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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Praxisbericht</subject>
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<article-title>Generative KI-Tools: Die Zukunft des kreativen Lernens</article-title>
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<surname>Ci&#281;&#380;ka</surname>
<given-names>Agnieszka</given-names>
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<email>agnieszka.ciezka@uni-rostock.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Agnieszka Ci&#281;&#380;ka, Sprachenzentrum, Universit&#228;t Rostock, Ulmenstr. 69, Haus 1</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-03-27">
<day>27</day>
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<year>2024</year>
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<year>2024</year>
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<copyright-year>2024</copyright-year>
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<license-p>CC BY 4.0 International - Creative Commons, Namensnennung. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>Der Einsatz von generativen Werkzeugen der k&#252;nstlichen Intelligenz (KI) im Fremdsprachenunterricht wie dem DaF wird aktuell heftig diskutiert. W&#228;hrend manche diese Werkzeuge als das Ende der menschlichen Kreativit&#228;t im Lernprozess betrachten, sehen andere ein gro&#223;es Potenzial zur F&#246;rderung des kritischen Denkens und zur St&#228;rkung der kreativen F&#228;higkeiten, die f&#252;r den Prozess des Sprachenlernens essenziell sind. In diesem Beitrag wird der Standpunkt vertreten, dass die generative KI das Sprachenlernen in einer Vielzahl von Bereichen unterst&#252;tzen kann. Es werden didaktische Vorschl&#228;ge skizziert, die darauf abzielen, das F&#246;rderpotenzial generativer KI-Werkzeuge im Fremdsprachenunterricht aufzuzeigen und die ver&#228;nderte Rolle der Lehrkr&#228;fte in diesem Kontext zu beleuchten.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>Generative AI tools: The future of creative learning</bold></p>
<p>The use of generative artificial intelligence (AI) tools in foreign language education, such as in German as a Foreign Language (GFL), is currently a hot topic of discussion. While some view these tools as the end of human creativity in the learning process, others see great potential in promoting critical thinking and enhancing creative skills, which are essential for the process of language learning. This article argues that generative AI can support language learning in a variety of areas. It outlines pedagogical proposals aimed at demonstrating the potential benefits of generative AI tools in foreign language education and illuminating the changing role of teachers in this context.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>kreatives Lernen</kwd>
<kwd>problembasiertes Lernen</kwd>
<kwd>generative k&#252;nstliche Intelligenz</kwd>
<kwd>Fremdsprachenunterricht</kwd>
<kwd>Deutsch als Fremdsprache (DaF)</kwd>
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<kwd>creative learning</kwd>
<kwd>problem-based learning</kwd>
<kwd>generative artificial intelligence</kwd>
<kwd>foreign language teaching</kwd>
<kwd>German as a Foreign Language (GFL)</kwd>
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<sec>
<title>1 Einf&#252;hrung</title>
<p>Das Erlernen von Sprachen ist ein komplexer und vielschichtiger Prozess, der weit &#252;ber das Erlernen von Vokabular und Grammatik hinausgeht. Es handelt sich um einen tiefgreifenden, kreativen Vorgang, der nicht nur ein breites Spektrum an sprachlichen F&#228;higkeiten umfasst, sondern auch eine Vielzahl von Kompetenzen voraussetzt und im Umkehrschluss auch st&#228;rkt. Diese umfassen Methodenkompetenz, soziale und kommunikative F&#228;higkeiten sowie Medienkompetenz. Gerade im Kontext des Fremdsprachenunterrichts sind diese F&#228;higkeiten von zentraler Bedeutung, da sie den Lernenden erm&#246;glichen, sich aktiv und effektiv mit der neuen Sprache auseinanderzusetzen und sie in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden. Im Rahmen des problembasierten Lernens im Fremdsprachenunterricht werden diese Kompetenzen gezielt entwickelt und gest&#228;rkt. Sie bilden das Fundament f&#252;r einen erfolgreichen Spracherwerb und sind zugleich Schl&#252;sselqualifikationen in unserer digital gepr&#228;gten Welt. Die Methodenkompetenz erm&#246;glicht es den Lernenden, effektive Lernstrategien zu entwickeln und anzuwenden, w&#228;hrend die sozialen und kommunikativen F&#228;higkeiten f&#252;r die Interaktion in der Zielsprache unerl&#228;sslich sind. Die Medienkompetenz wiederum spielt eine immer wichtigere Rolle, da digitale Medien zunehmend in den Sprachlernprozess integriert werden. Die Beherrschung dieser Kompetenzen ist somit nicht nur f&#252;r den allgemeinen Bildungserfolg entscheidend, sondern insbesondere f&#252;r das Erlernen und die Anwendung neuer Sprachen.</p>
<p>Mit der fortschreitenden Automatisierung und dem Aufkommen disruptiver Technologien wie der k&#252;nstlichen Intelligenz (KI) entstehen neue Herausforderungen und Chancen im Bereich des Sprachenlernens. KI-Modelle wie ChatGPT3.5 von OpenAI zeigen, dass die generative KI<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> nicht nur routinebasierte Aufgaben &#252;bernehmen, sondern auch weitaus komplexere Prozesse bew&#228;ltigen kann (s. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F2">2</xref> sowie Kap. 2). Dies legt nahe, dass ihr Einsatz in kreativen Bereichen wie dem Sprachenlernen von gro&#223;er Bedeutung sein k&#246;nnte. So kann sie eine neue Dynamik in den Fremdsprachenunterricht bringen, indem sie personalisierte Lernerfahrungen bietet und den Lernprozess durch vielf&#228;ltige, anpassungsf&#228;hige Inhalte bereichert. Gleichzeitig wirft die Integration der generativen KI in den Spracherwerb Fragen bez&#252;glich der Rolle und des Potenzials dieser Technik in der F&#246;rderung kreativer F&#228;higkeiten auf.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Von generativer k&#252;nstlicher Intelligenz &#252;ber DALL-E erstellte Bilder (ChatGPT4: A; Canva: B; bing: C, D)</p>
</caption>
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</fig>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Von ChatGPT3.5 generiertes Gedicht zum Thema &#8216;Sternenhimmel im Sommer&#8217;</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3722_ciezka-g2.png"/>
</fig>
<p>Dieser Beitrag widmet sich der Untersuchung des Einflusses der generativen KI auf den kreativen Prozess des Sprachenlernens. Es wird er&#246;rtert, wie KI-Tools wie ChatGPT3.5 die Schl&#252;sselkompetenzen f&#252;r das Sprachenlernen wie Methodenkompetenz, soziale und kommunikative F&#228;higkeiten sowie allgemeine Sprachfertigkeiten im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts beeinflussen k&#246;nnen. In der vorliegenden Betrachtung wird zun&#228;chst die fundamentale Fragestellung er&#246;rtert, ob und inwiefern die generative KI menschliche Kreativit&#228;t im Allgemeinen erg&#228;nzen, unterst&#252;tzen oder gar ersetzen kann, wie es beispielsweise durch die in <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref> pr&#228;sentierten &#8218;Fotografien&#8216;(A, B) und &#8218;Kunstwerke&#8216; (C, D) sowie durch das von ChatGPT3.5 erzeugte Gedicht in <xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref> illustriert wird. Dieser Artikel leitet somit die keimende und umfassende Diskussion &#252;ber die Chancen und Herausforderungen ein, die generative KI-Modelle im Bereich des Fremdsprachenunterrichts mit sich bringen. Er beleuchtet die sich wandelnde Landschaft des Sprachenlernens im digitalen Zeitalter, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf generativen KI-Modellen wie ChatGPT liegt.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Ausgangslage</title>
