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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Einstellungen zur Herkunftssprache von migrationsbedingt mehrsprachigen Studierenden</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Kultur- und Geisteswissenschaften, Universit&#228;t Kassel und Technische Hochschule Aschaffenburg</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-09-19">
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<abstract>
<p>Mehrsprachigkeit ist an deutschen Universit&#228;ten und (Fach-)Hochschulen eine Realit&#228;t. Dennoch setzt sich im deutschen Hochschulsystem weiter der &#8222;monolinguale Habitus&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Gogolin 2008</xref>) plus Englisch durch, wodurch die Integration anderer Fremdsprachen in den Studienkontext erschwert wird. Wie Studierende, die migrationsgeschichtlich bedingt &#8222;lebensweltlich mehrsprachig&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B49">Tracy/Gawlitzek 2023: 29</xref>) sind, ihre Herkunftssprache im Hochschulkontext erleben und welche Rolle sie selbst dieser zuschreiben, wird am Beispiel von drei Repertory-Grid-Interviews mit Studierenden der Technischen Universit&#228;t Aschaffenburg verdeutlicht. Zentrale Aspekte in der Wahrnehmung der Herkunftssprache sind dabei ihre geringe Relevanz in verschiedenen Kontexten des Studiums, gekoppelt an den Wunsch nach Wertsch&#228;tzung ihrer Sprachkenntnisse durch Lehrpersonal und Kommiliton*innen, sowie die Zuschreibung von Nutzen f&#252;r die zuk&#252;nftige Berufswelt.</p>
</abstract>
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<p><bold>Attitudes of multilingual students with migration background towards their language of origin</bold></p>
<p>Multilingualism is a reality at German universities and universities of applied sciences. Nevertheless, the &#8220;monolingual habitus&#8221; (<xref ref-type="bibr" rid="B21">Gogolin 1997</xref>) plus English continues to prevail in the German higher education system, making it difficult to integrate other foreign languages into the study context. Three Repertory Grid Interviews with students of the University of Applied Sciences (UAS) Aschaffenburg illustrate how students who are multilingual in terms of migration background experience their language of origin in their university context and what role they themselves attribute to it. Central aspects in the perception of the language of origin are its low relevance in various contexts of study, coupled with the desire for appreciation of their language skills by teaching staff and fellow students, as well as the attribution of benefits for the future professional world.</p>
</trans-abstract>
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<kwd>Mehrsprachigkeit</kwd>
<kwd>Migrationsgeschichte</kwd>
<kwd>Herkunftssprache</kwd>
<kwd>Studium</kwd>
<kwd>Repertory-Grid-Methode</kwd>
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<kwd>multilingualism</kwd>
<kwd>migration background</kwd>
<kwd>language of origin</kwd>
<kwd>academic studies</kwd>
<kwd>Repertory Grid Method</kwd>
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<title>1 Einleitung</title>
<p>Mehrsprachigkeit ist sowohl in Deutschland als auch im globalen Kontext eine gesellschaftliche Realit&#228;t. Dennoch wird Einsprachigkeit in Deutschland gesellschaftlich als Normalfall betrachtet, obwohl global gesehen Mehrsprachigkeit der Standard ist (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Binanzer/Jessen 2020: 222</xref>). Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich in Deutschland im Kontext der Migration mehrsprachige Sprecher*innengemeinschaften entwickelt, die zur Etablierung sogenannter Minderheitensprachen wie T&#252;rkisch, Russisch oder Arabisch (ebd.: 217&#8211;222) beigetragen haben und die bestehende Sprachenvielfalt bereichern (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/ Wiese 2023: 88&#8211;89</xref>). Diese Sprachen werden von der urspr&#252;nglichen Einwanderungsgeneration als Muttersprache mitgebracht und werden oftmals auch als Teil des &#8222;kulturellen Erbes&#8220; einer Familie als <italic>Heritage-Sprachen</italic> erhalten, indem sie an die n&#228;chsten, in Deutschland geborenen Generationen weitergegeben werden (ebd.: 89).</p>
<p>Gesamtgesellschaftlich gesehen kann jedoch eine differenzierte (Be-)<italic>Wertung</italic> von Sprachen aufgezeigt werden. Schroedler et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B44">2022</xref>) zeigen in ihrer Studie, dass es Prestigeunterschiede zwischen Sprachen gibt, die sich als schulische Fremdsprachen etabliert haben (z. B. Englisch, Franz&#246;sisch, Spanisch), und solchen, die es nicht sind (z. B. Arabisch, T&#252;rkisch, Russisch) (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Schroedler 2024: 155</xref>). Letztere werden von den befragten Sprecher*innen der jeweiligen Sprache als prestigeniedrigere Sprachen beschrieben und mit h&#228;ufiger auftretenden Vorf&#228;llen sprachlicher Diskriminierung in Verbindung gebracht (ebd.). Auch im Bildungskontext werden Minderheitensprachen von vielen Lehrkr&#228;ften eher als Belastung, denn als Bereicherung im Unterricht angesehen (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Binanzer/Jessen 2020: 223</xref>), wodurch migrationsbedingter Mehrsprachigkeit oftmals kein Bildungspotenzial zugeschrieben wird (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Engin/Olsen 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Garc&#237;a/Tupas 2019: 391</xref>). Aus Sicht der Sch&#252;ler*innen wird jedoch anhand zahlreicher Studien deutlich, dass durchaus eine positive Einstellung gegen&#252;ber der eigenen Mehrsprachigkeit besteht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Krumm 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Mast/Sachse 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B50">von Dewitz et al. 2022</xref>), obwohl sie oftmals nur eine geringe Wertsch&#228;tzung ihrer Herkunftssprache im Schulkontext erfahren (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Binanzer/Jessen 2020: 228</xref>). Ob sich diese Einstellungen bez&#252;glich der eigenen Herkunftssprache auf das Studium &#252;bertragen lassen, bleibt bislang offen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Burger et al. 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Edelmann 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">Dannerer 2015</xref>). Aus diesem Grund widmet sich die vorliegende Studie der Frage, welche Rolle die Herkunftssprache(n) f&#252;r migrationsbedingt mehrsprachige Studierende in Deutschland im Studienkontext spielt. Um Antworten auf diese Frage zu finden, wurden drei Repertory-Grid-Interviews mit migrationsbedingt mehrsprachigen Studierenden der Technischen Hochschule Aschaffenburg durchgef&#252;hrt. Die Anwendung dieser Interviewtechnik erm&#246;glicht es, die subjektiven Einstellungen der befragten Studierenden bez&#252;glich der Rolle ihrer Herkunftssprache in verschiedenen Studienkontexten zu erfassen sowie die erhobenen Einstellungen der verschiedenen Teilnehmer*innen untereinander zu vergleichen.</p>
