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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum Themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Medial schriftliche Materialien im Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen in der Grundschule</article-title>
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<surname>Bulut</surname>
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<email>necle.bulut@uni-muenster.de</email>
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<surname>von Dewitz</surname>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#228;t M&#252;nster, Germanistisches Institut, Abteilung f&#252;r Sprachdidaktik, Schlossplatz 34, 48143 M&#252;nster</aff>
<aff id="aff-2"><label>2</label>Universit&#228;t zu K&#246;ln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 K&#246;ln</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-02-26">
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<abstract>
<p>Das Hauptziel von Vorbereitungsklassen oder Lerngruppen f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen ist die Vermittlung von Deutschkenntnissen. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Lesen und Schreiben f&#252;r den Aufbau von fach- und bildungssprachlichen Kompetenzen zu. Ihre Rolle im Unterricht f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen wurde jedoch bislang kaum erforscht. Um sich dieser Forschungsl&#252;cke zu widmen, wird in diesem Beitrag die Integration schriftsprachlicher Kompetenzen in den Unterricht mit neu zugewanderten Grundsch&#252;ler*innen untersucht. In einer explorativen Studie an K&#246;lner Grundschulen wurden medial schriftliche Materialien aus dem Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen dokumentiert und ausgewertet. Zentrale Ergebnisse zeigen, dass die meisten Aufgaben geschlossene Formate haben und der inhaltliche Fokus haupts&#228;chlich auf Wortschatzerweiterung und Grammatik liegt, w&#228;hrend Textkompetenz weitgehend vernachl&#228;ssigt wird.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>Newcomer Students in Primary Schools: Written Materials in the classroom</bold></p>
<p>Classes for newly arrived students usually focus on German language proficiency. The importance of reading and writing for subject-specific and educational language competencies is always emphasized, yet their role in classes for newly immigrated students has been scarcely researched so far. This article examines the integration of written language skills in the curriculum for newly immigrated primary school students. In an exploratory study at four primary schools, written media materials were documented and evaluated. Key findings indicate that most tasks use closed formats and the content focus is mainly on vocabulary expansion and grammar, while text competence is scarcely found.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Schriftsprachliche Kompetenzen</kwd>
<kwd>Neuzuwanderung</kwd>
<kwd>Grundschulbildung</kwd>
<kwd>Deutsch als Zweitsprache (DaZ)</kwd>
<kwd>Lehrmaterialien</kwd>
<kwd>Aufgabenformate</kwd>
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<kwd>written language skills</kwd>
<kwd>newly arrived students</kwd>
<kwd>primary education</kwd>
<kwd>German as a second language</kwd>
<kwd>teaching materials</kwd>
<kwd>task formats</kwd>
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<title>1 Einleitung</title>
<p>Die Einbindung neu zugewanderter Sch&#252;ler*innen erfolgt in der Grundschule unterschiedlich, h&#228;ufig werden sie direkt im Unterricht eingebunden und erhalten eine gewisse Anzahl an Stunden zus&#228;tzlicher F&#246;rderung im Deutschen. Die Bildung von parallel gef&#252;hrten Klassen oder separaten Lerngruppen wird h&#228;ufig kontrovers diskutiert und sie werden insbesondere im Bereich der Grundschule stark kritisiert (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Karakayal&#305;/zur Nieden/Kahyeci/Gro&#223;/Heller 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">H&#246;ckel/Schilling 2022</xref>). Ziel der Ma&#223;nahmen, Lerngruppen oder Vorbereitungsklassen<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> ist in erster Linie die Vorbereitung auf die Teilnahme am Regelunterricht, wobei der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Deutschkenntnissen liegt, da &#8222;das Erlernen der deutschen Sprache f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler grundlegende Voraussetzung [ist], damit sie sich m&#246;glichst bald und m&#246;glichst umfassend am Unterricht beteiligen k&#246;nnen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B24">MSB NRW 2018</xref> BASS 13&#8211;63 Nr. 3). Wie die Einbindung der neu zugewanderten Kinder gestaltet wird, welche Vorgaben, Stundentafeln, F&#228;cher und Konzepte es gibt, variiert dabei in erheblichem Ausma&#223;, sowohl zwischen den Bundesl&#228;ndern als auch teilweise zwischen einzelnen Regionen, Standorten oder Schulen. Unabh&#228;ngig davon, ob es sich um eine parallel gef&#252;hrte Lerngruppe oder um eine additive F&#246;rderma&#223;nahme im Deutschen handelt, spielen schriftliche Kompetenzen f&#252;r eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht der Regelklasse eine besondere Rolle, da Rezeption und Produktion bildungssprachlicher Texte gefordert werden und auch Pr&#252;fungsformate zu einem gro&#223;en Teil schriftlich sind. Welche Rolle den Schriftkompetenzen im DaZ-Unterricht f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen zukommt und in welchem Umfang und welcher Weise sie in den genutzten Aufgaben angebahnt und gef&#246;rdert werden, ist jedoch kaum untersucht. In unserem Beitrag m&#246;chten wir uns dieser Frage mit Daten aus einer explorativen Studie ann&#228;hern, indem wir die medial schriftlichen Materialien aus dem Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen untersuchen, die an vier Grundschulen im Raum K&#246;ln erhoben wurden. Grundlage hierf&#252;r bildet ein Korpus, das Aufgaben, &#220;bungen, Produkte von Lernenden und Materialien, die in den Grundschulen an je sechs Terminen dokumentiert und durch eine teilstrukturierte Unterrichtsbeobachtung erg&#228;nzt wurden, enth&#228;lt. Unser Fokus liegt hierbei auf den Aufgaben, die im Unterricht gestellt werden.</p>
<p>Im vorliegenden Beitrag gehen wir nach einer kurzen Einbettung in den Kontext von Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen auf schriftliche Materialien sowie die Rolle und Klassifikation von (schriftlichen) Materialien und Aufgaben ein. Es folgt eine Darstellung zum methodischen Vorgehen, bevor die Ergebnisse dargestellt werden. Diese zeigen, dass der Schwerpunkt im Bereich der medialen Schriftlichkeit in den untersuchten Unterrichtsstunden auf Wortschatz und Grammatik sowie auf geschlossenen Aufgabenformaten liegt, wohingegen Textkompetenz kaum eine Rolle spielt. Abschlie&#223;end werden im Ausblick Forschungsdesiderata aufgezeigt.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Schriftsprachliche Kompetenzen im Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen</title>