<p>Die KI hat sich als eine disruptive Technologie etabliert, die die F&#228;higkeit besitzt, ganze Branchen grundlegend zu ver&#228;ndern, darunter auch den Bildungsbereich (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 684</xref>). Im Bereich des Sprachenlernens sind diese Technologien nicht v&#246;llig neu. Eine der konkreten KI-Anwendungen in diesem Feld sind Plattformen wie Duolingo aus dem Jahr 2021. Duolingo verwendet automatische Spracherkennung (Automatic Speech Recognition, ASR) und nat&#252;rliche Sprachverarbeitung (Natural Language Processing, NLP) und integriert dar&#252;ber hinaus Spielmechanismen (&#8218;Gamification-Technik&#8216;), wie von Kannan und Munday (<xref ref-type="bibr" rid="B26">2018: 24</xref>) beschrieben. Die Duolingo-Plattform kann die Lernmotivation durch Wettbewerb und Einbindung in eine Gemeinschaft erh&#246;hen (vgl. ebd.). Das KI-gest&#252;tzte Tool Busuu (2021) erm&#246;glicht nicht nur das Vokabeltraining, sondern auch die Erstellung eines Lernplans und den Austausch in einer Gemeinschaft (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 685</xref>). Speexx (2021) bietet dahingegen KI-L&#246;sungen f&#252;r betriebliches Sprachtraining (vgl. ebd.). Mysimpleshow (2021), das keine reine Sprachlernsoftware darstellt, eignet sich f&#252;r spezielle Unterrichtsszenarien, etwa zum Erarbeiten von koh&#228;renten Texten durch Strukturvorlagen, zur Aussprachepraxis durch integrierte Aufnahmefunktion und zum Wortschatzlernen durch lexikalische Assoziationen mit entsprechenden Bildern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B56">Strasser 2020: 4</xref>). Mittels KI und der Verarbeitung von umfangreichen Daten der Nutzer*innen wird ein adaptives Lernen erm&#246;glicht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Kannan/Munday 2018: 24&#8211;25</xref>). Plattformen wie MOOCs (Massive Open Online Course) sammeln gro&#223;e Mengen an Daten, die dazu dienen, Lernziele, Engagement und Ergebnisse zu optimieren (vgl. ebd.: 25). Intelligente tutorielle Systeme (Intelligent Tutoring Systems, ITS) verwenden ebenfalls die KI, um individuelle Betreuung zu simulieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Pokrivcakova 2019: 143</xref>). Auch KI-gest&#252;tzte Schreib- und Grammatikassistenztools unterst&#252;tzen im Schreibprozess, etwa bei der Fehlerkorrektur oder mit Lernempfehlungen (vgl. ebd.: 141). Einen solchen Dienst, der Rechtschreibung und Grammatik pr&#252;ft, bietet z.B. Microsoft (2021) an (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 686</xref>). Andere &#228;hnliche Tools sind Grammarly, LanguageTool, Linguix, ProWritingAid, Textio (vgl. ebd.), DeepL Write und Writefull. Schlie&#223;lich nutzen maschinelle &#220;bersetzungssysteme (Machine Translation, MT) wie DeepL Translate ebenfalls die KI (vgl. ebd.). Viele Studien untersuchen ihren Einsatz im Sprachenlernen und die Meinungen von Lernenden und Lehrenden dazu (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B17">Garcia/Pena 2011</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Ni&#241;o 2008</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B39">2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B53">Steding 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B60">White/Heidrich 2013</xref>). Briggs (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2018</xref>) fand heraus, dass viele Englischlernende diese Werkzeuge nutzen, trotz Skepsis bez&#252;glich ihrer Genauigkeit. Lee (<xref ref-type="bibr" rid="B34">2019</xref>) betont positive Effekte dieser Tools auf Schreibstrategien und Reflexion der Lernenden. Dar&#252;ber hinaus bereichern KI-basierte Chatbots, wie von Haristiani (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2019: 1</xref>) hervorgehoben, den Fremdsprachenunterricht, indem sie realit&#228;tsnahe kommunikative Szenarien (d.h. Dialoge als Text oder Audio) f&#252;r die Lernenden schaffen. Laut einer Studie von Haristiani (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2019</xref>) zeigen Lernende Interesse an der Nutzung von Chatbots wegen ihrer zeitlichen und r&#228;umlichen Flexibilit&#228;t und weil sie sich beim Sprachenlernen mit ihnen selbstsicherer f&#252;hlen als mit menschlichen Tutor*innen. Einige KI-gest&#252;tzte Chatbots zum Sprachenlernen sind Lanny, Magiclingua, Memrise, Mondly und Rosetta Stone, die haupts&#228;chlich f&#252;r das Erlernen einer einzelnen Sprache konzipiert sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 685</xref>).</p>
<p>Der 30. November 2022 markierte einen Durchbruch im Bereich der automatisierten Textgenerierung. Das US-Unternehmen OpenAI pr&#228;sentierte einen dialogorientierten Chatbot namens ChatGPT3.5, basierend auf dem Sprachmodell GPT-3 und trainiert mit einer gro&#223;en Datenmenge von hunderten Milliarden von W&#246;rtern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Luber 2023</xref>). Die rasante Akzeptanz dieses Tools zeigte sich darin, dass es innerhalb von nur f&#252;nf Tagen eine Million Nutzer*innen gewann, im Gegensatz zu Plattformen wie Netflix oder Twitter, die Jahre f&#252;r eine solche Reichweite ben&#246;tigten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Brandt 2023</xref>). ChatGPT3.5 beeindruckt durch seine Vielseitigkeit: Es ist nicht nur mehrsprachig, sondern kann auch eine Vielzahl von Aufgaben erf&#252;llen, von der Beantwortung von Fragen &#252;ber das Verfassen von Gedichten und Fachtexten bis hin zur &#220;bersetzung und Korrektur von Texten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Luber 2023</xref>). Dar&#252;ber hinaus beherrscht ChatGPT die Ausgabe und Korrektur von Programmcode, indem er Codezeilen in verschiedenen Programmiersprachen generiert oder Fehler in bestehendem Code findet (vgl. ebd.). Angesichts solcher F&#228;higkeiten entbrannte schnell eine Diskussion &#252;ber die Implikationen dieser generativen KI f&#252;r die menschliche Kreativit&#228;t. Im Kontext des Fremdsprachenunterrichts, in dem Sprachenlernen als kreativer Prozess im Mittelpunkt steht, ergeben sich interessante Chancen und Anwendungsszenarien. Die generativen KI-Werkzeuge k&#246;nnten das projektgest&#252;tzte Sprachenlernen bereichern und optimieren, die Erstellung von Portfolios begleiten und zur Verbesserung der Sprech- und Schreibkompetenzen beitragen, indem sie den Lernenden erlauben, auf innovative und interaktive Weise mit der Sprache zu experimentieren und zu interagieren (s. Kap. 4 und 5). Obwohl der Einsatz von generativen KI-Werkzeugen wie ChatGPT3.5 vielversprechende M&#246;glichkeiten zur Verbesserung der Qualit&#228;t der Fremdsprachenausbildung birgt, bestehen jedoch gewisse Herausforderungen und Bedenken, die im Weiteren in Anlehnung an Luber (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2023</xref>) kurz er&#246;rtert werden. Ein Aspekt ist, dass ChatGPT3.5 auf Trainingsdaten bis 2021 basiert und daher keinen Bezug zur aktuellen Realit&#228;t hat. Dies wirft Fragen bez&#252;glich der Aktualit&#228;t und Zug&#228;nglichkeit der generierten Inhalte auf. Ein weiterer Aspekt ist, dass ChatGPT3.5 gelegentlich falsche Aussagen erzeugen kann (es handelt sich um das sogenannte &#8218;Halluzinieren&#8216;), was insbesondere f&#252;r unerfahrene Nutzer*innen und anf&#228;ngliche Lernende einer Fremdsprache problematisch sein kann, da diese ganz leicht irregef&#252;hrt werden k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus zeigt es ein mangelndes oder gar kein Verst&#228;ndnis von Ironie, was in der Sprachausbildung ein kritisches Element sein kann. Die Tendenz, plausible, aber falsche Informationen zu liefern, kann den Lernprozess weiter beeintr&#228;chtigen. Es mangelt auch an Transparenz in Bezug auf die Informationsquellen f&#252;r seine Antworten, und es besteht die Gefahr unangemessener Interaktionen aufgrund von unzureichenden Schutzmechanismen. Wiederholte Informationen in l&#228;ngeren Antworten k&#246;nnen den Lernprozess st&#246;ren, und die Voreingenommenheit in den Antworten, die aus dem in den Trainingstexten enthaltenen Bias resultiert, stellt eine weitere Herausforderung dar. Schlie&#223;lich sind viele urheberrechtliche Fragen im Zusammenhang mit von der KI erstellten Inhalten noch ungekl&#228;rt, was rechtliche Komplikationen mit sich bringen kann.</p>
