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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Aufsatz zum themenschwerpunkt</subject>
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<article-title>Mehrsprachigkeit in der beruflichen Bildung: Einleitung in das Themenheft</article-title>
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<surname>Niederhaus</surname>
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<p>Berufliche Aus- und Weiterbildung sowie das Feld der Anerkennungsqualifizierung sind durch migrationsbedingte Mehrsprachigkeit<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> gepr&#228;gt. Dies wird deutlich, betrachtet man die Gruppe der Personen in diesem Kontext: Dem bestehenden Fachkr&#228;ftemangel wird derzeit durch die Anwerbung (angehender) Fachkr&#228;fte aus dem Ausland begegnet, die eine oder mehrere andere Erst- bzw. Familien- oder Herkunftssprach(en)<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> als Deutsch mitbringen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">BMWK 2023</xref>). Auch neu zugewanderte Menschen, darunter viele Gefl&#252;chtete, bringen verschiedene Sprachen mit. Dar&#252;ber hinaus sind nicht nur die Menschen migrationsbedingt mehrsprachig, die mit ihren verschiedenen Sprachen nach Deutschland kommen, sondern auch viele derjenigen, die in Deutschland geboren und/oder aufgewachsen sind und die Schule in Deutschland besucht haben.</p>
<p>Ein bildungspolitisches Ziel besteht in diesem Zusammenhang darin, &#8222;[d]ie Ausbildungschancen und die &#8209;beteiligung junger Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">BMBF 2023: 88</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>. Gleichzeitig besteht ein arbeitsmarktpolitisches Ziel in der z&#252;gigen Arbeitsmarktintegration Gefl&#252;chteter (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">BMAS 2023</xref>).</p>
<p>In der Regel wird in diesem Zusammenhang und im Hinblick auf Teilhabe an beruflicher Bildung und Arbeit auf die Bedeutung der Kompetenzen in der deutschen Sprache verwiesen (z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Br&#252;cker et al. 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">Hunkler 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B27">Kempert et al. 2016</xref>), was durch den allerdings kritisch zu betrachtenden Diskurs &#8222;Integration durch Sprache&#8220; noch best&#228;rkt wird (zu diesem Diskurs siehe z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Bommes 2006</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B9">2007</xref> oder <xref ref-type="bibr" rid="B47">Schroeder 2007</xref>). Die migrationsbedingte Mehrsprachigkeit der Menschen wird hingegen bislang nur in Ausnahmen als Ressource betrachtet (z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Hall 2007</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Settelmeyer/Bremser/Lewalder 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B50">Settelmeyer 2020</xref>), wobei der Fokus dann zumeist auf ihrem &#246;konomischen Nutzen liegt (zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Auffassung von Sprache als &#246;konomische Ressource siehe auch <xref ref-type="bibr" rid="B23">Heller/Duch&#234;ne 2016</xref>).</p>
<p>Um Kompetenzen in den Erstsprachen &#8211; auch unter Ber&#252;cksichtigung neuer Variet&#228;ten, die durch Sprachkontakt entstehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Geist 2021: 79</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B44">Riehl 2014</xref>) &#8211; in berufliche Lernprozesse einbeziehen, sie auch &#252;ber ihren &#246;konomischen Nutzen hinaus wertsch&#228;tzen und sie als Ressource nutzen zu k&#246;nnen, sind individuelle Aneignungskonstellationen zu ber&#252;cksichtigen, die je unterschiedliche Auspr&#228;gungen der Kompetenzen in den jeweiligen Sprachen bedingen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">G&#252;rsoy/Roll 2018: 351</xref>). In der Regel wird dabei eine Zielsprache &#8211; im vorliegenden Fall Deutsch &#8211; als Hintergrundfolie fokussiert, die den Einfl&#252;ssen anderer, bereits erlernter und durchaus in unterschiedlichem Ma&#223;e beherrschter Erst-, Herkunfts- bzw. Familien- oder Fremdsprachen unterliegt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Krause 2020: 126&#8211;127</xref>). In Bezug auf den Erwerb der sprachlichen Kompetenzen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland lassen sich drei Gruppen von mehrsprachigen Lernenden unterscheiden (in Anlehnung an <xref ref-type="bibr" rid="B32">Marx 2017: 139</xref>) und je nach Literalit&#228;t weiter unterteilen:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Lernende, die in zielsprachlicher Umgebung aufgewachsen sind und eingeschult wurden:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a) Zielsprache als bilinguale Erstsprache (L1) oder als fr&#252;he Zweitsprache, beide Sprachen werden regelm&#228;&#223;ig verwendet</p></list-item>
<list-item><p>b) in der Familie wird meist eine andere Sprache als die Zielsprache gesprochen</p></list-item>