<p>Im nachfolgenden Kapitel werden zun&#228;chst zentrale Begriffe erl&#228;utert. Daraufhin folgt eine Einf&#252;hrung des angewandten Erhebungsinstruments sowie ein Einblick in den aktuellen Forschungsstand zur Einstellungsforschung bei migrationsbedingt mehrsprachigen Studierenden. Das vierte Kapitel widmet sich der Beschreibung des Untersuchungsdesigns dieser Studie. In den nachfolgenden Kapitel 5, 6 und 7 werden zentrale Ergebnisse der Studie pr&#228;sentiert, diskutiert und zusammengefasst.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Theoretischer Hintergrund</title>
<sec>
<title>2.1 Mehrsprachigkeit</title>
<p>Der Begriff Mehrsprachigkeit ist weit gefasst und wird oftmals als Oberbegriff f&#252;r verschiedene Formen des Zweit- bzw. Fremdsprachenerwerbs genutzt (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Franceschini, 2009</xref>), wobei keine einheitliche Verwendung des Begriffs stattfindet (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Mast/Sachse 2021: 22</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 73</xref>). Grund daf&#252;r ist unter anderem die Schwierigkeit, zu bestimmen, was eine Sprache ist und demzufolge auch, was mehrere Sprachen sind (ebd.: 73). Es stellt sich die Frage, ob Sprecher*innen von Varianten, die &#252;blicherweise einer Sprache zugeordnet werden (Dialekte, Standardvariet&#228;ten, gesprochene, geb&#228;rdete und schriftliche Register) (<xref ref-type="bibr" rid="B49">Tracy/Gawlitzek 2023: 27</xref>) als mehrsprachig z&#228;hlen, oder ob Mehrsprachigkeit erst durch das Beherrschen unterschiedlicher Variet&#228;ten, die als Standardsprachen in verschiedenen L&#228;ndern gesprochen werden, erreicht wird (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 73</xref>). Wie man erkennen kann, verlaufen die Grenzen zwischen einer und mehreren Sprachen flie&#223;end. Des Weiteren ist zu bedenken, dass es zu graduellen Unterschieden bei Mehrsprachigkeit kommt, wenn man sich Gedanken zum Umfang und Gebrauch von Sprachen macht (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Grosjean 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 74</xref>). Es stellen sich die Fragen, wie breit das Repertoire von Sprecher*innen aufgestellt sein muss, um als mehrsprachig zu gelten, und ob es Unterschiede gibt, wenn eine Sprache haupts&#228;chlich informell in der Familienkommunikation erworben wurde und eine andere in formellen Registern, wie der Schule (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 74</xref>). Auch hier f&#228;llt auf, dass die Grenzen flie&#223;end sind. Man kann demzufolge nicht sagen, dass mehrsprachige Sprecher*innen &#8222;so etwas wie &#8216;zwei Einsprachige in einem Kopf&#8217;&#8220; (ebd.) sind, sondern dass diese &#252;ber ein breiteres sprachliches Repertoire verf&#252;gen, das sich anhand von Unterschieden gegen&#252;ber Einsprachigen im Sprachgebrauch sowie in der Sprachstruktur (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Riehl 2014</xref>) zeigen kann. Die Europ&#228;ische Kommission verweist in ihrer Mitteilung <italic>Eine neue Rahmenstrategie f&#252;r Mehrsprachigkeit</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Kommission der Europ&#228;ischen Gemeinschaften 2005</xref>) auf zwei Arten von Mehrsprachigkeit: die individuelle und die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit. Es wird demzufolge differenziert zwischen der &#8222;F&#228;higkeit einer Person, mehrere Sprachen zu benutzen&#8220; und der &#8222;Koexistenz verschiedener Sprachgemeinschaften in einem geografischen Raum&#8220; (ebd.: 3). W&#228;hrend die individuelle Mehrsprachigkeit den Gebrauch verschiedener Sprachen durch individuelle Sprecher*innen repr&#228;sentiert, verweist gesellschaftliche Mehrsprachigkeit darauf, dass eine Gesellschaft insgesamt von Sprachenvielfalt gepr&#228;gt ist (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 74</xref>; vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B14">Franceschini 2010: 10</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B31">Kremnitz 1994: 54</xref> zu &#8222;gesellschaftlicher Mehrsprachigkeit&#8220;). Im Rahmen der hier pr&#228;sentierten Studie, die ihren Fokus auf die Rolle der Herkunfts- oder Heritage-Sprache (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 89</xref>) von migrationsbedingt mehrsprachigen Studierenden im Studienkontext legt, ist von individueller Mehrsprachigkeit die Rede. Als mehrsprachig werden alle Menschen angesehen, die im Laufe ihres Lebens mehrere Sprachen aktiv in ihrem Alltag gebrauchen (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Riehl 2014:11</xref>). Diese Studie verfolgt einen soziolinguistischen Ansatz und untersucht den Sprachgebrauch sowie die Einstellungen migrationsbedingt mehrsprachiger Studierenden gegen&#252;ber ihrer Herkunfts- oder Heritage-Sprache im Hochschulkontext.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.2 Herkunftssprache, Familiensprache und Heritage-Sprache</title>
<p>In der aktuellen Literatur findet der Begriff Herkunftssprache zahlreiche Kritik, da mit dem Begriff oftmals die Annahme einhergeht, dass die Sprecher*innen eine ausl&#228;ndische Herkunft haben (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Boas/Wiese 2023: 89</xref>). Diese Annahme erscheint jedoch f&#252;r Sprecher*innen, die in der 2. oder 3. Generation in Deutschland aufwachsen, nicht angemessen (ebd.). Gogolin (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2010</xref>), Polinsky (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2017</xref>), Hornberger und Wang (<xref ref-type="bibr" rid="B25">2017</xref>) sowie Heilmann und Grotl&#252;schen (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2020</xref>) greifen diese Problematik auf und erkl&#228;ren, dass der Begriff Herkunft sich nicht zwingend auf einen eigenen Migrationshintergrund beziehen muss, sondern auch auf famili&#228;re Herkunft und die damit verbundene Hauptsprache der Familie verweisen kann (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Heilmann/Grotl&#252;schen 2020: 268</xref>). Boas und Wiese (<xref ref-type="bibr" rid="B4">2023</xref>) schlagen deshalb als Alternative den Begriff Heritage-Sprache vor, der darauf verweist, dass Sprecher*innen diese Sprache als Teil des kulturellen &#8222;Erbes&#8220; (engl. <italic>heritage</italic>) ihrer Familie sprechen (ebd.: 89). Weiter impliziert diese Bezeichnung anders als Familiensprache nicht die Annahme, dass in der Familie ausschlie&#223;lich diese Sprache gesprochen wird. Sprecher*innen einer Heritage-Sprache wie beispielsweise T&#252;rkisch, Arabisch oder Russisch verwenden diese Sprache zwar oftmals in der Familienkommunikation, doch kann die Verwendung z.B. des Deutschen in der Familie nicht ausgeschlossen werden (ebd.). F&#252;r die Durchf&#252;hrung der hier pr&#228;sentierten Studie (siehe Kapitel 4 und 5) wird dennoch der Begriff Herkunftssprache gew&#228;hlt, um an den bestehenden Forschungsstand (siehe Kapitel 3) anzukn&#252;pfen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.3 (Sprach-)Einstellungen</title>
