wahrnimmt.</p>
<p>Ein paralleles Muster findet sich bei der F&#228;higkeit zur verst&#228;ndlichen Kommunikation und aktiven Gespr&#228;chsbeteiligung in digitalen Umgebungen. An der ENS Maroua f&#252;hlen sich 75% der Studierenden hier sehr kompetent (&#8222;in sehr hohem Ma&#223;e&#8220;). An der ENS Bertoua hingegen gibt die Mehrheit (60%) an, in diesem Bereich erhebliche Schwierigkeiten zu haben (&#8222;in sehr geringem Ma&#223;e&#8220;). Diese Ergebnisse k&#246;nnten auf unterschiedliche Kommunikationskulturen an den Hochschulen, unterschiedliche technische Infrastrukturen oder differente Erfahrungen mit synchronen und asynchronen digitalen Kommunikationswerkzeugen zur&#252;ckzuf&#252;hren sein (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Hrastinski 2008</xref>). Die Befunde an der ENS Bertoua signalisieren einen klaren Bedarf an der F&#246;rderung kommunikativer Kompetenzen im digitalen Raum.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>7 Implikationen der Studie und kritische Betrachtung</title>
<p>Die vergleichende Analyse der Medienkompetenz an der ENS Maroua und der ENS Bertoua offenbart distinkte Profile mit spezifischen St&#228;rken und Schw&#228;chen an beiden Standorten.</p>
<p>An der ENS Maroua scheinen die Studierenden, vermutlich gef&#246;rdert durch E-Learning-Angebote und autonomief&#246;rdernde Lehrmethoden wie TPE (Travail Personnel de l&#8217;&#201;tudiant), &#252;ber vergleichsweise hohe Kompetenzen in der digitalen Kollaboration und Kommunikation (Mediennutzung) sowie in der Informationsrecherche (Medienkunde) zu verf&#252;gen. Gleichzeitig zeigen sich jedoch deutliche Defizite im Bereich der Medienkritik, insbesondere bei der ethischen Reflexion, dem Schutz vor sch&#228;dlichen Inhalten und der kritischen Bewertung von Informationsquellen. Dies legt nahe, dass die bisherige Ausbildung zwar die instrumentellen und interaktiven Aspekte der Medienkompetenz f&#246;rdert, die kritisch-reflexive Dimension jedoch vernachl&#228;ssigt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Livingstone 2004</xref>). Die hohe Selbsteinsch&#228;tzung bei der digitalen Kollaboration k&#246;nnte zudem einer kritischen Pr&#252;fung bed&#252;rfen, ob sie mit tats&#228;chlicher Effektivit&#228;t und Reflexion &#252;ber Kollaborationsprozesse einhergeht.</p>
<p>An der ENS Bertoua hingegen deuten die Ergebnisse auf eine st&#228;rkere pragmatische Software-Anwendungskompetenz (Mediennutzung) hin, bei der Studierende sich zutrauen, Software effektiv und effizient zur Probleml&#246;sung einzusetzen. Dem stehen jedoch erhebliche Schw&#228;chen gegen&#252;ber: Die Medienkritik (insbesondere Quellenevaluation und Schutzkompetenz) ist ebenso wie an der ENS Maroua unterentwickelt. Zudem sind die Kompetenzen in der digitalen Kollaboration und Kommunikation (Mediennutzung) sowie bei fortgeschritteneren Softwarekenntnissen (Medienkunde), etwa im multimedialen Bereich und bei der Informationsrecherche, signifikant geringer ausgepr&#228;gt als an der ENS Maroua. Dies k&#246;nnte auf st&#228;rker traditionelle Lehrmethoden und eine geringere Integration digitaler Interaktionsformen in den Studienalltag hindeuten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Kirkwood/Price 2014</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen:</title>
<p>Die Befunde unterstreichen die Notwendigkeit einer standortspezifischen Weiterentwicklung der Curricula zur F&#246;rderung einer holistischen Medienkompetenz im Sinne Baackes (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1997</xref>), die alle vier Dimensionen umfasst.</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>St&#228;rkung der Medienkritik an beiden Standorten: Es bedarf dringender Ma&#223;nahmen zur Integration von Themen wie digitaler Ethik, Datenschutz, Urheberrecht, Quellenevaluation, Erkennung von Desinformation und Strategien zum Umgang mit Online-Risiken in die Lehramtsausbildung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Frau-Meigs 2011</xref>). Dies k&#246;nnte durch eigene Module, die Integration in bestehende Kurse oder extracurriculare Angebote geschehen.</p></list-item>
<list-item><p>F&#246;rderung spezifischer Kompetenzen an der ENS Bertoua: Gezielte Trainings zur Verbesserung der Informationsrecherchekompetenz, der Nutzung von Multimedia-Software sowie der digitalen Kollaborations- und Kommunikationsf&#228;higkeiten sind angezeigt. Dies erfordert m&#246;glicherweise auch eine Anpassung der Lehrmethoden hin zu st&#228;rker projektbasierten und interaktiven Formaten.</p></list-item>
<list-item><p>Reflexion der St&#228;rken an der ENS Maroua: W&#228;hrend die Kollaborationskompetenzen hoch eingesch&#228;tzt werden, sollte &#252;berpr&#252;ft werden, inwieweit diese durch kritisch-reflexive F&#228;higkeiten fundiert sind. Die effektive Softwarenutzung zur Probleml&#246;sung scheint hier ein Entwicklungsfeld zu sein.</p></list-item>
<list-item><p>Ausblick: Zuk&#252;nftige Forschung k&#246;nnte qualitative Methoden nutzen, um die Ursachen der beobachteten Unterschiede tiefergehend zu untersuchen. Zudem w&#228;re eine Erhebung zur Dimension der Mediengestaltung (aktive, kreative Medienproduktion) w&#252;nschenswert, um ein vollst&#228;ndiges Bild der Medienkompetenz zu erhalten.</p></list-item>
</list>
<p>Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die blo&#223;e Bereitstellung von Technologie oder Basiskursen nicht ausreicht. Eine umfassende Medienbildung, die technische Fertigkeiten mit kritischem Denken, ethischer Verantwortung und kommunikativer Kompetenz verbindet, ist essenziell, um zuk&#252;nftige Lehrkr&#228;fte ad&#228;quat auf die Anforderungen einer digitalisierten Bildungslandschaft und Gesellschaft vorzubereiten.</p>
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<p>Hamadou Ngoei ist DaF-Lehrer und Evaluations- und Qualit&#228;tsbeauftragter an der Hochschule der bildenden K&#252;nste Saar. Er hat ein Master im Fach DaF und Global Studies an der Universit&#228;t Jaunde 1 (Kamerun) und Leipzig abgeschlossen. Der ehemalige Erasmus- und ASA-Stipendiat hat ebenfalls seit Februar 2022 ein Masterstudium in Evaluation an der Universit&#228;t des Saarlandes absolviert, wo er bereits mit Lehrauftr&#228;gen im wissenschaftlichen Ablauf des englischen Masterstudiengangs Evaluation eingebunden ist. Sein aktuelles Dissertationsprojekt an der Universit&#228;t Gie&#223;en betrifft die Future Skills und BNE im Kontext der kamerunischen Hochschulbildung.</p>
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<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Keplerstra&#223;e 3-5</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">66117 Saarbr&#252;cken</styled-content></p>
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