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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Rezension</subject>
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<article-title>Kramer, Christian (2024): <italic>Kollaborative Mehrsprachigkeit in Lehr-/Lernkontexten. Empirische Zug&#228;nge an der Schnittstelle von englischer Fremdsprachendidaktik und Mehrsprachigkeitsdidaktik</italic> [=Fremdsprachendidaktik inhalts- und lernorientiert, Band 43]. Berlin: Peter Lang. ISBN: 978-3-631-91189-1. 592 Seiten. 115,95 &#8364;.</article-title>
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<email>marco.triulzi@lmu.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Institut f&#252;r Deutsch als Fremdsprache, Ludwig-Maximilians-Universit&#228;t M&#252;nchen</aff>
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<p>Die Diskussion um Mehrsprachigkeit im Fremdsprachenunterricht hat im letzten Jahrzehnt erheblich an Bedeutung gewonnen, insbesondere seit dem sogenannten <italic>Multilingual Turn</italic>, der die bis dahin vorherrschende Annahme, dass Sprachen isoliert voneinander gelernt und verwendet werden sollten, in Frage stellt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Conteh/Meier 2014</xref>). Eine mehrsprachigkeitsorientierte Fremdsprachendidaktik soll den dynamischen und grenz&#252;berschreitenden Charakter des Sprachenlernens und -gebrauchs in den Mittelpunkt r&#252;cken. Dennoch fehlt es nach wie vor weitgehend an gezielten Ans&#228;tzen und didaktischen Materialien, die die sprach(lern)biografische Vielfalt der Lernenden bewusst aufgreifen und effektiv f&#252;r den Unterricht nutzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Beacco et al. 2016</xref>).</p>
<p>Christian Kramer greift diese Diskrepanz in seiner Arbeit auf und widmet sich dem Potenzial von Mehrsprachigkeit als Ressource im Fremdsprachenunterricht. Dabei legt er einen besonderen Fokus auf den Einsatz kollaborativer mehrsprachigkeitsdidaktischer Techniken zur F&#246;rderung des Englischlernens auf fortgeschrittenem Niveau. Kramer identifiziert den Englischunterricht als wesentlichen Faktor f&#252;r die Entwicklung von Mehrsprachigkeit, hebt gleichzeitig hervor, wie Mehrsprachigkeit in der englischen Fremdsprachendidaktik h&#228;ufig unber&#252;cksichtigt bleibt. Dies f&#252;hrt er in erster Linie auf die monolinguale Ausrichtung des Curriculums f&#252;r den Fremdsprachenunterricht sowie auf die unzureichende Professionalisierung von (angehenden) Lehrkr&#228;ften hinsichtlich mehrsprachigkeitsdidaktischer Ans&#228;tze zur&#252;ck. In seiner empirischen Arbeit beschreibt Kramer den spontanen Einsatz kollaborativer Mehrsprachigkeitstechniken bei fortgeschrittenen, mehrsprachigen Studierenden des Faches Englisch. In diesem Kontext identifiziert er kollaborative Mehrsprachigkeit als eine interaktive, l&#246;sungsorientierte Ressource. Die positive Abh&#228;ngigkeit der Beteiligten im mehrsprachigkeitsorientierten Unterrichtsgeschehen tr&#228;gt dazu bei, dass sie ihre individuellen Sprachressourcen nutzen, um gemeinsam Bedeutungen auszuhandeln und Probleme zu l&#246;sen. Das &#252;bergeordnete Ziel dieser Ans&#228;tze ist die F&#246;rderung einer plurilingualen und plurikulturellen Kompetenz, die als wichtige Aufgabe der europ&#228;ischen Fremdsprachenbildung angesehen wird &#8211; eine Aufgabe, die Bildungsinstitutionen in Deutschland, einschlie&#223;lich der Hochschulen, aktiv aufgreifen sollen.</p>
<p>Im Anschluss an die einleitenden Bemerkungen erfolgt im zweiten Kapitel eine detaillierte Erl&#228;uterung des Konzepts der kollaborativen funktionalen Mehrsprachigkeit. Dieses Konzept sieht ein- und mehrsprachigen Sprachgebrauch nicht als Gegens&#228;tze, sondern als zwei sich erg&#228;nzende Facetten der Mehrsprachigkeit. Der Autor versteht kollaborative Mehrsprachigkeit als Teil der interindividuellen Interaktion und als kollektive Ressource zur gemeinsamen Probleml&#246;sung. In diesem Zusammenhang &#252;bt er eine grundlegende Kritik an der funktionalen Einsprachigkeit im Fremdspracheunterricht, bei der die unterrichtete Sprache auch die alleinige Unterrichtssprache darstellt. Er pl&#228;diert stattdessen f&#252;r eine funktionale Mehrsprachigkeit, bei der verschiedene Sprachen als Ressourcen im Unterricht eingesetzt werden.</p>
<p>Die empirische Untersuchung behandelt zwei zentrale Forschungsfragen: Erstens, welche plurilingualen Techniken von fortgeschrittenen Lerner:innen des Englischen als Fremdsprache und potenziellen zuk&#252;nftigen Lehrkr&#228;ften kollaborativ eingesetzt werden. Die zweite Forschungsfrage umfasst die Untersuchung der Modalit&#228;t der Nutzung dieser Techniken zur Erreichung gemeinsamer Lernziele. Die Untersuchung positioniert sich damit an der Schnittstelle zwischen Mehrsprachigkeitsdidaktik und englischer Fremdsprachendidaktik, insbesondere vor dem Hintergrund der Normalisierung von Mehrsprachigkeit im neokommunikativen Englischunterricht.</p>
