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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.3895</article-id>
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<subject>Aufsatz zum Themenschwerpunkt</subject>
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<article-title><italic>Gatekeepers</italic> in der berufsschulischen Bildung am Beispiel des DSD I Pro</article-title>
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<surname>Gamper</surname>
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<email>Jana.Gamper@germanistik.uni-giessen.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Justus-Liebig-Universit&#228;t Gie&#223;en, Otto-Behaghel-Stra&#223;e 10d, 35394 Gie&#223;en</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-03-27">
<day>27</day>
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<year>2024</year>
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<year>2024</year>
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<copyright-year>2024</copyright-year>
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<abstract>
<p>Der &#220;berpr&#252;fung von Sprachst&#228;nden am &#220;bergang von der berufsbildenden Schule in die Berufsausbildung kommt, trotz fehlender theoretischer und empirischer Fundierung, in Gestalt des Deutschen Sprachdiploms (DSD I Pro) eine zunehmende Bedeutung zu. Der Beitrag verortet das Testverfahren im Kontext der beruflichen Bildung und pr&#228;sentiert ausgew&#228;hlte Ergebnisse zum DSD I Pro. Ausgehend von der Identifikation des Pr&#252;fungsteils &#8216;schriftliche Kommunikation&#8217; als besonders herausfordernd erfolgt mithilfe eines Fallbeispiels eine detaillierte Analyse in Bezug auf die Angemessenheit der Schreibaufgabe. Der Beitrag diskutiert auf Basis dieser Analyse die Zielsetzung des DSD I Pro im Kontext der beruflichen Bildung.</p>
</abstract>
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<p><bold>Gate keepers in vocational education exemplified by the DSD I Pro</bold></p>
<p>Despite a lack of theoretical and empirical foundation, the examination of language levels at the transition from vocational school to vocational training is becoming increasingly important in the form of the German Language Diploma (DSD I Pro). The article locates the test procedure in the context of vocational education and presents selected results on the DSD I Pro. Based on the identification of the examination section &#8216;written communication&#8217; as particularly challenging, a detailed analysis of the appropriateness of the writing task is carried out with the help of a case study. Based on this analysis, the article discusses the objectives of the DSD I Pro in the context of vocational education.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Berufliche Bildung</kwd>
<kwd>Deutsch als Zweitsprache</kwd>
<kwd>Sprachtest</kwd>
<kwd>DSD I Pro</kwd>
<kwd>Schriftlichkeit</kwd>
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<kwd>vocational school</kwd>
<kwd>German as a second language</kwd>
<kwd>language testing</kwd>
<kwd>DSD I Pro</kwd>
<kwd>written language</kwd>
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<sec>
<title>1 Einleitung</title>
<p>Das Deutsche Sprachdiplom an berufsbildenden Schulen (DSD I Pro) setzt sich zum Ziel, berufsorientierte Deutschkenntnisse mit dem Zielniveau B1 nach dem Gemeinsamen Europ&#228;ischen Referenzrahmen f&#252;r Sprachen (GeR) zu erfassen. Es kommt vor allem bei neu zugewanderten Jugendlichen ab einem Alter von 16 Jahren zum Einsatz und soll ihnen den Erwerb sowie die Zertifizierung berufsorientierter Deutschkenntnisse erm&#246;glichen und so die Chancen auf einen Ausbildungsplatz erh&#246;hen. Ausbildenden Betrieben wird die Anerkennung des B1-Zertifikats als Nachweis &#252;ber ausreichende Deutschkenntnisse zur Aufnahme einer Ausbildung teils ausdr&#252;cklich empfohlen.</p>
<p>Obwohl die Erwartungen, die mit dem DSD I Pro im Inland einhergehen, sehr hoch sind, fehlt es bisher an grunds&#228;tzlichen Erkenntnissen zu der Frage, ob das DSD I Pro tats&#228;chlich in der Lage ist, sog. <italic>berufsorientierte</italic> Deutschkenntnisse zu erfassen. Weil entsprechende Analysen ausstehen, ist unklar, ob das DSD I Pro den selbst erhobenen Anspruch, prognostisch valide zu sein, einhalten kann. Dar&#252;ber hinaus fehlt es an Untersuchungen, die die Pr&#252;fung ergebnisoffen evaluieren. Der Beitrag setzt an dieser Stelle an.</p>
<p>In Kap. 2 erfolgt zun&#228;chst eine Rahmensetzung der Thematik, indem die Gesamtsituation zugewanderter Jugendlicher an berufsbildenden Schulen skizziert wird. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf der Rolle sprachlicher Kompetenzen als Voraussetzung f&#252;r den Zugang zum Ausbildungsmarkt. Ausgehend hiervon widmet sich Kap. 3 der detaillierten Beschreibung des DSD I Pro samt der Darlegung ausgew&#228;hlter Testergebnisse, von denen ausgehend in Kap. 3.1 die besondere Rolle des Pr&#252;fungsbereichs schriftliche Kommunikation umrissen und analysiert wird. Kap. 3.2 enth&#228;lt eine Fallanalyse, die dazu dient, die Eignung des DSD I Pro als Instrument zur Zertifizierung ausreichender Deutschkenntnisse auszuleuchten. Die Diskussion der Analysen folgt in Kap. 4, das die Hypothese aufwirft, dass das DSD I Pro v.a. die Funktion eines <italic>gatekeepers</italic> und nicht blo&#223; eines sprachstandsmessenden Verfahrens hat.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Zugewanderte Jugendliche in berufsbildenden Schulen</title>
<p>F&#252;r (neu) zugewanderte Jugendliche gilt die Berufsausbildung samt Erwerbst&#228;tigkeit als Schl&#252;ssel f&#252;r erfolgreiche Integration (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Euler 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B36">Granato 2018</xref>). Der Weg zu diesem Ziel ist dabei mit einer Reihe von &#220;berg&#228;ngen und H&#252;rden verbunden, von denen die deutsche Sprache eine der gr&#246;&#223;ten ist. Die Datenbasis zu zugewanderten Jugendlichen im betreffenden Alter (d.h. &#252;berwiegend zwischen 16 und 18, teilweise sogar bis 27 Jahre) ist l&#252;ckenhaft und d&#252;nn, weil f&#252;r viele der Zugewanderten die Schulpflicht nicht mehr greift (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Braun/Lex 2016</xref>), sodass sie beispielsweise nicht in Schulstatistiken erfasst werden k&#246;nnen. Die gro&#223;e Altersspanne er&#246;ffnet zudem unterschiedliche Zust&#228;ndigkeitsbereiche: Jugendliche und junge Erwachsene besuchen nicht ausschlie&#223;lich schulische Bildungsangebote, sondern oft auch (Jugend-)Integrationskurse des BAMF.</p>
<p>Diejenigen Daten, die vorliegen, zeichnen ein enorm heterogenes Bild: Ein Viertel der jungen Zugewanderten bringt keine oder eine nur elementare Grundbildung mit, genauso viele verf&#252;gen hingegen &#252;ber &#252;berdurchschnittliche oder hohe mittelschul&#228;hnliche Abschl&#252;sse und berufliche Qualifikationen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baumann/Riedl 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B21">Eberhard/Matthes/Gei 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">El-Mafaalani/Massumi 2019</xref>). Zahlreiche Zugewanderte k&#246;nnen zwar formelle wie auch informelle berufliche Qualifikationen nachweisen, sehen sich jedoch mit gro&#223;en b&#252;rokratischen H&#252;rden konfrontiert, was deren Anerkennung angeht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Bohlinger/Beinke 2011</xref>). Zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird dennoch eine hohe Bildungsaspiration sowie Berufsorientierung zugesprochen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Calmbach/Edwards 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Granato 2017</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B36">2018</xref>), die jedoch mit der Zeit einem Berufspragmatismus zu weichen scheint, der darin besteht, dass urspr&#252;ngliche Berufsw&#252;nsche durch das Prinzip ersetzt werden, &#252;berhaupt einen Beruf zu ergreifen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B69">Wehking 2019</xref>).</p>
