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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<issn pub-type="epub">1205-6545</issn>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.4009</article-id>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>&#8222;Sprachenexpedition rund um die Ostsee&#8220;. Erfahrungen aus einem internationalen Projekt des Goethe-Instituts zum mehrsprachigen Potenzial der Deutschlernenden</article-title>
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<surname>Kursi&#353;a</surname>
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<prefix>Dr.</prefix>
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<surname>Richter-Vapaatalo</surname>
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<email>ulrikerichterfi@gmail.com</email>
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<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-08-30">
<day>30</day>
<month>08</month>
<year>2024</year>
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<pub-date pub-type="collection">
<year>2024</year>
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<volume>29</volume>
<issue>2</issue>
<fpage>339</fpage>
<lpage>362</lpage>
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<copyright-year>2024</copyright-year>
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<abstract>
<p>Der Praxisbericht pr&#228;sentiert das im Schuljahr 2021/2022 durchgef&#252;hrte Projekt &#8222;Sprachenexpedition rund um die Ostsee&#8220;. Die Sch&#252;ler*innen lernten die Mehrsprachigkeit im eigenen Land sowie in den Nachbarl&#228;ndern kennen und setzten ihre sprachlichen Ressourcen beim Erschlie&#223;en neuer Sprachen ein. Die l&#228;nder&#252;bergreifende Kooperation hob das Potenzial der Sprachenkenntnisse und die Br&#252;ckenfunktion des Deutschen hervor. Die beteiligten Lehrkr&#228;fte wurden im Projekt kleinschrittig begleitet und f&#252;r den mehrsprachigen Unterricht fortgebildet. Der Beitrag pr&#228;sentiert das didaktische Gesamtkonzept und dessen Umsetzung. Die Erfahrungen der beteiligten Sch&#252;ler*innen und Lehrkr&#228;fte runden den Bericht ab. Das Lehrmaterial ist mittlerweile publiziert und kann grunds&#228;tzlich weltweit im Deutschunterricht eingesetzt werden.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>&#34;Language expedition around the Baltic Sea&#34;. Experiences from an international Goethe-Institut project on the multilingual potential of learners of German</bold></p>
<p>The report presents the project &#34;Language Expedition around the Baltic Sea&#34;, carried out in the 2021/2022 school year. The project aimed to educate students about multilingualism in their own and neighbouring countries and to help them use their linguistic resources to learn new languages. The international cooperation and the role of German as a bridge language were also emphasized. The participating teachers were supported and trained regularly to enhance their skills in multilingual teaching. The article presents the overall didactic concept and its practical implementations. The experiences of the students and teachers involved in the project are also shared. The teaching material has been published and can be used worldwide in German lessons.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Mehrsprachigkeit</kwd>
<kwd>internationales Sch&#252;ler*innen-Projekt</kwd>
<kwd>Lehrer*innen-Fortbildung</kwd>
</kwd-group>
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<sec>
<title>1 Zur Einleitung und Ausgangsidee f&#252;r das Projekt</title>
<p>In den Jahren 2021/2022 &#252;bernahmen wir die Konzipierung und Durchf&#252;hrung eines Projektes, das von mehreren Goethe-Instituten (GI) in Ostseeanrainer-L&#228;ndern ins Leben gerufen wurde. Die Ausgangsidee, initiiert vom GI Schweden, wurde dann von den GI Finnland, Schweden, D&#228;nemark, Estland, Lettland und Litauen gemeinsam entwickelt und beinhaltete diese Punkte:</p>
<p>Die Zielgruppe sollen Deutschlernende ab dem Niveau A2 nach dem Gemeinsamen europ&#228;ischen Referenzrahmen im Alter von 14 bis 17 Jahren sein. Das Projekt zielt darauf, die Sch&#252;ler*innen sich mit der eigenen Muttersprache und denen der anderen Projektteilnehmenden besch&#228;ftigen zu lassen. Es geht vor allem darum, den Wert der eigenen Muttersprache und von Mehrsprachigkeit aufzeigen zu k&#246;nnen, sodass man Sprachen &#252;ber den reinen N&#252;tzlichkeitsaspekt hinaus auch als Br&#252;cke zwischen Menschen wertsch&#228;tzen lernen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern Online-Workshops angeboten werden, au&#223;erdem soll der digitale Austausch &#252;ber Lernplattformen erfolgen.</p>
<p>Nicht zuletzt waren auch Begegnungen in Echtzeit gew&#252;nscht, die jedoch, da noch mitten in der Pandemie-Zeit, vor allem als Online-Begegnungen denkbar waren. Den Expert*innen wurden aber auch ein paar offene Fragen f&#252;r die Konzeptentwicklung mitgegeben:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Was ist bei diesen Zielen die Rolle des Deutschen?</p></list-item>
<list-item><p>Und kann die Mehrsprachigkeit &#252;berhaupt als verbindendes Thema im Projekt funktionieren?</p></list-item>
</list>
<p>In dem vorliegenden Bericht aus der Praxis m&#246;chten wir aus der Perspektive unserer Rolle als Expertinnen im Projekt zun&#228;chst beschreiben, wie es von dieser Idee bis zum Konzept entwickelt wurde. Bestimmte Grundbausteine bestimmten vor allem die Durchf&#252;hrung des Projektes. Anschlie&#223;end m&#246;chten wir die Themenbereiche sowie die Aktivit&#228;ten, die in jedem Themenbereich den Lernenden angeboten wurden, pr&#228;sentieren. An dem Projekt nahmen ca. 20 Deutsch-Lehrkr&#228;fte aus den baltischen und nordischen L&#228;ndern teil und sie gaben regelm&#228;&#223;ig auch Feedback dazu, wie die Lernangebote von ihren Sch&#252;ler*innen angenommen wurden. Daher bereichern wir unsere Schilderungen mit Ausz&#252;gen aus diesem Feedback, um dann ein Fazit unserer Erfahrungen mit dem Projekt zu ziehen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Zur Projekt-Entstehung und zu den konzeptionellen Grundlagen</title>
<p>In unserem Projektantrag haben wir die Rahmenbedingungen f&#252;r die Durchf&#252;hrung des Projektes dahingehend ver&#228;ndert, dass die Sch&#252;ler*innen-Aktivit&#228;ten nicht in von uns geleiteten Online-Workshops f&#252;r ausgew&#228;hlte Lernende angeleitet, sondern von den Deutschlehrkr&#228;ften in ihren Klassen bzw. Gruppen durchgef&#252;hrt werden. Somit haben wir das Projekt in erster Linie als ein Fortbildungsprojekt f&#252;r DaF-Lehrkr&#228;fte angelegt.</p>