<p>Da die generative KI erst Ende 2022 ihren ma&#223;geblichen Durchbruch verzeichnete, liegen bisher keine etablierten und umf&#228;nglich evaluierten Unterrichtskonzepte vor, die ihre Anwendung integrieren. Es bleibt abzuwarten, inwiefern generative KI-Werkzeuge einen Paradigmenwechsel zum selbstorientierten Sprachenlernen erm&#246;glichen und den Fremdsprachenunterricht transformieren werden. In diesem Beitrag wird der Einsatz von der generativen KI als Chance f&#252;r den Spracherwerb betrachtet und untersucht, welche Einsatzbereiche der generativen KI sich f&#252;r den Fremdsprachenunterricht ergeben und wie der Prozess des Sprachenlernens dadurch gef&#246;rdert werden kann. Zun&#228;chst werden grundlegende Aspekte gekl&#228;rt, wie die Definition von Kreativit&#228;t, die Frage nach ihrer F&#246;rderung und Erlernbarkeit sowie der Zusammenhang zwischen der Kreativit&#228;t und dem Spracherwerbsprozess. Daraufhin werden vorhandene Belege f&#252;r den Einfluss von generativen Chatbots auf die menschliche Kreativit&#228;t untersucht. Anschlie&#223;end werden Schlussfolgerungen f&#252;r das Sprachenlernen abgeleitet und einige didaktische Vorschl&#228;ge pr&#228;sentiert, die das unterst&#252;tzende Potenzial von generativen KI-Werkzeugen wie ChatGPT im Fremdsprachenunterricht beleuchten. Abschlie&#223;end wird ein Unterrichtskonzept vorgestellt, welches eine projektbasierte Methodik f&#252;r den Fremdsprachenunterricht unter Einsatz von generativer KI in den Mittelpunkt stellt. Dieser Ansatz hebt nicht nur die Potenziale und Herausforderungen hervor, die sich aus der Integration von generativer KI in etablierte und moderne Unterrichtsmethoden ergeben, sondern beleuchtet auch die ver&#228;nderte Rolle der Lehrkr&#228;fte in einem zunehmend technologiegest&#252;tzten Lernumfeld.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Sprachenlernen als kreativer Prozess</title>
<p>Um den Einfluss der generativen KI auf das kreative Lernen im Bereich des Fremdsprachenunterrichts umfassend zu bewerten, ist es unerl&#228;sslich, zuerst die allgemeine Konzeption von Kreativit&#228;t zu kl&#228;ren und deren Bezug zum Prozess des Spracherwerbs zu begr&#252;nden.</p>
<p>Der Begriff <italic>Kreativit&#228;t</italic> wird im allt&#228;glichen Sprachgebrauch oft gem&#228;&#223; der klassischen psychologischen Definition verwendet. Dabei handelt es sich um die F&#228;higkeit, eine Idee zu generieren, die sowohl originell als auch n&#252;tzlich ist (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">Runco/Jaeger 2012: 92</xref>). Allerdings ist das Ph&#228;nomen der Kreativit&#228;t weitaus komplexer. Von Rhodes (<xref ref-type="bibr" rid="B44">1961: 307&#8211;310</xref>) werden ihre verschiedenen Aspekte genannt, darunter die kreative Person, das Umfeld/Klima, das Produkt und der Prozess. Nach Preiser (<xref ref-type="bibr" rid="B41">2011: 28&#8211;29</xref>) z&#228;hlt dazu au&#223;erdem bereits das kreative Problem. Preiser (<xref ref-type="bibr" rid="B41">2011: 28</xref>) erkl&#228;rt die Zusammenh&#228;nge zwischen den einzelnen Aspekten wie folgt:</p>
<disp-quote>
<p>Kreativit&#228;t vollzieht sich in einem geistigen Prozess, in dem ein spannungsgeladener Ausgangszustand in ein probleml&#246;sendes Ergebnis transformiert wird und bei dem eine denkende, handelnde oder gestaltende Person einerseits und eine f&#246;rdernde oder hemmende Umwelt andererseits zusammenwirken.</p>
</disp-quote>
<p>Der kreative Prozess, wie von Schuler und G&#246;rlich (<xref ref-type="bibr" rid="B50">2007: 30</xref>) dargelegt, entfaltet sich in einer Abfolge sorgf&#228;ltig differenzierter Stufen. Er beginnt mit der Entdeckung eines Problems, gefolgt von einer gezielten Informationssuche. Danach stehen die Verkn&#252;pfung verschiedener Konzepte sowie die Ideenfindung im Fokus. In den nachfolgenden Phasen wird der L&#246;sungsansatz sowohl ausgearbeitet als auch weiterentwickelt. Es schlie&#223;t sich die Bewertung der generierten Ideen an, welche die Grundlage f&#252;r deren Anpassung und Umsetzung bildet. Schlie&#223;lich m&#252;ndet der Prozess in der Implementierung der finalen L&#246;sung. Alle diese Phasen sind wesentlich, und erst ihre gemeinsame Durchf&#252;hrung bildet den vollst&#228;ndigen kreativen Prozess ab.</p>
<p>Folglich manifestiert sich Kreativit&#228;t als eine grunds&#228;tzliche F&#228;higkeit, die jedem Individuum innewohnt, und erm&#246;glicht es, diverse bereits bekannte Elemente in innovativen Kontexten zu kombinieren, wodurch Neuartiges und Bedeutsames f&#252;r den Einzelnen oder seine soziale Gruppe entsteht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Caspari 2003: 308&#8211;312</xref>). Wobei im didaktischen Kontext weniger das resultierende Produkt im Mittelpunkt steht als der kreative Prozess selbst, der die gesamte Bandbreite der Pers&#246;nlichkeit mobilisiert, einschlie&#223;lich kognitiver und affektiver F&#228;higkeiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Caspari 1994: 86&#8211;91</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B10">Caspari 2003: 308&#8211;309</xref>). Im Fremdsprachenunterricht, in Ankn&#252;pfung an die generelle Konzeption von Kreativit&#228;t, bedeutet dies einen produktiven Umgang mit Sprache und Texten, der zwischen Normerf&#252;llung und gezielter Ver&#228;nderung changiert, und bei dem die Interaktion eine zentrale Bedeutung einnimmt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">R&#252;ck 1997</xref>).</p>
<p>Genzlinger (<xref ref-type="bibr" rid="B18">1980: 14</xref>) definiert Kreativit&#228;t als einen facettenreichen Prozess, der zahlreiche Aktivit&#228;ten wie Entwickeln, Entdecken und Experimentieren einschlie&#223;t:</p>
<disp-quote>
<p>Kreativ ist jeder Vorgang selbstt&#228;tigen Entwickelns, Entdeckens, Findens, Experimentierens, Umdeutens, Umstrukturierens, Umkehrens, Andersmachens, Variierens, Transferierens, Assoziierens etc., wobei das jeweils neu Geschaffene lediglich im Selbstverst&#228;ndnis des Individuums als &#8218;neu&#8216; empfunden werden mu&#223;.</p>
</disp-quote>
<p>Obwohl Genzlingers Definition im Kontext des Fremdsprachenunterrichts sehr bekannt ist, konzentriert sie sich angesichts gewisser Einw&#228;nde zu sehr auf den facettenreichen Charakter des kreativen Prozesses (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Caspari 2003: 309</xref>). Dies wirft die Frage auf, inwiefern wichtige Aspekte des Fremdsprachenunterrichts, wie sprachliche Genauigkeit, kulturelles Verst&#228;ndnis oder kommunikative F&#228;higkeiten dabei Ber&#252;cksichtigung finden. Dennoch haben Genzlingers sowie Car&#233;s und Deybsers (<xref ref-type="bibr" rid="B8">1978</xref>) Vorschl&#228;ge zur Kreativit&#228;t im Fremdsprachenunterricht der 80er Jahre nicht nur zu zahlreichen praxisnahen Ideen gef&#252;hrt, sondern auch daf&#252;r gesorgt, dass neuere Lehrpl&#228;ne verst&#228;rkt kreative Ans&#228;tze ber&#252;cksichtigen (vgl. ebd.). Caspari (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2003: 309</xref>) erkl&#228;rt, dass dieser Schwerpunkt auf Kreativit&#228;t zus&#228;tzlich durch den anhaltenden Kreativit&#228;tsschub in der gesamten Gesellschaft propagiert wird. Ein zentrales Element dieser Entwicklung sind die Parallelen zwischen kreativen und Spracherwerbsprozessen: Das Erkennen von Problemen, das Testen von Thesen und die Anpassung bei Fehlkommunikation sind hierbei essenziell (vgl. ebd.). Das Sprachenlernen stellt sich folglich als ein kreativer Prozess heraus.</p>