<p>Vor dem Hintergrund dieser Ausgangssituation wird dem &#220;bergang von der allgemein- und/oder berufsvorbereitenden Schule in das (duale) Ausbildungssystem eine Schl&#252;sselrolle zugeschrieben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">SVR 2020</xref>). Jedoch gelingt dieser &#220;bergang, trotz teils gro&#223;en Engagements schulischer und au&#223;erschulischer Tr&#228;ger (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B61">Scheiermann/Walter 2016</xref>), nur wenigen. Nur 30 % derjenigen Sch&#252;ler:innen mit berufsqualifizierendem Abschluss gehen in die (duale) Ausbildung &#252;ber, viele brechen den Besuch der Berufsschule vorher ab (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Beicht/Walden 2014</xref>) oder landen stattdessen im sog. &#220;bergangssystem (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Baethge 2012</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B9">Braun/Geier 2012</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B10">Braun/Lex 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Dionisius/Matthes/Neises 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B36">Granato 2018</xref>) und absolvieren dort eine ggf. hohe Anzahl (unentgeltlicher) Praktika, berufsqualifizierender und/oder -vorbereitender (Zusatz-)Ma&#223;nahmen, ohne Garantie auf einen Ausbildungsplatz. In der Ausbildungsphase finden sich ebenso hohe Abbruchquoten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Kirchh&#246;fer 2022</xref>). Vielen Zugewanderten droht somit (bestenfalls) ein H&#228;ngenbleiben im sog. &#220;bergangssystem (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2020: 168&#8211;169</xref>).</p>
<p>Als Erkl&#228;rungen f&#252;r den Umstand, dass nur wenige Zugewanderte in den Ausbildungsmarkt &#252;bergehen und auch dort bleiben, werden eine (zu) hohe Quote sog. <italic>Mismatches</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Baethge 2012</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Granato/Settelmeyer 2017</xref>),<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> mangelnde Anerkennungsm&#246;glichkeiten im Herkunftsland erworbener Qualifikationen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Braun/Lex 2016: 28-30</xref>), Passungsprobleme zwischen den Lernorten Schule und Beruf (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Gag/Schroeder 2012</xref>), statistische Diskriminierung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Becker 2011</xref>), die Qualit&#228;t des berufsschulischen Unterrichts f&#252;r DaZ-Lernende bzw. curriculare Konzepte (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B67">Terrasi-Haufe/Roche/Sogl 2017</xref>) sowie individuelle Merkmale wie die enorme Heterogenit&#228;t, was neben der Altersstruktur (zwischen 16 und 27 Jahren, <xref ref-type="bibr" rid="B10">Braun/Lex 2016</xref>) besonders vorherige Bildungserfahrungen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Baumann/Riedl 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B21">Eberhard et al. 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">El-Mafaalani/Massumi 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B27">Farrokhzad 2018</xref>) angeht, diskutiert. Auch wenn ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren als Erkl&#228;rung f&#252;r zu hohe Abbruchquoten naheliegt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Euler 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Gibson-Kunze/Happ/K&#252;hnel/Schmidt 2021</xref>), wird sprachlichen Kompetenzen und Sprachf&#246;rderung im Allgemeinen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">BIBB 2018: 5</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Gibson-Kunze et al. 2021: 198</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Granato/Settelmeyer 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B29">SVR 2020</xref>) ein hohes Erkl&#228;rpotential zugeschrieben. Ausgehend vom als Variet&#228;t bzw. Register konzeptualisierten Konstrukt des <italic>berufsbezogenen Deutsch</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Daase 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B23">Efing 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B58">Roelcke 2020</xref>) samt seiner Verortung im formellen bzw. bildungssprachlichen Register (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B53">Ohm 2017</xref>) und im Kontext konzeptionell schriftsprachlicher Kompetenzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Efing 2017</xref>) fungiert die Berufssprache Deutsch hierbei in hohem Ma&#223;e als Ein- und Ausschlusskriterium (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Heinemann/Vogt 2021</xref>) in einem ohnehin zunehmend auf N&#252;tzlichkeit hin ausgerichteten meritokratischen Diskurs (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B60">Schammann 2019</xref>). Zugewanderte Jugendliche nehmen Sprache dabei als Zugangs- und Zugeh&#246;rigkeitsh&#252;rde wahr (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Calmbach/Edwards 2019: 68&#8211;69</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">Daase 2021a</xref>), ausbildende Betriebe sehen darin hingegen eine wichtige Voraussetzung f&#252;r eine Ausbildung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">DIHK 2019: 10</xref>).</p>
<p>F&#252;r den Zugang zur (dualen) Ausbildung wird aktuell das GeR-Niveau B1, zum Teil sogar B2 als Voraussetzung diskutiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Ebbinghaus/Gei 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B26">Euler 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B36">Granato 2018</xref>), was jeweils nach etwa zwei Jahren Beschulung und damit <italic>vor</italic> der Aufnahme einer Ausbildung erreicht werden soll (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Euler 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B68">Weber 2018</xref>). F&#252;r die Zeit w&#228;hrend der Ausbildung werden im Sinne einer durchg&#228;ngigen Sprachbildung zwar berufsbegleitende Anschlussf&#246;rderma&#223;nahmen gefordert, jedoch mitnichten fl&#228;chendeckend umgesetzt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B63">Settelmeyer/M&#252;nchhausen/Schneider 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B68">Weber 2018</xref>). Grunds&#228;tzlich ist zu hinterfragen, wie realistisch die oben genannten Forderungen nach dem B1- oder B2-Niveau sind. Zum einen ist zu bedenken, dass das B2-Niveau teils als (Fach-)Hochschulzugangsniveau in Deutschland verlangt wird. Es ist unklar, warum pauschal f&#252;r implizit alle Ausbildungsberufe ein vergleichbar hohes Niveau zugrunde gelegt werden sollte. Auch das Erreichen des B1-Niveaus nach einer vergleichsweise kurzen Sprachlernzeit ist sicherlich unrealistisch. Offen ist zudem grunds&#228;tzlich, warum solch hohe Niveaus als Voraussetzung f&#252;r und nicht als Resultat von beruflicher Ausbildung diskutiert werden. G&#228;nzlich offen ist, ob GeR-Niveaus &#252;berhaupt das geeignete konzeptionelle Ma&#223; sind, um beurteilen zu k&#246;nnen, ob Zugewanderte &#252;ber diejenigen Sprachkenntnisse verf&#252;gen, die sie zur Aufnahme einer beruflichen Ausbildung ben&#246;tigen. Mit Blick auf den Umstand, dass nur wenige Zugewanderte tats&#228;chlich den &#220;bergang ins Ausbildungssystem schaffen, muss zudem grunds&#228;tzlich hinterfragt werden, warum &#252;ber Forderungen nach solch hohen Sprachniveaus eine zus&#228;tzliche Zugangsh&#252;rde geschaffen wird.</p>
<p>Sprachkompetenzen zur Bedingung f&#252;r soziale und berufliche Teilhabe zu machen, ist im Kontext von Zuwanderung alles andere als neu (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B65">Stevenson/Schanze 2011</xref>). Die Entkoppelung von Sprach- und Fachlernen widerspricht dabei jedoch soziokulturellen Erwerbstheorien (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Lantolf/Thorne 2006</xref>), die Sprachentwicklung als soziale Praxis (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">Gr&#252;nhage-Monetti/Holland/Szablewski-Cavus 2005</xref>) verstehen und den Aufbau (berufsspezifischer) sprachlicher F&#228;higkeiten im Kontext einer sog. <italic>community of practice</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Daase 2021b</xref>) fordern. Sprachlernen sei als handlungs- und t&#228;tigkeitsorientierter Prozess (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Daase 2021b</xref>) ohne Fachlernen nicht m&#246;glich (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B54">Ohm 2021</xref>). Vereinzelte empirische Erkenntnisse lassen zudem bezweifeln, dass sprachliche F&#228;higkeiten allein die Wahrscheinlichkeit, in den Arbeitsmarkt integriert werden zu k&#246;nnen, erh&#246;hen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Dustmann/Fabbri 2003</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B48">Lochmann/Rapoport/Speciale 2018</xref>). Trotz dieser Bedenken wird das Sprachlernen grade im berufsbildenden Bereich in hohem Ma&#223;e vom Fachlernen entkoppelt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Daase 2020</xref>) und sprachliche Kompetenzen als Bedingung statt Ergebnis erfolgreicher Integration (in den Arbeitsmarkt) verstanden (vgl. etwa <xref ref-type="bibr" rid="B55">Plutzar 2008</xref>). Dies l&#228;sst sich besonders gut am Beispiel des DSD I Pro illustrieren.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Das DSD I Pro: Ziele, Konzeption, Ergebnisse</title>