<p>W&#228;hrend also die DaF-Lehrkr&#228;fte an dem Projekt teilnahmen, um sich dem Thema Mehrsprachigkeit im DaF-Unterricht zu n&#228;hern und neue Unterrichtskonzepte auszuprobieren, begleiteten die Expertinnen die Lehrkr&#228;fte in allen Teilen des Projektes. Die Vorgehensweise f&#252;r die Projektlaufzeit war wie folgt festgelegt:</p>
<p>Die Expertinnen erstellen Unterrichtsmaterialien auf Deutsch, die die Lehrkr&#228;fte in ihrem Unterricht einsetzen k&#246;nnen. In mehreren Workshops werden diese Materialien vorgestellt und von den Lehrkr&#228;ften selbst in der Lernenden-Rolle ausprobiert. Au&#223;erdem bekommen die Lehrkr&#228;fte Hintergrundinformationen zu den Themen und Aktivit&#228;ten. Diese sowie detaillierte Hinweise f&#252;r die Arbeit mit dem Lehrmaterial sind auch in den Handreichungen f&#252;r alle Unterrichtseinheiten zusammengestellt. Das hei&#223;t, auch ohne an den Workshops teilgenommen zu haben, k&#246;nnen sich die Lehrkr&#228;fte kleinschrittig mit dem Lehrmaterial und kurzen theoretischen Einf&#252;hrungen in die Themen bekannt machen. Die Workshops dienen ebenso einem kurzen Erfahrungsaustausch unter den Lehrkr&#228;ften und mit den Expertinnen dar&#252;ber, wie der Einsatz der Materialien gelungen ist. Des Weiteren dient eine gemeinsame Moodle-Seite als Plattform f&#252;r die interne Kommunikation im Projekt. Dar&#252;ber kann man sich &#252;ber die Workshops hinaus austauschen, die Lehrkr&#228;fte k&#246;nnen da jederzeit Fragen stellen, da die Expertinnen durchgehend beratend zur Seite stehen. Au&#223;erdem kann die Plattform f&#252;r die Vernetzung in bilateralen Aktivit&#228;ten genutzt werden. Schlie&#223;lich wird im Rahmen des Projekts auch die M&#246;glichkeit einer Online-Sch&#252;ler*innenbegegnung angelegt.</p>
<p>F&#252;r die didaktische Konzeption und die inhaltliche Zusammenstellung des Lehrmaterials bildeten folgende &#220;berlegungen den Ausgangspunkt:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Deutsch ist gerade in der Ostseeregion eine typische L3. F&#252;r ein Projekt, das in den Ostseeanrainer-L&#228;ndern durchgef&#252;hrt wird, ist Deutsch als Grundlage geeignet, den Blick auf Sprachen zu richten und um den Aspekt Mehrsprachigkeit allgemein zu erweitern. Vor allem aufgrund der historischen Gegebenheiten ist Deutsch in der Ostseeregion pr&#228;sent und hat auch Einfluss auf die Sprachen in den am Projekt teilnehmenden L&#228;ndern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Kursi&#353;a 2024: 166&#8211;168</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>In der Regel werden die mehrsprachigkeitsdidaktischen Konzepte im Fremdsprachenunterricht benutzt, um das Erlernen der Zielsprache effizienter zu machen (vgl. bspw. Deutsch als zweite Fremdsprache in <xref ref-type="bibr" rid="B21">Neuner/Hufeisen/Kursi&#353;a/Marx/Koithan/Erlenwein 2009</xref>). In diesem Projekt sollen ebenfalls mehrsprachigkeitsdidaktische Konzepte genutzt werden, jedoch ist nun Deutsch nicht die Ziel-, sondern die Ausgangs- und Kommunikationssprache. Deutsch fungiert also als Basis f&#252;r das Erschlie&#223;en von neuen Sprachen.</p></list-item>
<list-item><p>Damit geht einher, dass Deutsch f&#252;r die Kommunikation im Rahmen des Projekts verwendet wird. Alle Aufgaben werden zun&#228;chst in den jeweiligen Klassen/Gruppen bearbeitet. Anschlie&#223;end k&#246;nnen die Lehrkr&#228;fte auf der gemeinsamen Moodle-Plattform die Ergebnisse aus den Aufgaben anderen Lehrkr&#228;ften zur Verf&#252;gung stellen. Auf diese Weise erm&#246;glicht das von den Sch&#252;ler*innen erarbeitete Material eine weitere Besch&#228;ftigung mit der Sprache bzw. den Sprachen und schafft eine weitere Sprachverwendungssituation. Wir gehen davon aus, dass die Sch&#252;ler*innen neugierig auf die Ergebnisse aus anderen Klassengemeinschaften sind und das Deutsche dabei als Lingua franca fungieren kann.</p></list-item>
</list>
<p>Wie die Arbeit mit dem Unterrichtsmaterial konkret aussah, soll im n&#228;chsten Kapitel dargestellt werden.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Unterrichtsmaterial</title>
<sec>
<title>3.1 Einleitende Bemerkungen</title>
<p>Die Arbeit mit dem Unterrichtsmaterial wurde basierend auf den folgenden grundlegenden Punkten konzipiert:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Erstens und in Bezug auf m&#246;gliche Themenbereiche beschlossen wir, die verschiedenen Ebenen der Mehrsprachigkeit aufzuzeigen: So sollte das Material die Sch&#252;ler*innen nicht nur dazu anleiten, sich mit ihrer individuellen und der gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit zu besch&#228;ftigen, sondern auch zwischen der inneren und &#228;u&#223;eren Mehrsprachigkeit zu unterscheiden. Dar&#252;ber hinaus sollten sie sich die unterschiedlichen Rollen und Statusverh&#228;ltnisse einzelner Sprachen bewusst machen.</p></list-item>
<list-item><p>Zweitens und unter besonderer Ber&#252;cksichtigung der Bedingungen f&#252;r den Unterricht in einer zweiten Fremdsprache &#8211; durch wenig Kontaktunterrichtszeit und teilweise rigide Lehrpl&#228;ne gekennzeichnet &#8211; sollen die Inhalte so aufbereitet werden, dass die Schwelle beim Einsatz dieses zus&#228;tzlichen Lehrmaterials m&#246;glichst gering bleibt. Im Rahmen des Projekts wurde den Lehrkr&#228;ften grunds&#228;tzlich vorgeschlagen, sich die einzelnen Arbeitsbl&#228;tter anzuschauen und zu entscheiden, inwieweit es f&#252;r sie &#252;berhaupt m&#246;glich ist, diese im Unterricht mit ihren Klassen einzusetzen; wenn ja, dann auch zu entscheiden, welche Teile der Arbeitsbl&#228;tter einzusetzen und welche nicht. Der Grundsatz lautete also: Alles kann, nichts muss.</p></list-item>
</list>
<p>Inhaltlich haben wir folgende Themenbereiche erarbeitet:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Thema 1: Sprachen in unserer Klasse</p>
<p>Das Thema zielt darauf, dass die Sch&#252;ler*innen die individuelle Mehrsprachigkeit und die Sprachenverwendung erkunden und l&#228;nder&#252;bergreifend kennenlernen.</p></list-item>
<list-item><p>Thema 2: Sprachen verstehen und vergleichen</p>
<p>In Orientierung an der Idee der rezeptiven Interkomprehension k&#246;nnen die Sch&#252;ler*innen mit Texten aus unterschiedlichen Sprachfamilien arbeiten und so ihre Mehrsprachigkeit ausbauen: Es geht dabei darum, Zug&#228;nge zu neuen Sprachen zu erkunden und mehrsprachiges Bewusstsein zu entwickeln.</p></list-item>