</list></list-item>
<list-item><p>Lernende, die w&#228;hrend ihrer eigenen Schulzeit/Ausbildung zugewandert sind:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a) in einer anderen L1 als der Zielsprache alphabetisiert, besitzen bereits zu Beginn des Zweitsprachenerwerbs ein altersangemessenes Textmuster- und Textformenwissen in der Herkunftssprache</p></list-item>
<list-item><p>b) literal unerfahren, nur in Ans&#228;tzen oder gar nicht in einer anderen Sprache als Deutsch alphabetisiert, verf&#252;gen zun&#228;chst &#252;ber keine altersangemessenen Schreibkompetenzen</p></list-item>
</list></list-item>
<list-item><p>Lernende, die nach Beginn der Berufst&#228;tigkeit zugewandert sind (Facharbeitende):</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a) ihre Ausbildung in Herkunftssprache(n)/Erstsprache(n) abgeschlossen haben und ggf. bereits in der Zielsprache literalisiert sind</p></list-item>
<list-item><p>b) ihre Ausbildung in Herkunftssprache(n)/Erstsprache(n) abgeschlossen haben und dort literalisiert sind</p></list-item>
<list-item><p>c) trotz beruflicher Erfahrung literal unerfahren sind.</p></list-item>
</list></list-item>
</list>
<p>Durch die zahlreichen Formen und Kontexte, in denen berufliche Aus- und Weiterbildung stattfindet, ergibt sich im Zusammenschluss mit der heterogenen Zielgruppe von Lernenden ein komplexes Bild. Dabei bringen migrationsbedingt mehrsprachige Lernende in beruflicher Bildung ihre Mehrsprachigkeit als Ressource in die berufliche Bildung ein, sehen sich jedoch h&#228;ufig auch vor Herausforderungen gestellt.</p>
<p>Bez&#252;glich der Herausforderungen ist festzustellen, dass noch immer migrationsbedingte Ungleichheiten in Bezug auf Teilhabe an beruflicher Bildung bestehen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B5">BMBF 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B52">SVR 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B53">Thielen 2015</xref>). Beispielsweise liegt die Quote der Ausbildungsanf&#228;nger*innen ohne deutsche Staatsangeh&#246;rigkeit deutlich unter der junger Menschen mit deutscher Staatsangeh&#246;rigkeit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">BMBF 2021: 76</xref>) und das Durchschnittsalter der Ausbildungsanf&#228;nger*innen ohne deutsche Staatsangeh&#246;rigkeit war erheblich h&#246;her als das Durchschnittsalter der Ausbildungsanf&#228;nger*innen mit deutscher Staatsangeh&#246;rigkeit, was mit den l&#228;ngeren und schwierigeren &#220;berg&#228;ngen erkl&#228;rt wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">BMBF 2021: 77</xref>). Auch besteht f&#252;r junge Menschen mit sog. Migrationshintergrund ein h&#246;heres Risiko, eine Berufsausbildung vorzeitig zu beenden oder ganz ohne berufliche Qualifizierung zu bleiben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Lex/Zimmermann 2011: 620</xref>). Die Ursachen f&#252;r diese insgesamt schlechteren Chancen f&#252;r junge Menschen mit sog. Migrationshintergrund und/oder einer nicht-deutschen Staatsangeh&#246;rigkeit, eine Ausbildung zu beginnen und diese erfolgreich zu beenden, bestehen in verschiedenen migrationsspezifischen Faktoren (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Hunkler 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">BMBF, 2021</xref>), wie z.B. betrieblicher Diskriminierung (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Beicht 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B46">Scherr 2014</xref>), fehlendem oder geringerem aufnahmelandspezifischem kulturellem und sozialem Kapital bzw. fehlenden Netzwerken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Hunkler 2016: 602&#8211;603</xref>) und hier z.B. fehlendem Wissen &#252;ber das aufnahmelandspezifische Schul- und Ausbildungssystem (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Hunkler 2016: 603</xref>). Aber auch noch nicht ausreichend ausgebaute Kompetenzen in der deutschen Sprache k&#246;nnen eine Ursache f&#252;r verringerte M&#246;glichkeiten der Teilhabe an beruflicher Bildung und Arbeit darstellen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Hunkler 2016: 602</xref>), denn diese gelten als eine Voraussetzung, beispielsweise f&#252;r das erfolgreiche Abschlie&#223;en einer beruflichen Ausbildung und k&#246;nnen die &#8222;Effizienz der Suche nach attraktiven Ausbildungsstellen beeinflussen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Hunkler 2016: 602</xref>). Zudem gelten noch zu geringe Deutschkenntnisse als Hauptursache f&#252;r vorzeitige Ausbildungsabbr&#252;che, gerade auch bei Gefl&#252;chteten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Bonin et al. 2020: 90&#8211;91</xref>).</p>