<p>Das DSD I Pro ist 2017 aus dem bereits etablierten DSD I hervorgegangen (vgl. hierzu <xref ref-type="bibr" rid="B33">Gamper/Steinbock 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B43">Klein/K&#252;pper/Wagner 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Montanari 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B57">Ricart Brede/Scharge 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B71">Wisniewski/Ide/Schwendemann 2020</xref>), das bereits in den 70er Jahren urspr&#252;nglich f&#252;r 14-16-j&#228;hrige Lerner:innen des Deutschen als Fremdsprache im Ausland entwickelt wurde und seit 2012 unmodifiziert im Inland f&#252;r Deutsch als Zweitsprache-Lerner:innen eingesetzt wird. Zielgruppe des DSD I Pro sind zugewanderte Sch&#252;ler:innen (ab 16 Jahren) an berufsbildenden Schulen, die mittels der skalierten Sprachpr&#252;fung berufsorientierte Deutschkenntnisse nachweisen sollen.</p>
<p>In Bezug auf sprachliche Handlungen innerhalb des DSD I Pro wird das angestrebte &#8218;berufsorientierte Deutsch&#8216; explizit von allgemeinsprachlichen Kompetenzen abgegrenzt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B72">ZfA 2017a: 3</xref>) und zwischen Allgemein- und Fachsprache angesiedelt.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Diese Zwischenposition findet sich auch bei Efing (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2014: 420</xref>), der versucht, berufsrelevante Register im Rahmen eines Kontinuums zwischen Allgemein- und Fachsprache zu verorten, die wiederum die beiden Endpole M&#252;ndlichkeit und Schriftlichkeit markieren. Das berufsorientierte Deutsch ordnet er dabei eindeutig der konzeptionellen M&#252;ndlichkeit zu und verortet es graduell recht nah am allgemeinsprachlichen Pol. Anders ist dies f&#252;r die Berufssprache bzw. das berufsbezogene Deutsch: Dieses sieht Efing am &#220;bergang zur konzeptionellen Schriftlichkeit und dabei, konform mit anderen Ans&#228;tzen (vgl. etwa <xref ref-type="bibr" rid="B53">Ohm 2017</xref>) im Kontext des bildungssprachlichen Registers (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B24">Efing 2017</xref>).</p>
<p>Der Terminus <italic>berufsorientiert</italic> stammt urspr&#252;nglich aus der Fremdsprachdidaktik. Berufsorientierter Fremdsprachunterricht soll &#8222;allgemeinsprachliche, berufsfeld&#252;bergreifende und berufsspezifische Kompetenzentwicklung und sprachliche Mittel&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B30">Funk 2010: 26</xref>) vermitteln und statt fach- und berufssprachlicher Spezifika berufsfeld&#252;bergreifende Themenfelder mit allgemeinsprachlichen Inhalten verweben. Berufsorientierter Unterricht ist (im klassischen Sinne) eng angelehnt an die Prinzipien des allgemeinsprachlichen Fremdsprachunterrichts und umfasst dabei grundlegende sprachliche Handlungen (z.B. sich vorstellen, Gespr&#228;che f&#252;hren) und Vermittlungsans&#228;tze aus dem Bereich der Wortschatz- und Grammatikarbeit mit einer beruflichen Rahmung (z.B. sich im beruflichen Kontext vorstellen, Kundengespr&#228;che f&#252;hren, vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Kuhn 2007</xref>). <italic>Berufsbezogenes</italic> Deutsch wiederum</p>
<disp-quote>
<p>ist arbeits- bzw. berufs(welt)bezogener als die Allgemeinsprache und konkreter praxis- bzw. handlungsbezogen als Fachsprachen. Weder fach- noch berufs- oder betriebsspezifische Ausdr&#252;cke (im Sinne von Fachwortschatz und Berufsjargonismen) sind Bestandteil des Registers Berufssprache. Stattdessen ist es gekennzeichnet durch ein Set typischer berufsbezogener Sprachhandlungen (ANLEITEN/INSTRUIEREN, ERKL&#196;REN, DEFINIEREN&#8230;), Textsorten (Bericht, &#8230;) und Darstellungsformen (Tabellen, Formulare&#8230;), die f&#252;r zahlreiche Berufst&#228;tigkeiten als charakteristisch gelten k&#246;nnen (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Efing 2014: 429</xref>, H.i.O.).</p>
</disp-quote>
<p>Die Konzeption des DSD I Pro verfolgt damit eine Vorbereitung auf berufsfeld&#252;bergreifende und nah an allgemeinsprachlichen sowie m&#252;ndlich angelehnten Kompetenzen und Sprachhandlungen.</p>
<p>Formal entspricht die Pro-Version des DSD dabei in weiten Teilen den Prinzipien des DSD I: Es handelt sich jeweils um einen staatlich gef&#246;rderten skalierten Sprachtest, dessen Abnahme ausschlie&#223;lich durch entsprechend qualifizierte Pr&#252;fer:innen zu national einheitlichen Terminen zwei Mal im Jahr erfolgt. Der Test zertifiziert als Zielniveaus B1 oder A2 nach GeR, wobei laut Pr&#252;fungsordnung das Zielniveau B1 mit der Voraussetzung zum Zugang zum Studienkolleg in Deutschland begr&#252;ndet wird. Die urspr&#252;nglich auf Fremdsprachlerner:innen abzielende Pr&#252;fung bleibt also auch auf das DSD I Pro beibehalten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B44">KMK 2022: &#167;16</xref>), obwohl dieses ausschlie&#223;lich im Inland zum Einsatz kommt.</p>
<p>Das DSD besteht aus jeweils vier Teilbereichen (Leseverstehen, H&#246;rverstehen, m&#252;ndliche Kommunikation, schriftliche Kommunikation), die jeweils gleich gewichtet sind. Das B1-Niveau wird nur dann zertifiziert, wenn in allen Teilbereichen das B1-Niveau erreicht wird. Ist dies nicht der Fall, erhalten Teilnehmer:innen sogenannte Bescheinigungen, wenn in mindestens einem Bereich A2 erreicht wird, oder Teilleistungsbescheinigungen, wenn die Leistungen in einzelnen Bereichen unter A2 bleiben.</p>
<p>Das DSD I Pro kommt aktuell (Stand 09.2023)<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> in 11 Bundesl&#228;ndern an berufsbildenden Schulen und dort vor allem in separierten Beschulungsma&#223;nahmen in Form von Vorbereitungsklassen f&#252;r Neuzugewanderte zum Einsatz. Erkl&#228;rtes Ziel des DSD I Pro ist es, berufsorientierte Deutschkenntnisse nachzuweisen und dadurch &#8222;bessere Chancen z.B. bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz&#8220; zu erm&#246;glichen.<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> Der Einsatz des DSD im Inland ist begr&#252;ndet durch motivationale Aspekte (insbesondere f&#252;r Sch&#252;ler:innen mit geringer oder unklarer Bleibeperspektive, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B57">Ricart Brede/Scharge 2018: 219&#8211;220</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">Montanari 2016: 294</xref>), die M&#246;glichkeit einer auf die Pr&#252;fung ausgerichteten und damit systematischen Unterrichtsprogression (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Montanari 2016: 286</xref>) und der damit einhergehenden systematischen Vorbereitung auf den Regelunterricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Klein et al. 2017: 320</xref>). Belege f&#252;r diese Annahmen gibt es bisher weder f&#252;r das DSD I noch f&#252;r das DSD I Pro. Stattdessen finden wir Demotivation bei denjenigen, die das Zielniveau nicht erreichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B57">Ricart Brede/Scharge 2018: 223</xref>). Es fehlen zudem systematische Untersuchungen zu der Frage, ob die Inhalte des DSD zur Strukturierung der Unterrichtsinhalte dienen und ob diese Inhalte tats&#228;chlich der Partizipation am Regelunterricht sowie im Falle des DSD I Pro dem erfolgreichen &#220;bergang in die Ausbildung dienlich sind. Den Vorwurf des <italic>teaching to the test</italic> kann das DSD deshalb bisher nicht ausr&#228;umen, weil Grundlagenforschung fehlt. Trotz dieser enormen Forschungsl&#252;cken werden beide Instrumente entgegen den expliziten Empfehlungen der f&#252;r das DSD zust&#228;ndigen Zentrale f&#252;r das Auslandsschulwesen (ZfA; vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Gamper/Steinbock 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B43">Klein et al. 2017: 321</xref>) als Orientierung f&#252;r Zugangs- und &#220;bergangsentscheidungen genutzt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B71">Wisniewski et al. 2020</xref>). So hei&#223;t es auf den Seiten der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (<xref ref-type="bibr" rid="B41">o.J.</xref>):</p>
<disp-quote>