<p>Unter Einstellung versteht man die subjektive Bewertung eines Objekts durch eine Person (Mast/Sachse 2022: 23). Einstellungen dienen der Vereinfachung der Informationsverarbeitung (ebd.: 23) und bilden eine wesentliche Grundlage f&#252;r die Ausbildung von Intentionen, die dem Verhalten vorangehen, weshalb sie von gro&#223;er Bedeutung bei der Vorhersage und Erkl&#228;rung menschlichen Verhaltens sind (<xref ref-type="bibr" rid="B46">St&#252;rmer 2009</xref>). Nach Schroedler (<xref ref-type="bibr" rid="B42">2019: 103</xref>) kommen Einstellungen besonders deutlich in Form von Stereotypen zum Ausdruck, die als &#252;bergeneralisierte Zuschreibungen gesehen werden k&#246;nnen und subjektive Best&#228;nde des Alltagswissens mit Bewertungen verbinden. Spracheinstellungen thematisieren neben den Sprachen an sich und ihrer Wahrnehmung auch das eigene Sprachenrepertoire oder Spracherleben (<xref ref-type="bibr" rid="B30">Korb 2014: 12</xref>). Busch (<xref ref-type="bibr" rid="B7">2013</xref>) definiert Spracherleben als die Selbstwahrnehmung der eigenen Sprache(n), ohne auf die Messung der Kompetenzen einzugehen, wobei das emotionale Empfinden, die Wahrnehmung von sich selbst und von anderen sowie das Gef&#252;hl von Zugeh&#246;rigkeit und Identifizierung mit einer Gruppe im Mittelpunkt stehen (ebd.: 18&#8211;19). Eine verwandte Begrifflichkeit aus der Sozialpsychologie bietet das im <italic>Forschungsprogramm Subjektive Theorien</italic> erarbeitete Konzept der subjektiven Theorien (<xref ref-type="bibr" rid="B47">Taibi 2013: 21</xref>). &#196;hnlich wie bei Einstellungen steht auch hier die Ermittlung der Innensicht des Menschen im Mittelpunkt, da das Erkenntnisinteresse darin liegt, zu erforschen, was der Mensch denkt und welche Auswirkungen dieses Denken auf das Handeln hat (ebd.: 21). Anders als Einstellungen, die sich in Form subjektiver Bewertungen eines Objekts manifestieren (Mast/Sachse 2022: 23), grenzen sich subjektive Theorien durch ihren kausalen Charakter (<xref ref-type="bibr" rid="B47">Taibi 2013: 19</xref>) ab.</p>
<p>Baker (<xref ref-type="bibr" rid="B2">1992</xref>) besch&#228;ftigt sich in seinem Buch <italic>Attitudes and Language</italic> mit der Frage, welche Faktoren die (Sprach-)Einstellung bestimmen. Einen besonderen Fokus legt Baker dabei auf die Frage, welche Faktoren die Einstellungen insbesondere im Jugendalter mehr und weniger positiv beeinflussen. Der Autor erarbeitet sechs Einflussfaktoren, die die Einstellung zur Sprache bestimmen sollen: Alter, Geschlecht, Jugendkultur, Sprachhintergrund, Art der besuchten Schule und Sprachf&#228;higkeit (ebd.: 45). Dabei spiele die Einstellung (engl. <italic>attitude</italic>) zur Sprache eine zentrale Rolle bez&#252;glich der Wiederherstellung, des Erhalts und des Verfalls einer Sprache (ebd.: 9).</p>
<p>Auch im Kontext der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit spielt die Wertwahrnehmung von Sprache(n) eine zentrale Rolle, wenn es um den Erhalt und die Weitergabe an n&#228;chste Generationen geht. Wenn Sprecher*innen das Gef&#252;hl vermittelt bekommen, dass bestimmten (Herkunfts-)Sprachen gesellschaftlich gesehen ein geringerer Wert beigemessen wird als andere, kann das dazu f&#252;hren, dass die (Herkunfts-)Sprache nicht erhalten bleibt (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Schroedler 2024: 158</xref>). Auch bei der Weitergabe an n&#228;chste Generationen ist die Einstellung zur Herkunftssprache ein wesentlicher Aspekt, der den Spracherhalt determiniert. Auch aus Sicht der Kinder und Jugendlichen, die von ihren Eltern eine Sprache &#8222;geerbt&#8220; haben, spielt die Wahrnehmung des Werts und der N&#252;tzlichkeit eine gro&#223;e Rolle, wenn es darum geht, sich mit dieser Sprache auseinanderzusetzen, denn ein zuk&#252;nftiger Nutzen kann die Motivation steigern, die Sprachf&#228;higkeiten zu erhalten und auszubauen (ebd.).</p>
</sec>
<sec>
<title>2.4 Repertory-Grid-Methode</title>
<p>Die Repertory-Grid-Methode, auch Role Construct Repertory Grid Test, Rep-Test, Rep-Grid oder Kelly-Grid (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Rosenberger/Freitag 2009: 477</xref>), bezeichnet eine variantenreiche Gruppe von teilstrukturierten Interviewverfahren, denen gemeinsam ist, dass sie eine Serie von Unterscheidungen, d. h. pers&#246;nlichen Konstrukten, erfasst, die aufzeigen, welche subjektive Bedeutung eine Person einem bestimmten Erfahrungsbereich verleiht (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Fromm 2010: 524</xref>). Die Repertory-Grid-Methode wurde vom Psychologen George A. Kelly entwickelt und erstmals 1955 in seinem Buch <italic>The Psychology of Personal Constructs</italic> ver&#246;ffentlicht. Es handelt sich um ein strukturiertes Interviewverfahren, das dazu geeignet ist, subjektive Sichtweisen von Personen zu erfassen. In seinem Werk bezeichnet Kelly (<xref ref-type="bibr" rid="B27">1955</xref>) diese subjektiven Theorien als pers&#246;nliche Konstrukte. Demzufolge wird beim Repertory-Grid-Interview mithilfe von sogenannten Elementen ein Repertoire (engl. <italic>repertory</italic>) an Konstrukten in einem speziellen Raster (engl. <italic>grid</italic>) erhoben (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 212&#8211;215</xref>). Die zu erhebenden Elemente bilden den Gegenstandsbereich, auf den sich die zu gewinnenden Konstrukte beziehen sollen, und k&#246;nnen je nach Unterscheidungsgegenstand Personen, Ereignisse, Gegenst&#228;nde oder beliebig andere Reize sein, die einen Vergleich erm&#246;glichen.</p>
<p>Bei der Wahl der Elemente ist es wichtig, zu beachten, dass diese f&#252;r den Untersuchungsbereich repr&#228;sentativ und homogen sein sollen, wobei die Anzahl der Elemente sich aus der Fragestellung ergibt. Die Erhebung der Elemente kann auf drei Weisen erfolgen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Altst&#246;tter-Gleich 1996: 74</xref>): Erstens k&#246;nnen die Elemente zusammen mit den Proband*innen erarbeitet werden, was den Vorteil hat, dass nur f&#252;r die Probandin oder den Probanden relevante und bedeutende Elemente erzeugt werden. Zweitens k&#246;nnen die Elemente von Untersuchenden vorgegeben werden, was zwar eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse garantiert, aber auch das Risiko mit sich bringt, dass die Proband*innen mit unbekannten oder f&#252;r sie irrelevanten Elementen konfrontiert werden. Drittens existiert eine Mischform aus vorgegebenen und von Proband*innen selbst erstellten Elementen (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 214&#8211;215</xref>).</p>