<list-item><p>Thema 3: Sprachen in unserem Land</p>
<p>In diesem Themenbereich sind die Sch&#252;ler*innen eingeladen, die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit in ihrem Land zu erforschen und anschlie&#223;end interkulturelle Vergleiche zu ziehen.</p></list-item>
<list-item><p>Thema 4: Jugend-/Alltagssprache</p>
<p>Mit diesem Themenbereich sollen die Sch&#252;ler*innen &#252;ber ihre innere Mehrsprachigkeit nachdenken und unterschiedliche sprachliche Register bewusst wahrnehmen, aber auch f&#252;r sie bedeutende Themen vor dem internationalen Hintergrund pr&#228;sentieren k&#246;nnen.</p></list-item>
</list>
<p>Im Folgenden gehen wir auf alle Bereiche detaillierter ein, indem wir die Aktivit&#228;ten darstellen und auch das Lehrkr&#228;fte- bzw. Sch&#252;ler*innen-Feedback aufgreifen.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Thema 1: Sprachen in unserer Klasse</title>
<p>Auf der Grundlage des mittlerweile weit verbreiteten Konzeptes des Sprachenportr&#228;ts, das bspw. Krumm (<xref ref-type="bibr" rid="B15">2010</xref>; vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B5">Busch 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B7">Gogolin 2015</xref>) bereits fr&#252;h in Klassengemeinschaften eingesetzt hat, um die Sprachenvielfalt der Sch&#252;ler*innen aufzuzeigen, standen auch im vorliegenden Projekt die individuellen Sprachenportr&#228;ts zun&#228;chst im Mittelpunkt des ersten Themenbereiches. Nach dem &#252;blichen Vorgehen der Zuordnung der Farben zu den Sprachen und K&#246;rperteilen und dem Ausmalen der Figur mit anschlie&#223;ender Kurzvorstellung der Sprachenportr&#228;ts wurden f&#252;r dieses Thema zwei weitere Schritte hinzugef&#252;gt. Im ersten davon veranschaulichten die Klassengemeinschaften die Sprachen in der Klasse, indem sie alle in den Sprachenportr&#228;ts aufgef&#252;hrten Sprachen aufgelistet und mit der Anzahl der Nennungen dann sogenannte Wortwolken erstellt haben, wie in den <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>, <xref ref-type="fig" rid="F2">2</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F3">3</xref> zu sehen ist. Diese Abbildungen zeigen ein paar interessante Details: Zum einen sieht man an den Wortwolken der estnischen und der schwedischen Klasse, dass z.B. der besonderen Stellung des Estnischen resp. des Schwedischen als Landes- bzw. Unterrichtssprache gr&#246;&#223;ere Bedeutung einger&#228;umt wurde als allen anderen Sprachen. Die von den Expertinnen vorgesehene Aufgabe, mit der Anzahl von Sprachennennungen in den Sprachenportr&#228;ts die Verwendung von jeder Sprache in der Klasse insgesamt aufzuzeigen, scheint also modifiziert zu sein. Zum anderen enth&#228;lt die Wortwolke der estnischen Klasse auch die Geb&#228;rdensprache und in der Wortwolke der lettischen Klasse ist Lettgallisch (*Latgalisch) aufgef&#252;hrt, ein Dialekt in Lettland. Man kann hier vermuten, dass sich die entsprechende Schule in der Region befindet, in der dieser Dialekt gesprochen wird. Dar&#252;ber hinaus ist auch in dieser Wortwolke die Landessprache gr&#246;&#223;er als andere Sprachen abgebildet. Ein Bewusstsein f&#252;r den Sprachenreichtum bei den Sch&#252;ler*innen ist bereits vorhanden und in den Wortwolken vorz&#252;glich herausgearbeitet.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Wortwolke aus den Sprachenportr&#228;ts einer estnischen Klassengemeinschaft</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g1.png"/>
</fig>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Wortwolke aus den Sprachenportr&#228;ts einer schwedischen Klassengemeinschaft</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g2.png"/>
</fig>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Wortwolke aus den Sprachenportr&#228;ts einer lettischen Klassengemeinschaft</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g3.png"/>
</fig>
<p>In dem Projekt-Workshop, der auf den Einsatz dieses Unterrichtsmaterials folgte, haben Lehrkr&#228;fte in der Feedback-Runde ihre Begeisterung f&#252;r die Besch&#228;ftigung mit den Sprachenportr&#228;ts und Wortwolken ge&#228;u&#223;ert. Ebenso haben sie auf der Lernplattform ihre Eindr&#252;cke hinterlassen (s. Exzerpte 1 und 2)<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref>:</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(1)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>[&#8230;], dass einige Sch&#363;ler viele Sprachen erw&#257;hnt haben. Wir haben erfahren in der Klasse, dass einige mit den Verwandten Polnisch oder Ukrainisch sprechen.</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(2)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Es war erstaunlich, wie ernst und gleichzeitig auch laessig, wie kreativ und tief denkend die Schueler in EA [Einzelarbeit] mit der Aufgabe fertig wurden.</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Dar&#252;ber hinaus bot ein weiteres Arbeitsblatt in diesem Themenbereich an, sich mit dem Konzept der <italic>Dominant language constellation</italic> (DLC) (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Aronin 2016</xref>) zu besch&#228;ftigen, also mit der Sprachenverwendung, um herauszufinden, welche der vielen Sprachen im t&#228;glichen Miteinander inwieweit sichtbar werden. In der <xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref> ist die DLC einer finnischen Klassengemeinschaft zu sehen, und interessant ist hier nicht nur, dass einige Sprachen mit einem bestimmten Bereich wie Musik oder Ballett im Zusammenhang stehen, sondern dass die finnischen Sch&#252;ler*innen zwischen dem Schwedischen und dem Schwedischen in Finnland (<italic>Finlandsvenska</italic>) unterscheiden und dass sie auch <italic>Finglisch</italic> auff&#252;hren, ein Mix zwischen Finnisch und Englisch. Ebenso ist ihnen bewusst, dass sie in ihrem Alltag sowohl Finnisch als auch den &#246;rtlichen Dialekt benutzen.</p>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Abb. 4: <italic>Dominant Language Constellation</italic> einer finnischen Klassengemeinschaft</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g4.png"/>
</fig>
<p>&#196;hnlich ist in der <xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref> zu sehen, dass auch die litauische Klassengemeinschaft sich der Unterscheidung zwischen dem Litauischen als Landessprache und dem regionalen Dialekt bewusst ist.</p>
<fig id="F5">
<caption>