<p>In den Anfangsphasen einer Lerngruppe f&#252;r neu zugewanderte Kinder liegt der Fokus auf der Erstf&#246;rderung im Deutschen und damit in der Regel auf alltagssprachlichen, m&#252;ndlichen Kompetenzen, die die Kommunikation und das Zurechtkommen in der Umgebung erm&#246;glichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Roth 2018</xref>). Auch das &#8218;Ankommen&#8216; in der Schule, wie Lehrkr&#228;fte es h&#228;ufig bezeichnen, pr&#228;gt die erste Zeit, in der die Sch&#252;ler*innen die Routinen und Regeln des Unterrichts, seine Sozialformen und Methoden kennenlernen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Fuchs/Birnbaum/H&#246;velbrinks 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">von Dewitz/Terhart 2018</xref>). F&#252;r die Verzahnung mit dem Unterricht einer sog. Regelklasse sind jedoch auch schriftsprachliche Kompetenzen relevant, da die Rezeption und Produktion von Texten zur Wissensaneignung und -generierung f&#228;cher&#252;bergreifend vorausgesetzt wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2004: 8</xref>).</p>
<p>Schriftsprachkompetenzen beziehen sich auf die F&#228;higkeit, Texte lesen und schreiben zu k&#246;nnen. Diese Kompetenzen variieren in ihren Zielen und Funktionen, wobei insbesondere die kommunikative Funktion und der Austausch von Informationen in Vorbereitungsklassen oder Lerngruppen einen zentralen Stellenwert einnehmen kann, um in der ersten Zeit das Zurechtfinden im (Schul-)Alltag in Deutschland zu unterst&#252;tzen. Schriftsprachkompetenzen umfassen spezifische Teilprozesse, die f&#252;r das Verstehen und das Produzieren von schriftlichen Inhalten erforderlich sind. Becker-Mrotzek (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2018: 51</xref>) nimmt eine Einteilung (<xref ref-type="table" rid="T1">Tab.1</xref>) in &#8222;Schriftkompetenz&#8220; und &#8222;Textkompetenz&#8220; vor und weist jedem Bereich jeweils rezeptive und produktive Fertigkeiten zu:</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Schrift- und Textkompetenz (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Becker-Mrotzek 2018: 51</xref>)</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="left" valign="top">Schriftkompetenz</td>
<td align="left" valign="top">Textkompetenz</td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top">Rezeption: Lesen von Buchstaben, W&#246;rtern, S&#228;tzen</td>
<td align="left" valign="top">Rezeption: Lesen von Texten</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top">Produktion: Schreiben von Buchstaben, W&#246;rtern, S&#228;tzen</td>
<td align="left" valign="top">Produktion: Schreiben von Texten</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>In dieser Modellierung werden basale Lese- und Schreibtechniken von hierarchiehohen Prozessen unterschieden. Die basalen Kompetenzen stellen grundlegende Ziele im Anfangsunterricht dar und sind f&#252;r die Rezeption und Produktion von Texten erforderlich. Denn die sichere Beherrschung elementarer F&#228;higkeiten &#8211; dazu z&#228;hlen die Teilprozesse, die unter den Begriffen Lese- und Schreibfl&#252;ssigkeit zusammengefasst werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Stephany</xref>/Lemke/Linnemann/Goltsev/Bulut/Claes/Roth/Becker-Mrotzek 2017: 156) &#8211; ist Voraussetzung f&#252;r Lese- und Schreibkompetenzen. Im Kern dieser Teilprozesse stehen das automatisierte Dekodieren und Verschriften beim Lesen und Schreiben von W&#246;rtern. Anf&#228;nglich liegt der Fokus auf dem Erwerb dieser F&#228;higkeiten. Der Lernprozess wird h&#228;ufig durch das von Frith (<xref ref-type="bibr" rid="B12">1985</xref>) vorgeschlagene Phasenmodell beschrieben. Allerdings sollte dieses Modell nicht ohne kritische Betrachtung &#252;bernommen werden, weil es prim&#228;r auf die englische Sprache ausgerichtet ist und daher dessen spezifischen graphematischen Regeln folgt. Zudem basiert es auf der Annahme eines sequentiellen Durchlaufens von Stufen, was der Realit&#228;t des oft nicht-linearen, heterogenen und individuell variierenden Schriftspracherwerbs bei Kindern nicht angemessen Rechnung tr&#228;gt und die institutionellen und methodenspezifischen Varianzen in Bildungskontexten vernachl&#228;ssigt (zur kritischen &#220;bersicht <xref ref-type="bibr" rid="B2">Becker 2022</xref>). In den Bildungsstandards f&#252;r das Fach Deutsch finden sich diese Teilprozesse in den Kompetenzbereichen &#8222;Lesen&#8220;, &#8222;Schreiben&#8220;, &#8222;sich mit Texten und anderen Medien auseinandersetzen&#8220; und &#8222;Sprache und Sprachgebrauch untersuchen&#8220; wieder, die auch im Bereich &#8222;Sprechen und Zuh&#246;ren&#8220; gef&#246;rdert und weiterentwickelt werden k&#246;nnen (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2004: 8</xref>).</p>
<p>Das Anbahnen von Kompetenzen in den Bereichen Lesen und Schreiben m&#252;sste vor dem Hintergrund der Erwartungen in den Bildungsstandards fester Bestandteil des Unterrichts mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen f&#252;r einen reibungslosen &#220;bergang in den Regelunterricht sein, insbesondere mit Blick auf fach- und bildungssprachliche Kompetenzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">F&#252;rstenau 2017</xref>). Studien belegen, dass gerade das Schreiben von Texten den fachlichen Lernzuwachs steigert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B27">Philipp 2022</xref>). Der Schreibprozess verlangsamt das innere Sprechen und f&#252;hrt dazu, dass komplexere sprachliche Strukturen gebildet und fachliche Konzepte neu geordnet und entfaltet werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Pertzel/Schu&#776;tte 2016</xref>). In den letzten Jahren wurden Konzepte, Projekte und Materialien f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen im Bereich der weiterf&#252;hrenden Schulen entwickelt, wie beispielsweise zum Schreiben in Vorbereitungsklassen in Hamburg (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">B&#252;hler-Otten/Unverzagt/Bollinger/Piening/Br&#252;ntrup/Grommes 2019</xref>). Es ist jedoch bislang kaum untersucht, welche Rolle dem Lesen- und Schreibenlernen im Rahmen der intensiven Erstf&#246;rderung des Deutschen f&#252;r neu zugewanderte Kinder &#252;berhaupt zukommt und in welchem Umfang und welcher Weise sie angebahnt und gef&#246;rdert werden, insbesondere in den Grundschulen. Im Rahmen des EVA-Sek-Projektes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Ahrenholz/Grommes/Ricart Brede 2023</xref>) wurden die entstehenden Schreibgelegenheiten sowie die damit verbundenen Lehr-Lernprozesse