<p>Im dritten Kapitel erl&#228;utert Kramer die Operationalisierung f&#252;r die empirische Analyse. Der Fokus liegt hierbei auf plurilinguale Techniksets wie Translanguaging, Interkomprehension, Sprachenmittlung, Sprachenvergleich und metalinguistische Reflexion sowie auf kollaborativen Techniken wie Grounding, Auslassungen, Refashioning und Solidarit&#228;tsbekundungen.</p>
<p>Das vierte Kapitel beschreibt die methodische Anlage der Studie, in deren Mittelpunkt eine zweigeteilte Aufgabenstellung steht. Eine Aufgabe besteht darin, die Bedeutung von neun Phrasemen in verschiedenen Sprachen (Niederl&#228;ndisch, Spanisch, Polnisch) zu ermitteln, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in anderen Sprachen zu reflektieren. In einer zweiten Aufgabe werden die Studierenden mit deutschen und englischen &#196;quivalenten f&#252;r alle neun Phraseme konfrontiert. Sie sollen diese Phraseme w&#246;rtlich &#252;bersetzen und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutieren.</p>
<p>Die Untersuchung basiert auf einer Mixed-Methods-Analyse mit einem deutlichen Schwerpunkt auf qualitativen Methoden. Im Wesentlichen wird die Untersuchung als nicht-teilnehmende und strukturierte Beobachtung durchgef&#252;hrt. Als Datenquellen dienen aufgezeichnete Gespr&#228;che in Form von Tonaufnahmen, ausgef&#252;llte Kurzfrageb&#246;gen und Sprachenportr&#228;ts sowie beschriebene Aufgabenbl&#228;tter. Die Gespr&#228;chsanalyse ist induktiv-deduktiv und bezieht sich auf eine Stichprobe von 28 Studierenden, die Englisch im Zweifach-Bachelor studieren und potenzielle zuk&#252;nftige Lehrkr&#228;fte sind. Die Stichprobe zeichnet sich durch Deutsch als Erst- oder eine der Erstsprachen und Englisch als Zweit- oder Fremdsprache aus, die sie im institutionellen Kontext gelernt haben und auf einem fortgeschrittenen Kompetenzniveau beherrschen.</p>
<p>Im f&#252;nften Kapitel werden die Ergebnisse pr&#228;sentiert. Es ist von methodologischem Interesse, dass das Sprachenportr&#228;t im Vergleich zum Fragebogen eine gr&#246;&#223;ere Bandbreite an Sprachkompetenzen offenbart. Dies ist laut dem Autor darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass Sprachenportr&#228;ts mit einem offeneren Sprachenbegriff arbeiten. Zu den wertvollen empirischen Erkenntnissen geh&#246;rt die Feststellung, dass die Teilnehmer:innen in der Lage sind, ihre individuellen Mehrsprachigkeitskompetenzen anhand verschiedener plurilingualer Techniksets ziel-, aufgaben- und adressatenorientiert sowie kollaborativ einzusetzen. Besonders vielf&#228;ltig nutzen die Teilnehmer:innen Sprachmischungen, indem sie mehrsprachige Ressourcen aus ihren individuellen Repertoires abrufen und interaktiv in ein gemeinsames situativ-emergentes Repertoire einbringen, das wiederum potenziell in ihr individuelles Repertoire &#252;bernommen werden kann. Dies erweist sich als ein wesentliches Instrument zur Erweiterung des sprachlichen Repertoires.</p>
<p>Kramers Werk pr&#228;sentiert eine innovative Studie zur F&#246;rderung der Mehrsprachigkeit im Fremdsprachenunterricht an der Hochschule und liefert empirische Belege f&#252;r den Nutzen mehrsprachiger Techniksets im fortgeschrittenen Englischunterricht. Die Analyse der kollaborativen Sprachenverwendung im Kontext von Mehrsprachigkeit er&#246;ffnet neue Perspektiven auf das Potenzial mehrsprachigkeitsdidaktischer Ans&#228;tze f&#252;r die sprachliche Bildung.</p>
<p>Aus den pr&#228;sentierten Ergebnissen ergeben sich mehrere Perspektiven f&#252;r die weitere Forschung. Ein vielversprechender Ansatz f&#252;r zuk&#252;nftige Untersuchungen k&#246;nnte die detaillierte Analyse der Faktoren sein, die es den Lernenden erm&#246;glichen, ihre mehrsprachigen F&#228;higkeiten im Fremdsprachenunterricht kooperativ einzusetzen. Obwohl Kramer in seiner Arbeit bereits den erfolgreichen spontanen Umgang der Studierenden mit Mehrsprachigkeit hervorhebt, k&#246;nnte eine weitere Differenzierung dieser Ergebnisse in zuk&#252;nftigen Arbeiten zu einem vertieften Verst&#228;ndnis beitragen, wie Lehrende ihre didaktischen Ans&#228;tze gezielt anpassen k&#246;nnen.</p>
<p>Die Arbeit von Kramer stellt insgesamt einen wertvollen Beitrag zur Mehrsprachigkeitsdidaktik dar. Sie demonstriert, dass der kollaborative Einsatz mehrsprachiger Techniken im Unterricht nicht nur m&#246;glich, sondern auch zur Entwicklung der plurilingualen und plurikulturellen Kompetenz f&#252;hren kann. Durch seine empirischen Erkenntnisse stellt der Autor der Lehramtsausbildung wichtige Erkenntnisse zur Verf&#252;gung, um zuk&#252;nftige Lehrkr&#228;fte ad&#228;quat auf die M&#246;glichkeiten der Mehrsprachigkeitsf&#246;rderung vorzubereiten.</p>
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<p><styled-content style="text-align: left; display: block; line-height: 0.2"><bold>Dr. Marco Triulzi</bold>, Institut f&#252;r Deutsch als Fremdsprache,</styled-content></p>
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