<p>Deshalb empfehlen auch die Partner des B&#252;ndnisses Ausbildung Hessen in ihrer Zusatzerkl&#228;rung vom 21. April 2017 den Ausbildungsbetrieben die Anerkennung des DSD I PRO als Nachweis &#252;ber ausreichende Sprachkenntnisse f&#252;r die Aufnahme junger gefl&#252;chteter Menschen sowie Zuwanderer in die duale Ausbildung. Auf diese Weise wird das Deutsche Sprachdiplom DSD I PRO f&#252;r jugendliche Fl&#252;chtlinge und Zuwanderer gewisserma&#223;en die &#8222;sprachliche Eintrittskarte&#8220; in die duale Ausbildung.</p>
</disp-quote>
<p>Auch wenn offen ist, wie genau das DSD I Pro als Instrument eingesetzt wird, um Zug&#228;nge zum Ausbildungsmarkt mitzusteuern, ist das Zitat offenbarend. Hier wird einem standardisierten Pr&#252;fverfahren, was urspr&#252;nglich f&#252;r eine g&#228;nzlich andere Zielgruppe entwickelt wurde und &#252;ber deren Vorhersagekraft in Bezug auf die Frage, ob es tats&#228;chlich diejenigen Deutschkenntnisse zertifiziert, die f&#252;r die Ergreifung eines Ausbildungsberufs notwendig sind, wir nichts wissen, eine vergleichsweise hohe prognostische Validit&#228;t im testtheoretischen Sinne zugesprochen. Ausbildenden Betrieben wird hier ohne entsprechende empirische Basis explizit empfohlen, das DSD I Pro-Zertifikat als Voraussetzung f&#252;r die Aufnahme der Ausbildung anzuerkennen. Ob sie das tats&#228;chlich tun, ist eine andere, ebenfalls nicht erforschte Frage. Zudem wird im obigen Zitat sichtbar, dass nicht bestimmte Sprachkompetenzen, sondern die Pr&#252;fung als solche als sprachliche Eintrittskarte konzeptualisiert wird. Die Gleichsetzung eines formellen Sprachnachweises mit &#8211; durchaus vielschichtigen und komplexen Sprachkompetenzen &#8211; ist typisch f&#252;r Diskurse, in denen Sprache zum <italic>gatekeeper</italic> gemacht wird.</p>
<p>Das DSD I Pro an berufsbildenden Schulen steht f&#252;r den &#252;bergreifenden Trend, formelle Sprachnachweise vor dem Eintritt in die Berufsbildung zur Bedingung zu machen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">Knoch/Macqueen 2016</xref>). Die Notwendigkeit eines solchen Nachweises auf einem vergleichsweise hohen GeR-Niveau setzt gewisserma&#223;en die f&#252;r die Ausbildung erforderlichen Sprachkompetenzen voraus, was der Idee, dass diese w&#228;hrend der Ausbildung erworben werden m&#252;ssen, widerspricht. Es ist bezeichnend, dass sich ein solcher Trend ausschlie&#223;lich an zugewanderte Personen richtet. In Deutschland geborene Menschen m&#252;ssen ihre sprachlichen F&#228;higkeiten i.d.R. nicht zus&#228;tzlich nachweisen. Wie diese Form der Ungleichbehandlung zu rechtfertigen ist, erschlie&#223;t sich zun&#228;chst nicht.</p>
<p>Problematisch ist weiterhin, dass es kaum zug&#228;ngliche Daten gibt, die Aufschluss &#252;ber Pr&#252;fungsergebnisse, potentielle Problembereiche und daran anschlie&#223;ende Anpassungen geben k&#246;nnten. Die Pr&#252;fungsergebnisse zum DSD I Pro werden weder von der ZfA noch von den Bundesl&#228;ndern zug&#228;nglich gemacht. Die wenigen verf&#252;gbaren Daten aus Rheinland-Pfalz (RLP) und Niedersachsen (NI), die auf Anfrage zug&#228;nglich gemacht wurden,<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> geben deshalb wertvolle Hinweise darauf, worin potentielle Herausforderungen f&#252;r Teilnehmer:innen der DSD I Pro-Pr&#252;fung bestehen. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> zeigt hierzu Ergebnisse f&#252;r RLP f&#252;r die Jahre 2018&#8211;2020, <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> f&#252;r NI f&#252;r die Jahre 2017&#8211;2020, welche Niveaus Teilnehmer:innen in den vier Fertigkeitsbereichen jeweils erreichen. Die schwarze Linie in den Abbildungen gibt die absolute Teilnehmer:innenzahl in den einzelnen Jahren an.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Pr&#252;fungsergebnisse in einzelnen Pr&#252;fungsteilen in RLP (2015&#8211;2019)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3895_gamper-g1.png"/>
</fig>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Pr&#252;fungsergebnisse in einzelnen Pr&#252;fungsteilen in NI (2017&#8211;2020)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3895_gamper-g2.png"/>
</fig>
<p>Wie aus den Abbildungen recht deutlich hervorgeht, erreichen Teilnehmer:innen besonders im Bereich schriftliche Kommunikation am seltensten das B1-Niveau. W&#228;hrend im Bereich des H&#246;rverstehens und der m&#252;ndlichen Kommunikation etwa 70 % der Teilnehmer:innen das Zielniveau erreichen und hier auch ganz besonders selten (&lt;10%) die Leistungen unter dem A2-Niveau bleiben, liegt der Anteil der B1-Niveaus im Bereich der schriftlichen Kommunikation bei etwa 50 % in NI und knapp 60 % in RLP. In NI bleiben zudem etwa 30 % unter dem A2-Niveau, in RLP sind es etwa 15%. Auch wenn die Ergebnisse aufgrund der geringen Zug&#228;nglichkeit der Daten in ihrem Aussagewert und ihrer Generalisierbarkeit stark limitiert sind und dadurch auch Gr&#252;nde f&#252;r bundeslandspezifische Unterschiede im Unklaren bleiben (bspw. das generell bessere Abschneiden der Teilnehmer:innen in RLP betreffend), best&#228;tigen sie einen Trend, der grunds&#228;tzlich f&#252;r das DSD im Inland ausmachbar ist (vgl. hierzu <xref ref-type="bibr" rid="B33">Gamper/Steinbock 2020</xref>): Besonders problembehaftet scheint der Bereich der Schriftlichkeit im Allgemeinen und der produktiven Schriftlichkeit im Besonderen zu sein. Mit Blick auf das DSD I Pro l&#228;sst sich schlie&#223;lich folgern, dass Teilnehmer:innen das gew&#252;nschte B1-Niveau also oftmals nicht zwangsweise aufgrund grunds&#228;tzlich nicht ausreichender Kompetenzen, sondern aufgrund eines spezifischen Teilbereichs innerhalb der Pr&#252;fung verfehlen. Es erscheint lohnenswert, diesen Bereich im Folgenden n&#228;her zu betrachten.</p>
<sec>
<title>3.1 Schriftliche Kommunikation im DSD I Pro</title>
<p>Die Aufgabenstellung im Bereich der schriftlichen Kommunikation folgt im DSD I sowie DSD I Pro dem gleichen Prinzip: Die Gepr&#252;ften bekommen zun&#228;chst eine Aussage zu einem Themenfeld als Impuls, die zum Beispiel einem Internetforum und damit &#246;ffentlichen Kommunikationsraum entstammt. Im Rahmen des DSD I Pro bezieht sich das Themenfeld auf berufliche Inhalte, zum Beispiel die Berufswahl,<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> wodurch die Abweichung zum DSD I also in erster Linie in einer thematischen Anpassung besteht. Anspruch dabei ist es, dass &#8222;berufsorientierte Inhalte schon ab dem ersten Bildungsabschnitt (= A1) in den Unterricht einflie&#223;en bzw. der Unterricht von Anfang an den Berufsbezug einbindet&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B72">ZfA 2017a: 3</xref>). Das Schlagwort <italic>berufsorientiert</italic> bzw. <italic>berufsorientiertes Deutsch</italic> wird dabei als &#8222;berufsfeld&#252;bergreifend angelegt&#8220; verstanden (<xref ref-type="bibr" rid="B72">ZfA 2017a: 3&#8211;4</xref>). Die Themenwahl verfolgt somit das Ziel, nicht spezifische Berufs- oder Fachsprachen zu erfassen, sondern Inhalte abzupr&#252;fen, die f&#252;r alle Berufsgruppen gleicherma&#223;en relevant sind. In diesem Sinne folgt die ZfA u.a. der registerbasierten Differenzierung nach Efing (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2014</xref>).</p>
<p>Die konkrete Schreibaufgabe besteht dann darin, einen Beitrag zu verfassen, in dem (1) der Impuls zusammengefasst, (2) von eigenen Erfahrungen zum Thema berichtet und (3) die eigene Meinung ausf&#252;hrlich begr&#252;ndet werden muss. Die Aufgabenstellung enth&#228;lt hierzu Operatoren in Form von &#8222;Geben Sie [&#8230;] mit eigenen Worten wieder&#8220;, &#8222;Berichten Sie ausf&#252;hrlich&#8220; sowie &#8222;Begr&#252;nden Sie Ihre Meinung ausf&#252;hrlich&#8220;.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Diese Operatoren werden klassischerweise dem bildungssprachlichen Register in der Schule zugeordnet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Feilke 2012</xref>) und weisen zudem Parallelen zum berufsbezogenen (und dabei ebenfalls dem bildungssprachlichen Pol zugeordneten) Deutsch nach Efing (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2014</xref>) auf. Entstehen soll auf Basis der drei Teilaufgaben ein zusammenh&#228;ngender Text.</p>
<p>Die Konzeption der Aufgabenstellung unterscheidet sich teils deutlich von anderen Testverfahren im beruflichen Bereich: So umfasst der <italic>Deutsch-Test f&#252;r den Beruf</italic> des Bundesamts f&#252;r Migration und Fl&#252;chtlinge (BAMF), der ebenfalls das Niveau B1 zertifiziert, zwei Schreibaufgaben: Das Verfassen einer Antwortmail / eines Briefes an einen Kunden sowie das Verfassen einer Begr&#252;ndung an einen Kollegen per Messenger.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> In <italic>telc Deutsch B1+ Beruf</italic> m&#252;ssen die Gepr&#252;ften einen formellen Brief verfassen. Die Aufgabenstellungen anderer Testverfahren umfassen somit Sprachhandlungen, die im Kontext einer beruflichen T&#228;tigkeit sowohl formell als auch informell erwartbar w&#228;ren (Kundenkommunikation, Kommunikation mit Kolleg:innen). In keinem der Verfasserin bekannten Testverfahren besteht die Schreibaufgabe aus mehreren bildungssprachlichen Operatoren, so wie es im DSD I Pro der Fall ist.</p>