<p>Das Erlernen von Sprachen gleicht nicht nur im Kern dem kreativen Prozess, sondern bezieht auch unmittelbar kreative Inhalte wie Textmaterialien, Bilder, Musik oder Theaterspiel in den Lehrplan ein, die als Stimuli f&#252;r kreative &#220;bungen dienen (vgl. ebd.: 309&#8211;310). Es wird also deutlich, dass kreative Produkte auch den Gegenstand des Fremdsprachenunterrichts bilden. Dar&#252;ber hinaus sind die von den Lernenden erstellten Produkte wie Theaterst&#252;cke, Projektergebnisse, Geschichten und Videos im Fremdsprachenunterricht oft selbst kreativ (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Brooke 2003</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B14">Elgar 2002</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B15">Eschbach 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B28">Kessler/Jauch 2011</xref>; Kieweg 1988; <xref ref-type="bibr" rid="B32">K&#252;ppers 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B48">Scherer 2004</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B52">Sommerfeldt 2005</xref>). Kreative Inhalte, ob als Stimuli oder Produkte des Fremdsprachenunterrichts, beg&#252;nstigen den Erwerb zentraler sprachlicher Fertigkeiten und bieten den Lernenden eine Plattform zur Interaktion sowie zur kulturellen Auseinandersetzung. So werden nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle und kreative Kompetenzen geschult, wodurch der Fremdsprachenunterricht zu einem ganzheitlichen Bildungserlebnis wird.</p>
<p>Innerhalb der Kreativit&#228;tsforschung manifestiert sich die Komplexit&#228;t des Begriffs <italic>Kreativit&#228;t</italic> jedoch nicht lediglich in verschiedenen Dimensionen, wie jenen des Produkts, des Prozesses, des Problems, der Person und des Umfelds, sondern ebenso in zahlreichen hierarchischen Ebenen. Im 4-C-Modell von Kaufmann und Beghetto (<xref ref-type="bibr" rid="B27">2009: 6&#8211;10</xref>) wird deutlich veranschaulicht, dass Kreativit&#228;t in diversen Sph&#228;ren und Auspr&#228;gungen zu beobachten ist. Die h&#246;chste Form der Kreativit&#228;t manifestiert sich im Modell als wegweisende Innovation und die Sch&#246;pfung bahnbrechender Erkenntnisse, die von renommierten und geachteten Schaffenden auf ihren jeweiligen Fachgebieten hervorgebracht werden &#8211; das &#8222;Big-C&#8220; (vgl. ebd.: 2). Des Weiteren umfasst das Modell auch die Dimension der professionellen Kreativit&#228;t, die beispielsweise in der Ver&#246;ffentlichung von feinen, m&#246;glicherweise mit einem regionalen Preis gekr&#246;nten Romanen oder der Entwicklung au&#223;ergew&#246;hnlicher kulinarischer Kreationen zum Ausdruck kommt, die &#252;ber das K&#246;nnen eines durchschnittlichen Hobbykochs hinausgehen &#8211; das &#8222;Pro-c&#8220; (vgl. ebd.: 4&#8211;6). Insbesondere aber erstreckt sich Kreativit&#228;t von intrapersonalen Aspekten der kreativen Entfaltung, beginnend mit individuellen Gedanken und Interpretationen, die bereits in der Kindheit ihren Ursprung finden &#8211; das sogenannte &#8222;mini-c&#8220; &#8211; bis hin zu den allt&#228;glichen, kleinen kreativen Leistungen, die in schulischen, beruflichen und h&#228;uslichen Umgebungen erbracht werden &#8211; das &#8222;little-c&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B27">Kaufmann/Beghetto 2009: 2&#8211;4</xref>). Die Veranschaulichung des 4-C-Modells wirft ein aufschlussreiches Licht auf die Parallelen zwischen der Kreativit&#228;t und dem Spracherwerb. So wie die Kreativit&#228;t in diversen Auspr&#228;gungen von der intrapersonalen Ebene (&#8222;mini-c&#8220;) bis hin zur wegweisenden Innovation (&#8222;Big-C&#8220;) reicht, durchl&#228;uft auch der Spracherwerb mehrere Stufen. Beispielsweise kann der anf&#228;ngliche Erwerb von Vokabeln und Grundgrammatik als eine Art &#8222;mini-c&#8220; des Sprachenlernens betrachtet werden, w&#228;hrend das flie&#223;ende Sprechen und das Verfassen komplexer Texte in einer Fremdsprache dem &#8222;Pro-c&#8220; entsprechen k&#246;nnten. Die F&#228;higkeit, Sprache in k&#252;nstlerischer und innovativer Weise zu nutzen, etwa in der Poesie oder im literarischen Schreiben, n&#228;hert sich dem &#8222;Big-C&#8220; an. Somit zeigt sich, dass sowohl die Kreativit&#228;t als auch der Spracherwerb facettenreiche Prozesse sind, die individuelle und fortgeschrittene Ebenen der Expertise umfassen.</p>
<p>Das oben erw&#228;hnte 4-C-Modell nach Kaufmann und Beghetto (<xref ref-type="bibr" rid="B27">2009</xref>) verdeutlicht, dass es unterschiedliche Ebenen der Kreativit&#228;t gibt. Dies impliziert auch, dass Kreativit&#228;t gef&#246;rdert und entwickelt werden kann. Um diese zu stimulieren, k&#246;nnen bestimmte generelle Techniken angewendet werden, die eine kreativit&#228;tsf&#246;rderliche Atmosph&#228;re schaffen und kognitive Prozesse erwecken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Preiser 2019: 212</xref>). Das sind zum Beispiel die Anregung und Aktivierung (bspw. durch die Impulsgebung, Offenheit und Neugierde), die zielgerichtete Motivierung (z.B. durch das Stellen von eigenen, echten Fragen) und die offene und vertrauensvolle Atmosph&#228;re (sie wird bspw. erreicht, indem die Lehrkraft eigene Fehler gesteht oder nicht den Anschein erweckt, alles zu wissen) (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B41">Preiser 2011: 34&#8211;35</xref>). Ein animierendes Arbeits- und Lernklima kann auch durch die Gestaltung von R&#228;umen und die Verwendung anregender Lernmaterialien erreicht werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Preiser 2019: 212</xref>). Es ist wichtig, dass Lernende Probleme eigenst&#228;ndig entdecken k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B57">Theurer 2015: 108</xref>). Die Rolle der Lehrperson in der Motivation der Lernenden ist nach Theurer (109) entscheidend. Auch die Unterrichtsmethoden sowie verwendeten Materialien sollten dabei aktivierend wirken (vgl. ebd.: 209). Um Kreativit&#228;t zu stimulieren sind ebenfalls offene und vertrauensvolle Interaktionen zwischen Lehrperson und Lernenden sowie unter den Lernenden selbst wichtig (vgl. ebd.: 111&#8211;112). Es ist dar&#252;ber hinaus unabdingbar, Freir&#228;ume zu schaffen, in denen die Ideen und Beitr&#228;ge der Lernenden bef&#252;rwortet werden und ihre individuellen Ideen umgesetzt werden k&#246;nnen (vgl. ebd.: 110&#8211;111).</p>
<p>Die Wichtigkeit der Kreativit&#228;tsf&#246;rderung, die im gesamten Bildungskontext hervorgehoben wurde, findet auch im Fremdsprachenunterricht ihre besondere Bedeutung. Denn die Auseinandersetzung mit einer neuen Sprache und Kultur ist von Natur aus ein kreativer Prozess. Der Schl&#252;ssel dazu liegt in der Art und Weise, wie Lehrpersonen diesen Unterricht gestalten und welche Techniken sie einsetzen. In diesem Zusammenhang beschreibt Caspari (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2003: 310</xref>) verschiedene Grundmuster der kreativen &#220;bungen, wie Erg&#228;nzungen, Hinzuf&#252;gen und Assoziationen, die sich gut f&#252;r den Fremdsprachenunterricht eignen. Wicke (<xref ref-type="bibr" rid="B61">2004: 49&#8211;196</xref>) betont ebenfalls die Bedeutung praktischer Methoden f&#252;r aktives, kreatives Sprachenlernen, fokussiert auf Projektunterricht und Freiarbeit, welche in der Didaktik des modernen Fremdsprachenunterrichts seit langer Zeit einen hohen Stellenwert haben (vgl. ebd.: 136). Die Projektarbeit st&#228;rkt n&#228;mlich nicht nur allgemeinsprachliche, sondern auch fachliche, methodische, soziale, pers&#246;nliche und medienbezogene Kompetenzen, die das Sprachenlernen als komplexen Prozess stark beeinflussen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Haus DaF im Beruf o.J.a: 199</xref>). F&#252;r kompetentes Handeln in Berufsfeldern sind die muttersprachlichen Kenntnisse, das Allgemein- und Fachwissen entscheidend (vgl. ebd.). Im handlungsorientierten, d.h. berufs- und studienspezifischen Fremdsprachenunterricht, wird deshalb neben berufsrelevantem Wortschatz auch ein tiefes Verst&#228;ndnis f&#252;r die Kultur des Landes vermittelt (vgl. ebd.). Dar&#252;ber hinaus werden passende Strategien und Techniken trainiert, die f&#252;r die Erlangung neuer F&#228;higkeiten, Kenntnisse und Sprachen unerl&#228;sslich sind. Dazu geh&#246;ren Ausgleichsstrategien, ein effektiver Umgang mit Hilfsmitteln, Organisationsf&#228;higkeit, das Bewusstsein f&#252;r eigene Fortschritte sowie effektive Kommunikation und Teamarbeit (vgl. ebd.). Insgesamt gesehen sind die genannten Kompetenzen nicht nur wertvolle F&#228;higkeiten an sich, sondern sie dienen auch als entscheidende Werkzeuge, die den Prozess des Sprachenlernens als einen kreativen Prozess erm&#246;glichen, intensivieren und effektivieren.</p>