<p>In Bezug auf die Betrachtung migrationsbedingter Mehrsprachigkeit als Ressource ist festzustellen, dass Kompetenzen in verschiedenen Sprachen in beruflichen Kontexten zunehmend erw&#252;nscht und nachgefragt werden. Beispielsweise geben in einer quantitativen Befragung 44 % der Unternehmen an, gezielt Mitarbeitende mit Herkunftssprachenkenntnissen zu suchen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 134</xref>). Den steigenden Bedarf an sprachlichen Kenntnissen au&#223;erhalb des Englischen zeigen auch Analysen von Ausbildungsanzeigen. Settelmeyer, Bremser und Lewalder (<xref ref-type="bibr" rid="B51">2017</xref>) gehen der Frage nach, ob migrationsbedingte Mehrsprachigkeit bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz von Vorteil ist und analysieren in diesem Zusammenhang Stellenanzeigen f&#252;r Auszubildende. Sie zeigen, dass in den Stellenanzeigen 19 migrationsbedingt vorkommende Sprachen genannt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Settelmeyer et al. 2017:&#8201;141</xref>) und gewinnen damit erste Erkenntnisse zum Potenzial migrationsbedingter Mehrsprachigkeit in beruflichen Kontexten. Gleichzeitig stellen sie fest, dass weiterer Forschungsbedarf in diesem Bereich besteht. Neben der Analyse von Settelmeyer et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B51">2017</xref>) weisen auch Befragungen von Auszubildenden, die angeben ihre Herkunftssprache im Betrieb einzusetzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">D&#252;nkel et al. 2018:&#8201;41</xref>), auf den Bedarf an Kompetenzen in migrationsbedingt gesprochenen Sprachen hin.</p>
<p>Dabei gilt die berufliche Verwendung der Herkunftssprachen v.a. als Vorteil, wenn sie der Verst&#228;ndigung mit herkunftssprachiger Kundschaft und Gesch&#228;ftspartner*innen dient (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B50">Settelmeyer 2020: 255</xref>). Herkunftssprachen werden im Kontakt zu Kund*innen, Patient*innen und Klient*innen mit Zuwanderungsgeschichte im Inland und bei T&#228;tigkeiten mit Auslandsbez&#252;gen eingesetzt, was sie breiter anwendbar macht als die schulischen Fremdsprachen. Settelmeyer (<xref ref-type="bibr" rid="B50">2020: 252</xref>) vergleicht Studien zur Nutzung von Herkunftssprachen im Beruf von 2007 und 2012 und kommt zu dem Schluss, dass &#8222;Befragte mit Migrationshintergrund signifikant h&#228;ufiger nichtdeutsche Sprachkenntnisse im Beruf ben&#246;tigen als Personen ohne Migrationshintergrund&#8220;. Auf die Frage, welche Fremdsprachen in beruflichen Zusammenh&#228;ngen ben&#246;tigt werden, wird zwar am h&#228;ufigsten Englisch genannt, jedoch geben 31&#8201;% der Besch&#228;ftigten neben Englisch auch andere &#8211; teilweise migrationsbedingt gesprochene Sprachen &#8211; an: Franz&#246;sisch (15 %), Russisch (7 %), T&#252;rkisch und Spanisch (4 %), Italienisch (3 %) oder Polnisch (2 %). Insgesamt umfasst das ermittelte Spektrum 25 Sprachen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Hall 2007:&#8201;49</xref> in <xref ref-type="bibr" rid="B50">Settelmeyer 2020: 251</xref>). Die genannte Studie unterscheidet dabei zwischen sprachlichen Grundkenntnissen und Fachkenntnissen und zeigt auf, dass Erwerbst&#228;tige mit Zuwanderungsgeschichte nicht nur insgesamt h&#228;ufiger Kenntnisse in Sprachen au&#223;er Deutsch bei ihren T&#228;tigkeiten ben&#246;tigen (61,1 % vs. 56,7 %), sondern deutlich h&#228;ufiger auch solche sog. Fachkenntnisse in den weiteren Sprachen ben&#246;tigen (25,6 % vs. 16,4 %) als Erwerbst&#228;tige ohne Migrationshintergrund (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 136</xref>).</p>
<p>Trotz dieser Erkenntnisse ist allerdings gegenw&#228;rtig noch immer ein Desiderat an Forschung im Feld Mehrsprachigkeit und ihre Ber&#252;cksichtigung in berufsbildenden Kontexten zu verzeichnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Niederhaus/Prikoszovits 2023: 76</xref>), wobei mit diesem Forschungsdesiderat zum Potenzial migrationsbedingter Mehrsprachigkeit f&#252;r die berufliche Teilhabe auch ein didaktisches Desiderat einhergeht: W&#228;hrend der &#246;konomische Nutzen migrationsbedingt gesprochener Sprachen in beruflichen Kontexten durchaus erkannt wird, spielen die Ber&#252;cksichtigung und F&#246;rderung der Gesamtsprachenkompetenz sowie die Wertsch&#228;tzung von Herkunftssprachen in der beruflichen Bildung bislang nur eine marginale Rolle.</p>
<p>So liegen zwar f&#252;r den Unterricht an allgemeinbildenden Schulen didaktische Ans&#228;tze wie Language Awareness (z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Luchtenberg 2010</xref>), die Didaktik der Sprachenvielfalt (<xref ref-type="bibr" rid="B39">Oomen-Welke 2020</xref>) oder Translanguaging (z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Garc&#237;a 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B45">Riehl 2018</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B54">Tr&#228;gerkonsortium BiSS-Transfer 2021</xref>) vor, die auf die berufliche Bildung &#252;bertragen werden k&#246;nnten, damit auch hier migrationsbedingte Mehrsprachigkeit verst&#228;rkt wertgesch&#228;tzt und als Ressource einbezogen wird. Allerdings beziehen sich diese stets auf den Unterricht an allgemeinbildenden Schulen.</p>