<p>Aus den von der ZfA verf&#252;gbar gemachten Zusatzmaterialien (Handreichung sowie Leitfaden, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B73">ZfA 2017b</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B74">2019</xref>) l&#228;sst sich ableiten, dass die punktebasierte Bewertung des Textes unterschiedliche Ebenen umfasst: Neben dem Gesamteindruck sollen die geschulten Pr&#252;fer:innen (1) den Inhalt, (2) sprachliche Mittel und (3) die Korrektheit bewerten. In Bezug auf den Inhalt wird die Eigenst&#228;ndigkeit und Angemessenheit der Standpunktwiedergabe, die Darstellung, Ausf&#252;hrlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Koh&#228;renz des eigenen Erfahrungsberichts und die Deutlichkeit, Angemessenheit sowie Nachvollziehbarkeit der eigenen Meinung bewertet. In Bezug auf sprachliche Mittel wird die Angemessenheit des Wortschatzes und das Spektrum sowie der Grad der Komplexit&#228;t (auch fehlerhafter) grammatischer Strukturen erfasst. Unter Korrektheit f&#228;llt die sichere Beherrschung der einfachen bzw. elementaren Grammatik (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B74">ZfA 2019: 13</xref>), das Ma&#223; der Verst&#228;ndlichkeit und orthographische Korrektheit. Was unter einfach oder elementar zu verstehen ist, l&#228;sst sich aus den Zusatzmaterialien nicht eindeutig rekonstruieren. Komplexe Strukturen werden auf dem B1-Niveau zwar als selten, jedoch als erwartbar klassifiziert, wobei hierunter folgende Strukturen fallen: mehrgliedrige Hypotaxen und Konnektoren, indirekte Fragen, Passiv und Passiversatzformen, Futur I, Pr&#228;teritum, Plusquamperfekt, Konjunktiv II, erweiterter Infinitiv mit zu, Partizip I, erweiterte Nominalgruppen, Indefinitpronomen, Pronominaladverbien und Relativpronomen (vgl. ebd.). S&#228;mtliche dieser Strukturen dienen der Informationsverdichtung und Informationsgeneralisierung und sind damit nach Maas (<xref ref-type="bibr" rid="B49">2008</xref>) dem formellen Register zuzuordnen. Obwohl das DSD I Pro sich also terminologisch und konzeptionell recht eindeutig auf berufs<italic>orientiertes</italic> Deutsch beruft, legen die Konzeption der Aufgabenstellung und ganz besonders die komplexen grammatischen Strukturen eine anvisierte Orientierung am berufs<italic>bezogenen</italic> Deutsch nahe.</p>
<p>Ausgehend von der Analyse der Aufgabenstellung stellen sich unterschiedliche Fragen, die die Eignung des DSD I Pro im Allgemeinen und die Eignung der schriftlichen Aufgabenstellung im Besonderen f&#252;r die Zertifizierung &#8218;ausreichender&#8216; berufsorientierter Deutschkenntnisse betreffen. Erstens ist offen, ob Operatoren wie Zusammenfassen/Wiedergeben, Berichten und Begr&#252;nden/Argumentieren tats&#228;chlich als diejenigen ausgemacht werden k&#246;nnen, die im berufsorientierenden Sinne f&#252;r alle Ausbildungszweige <italic>vor</italic> Ausbildungsaufnahme relevant sind. Zweitens ist unklar, ob die berufsschulische Bildung darauf ausgerichtet ist, entsprechende Kompetenzen auszubilden. Dieser Punkt betrifft die Passgenauigkeit zwischen den Pr&#252;fungsinhalten und den (von Ausbildungszweig zu Ausbildungszweig variierenden) Unterrichtsinhalten. Drittens ist offen, ob die berufsschulisch induzierte Ausbildung grundlegender Sprachkompetenzen bei Neuzugewanderten tats&#228;chlich in der Lage ist, Lerner:innen in vergleichsweise kurzer Zeit (ca. zwei Jahre) zu vergleichsweise fortgeschrittenen Registervariet&#228;ten zu f&#252;hren (bzw. ob dies angesichts der in Kap. 2 beschriebenen Heterogenit&#228;t der Lerngruppe ein f&#252;r alle realistisches Ziel sein kann). Die offenen Punkte ber&#252;hren teils theoretische Aspekte, teils jedoch auch empirische Desiderata, die die Unterrichts- und Sprachentwicklungsforschung betreffen. Solange gro&#223; angelegte Studien sowie Daten fehlen, lassen sich diese Fragen nicht beantworten. Im Folgenden wird deshalb auf Basis eines Fallbeispiels der Versuch unternommen, sich diesen Fragen anzun&#228;hern.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Fallanalyse</title>
<p>Die folgende exemplarische Einzelfallanalyse m&#246;chte illustrieren, welche Sprachst&#228;nde neu zugewanderte Jugendliche nach einer Beschulungsdauer von etwa zwei Jahren erreichen k&#246;nnen und ob diese Sprachst&#228;nde ausreichen, um das B1-Niveau zertifiziert zu bekommen. Der folgende Text, der im Rahmen einer DSD I Pro-Pr&#252;fung verfasst wurde, stammt von einer/m Jugendlichen<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref>, der/die zun&#228;chst 18 Monate in einer Vorbereitungsklasse f&#252;r Neuzugewanderte unterrichtet wurde und danach an eine Berufsfachschule wechselte, wo er/sie den Regelunterricht besucht und vier F&#246;rderstunden Deutsch erhalten hat. Weder in der Vorbereitungs- noch in der Regelklasse erfolgte eine explizite Vorbereitung auf das DSD I Pro. Die gepr&#252;fte Person ist nach Auskunft der Lehrkraft einem bildungsnahen Milieu zuzuordnen und zeigte in der Regelklasse gute bis sehr gute Noten in allen F&#228;chern. Das DSD I Pro wurde nach einer Gesamtbeschulungsdauer von 25 Monaten abgelegt; zu diesem Zeitpunkt befand sich die Person auf dem Weg zum mittleren Schulabschluss. In den Pr&#252;fungsteilen Leseverstehen, H&#246;rverstehen und m&#252;ndliche Kommunikation erreichte die Person jeweils das B1-Niveau. F&#252;r die schriftliche Kommunikation wurden jedoch nur 9 Punkte und damit das A2-Niveau vergeben. Bewertet wurde hierzu folgender Text:</p>
<fig id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Fallbeispiel<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref></p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3895_gamper-g3.png"/>
</fig>
<p>Das Thema der Aufgabenstellung ist <italic>Lernen in Gruppen</italic>, zu dem die Gepr&#252;ften neben einer Wiedergabe eines Standpunkts (zu finden in einem Internetforum) einen Erfahrungsbericht sowie eine begr&#252;ndete eigene Meinung darlegen sollen.</p>
<p>Der Beispieltext zeigt zun&#228;chst, dass alle geforderten Teilhandlungen umgesetzt werden. Der Text ist insgesamt klar strukturiert und verst&#228;ndlich, der Bericht relativ ausf&#252;hrlich und auch die Meinung recht detailliert begr&#252;ndet. All dies ist nat&#252;rlich nicht frei von einer subjektiven Einsch&#228;tzung. In Bezug auf das Spektrum und Angemessenheit des Wortschatzes finden wir zwar zahlreiche Wortwiederholungen, jedoch eine themenangemessene Wortwahl. Was komplexe grammatische Strukturen angeht, finden sich zum einen einige ausgebaute Nominalgruppen mit attributivem Adjektiv (Z. 1, 8, 16), Pr&#228;positionalphrasen (Z. 7, 31) sowie Relativs&#228;tzen samt unterschiedlicher Relativpronomen (Z. 3, 6, 28) und zum anderen zahlreiche hypotaktische Strukturen in Form von Konditional- und Kausals&#228;tzen (z.B. Z. 12, 26, 30), Indefinitpronomen in Form von <italic>man</italic> (z.B. Z. 8, 30) sowie unpers&#246;nliche Konstruktionen mit fixem <italic>es</italic> (z.B. Z. 16, 24). Zugleich finden sich noch Unsicherheiten bei hypothetisch elementaren Strukturen: W&#228;hrend zahlreiche Perfekt- und Modalverbkonstruktionen zielsprachlich sind, zeigen sich besonders in Konditionals&#228;tzen Abweichungen bei der Subjekt-Verb-Inversion (Z. 12, 14). Subordinierende Nebens&#228;tze weisen meist, jedoch nicht immer, die Verbletztstellung auf, einige &#196;u&#223;erungsstrukturen deuten zudem auf die Vermeidung von Subordination hin (z.B. in Z. 23, wo eine &#196;u&#223;erung in Form von <italic>Meine Meinung ist, dass alles Nachteile und Vorteile hat</italic> denkbar w&#228;re). Mit Blick auf Flexionskategorien finden sich einige Normabweichungen in Bezug auf die Kasus-Genus-Kongruenz, vor allem in Pr&#228;positionalphrasen mit <italic>mit</italic> (Z. 14) sowie bei Nominalgruppen mit dem Possessivpronomen <italic>mein</italic> (Z. 20, 24), zugleich jedoch auch korrekt flektierte attributive Adjektive in erweiterten Nominalgruppen (Z. 8, 16). Unsicherheiten zeigen sich zudem in der Genuszuweisung (Z. 12, 25) sowie, sehr selten, im Bereich der Subjekt-Verb-Kongruenz (Z. 13). Solche Unsicherheiten sind mit Blick auf die vergleichsweise kurze