<p>Zusammenfassend l&#228;sst sich sagen, dass jeder Lernprozess, so auch der Spracherwerb, einen kreativen Prozess darstellt, f&#252;r den die F&#228;higkeit zum kritischen Denken von zentraler Bedeutung ist (vgl. die einzelnen Phasen des kreativen Prozesses wie Informationssuche und deren Beurteilung, Ideenfindung und deren Bewertung, oder Kombination von Konzepten, deren Anpassung und Umsetzung). Somit ist Kreativit&#228;t im Fremdsprachenunterricht von essenzieller Bedeutung und kann durch gezielte Ma&#223;nahmen gef&#246;rdert werden. Eine f&#252;r Kreativit&#228;t, d.h. f&#252;r gelungene Lernprozesse, stimulierende Lernumgebung und Interaktion sind hierf&#252;r unerl&#228;sslich. Mit ad&#228;quaten Techniken lassen sich nicht nur der gesamte Lernprozess und das resultierende Produkt unterst&#252;tzen, sondern auch die individuelle Pers&#246;nlichkeitsentwicklung, welche im Bildungswesen ein &#252;bergeordnetes Ziel darstellt.</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Generative KI im Sprachlernprozess</title>
<p>Sp&#228;testens seit der Ver&#246;ffentlichung von ChatGPT3.5 entbrannte die Diskussion &#252;ber den Einfluss der generativen KI auf die menschliche Kreativit&#228;t. W&#228;hrend einige Quellen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Kirkpatrick 2023</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B59">White 2023</xref>) die Meinung vertreten, dass generative KI mangels Bezugs zur Realit&#228;t und zu Emotionen keine menschen&#228;hnliche Kreativit&#228;t erreicht, betonen andere Studien die F&#228;higkeit der generativen KI, durch die Rekombination von Wissen Neues zu schaffen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Haase/Hanel 2023: 9</xref>). Insbesondere im Bereich allt&#228;glicher Kreativit&#228;t konnten in der Studie von Haase und Hanel (<xref ref-type="bibr" rid="B19">2023</xref>) generative Chatbots menschliche Leistungsniveaus erreichen. In diesem Kontext keimten Bef&#252;rchtungen bez&#252;glich einer zu starken Abh&#228;ngigkeit von der generativen KI und einem m&#246;glichen Verlust menschlicher Kreativit&#228;tsf&#228;higkeiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Mohr 2022</xref>). Einige Autor*innen hingegen betonen auch das Potenzial der generativen KI, unterdurchschnittlich kreativen Menschen zu helfen, ihre Ideenfindung zu verbessern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Mollick 2023</xref>). Insbesondere die Studie von Shin, Kim, Van Opheusden und Griffiths (<xref ref-type="bibr" rid="B51">2023</xref>) zeigte, dass der Einsatz von generativer KI die menschliche Entscheidungsfindung optimieren und innovative Entwicklungen anregen kann. Nachdem das KI-Modell AlphaGo den Weltmeister in Go (ein schach&#228;hnliches Spiel aus China) besiegt hatte, begannen die Spieler*innen, mit generativer KI zu experimentieren und erlebten einen Anstieg sowohl in der Qualit&#228;t als auch in der Neuartigkeit ihrer Z&#252;ge (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B51">Shin et al. 2023: 5</xref>). Dies verdeutlicht, dass die generative KI in der Lage ist, als Instrument zur Steigerung der Kreativit&#228;t in unterschiedlichen Feldern, einschlie&#223;lich des Fremdsprachenunterrichts, zu dienen. Die Identifizierung von Problemen und die finale Verifikation obliegen weiterhin dem Menschen. Obwohl generative KI-Tools den Kreativprozess beg&#252;nstigen k&#246;nnen, wird die endg&#252;ltige kreative Ausgestaltung ma&#223;geblich von der interagierenden Person und ihrem Umfeld beeinflusst (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B19">Haase/Hanel 2023: 10</xref>). Weiterhin k&#246;nnen KI-Tools die kreative Pers&#246;nlichkeitsentwicklung unterst&#252;tzen, indem sie den kreativen Prozess in diversen Phasen st&#228;rken. So kann die generative KI beispielsweise bei der Informationsrecherche assistieren, bei der Fusion verschiedener Konzepte behilflich sein, den Ideenfindungsprozess durch strukturiertes Brainstorming optimieren und zur Ausarbeitung sowie Feinjustierung von L&#246;sungsans&#228;tzen beitragen. Auch bei der Bewertung von Ideen durch konstruktives Feedback und bei deren finaler Anpassung und Implementierung stellt sie ein wertvolles Werkzeug dar.</p>
<p>Ein reflektierter Umgang mit der generativen KI kann folglich die menschliche Kreativit&#228;t substanziell bereichern, indem sie den kreativen Workflow effizient gestaltet, das Innovationspotenzial entfaltet und durch die Automatisierung standardisierter Aufgaben Freir&#228;ume f&#252;r kreative Prozesse schafft. Dabei bleibt es von entscheidender Bedeutung, die individuellen F&#228;higkeiten in kritischem Denken und der Probleml&#246;sung kontinuierlich zu sch&#228;rfen, um eine &#252;berm&#228;&#223;ige Abh&#228;ngigkeit von KI-Instrumenten zu vermeiden. Die Initiierung eines Problems, die Validierung von Ideen sowie die intrinsische Motivation zur Auseinandersetzung mit Herausforderungen liegen nach wie vor im Verantwortungsbereich des Menschen, der in Interaktion mit der KI steht.</p>
<p>Im Kap. 3 wurde veranschaulicht, dass Sprachlernen ein kreativer Prozess ist. Vor diesem Hintergrund er&#246;ffnet der Einsatz der generativen KI im Fremdsprachenunterricht aussichtsreiche Perspektiven zur Unterst&#252;tzung des Sprachenlernens, die im Folgenden exemplarisch umrissen werden.</p>
<p>KI-gest&#252;tzte Modelle bergen das Potenzial, individualisierte Lernpfade zu vertiefen und den Spracherwerb und Sprachunterricht zu bereichern. F&#252;r die individuelle F&#246;rderung der kreativen Sprachentwicklung k&#246;nnen sich KI-Werkzeuge als n&#252;tzliche &#8222;Copiloten f&#252;r Lehre und Lernen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Romeike 2023</xref>) herausstellen. Dies ist insbesondere wichtig, da eine intensive Einzelbetreuung durch eine einzige Lehrkraft oft nicht m&#246;glich ist. Die generative KI kann auch bei der Erstellung passgenauer und variationsreicher Materialien dienen. Dies erm&#246;glicht es, Inhalte und &#220;bungen individuell auf die spezifischen Bed&#252;rfnisse und Interessen der Lernenden zuzuschneiden, was laut Caspari (<xref ref-type="bibr" rid="B11">2018</xref>) die Binnendifferenzierung vereinfacht und zu einer motivierenden und effektiven Lernumgebung beitragen k&#246;nnte. In seiner Pr&#228;sentation aus dem Jahr 2023 stellt Romeike die vielf&#228;ltigen Anwendungsm&#246;glichkeiten von ChatGPT im akademischen Kontext dar, der auch das Sprachenlernen umfasst. Zu den Einsatzszenarien z&#228;hlen das Umformulieren von Texten in gew&#228;hlten Stilarten, die Optimierung von Ausdrucksweise und Rechtschreibung, die Identifizierung von Synonymen und Metaphern sowie das &#220;bersetzen von Texten. Romeike (<xref ref-type="bibr" rid="B45">2023</xref>) f&#252;hrt in seinem Vortrag aus, dass die reflektierte Auseinandersetzung mit KI-generierten Inhalten zu einer ausgepr&#228;gten Fachkompetenz f&#252;hren kann. Dies beinhaltet auch eine tiefgehende und bewusste Besch&#228;ftigung mit sprachlichen Elementen in den zuvor erw&#228;hnten Anwendungsbereichen der generativen KI, was wiederum eine wesentliche Steigerung der Sprachkompetenz intensivieren kann. Durch das Erkennen, Reflektieren und Internalisieren linguistischer Strukturen mittels der generativen KI-Tools werden Lernende sukzessive in die Lage versetzt, sprachliche Konstrukte ad&#228;quat und selbst&#228;ndig zu bilden. Erg&#228;nzend