<p>Dies ist umso erstaunlicher, als bekannt ist, dass Kompetenzen in weiteren Sprachen auch Ressourcen f&#252;r weiteres sprachliches (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Bialystok et al. 2008</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B3">Bien-Miller et al. 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Hufeisen 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B42">Rauch/Jurecka/Hesse 2010</xref>) sowie fachliches Lernen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Meyer/Prediger 2011</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Prediger/Neugebauer 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B56">Wagner et al. 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B57">Wildemann/Bien-Miller 2022</xref>) darstellen und empirische Studien zum Einbezug von Mehrsprachigkeit in den Unterricht vorliegen, die sich allerdings ebenfalls vorrangig auf den Unterricht an allgemeinbildenden Schulen beziehen. Zu diesen z&#228;hlen z.B. die Arbeiten von Kern (<xref ref-type="bibr" rid="B28">1994</xref>) zur Nutzung der Erstsprache f&#252;r die &#220;bersetzung von Aufgaben, von Meyer und Prediger (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2011</xref>) zur Nutzung des T&#252;rkischen bei der Bearbeitung mathematischer Aufgaben in Kleingruppen, von Wagner et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B56">2018</xref>) zum konzeptuellen Verst&#228;ndnis mathematischer Konzepte durch die Nutzung des T&#252;rkischen und des Deutschen, von Prediger et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B40">2021</xref>) zur Nutzung unterschiedlicher, nicht-geteilter Familiensprachen in unmoderierten Kleingruppen und in moderierten Unterrichtsgespr&#228;chen, von B&#252;hring und Duarte (<xref ref-type="bibr" rid="B14">2013</xref>) zur Nutzung des Russischen bei der Bearbeitung eines Lesetextes im Fach Geschichte oder von Wildemann und Bien-Miller (<xref ref-type="bibr" rid="B57">2022</xref>) zum systematischen und zielorientierten Einbezug &#8222;anderer&#8220; Sprachen im Deutschunterricht. Diese Studien zeigen u.a., dass der Einbezug der Erstsprachen in Bildungsprozesse der Kl&#228;rung von Begriffen (auch durch &#220;bersetzungen, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Dirim 1998</xref>), der Erschlie&#223;ung von Aufgaben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Bourne 2002</xref>), der Findung von Formulierungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Meyer/Prediger 2011</xref>), der Verhandlung und Konstruktion von Bedeutungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">B&#252;hring/Duarte 2013</xref>) oder dem Erhalt neuer Erkl&#228;rungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Meyer/Tiedemann 2017: 73</xref>) dienen kann und dass hierdurch fachliche Denk- und Verstehensprozesse gef&#246;rdert werden (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B14">B&#252;hring/Duarte 2013</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Meyer/Prediger 2011</xref>) und die M&#246;glichkeiten der Partizipation an Unterrichtsgespr&#228;chen erh&#246;ht wird (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Meyer/Prediger 2011: 199</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B36">Meyer/Tiedemann 2017: 63</xref>). Aus didaktischer Perspektive gilt es somit auch &#252;ber den &#246;konomischen Nutzen migrationsbedingter Mehrsprachigkeit hinaus, Mehrsprachigkeit in der beruflichen Bildung wertzusch&#228;tzen und einzubeziehen.</p>
<p>Angesichts dieser Erkenntnisse stellt sich die Frage, wie die Verzahnung von sprachlichem und fachlichem Lernen in den Herkunftssprachen in berufsbildenden Schulen ausgebaut werden kann, um dann f&#252;r berufliche Zwecke zur Verf&#252;gung zu stehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">G&#252;rsoy/Roll 2018</xref>). In diesem Zusammenhang erweist sich eine deutsch-t&#252;rkisch mehrsprachige Scaffolding-Intervention f&#252;r mehrsprachiges Handeln im Fachunterricht als ebenso wirksam wie eine einsprachig deutsche Intervention. Detailanalysen legen jedoch den Schluss nahe, dass Lernende mit h&#246;herer Sprachkompetenz in ihrer Herkunftssprache st&#228;rker von der mehrsprachigen Intervention profitierten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B48">Sch&#252;ler-Meyer et al. 2019</xref>).</p>
<p>Ein weiterer Aspekt, der derzeit in der beruflichen Bildung zu wenig Beachtung erf&#228;hrt, ist der Herkunftssprachenunterricht. Denn auch, wenn Herkunftssprachen in verschiedenen beruflichen Kontexten relevant sind und eingesetzt werden, kann nicht davon ausgegangen werden, dass allein lebensweltlich erworbene Herkunftssprachenkenntnisse f&#252;r eine berufliche Nutzung voll und ganz ausreichen. Die Verwendungssituationen, in denen Kenntnisse in Herkunftssprachen ben&#246;tigt werden, sind beispielsweise Schriftwechsel, Telefongespr&#228;che und Kontakte mit Kund*innen, w&#228;hrend das Lesen von Gebrauchsanleitungen oder Fachliteratur seltener sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 126</xref>).</p>