<p>Abb. 5: <italic>Dominant Language Constellation</italic> einer litauischen Klassengemeinschaft</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g5.png"/>
</fig>
<p>Wichtig war in diesem Themenbereich der schul- und l&#228;nder&#252;bergreifende Austausch der Ergebnisse. Die Lehrkr&#228;fte ver&#246;ffentlichten die Wortwolken und die Abbildungen der DLC auf der Moodle-Plattform und zeigten die Resultate aus anderen Schulen in ihrem Unterricht. Eine Lehrkraft beschreibt das so (s. Exzerpt 3):</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(3)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Meine Achtkl&#228;ssler waren sehr neugierig und wollten wissen, welche Wortwolken andere Sch&#252;ler ihres Alters erstellt haben. Nach dem Anschauen waren sie erstaunt und es gab den Grund f&#252;r weitere Diskussionen schon in der Muttersprache.</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Sowohl die Beispiele der Wortwolken als auch die der DLC veranschaulichen, dass es Gemeinsamkeiten zwischen den Klassen oder L&#228;ndern gibt, z.B. Nachbarsprachen oder Koreanisch als Sprache von Lieblingsbands. Aber es gibt auch Eigenheiten wie bspw. die Unterscheidung zwischen Schwedisch und Finnlandschwedisch, die Einblicke in die Sprachensituation erm&#246;glichen, wie sie anders z.T. gar nicht m&#246;glich w&#228;ren.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.3 Thema 2: Sprachen verstehen und vergleichen</title>
<p>In diesem Themenbereich arbeiteten die Sch&#252;ler*innen exemplarisch mit Texten und konnten dabei in die anderen Ostseesprachen im Projekt eintauchen. Mit gezielten Anweisungen wurden Zug&#228;nge zu unbekannten Sprachen in anderen Sprachfamilien erkundet. Bei der Erstellung der Arbeitsbl&#228;tter war die Idee der rezeptiven Interkomprehension (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Ollivier/Strasser 2013</xref> oder <xref ref-type="bibr" rid="B11">Hufeisen/Marx 2014</xref> in Bezug auf germanische Sprachen) leitend. Wir haben uns jedoch zwischen den Sprachfamilien bewegt und haben, inspiriert von Kordts Idee der sprachdetektivischen Textarbeit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Kordt 2015</xref>), die Ann&#228;herung an die Texte in den unterschiedlichen Sprachen anhand kleinschrittiger Anweisungen gestaltet, damit die Lernenden jeweils auf eine oder mehrere Stellen in einem Text fokussieren k&#246;nnen und mit Hilfe von Vergleichen sowie unter Hinzuziehen ihres sprachlichen Vorwissens sowie Weltwissens die Bedeutungen herauszufinden versuchen.</p>
<p>Es gibt in diesem Themenbereich mehrere vom Aufbau her &#228;hnliche Arbeitsbl&#228;tter. Jedes Arbeitsblatt befasst sich mit einer der am Projekt beteiligten Sprachen. Basis f&#252;r die sprachliche Arbeit liefert ein Text &#252;ber die Hauptstadt des jeweiligen Landes (s. <xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>).</p>
<fig id="F6">
<caption>
<p>Abb. 6: Text des Arbeitsblatts f&#252;r Estnisch</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g6.png"/>
</fig>
<p>Die Lernenden k&#246;nnen die Audio-Aufnahme des Textes mehrmals h&#246;ren und dann miteinander besprechen, was sie verstehen konnten. Anschlie&#223;end geht es zu den Fragen bzw. Arbeitsanweisungen, die zur detaillierteren Arbeit mit dem Text einladen (s. einige der Aufgaben in <xref ref-type="fig" rid="F7">Abb. 7</xref>).</p>
<fig id="F7">
<caption>
<p>Abb. 7: Auszug aus dem Arbeitsblatt f&#252;r Estnisch</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g7.png"/>
</fig>
<p>Zum Schluss k&#246;nnen die Lernende das im Text Verstandene in ihrer Muttersprache oder auf Deutsch zusammenfassen, wobei es dabei nicht um die &#220;bersetzung des Textes geht, sondern eher um eine Bewusstmachung des Verstehens. Davor ist noch ein weiterer Schritt eingebaut, und zwar die Reflexion des Verstehensprozesses.</p>
<p>Im Projekt haben wir den Lehrkr&#228;ften den Vorschlag gemacht, mit einer Sprache zu arbeiten, die nicht zu der gleichen Sprachfamilie geh&#246;rt wie die Landessprache, z.B. haben die lettischen Sch&#252;ler*innen den finnischen Text gelesen, die estnischen Sch&#252;ler*innen den litauischen usw. Wichtig f&#252;r das Erschlie&#223;en der Textbedeutung ist, dass einige Teile aufgrund von Sprachkontakt zu erschlie&#223;en sind, in anderen kann gerade das Deutsche behilflich sein.</p>
<p>Beim zweiten Arbeitsblatt, <italic>Kalender und Feiertage</italic>, steht der Sprachenvergleich im Vordergrund (s. <xref ref-type="fig" rid="F8">Abb. 8</xref>). Auch hier ist die urspr&#252;ngliche Idee bereits l&#228;nger bekannt, z.B. in den Ausarbeitungen zur Terti&#228;rsprachendidaktik f&#252;r Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch, wo man daf&#252;r pl&#228;diert hat, den neuen Wortschatz im Deutschen im Vergleich zu Englisch und zur Mutter- bzw. Unterrichtssprache einzuf&#252;hren oder mit Paralleltexten zu arbeiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Neuner et al. 2009</xref>, aber auch <xref ref-type="bibr" rid="B4">Berger/Colucci 1999</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Kursi&#353;a/Neuner 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Kursi&#353;a/Richter-Vapaatalo 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Richter-Vapaatalo 2022</xref>). Das vorliegende Arbeitsblatt entwickelt diesen Grundgedanken weiter, indem alle am Projekt beteiligten Landessprachen miteinander verglichen werden.</p>
<fig id="F8">
<caption>
<p>Abb. 8: Ein Ausschnitt aus dem Arbeitsblatt <italic>Kalender und Feiertage</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g8.png"/>
</fig>
<p>Es gibt auf diesem Arbeitsblatt Kalenderbl&#228;tter in d&#228;nischer, schwedischer, finnischer, estnischer, lettischer und litauischer Sprache. Da es sich um dieselben Daten bzw. um dieselben Feiertage handelt, k&#246;nnen die Lernenden die Bezeichnungen f&#252;r diese Feiertage, aber auch die Monatsnamen und Konventionen der Datumsnotierung vergleichen. So k&#246;nnen sie sowohl Ph&#228;nomene der Sprachenverwandtschaft als auch des Sprachenkontakts entdecken.</p>
<p>Wir haben die Lehrkr&#228;fte gebeten, einen kleinen Online-Fragebogen an Lernende weiterzureichen, damit wir erste Lernenden-Eindr&#252;cke von dieser Art sprachlicher Arbeit bekommen. Laut ihrer Antworten haben die Sch&#252;ler*innen das Erschlie&#223;en der Texte gut schaffen k&#246;nnen. Auf die Frage, was ihnen beim Verstehen geholfen hat, gaben sie als Antwort: die Anleitung (z.B. Fragen zu den einzelnen W&#246;rtern in den Texten, die Tabelle, in der man die W&#246;rter aus den Kalenderbl&#228;ttern in unterschiedlichen Sprachen erg&#228;nzen sollte etc.); die Aufgaben; die M&#246;glichkeit, Texte zu h&#246;ren; das gemeinsame Arbeiten in der Gruppe; internationale W&#246;rter sowie auch W&#246;rter, die in der L1 &#228;hnlich sind.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.4 Thema 3: Sprachen in unserem Land</title>