dazu verweist Romeike auf die neurowissenschaftliche Erkenntnis, dass Menschen nat&#252;rlicherweise geschichtsbasiert lernen und auf ihr bestehendes Wissen aufbauen. Folglich sollten abstrakte Inhalte wie z.B. neue Vokabeln oder Redewendungen bildhaft oder metaphorisch aufbereitet werden, um das Lernpotenzial zu maximieren &#8211; eine Dom&#228;ne, in der ChatGPT besonders n&#252;tzlich sein kann. Bezugnehmend auf die in Kap. 3 beschriebenen kreativen &#220;bungen von Caspari (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2003: 310</xref>) kann ChatGPT genutzt werden, um Anfangsimpulse f&#252;r solche &#220;bungen zu geben, z.B. durch das Generieren von zuf&#228;lligen Wortlisten oder Satzanf&#228;ngen. Die KI kann auch als Inspirationsquelle dienen, indem sie Beispiele f&#252;r solche kreativen Aufgaben liefert, die die Lernenden selbstst&#228;ndig weiterentwickeln k&#246;nnen. Die generativen KI-Tools k&#246;nnen ebenfalls als interaktive Werkzeuge f&#252;r Gedankenreisen oder assoziative &#220;bungen eingesetzt werden, indem sie auf die Eingaben der Lernenden mit kreativen, themenbezogenen Antworten reagieren. Sie k&#246;nnen dabei helfen, die Lernenden dazu anzuregen, &#252;ber den gew&#246;hnlichen Rahmen hinaus zu denken und ihre Sprachf&#228;higkeiten in einem breiteren Kontext anzuwenden. Beispielsweise k&#246;nnte die Lehrkraft die Lernenden bitten, einem KI-Tool Fragen zum Thema Reisen zu stellen oder mit ihm in einen Dialog zu treten. Die Lernenden k&#246;nnten die KI fragen: Was sind ungew&#246;hnliche Orte, die man besuchen kann? oder &#8218;Erz&#228;hle eine Geschichte &#252;ber eine abenteuerliche Reise&#8216;. Die KI generiert daraufhin kreative, themenbezogene Antworten, die inspirieren und zum weiteren Nachdenken anregen. Diese Aktivit&#228;t ermutigt die Lernenden, &#252;ber Standardantworten hinauszugehen und sich tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie &#252;ben dabei, Fragen zu formulieren, erhalten vielf&#228;ltige sprachliche Inputs und k&#246;nnen ihre eigenen Antworten oder Geschichten basierend auf den Impulsen der KI entwickeln. Im Vergleich zu fr&#252;heren Chatbots und generativen KI-Tools wie InferKit, Blog Idea Generator, EssayBot und Artikelschreiber.com, die in ihrer Sprachvielfalt begrenzt waren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Hartmann 2019: 689</xref>), zeichnet sich ChatGPT3.5 durch seine F&#228;higkeit aus, Texte in diversen Sprachen zu generieren. Dies erweitert seine Einsatzm&#246;glichkeiten erheblich und macht es nahezu f&#252;r jeden Fremdsprachenunterricht geeignet.</p>
<p>Neben der F&#246;rderung der metasprachlichen und produktiven sprachlichen Entwicklung erm&#246;glichen KI-Tools wie ChatGPT den Lernenden, spezifische Lernpl&#228;ne f&#252;r Themen wie Passivbildung oder den Gebrauch von Pr&#228;positionen zu erstellen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">Romeike 2023</xref>). Die Lernenden k&#246;nnen auch Lernkarten f&#252;r den Vokabelaufbau entwickeln, verschiedene sprachliche Aspekte wie neue W&#246;rter, sprachliche Konstruktionen oder Pragmatik erkl&#228;ren und sprachliches Wissen durch das Stellen von Fragen und das Erhalten von Feedback &#252;berpr&#252;fen (vgl. ebd.). Diese Werkzeuge erm&#246;glichen es den Lernenden, den Lernstoff in sinnvolle Einheiten zu gliedern (&#8218;Chunking&#8216;) und somit ein blo&#223;es Auswendiglernen zu vermeiden, was neurologischen Prinzipien des Lernens folgt und ein tieferes Verst&#228;ndnis und bessere Behaltensleistungen beg&#252;nstigt (vgl. ebd.). Auf diese Weise kann der kreative Prozess des Sprachenlernens optimiert werden. In diesem Kontext k&#246;nnen Flipped-Classroom-Ans&#228;tze eine bedeutsame Rolle einnehmen. Durch die eigenst&#228;ndige Interaktion der Lernenden mit generativen KI-Tools vor dem eigentlichen Unterricht und den daraus resultierenden Ausbau ihres sprachlichen Wissens, wird die Grundlage f&#252;r eine effektivere und praxisorientiertere Anwendung dieser Kenntnisse im Unterricht selbst geschaffen.</p>
<p>Zus&#228;tzlich zur Generierung von vielf&#228;ltigen &#220;bungs- und Lernmaterialien, personalisierten Lernpl&#228;nen, Erkl&#228;rungen, Anregungen und Feedback k&#246;nnen generative KI-Werkzeuge f&#252;r die Gestaltung von Schreibaufgaben genutzt werden. Durch die Einbindung von KI-basierten Anwendungen k&#246;nnen Schreibaufgaben zu lebendigen Instrumenten werden, die sowohl den Unterrichtsfluss bereichern als auch zur Aktivierung der Lernenden beitragen. Dabei spannt sich der Bogen von Einstiegs&#252;bungen &#252;ber spontane Schreibimpulse bis hin zu Rekapitulationsaufgaben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 689</xref>). Die dadurch m&#246;gliche Abwechslung bei der Erstellung und Gestaltung der Aufgaben sch&#228;rft nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch die Medienkompetenz und AI Literacy der Lernenden (vgl. ebd.). Die von der KI generierten Aussagen sind meistens sprachlich pr&#228;zise und koh&#228;rent (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Laube 2022</xref>). Dadurch kann die KI insbesondere bei der Verbesserung der Darstellungsqualit&#228;t von Texten eine hilfreiche Rolle spielen (vgl. ebd.). Die KI-Tools wie Blog Idea Generator, Sassbook, InferKit und seit November 2022 auch ChatGPT3.5 erm&#246;glichen auch eine kollaborative Herangehensweise, indem sie die Grundlage f&#252;r das Schreiben in unterschiedlichen Sozialformen bieten &#8211; sei es in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit. So k&#246;nnte beispielsweise ein von der KI generierter M&#228;rchenanfang den Lernenden als Inspiration dienen und sie dazu einladen, die Geschichte eigenst&#228;ndig weiterzuf&#252;hren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 689&#8211;690</xref>). In der Fremdsprachenausbildung k&#246;nnen verschiedene Schreibtechniken und Strategien Lernenden helfen, Schreibblockaden zu &#252;berwinden und den Schreibprozess zu beginnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Andermann/Drees/Gr&#228;tz 2006: 70&#8211;72</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B31">Kruse 2007: 244&#8211;246</xref>). Schreibimpulse wie Satzanf&#228;nge oder visuelle Stimuli wie Fotos und Zeichnungen, k&#246;nnen den Einstieg erleichtern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Huneke/Steinig 2010: 147&#8211;150</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B58">Werder 2007: 68&#8211;85</xref>). KI-basierte Anwendungen wie ChatGPT k&#246;nnten in diesem Kontext dazu beitragen, Schreibideen oder Impulse bereitzustellen. Dies w&#228;re nicht nur lernf&#246;rderlich, sondern k&#246;nnte auch die Motivation steigern, indem die generativen Werkzeuge den Lernenden helfen, einen Einstieg zu finden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 688</xref>). Ein Vorteil von KI-basierten Textgeneratoren liegt in ihrer F&#228;higkeit, eine Vielzahl von Ideen und Impulsen beim Selbstlernen oder bei Projekten zu bieten (vgl. ebd.). Die Lernenden k&#246;nnten auch die von der KI generierten Ideen kritisch auf der Metaebene diskutieren, insbesondere im Hinblick auf logische Koh&#228;renz oder grammatikalische Korrektheit (vgl. ebd.: 689). Dieses Szenario ist sowohl in einer Einzelarbeit als auch in einer kollaborativen Form m&#246;glich. Ein weiteres Szenario w&#228;re, KI-generierte Texte als Ger&#252;st beim Verfassen der Texte von Lernenden zu nutzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Laube 2022</xref>). Indem Lernende einen von der KI verfassten Text als Basis verwenden, k&#246;nnen sie diesen &#252;berarbeiten und erweitern, um ihre eigenen Texte zu verfassen (vgl. ebd.). In der linguistischen Praxis tendieren die von der KI generierten S&#228;tze zu einer Konformit&#228;t in der Grammatik und meiden die Verwendung seltener W&#246;rter, was zu einer uniformen Textqualit&#228;t f&#252;hrt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">Schmid 2023: 3</xref>). Diese Eigenschaften werden von Algorithmen zur Erkennung k&#252;nstlich erzeugter Texte genutzt (vgl. ebd.). Daher empfiehlt es sich, Lernende dazu anzuregen, Texte zu verfassen, die in ihrer sprachlichen Diversit&#228;t so ausgepr&#228;gt sind, dass sie von KI-Detektoren als menschengeschrieben eingestuft werden, was die Erhaltung einer breiten sprachlichen Palette st&#228;rkt (vgl. ebd.). Alternativ k&#246;nnen sie auch den umgekehrten Weg beschreiten: eigene Texte erstellen und diese von der KI &#252;berarbeiten lassen oder die von KI erstellten Texte mit den eigenen vergleichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Laube 2022</xref>).</p>