<p>Mit Blick auf Herkunftssprachenunterricht in der beruflichen Bildung ist festzustellen, dass hiervon insbesondere diejenigen Lernenden profitieren k&#246;nnen, die in der zielsprachlichen Umgebung aufgewachsen sind und eingeschult wurden und die w&#228;hrend ihrer eigenen Schulzeit oder Ausbildung zugewandert sind. Denn &#8222;von Ausnahmef&#228;llen abgesehen werden die Grundgrammatik und der Grundwortschatz der Herkunftssprache auch von den Kindern, die im Einwanderungsland geboren werden, altersgerecht erworben&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 131</xref>), jedoch sind die Verwendungskontexte &#252;berwiegend m&#252;ndlich und dienen dem lebensweltlichen Gebrauch der Herkunftssprachen<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref>. Die durch Migration gepr&#228;gten Aneignungskontexte sind h&#228;ufig dadurch gekennzeichnet, dass Menschen sich ihre Erstsprache(n) nicht ausgewogen aneignen k&#246;nnen bzw. die Literalisierung ausschlie&#223;lich auf Deutsch erfolgt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">G&#252;rsoy/Roll 2018: 352</xref>). Dies bedeutet, dass zentrale Kompetenzen, wie sie in der beruflichen Bildung notwendig sind, nur &#8211; wenn &#252;berhaupt &#8211; in der Zweitsprache Deutsch, nicht jedoch in den Herkunftssprachen, vorliegen. Aus diesem Grund ist fraglich, ob die Kompetenz in der Herkunftssprache stets ausreicht, um die sprachlich-kommunikativen Anforderungen zu bew&#228;ltigen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 142</xref>); insbesondere vor dem Hintergrund, dass die F&#228;higkeit, mit Schriftlichkeit rezeptiv und produktiv umzugehen, beruflichen Erfolg und berufliches Fortkommen bedingen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Niederhaus 2018: 151</xref>). Es geh&#246;ren somit u.a. auch F&#228;higkeiten im Schreiben in der Herkunftssprache zum beruflichen Anforderungsprofil, wobei gilt:</p>
<disp-quote>
<p>Ein hohes Ma&#223; an Literalit&#228;t in der Familie, Schreib- und Leseerziehung im Herkunftssprachlichen Unterricht, die Aneignung allgemeiner Texterschlie&#223;ungs- und Schreibstrategien im Deutsch- und Englisch- oder Franz&#246;sischunterricht tragen zum Aufbau dieser F&#228;higkeiten bei. Vieles wird aber auch erst im Beruf bei der Arbeit selbst erworben werden k&#246;nnen. (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 137&#8211;138</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Dies gilt insbesondere, wenn das vorhandene Sprachenrepertoire einbezogen wird.</p>
<p>Ob und wie sich mehrsprachige Kompetenzen der Lernenden in ihrer weiteren Bildungskarriere weiterentwickeln, ob und in welcher Weise diese Kompetenzen f&#252;r die Einm&#252;ndung in die Berufsqualifizierung bzw. in den Beruf relevant sind, wird im Projekt MEZ-2 untersucht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Gogolin et al. 2021</xref>). Ergebnisse zeigen, dass die Sch&#252;ler*innen zwar im Deutschen besser entwickelte Schreibf&#228;higkeiten als in den Herkunftssprachen (Russisch und T&#252;rkisch) vorweisen, jedoch in den Herkunftssprachen bessere Ergebnisse als in der Fremdsprache Englisch. Dies ist besonders angesichts der stark eingeschr&#228;nkten M&#246;glichkeiten zum formalen Erlernen der Herkunftssprachen in der Migrationssituation bemerkenswert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Gogolin et al. 2021</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B55">Usanova/Schnoor 2021</xref>).</p>
<p>Res&#252;mierend kann davon ausgegangen werden, dass die Wertsch&#228;tzung und der Einbezug (migrationsbedingter) Mehrsprachigkeit ein wichtiges Anliegen der beruflichen Bildung der Zukunft darstellt. Dies ist umso wichtiger, als aktiv gesprochene Herkunftssprachen in Deutschland in gro&#223;em Umfang vertreten sind, wobei die Zahl der Sprecher*innen von Region zu Region variiert. Zu den h&#228;ufigsten Sprachen z&#228;hlen T&#252;rkisch, Russisch, Polnisch sowie Paschtu/Dari. Faktoren, die diese Verteilung bestimmen, sind u.a. Aufenthaltsdauer (der Individuen wie der Gruppe insgesamt), verf&#252;gbare kommunikative Ressourcen (Migrant*innenenorganisationen, <italic>ethnic business</italic>, Massenmedien), Prestige der Sprachen, M&#246;glichkeiten institutioneller F&#246;rderung sowie Bildungsstand der Familie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 131</xref>). Es sind allerdings noch zahlreiche Schritte in Forschung und Didaktik zu gehen, denn es fehlt an empirischen Studien zu den Grundlagen ebenso wie an empirischen Belegen von Interventionsma&#223;nahmen. Dieser Themenschwerpunkt soll einen Beitrag dazu leisten, diese Forschungsl&#252;cken zu konturieren.</p>