im Vorbereitungsunterricht erfasst und es konnte festgestellt werden, dass Schreibaufgaben h&#228;ufig nur beil&#228;ufig erteilt werden, wodurch ihr didaktisches Potenzial nicht vollst&#228;ndig ausgesch&#246;pft wird. In unserem Beitrag untersuchen wir anhand medial schriftlicher Materialien, welche Kompetenzbereiche in welchem Umfang in Vorbereitungsklassen an Grundschulen vorkommen und gef&#246;rdert werden. Dies ist besonders vor dem Hintergrund relevant, dass sich die F&#246;rderung im Bereich DaZ nach dem &#220;bergang in den Regelunterricht nicht immer fortsetzt: Zwar haben einige Bundesl&#228;nder, wie z.B. Hamburg oder Berlin, die Anschlussf&#246;rderung nach dem &#220;bergang in den Unterricht einer Regelklasse verankert, l&#228;ngst aber nicht alle. Die implizite und vielfach widerlegte Erwartung (zum Lesen z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Marx/Gill/Brosowski 2021</xref>), die Sch&#252;ler*innen w&#252;rden sich den in Deutschland aufgewachsenen und eingeschulten Sch&#252;ler*innen ohne weitere Unterst&#252;tzung angleichen, ist mehr als fragw&#252;rdig.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Schriftliche Materialien im (DaZ-)Unterricht</title>
<p>Lesen und Schreiben lernen k&#246;nnen im Unterricht auf unterschiedliche Weise eingebettet sein, sowohl in m&#252;ndlicher Kommunikation, z.B. bei Pr&#228;sentationen, als auch in geschriebener Form. Da das Medium jedoch vorwiegend schriftlich ist, ist von grundlegender Bedeutung, die medial schriftlichen Materialien zu betrachten. Mediale Schriftlichkeit, wie sie im vorliegenden Projekt dokumentiert wurde, tritt im Unterricht in unterschiedlicher Form auf. Es lassen sich Schriftprodukte zur Gestaltung des Klassenraums, wie Lernplakate, beschriftete Bilder und &#228;hnliche, von Unterrichtsmaterialien wie Lehr- und Arbeitsb&#252;chern oder Arbeitsbl&#228;ttern unterscheiden. Auch weitere offene Materialien, wie B&#252;cher zum Vor- oder Selberlesen oder Spiele, enthalten oft Schrift. Hinzu kommt das, was im Unterricht geschrieben wird, entweder an die Tafel oder auch von den Sch&#252;ler*innen in ihre Hefte bzw. auf Arbeitsbl&#228;tter. Die Funktionen dieser medial schriftlichen Anteile im Unterricht k&#246;nnen dabei stark variieren. Es k&#246;nnen zusammenh&#228;ngende Texte gelesen oder geschrieben werden und damit auch die kommunikative Funktion von Schrift ber&#252;cksichtigt werden oder einzelne W&#246;rter von der Tafel abgeschrieben werden. Diese unterschiedlichen Anwendungen machen deutlich, wie zentral schriftliche Materialien f&#252;r den Lernprozess sein k&#246;nnen. Daher ist auch von besonderer Relevanz, inwiefern Schriftlichkeitskompetenzen durch spezifische Aufgaben im Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen gef&#246;rdert werden.</p>
<sec>
<title>3.1 Aufgaben und ihre Ziele</title>
<p>Aufgaben stellen einen zentralen Bestandteil des Unterrichts dar, insbesondere wenn es um die Arbeit mit schriftlichen Materialien geht, da Aufgaben den Lernenden helfen, das Material zu verarbeiten, zu verstehen und zu vertiefen. Sie eignen sich daher als Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung. Bei der Besch&#228;ftigung mit Aufgaben zeigt sich allerdings eine hohe begriffliche Vielfalt: In der deutschdidaktischen Aufgabenforschung sind mit &#8218;Aufgaben&#8216; Arbeitsauftr&#228;ge gemeint, die die Auseinandersetzung von Lernenden mit fachlichen (un-)bekannten Gegenst&#228;nden stimulieren und steuern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Winkler 2018: 27</xref>). Aufgaben werden nach unterschiedlichen Kriterien klassifiziert und unterteilt, abgegrenzt oder auch synonym verwendet. Aufgaben k&#246;nnen prinzipiell schriftlich oder m&#252;ndlich erfolgen sowie eine schriftliche und/oder m&#252;ndliche Bearbeitung erfordern. Dabei geht es uns in erster Linie um Lernaufgaben, die Lernprozesse anregen und begleiten, also dem Kompetenzaufbau dienen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Weinert 1999: 28&#8211;34</xref>). In der DaF-Didaktik werden Aufgaben auch als &#8222;die kommunikativen Lernziele des Fremdsprachenunterrichts&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Funk/Kuhn/Skiba/Spaniel-Weise/Wicke 2014: 11</xref>) definiert. Indem Lernaufgaben in Erarbeitungs- und &#220;bungsaufgaben unterteilt werden, k&#246;nnen Lehrkr&#228;fte sicherstellen, dass ihre Sch&#252;ler*innen sowohl neue Konzepte verstehen als auch ihr Wissen festigen k&#246;nnen. Lernende sollten also je nach Unterrichtsziel und Progression entsprechend mit Erarbeitungs- bzw. &#220;bungsaufgaben arbeiten. Dies kann auch innerhalb einer Lerngruppe variieren.</p>
<p>Erarbeitungsaufgaben sind &#8211; im Vergleich zu &#220;bungsaufgaben &#8211; ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses, der darauf abzielt, ein bestimmtes Thema oder einen Gegenstandsbereich zu erschlie&#223;en. Sie tragen dabei zur Konstruktion von &#8222;intelligentem Wissen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B31">Weinert 1996: 115</xref>) bei, indem sie ein gut strukturiertes und vielseitig einsetzbares System von F&#228;higkeiten, Kenntnissen und metakognitiven Kompetenzen aufbauen. Die Bedeutung von intelligentem Wissen liegt darin, dass es nicht nur isolierte Fakten und Informationen umfasst, sondern ein umfassendes System bildet. Es verbindet verschiedene Fachbereiche miteinander und erm&#246;glicht den Lernenden, ihr Wissen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch anzuwenden. Es ist ein wertvolles Werkzeug, das ihnen hilft, komplexe Probleme zu l&#246;sen und ihr Wissen in verschiedenen Situationen anzuwenden. Dieses Wissen ist sowohl fach&#252;bergreifend als auch praxisorientiert dienlich (ebd.). In diesem Prozess ist die Rolle des mentalen Lexikons zentral, das im Gehirn alle sprachlichen Informationen, wie W&#246;rter, deren Bedeutungen, Aussprachen und assoziative Verkn&#252;pfungen, speichert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">D&#243;czi 2019: 52&#8211;60</xref>). Durch das systematische Erarbeiten von Aufgaben werden die im mentalen Lexikon gespeicherten W&#246;rter und Konzepte nicht nur aktiviert, sondern auch neu vernetzt. Diese Vernetzungen erlauben es Lernenden, Wissen dynamisch zu organisieren und effizienter abzurufen. Wenn Lernende beispielsweise neue Fachbegriffe im Kontext verschiedener Erarbeitungsaufgaben nutzen und reflektieren, werden diese Begriffe im mentalen Lexikon st&#228;rker und in einem gr&#246;&#223;eren Netzwerk von Bez&#252;gen gespeichert. Das erweiterte und reorganisierte mentale Lexikon unterst&#252;tzt die Lernenden somit dabei, ihr intelligentes Wissen umfassender und situationsgerecht zu nutzen.</p>