<p>In diesem Themenbereich haben wir mehrere Arbeitsbl&#228;tter und Aktivit&#228;ten f&#252;r Sch&#252;ler*innen erstellt, die unterschiedlich komplex waren und unterschiedliche Perspektiven auf Sprachen anboten. Der gemeinsame Nenner waren dabei die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit und auch die sozialen Dimensionen des Sprachbewusstseins (vgl. bspw. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Wildemann/Bien-Miller/Akbulut 2020: 119&#8211;120</xref>).</p>
<p>Zum einen ging es unter dem Titel <italic>Sprachen in meinem Ort</italic> um die Erforschung von <italic>Linguistic Landscapes</italic> im Ort, z.B. in der Schule, auf den Stra&#223;en, in den Gesch&#228;ften bzw. auf Verpackungen oder in der Bibliothek (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Androutsopoulos 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B23">Ricart Brede 2014</xref>), m&#246;glicherweise aber auch im eigenen Zimmer oder Zuhause (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Kromp&#225;k 2018</xref>). Das Arbeitsblatt <italic>Sprachen in unserem Land</italic> bot eine andere Perspektive an: Die Sch&#252;ler*innen konnten die Sprachen im eigenen Land erkunden, indem sie &#252;berlegten, welchen Status bzw. welche Rolle eine Sprache in einem Land oder was f&#252;r eine unterschiedliche Rolle die gleiche Sprache f&#252;r unterschiedliche Personen haben kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Hu 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">Riemer 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B27">Venohr 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B29">Wulff 2021</xref>). Nachdem die Sch&#252;ler*innen die unterschiedlichen Begriffe kennengelernt haben, k&#246;nnen sie sich &#252;ber ihre Sprachen aus dieser Perspektive austauschen (s. einen Auszug aus dem Arbeitsblatt in <xref ref-type="fig" rid="F9">Abb. 9</xref>). W&#228;hrend eine Sprache f&#252;r die Mehrheit der Sch&#252;ler*innen die Erstsprache ist, ist sie f&#252;r jemanden in der Klassengemeinschaft vielleicht die Zweitsprache oder gar eine Fremdsprache. Genauso kann die Erstsprache ein Dialekt oder eine Regionalsprache sein. Sogar mit Grundkenntnissen in der deutschen Sprache ist ein solcher Austausch im Fremdsprachenunterricht m&#246;glich und kann den Sch&#252;ler*innen Einsicht geben in die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit und in die sozialen Dimensionen der Mehrsprachigkeit und kann sie f&#252;r die unterschiedlichen Rollen einer Sprache sensibilisieren.</p>
<fig id="F9">
<caption>
<p>Abb. 9: Zwei Aufgaben aus dem Arbeitsblatt <italic>Sprachen in meinem Land</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g9.png"/>
</fig>
<p>Wie die Arbeit mit diesen Arbeitsbl&#228;ttern gewesen ist, illustriert das Feedback einer Lehrkraft im Exzerpt 4:</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(4)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Die SuS [Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler] haben Pr&#228;sentationen zum Thema &#8222;Sprachen in Lettland. Linguistic landscapes&#8220; gemacht. Die Pr&#228;sentationen waren interessant. Die SuS waren der Meinung, dass es gar nicht leicht war, konkrete Daten zu finden. <italic>Linguistic landscapes</italic> zu finden, hat einigen Sch&#252;lern viel Spa&#223; gemacht. Sie haben danach in der Altstadt, auf verschiedenen Verpackungen, im B&#252;cherregal und auf der Kleidung gesucht. Es gab keine sehr &#252;berraschende Entdeckungen, aber die SuS waren kreativ.</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Deutsch wird hier als Kommunikationssprache benutzt und somit in einer Art und Weise authentisch zum Pr&#228;sentieren im Schulkontext genutzt.</p>
<p>Zum anderen haben wir in diesem Themenbereich k&#252;rzere Arbeitsbl&#228;tter zu den Themen <italic>Feiertage und W&#252;nsche</italic> und <italic>Situationen und W&#252;nsche</italic> angeboten. Ein Arbeitsblatt war der Idiomatik der Farbbezeichnungen im interkulturellen Vergleich gewidmet. Solche Unterrichtssequenzen sind aus dem herk&#246;mmlichen Fremdsprachenunterricht bereits recht bekannt; das Neue ist jedoch, dass dabei, wie in der <xref ref-type="fig" rid="F10">Abb. 10</xref> zu erkennen ist, den Sch&#252;ler*innen zugemutet wird, Feiertagsw&#252;nsche in mehreren f&#252;r sie unbekannten Sprachen zu erschlie&#223;en. Auch hier, wie oben bereits ausgef&#252;hrt, werden die terti&#228;rsprachendidaktischen Ideen erweitert. Aus der Besch&#228;ftigung mit den Texten in diesen Sprachen im Themenbereich 2 kennen die Sch&#252;ler*innen bereits den Klang und Besonderheiten der Sprachen. Diese Kenntnis bzw. evtl. sogar nur ein Eindruck, ein Gef&#252;hl oder Intuition sollen mit diesen Arbeitsbl&#228;ttern entwickelt werden.</p>
<fig id="F10">
<caption>
<p>Abb. 10: Ein Auszug aus dem Arbeitsblatt <italic>Feiertage und W&#252;nsche</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g10.png"/>
</fig>
<p>Die Lehrkr&#228;fte meldeten zur&#252;ck, dass diese Arbeitsbl&#228;tter als Zusatz in den letzten Schultagen vor den Weihnachtsferien sehr gut geeignet waren; mit ihnen wurde den Sch&#252;ler*innen etwas Au&#223;ercurriculares angeboten, und trotzdem waren sie aktiv in ihrem Lernprozess und haben sich mit Sprachen besch&#228;ftigt.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.5 Thema 4: Jugend- und Alltagssprache</title>
<p>Dieser Bereich widmet sich zum einen dem Ph&#228;nomen der inneren Mehrsprachigkeit, im Besonderen den unterschiedlichen Registern in einer Sprache (vgl. Wandruszka 1979 nach <xref ref-type="bibr" rid="B26">Roche 2018: 67</xref>). Anhand der Aufgabenstellung in <xref ref-type="fig" rid="F11">Abb. 11</xref> reflektieren die Sch&#252;ler*innen den Sprachgebrauch in vier Situationen: im Unterricht, mit Gro&#223;eltern, mit Freundinnen und Freunden, beim Besuch an einem Arbeitsplatz.</p>
<fig id="F11">
<caption>
<p>Abb. 11: Auszug aus dem Arbeitsblatt <italic>Jugendsprache</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g11.png"/>
</fig>