<p>Eine weitere Einsatzm&#246;glichkeit bildet KI-gest&#252;tzte Projektarbeit. Hier wird nicht nur die eigentliche Schreibaufgabe in den Mittelpunkt gestellt, sondern der gesamte Arbeits- und Schreibprozess, in welchem KI-Tools eine unterst&#252;tzende Rolle einnehmen k&#246;nnen (vgl. Hartmann: 690). Die Projekte k&#246;nnen unterschiedliche Aufgaben beinhalten, die vom kreativen Schreiben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B58">Werder 2007: 127&#8211;285</xref>) &#252;ber Recherche sowie Verfassen von bestimmten Textsorten und weiteren kreativen Produkten wie Flyer, Poster, Gedichte bis hin zur Erarbeitung von spezifischer sprachlicher Pragmatik f&#252;r sp&#228;tere Gespr&#228;chsf&#252;hrung reichen. In all diesen F&#228;llen kann sich die generative KI als ein n&#252;tzliches unterst&#252;tzendes Werkzeug herausstellen, was in Kap. 5 veranschaulicht wird.</p>
<p>Ein weiteres m&#246;gliches Einsatzszenario von KI-Tools im Fremdsprachenunterricht sind die Schreibportfolios, die auch in die Projektarbeit integriert werden k&#246;nnen. Schreibportfolios sind Zusammenstellungen von Schreibergebnissen, Lernzielen und Reflexionen der Lernenden, die sowohl analog in Papierform als auch digital erstellt werden k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Barrett 2005: 4&#8211;5</xref>). Die Absicht hinter solchen Schreibportfolios ist es, den Verlauf des Schreibens zu veranschaulichen, die resultierenden Werke darzustellen und eine Reflexion &#252;ber das pers&#246;nliche Schreibverhalten zu erm&#246;glichen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hartmann 2021: 690</xref>). Dies stellt eine essenzielle Voraussetzung f&#252;r die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verfeinerung der individuellen Schreibf&#228;higkeiten dar, da es f&#252;r Lernende unerl&#228;sslich ist, sowohl ein Bewusstsein f&#252;r ihre aktuellen Kompetenzen als auch f&#252;r potenzielle Verbesserungsbereiche zu entwickeln. Innerhalb des Fremdsprachenunterrichts kann die &#220;berlegung zum eigenen Schreibprozess mithilfe von KI-Tools beispielsweise zu diesen Fragestellungen f&#252;hren: Wie dr&#252;cke ich mich in der Fremdsprache schriftlich aus? Inwiefern unterst&#252;tzen mich die eingesetzten Programme beim Schreiben in der Fremdsprache? Wer ist verantwortlich f&#252;r einen durch ein digitales Tool erstellten Text? (vgl. ebd.).</p>
<p>Das Kernprinzip der gemeinsamen Sch&#246;pfung von Mensch und KI zielt darauf ab, die jeweiligen St&#228;rken zu kombinieren, wobei menschliche F&#252;hrungsqualit&#228;ten, Teamarbeit, Kreativit&#228;t und soziale F&#228;higkeiten mit der Schnelligkeit, Anpassungsf&#228;higkeit und den quantitativen Kapazit&#228;ten der Maschine verbunden werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B62">Woo 2020: 71&#8211;73</xref>). Das in <xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref> illustrierte Schaubild verdeutlicht, wie generative KI-Instrumente kreative Prozesse wie den Spracherwerb und das Lernen insgesamt durch verschiedene Pfade optimieren k&#246;nnen.</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Generative k&#252;nstliche Intelligenz (gKI) als Werkzeug zur F&#246;rderung des Sprachenlernens (eigene Darstellung)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3722_ciezka-g3.png"/>
</fig>
<p>Die generative KI erm&#246;glicht die Zeitersparnis durch Automatisierung von &#220;bersetzungen und Korrekturen (Zeit gewinnen) und unterst&#252;tzt die Suche nach Lernmaterialien und bestimmten sprachlichen Fragestellungen (Informationen suchen). Wie am Anfang des Kap. 4 ausgef&#252;hrt, k&#246;nnen diese Technologien die Entscheidungsfindung hinsichtlich der Wahl effektiver allgemeiner und sprachlicher Lernmethoden verbessern (Entscheidungsqualit&#228;t verbessern) und das Sprachverst&#228;ndnis durch die Integration von Grammatik und Vokabular in praxisrelevante Kontexte optimieren (Konzepte kombinieren). Dar&#252;ber hinaus sind sie in der Lage, innovative Methoden f&#252;r das Sprachenlernen zu empfehlen und jede Phase des Ideenfindungsprozesses, wie weiter oben er&#246;rtert, zu bereichern (Ideen finden). Wie in Kap. 4 weiter oben bereits diskutiert, bleibt die Definition spezifischer Anliegen, die sich aus Herausforderungen wie sprachlichen Defiziten ergeben, sowie die &#220;berpr&#252;fung von Ideen, Texten, &#196;u&#223;erungen und Methoden letztendlich jedoch eine menschliche Dom&#228;ne (Problem entdecken und Ideen verifizieren).</p>
<p>Generative KI-Modelle, wie ChatGPT, haben zwar das Potenzial, sprachlich exakte und flie&#223;ende Texte zu erzeugen, wie Laube (<xref ref-type="bibr" rid="B33">2022</xref>) bemerkt, aber ihre Anwendungsbereiche sind durch die intrinsischen Limitationen der Technologie beschr&#228;nkt. Gem&#228;&#223; dem Deutschen Institut f&#252;r Interne Revision (<xref ref-type="bibr" rid="B12">DIIR 2023: 8&#8211;9</xref>) besteht eine prim&#228;re Herausforderung in der Gew&#228;hrleistung der Integrit&#228;t der Trainings- und Eingabedaten, auf denen diese Modelle beruhen. Fehlerhafte oder unvollst&#228;ndige Datens&#228;tze f&#252;hren unweigerlich zu fehlerhaften Ausgaben (vgl. ebd.: 8). Weiterhin m&#252;ssen die Ergebnisse generativer KI auf ihre Validit&#228;t hin &#252;berpr&#252;ft werden, da sie m&#246;glicherweise &#8218;halluzinieren&#8216; oder keine akkuraten Bez&#252;ge herstellen (vgl. ebd.: 9). Romeike (<xref ref-type="bibr" rid="B45">2023</xref>) warnt davor, dass ohne entsprechende fachliche Kenntnisse das Risiko steigt, korrekte von falschen Informationen nicht differenzieren zu k&#246;nnen. Dieses Risiko ist besonders in den Grundstufen des Gemeinsamen Europ&#228;ischen Referenzrahmens f&#252;r Sprachen (GER) bedeutend, da Lernende meist noch nicht die F&#228;higkeit besitzen, sprachliche Ungenauigkeiten zu identifizieren. Doch genau in der F&#228;higkeit, den Schwerpunkt vom einfachen Erstellen hin zur intensiven &#220;berarbeitung und kritischen Analyse von Inhalten zu verschieben, manifestiert sich der Vorteil generativer KI. Diese Verschiebung erm&#246;glicht es, fortgeschrittenere Lernprozesse im Sinne der Bloom&#8217;schen Taxonomie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Bloom/Engelhart/Furst/Hill/Krathwohl 1956</xref>) zu f&#246;rdern, indem routinem&#228;&#223;ige Aufgaben automatisiert werden und den Lernenden erm&#246;glicht wird, sich auf komplexere kognitive Herausforderungen zu konzentrieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B45">Romeike 2023</xref>). Allerdings setzt die effektive Anwendung dieser Prozesse ein relativ fortgeschrittenes sprachliches Niveau voraus, wie bereits zuvor angemerkt wurde.</p>
<p>Der sogenannte &#8218;automation bias&#8216;, also die Pr&#228;disposition, maschinellen Ausgaben wie Zahlenberechnungen blind zu vertrauen, wird bei nicht sorgf&#228;ltig evaluierten, naiv trainierten Modellen zum Problem, da diese oft nicht hinreichend auf ihre Tendenz zu systematischen Verzerrungen, ihre Robustheit und pr&#228;diktive Pr&#228;zision untersucht worden sind, wie Schmid (<xref ref-type="bibr" rid="B49">2023: 2</xref>) anmerkt. Vor diesem Hintergrund ist eine didaktisch fundierte Integration generativer KI-Werkzeuge in den Lehrkontext unerl&#228;sslich (vgl. ebd.: 4). Genauso wie die Verwendung von Taschenrechnern nicht zu einem Verlust des Verst&#228;ndnisses mathematischer Prinzipien f&#252;hren darf, darf der Einsatz von KI-basierten Tools im Fremdsprachenunterricht die Entwicklung von Sprachkompetenz und Grammatikverst&#228;ndnis nicht untergraben (vgl. ebd.). In beiden p&#228;dagogischen Feldern ist es von Bedeutung, dass Lernende die Relevanz und den Anwendungskontext der verwendeten Werkzeuge erfassen, um ihre Kenntnisse umfassend zu entwickeln.</p>