<p>Um dies zu verdeutlichen, kann man sich Erarbeitungsaufgaben wie das L&#246;sen eines Puzzles vorstellen. Indem man verschiedene Teile des Puzzles zusammenf&#252;gt, erarbeitet man sich nach und nach ein Gesamtbild. Genauso funktionieren Erarbeitungsaufgaben im Lernprozess. Indem man verschiedene Aufgaben l&#246;st und Informationen miteinander verkn&#252;pft, entwickelt man ein umfassendes Verst&#228;ndnis f&#252;r das Thema oder den Bereich.</p>
<p>&#220;bungsaufgaben dienen im Vergleich dazu, das Wissen, das in der vorherigen Phase durch Erarbeitungsaufgaben erworben wurde, zu festigen und zu automatisieren. Dabei werden leicht abgewandelte Problemstellungen verwendet, um das gelernte Wissen auf neue Situationen zu &#252;bertragen. Dies erm&#246;glicht eine vertiefte Verarbeitung des neuen Wissens und f&#246;rdert das Verst&#228;ndnis.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Zur Klassifikation der Aufgaben</title>
<p>Aufgaben lassen sich sowohl auf formaler Ebene als auch auf inhaltlicher bzw. didaktischer kategorisieren. Formal betrachtet lassen sich Aufgaben nach ihrem Antwortformat in offene, halboffene und geschlossene Aufgaben unterteilen, je nachdem wie individuell und ausgearbeitet die L&#246;sung sein soll oder darf.</p>
<p>Inhaltlich bildet dagegen der Schwierigkeitsgrad ein zentrales Merkmal von Lern- und Leistungsaufgaben und ber&#252;cksichtigt die Komplexit&#228;t und Offenheit der gestellten Aufgaben. Je nach didaktischer Zielsetzung lassen sich Lernaufgaben von Diagnose- und Testaufgaben unterscheiden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Winkler 2018: 31</xref>), die auch h&#228;ufig als Leistungsaufgaben bezeichnet werden. Leistungsaufgaben dienen prim&#228;r dazu, den Kompetenzstand zu messen und kommen im allt&#228;glichen Unterricht seltener vor. Die kognitiven Prozesse, die zur L&#246;sung einer Aufgabe erforderlich sind, werden danach kategorisiert, welche Arten von Wissen und welche Denkhandlungen zur Bew&#228;ltigung notwendig sind. Dies gliedert sich unter anderem in die Anforderungsbereiche der KMK-Bildungsstandards (<xref ref-type="bibr" rid="B19">2004</xref>). Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen auch fachdidaktische Kriterien herangezogen werden, um zu beurteilen, inwieweit eine Aufgabe ein fachliches Verstehensziel operationalisiert, das angemessen mit dem fachlichen Gegenstand verbunden ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Winkler 2018: 28</xref>). Die Funktionalit&#228;t kommunikativer Kompetenzen kann am Beispiel folgender von <xref ref-type="bibr" rid="B28">QUA-LiS</xref> (o.J.) vorgeschlagenen Schreibaufgabe (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>) f&#252;r die vierte Klasse gezeigt werden:</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Schreibaufgabe mit Beispiell&#246;sung aus QUA-LiS (o.J.)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4165_bulut-g1.png"/>
</fig>
<p>Im Unterricht schreiben die Sch&#252;ler*innen ein Shape Poem zum Thema Freundschaft. Zuerst pr&#228;sentiert die Lehrkraft Beispiele von Gedichten, die sowohl inhaltlich als auch formal analysiert werden, um deutlich zu machen, was erwartet wird, einschlie&#223;lich kreativer Aspekte. Anschlie&#223;end w&#228;hlen die Sch&#252;ler*innen eine symbolische Form, die sie mit Freundschaft verbinden, und erstellen ihr Gedicht mit Hilfe von Mindmaps, Online-W&#246;rterb&#252;chern und den besprochenen Beispielen. Dabei k&#246;nnen sie das Gedicht personalisieren und kreativ gestalten. Die Aufgabe und die damit verbundenen Materialien zielen darauf ab, die verschiedenen Teilprozesse des komplexen Schreibens &#8211; Planen, Verfassen und &#220;berarbeiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Hayes/Flower 1980</xref>) &#8211; zu ber&#252;cksichtigen. Hierzu wird zun&#228;chst der Wortschatz in einer Mindmap gesammelt, Beobachtungs- und Bewertungskriterien werden bereitgestellt und durch Peerfeedback werden R&#252;ckmeldungen zur &#220;berarbeitung eingeholt. Obwohl die Aufgabe einige Merkmale guter Schreibaufgaben, wie z.B. die explizite Nennung des Adressaten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Becker-Mrotzek/Lemke 2022: 79</xref>), nicht erf&#252;llt, wird dennoch die kommunikative Funktion der sprachlichen Mittel, insbesondere des thematisch gebundenen Wortschatzes, deutlich. Da die Auswahl und Verwendung von Aufgaben im Unterricht ma&#223;geblich von der Lehrkraft beeinflusst werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Winkler 2018: 35</xref>), spielt bei der Kategorisierung von Aufgaben die Expertise und Erfahrung der Lehrkraft zudem eine wichtige Rolle.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Empirische Studie</title>
<sec>
<title>4.1 Datengrundlage, Auswertung und Limitationen</title>
<p>In einer explorativen Studie<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> wurden u.a. medial schriftliche Materialien des Unterrichts mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen dokumentiert, um der Frage nachzugehen, welche Kompetenzbereiche in den medial schriftlichen Materialien im (DaZ-)Unterricht f&#252;r neu zugewanderte Sch&#252;ler*innen aufgegriffen, welche Aufgaben gestellt und wie sie zur Vorbereitung auf den Regelunterricht im Fach Deutsch eingesetzt werden.</p>
<p>Dazu wurde der Unterricht an Schulen im Raum K&#246;ln an je sechs Terminen (i.d.R. eine Doppelstunde) beobachtet, der Ablauf teilstrukturiert dokumentiert und die entsprechenden medial schriftlichen Belege wie Aufgabenstellungen, Textaufgaben, Lernplakate etc. gesammelt. Das hier untersuchte Korpus umfasst die sechs Datenerhebungen an vier Grundschulen. Dabei wurde jeweils ein vorstrukturiertes Unterrichtsprotokoll ausgef&#252;llt sowie die medial schriftlichen Anteile des Unterrichts fotografiert oder kopiert. Pro Unterrichtsbeobachtung wurden neben dem Beobachtungsbogen ein bis sieben medial schriftliche Belege dokumentiert, beispielweise Arbeitsbl&#228;tter oder Tafelanschrieb kopiert oder abfotografiert, sodass das Korpus insgesamt 89 Einzelbelege umfasst. Alle Schulen haben freiwillig an dem Projekt teilgenommen und konnten im Zuge der Teilnahme studentische Unterst&#252;tzung in der DaZ-F&#246;rderung bzw. Hausaufgabenhilfe bekommen.</p>