<p>Nachdem die Elemente bestimmt wurden, sollen die Konstrukte erhoben werden. Nach Kellys Theorie der pers&#246;nlichen Konstrukte nutzen Menschen Konstrukte, um ihre undifferenzierte Umwelt strukturieren und Ereignisse antizipieren zu k&#246;nnen (ebd.: 215). Menschen nehmen demzufolge Unterscheidungen vor, bei denen sie Ereignisse oder Dinge anhand von selbstgew&#228;hlten Aspekten nach &#196;hnlichkeit und Un&#228;hnlichkeit unterscheiden (<xref ref-type="bibr" rid="B34">Meibeyer 1999: 23</xref>). Das Erheben der Konstrukte beim Repertory-Grid-Interview erfolgt demzufolge durch die Unterscheidung zwischen zwei oder mehreren Elementen (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 215</xref>). Kelly unterscheidet dabei zwischen zwei Strategien: <italic>Minimum-Context-Form</italic> und der <italic>Full-Context-Form</italic>. Erstere Strategie ist bekannter unter der Bezeichnung Triadenvergleich, da die Elemente in Dreiergruppen zur Unterscheidung pr&#228;sentiert werden. Sie basiert auf dem Dichotomie-Korollarium, nach dem ein Konstrukt mindestens aus der &#196;hnlichkeitsrelation zwischen zwei Elementen und der Un&#228;hnlichkeitsrelation eines Elements gebildet wird. Bei der Wahl der letzteren Strategie werden alle erhobenen Elemente gleichzeitig vorgegeben, wobei die Attribute, die den beliebigen Gruppen von Elementen zukommen, als Konstrukte erhoben werden. Neben den beiden Strategien besteht auch die M&#246;glichkeit der Dyaden-Methode, die einen Paarvergleich von lediglich zwei Elementen vorsieht. Dieses Verfahren wird meist bei Arbeiten mit Kindern oder anderen Personen angewandt, die der Aufgabe, Dreiergruppen zu vergleichen, nicht gewachsen sind (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Schmitt/Altst&#246;tter-Gleich 2010: 2</xref>).</p>
<p>F&#252;r die Erstellung des Grids repr&#228;sentiert die &#196;hnlichkeit der gew&#228;hlten Elemente den Konstruktpol im Grid und die Un&#228;hnlichkeit den Kontrastpol. Dieser Vorgang wird mit den unterschiedlichen Elementpaaren/-triaden so oft wiederholt (per Zufall, Ziehung oder Vorgabe durch die interviewende Person), bis die Anzahl der erhobenen Konstrukte der Anzahl der Elemente entspricht (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 216</xref>). Anschlie&#223;end werden die Elemente nach den zuvor erzeugten Konstrukten bewertet.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>3 Forschungsstand</title>
<p>Die aktuelle Forschungslage bietet seit der Arbeit von Gogolin (<xref ref-type="bibr" rid="B19">2008 [1994]</xref>) zahlreiche Studien, die sich mit der Einstellungsforschung bez&#252;glich Mehrsprachigkeit im Bildungssektor befassen. Zentrale Forschungsschwerpunkte stellen zum einen die Einstellungen von Lehrkr&#228;ften bez&#252;glich der Mehrsprachigkeit ihrer Sch&#252;ler*innen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Wojnesitz 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Binanzer/Jessen 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Mast/Sachse 2021</xref>) und zum anderen der Umgang von Lehrkr&#228;ften mit eigenem Migrationshintergrund mit Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Gogolin 2008, 1994</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Edelmann 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Georgi et al. 2011</xref>). Mehrsprachigkeit im akademischen Sektor bildet einen dritten Forschungsschwerpunkt. Die Studie von Schroedler (<xref ref-type="bibr" rid="B42">2019</xref>) beispielsweise befasst sich mit der Frage, inwiefern Mehrsprachigkeit eine wertvolle Ressource in der akademischen Governance bzw. Verwaltungsebene darstellt. Einen f&#252;r diese Arbeit besonders interessanten Forschungsbereich bilden jedoch Studien zur Einstellungsforschung bei Studierenden mit Migrationshintergrund bez&#252;glich ihrer Wahrnehmung der eigenen Mehrsprachigkeit. Auf diese wird im Folgenden n&#228;her eingegangen.</p>
<p>Schroedler et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B44">2022</xref>) bieten eine umfassende Studie zur Thematik, wie Mehrsprachige in Deutschland ihre gesprochenen Sprachen wahrnehmen. Die Autor*innenbefassen sich mit den Fragen, ob einige Sprachen von ihren Sprecher*innen als wertvoller oder prestigetr&#228;chtiger wahrgenommen werden als andere und, ob Sprecher*innen bestimmter Sprachen h&#228;ufiger Diskriminierung erfahren als Sprecher*innen anderer Sprachen. Schroedler et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B44">2022</xref>) zeigen anhand ihrer Ergebnisse, dass es durchaus zu Unterschieden im wahrgenommenen Wert und Prestige bestimmter Sprachen kommt (ebd.: 3762). Zudem weisen die Ergebnisse der statistischen Analysen darauf hin, dass Diskriminierung h&#228;ufiger durch Sprecher*innen von Sprachen mit einem wahrgenommenen niedrigeren Wert (z.B. T&#252;rkisch) thematisiert wird als bei Sprecher*innen anderer Herkunftssprachen (z.B. Englisch).</p>
<p>Ein Beitrag, der speziell auf die Einstellungen migrationsbedingt mehrsprachiger Studierender eingeht, ist das Forschungsprojekt VAMUS (Verkn&#252;pfte Analyse von Mehrsprachigkeiten am Beispiel der Universit&#228;t Salzburg) von Monika Dannerer und Peter Mauser (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Dannerer 2015</xref>). Im Rahmen des Projekts werden die verbalen Repertoires an der Universit&#228;t Salzburg sowie der Sprachgebrauch, Spracheinstellungen und Sprachenpolitik untersucht. Die Ergebnisse des Projekts zeigen, dass bei den Universit&#228;ten Salzburg, Wien und Innsbruck, zwar keine sprachenpolitischen Dokumente gr&#246;&#223;eren Umfangs vorliegen, die Universit&#228;ten sich jedoch anhand anderer universit&#228;rer Dokumente wie beispielsweise Entwicklungspl&#228;nen der Universit&#228;ten Wien und Salzburg durchaus eine positive Positionierung gegen&#252;ber Mehrsprachigkeit vermitteln (ebd.: 147). Dennoch unterstreicht Dannerer (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2015</xref>), dass konkrete Ma&#223;nahmen zur F&#246;rderung der Mehrsprachigkeit, die &#8222;&#252;ber den monoglossischen Habitus plus Englisch&#8220; (ebd.: 147) hinausgehen, kaum zu finden seien. Eine Befragung von 34 DaZ-Studierenden der Universit&#228;t Salzburg zu der Frage, ob ihre Herkunftssprache an der Universit&#228;t eine Rolle spielt, zeigt, dass die befragten studierenden ihrer Herkunftssprache auf einer Skala von 1 bis 5 (1= nein, gar nicht / 5=ja, unbedingt) keine Rolle (1,53) zuschreiben, aber im geringen Ma&#223;e (2,44) der Wunsch besteht, dass sie eine gr&#246;&#223;ere Rolle spielen sollte (ebd.: 148).</p>