<p>Diese Aufgabe soll die unterschiedlichen Register bewusstmachen und auch wertsch&#228;tzen. Der Begriff Sprachvariet&#228;ten wird dabei in einem sch&#252;lerorientierten Kontext eingef&#252;hrt: Es sind Situationen ausgew&#228;hlt, denen die Sch&#252;ler*innen in ihrem Lebensalltag begegnen. Mit dieser Aufgabe n&#228;hert man sich der Aktion des Jugendwortes (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Langenscheidt o.J.</xref>), die im deutschsprachigen Raum eine bereits l&#228;ngere Tradition hat, in vielen anderen L&#228;ndern aber gar nicht bekannt ist. Nachdem die Sch&#252;ler*innen die Aktion und die Jugendw&#246;rter der letzten Jahre aus den deutschsprachigen L&#228;ndern kennengelernt haben, k&#246;nnen sie in Anlehnung an das deutschsprachige Verfahren f&#252;r ein Jugendwort des Jahres in ihrer Klassengemeinschaft abstimmen. Die Idee ist dabei, die eingereichten &#8218;Kandidaten&#8216; f&#252;r das Wort auf Deutsch zu pr&#228;sentieren und die Wahl zu begr&#252;nden. Sollte es schul&#252;bergreifende Partnerschaften geben, k&#246;nnen die vorgeschlagenen W&#246;rter und das Gewinnerwort auch der/den Partnerklasse/n pr&#228;sentiert werden. Wie das erfolgen kann, bspw. in einem Online-Treffen oder per Videopr&#228;sentation, bleibt den Lehrkr&#228;ften &#252;berlassen. Au&#223;erdem w&#228;re es denkbar, alle Jugendwort-Kandidaten, die in einer Klassengemeinschaft gesammelt worden sind, auch einer Partnerklasse zuzuschicken, um dann die Abstimmungsergebnisse in beiden Klassengemeinschaften zu vergleichen. Auf unserem Arbeitsblatt empfehlen wir in einer Aufgabe, die W&#246;rter, die jeweils auf den ersten drei Pl&#228;tzen gew&#228;hlt worden sind, auf einer gemeinsamen Plattform samt Erl&#228;uterungen auf Deutsch zu sammeln. Man kann dann die Ergebnisse in unterschiedlichen Klassen oder L&#228;ndern vergleichen oder gar am Ende ein gemeinsames Jugendwort w&#228;hlen.</p>
<p>Zum anderen geht es in diesem Themenbereich um die Lieblingslieder der Klassengemeinschaft (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Dobstadt/Riedner 2021: 407</xref> zu Musik und Sprachmitteln). Angeleitet durch das Arbeitsblatt <italic>Unser Lied</italic> k&#246;nnen die Sch&#252;ler*innen ihr aktuelles Lieblingslied in der Landessprache ausw&#228;hlen und pr&#228;sentieren; dabei m&#252;ssen sie &#8211; wieder auf Deutsch &#8211; bestimmte Informationen zum Lied vorbereiten; diese werden in Form eines Quiz allm&#228;hlich offengelegt, und die Mitsch&#252;ler*innen k&#246;nnen raten. Es handelt sich dabei um Fragen wie: Wer hat das Lied gemacht? Und wann? Wer singt es? Was f&#252;r ein Lied ist das? Wie ist die Musik? Worum geht es in dem Lied? Warum gef&#228;llt euch das Lied? Nach der Raterunde werden alle Lieder samt Informationen auf Postern pr&#228;sentiert und es wird wieder abgestimmt &#8211; man bestimmt das Lieblingslied der Klassengemeinschaft. Dieses Lied soll nun f&#252;r die Pr&#228;sentation f&#252;r Partnerklassen aufgearbeitet werden, zum bereits angefertigten Steckbrief kommen einige Informationen hinzu, z.B. die Zusammenfassung des Liedtextes. Dar&#252;ber hinaus sollen sie einen kurzen Werbetext zum Slogan: <italic>Deswegen ist das unser Lied!</italic> verfassen.</p>
<p>F&#252;r dieses Arbeitsblatt haben wir im Projektrahmen eine <italic>Padlet</italic>-Seite eingerichtet, auf der die teilnehmenden Klassengemeinschaften das ausgew&#228;hlte Lied anderen teilnehmenden Klassen pr&#228;sentieren konnten. <xref ref-type="fig" rid="F12">Abb. 12</xref> zeigt, wie ein litauisches Lied den anderen Klassengemeinschaften vorgestellt worden ist:</p>
<fig id="F12">
<caption>
<p>Abb. 12: Vorstellung eines litauischen Liedes im Rahmen der Aufgabe <italic>Unser Lied</italic></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-4009_kursisa-g12.png"/>
</fig>
<p>Die auf dem <italic>Padlet</italic> eingereichten Lieder-Pr&#228;sentationen zeigen ein Detail, das von den Autorinnen so nicht vorgesehen war, jedoch als sehr begr&#252;&#223;enswert anerkannt werden kann: Neben den Liedern aus den L&#228;ndern in den Landessprachen hat eine Klassengemeinschaft auch entschieden, ein ausl&#228;ndisches Lied zu pr&#228;sentieren: Dabei handelte es sich um ein Lied der koreanischen Band <italic>BTS</italic>. Wir sch&#228;tzen eine solche Auslegung der Originalaufgabe als sehr gelungen, denn die/der Sch&#252;ler*in hat hier &#252;ber etwas, das sie/ihn in ihrem/seinem Leben gerade sehr besch&#228;ftigt, auf Deutsch kommunizieren k&#246;nnen.</p>
<p>So lautete beispielsweise die Angabe zu &#8222;Im Lied geht es um&#8220; (s. Exzerpt 5):</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(5)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Um jemanden den wir vermissen oder verloren haben. Um ewigen Winter und wenn wir das Mensch, der uns wichtig ist treffen, wird wieder Fr&#252;hling.</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Die Begr&#252;ndung &#8222;Darum ist es unser Lied&#8220; lautete (s. Exzerpt 6):</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p>(6)</p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p>Ich mag wie die Stimmen harmonisieren sich. Das diese Lied Emocionen vermittelt.</p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Des Weiteren sind auf dem Info-Blatt auch mehrere interessante Hintergrundinformationen zum Lied gesammelt &#8211; alles auf Deutsch!</p>
<p>Die vorgestellten Beispiele aus dem Projekt zeigen, dass es im Rahmen des Themenbereiches Mehrsprachigkeit zahlreiche interessante Aspekte gibt, die sich direkt auf die Lebensrealit&#228;t der Sch&#252;ler*innen beziehen und sich auf Deutsch, gemeinsam mit anderen zur Verf&#252;gung stehenden Sprachen, bearbeiten lassen.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.6 Online-Sch&#252;ler*innen-Begegnungen</title>
<p>Die Idee einer l&#228;nder&#252;bergreifenden Sch&#252;ler*innen-Begegnung war von den Auftraggebenden bereits in die Projektausschreibung aufgenommen. Die Ausgangsidee war dabei, dass diese Begegnung authentische Kommunikation auf Deutsch erm&#246;glichen soll.</p>