<p>Zur Auswertung wurde das Korpus entlang deduktiv gebildeter Kategorien annotiert. Zun&#228;chst wurden die Belege formal danach annotiert, ob es sich um ein offenes, halboffenes oder geschlossenes Aufgabenformat handelt. Um das Korpus inhaltlich entsprechend der Bezugnahme auf bestimmte Fertigkeiten zu klassifizieren, schien es zun&#228;chst naheliegend, den Kernlehrplan im Fach Deutsch heranzuziehen, da f&#252;r Deutsch als Zweitsprache kein eigenes Curriculum f&#252;r das Land NRW vorliegt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">MSW 2021: 9&#8211;33</xref>). Nach den ersten Annotationen zeigte sich allerdings, dass die in diesem Kernlehrplan formulierten Erwartungen zu umfangreich sind und weit &#252;ber die im DaZ-Unterricht angestrebten Kompetenzen hinausgehen. Aus diesem Grund haben wir in einer zweiten Auswertungsrunde auf die inhaltlichen Kompetenzerwartungen des Fachs Englisch gem&#228;&#223; dem Lehrplan f&#252;r die Primarstufe in Nordrhein-Westfalen zur&#252;ckgegriffen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">MSW 2021: 34&#8211;51</xref>), der sich zur Kategorisierung sehr gut eignet, da er am Gemeinsamen Europ&#228;ischen Referenzrahmen f&#252;r Sprachen (GeR) ausgerichtet ist. Lediglich die interkulturellen Kompetenzerwartungen wurden nicht aufgenommen, da sie f&#252;r die Ausdifferenzierung der Schriftkompetenzen nicht relevant waren. Die Auswertung wurde dementsprechend nach den funktional-kommunikativen Kompetenzen, d.h. Lesen, Schreiben, Sprechen, Zuh&#246;ren und Sprachmittlung sowie nach den sprachlichen Mitteln des Lehrplans, d.h. Wortschatz, Grammatik, Aussprache und Orthographie vorgenommen. Aus dem Bereich &#8222;Text- und Medienkompetenz&#8220; wird &#8222;elementares Wissen dar&#252;ber, wie ein Text aufgebaut und strukturiert ist&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B25">MSW 2021: 42</xref>) als Textstrukturwissen erfasst. Da sich bei der Auswertung zeigte, dass das Schreiben oft lediglich als Medium zur Speicherung dient, wurde induktiv eine weitere Kategorie gebildet und als &#8222;medial schriftlich&#8220; annotiert. Dabei handelt es sich also um diejenigen Belege, in denen es sich um ein reines Auf- oder Abschreiben ohne eigenen Aufgabenzusammenhang handelt.</p>
<p>Das Beherrschen sprachlicher Mittel umfasst nach dem Lehrplan f&#252;r die Primarstufe in Nordrhein-Westfalen f&#252;r das Fach Englisch (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">MSW 2021: 34&#8211;51</xref>) die produktive und rezeptive Anwendung von W&#246;rtern und Ausdr&#252;cken in vertrauten Situationen (Wortschatz), das Erlernen grundlegender grammatischer Strukturen in solchen Kontexten (Grammatik), die klare und verst&#228;ndliche Verwendung bekannter Aussprache- und Intonationsmuster (Aussprache/Intonation) sowie das korrekte Schreiben von W&#246;rtern und Ausdr&#252;cken mithilfe von Vorlagen (Orthographie). Das &#252;bergeordnete Ziel f&#252;r Englisch besteht darin, dass die Sch&#252;ler*innen insgesamt das Niveau A1 des GeR erreichen (vgl. ebd.: 44). Im Vergleich dazu wird f&#252;r die Deutschf&#246;rderung i.d.R. ein etwas h&#246;heres Niveau im Deutschen, B1 oder A2 bzw. A2-, als Ziel gesetzt. In Nordrhein-Westfalen wurde das Sprachniveau B1 nach GeR ohne Bezug auf eine bestimmte Schulform im Jahr 2023 auch im entsprechenden Erlass (<xref ref-type="bibr" rid="B24">MSB NRW 2018</xref> BASS 13&#8211;63 Nr. 3, Punkt 2.3.) festgehalten.</p>
<p>Die Unterrichtsprotokolle wurden bei Bedarf zur Einordnung der Korpusbelege hinzugezogen, jedoch nicht eigenst&#228;ndig ausgewertet. Die Zuordnung der Belege zu den Kategorien wurde von zwei Personen unabh&#228;ngig voneinander durchgef&#252;hrt und Zweifelsf&#228;lle besprochen. Die Interrater-Reliabilit&#228;t lag durchschnittlich bei <italic>&#954;</italic> = 0,56. Dies deutet auf eine moderate bis gute &#220;bereinstimmung zwischen den Ratern hin, d.h. die Klassifizierungen der Aufgaben gelingen im Allgemeinen zuverl&#228;ssig (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Landis/Koch 1977</xref>).</p>
<p>Es ist als Limitation der Studie mit Blick auf die Schriftkompetenzen festzuhalten, dass sich das Korpus auf medial schriftliches Material beschr&#228;nkt. Selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen konzeptionell schriftliche Kompetenzen auch in einem medial m&#252;ndlichen Setting gef&#246;rdert und angebahnt werden, z.B. im Fall von Geschichten-Erz&#228;hlen etc., was nicht ber&#252;cksichtigt werden konnte, da dies eine vollst&#228;ndige Aufzeichnung bzw. Dokumentation des Unterrichtsgeschehens erfordert h&#228;tte. Hinzu kommt, dass durch die Verlaufsprotokolle zwar eine Orientierung im Stundengeschehen der beobachteten Unterrichtseinheit m&#246;glich ist, jedoch nur sehr begrenzte Informationen &#252;ber die Nutzung der Aufgaben z.B. im Unterrichtsgespr&#228;ch vorhanden sind und auch keine Reihenplanung vorliegt. Es kann hier also in erster Linie einmal um die Einordnung des Materials selbst gehen. Anschlie&#223;ende, umfassendere Untersuchungen bieten sich jedoch an.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Ergebnisse</title>
<p>Basierend auf den Unterrichtsbeobachtungen l&#228;sst sich zun&#228;chst ableiten, dass der Unterricht mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen an der Grundschule insgesamt haupts&#228;chlich m&#252;ndlich stattfindet. Insgesamt wurden in 24 Unterrichtsbesuchen 89 medial schriftliche Belege in das Korpus aufgenommen.</p>
<p>Betrachtet man im ersten Schritt die formale Einteilung nach dem Format, wie in <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> dargestellt, zeigt sich, dass geschlossene Aufgaben den Gro&#223;teil der Belege ausmachen. Neun Belege konnten nicht eindeutig einer Kategorie zugeordnet werden. Sie sind in der folgenden &#220;bersicht ausgespart, sodass sich eine Gesamtanzahl von 77 Belegen ergibt, die sich wie folgt (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>) auf die Formate verteilen:</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Verteilung der Aufgabenformate (unklare Belege ausgespart, n=77) in medial schriftlichen Materialien</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4165_bulut-g2.png"/>
</fig>
<p>In der Datenanalyse zeigte sich, dass 65 % der Aufgaben als geschlossene Formate, 18 % als halboffene sowie 17 % als offene Aufgaben klassifiziert wurden. Die deutliche Bevorzugung geschlossener Aufgabenformate kann als Tendenz gewertet werden, dass es sich im Unterricht bei medial schriftlichen Aufgaben h&#228;ufig um &#220;bungsaufgaben handelt, mit denen bereits Gelerntes gefestigt und automatisiert werden soll.</p>
<p>Im n&#228;chsten Schritt wurden die Belege nach den Kompetenzbereichen (<xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>) und sprachlichen Mitteln (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref>) gem&#228;&#223; den Bildungsstandards f&#252;r Englisch annotiert.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> In den Diagrammen sind die prozentualen Vorkommnisse der Kompetenzbereiche und sprachlichen Mittel ber&#252;cksichtigt.</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Anteil (%) funktional-kommunikativer Kompetenzen in schriftlichen Materialien</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4165_bulut-g3.png"/>
</fig>