Erwerbsdauer nicht un&#252;blich. Grunds&#228;tzlich ist der Gesamteindruck als positiv zu bewerten, sofern die Faktoren Erwerbsdauer, Erwerbsalter (im Sinne von postpubert&#228;rem Erwerb)<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> und auch Erwerbskontext (d.h. der zun&#228;chst 18-monatige Besuch einer Vorbereitungsklasse) ber&#252;cksichtigt werden. Unsicherheiten im Bereich der Inversion und der Verbletztstellung finden sich je nach Lernausgangsbedingungen durchaus auch nach einer Kontaktdauer von etwa zwei Jahren oder l&#228;nger (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B66">Terrasi-Haufe 2018: 261&#8211;263</xref>) und sind auch f&#252;r Lerner:innen auf dem B1-Niveau nicht untypisch (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B70">Wisniewski 2018</xref>). Mit Blick auf sprachliche Strukturen zeigt sich damit im Fallbeispiel ein vielf&#228;ltiges Spektrum an (teils komplexen) Strukturen, die jedoch noch nicht durchgehend korrekt gebraucht werden. Leider ist es nicht m&#246;glich zu rekonstruieren, warum der Text mit 9 Punkten und damit eindeutig auf dem A2-Niveau eingeordnet wurde (B1 wird ab 12 Punkten erreicht). Zumindest mit Blick auf Kriterien wie Koh&#228;renz, Verst&#228;ndlichkeit und auch mit Blick auf grammatische Strukturen und ihre Korrektheit ist die Bewertung m.E. zumindest diskussionsw&#252;rdig.</p>
<p>Weitaus relevanter als die Frage, ob es sich bei diesem Text um ein A2- oder B1-Niveau handelt, ist jedoch, wie die Diskrepanz zwischen den vergleichsweise guten schulischen Leistungen (zu denen ja auch zweifelsfrei schriftliche Leistungen geh&#246;ren m&#252;ssen) samt der Perspektive auf einen berufsqualifizierenden Schulabschluss und dem vergleichsweise schwachen Abschneiden im schriftlichen Pr&#252;fungsteil des DSD I Pro entstehen kann. Ein potentieller Faktor k&#246;nnte sein, dass die gepr&#252;fte Person keine Vorbereitung auf das DSD I Pro erhalten hat und damit hypothetisch unvorbereitet in die Pr&#252;fung gegangen ist. Eine systematische Pr&#252;fungsvorbereitung, so lie&#223;e sich argumentieren, h&#228;tte die Wahrscheinlichkeit, auch in der schriftlichen Kommunikation das B1-Niveau zu erreichen, erh&#246;ht. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass die gepr&#252;fte Person seit knapp sechs Monaten eine Regelklasse einer berufsbildenden Schule besucht. Wenn das DSD I Pro f&#252;r sich beansprucht, berufsorientierte Deutschkenntnisse zu erfassen, so sollten diese besonders bei denjenigen Lerner:innen zu finden sein, deren Unterricht sie auf einen berufsqualifizierenden Abschluss vorbereitet. Weiterhin hat die fehlende Pr&#252;fungsvorbereitung das Erreichen des B1-Niveaus im Lese- und H&#246;rverstehen wie auch in der m&#252;ndlichen Kommunikation offensichtlich nicht behindert. Die Pr&#252;fungsvorbereitung allein kann damit nicht der entscheidende Faktor f&#252;r die vorgefundene Diskrepanz sein.</p>
<p>Andere Erkl&#228;rungsans&#228;tze betreffen nicht die Art der Vorbereitung, sondern die Konzeption der Schreibaufgabe im DSD I Pro. Wie in Kap. 3.1 dargelegt, finden wir im DSD I Pro nicht nur eine recht starke Orientierung an eher traditionellen GeR-Normen, sondern vor allem auch eine starke Anlehnung an klassische Operatoren der allgemeinbildenden Schule. Es ist zu hinterfragen, ob Sprachhandlungen wie ausf&#252;hrliches Begr&#252;nden einer eigenen Meinung oder die Zusammenfassung anderer Standpunkte zu denjenigen schriftlichen Kompetenzen geh&#246;ren, die Sch&#252;ler:innen vor der Aufnahme einer (dualen) Ausbildung ben&#246;tigen. Naheliegender sind andere Sprachhandlungen im Bereich des Schreibens, die auch in der Anlage <italic>Berufsorientiertes Deutsch</italic> der ZfA zu finden sind: Hier werden u.a. informelle Mitteilungen an Kolleg:innen, Mails im beruflichen Kontext, kurze Berichte wie T&#228;tigkeitsberichte und Bewerbungsschreiben genannt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B73">ZfA 2017b: 17&#8211;18</xref>), die sich auch in vergleichbaren Sprachpr&#252;fungen finden (s. Kap. 3.1). Es w&#228;re zu erwarten, dass das DSD I Pro nicht blo&#223; eine thematische Adaption im Sinne einer Orientierung an beruflichen Themen vollzieht (wobei fraglich ist, inwiefern das Thema <italic>Lernen in Gruppen</italic> eine Berufsorientierung aufweist), sondern auch mit Blick auf Sprachhandlungen und Operatoren.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich ist es herausfordernd zu erfassen, ob schriftliche Handlungen im Allgemeinen und welche schriftlichen Handlungen im Besonderen allen Berufszweigen gemein sind. Ans&#228;tze, die sich um eine berufs&#252;bergreifende Systematisierung sprachlicher Handlungsfelder bem&#252;hen, listen ausschlie&#223;lich oder &#252;berwiegend m&#252;ndliche Handlungen in der Produktion (vgl. f&#252;r einen &#220;berblick <xref ref-type="bibr" rid="B52">Niederhaus 2022</xref>). F&#252;r konzeptionell schriftliche Kontexte dominieren rezeptive Handlungen bzw. sind produktive Texthandlungen hinsichtlich bestimmter Handlungsfelder wie etwa Kommunikation bei St&#246;rungen der Arbeitsabl&#228;ufe, bei der Qualit&#228;tskontrolle und -sicherung sowie bei der Kommunikation mit Kolleg:innen, externen Akteur:innen und Vorgesetzten (vgl. ebd.) zu finden. Hier finden sich wiederum Operatoren wie Berichten/Dokumentieren sowie Mitteilen (v.a. in Form von Notizen, zu denen inzwischen sicherlich auch Mitteilungen per Messenger oder Mail gez&#228;hlt werden k&#246;nnen). Schriftliche Handlungen wie Protokolle, Berichte und Anleitungen, aber auch modellhafte und checklistenartige Schreibt&#228;tigkeiten finden sich nat&#252;rlich auch, jedoch sind diese spezifischer Natur und eng an T&#228;tigkeiten bestimmter Berufsgruppen angelehnt (vgl. f&#252;r eine &#220;bersicht ebd.: 83&#8211;103) und damit berufsbezogen und nicht berufsorientiert. Die Sprachhandlungen sind zudem recht stark sachorientiert und weniger auf das Wiedergeben von fremden oder eigenen Standpunkten ausgerichtet, wie sie im DSD I Pro vorgesehen sind.</p>
<p>Es zeigt sich somit eine Diskrepanz in Bezug auf diejenigen schriftlichen Handlungen, die im eigentlichen Sinne berufsorientiert sein k&#246;nnten, und denjenigen, die im DSD I Pro abgepr&#252;ft werden. Ein schlechtes Abschneiden im Bereich der schriftlichen Kommunikation k&#246;nnte also darin begr&#252;ndet sein, dass das DSD I Pro eben nicht berufsorientierte, sondern bildungssprachliche Textkompetenzen abpr&#252;ft, die typisch f&#252;r das schulische Sprachlernen im allgemeinbildenden, jedoch nicht berufsorientierenden Bereich sind. Die Berufsorientierung ist somit maximal thematischer Natur. Dies allein ist bereits ein Aspekt, der mindestens modifikationsbed&#252;rftig w&#228;re. Er erkl&#228;rt jedoch nicht allein, warum ein:e Lerner:in, der/die eine berufsbildende Regelschule besucht, das Zielniveau B1 nicht erreicht. Leider fehlen an dieser Stelle Informationen dazu, welche Inhalte im Deutschunterricht der entsprechenden Berufsfachschule thematisiert und welche Operatoren und Textsorten ge&#252;bt wurden. Trotz dieser Informationsl&#252;cke weist das verfehlte B1-Niveau darauf hin, dass diejenigen Operatoren, die im DSD I Pro gepr&#252;ft werden, nicht oder nicht umfassender Bestandteil des Unterrichts gewesen sein k&#246;nnen. Diese Vermutung gilt auch f&#252;r die Vorbereitungsklasse. Sollte eine solche Hypothese zutreffen, w&#252;rde dies bedeuten, dass es nicht nur ein Mismatch gibt zwischen echten berufsorientierten und DSD I Pro-spezifischen schriftsprachlichen Handlungen, sondern auch eine Diskrepanz zwischen im berufsschulischen Deutschunterricht behandelten und im DSD I Pro abgepr&#252;ften Textkompetenzen. Eine solch fehlende Passung kann an dieser Stelle ausschlie&#223;lich als Hypothese formuliert werden, weil es <italic>den</italic> berufsschulischen Deutschunterricht nicht gibt und davon auszugehen ist, dass sich dieser je nach Bundesland, berufsschulischem Zweig und Bedarfen der Sch&#252;ler:innen unterscheidet.</p>