<p>Weitere Erkenntnisse auf diesem Gebiet bietet die Studie von Thoma (<xref ref-type="bibr" rid="B48">2018</xref>), die untersucht, wie Germanistikstudent*innen mit Migrationshintergrund ihre Sprachbiografien konstruieren und welche sprachbezogenen Erfahrungen sie an Bildungsinstitutionen mach(t)en (ebd.: 15). Die Autorin zeigt anhand ihrer empirischen Studie mit migrationsbedingt mehrsprachigen Studierenden in &#214;sterreich, dass f&#252;r diese die Anerkennung der Sprachkenntnisse in der Fremdsprache Deutsch ein zentrales Thema im Hochschulkontext darstellt, insbesondere in Bezug auf die Frage der Legitimit&#228;t als Student*in der National- und Mehrheitssprache sowie als zuk&#252;nftige*r Deutschlehrer*in in &#214;sterreich (ebd.: 318). Dadurch l&#228;sst sich ableiten, dass durch die Fokussierung auf die &#8222;Konstruktion von &#8218;perfektem&#8216; Deutsch&#8220; (ebd.: 318) die Studierenden dazu verleitet werden, ihre eigene Mehrsprachigkeit im Studium in den Hintergrund zu stellen, wodurch die Rolle der eigenen Herkunftssprache an Bedeutung verliert.</p>
<p>Schlie&#223;lich ist die Arbeit von Dobutowitsch (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2020</xref>) zu nennen, die der Frage nachgeht, wie sich die lebensweltliche Mehrsprachigkeit bei Studierenden zeigt und welche Spielr&#228;ume ihnen f&#252;r die Verwendung, Nutzung sowie den Ausbau ihrer lebensweltlichen Mehrsprachigkeit im Hochschulkontext zur Verf&#252;gung stehen (vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B9">Dirim 2021</xref>). Auch diese Autorin kommt zu dem Schluss, dass Studierende die eigene Mehrsprachigkeit als gewinnbringend f&#252;r den Studienkontext einsch&#228;tzen, jedoch dass sie in einigen F&#228;llen auch als Ausl&#246;ser f&#252;r Othering-Prozesse beschrieben wird (ebd.: 207).</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Studie</title>
<sec>
<title>4.1 Setting und Sampling</title>
<p>An dieser Studie haben insgesamt drei Studierende mit jeweils unterschiedlichen Migrationshintergr&#252;nden<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> teilgenommen. Befragt wurden zwei Frauen und ein Mann. Die Befragten geben entweder einen eigenen oder famili&#228;ren Migrationshintergrund an und definieren sich selbst als mehrsprachig. Die Gruppe der befragten Personen setzt sich aus zwei in Deutschland geborenen Personen zusammen, die ihre Herkunftssprache in der 2. Generation im Familienkontext erworben haben, sowie einer weiteren Person mit eigenem Migrationshintergrund. Die angegebenen Herkunftssprachen sind Kantonesisch (Interview 1), Ukrainisch (Interview 2) und Ungarisch (Interview3). Alle befragten Personen haben ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben. Die erhobenen Datens&#228;tze sind vollst&#228;ndig und wurden f&#252;r die Analyse herangezogen.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Datengewinnung</title>
<p>Diese Studie verwendet Repertory-Grid-Interviews, um die Einstellungen migrationsbedingt mehrsprachiger Studierender in Bezug auf ihre Herkunftssprache zu untersuchen. Die Interviews hatten jeweils eine Dauer zwischen 60 und 90 Minuten. Mithilfe von Elementen wird ein Repertoire an Konstrukten in einem speziellen Raster erhoben, wobei die Elemente den Gegenstandsbereich abbilden, auf den sich die zu gewinnenden Konstrukte beziehen sollen (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 214</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B1">Altst&#246;tter-Gleich 1996: 73</xref>). Es wird mit vorgegebenen Rollenbeschreibungen gearbeitet, die als Elementkategorien (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 215</xref>) fungieren, um eine m&#246;glichst breite Spanne an repr&#228;sentativen Konstrukten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Kelly 1963: 105</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathof/R&#246;ben 2020: 215</xref>) aus dem interessierenden Gegenstandsbereich zu erheben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Hemmecke 2012: 107</xref>). Im Folgenden werden die f&#252;r die Repertory-Grid-Interviews verwendeten Elementkategorien beschrieben:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>E1: Wie ich meine Herkunftssprache im Studium sehe</p></list-item>
<list-item><p>E2: Wie ich gerne m&#246;chte, dass meine Herkunftssprache gesehen wird</p></list-item>
<list-item><p>E3: Meine Idealvorstellung</p></list-item>
<list-item><p>E4: Wie Kommiliton*innen meine Herkunftssprache sehen</p></list-item>
<list-item><p>E5: Wie Professor*innen/Lehrkr&#228;fte meine Herkunftssprache sehen</p></list-item>
<list-item><p>E6: Wie ich meine Herkunftssprache im (zuk&#252;nftigen) Beruf sehe</p></list-item>
<list-item><p>E7: Wie ich meine Herkunftssprache in der Freizeit sehe</p></list-item>
<list-item><p>E8: Wie ich die Herkunftssprache von anderen (im Studium) sehe</p></list-item>
<list-item><p>E9: Wie ich meine Herkunftssprache in der Schule gesehen habe</p></list-item>
<list-item><p>E10: Wie ich nicht m&#246;chte, dass meine Herkunftssprache gesehen wird</p></list-item>
</list>
<p>F&#252;r diese Arbeit erfolgt die Erhebung der Konstrukte der Repertory-Grid-Interviews anhand von Triadenvergleichen. Dabei werden den interviewten Personen jeweils drei Elemente (Triade) vorgelegt. Anschlie&#223;end wird die Person gefragt, in welcher Eigenschaft sich zwei der Elemente &#228;hnlich sind und in welcher Eigenschaft sich das dritte Element von den anderen beiden Elementen unterscheidet (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Hemmecke 2012: 113</xref>). Die von der interviewten Person formulierte &#196;hnlichkeit bildet den Konstruktpol im Grid und die Unterscheidung den Kontrastpol. Der Vergleich unterschiedlicher Triaden wird so oft wiederholt, bis die Anzahl der erhobenen Konstrukte der Anzahl der Elemente (n =10) entspricht. Die Wahl der Triaden wurde von der forschenden Person vorgegeben, um dadurch aussagekr&#228;ftige Konstrukte erzielen zu k&#246;nnen (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Altst&#246;tter-Gleich 1996: 77</xref>).</p>
<p>Nach Erhebung der Konstrukte erfolgt eine Bewertung der Elemente durch die interviewte Person, um einen besseren Einblick in die Beziehungen der Elemente zu erhalten und der befragten Person mehr Freiheit in ihrer Beurteilung zu gew&#228;hren (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Hemmecke 2012: 121</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B39">Scheer 1993: 33&#8211;34</xref>). Diese Studie bedient sich einer sechsstufigen Likert-Skala, um eine Stimmenthaltung der befragten Person zu vermeiden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Saathoff/R&#246;ben 2020: 216</xref>). Dabei werden die Skalenwerte 1 bis 3 dem Konstruktpol und die Werte 4 bis 6 dem Kontrastpol zugeordnet (vgl. ebd.: 216).</p>
</sec>
<sec>