<p>Die Analysen zeigen unter <xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref>, dass der Bereich Sprachmittlung, beispielsweise in Form von &#220;bersetzungsaufgaben, nicht vorkommt. Der Kompetenzbereich Sprechen ist mit einem Anteil von 24,4 % in den schriftlichen Belegen am st&#228;rksten vertreten. Dies umfasst diejenigen Belege, die zwar schriftlich vorliegen, bei denen die Bearbeitung jedoch m&#252;ndlich erfolgt. Dazu geh&#246;ren beispielsweise Geschichten, die vorgelesen werden oder Wimmelbilder, &#252;ber die sich m&#252;ndlich ausgetauscht wird. Das Schreiben folgt mit 20,9 % Belegen, wovon 16,3 % als rein &#8218;medial schriftlich&#8216; kategorisiert wurden. Hierunter wurden diejenigen Belege gefasst, in denen zwar Schreiben zu Sicherungszwecken genutzt wurde, d.h. etwas auf- oder abgeschrieben wurde, dies jedoch geschieht, ohne direkt in einen Aufgabenzusammenhang eingebettet zu sein. Dabei kann es sich um das Abschreiben von einzelnen W&#246;rtern von der Tafel handeln oder dem &#220;bertragen von Aufgabenstellungen oder Beispiels&#228;tzen in das eigene Heft. Diese machen immerhin einen Anteil von 16,3 % der 20,9 % der Belege zum Schreiben aus, wobei hier zwar ggf. bestimmte sprachliche Bereiche wie Wortschatz adressiert werden, man aber nicht von einer expliziten F&#246;rderung des Kompetenzbereichs Schreiben sprechen kann. De facto geschieht dies zu 4,6 %. Lesen ist mit einem Anteil von 19,8 % in den schriftlichen Belegen vertreten. Obwohl der Unterschied zwischen den Anteilen nicht hoch ist, w&#228;re eine st&#228;rkere Betonung von Lesen und Schreiben in den Materialien zu erwarten gewesen, da in die Auswertung ausschlie&#223;lich schriftlich vorliegendes Material eingeflossen ist. Die niedrigere Pr&#228;senz von Zuh&#246;ren mit 11,6 % ist nachvollziehbar, da vor allem Vorleseeinheiten diese Kategorie beeinflussen.</p>
<p><xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref> zeigt die H&#228;ufigkeit, mit der die verschiedenen sprachlichen Mittel in den 86 Belegen jeweils annotiert wurden. Betrachtet man, welche sprachlichen Mittel durch den Einsatz der Aufgaben am h&#228;ufigsten gef&#246;rdert werden, zeigt sich eine recht eindeutige Verteilung zugunsten von Wortschatz und Grammatik mit 64 % bzw. 39,5 % gegen&#252;ber deutlich kleineren Anteilen zu Textstrukturwissen (4,7 %) und Orthographie (4,7 %) mit jeweils nur wenigen Belegen. Lediglich zwei Belege wurden dem im Lehrplan ebenfalls enthaltenen Bereich der Aussprache zugeordnet, der der medialen M&#252;ndlichkeit zuzuordnen ist.</p>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Abb. 4: Sprachliche Mittel und Textstrukturwissen in medial schriftlichen Materialien</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4165_bulut-g4.png"/>
</fig>
<p>Weitere Einblicke ergeben sich durch die Kombination der verschiedenen Kategorien: Wertet man aus, wie sich die Aufgabenformate auf die Kompetenzbereiche und sprachlichen Mittel verteilen, ist es interessant, den Blick auf die offenen Formate zu werfen, die nur mit einer Gesamtheit von 13 Belegen vertreten sind. Sie sind in f&#252;nf bzw. sechs F&#228;llen den Kompetenzbereichen Schreiben und Sprechen zugeordnet, nur einmal bzw. keinmal dem Zuh&#246;ren bzw. Lesen. Trainiert werden dabei hinsichtlich der sprachlichen Mittel wie auch im Gesamtbild Wortschatz (9 Belege) und Grammatik (4 Belege). Textstrukturwissen und Orthographie werden nur je bei einem Beleg annotiert, Aussprache kommt nicht vor. Zu den offenen Aufgaben z&#228;hlen Texte, die mit Hilfestellungen frei geschrieben werden. Beispielsweise wird in einem Fall anhand einer Darstellung der Jahreszeiten in einem Bildw&#246;rterbuch m&#252;ndlich Wortschatz zu den verschiedenen Jahreszeiten gesammelt, die W&#246;rter von der Lehrkraft an der Tafel notiert und von den Sch&#252;ler*innen in ihr Heft &#252;bertragen. Danach sollen die Sch&#252;ler*innen zu jeder Jahreszeit eine Geschichte schreiben. Resultat ist dabei ein kurzer Text (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref>), der f&#252;r den Fr&#252;hling auch auf den Osterhasen Bezug nimmt und die Jahreszeit somit in einen bestimmten kulturellen Kontext verortet.</p>
<fig id="F5">
<caption>
<p>Abb. 5: Sch&#252;ler*innentext zum Fr&#252;hling (Beleg g418)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4165_bulut-g5.jpg"/>
</fig>
<p>Es gibt jedoch ebenfalls Aufgaben, bei denen zwar frei geschrieben wird, die Sch&#252;ler*innen sich jedoch st&#228;rker an einem vorab ge&#252;bten Satzmuster orientieren. Dies ist u.a. der Fall, wenn <italic>Quatschs&#228;tze</italic> &#252;ber Lehrkr&#228;fte gebildet und aufgeschrieben werden sollen, diese aber einem bestimmten Prinzip folgen (in diesem Fall dem Muster &#8218;Person X macht Z an einem Ort Y&#8216;). Die Sch&#252;ler*innen schreiben eigenst&#228;ndig S&#228;tze wie z.B. <italic>&#8222;Frau [NAME] baut Lego auf der Wiese&#8220;</italic> oder <italic>&#8222;Frau [NAME] singt auf den Tischtennisplatte&#8220;</italic> (Beleg a623). Dabei entstehen keine Texte, sondern es werden vielmehr grammatikalische Strukturen einge&#252;bt. &#196;hnliches zeigt sich bei dem generativen Schreiben im halboffenen Format, wenn nur einzelne Teile eines Satzes durch eigene Ideen ersetzt werden. Hierf&#252;r schreibt eine Lehrkraft den folgenden Text an die Tafel (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>).</p>
<fig id="F6">
<caption>
<p>Abb. 6: Tafelanschrieb durch Lehrkraft (Beleg c21)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4165_bulut-g6.jpg"/>
</fig>
<p>Die Sch&#252;ler*innen schreiben ihn ab und erg&#228;nzen jeweils verschiedene Sachen, die gefunden wurden. Hierf&#252;r wurden zuvor bereits Nomen und Adjektive gesammelt und ebenfalls an der Tafel notiert.</p>
<p>Insgesamt ist jedoch festzuhalten, dass es sich auch bei diesen Aufgaben um einen relativ kleinen Teil der Belege handelt und geschlossene Aufgabenformate &#252;berwiegen, in denen beispielsweise einzelne L&#252;cken in vorgegebenen S&#228;tzen ausgef&#252;llt werden m&#252;ssen. Der Fokus liegt hierbei meist im Bereich Wortschatz und/oder Grammatik.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.3 Diskussion der Ergebnisse</title>