<p>F&#252;r einen gelingenden &#220;bergang von der allgemeinbildenden Schule in die berufliche Schule und in den Beruf bedarf es diverser Kompetenzen, wie bspw. registerbezogenen (berufsorientierenden, berufsfokussierenden sowie berufsspezifischen) Sprachkompetenzen. Deren Ausbildung fu&#223;t auf einer transparenten und anschlussf&#228;higen Darstellung sprachlicher Anforderungen in schulischen Rahmenrichtlinien, um f&#252;r die beteiligten Akteur*innen einen gemeinsamen Handlungsrahmen zu schaffen. Aus diesem Grund untersuchen <bold>Katharina Betker, Tina Fletemeyer, Anna-Lena M&#252;ller, Andreas Slopinski und Zuzka M&#252;nch-Mankov&#225;</bold> die sprachlichen Anforderungen an den &#220;berg&#228;ngen von der Schule ins Berufsleben nicht nur &#8211; wie bislang &#8211; spezifisch f&#252;r sich, sondern zeigen deren synergetische Zusammenschau an der konkreten &#220;bergangssituation zwischen den beiden schulischen Systemen auf und untersuchen, inwiefern und inwieweit bereits in der allgemeinbildenden Schule auf konkreten Sprachhandlungen aufgebaut werden kann.</p>
<p><bold>Andrea Daase</bold> thematisiert die Notwendigkeit die Pflegeausbildung auf die sprachliche Heterogenit&#228;t der Auszubildenden hin auszurichten. Vor dem Hintergrund ihres Verst&#228;ndnisses von Sprache und Sprachaneignung als sozialer Praxis f&#252;hrt sie im Rahmen einer multiperspektivischen und rekonstruktiven Bedarfsanalyse Fokusgruppeninterviews mit Auszubildenden zu sprachlichen Herausforderungen und Bed&#252;rfnissen und stellt erste Ergebnisse ihrer Analyse vor. Diese zeigen unter anderem die hohe Relevanz eines sprachbewussten Umgangs von Lehrenden mit den sprachlichen Anforderungen, die die Pflegeausbildung an Auszubildende stellt.</p>
<p><bold>Marion D&#246;ll, Nicole Kimmelmann, Magdalena Michalak und Andreas Schwibach</bold> setzen sich mit dem Potenzialen sowie den Herausforderungen von Sprachdiagnostik in der beruflichen Bildung auseinander. In diesem Zusammenhang stellen sie ihr im Kontext des bayerischen Unterrichtsprinzips &#8222;Berufssprache Deutsch&#8220; entwickeltes Verfahren N&#252;rnberger Berufliche Schulen Deutsch-Test (NBD-T) vor, das die pragmatischen und literalen Basisqualifikationen von Berufssch&#252;ler*innen zu Beginn ihrer Ausbildung fokussiert. Die Autor*innen diskutieren schlie&#223;lich dieses Verfahren hinsichtlich der Ber&#252;cksichtigung von Mehrsprachigkeit sowie seiner Praktikabilit&#228;t im schulischen Alltag.</p>
<p><bold>Christian Efing, Amir Kayal und Cecilia K&#252;chler</bold> er&#246;rtern auf der Basis von zwei F&#246;rderkonzepten, wie Schreibf&#246;rderung junger Erwachsenen mit geringer Literalisierung im &#220;bergangs- und Berufsausbildungssystem auf der Grundlage von Kompetenzerfassungen und Anforderungserhebungen gelingen kann. Die F&#246;rderkonzepte wurden in vom Bundesministerium f&#252;r Bildung und Forschung im Rahmen der Nationalen Dekade zur Alphabetisierung (2016-2026) gef&#246;rderten Projekten entwickelt. Sie zielen auf die F&#246;rderung sowohl migrationsbedingt mehrsprachiger als auch nicht migrationsbedingt mehrsprachiger junger Erwachsener in den Berufsfeldern Garten-/Landschaftsbau, Hotel/Gastronomie, Holz-Metall (Projekt KOFISCH) bzw. in 16 Ausbildungsberufen der Bauwirtschaft (Projekt BauliG) und werden im Beitrag auf ihre Kompatibilit&#228;t f&#252;r den Kontext Deutsch als Zweitsprache (DaZ) im ausbildungsberuflichen Alltag miteinander verglichen und diskutiert.</p>
<p><bold>Jana Gamper</bold> befasst sich mit der &#220;berpr&#252;fung von Sprachst&#228;nden am &#220;bergang in die Berufsausbildung mithilfe des Deutschen Sprachdiploms (DSD I Pro). Sie verortet das Testverfahren im Kontext der beruflichen Bildung und pr&#228;sentiert ausgew&#228;hlte Ergebnisse zum DSD I Pro. Auf dieser Basis stellt sie fest, dass der Pr&#252;fungsteil &#8222;schriftliche Kommunikation&#8220; f&#252;r die Schreibenden besonders herausfordernd ist, f&#252;hrt mithilfe eines Fallbeispiels eine detaillierte Analyse in Bezug auf die Angemessenheit der Schreibaufgabe durch und diskutiert die Zielsetzung des DSD I Pro im Kontext der beruflichen Bildung.</p>
<p><bold>Askan Ghobeyshi, Carolina Olszycka, Sandra Pappert und Alexis Feldmeier Garc&#237;a</bold> befassen sich mit dem Themenkomplex der Leichten Sprache und stellen die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zum Thema sprachliche Vereinfachungen in der beruflichen Bildung vor. Leitfadengest&#252;tzte Interviews mit Lehrkr&#228;ften an Institutionen zur Berufsausbildung zeigen u.a., dass aus Sicht der Lehrpersonen sprachliche Vereinfachung zwar bedeutsam f&#252;r den Lernerfolg Lernender mit (noch) geringen Deutschkenntnisse sind, sie aber sprachliche Vereinfachungen mit Blick auf sprachliche Anforderungen au&#223;erhalb des Unterrichts oft dennoch meiden. Die Autor*innen werfen die Frage auf, inwiefern sprachliche Vereinfachungen im Sinne der Leichten Sprache generell f&#252;r die Anwerbung von Fachkr&#228;ften aus dem Ausland ins Auge gefasst werden sollten.</p>
<p><bold>Eriberto Russo</bold> bringt die Perspektive der Auslandsgermanistik ein und berichtet aus einem Forschungsprojekt zur F&#246;rderung des Gebrauchs der deutschen Sprache in landwirtschaftlichen Betrieben in der s&#252;ditalienischen Region Sizilien. Die Beschreibung der Unterrichtserfahrung, in deren Mittelpunkt ein Deutschkurs f&#252;r Anf&#228;nger*innen und ein flankierendes Fachsprachenmodul standen, wird theoretisch erg&#228;nzt. Ziel des Beitrags ist es, die Rolle von Deutschkursen in Unternehmen bzw. in beruflichen Kontexten zu beleuchten, die sowohl praktische/fachliche als auch sprachliche Kenntnisse erfordern und die in interkulturellen und multikulturellen Kontexten angesiedelt sind.</p>