<title>4.3 Datenaufbereitung und -auswertung</title>
<p>Datenaufbereitung und -auswertung erfolgten in drei Schritten. Im Anschluss an das jeweilige Interview wurde zun&#228;chst eine einfache <italic>Eyeball-Analyse</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Jankowicz 2004: 80</xref>) vorgenommen, um sich mit dem erhobenen Grid vertraut zu machen und anhand der Ratings zun&#228;chst nach auff&#228;lligen &#196;hnlichkeiten zu suchen. Anschlie&#223;end wurden die erhobenen Konstruktpaare n&#228;her betrachtet, um sogenannte Kernkonstrukte (engl. <italic>core constructs</italic>) (ebd.: 83) identifizieren zu k&#246;nnen. Dazu wurden je Interview die erhobenen Konstrukte zusammen mit dem transkribierten Interview auf wiederkehrende Aspekte und zentrale Aussagen untersucht. Nach dieser ersten zusammenfassenden Daten&#252;bersicht wurde die Methode des Focusing (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Fromm 2004: 161&#8211;166</xref>) angewendet, indem anhand der erhobenen Ratings die entsprechenden Korrelationsmatritzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Jankowicz 2004: 96&#8211;98</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Fromm 2004: 164&#8211;166</xref>) aufgestellt werden konnten. Darauf aufbauend wurden die jeweiligen Grids so neugeordnet, dass &#228;hnliche Elemente und Konstrukte nah beieinanderstehen, um hervorstechende &#196;hnlichkeiten und Kontraste einfacher identifizieren zu k&#246;nnen.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Ergebnisse</title>
<sec>
<title>5.1 Interview 1</title>
<p><xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> zeigt das im Repertory-Grid-Interview erhobene Grid nach dem Prozess des Focusing (siehe Kapitel 4.3) und der Umpolung der Konstruktpaare C7 und C8. Die befragte Person gibt als Herkunftssprache Kantonesisch an. Aus dem Grid geht hervor, dass f&#252;r die interviewte Person, die eigene Herkunftssprache im Studienkontext als nicht relevant eingesch&#228;tzt wird, da sie nicht aktiv im Studium eingesetzt werden kann (vgl. C1). Au&#223;erdem tr&#228;gt das Fehlen von Gespr&#228;chspartner*innen (vgl. C5, C4) dazu bei, diese Rollenzuschreibung zu verst&#228;rken. Als Konsequenz wird die fehlende Einbindung und F&#246;rderung der zus&#228;tzlichen Sprachkenntnisse in den Studienkontext als &#8222;ungen&#252;tztes Potential&#8220; (vgl. C2) empfunden:</p>
<p>Interviewte Person 1: <italic>[&#8230;] Ich meine, die Herkunftssprache im Studium sehe ich vielleicht auch als ungen&#252;tztes Potenzial. Weil man kann das ja auch ein bisschen f&#246;rdern, wenn man eine Sprache kann. Auch im Studium</italic>.</p>
<p>Dieses ungenutzte Potenzial soll jedoch im zuk&#252;nftigen Beruf eine wichtigere Rolle spielen als im derzeitigen Studium. Die interviewte Person erz&#228;hlt, dass sie sich vom zuk&#252;nftigen Arbeitgeber w&#252;nsche, gerade wegen ihrer speziellen Sprachkenntnisse eingestellt zu werden, und dadurch von der eigenen Mehrsprachigkeit profitieren zu k&#246;nnen (vgl. C1; C2):</p>
<p>Interviewte Person 1: <italic>Also ich h&#228;tte schon gerne einen Arbeitsplatz, wo ich schon von meiner Mehrsprachigkeit profitiere. Ein Unternehmen, was vielleicht international regiert [&#8230;] Weil ich schon gerne vom k&#252;nftigen Arbeitsplatz m&#246;chte, dass das (die Kenntnisse in der Herkunftssprache) als was Gutes angesehen wird.</italic></p>
<p>Der Wunsch nach Wertsch&#228;tzung der Sprachkenntnisse in der Herkunftssprache in Studium und Beruf &#252;bertr&#228;gt sich auch auf andere Kontexte wie die &#8222;deutsche Gesellschaft&#8220; (vgl. C3, C5). Die interviewte Person &#228;u&#223;ert den Wunsch nach mehr Akzeptanz von Mehrsprachigkeit in der deutschen Gesellschaft, sodass ein Migrationshintergrund als etwas Positives gesehen wird, da diese Personen ein &#8222;Extra&#8220; an Sprachkenntnissen besitzen:</p>
<p>Interviewte Person 1: <italic>[&#8230;] Ich k&#246;nnte einen ganzen Aufsatz dar&#252;ber schreiben, aber so in einem Satz (.) Mehr Akzeptanz, dass Mehrsprachigkeit vorliegt in Deutschland. Weil (.) Deutschland ist ja von Einwanderung gepr&#228;gt, deswegen. [&#8230;] Also mir fehlt tats&#228;chlich so ein bisschen in der Gesellschaft, dass Mehrsprachigkeit eigentlich nur was Positives sein kann, weil etwas kennen ist ja immer ein Extra. Und in manchen Situationen merke ich, dass dieses Extra irgendwie so ganz abgewertet wird. Sogar ein &#220;bel zum Teil ist.</italic></p>
<p>Das Gef&#252;hl des Andersseins in Verbindung mit der eigenen Mehrsprachigkeit bleibt auch im weiteren Verlauf des Interviews ein zentrales Thema (vgl. C6). Sowohl der Schul- (E9) und Studienkontext (E1) als auch der Umgang mit Kommiliton*innen (E4) werden als kritische Situationen bewertet, in denen sich die Person als Ausl&#228;nder*in kategorisiert f&#252;hlt und in denen der Zugang zu Bildung erschwert wird:</p>
<p>Interviewte Person 1: <italic>Ich w&#252;rde es tats&#228;chlich gar nicht an der Sprache als solche festmachen, sondern eher der Fakt, dass mit einer Mehrsprachigkeit auch immer der Status Ausl&#228;nder so ein bisschen mitschwingt. Mehrsprachigkeit ist ja in vielen F&#228;llen dann auch, dass die Wurzeln nicht Deutsch sind. [&#8230;] Und ich bin halt der Meinung, wer Migrationshintergrund hat, hat es schwerer, den Zugang zur Bildung.</italic></p>
<p>Die negative Wahrnehmung der eigenen Mehrsprachigkeit aufgrund wahrgenommener Zuschreibungen l&#228;sst sich unter anderem auf Erfahrungen aus dem Schulkontext (vgl. C7) zur&#252;ckf&#252;hren, da die Person von &#8222;<italic>vielen Horrorgeschichten aus der Schulzeit, also sehr viel Mobbing-Erfahrung aufgrund der Mehrsprachigkeit</italic>&#8220; berichtet.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Repertory-Grid aus Interview 1 nach dem Focusing sowie der Umpolung der Konstruktpaare C7 und C8</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4161_seitz-g1.png"/>
</fig>
<p>Auff&#228;llig ist des Weiteren, dass ein starker Kontrast zwischen der Wahrnehmung der eigenen Herkunftssprache im Studium (E1) und der von Kommiliton*innen (E8) besteht. W&#228;hrend die eigene Mehrsprachigkeit als nicht relevant (vgl. C1) oder teilweise als Nachteil (vgl. C8) beurteilt wird, wird die Meinung vertreten, dass die Mehrsprachigkeit von Kommiliton*innen Wertsch&#228;tzung genie&#223;t (vgl. C6) sowie aktiv im Gebrauch (vgl. C4) und vorteilhaft (vgl. C2) sei. Zudem manifestiert sich wiederholt der Wunsch, dass die eigene Mehrsprachigkeit von Kommiliton*innen, Professor*innen oder Personen aus dem Privatleben nicht hervorgehoben (vgl. C3, C10) oder speziell betont (vgl. C7) werden soll, da ein neutraler bzw. positiver Umgang (vgl. C8) erhofft wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>5.2 Interview 2</title>