<p>Die Aufgabe der Expertinnen bestand darin, den Online-Sch&#252;ler*innen-Begegnungen einen organisatorischen Rahmen und die inhaltliche Ausgestaltung zu geben. Inhaltlich entschieden wir uns, einige der im Projekt erstellten Arbeitsbl&#228;tter als Grundlage f&#252;r die Begegnungen zu nutzen: Das Arbeitsblatt <italic>Farben</italic> bietet sich an, um Redewendungen mit Farben aus unterschiedlichen Sprachen zu vergleichen oder Situationen zu erkl&#228;ren, in denen man die Redewendungen benutzt. Beim Thema <italic>Sprachen in meinem Land</italic> k&#246;nnen die Sch&#252;ler*innen einander ihre Ergebnisse, insbesondere welche Sprachen welchen Status bei den Sch&#252;ler*innen in der Klasse haben, pr&#228;sentieren, um dann vergleichend zu besprechen, was ihnen besonders interessant erscheint. Beim Thema <italic>Sprachen in meinem Ort</italic> k&#246;nnen die Sch&#252;ler*innen Fotos der <italic>Linguistic Landscapes</italic> aus ihrem Ort vorstellen, um anschlie&#223;end ein Lieblingsfoto aus dem jeweils anderen Ort auszuw&#228;hlen.</p>
<p>Auch diese Begegnungen wurden in einem Workshop mit den Lehrkr&#228;ften vorbereitet und die Hinweise in einem Arbeitsblatt zusammengestellt. Dabei ging es um die notwendigen Schritte bei der Vorbereitung der Online-Begegnungen unter den Lehrkr&#228;ften, dann die Schritte der Vorbereitung der Sch&#252;ler*innen auf die Online-Begegnung sowie ihre Durchf&#252;hrung je nach Wahl des Themas. Da die am Projekt teilnehmenden Lehrkr&#228;fte in den Klassen 7 bis 11 (13&#8211;17 Jahre alte Sch&#252;ler*innen) unterrichteten, haben wir einen Vorschlag zur Aufteilung in die Partnerschaften gemacht, der sich an den folgenden drei Kriterien orientierte: Es sollten die Sch&#252;ler*innen der gleichen Altersstufe zusammenarbeiten, wonach sich drei Gruppen ergaben: f&#252;r die Klassenstufe 7&#8211;8, 8&#8211;9 und 10&#8211;11. Es sollten mindestens zwei L&#228;nder in einer Partnerschaft vertreten sein, damit die Verwendung der Fremdsprache Deutsch authentisch ist. In einer Partnerschaft sollten zwischen ca. 15 und 25 Sch&#252;ler*innen zusammenarbeiten, damit sich Kleingruppen bilden k&#246;nnen. Aber auch in Bezug auf diese Aktivit&#228;t galt der Grundsatz: Alles kann, nichts muss.</p>
<p>Es war nicht allen Lehrkr&#228;ften m&#246;glich, die Online-Sch&#252;ler*innen-Begegnungen zu organisieren. Einige Lehrkr&#228;fte haben diese M&#246;glichkeit, mit den Kolleg*innen im Projekt zusammenzuarbeiten, genutzt, und ihre R&#252;ckmeldungen waren stets &#228;hnlich: Sie waren froh und zufrieden, es geschafft zu haben. Die Sch&#252;ler*innen waren teilweise aufgeregt, da es f&#252;r viele das erste Mal war, mit fremden Personen au&#223;erhalb des Deutschunterrichts Deutsch zu sprechen; sie waren stolz darauf, diese Situation gemeistert zu haben. Gleichzeitig haben die Lehrkr&#228;fte auch wichtige Einblicke in den Vorbereitungsprozess gegeben: Die gr&#246;&#223;te Herausforderung war bereits die zeitliche Festlegung der Online-Begegnung: Neben dem Ausschlie&#223;en von Zeiten wie Schulferien oder Feiertagen, die nicht in Frage kommen und das Zeitfenster f&#252;r ein m&#246;gliches Treffen verringern, hing der Erfolg bedeutend auch von dem Verst&#228;ndnis und der Unterst&#252;tzung des Kollegiums und der Schulleitungen ab. Treffen mit Beteiligung von nur zwei Lehrkr&#228;ften waren einfacher zu gestalten als mit drei teilnehmenden Lehrkr&#228;ften, denn der Zeitmangel und die unterschiedlichen terminlichen Verpflichtungen der Lehrkr&#228;fte in ihrem Schulalltag machten es schwierig, bspw. gemeinsame Vorbereitungstreffen zu vereinbaren. Dabei waren die Lehrkr&#228;fte sehr flexibel und kreativ und haben Planung und Vorbereitungen auch schriftlich online, z.B. in einem gemeinsamen Dokument vorgenommen. Besonders erw&#228;hnenswert ist auch die Selbstverst&#228;ndlichkeit, mit der die Lehrkr&#228;fte unterschiedliche Online-Plattformen verwendet haben, darunter <italic>Padlet</italic>, wo sich die Sch&#252;ler*innen vor dem Online-Treffen vorgestellt haben, <italic>Aerpod, Canva, Jamboard</italic>, um interaktive Inhalte auszutauschen, oder <italic>Mentimeter</italic>, um Ergebnisse zusammenzufassen. F&#252;r die Sch&#252;ler*innen ist eine solche Online-Begegnung eine spannende Abwechslung im Unterrichtsalltag, die auch eine authentische Situation schafft, die Fremdsprache zu verwenden. Man kann also davon ausgehen, dass der Lerneffekt bedeutend ist. Gleichzeitig sei auf den immensen Vorbereitungsaufwand f&#252;r Lehrkr&#228;fte hingewiesen, der in den Lehr- oder Dienstpl&#228;nen so gar nicht vorgesehen ist.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Unser Fazit zum Projekterfolg</title>
<p>Die Arbeitsinhalte in diesem Projekt k&#246;nnen als ungew&#246;hnlich beschrieben werden, die von den teilnehmenden Lehrkr&#228;ften eine &#252;berdurchschnittliche Offenheit Neuem gegen&#252;ber verlangten. Au&#223;erdem muss daran erinnert werden, dass das Projekt w&#228;hrend der Pandemie durchgef&#252;hrt wurde, als sich die Regeln bzgl. des Schulbesuchs vs. Online-Unterrichts in den beteiligten L&#228;ndern teilweise w&#246;chentlich und dabei nicht synchron ver&#228;nderten. Das hei&#223;t, dass die Voraussetzungen f&#252;r die Durchf&#252;hrung des Projekts, in dem unter anderem die l&#228;nder&#252;bergreifende Kooperation unter den Lehrkr&#228;ften eine wesentliche Rolle spielte, als eine zus&#228;tzliche Herausforderung betrachtet werden k&#246;nnen. Dennoch war das Projekt dadurch gekennzeichnet, dass die Lehrkr&#228;fte durchgehend aktiv waren und neue Kooperationen entwickelt haben.</p>
<p>Auch wenn das Projektkonzept unsererseits bereits festgelegt war, wollten wir wissen, welche Erwartungen die Lehrkr&#228;fte mit der Teilnahme am Projekt verbinden. Daher f&#252;hrten wir noch vor dem Projektbeginn eine kurze Umfrage durch, auf deren Ergebnisse wir hier eingehen m&#246;chten. Die Antworten von 18 Lehrkr&#228;ften lie&#223;en sich jeweils drei bis f&#252;nf Bereichen zuordnen. Die interessierten Lehrkr&#228;fte haben angegeben, dass sie mit ihren Sch&#252;ler*innen im Projekt mitarbeiten m&#246;chten, um</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>etwas Neues auszuprobieren und neue Blickwinkel bzw. Inspiration zu bekommen; dazu geh&#246;rt auch die Erkundung der sprachlichen Vielfalt im Ostseeraum,</p></list-item>
<list-item><p>bei Sch&#252;ler*innen Interesse an Sprachen zu wecken und so Werbung f&#252;r Deutsch zu machen,</p></list-item>
<list-item><p>einen sinnvolleren und interessanteren Unterricht anbieten zu k&#246;nnen, in dem man Deutsch praktisch anwenden sowie Sprache neu erleben kann,</p></list-item>
<list-item><p>andere Lehrkr&#228;fte zu treffen und zusammenzuarbeiten.</p></list-item>
</list>
<p>Die Lehrkr&#228;fte verbanden mit dem Projekt den Wunsch, dass ihre Sch&#252;ler*innen</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Abwechslung im Unterricht bekommen, Spa&#223; an dem Projekt haben sowie interessiert und aktiv teilnehmen,</p></list-item>