<p>Neben Erkl&#228;rungsans&#228;tzen, die die Konzeption der Schreibaufgabe im DSD I Pro betreffen, kommen weitere Faktoren als Erkl&#228;rung f&#252;r die Diskrepanz zwischen den schulischen Leistungen und dem DSD-Pr&#252;fungsergebnis der/des untersuchten Schreibers:in in Frage. Zum einen k&#246;nnen Pr&#252;fer:innenbewertung inter- sowie intraindividueller Varianz unterliegen. Wie milde oder wie streng beurteilt wird, scheint dabei von einer Vielzahl von Faktoren abh&#228;ngig zu sein (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Eckes 2004</xref>). Mit Blick auf das DSD I Pro liegen bisher keinerlei Untersuchungen zur Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit von Pr&#252;fer:innenurteilen vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Urteile stark variieren k&#246;nnen, wird durch die Konzeption der den DSD I Pro zugrundeliegenden Auswertungskriterien erh&#246;ht. Diese lassen an vielen Stellen Interpretationsspielraum, indem zum Beispiel ein Gesamteindruck mit Punkten gemessen werden soll. Zwar finden sich Hinweise dazu, nach welchen Prinzipien wie viele Punkte in welchen Teilbereichen vergeben werden sollen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B74">ZfA 2019</xref>), doch auch hier er&#246;ffnet sich durch Kriterien wie Angemessenheit Spielraum f&#252;r Subjektivit&#228;t. Da auch zu diesen Faktoren systematische Untersuchungen fehlen, bleibt offen, ob das DSD I Pro neben Fragen der Validit&#228;t auch das Kriterium der Auswertungsobjektivit&#228;t im testtheoretischen Sinn erf&#252;llt.</p>
<p>Angesichts der Ausf&#252;hrungen ist es also zweifelhaft, ob sich das DSD I Pro an den Inhalten und Prinzipien des berufsschulischen Deutschunterrichts orientiert und ob es in der Lage ist, berufsorientierte Kompetenzen zugewanderter Sch&#252;ler:innen objektiv und valide zu messen. Es stellt sich folglich die unmittelbare Frage, was das DSD I Pro letztlich misst.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Diskussion</title>
<p>Der vorliegende Beitrag verfolgte das Ziel, einige grundlegende Aspekte in Bezug auf die Rolle des DSD I Pro als sprachstandsmessendes Pr&#252;finstrument im Kontext der beruflichen Bildung neu zugewanderter Jugendlicher auszuleuchten. Die Ausf&#252;hrungen haben eine sehr enge Anlehnung der eigens f&#252;r Berufsschulen entwickelten Pr&#252;fung am (urspr&#252;nglich f&#252;r das Ausland entwickelten) DSD I ausgemacht, was die Aufgabenkonzeption im Bereich der schriftlichen Kommunikation angeht. Die schriftliche Kommunikation hat sich als besonders herausfordernd f&#252;r Teilnehmer:innen am DSD I und DSD I Pro erwiesen. Die Analyse der Schreibaufgabe hat gezeigt, dass das DSD I Pro mitnichten berufsorientierte Deutschkenntnisse abpr&#252;ft, sondern eher klassische bildungssprachliche Operatoren in den Fokus r&#252;ckt, die Gegenstand der allgemeinschulischen Bildung in der Sekundarstufe I sind. Identifiziert wurden dabei potentielle Mismatches zwischen dem Anspruch, berufsorientiertes Deutsch zu erfassen und der Realit&#228;t und hypothetisch auch zwischen den f&#252;r Berufssch&#252;ler:innen relevanten Inhalten und den Anforderungen im DSD I Pro. Ausgehend von diesen Diskrepanzen zeigte die Fallanalyse, dass eine Person, die nach einer Erwerbsdauer von knapp zwei Jahren solide schulische Leistungen zeigt und auf den mittleren Schulabschluss zuarbeitet, das B1-Zielniveau verfehlt. Obgleich die Fallanalyse keinerlei Generalisierung zul&#228;sst, ist sie ein Hinweis auf eine &#252;bergeordnete Problematik: Es ist unklar, was das DSD I Pro im Allgemeinen und die Schreibaufgabe im Besonderen eigentlich misst. Solange dies unklar ist, muss die berechtigte Frage aufgeworfen werden, welchen Nutzen das DSD I Pro im Kontext der Beschulung und Qualifizierung neu zugewanderter Jugendlicher eigentlich hat.</p>
<p>Die Frage nach dem Nutzen ist vor dem Hintergrund, dass das DSD I Pro ausschlie&#223;lich f&#252;r zugewanderte Jugendliche sowie speziell f&#252;r solche in Vorbereitungsklassen vorgesehen ist, besonders problematisch. Angesichts des Umstands, dass diese Jugendlichen besonders selten den &#220;bergang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt schaffen (s. Kap. 2), gewinnt diese Frage an Brisanz. Sehr grunds&#228;tzlich steht eine schl&#252;ssige Begr&#252;ndung dazu aus, warum nur eine bestimmte Gruppe von Sch&#252;ler:innen einen Sprachtest abzulegen hat. Auch f&#252;r diese Sch&#252;ler:innen gilt, dass ein berufsqualifizierender Abschluss als Standardvoraussetzung f&#252;r die Aufnahme einer (dualen) Ausbildung fungiert. &#220;bergeordnetes Ziel sollte es also sein, neu zugewanderte Jugendliche zu berufsqualifizierenden Abschl&#252;ssen zu f&#252;hren. Ein solcher Abschluss ist ohne entsprechende Sprachkompetenzen kaum zu bekommen, weshalb er f&#252;r sich bereits berufsorientierte Deutschkenntnisse belegt. Eine zus&#228;tzliche Sprachpr&#252;fung braucht es hier nicht. Einwenden lie&#223;e sich hier, dass viele Zugewanderte keinen Abschluss erreichen und dann zumindest ein Sprachzertifikat vorweisen k&#246;nnen, um ihre Chancen auf dem Bewerbungsmarkt zu verbessern. Ein solcher Einwand hat mehrere Fallstricke: Zum einen wird in einer solchen Argumentation eine Sprachpr&#252;fung einem berufsqualifizierenden Schulabschluss nahezu gleichgesetzt. Wer keinen Abschluss vorweisen kann, so die Logik, zeigt stattdessen ein B1-Zertifikat vor. Dies kommt einer Entwertung formaler Bildungsabschl&#252;sse nahe. Zum anderen finden wir, wie so oft in Integrationsdebatten, eine Verk&#252;rzung von Kompetenz auf Sprache. Denn empfohlen wird ja nicht, bei fehlenden Abschl&#252;ssen andere Ressourcen (wie zum Beispiel informelle Berufs-/Praxiserfahrungen) zur Einsch&#228;tzung der Eignung zugrunde zu legen, sondern diese Einsch&#228;tzung ausschlie&#223;lich auf Sprache im Allgemeinen und eine spezifische Pr&#252;fung im Besonderen zu begrenzen. Mit Blick auf die in Kap. 3.1 und 3.2 diskutierten Punkte erfolgt sogar eine weitere Verk&#252;rzung: Das Erreichen des B1-Niveaus steht und f&#228;llt mit dem Abschneiden im Bereich der schriftlichen Kommunikation und damit mit einem Kompetenzbereich, der f&#252;r zahlreiche Ausbildungsberufe eine eigentlich untergeordnete Rolle spielt (und der h&#246;chstwahrscheinlich <italic>w&#228;hrend</italic> und nicht <italic>vor</italic> der Ausbildung ausgebaut wird). Der Frage nach dem Nutzen des DSD I Pro sind wir also noch immer nicht n&#228;hergekommen. Zu bedenken ist zudem, dass diejenigen, die das B1-Niveau erreichen, eher nicht zu unterst&#252;tzungsbed&#252;rftigen Zugewanderten geh&#246;ren (dies legen Daten zum <italic>Deutschtest f&#252;r Zuwanderer</italic> nahe, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B62">Schroeder/Zakharova 2015</xref>).</p>
<p>Die Analyse und Argumentation sollten deutlich gemacht haben, dass weder aus schulischer noch aus individueller Sicht klar ist, welche Zielsetzung mit dem Einsatz des DSD I Pro im Inland verfolgt wird. Was als Grund f&#252;r das Festhalten am DSD I Pro bleibt, ist deshalb ern&#252;chternd. Wie die meisten Sprachtests, die im Kontext von Migration und Integration eingesetzt werden, erf&#252;llt es vor allem die Rolle eines <italic>gatekeepers</italic>. Das DSD I Pro harrt aktuell genauso einer empirischen Validierung (u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Gamper/Steinbock 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B71">Wisniewski et al. 2020</xref>) wie die teils willk&#252;rlich gew&#228;hlten GeR-Niveaustufen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B70">Wisniewski 2018</xref>). Wenn auch sprachstandsmessende Verfahren nicht durchg&#228;ngig als Zugangsvoraussetzung fungieren und vielerorts durch subjektive Einsch&#228;tzungen zur &#220;bergangseignung ersetzt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Gamper/R&#246;ttger/Steinbock/Falk 2020: 420</xref>), ist allein das Bem&#252;hen, Zweitsprachaneignung als Gradmesser f&#252;r Integration anzusetzen, dem Diktum &#8218;Integration durch Sprache&#8216; verhaftet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Bommes 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B55">Plutzar 2008</xref>). De facto fungieren Sprachnachweise f&#252;r Zugewanderte somit in besonderem Ma&#223;e als zus&#228;tzliche <italic>gatekeeper</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B50">McNamara 2000</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B64">Shohamy 2001</xref>) und als Bedingung sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B59">Ryan 2016</xref>). Angelehnt an Konzepte der durchg&#228;ngigen Sprachbildung, die letztlich eine Verzahnung formeller und informeller Lernorte mit implizieren, sollten jedoch grade berufsbezogene Sprachkenntnisse berufsbegleitend auf- und ausgebaut werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Daase 2021c</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B37">Granato/Neises/Bethscheider/Garbe-Emden/Junggeburth/Prakopchyk/Raskopp 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B63">Settelmeyer et al. 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B68">Weber 2018</xref>).</p>