<p>Eines der zentralen Themen im zweiten Interview ist die N&#252;tzlichkeit der Herkunftssprache. Die interviewte Person, die als Herkunftssprache Ukrainisch angibt, erkl&#228;rt, dass ihre Herkunftssprache zwar im Studium und im Beruf nicht relevant sei (vgl. C2, C1, C6, C9), aber durchaus der Wunsch bestehe, dass die eigene Sprache als f&#246;rderlich gesehen werde (vgl. C2, C3, C7, C8), insbesondere aus Sicht der Professor*innen oder Lehrkr&#228;fte, die einen Nutzen in der Beherrschung einer zus&#228;tzlichen Sprache sehen sollen (E5):</p>
<p>Interviewte Person 2: <italic>[&#8230;] [Die Rolle der Herkunftssprache im] Beruf und Studium ist f&#252;r mich eben, ich sag mal, nicht relevant. So w&#252;rde ich es auch beschreiben. Und ich m&#246;chte, dass die Sprache als n&#252;tzlich gesehen wird. Und ja, vielleicht auch angesehen. Also dass mehr Menschen sie sprechen. [&#8230;] Ich w&#252;rde schon sagen, dass es bei beiden hier als n&#252;tzlich gesehen wird. Also die Sprache wird als n&#252;tzlich gesehen. Auch dass man eben zus&#228;tzlich noch eine Sprache sprechen kann.</italic></p>
<p>Diese Einstellung &#252;bertr&#228;gt sich auch auf die zuk&#252;nftigen Berufsperspektiven (E6), da die Auskunftsperson den Wunsch &#228;u&#223;ert, dass sich die Sprachkompetenz f&#252;r die Aus&#252;bung des zuk&#252;nftigen Berufs als n&#252;tzlich erweise und ggf. als Alleinstellungsmerkmal f&#252;r die Einstellung fungiere:</p>
<p>Interviewte Person 2: <italic>[&#8230;] Weil ich schon hoffe, dass es zuk&#252;nftig irgendwie n&#252;tzlich sein wird, die Sprache zu k&#246;nnen und &#228;hm, ja, ich zum Beispiel irgendwie in einer Firma eingesetzt werde, die eben keinen f&#252;r die Abteilung haben oder f&#252;r eine externe Zusammenarbeit irgendwie mit der Ukraine und wo ich auch hoffe, dass meine Sprachkenntnisse daf&#252;r ausreichen.</italic></p>
<p>Des Weiteren geht aus dem Grid in <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> hervor, dass ein starker Wunsch nach Anerkennung der Sprachkompetenz in der Herkunftssprache besteht (vgl. C2, C9, C10). Die Auskunftsperson macht deutlich, dass es wichtig f&#252;r sie sei, Wertsch&#228;tzung f&#252;r die zus&#228;tzliche Sprachkompetenz zu erfahren, da dies auch mit zus&#228;tzlicher Arbeit verbunden gewesen sei. Au&#223;erdem f&#228;llt bei Betrachtung der Konstruktpaare auf, dass die Herkunftssprache im Studium von der Auskunftsperson wiederholt als &#8222;nicht relevant&#8220; (vgl. C2, C6) oder &#8222;kein Teil des Studiums&#8220; (vgl. C3) eingesch&#228;tzt wird. Diese Einstellung bekr&#228;ftigen auch die Aussagen aus dem Interview, in denen verdeutlicht wird, dass zwar der Wunsch besteht, dass die Herkunftssprache im Studium n&#252;tzlich und wertgesch&#228;tzt wird, ihr aber tats&#228;chlich keine Rolle im Studienalltag zugeschrieben wird:</p>
<p>Interviewte Person 2: <italic>[&#8230;] Ja, also im [aktuellen] Beruf und im Studium habe ich einfach so gut wie nichts damit zu tun. (&#8230;)[Die Herkunftssprache im aktuellen] Beruf und Studium ist f&#252;r mich eben, ich sag mal, nicht relevant. So w&#252;rde ich es auch beschreiben.</italic></p>
<p>Die Auskunftsperson erkl&#228;rt, dass sie weder im Kontakt mit Kommiliton*innen noch mit Lehrkr&#228;ften die Herkunftssprache sprechen k&#246;nne (vgl. C5) und dass sie aus Sicht beider Parteien nicht gro&#223; bewertet werde (vgl. C6). Dennoch bestehe der Wunsch, dass die Herkunftssprache als n&#252;tzlich (vgl. C8) und &#8222;cool&#8220; (vgl. C10) wahrgenommen werde.</p>
<p>Schlie&#223;lich nimmt die Auskunftsperson eine bedeutende Unterscheidung im Umgang mit der Herkunftssprache w&#228;hrend der Schulzeit und im Studium vor. Es wird erkl&#228;rt, dass auf Wunsch der Eltern w&#228;hrend der Schulzeit ein Verein besucht wurde, um die Herkunftssprache Ukrainisch zu erlernen, wodurch sich die Auskunftsperson damals intensiver mit der Sprache auseinandergesetzt hat, als dies aktuell im Studium der Fall ist. Diese Erfahrung wird von der Auskunftsperson als Zusatzaufgabe und sogar als &#8222;B&#252;rde&#8220; bewertet, da sie als &#252;berfordernd und &#8222;stressig&#8220; empfunden wurde.</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Repertory-Grid aus Interview 2 nach dem Focusing und der Umpolung von C9</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4161_seitz-g2.png"/>
</fig>
</sec>
<sec>
<title>5.3 Interview 3</title>
<p>Wie dem Grid in <xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref> entnommen werden kann, beschreibt auch die dritte interviewte Person ihre Herkunftssprache (Ungarisch) als wenig pr&#228;sent (C1) im aktuellen Studium. Trotzdem berichtet die Auskunftsperson von Situationen im Studienkontext und im aktuellen Beruf, in denen sie mit Vorurteilen gegen&#252;ber ihrer Herkunftssprache konfrontiert wird:</p>
<p>Interviewte Person 3: <italic>[&#8230;] Hm, also der Gedanke ist quasi, dass ich meine Herkunftssprache im Studium, im Beruf vielleicht auch immer noch vor allem so sehe, wie andere sie quasi zur&#252;ck spiegeln, also was f&#252;r Vorurteile sie auch haben und ich das nat&#252;rlich nicht immer richtig finde. Also dass man mal mitbekommt, irgendwie abf&#228;llige Kommentare oder so, okay, &#228;hm und dass ich das nat&#252;rlich nicht m&#246;chte, weil das in den meisten F&#228;llen nicht stimmt bzw. super pauschalisiert wird eigentlich.</italic></p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Repertory-Grid aus Interview 3 nach dem Focusing sowie der Umpolung der Konstruktpaare C4, C5 und C7</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4161_seitz-g3.png"/>
</fig>
<p>Als Beispiel erz&#228;hlt die Auskunftsperson von einem Vorfall im Studium, bei dem ihre Herkunftssprache von Kommiliton*innen und Professor*innen als etwas Lustiges oder als Grund f&#252;r einen Witz (vgl. C6, C9) wahrgenommen wurde.</p>
<p>Interviewte Person 3: <italic>[&#8230;] Was ich super bl&#246;d fand, vor allem in der Uni irgendwie. Wir hatten ein Modell von einem ungarischen Wissenschaftler vorgestellt, der einen sehr langen Namen hatte. Ich verstehe, dass das super schwierig ist, aber dann wurde das halt so als &#8222;wie lustig&#8220; und &#8222;er klingt so komisch&#8220; anstatt sich mal damit irgendwie auseinanderzusetzen. Und das fand ich nat&#252;rlich nicht so cool, weil eben Kommilitonen und Professoren dann dar&#252;ber gelacht haben, was f&#252;r lustige Buchstaben da sind. Das war nat&#252;rlich nicht so cool. Deswegen w&#252;rde ich sagen, dass ich nicht m&#246;chte, dass meine Herkunftssprache als ein lustiger Zungenbrecher gesehen wird. (&#8230;) Was sie ja vielleicht manchmal wird.</italic></p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>6 Diskussion</title>