<list-item><p>motivierter werden und Vorteile erkennen, verschiedene Sprachen zu kennen,</p></list-item>
<list-item><p>ihre Deutschkenntnisse verbessern und auch merken, wie gut ihr Deutsch bereits ist,</p></list-item>
<list-item><p>ihre eigene Mehrsprachigkeit reflektieren, neue Erfahrungen bekommen, neue Einsichten gewinnen,</p></list-item>
<list-item><p>nicht zuletzt auch Kontakte kn&#252;pfen und neue Freunde finden.</p></list-item>
</list>
<p>F&#252;r sich selbst erhofften sich die Lehrkr&#228;fte durch die Teilnahme am Projekt</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>neue und n&#252;tzliche Ideen f&#252;r den Unterricht zu bekommen und den eigenen Schulalltag als abwechslungsreicher zu erleben,</p></list-item>
<list-item><p>neue Kenntnisse zu erwerben, z.B. Neues &#252;ber andere Kulturen zu erfahren oder mehr &#252;ber Mehrsprachigkeit zu lernen, und neue Erfahrungen zu sammeln,</p></list-item>
<list-item><p>neue Kontakte zu kn&#252;pfen und das eigene Netzwerk auszubauen.</p></list-item>
</list>
<p>Als Herausforderungen im Projekt vermuteten die Lehrkr&#228;fte:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Integration der Projektaktivit&#228;ten in den Lehrplan mit der geringen Stundenanzahl f&#252;r Deutsch,</p></list-item>
<list-item><p>Motivation und Interesse der Sch&#252;ler*innen,</p></list-item>
<list-item><p>Kooperation mit anderen Lehrkr&#228;ften, aufgrund der Kulturunterschiede und der zur Verf&#252;gung stehenden Zeit.</p></list-item>
</list>
<p>Dass das Projekt zahlreiche der Erwartungen erf&#252;llt hat, wird deutlich, wenn man auf die im Kap. 3 geschilderten Ergebnisse zur&#252;ckblickt: Deutsch war Basis f&#252;r das Erschlie&#223;en neuer Sprachen und f&#252;r die internationale Kommunikation, somit konnte die Sprache viel praktisch und als Ausgangs- und Kommunikationssprache im Unterricht angewendet werden. Die Sch&#252;ler*innen haben zur&#252;ckgemeldet, dass sie stolz waren, so viel Deutsch benutzt zu haben.</p>
<p>Wir gehen auch davon aus, dass die sprachaktivierenden Aufgaben gerade im L3-Unterricht einen Mehrwert mitbringen; mit Bezug auf das Faktorenmodell zum Mehrsprachenlernen von Hufeisen besitzt gerade die zweite Fremdsprache (L3) den besonderen Status, ein Ausgangspunkt f&#252;r das weitere Sprachenlernen zu sein (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Hufeisen 2020: 77&#8211;78</xref>) und so Sprachaufmerksamkeit zu entwickeln. Die Aktivit&#228;ten, die im Projekt im Rahmen der unterschiedlichen Themenbereiche angeboten wurden, erlaubten es den Sch&#252;ler*innen, die Fremdsprache Deutsch beim Kennenlernen von anderen Sprachen einzusetzen, aber auch mit dem Vorwissen aus anderen Sprachen, z.B. ihrer Erstsprache und der Fremdsprache Englisch, zu kombinieren, um neue Sprachen zu erschlie&#223;en. Damit entfalten die Sch&#252;ler*innen ihr mehrsprachiges Bewusstsein: Darunter versteht man zum einen die F&#228;higkeit, &#8222;den Fokus von der Form auf die Bedeutung von sprachlichen &#196;u&#223;erungen zu richten und umgekehrt, oder W&#246;rter und deren Funktion bestimmen zu k&#246;nnen&#8220;, was Jessner-Schmid/Allg&#228;uer-Hackl (<xref ref-type="bibr" rid="B12">2020: 82</xref>) als metalinguistisches Bewusstsein bezeichnen; zum anderen begreifen die Sch&#252;ler*innen, wie die Sprachsysteme interagieren, und erkennen &#196;hnlichkeiten und Unterschiede, was als zwischensprachliches Bewusstsein bezeichnet wird (vgl. ebd.). Das mehrsprachige Bewusstsein wird mittlerweile mehr oder weniger explizit in den Lehrpl&#228;nen f&#252;r Fremdsprachenf&#228;cher bzw. in den Schulcurricula erw&#228;hnt und nimmt somit eine bedeutende Rolle in der Schulbildung ein. Das Projekt lieferte eine konkrete praktische Umsetzung f&#252;r die Entwicklung des mehrsprachigen Bewusstseins. Bzgl. der Projektausrichtung als Fortbildung sch&#228;tzten die Lehrkr&#228;fte laut m&#252;ndlichen R&#252;ckmeldungen im abschlie&#223;enden Fortbildungsseminar am meisten die Begleitung durch die Workshops, in denen sie die auch f&#252;r sie selbst neuen Inhalte und Arbeitsmethoden ausprobieren konnten, die Hintergrundinformationen und die kleinschrittigen Anleitungen sowohl in den Lehrerhandreichungen als auch in den Arbeitsbl&#228;ttern und die Vernetzung, vor allem durch die Workshops und dann die gemeinsamen Online-Sch&#252;ler*innen-Begegnungen.</p>
<p>Auch wenn das Lehr-Lernmaterial geographisch auf die Ostseestaaten und die entsprechenden Landessprachen begrenzt war, k&#246;nnen die Grundprinzipien, die wir bei der Gestaltung von den Arbeitsbl&#228;ttern benutzt haben, auch f&#252;r andere Sprachenkonstellationen &#252;bernommen werden. Gleicherma&#223;en glauben wir, dass das vorliegende Material, das mittlerweile im Portal des Goethe-Instituts f&#252;r DaF-Lehrkr&#228;fte &#8222;deutschstunde&#8220; ver&#246;ffentlicht ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Kursi&#353;a/Richter-Vapaatalo 2022</xref>), auch direkt &#252;bernommen und weltweit im Deutschunterricht eingesetzt werden kann, um das mehrsprachige Bewusstsein zu wecken oder zu festigen.</p>
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<fn id="n1"><p>Alle Exzerpte werden im Original hier &#252;bernommen.</p></fn>
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<title>Literatur</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Dr. Anta Kursi&#353;a</bold> ist senior lecturer an der Germanistischen Abteilung der Universit&#228;t Stockholm. Arbeitsschwerpunkte: Didaktik und Methodik des DaF-Unterrichts, Mehrsprachigkeit und mehrsprachiges Lehren und Lernen. Aktuelle Projekte: Informelles Lernen im universit&#228;ren Anfangsunterricht DaF und Einsatz von KI-Werkzeug bei der Entwicklung von schriftlicher Sprachfertigkeit im auslandsgermanistischen Studium.</p>
<p><bold>Dr. Ulrike Richter-Vapaatalo</bold> ist freiberuflich als Sprachendozentin (Finnisch, Schwedisch) und DaF-Lehrkr&#228;fte-Fortbildnerin in Hamburg und Norddeutschland t&#228;tig. Von 1995 bis 2022 arbeitete sie als Lektorin in der Germanistik der Universit&#228;t Helsinki, Finnland, mit den Schwerpunkten Sprachenvergleich, Mehrsprachigkeit, Grammatik, &#220;bersetzen und Phraseologie.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:anta.kursisa@tyska.su.se">anta.kursisa@tyska.su.se</ext-link></styled-content></p>
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