<p>Ziel des DaZ-Unterrichts in F&#246;rderma&#223;nahmen oder Lerngruppen ist die Vorbereitung auf den Unterricht der Regelklasse, inklusive der dortigen Anforderungen an den Umgang mit Texten. Insofern sind die Anforderungen zumindest in der Theorie deutlich h&#246;her als die des Lehrplans im Fach Englisch f&#252;r die Grundschule, die bei der Annotation des vorliegenden Korpus genutzt wurden. Trotzdem wird erwartet, dass die Sch&#252;ler*innen im Fach Englisch &#252;ber <italic>funktional-kommunikative Kompetenzen</italic> verf&#252;gen. Diese beinhalten das Verstehen von gesprochenen und audiovisuellen Inhalten, bekannt als <italic>H&#246;r-/H&#246;rsehverstehen.</italic> Zus&#228;tzlich umfassen sie das Lesen und Verstehen von kurzen Texten (<italic>Leseverstehen</italic>). Au&#223;erdem sollten die Sch&#252;ler*innen in der Lage sein, an Gespr&#228;chen teilzunehmen und zusammenh&#228;ngend zu sprechen (<italic>Sprechen</italic>). Dar&#252;ber hinaus sollen sie in der Lage sein, kurze Texte nach Vorlagen zu verfassen, um pers&#246;nlich relevante Schreibabsichten umzusetzen (<italic>Schreiben</italic>), und Geh&#246;rtes sowie Gelesenes &#252;bersetzen k&#246;nnen (<italic>Sprachmittlung</italic>) (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">MSW 2021</xref>). Im vorliegenden, medial schriftlichen Datenkorpus konnten gerade im Bereich Schreiben nur sehr wenige Schreibanl&#228;sse f&#252;r Texte gefunden werden, so dass geschlossen werden kann, dass diese im Unterricht offenbar (noch) keine gro&#223;e Rolle spielen.</p>
<p>Die vornehmlich geschlossenen Aufgabenformate verweisen auf einen hohen Anteil von &#220;bungsaufgaben, bei denen kein Wissen erarbeitet wird, sondern die der Festigung und Automatisierung dienen. Die Festigung oder Automatisierung von Lerngegenst&#228;nden m&#252;sste nach ihrer Einf&#252;hrung und Erarbeitung erfolgen. Zwar ist ohne die detailliertere Einbettung der Aufgaben in das Unterrichtsgeschehen in seinen Phasen keine 1:1-Zuordnung vorzunehmen, jedoch kann die Tendenz zu vermehrtem &#220;ben angenommen werden. Dies entspricht auch den geschlossenen Aufgabenformaten, die sich in Lehr- und &#220;bungsb&#252;chern des Sprachniveaus A1&#8211;A2 h&#228;ufig wiederfinden, beispielsweise beim Ausf&#252;llen einzelner L&#252;cken in S&#228;tzen eines Musters oder bei der Zuordnung von W&#246;rtern oder S&#228;tzen zu Bildern.</p>
<p>Schaut man darauf, was in den Aufgaben behandelt wird, zeigt sich eine Verteilung &#252;ber die verschiedenen Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Zuh&#246;ren und Sprechen, w&#228;hrend Sprachmittlung entgegen der Erwartung im DaZ-Unterricht nicht bzw. nicht schriftlich vorkommt. In den Bildungsstandards f&#252;r Englisch wird Sprachmittlung als Kompetenz angegeben, es handelt sich um eine von vielen M&#246;glichkeiten, wie die sprachlichen Kompetenzen der Lernenden in verschiedenen Sprachen als Ressourcen f&#252;r den gesamten Lernprozess dienen k&#246;nnen. Vor diesem Hintergrund &#252;berraschen die Ergebnisse, da gerade bei Sch&#252;ler*innen, deren Sprachkenntnisse noch begrenzt sind, der Einsatz von Sprachmittlung z.B. in Form von &#220;bersetzungen erwartbar gewesen w&#228;re, m&#246;glicherweise aber nicht oder ausschlie&#223;lich m&#252;ndlich stattfindet. Zwar l&#228;sst sich aus den Daten nicht beantworten, ob und wie die Sprachmittlung im M&#252;ndlichen gef&#246;rdert wird, eine m&#246;gliche Interpretation f&#252;r das Fehlen entsprechender Belege k&#246;nnte jedoch sein, dass die DaZ-Lehrkr&#228;fte sich anders als in den Schulfremdsprachen vornehmlich an den Kompetenzen im Deutschen fokussieren und die Sprachmittlung nicht als Ziel ihres Unterrichts sehen. Da die Forschung zeigt, dass Lehrkr&#228;fte sich aus verschiedenen Gr&#252;nden oft nicht dazu bef&#228;higt sehen oder Angst davor haben, Mehrsprachigkeit in den Unterricht einzubeziehen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Bredthauer/Engfer 2018</xref>), sind jedoch auch andere Erkl&#228;rungen m&#246;glich. So k&#246;nnte auch ein Grund f&#252;r ihre (m&#246;gliche) Ablehnung darin liegen, dass sie &#8211; anders als im Fremdsprachenunterricht &#8211; die jeweiligen Sprachen nicht beherrschen oder es in der Schule f&#252;r einige Sprachen weniger Ressourcen, wie W&#246;rterb&#252;cher, Bilderb&#252;cher etc., gibt (ebd.). Auch ist gerade in der Grundschule die Wahrscheinlichkeit im Vergleich zu weiterf&#252;hrenden Schulformen h&#246;her, dass die Kinder nur im Deutschen schreiben und lesen lernen und Sprachmittlung so nicht in medial schriftlicher Form stattfindet.</p>
<p>Ebenfalls relevant ist, dass nur ein Teil des Schreibens &#252;berhaupt zur F&#246;rderung der Fertigkeiten und sprachlichen Mittel genutzt wird, in einem nicht unerheblichen Teil jedoch die Schrift vorwiegend in Form des Kopierens oder in ihrer Funktion als Speichermedium zum Tragen kommt. Zwar entsteht beispielsweise durch das Festhalten von Ergebnissen im Heft bei sp&#228;terem Nachlesen eine f&#252;r Texte charakteristische zerdehnte Sprechsituation (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Ehlich 1983</xref>), jedoch scheint es sich in vielen F&#228;llen auch um ein reines Abschreiben zu handeln, das nicht wie es z.B. bei Wortlisten der Fall w&#228;re, zum sp&#228;teren Lernen oder Nachlesen gedacht ist. Ein solches &#8218;Kopieren&#8216; erfordert Aufmerksamkeit und Genauigkeit und kann Rechtschreibung &#252;ben oder Ergebnisse sichern, dient aber kaum zur Anbahnung textbezogener Kompetenzen. Dabei kann also Schriftkompetenz, nicht aber die Textkompetenz (vgl. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>) gef&#246;rdert werden.</p>
<p>Schaut man auf die sprachlichen Bereiche, in denen die Kompetenzen gef&#246;rdert werden, liegt der Schwerpunkt auf Wortschatz und Grammatik. Das annotierte Material deutet auf eine traditionelle Wortschatzarbeit hin. Sie zeichnet sich vor allem durch punktuelle Ma&#223;nahmen aus, die oft in Form von situationsbezogenen Wortschatzhilfen wie Listen oder Satzanf&#228;ngen erfolgen, teilweise auch in Verbindung mit Rechtschreibtraining. Diese reduzierte Vorgehensweise birgt die Gefahr, dass die Arbeit am mentalen Lexikon unsystematisch und zuf&#228;llig erfolgt, oft losgel&#246;st vom Kontext. Im mentalen Lexikon k&#246;nnen auf diese Weise keine semantischen Verbindungen zwischen W&#246;rtern entstehen, die kontextabh&#228;ngig unterschiedlich stark und in verschiedenen Wortfeldern aktiviert werden m&#252;ssten. Eine systematische Wortschatzarbeit bietet der wortschatzdidaktische Dreischritt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Feilke 2009: 1</xref>) Semantisierung der W&#246;rter innerhalb eines Textes, indem sie isoliert werden und ihre Bedeutung gekl&#228;rt wird, 2) Sammeln und Ordnen der W&#246;rter in Netzwerkmodellen wie Cluster, Mindmaps oder Listen, 3) Reaktivierung bzw. Gebrauch der W&#246;rter in m&#252;ndlichen und schriftlichen Texten.</p>
<p>Zur Vermittlung von Grammatikkompetenz werden ebenfalls geschlossene Aufgabenformate bevorzugt. Auch hier deuten die Daten darauf hin, dass eher ein traditioneller Grammatikunterricht erfolgt. Es werden grammatische Regeln und Konzepte durch eine explizite Unterweisung vorgegeben, die die Lernenden in geschlossenen &#220;bungsformaten anwenden sollen.</p>