<p>Der Hochschulkontext birgt f&#252;r migrationsbedingt mehrsprachige Studierende neben den allt&#228;glichen Herausforderungen, die das Studium mit sich bringt, oftmals zus&#228;tzliche H&#252;rden, die gemeistert werden m&#252;ssen. Die Interviews thematisieren kritische Aspekte wie Othering-Erfahrungen oder Konfrontation mit externen Zuschreibungen und Vorurteilen aufgrund der Herkunfts- oder Heritage-Sprache. Dennoch spiegeln die erhobenen Daten im Allgemeinen eine positive Einstellung gegen&#252;ber der eigenen Mehrsprachigkeit wider, da die Herkunfts- bzw. Heritage-Sprache wiederholt mit f&#246;rderlichen Aspekten wie N&#252;tzlichkeit f&#252;r das Studium und f&#252;r den zuk&#252;nftigen Arbeitsmarkt in Verbindung gebracht wird. Die geringe Relevanz der Herkunfts- oder Heritage-Sprache im Studienkontext wird hingenommen und akzeptiert, wobei eine Hervorhebung der Mehrsprachigkeit bei keinem/keiner der Interviewpartner*innen erw&#252;nscht wurde. Dies l&#228;sst darauf schlie&#223;en, dass die Studierenden keine Sonderrolle aufgrund ihrer Mehrsprachigkeit zugewiesen bekommen wollen, sondern von Professor*innen und Kommiliton*innen einen neutralen Umgang erwarten, bei dem ihre Mehrsprachigkeit nur in angemessenen Kontexten oder aus eigener Initiative thematisiert werden soll. Trotz der geringen Relevanz, die der Herkunfts- bzw. Heritage-Sprache im Studium zugewiesen wird, besteht der einstimmige Wunsch nach mehr Anerkennung und Wertsch&#228;tzung, insbesondere von Seiten der Professor*innen und Mitstudierenden. Wie die eigene Mehrsprachigkeit wahrgenommen wird, h&#228;ngt oftmals davon ab, wie andere sie widerspiegeln. Wenn demzufolge das Gef&#252;hl vermittelt wird, dass die Herkunfts- bzw. Heritage-Sprache keinen Platz im Studium hat, f&#228;llt das Einbringen der Sprache zunehmend schwerer. Gleichzeitig spielt das Vorhandensein gleichsprachiger Gespr&#228;chspartner*innen eine wesentliche Rolle, da ein Mangel an Ansprechpartner*innen die Marginalisierung der Sprache f&#246;rdern kann.</p>
<p>Weitere Aspekte, die zu ber&#252;cksichtigen sind, sind die unterschiedlichen Rollen, die der Mehrsprachigkeit in Schule und Universit&#228;t bzw. Hochschule zugewiesen werden. In zwei der Interviews wird von negativen Erfahrungen in Form von Mobbing und vorurteilbehafteten &#196;u&#223;erungen &#252;ber die Herkunfts- oder Heritage-Sprache w&#228;hrend der Schulzeit berichtet. Von einer anderen Auskunftsperson wird das Erlernen der Sprache w&#228;hrend der Schulzeit als B&#252;rde bezeichnet. Die negativen Einstellungen, die w&#228;hrend der Kindheit geformt wurden, werden jedoch nicht auf das Studium &#252;bertragen, da hier die N&#252;tzlichkeit der Sprachkenntnisse im Vordergrund steht und als Potential definiert wird. Eine m&#246;gliche Erkl&#228;rung ist, dass der Hochschulkontext von den Studierenden als heterogener und offener wahrgenommen wird, da die eigene Mehrsprachigkeit bei einer interkulturell diversen Studentenschaft weniger hervorsticht.</p>
<p>Die genauen Ursachen f&#252;r die beschriebenen Einstellungen bleiben weiterhin ein Desiderat und es k&#246;nnen nur mutma&#223;liche Annahmen anhand der in den Repertory-Grid-Interviews erhobenen Informationen getroffen werden. Aufgrund der kleinen Stichprobe, die in dieser Studie untersucht wurde, dienen die pr&#228;sentierten Ergebnisse nicht der Verallgemeinerung und sind demzufolge nicht automatisch auf andere Studierende zu &#252;bertragen. Die beschriebenen Einstellungen sind sehr pers&#246;nlich und auf individuelle Erfahrungen zur&#252;ckzuf&#252;hren, die von Person zu Person variieren und zudem vom Umgang mit Sprache in Familie und Umfeld abh&#228;ngig sind. Dennoch stimmen die hier gewonnen Ergebnisse bez&#252;glich der Einstellungen zur Herkunfts- oder Heritage-Sprache im Hochschulkontext mit zentralen Befunden von Dannerer (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2015</xref>) &#252;berein. Insbesondere die Wahrnehmung der Herkunfts- oder Heritage-Sprache als nicht relevant f&#252;r den Studienalltag ist hier zu nennen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Dannerer 2015: 148</xref>) sowie der Wunsch nach N&#252;tzlichkeit und Anerkennung der Sprache im Studienkontext (ebd.).</p>
</sec>
<sec>
<title>7 Fazit</title>
<p>Die Herkunfts- bzw. Heritage-Sprachen von migrationsbedingt mehrsprachigen Studierenden stellen eine wertvolle Kompetenz dar. Dennoch zeigen die Ergebnisse der hier pr&#228;sentierten Studie, dass sie im Studienkontext kaum eine Rolle spielen, einerseits weil ihnen m&#246;glicherweise von der/dem Studierenden selbst kein Platz im Studium einger&#228;umt wird, andererseits weil oftmals die Gelegenheit fehlt, diese aktiv im Studium zu nutzen. Dem steht jedoch der Wunsch der Studierenden nach Wertsch&#228;tzung der Herkunfts- bzw. Heritage-Sprache(n) sowie nach Anerkennung der zus&#228;tzlichen Sprachkompetenz gegen&#252;ber, wobei vor allem die N&#252;tzlichkeit der Mehrsprachigkeit f&#252;r Studium und Beruf von Bedeutung ist. Inwieweit diese N&#252;tzlichkeit im Studium weiter gef&#246;rdert werden kann, bleibt jedoch nach wie vor ein Desiderat und stellt gleichzeitig einen interessanten Forschungsgegenstand f&#252;r zuk&#252;nftige Arbeiten auf diesem Gebiet dar.</p>
</sec>
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<fn id="n1"><p>Nach Definition des Statistischen Bundesamtes sind damit &#8222;Personen umfasst, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangeh&#246;rigkeit nicht durch Geburt besitzen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Bundesamt f&#252;r Migration und Fl&#252;chtlinge 2025</xref>). Weiter definiert das Statistische Bundesamt: &#8222;Bei einer mit deutscher Staatsangeh&#246;rigkeit geborenen Person werden die Merkmale der Eltern zur Bestimmung des Migrationsstatus verwendet. Wenn mindestens ein Elternteil ausl&#228;ndisch, eingeb&#252;rgert, (Sp&#228;t-)Aussiedlerin/Aussiedler oder Deutsch durch Adoption ist, &#34;&#252;bertr&#228;gt&#34; es diesen Migrationshintergrund auf das Kind&#8220;, zitiert nach <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://de.statista.com">de.statista.com</ext-link>, <xref ref-type="bibr" rid="B45">2025</xref>).</p></fn>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Mirian Seitz</bold> ist Promovierende an der Universit&#228;t Kassel in Kooperation mit der Technischen Hochschule Aschaffenburg. Sie absolvierte ihren Bachelor of Arts in Tourism and Travel Management an der Hochschule Worms sowie die beiden Masterstudieng&#228;nge International Management (M.A.) und Wirtschaft und Recht (Finance) (M.Sc.) an der Technischen Hochschule Aschaffenburg. Ihr Interessenschwerpunkt ist interkulturelles Lernen im Auslandsstudium.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Schillerstr. 95,</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">63741 Aschaffenburg</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:uk100640@uni-kassel.de">uk100640@uni-kassel.de</ext-link></styled-content></p>
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