<p><bold>Sandra Drumm</bold> greift das Konzept Mehrsprachigkeit im Bereich Schreiben auf und stellt die Frage, wie individualisierte Unterst&#252;tzung in Form von Schreibberatung hier hilfreich sein kann. Gerade Schreiben f&#252;r den Beruf ist ein komplexer Prozess, der positiv beeinflusst wird, wenn Schreibende all ihre Ressourcen nutzen k&#246;nnen. Schreibberatung, verstanden als individuelle, ressourcenorientierte und klient*innenenzentrierte Unterst&#252;tzung, kann hier zielf&#252;hrend sein, besonders wenn im Sinne des Translanguaging agiert wird. Dazu referiert sie aktuelle Forschungsergebnisse zum mehrsprachigen Schreiben und gibt einen Einblick in die Praxis anhand von Berichten aus Beratungsprozessen, die Mehrsprachigkeit einbeziehen. Der Beitrag zeigt auf, welche Konzepte und Erfahrungen es dazu aktuell gibt und welche Faktoren in der Ausbildung von Beratenden ber&#252;cksichtigt werden sollten.</p>
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<fn id="n1"><p>Mehrsprachigkeit ist ein &#8222;mehrfach mehrdeutiger Begriff, mit dem ganz unterschiedliche Ph&#228;nomene bezeichnet werden&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B26">Jostes 2017: 108</xref>). In diesem Beitrag beziehen wir uns v.a. auf die migrationsbedingte Mehrsprachigkeit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Geist 2021</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>In diesem Beitrag verwenden wir zumeist den Begriff Herkunftssprache. Mit Herkunftssprache wird die Sprache bezeichnet, die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte neben der deutschen Sprache in ihrer Familie bzw. ethnischen Community und/oder aufgrund des Aufwachsens in einem anderen Land mitbringen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">Settelmeyer 2010: 68</xref>). Aus dem Englischen stammend (<italic>heritage language</italic>) bezeichnet der Begriff dar&#252;ber hinaus die meist zuerst erworbene Sprache eines Individuums, das in einer Familie aufw&#228;chst, in der nicht (nur) die Sprache der umgebenden Mehrheitsgesellschaft verwendet wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Brehmer/Mehlhorn 2018: 18</xref>). Diese Sprache gleicht in den meisten F&#228;llen nur bedingt den Sprachen der L&#228;nder, aus denen Menschen oder ihre Vorfahren zu einem Zeitpunkt immigriert sind: Sprachen sind im Austausch und Wandel und beeinflussen sich ebenso gegenseitig, wie sie von au&#223;ersprachlichen Faktoren beeinflusst werden. Deshalb sind Herkunftssprachen in der Regel Mischungen aus Erst-, Ziel und anderen Umgebungssprachen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B34">Mehlhorn 2020</xref>).</p></fn>
<fn id="n3"><p>Diesbez&#252;glich ist anzumerken, dass ein sog. Migrationshintergrund nur sehr bedingt R&#252;ckschl&#252;sse auf sprachliche Biografien und migrationsbedingte Mehrsprachigkeit zul&#228;sst, dieser in diesem Themenschwerpunkt keinesfalls mit (deutsch-)sprachlichen Defiziten gleichgesetzt wird und keine Kompetenzzuweisungen aufgrund des statistischen Merkmals Migrationshintergrund vorgenommen werden. Zu einer differenzsensiblen und diskriminierungskritischen Auseinandersetzung mit dem Begriff und seiner Verwendung siehe au&#223;erdem z.B. Do&#287;mu&#351;, Karaka&#351;o&#287;lu &amp; Mecheril (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2016</xref>) oder Mecheril (<xref ref-type="bibr" rid="B33">2010</xref>).</p></fn>
<fn id="n4"><p>Hingegen weisen Neuzugewanderte i.d.R. durchschnittlich h&#246;here Herkunftssprachenkenntnisse auf, denn sie verf&#252;gen &#252;ber Erfahrungen mit Schrift und Schriftlichkeit, verschiedenen Variet&#228;ten der Herkunftssprache, und ihrem bildungssprachlichen Gebrauch (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Reich/Settelmeyer 2016: 132</xref>).</p></fn>
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<ref id="B51"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Settelmeyer</surname>, <given-names>Anke</given-names></string-name>; <string-name><surname>Bremser</surname>, <given-names>Felix</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Lewalder</surname>, <given-names>Anna Christin</given-names></string-name> (<year>2017</year>): <chapter-title>Migrationsbedingte Mehrsprachigkeit &#8211; ein &#8222;Plus&#8220; beim &#220;bergang von der Schule in den Beruf?</chapter-title> In: <string-name><surname>Daase</surname>, <given-names>Andrea</given-names></string-name>; <string-name><surname>Ohm</surname>, <given-names>Udo</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Mertens</surname>, <given-names>Martin</given-names></string-name> (Hrsg.): <source>Interkulturelle und sprachliche Bildung im mehrsprachigen &#220;bergang Schule-Beruf</source>. <publisher-loc>M&#252;nster u. a.</publisher-loc>: <publisher-name>Waxmann</publisher-name>, <fpage>135</fpage>&#8211;<lpage>150</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B52"><mixed-citation publication-type="webpage"><collab>[SVR] Sachverst&#228;ndigenrat f&#252;r Integration und Migration</collab> (<year>2021</year>): <source>Jahresgutachten 2021. Normalfall Diversit&#228;t? Wie das Einwanderungsland Deutschland mit Vielfalt umgeht</source>. <uri>https://www.svr-migration.de/wp-content/uploads/2021/04/SVR_Kernbotschaften_2021.pdf</uri> (29.12.2021).</mixed-citation></ref>