<p>Auch wenn der Schwerpunkt in den Bereichen Wortschatz und Grammatik insbesondere im Anfangsunterricht wichtig ist, w&#228;re jedoch zu &#252;berlegen, ob sich eine st&#228;rkere Verbindung zu schriftlichen Kompetenzen sowohl beim Lesen als auch Schreiben herstellen lie&#223;e. Konzepte wie der (literarische) Sprachausbau (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Maas 2008</xref>) oder Ans&#228;tze der koordinierten Alphabetisierung (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Bezirksregierung K&#246;ln 2021</xref>) w&#228;ren M&#246;glichkeiten, an die sich ankn&#252;pfen lie&#223;e. Auch die st&#228;rkere Einbindung mehrsprachiger Elemente k&#246;nnte zugunsten von literalen Kompetenzen genutzt werden, um Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r Schreibanl&#228;sse zu generieren. Generative Textarbeit findet sich zwar im Korpus, jedoch nur in sehr wenigen Belegen.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Fazit und Ausblick</title>
<p>Die Belege des hier untersuchten Unterrichts mit neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen weisen auf einen eher an M&#252;ndlichkeit orientierten Unterricht hin. Es lassen sich zwar mehr Belege f&#252;r Lesen und Schreiben insgesamt finden, das Schreiben wird jedoch vorwiegend der Kategorie &#8222;medial schriftlich&#8220; zugeordnet, also als Medium genutzt. Der Anteil von Sprechen und Zuh&#246;ren ist in einem schriftlichen Datenkorpus im Verh&#228;ltnis sehr hoch. Zwar lassen die Daten aufgrund ihrer Limitationen keine eindeutigen Angaben zu, sie k&#246;nnen in ihrer Tendenz jedoch in diese Richtung interpretiert werden. Auch wenn dieser Befund wenig verwundert und ein Fokus auf Wortschatz und Grammatik im Anfangsunterricht DaZ durchaus seine Berechtigung hat, w&#228;re eine systematische Verbindung des Unterrichts mit den Anforderungen des Regelunterrichts w&#252;nschenswert und notwendig. Alternativen zur traditionellen Wortschatzarbeit und Grammatikvermittlung erm&#246;glichen eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem Wortschatz und f&#246;rdern dessen Anwendung in verschiedenen Kontexten. Dabei kann entdeckendes Lernen gef&#246;rdert werden, bei dem Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aktiv Sprache(n) erforschen und lernen und sich der Fokus vom reinen Unterrichten zum aktiven Lernen verschiebt. Hierbei k&#246;nnen verschiedene grammatische Unterrichtskonzepte zum Einsatz kommen sowie Mehrsprachigkeit einbezogen werden. Dar&#252;ber hinaus scheinen eine Kooperation und Abstimmung sowie das Aufgreifen vorhandener literaler und mehrsprachiger Kompetenzen der Sch&#252;ler*innen geboten. Um auf den Regelunterricht vorzubereiten, sollte auch Textkompetenz und konzeptionelle Schriftlichkeit (st&#228;rker) ber&#252;cksichtigt werden.</p>
<p>Als Desiderat l&#228;sst sich insgesamt festhalten, dass zus&#228;tzliche Forschung zur Entwicklung und F&#246;rderung der basalen sowie hierarchieh&#246;heren schriftsprachlichen F&#228;higkeiten von neu zugewanderten Sch&#252;ler*innen im Grundschulalter erforderlich ist. Hier sollte insbesondere ein Abgleich mit den Anforderungen an die Sch&#252;ler*innen im Unterricht der sog. Regelklasse stattfinden. Nur so kann ein besseres Verst&#228;ndnis f&#252;r den Erwerb von Schrift- und Textkompetenzen gewonnen und k&#246;nnen Praxiskonzepte entwickelt und erprobt werden.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Der Begriff wird im Folgenden als Oberbegriff f&#252;r parallel zum Regelunterricht gef&#252;hrte Klassen genutzt, die jedoch in der Praxis sehr unterschiedliche Bezeichnungen, wie Internationale Klassen, Willkommensklassen etc. haben k&#246;nnen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Massumi/von Dewitz/Grie&#223;bach/Terhart/Wagner/Hippmann/Altinay 2015: 12</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Die Daten wurden als Teil des Projekts &#8218;Internationale Klassen&#8217; unter der Leitung von Henrike Terhart und Nora von Dewitz in einem Lehrforschungszusammenhang erhoben, bislang aber nicht ver&#246;ffentlicht. In dem gr&#246;&#223;er angelegten Projekt wurden weitere Daten (u.a. Interviews) erhoben und die Ergebnisse bereits an verschiedenen Stellen ver&#246;ffentlicht (u.a. von <xref ref-type="bibr" rid="B8">Dewitz/Terhart 2018</xref>). Zudem haben verschiedene Schulformen am Gesamtprojekt teilgenommen. In diesem Beitrag wird also lediglich ein Teilkorpus zu &#8218;medialer Schriftlichkeit&#8216; an Grundschulen ausgewertet. Herzlicher Dank gilt allen Projektbeteiligten in den Schulen und Seminaren sowie der gemeinsamen Projektleitung, Henrike Terhart. Weiterer Dank geht zudem an Janine B&#228;rtels und B&#252;&#351;ra G&#252;ne&#351;tepe, die als studentische Mitarbeiterinnen das Entstehen des vorliegenden Beitrags an verschiedenen Stellen unterst&#252;tzt haben.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Dabei wurde f&#252;r jeden Beleg eine Zuordnung zu den Kategorien vorgenommen, d.h. es sind Mehrfachannotationen der Belege m&#246;glich, sodass die Summe nicht 100 % ergibt.</p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Literatur</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Necle Bulut</bold> ist akademische R&#228;tin am Germanistischen Institut der Universit&#228;t M&#252;nster. Zu ihren Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten geh&#246;ren Schriftspracherwerb, Handschreiben und Tastaturschreiben, Lese- und Schreibfl&#252;ssigkeit, Mehrsprachigkeit im Unterricht sowie Kurmanji (Kurdisch).</p>
<p><bold>Nora von Dewitz</bold> ist Juniorprofessorin f&#252;r sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit am Mercator-Institut f&#252;r Sprachf&#246;rderung und DaZ / Institut f&#252;r deutsche Sprache und Literatur II der Universit&#228;t zu K&#246;ln. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind u.a. (Migrationsbedingte) Mehrsprachigkeit, Neuzuwanderung, durchg&#228;ngige Sprach(en)bildung</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Dr. Necle Bulut</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:necle.bulut@uni-muenster.de">necle.bulut@uni-muenster.de</ext-link></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Universit&#228;t M&#252;nster</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Germanistisches Institut</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Abteilung f&#252;r Sprachdidaktik</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Schlossplatz 34, 48143 M&#252;nster</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Jun-Prof.&#8216; Dr.&#8216; Nora von Dewitz</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:nora.dewitz@uni-koeln.de">nora.dewitz@uni-koeln.de</ext-link></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Universit&#228;t zu K&#246;ln</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Albertus-Magnus-Platz</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">50923 K&#246;ln</styled-content></p>
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