<p>Um die im Beitrag formulierten Hypothesen &#252;berpr&#252;fen und die aus Sicht der Verantwortlichen sicherlich als Vorwurf wahrgenommene Einstufung, das DSD I Pro fungiere als <italic>gatekeeper</italic>, ggf. entkr&#228;ften zu k&#246;nnen, br&#228;uchte es grundlegender Forschung dazu, welchen Nutzen das DSD I Pro f&#252;r Zugewanderte letztlich hat. Zum einen muss hier gepr&#252;ft werden, ob es tats&#228;chlich in der Lage ist, prognostische Validit&#228;t f&#252;r sich beanspruchen und berufsorientierte Deutschkenntnisse zertifizieren zu k&#246;nnen. Hierzu bedarf es einer Pr&#252;fung der g&#228;ngigen Testg&#252;tekriterien, mit einem besonderen Fokus auf der Validit&#228;t des Verfahrens. Zum anderen w&#228;re von Nutzen, ausbildende Betriebe dazu zu befragen, ob sie tats&#228;chlich einen Sprachnachweis heranziehen, um &#252;ber die Vergabe von Ausbildungspl&#228;tzen zu entscheiden. Die aktuelle Lage gibt jedoch wenig Anlass zur Hoffnung, dass ein bildungspolitisches Interesse an solchen ergebnisoffenen Forschungsprojekten besteht. Realistisch betrachtet wird am DSD I Pro festgehalten, trotz fehlender Erkenntnisse zu Nutzen und Zweck. Mit dieser Perspektive bleibt deshalb v.a. der Appell, den Austausch mit Forschenden aus dem Bereich der Migration mit dem Schwerpunkt Neuzuwanderung, aus der beruflichen Bildung und der Testforschung zu suchen, um die Gesamtkonzeption des DSD I Pro zu &#252;berdenken. Eine Anpassung der Schreibaufgabe an den tats&#228;chlichen Bedarfen neu zugewanderter Sch&#252;ler:innen mit dem Ziel, berufsorientierte Kenntnisse zu erfassen, w&#228;re prinzipiell m&#246;glich, wenn eine konzeptionelle Modifikation des DSD I Pro in Erw&#228;gung gezogen w&#252;rde. Eine solche &#214;ffnung seitens der Entwickler:innen und Evaluator:innen w&#228;re in hohem Ma&#223;e begr&#252;&#223;enswert.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Sog. Potentialanalysen (z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B6">BIBB 2018</xref>) sollen zwar Mismatches reduzieren, sind jedoch bisher nur punktuell zu finden. Eine Evaluation entsprechender Ma&#223;nahmen in Hinblick auf ihren Erfolg steht zudem noch aus.</p></fn>
<fn id="n2"><p>vgl. hierzu eine online verf&#252;gbare Pr&#228;sentation der ZfA als Orientierung f&#252;r die Unterrichtsplanung: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.auslandsschulwesen.de/SharedDocs/Downloads/Webs/ZfA/DE/DSD/DSDIPRO/Informationen_fuer_den_Unterricht/HinfuehrungDSDIPRO.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8">https://www.auslandsschulwesen.de/SharedDocs/Downloads/Webs/ZfA/DE/DSD/DSDIPRO/Informationen_fuer_den_Unterricht/HinfuehrungDSDIPRO.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=8</ext-link> (18.01.2024).</p></fn>
<fn id="n3"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-I-PRO/dsd-i-pro_node.html">https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-I-PRO/dsd-i-pro_node.html</ext-link> (25.09.2023).</p></fn>
<fn id="n4"><p><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-Inland/dsd-inland_node.html">https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-Inland/dsd-inland_node.html</ext-link> (18.04.2023).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Angefragt wurden Ende 2021 alle elf Bundesl&#228;nder, in denen das DSD I Pro eingesetzt wird. Sechs davon haben auf die Anfrage nicht reagiert, zwei haben sie (ohne Begr&#252;nung) abgelehnt und bei einem wird die Anfrage bis heute gepr&#252;ft.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Die Themenfelder lassen sich bisher ausschlie&#223;lich auf Basis der von der ZfA zur Verf&#252;gung gestellten Modells&#228;tze rekonstruieren, die wiederum &#246;ffentlich hier einsehbar sind: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-I-PRO/dsd-i-pro_modellsaetze.html">https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-I-PRO/dsd-i-pro_modellsaetze.html</ext-link> (18.01.2024).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Die Arbeitsanweisungen sind i.d.R. identisch, variiert wird lediglich das Thema (vgl. hierzu die entsprechenden Modells&#228;tze: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-I-PRO/dsd-i-pro_modellsaetze.html?nn=52198">https://www.auslandsschulwesen.de/Webs/ZfA/DE/Deutsch-lernen/DSD/DSD-I-PRO/dsd-i-pro_modellsaetze.html?nn=52198</ext-link> (25.09.2023).</p></fn>
<fn id="n8"><p>vgl. auch hier die Modells&#228;tze des BAMF: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Integration/Berufsbezsprachf-ESF-BAMF/BSK-Konzepte/b1-modelltest-bsk.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3">https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Integration/Berufsbezsprachf-ESF-BAMF/BSK-Konzepte/b1-modelltest-bsk.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=3</ext-link> (18.01.2024).</p></fn>
<fn id="n9"><p>Aus Datenschutzgr&#252;nden wird hier nur ein Teil der Metadaten angef&#252;hrt. Angaben zum Bundesland, zur Region, zur Schule, zum Alter sowie zur Herkunftssprache liegen der Verfasserin vor, werden hier jedoch aus Datenschutzgr&#252;nden nicht berichtet, weil eine Reanonymisierung sonst nicht ausgeschlossen w&#228;re. Der Text sowie die sch&#252;ler:innenbezogenen Hintergrundinformationen wurden der Verfasserin (vollst&#228;ndig anonymisiert) mitsamt weiterer Sch&#252;ler:innentexte, die im Rahmen einer DSD I Pro-Pr&#252;fung im Fr&#252;hjahr 2022 entstanden sind, von einer Lehrkraft zu Analysezwecken zur Verf&#252;gung gestellt. Um sowohl die Lehrkraft als auch die zust&#228;ndige Beh&#246;rde zu sch&#252;tzen (dies ist mit Blick auf den fast schon klandestinen Umgang mit den Pr&#252;fungsdaten unumg&#228;nglich), k&#246;nnen an dieser Stelle keine weiterf&#252;hrenden Informationen zur Datenherkunft gemacht werden.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Transkriptionskonventionen nach HIAT (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B56">Rehbein et al. 2004</xref>).</p></fn>
<fn id="n11"><p>Da umfassende Grundlagenstudien zu Erwerbsverl&#228;ufen und -geschwindigkeiten bei neu zugewanderten Jugendlichen im Kontext des schulisch induzierten Spracherwerbes bisher fehlen, l&#228;sst sich nicht sagen, mit welchen durchschnittlichen Sprachkompetenzen im Einzelfall zu rechnen w&#228;re. Jedoch kann Czinglar (<xref ref-type="bibr" rid="B12">2018</xref>) zeigen, dass die Erwerbsgeschwindigkeit im Jugendalter enorm variiert, zumindest was den Erwerb basaler Verbstellungsstrukturen angeht. Besonders langsame Lerner:innen ben&#246;tigen hier mehr als 18 Monate, um zum Beispiel die Verbklammer zielsprachlich zu gebrauchen. Auch wenn Czinglars Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf den vorliegenden Lernkontext &#252;bertragbar sind (weil sie v.a. den ungesteuerten und m&#252;ndlichen Zweitspracherwerb erfassen), lassen sie den vorsichtigen Schluss zu, dass die Erwerbsgeschwindigkeit der Person im Fallbeispiel recht hoch, wenn nicht gar &#252;berdurchschnittlich hoch ist.</p></fn>
</fn-group>
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<title>Literatur</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="webpage"><collab>Autorengruppe Bildungsberichterstattung</collab> (<year>2020</year>): <source>Bildung in Deutschland 2020: Ein indikatorengest&#252;tzter Bericht mit einer Analyse zu Bildung in einer digitalisierten Welt</source>. <publisher-loc>Bielefeld</publisher-loc>. <uri>https://www.bildungsbericht.de/de/bildungsberichte-seit-2006/bildungsbericht-2020/pdf-dateien-2020/bildungsbericht-2020-barrierefrei.pdf</uri> (18.04.2023).</mixed-citation></ref>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Jana Gamper</bold> ist Professorin f&#252;r Deutsch als Zweitsprache mit dem Schwerpunkt gesteuerter Zweitspracherwerb an der Justus-Liebig-Universit&#228;t Gie&#223;en. Zu ihren Forschungsschwerpunkten geh&#246;ren der Zweitspracherwerb und der Sprachausbau bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kontext des schulischen Lernens (insbesondere in Vorbereitungsklassen), die Sprachstandsdiagnostik f&#252;r zugewanderte Lerner:innen an Schulen sowie die Entwicklung curricularer Grundlagen f&#252;r Neuzugewanderte.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Justus-Liebig-Universit&#228;t Gie&#223;en</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Otto-Behaghel-Stra&#223;e 10d</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">35394 Gie&#223;en</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:Jana.Gamper@germanistik.uni-giessen.de">Jana.Gamper@germanistik.uni-giessen.de</ext-link></styled-content></p>
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