<ref id="B53"><mixed-citation publication-type="webpage"><string-name><surname>Thielen</surname>, <given-names>Marc</given-names></string-name> (<year>2015</year>): <article-title>Migrationsgesellschaftliche Differenz am &#220;bergang in die berufliche Bildung: Anmerkungen zur Thematisierung von natio-ethno-kultureller Zugeh&#246;rigkeit</article-title>. <source>Zeitschrift f&#252;r Inklusion</source> <volume>3</volume>, <fpage>161</fpage>&#8211;<lpage>175</lpage>. <uri>https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/305/269</uri> (18.10.2023).</mixed-citation></ref>
<ref id="B54"><mixed-citation publication-type="webpage"><collab>Tr&#228;gerkonsortium BiSS-Transfer</collab> (<year>2021</year>): <article-title>Deutsch als Zweitsprache im Kontext von Mehrsprachigkeit &#8211; Gemeinsame Leitlinien f&#252;r curriculare Grundlagen</article-title>. <source>Sprachliche Bildung f&#252;r neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen</source>. <uri>https://www.biss-sprachbildung.de/wp-content/uploads/2021/09/biss-handreichungleitlinien-curriculare-grun dlagen.pdf</uri> (24.02.2023).</mixed-citation></ref>
<ref id="B55"><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Usanova</surname>, <given-names>Irina</given-names></string-name>; <string-name><surname>Schnoor</surname>, <given-names>Birger</given-names></string-name> (<year>2021</year>): <article-title>Exploring multiliteracies in multilingual students: Profiles of multilingual writing skills</article-title>. <source>Bilingual Research Journal</source> <volume>44</volume>, <fpage>56</fpage>&#8211;<lpage>73</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B56"><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Wagner</surname>, <given-names>Jonas</given-names></string-name>; <string-name><surname>Kuzu</surname>, <given-names>Taha</given-names></string-name>; <string-name><surname>Redder</surname>, <given-names>Angelika</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Prediger</surname>, <given-names>Susanne</given-names></string-name> (<year>2018</year>): <article-title>Vernetzung von Sprachen und Darstellungen in einer mehrsprachigen Mathef&#246;rderung &#8211; linguistische und mathematikdidaktische Fallanalysen</article-title>. <source>Fachsprache</source> <volume>1-2</volume>, <fpage>2</fpage>&#8211;<lpage>22</lpage>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B57"><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Wildemann</surname>, <given-names>Anja</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Bien-Miller</surname>, <given-names>Lena</given-names></string-name> (<year>2022</year>): <article-title>Warum lebensweltlich deutschsprachige Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler von einem sprachenintegrativen Deutschunterricht profitieren &#8211; empirische Erkenntnisse</article-title>. <source>Zeitschrift f&#252;r Grundschulforschung</source> <volume>15</volume>, <fpage>151</fpage>&#8211;<lpage>167</lpage>.</mixed-citation></ref>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Sandra Drumm</bold> leitet das Fachgebiet Deutsch als Zweitsprache an der Universit&#228;t Kassel und forscht zu den Themen Schreibberatung in Schule und Hochschule, Sprachbildung im Fachunterricht und zur Digitalisierung in der Lehrerbildung</p>
<p><bold>Constanze Niederhaus</bold> ist Professorin f&#252;r Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit an der Universit&#228;t Paderborn und arbeitet zu den Themenfeldern Lehrkr&#228;fteprofessionalisierung f&#252;r Deutsch als Zweitsprache, Sprachbildung und Mehrsprachigkeit in schulischen Kontexten und Deutsch f&#252;r den Beruf.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Prof. Dr. Sandra Drumm</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Kurt-Wolters-Stra&#223;e 5</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">34125 Kassel</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:drumm@uni-kassel.de">drumm@uni-kassel.de</ext-link></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Prof. Dr. Constanze Niederhaus</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Warburger Stra&#223;e 100</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">33098 Paderborn</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:constanze.niederhaus@uni-paderborn.de">constanze.niederhaus@uni-paderborn.de</ext-link></styled-content></p>
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