<p>Die Bereitstellung von ad&#228;quaten und gleichwertigen Bedingungen f&#252;r den Zugriff auf KI-basierte Lehr- und Lernmittel stellt laut Romeike (<xref ref-type="bibr" rid="B45">2023</xref>) eine essenzielle p&#228;dagogische Aufgabe dar. Dies beinhaltet die Ber&#252;cksichtigung von Lizenzierungsfragen und den damit verbundenen datenschutzrechtlichen Bedenken. Zus&#228;tzlich besteht die Gefahr, dass Lernende verst&#228;rkt auf KI-Technologien f&#252;r die Erstellung von Hausaufgaben und anderen akademischen Leistungsnachweisen zur&#252;ckgreifen, was nach Forum Verlag Herkert (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2023</xref>) zu einer Minderung des Lerneffekts und zu Disparit&#228;ten in den Lernvoraussetzungen innerhalb einer Lerngruppe f&#252;hren kann. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Einsatz der KI im Bildungskontext sorgf&#228;ltig zu steuern, um die Integrit&#228;t und Effektivit&#228;t des Lernprozesses zu wahren.</p>
<p>Zusammenfassend kann im Fremdsprachenunterricht die Zusammenarbeit der Lernenden mit KI-gest&#252;tzten Hilfsmitteln zu einer spannenden Produkterstellung sowie effektiven und interessanten Arbeitsprozessen f&#252;hren, die mit dem Ausbau der Sprachkompetenz einhergehen. Diese Zusammenarbeit bedarf jedoch einer didaktisch entsprechenden Begleitung, um ihre Qualit&#228;t und Effizienz zu garantieren. Nichtsdestotrotz stehen fundierte Erfahrungen, speziell im Kontext von Modellen wie ChatGPT, noch aus und definitive Befunde fehlen. Daher bleiben die Fortsetzung und kritische Reflexion der Forschung in diesem Segment unabdingbar, um zu ergr&#252;nden, inwiefern die generative KI den Spracherwerb pr&#228;gen k&#246;nnte.</p>
<p>Im Folgenden wird ein konkretes didaktisch-methodisches Szenario f&#252;r den Einsatz der generativen KI im Fremdsprachenunterricht am Beispiel des Deutschen als Fremdsprache skizziert. Der Fokus liegt dabei auf der Projektarbeit, denn einerseits zeigt sich hier insbesondere durch die Integration unterschiedlicher Aufgabenstellungen und Produkte (als Ergebnisse und Stimuli) &#8211; von Bildern &#252;ber diverse Textformen bis hin zu literarischen Werken, Theaterst&#252;cken und Gespr&#228;chen &#8211; ein beachtliches Einsatzpotenzial f&#252;r generative KI-Tools wie ChatGPT. Andererseits, wie bereits oben erl&#228;utert, nimmt die Projektarbeit in der Didaktik des modernen Fremdsprachenunterrichts einen hohen Stellenwert ein, da sie eine Form des handlungsorientierten und lernerzentrierten Lehrens und Lernens darstellt, in dem kreative Lernprozesse maximal entfaltet werden k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B61">Wicke 2004: 136</xref>). Die beschriebenen Beispiele basieren auf einem Unterrichtsmodell, das im Wintersemester 2023/24 als &#8218;Werkstatt Deutsch&#8216; am Sprachenzentrum der Universit&#228;t Rostock umgesetzt und anschlie&#223;end wissenschaftlich evaluiert wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>5 KI-gest&#252;tzte Projektarbeit im Fremdsprachenunterricht</title>
<p>Im Rahmen des projektbasierten Fremdsprachenunterrichts bietet sich den Studierenden die wertvolle Gelegenheit, Theorie und Praxis miteinander zu verkn&#252;pfen und die erlernte Sprache in realit&#228;tsnahen und praxisbezogenen Situationen anzuwenden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Haus DaF im Beruf o.J.b: 274</xref>). Dieser Ansatz erm&#246;glicht es den Lernenden, ihre sprachlichen F&#228;higkeiten umfassend zu trainieren und zu vertiefen, wie es von Haus DaF im Beruf beschrieben wird. Der enge Bezug zur Praxis und zum t&#228;glichen Studien- oder Berufsleben macht die Integration von Sprache und Handlung, sowie von Sprache und Situation greifbar und lebendig (vgl. ebd.: 275). Die Projektarbeit im Fremdsprachenunterricht ist zudem zielorientiert und so gestaltet, dass die jeweilige Sprache in kommunikativer Form &#8211; sei es m&#252;ndlich oder schriftlich &#8211; zum Einsatz kommt (vgl. ebd.). Die Anwendung der Fremdsprache muss dabei in authentischen Szenarien erfolgen (vgl. ebd.). Da die Projektarbeit auf sichtbare oder h&#246;rbare Ergebnisse abzielt &#8211; beispielsweise eine Website, eine PowerPoint-Pr&#228;sentation oder ein aufgenommenes Gespr&#228;ch &#8211; und somit produktorientiert ist, werden die Lernenden zu kreativen Prozessen angeregt (vgl. ebd.). Durch verschiedene Herangehensweisen an das jeweilige Thema praktizieren und trainieren die Lernenden in st&#228;ndig wechselnden Arbeits- und Sozialformen Verfahren und Methoden, die die Kommunikation, Kooperation, Problemanalyse und Probleml&#246;sung verbessern (vgl. ebd.: 276). Dies er&#246;ffnet im Kontext des Erlernens einer Fremdsprache einzigartige Chancen: Der Erwerb und Gebrauch der Fremdsprache sind Teil eines sinnvollen Gesamtkonzepts und gewinnen dadurch an Authentizit&#228;t (vgl. ebd.). Zudem werden parallel zur Fremdsprache fachspezifische Inhalte vermittelt (vgl. ebd.). Schlie&#223;lich l&#228;sst sich sagen, dass das Erlernen des Schwimmens nur durch Schwimmen m&#246;glich wird. Gleiches gilt f&#252;r das Sprachenlernen: Nur durch die aktive Anwendung der Sprache in praxisrelevanten Kontexten l&#228;sst sich ein tieferes Verst&#228;ndnis und fundierte Sprachkompetenz entwickeln.</p>
<p>In Kap. 4 wurde aufgezeigt, wie generative KI-Tools dazu verwendet werden k&#246;nnen, kreative Lernprozesse zu f&#246;rdern. Diese Werkzeuge sind vielseitig einsetzbar und k&#246;nnen nahezu in alle Aufgaben des projektbasierten Fremdsprachenunterrichts integriert werden, wodurch sie auch diese Form des Sprachenlernens ma&#223;geblich bereichern. Es wurde auch er&#246;rtert, dass die simultane Interaktion der Lernenden sowohl mit der Maschine als auch mit der Umwelt der Lernenden zur Weiterentwicklung verschiedener Fertigkeiten beitr&#228;gt. Dazu z&#228;hlen kritisches Denken, Ideenfindung, Kombination von Konzepten, Selbstreflexion und eigenst&#228;ndige Entscheidungsfindung, welche allesamt zentrale Bestandteile des Sprachlernprozesses sind. Auch allgemeine Sprachkompetenzen sowie Methoden-, Fach- und Sozialkompetenz werden durch Interagieren mit diesen Werkzeugen erweitert, die wiederum f&#252;r das Sprachenlernen essenziell sind, wie weiter oben bereits ausgef&#252;hrt. Durch die Integration von verschiedenen sprachzentrierten Aufgaben und personalisierten Lerninhalten werden gezielt Teilprozesse des kreativen Probleml&#246;sens intensiviert, wie in <xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref> veranschaulicht. Dies f&#252;hrt letztendlich, wie zuvor dargelegt, zur Entstehung kreativer Produkte, die durch KI-gest&#252;tztes Feedback weiter verbessert und reflektiert werden k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus tragen die KI-Tools zur mediengest&#252;tzten Lernumgebung im Fremdsprachenunterricht bei und schaffen eine Atmosph&#228;re, die die Kreativit&#228;t stimuliert.</p>
<p>In Anlehnung an diese Annahmen wird im Folgenden ein projektbasiertes und KI-gest&#252;tztes Unterrichtskonzept umrissen und ein Beispiel n&#228;her ausgef&#252;hrt. Es handelt sich um einen DaF-Kurs &#8218;Werkstatt Deutsch&#8216;, der sich an Studierende auf dem Niveau B2.2 richtet. Der Kurs setzt auf ein gemeinsames entdeckendes Lernen und behandelt Projekte, die hochschulspezifische, wissenschaftsorientierte, berufsorientierte, gesellschaftspolitische und individuelle Themen adressieren und auf der Lernplattform (Lernmanagementsystem) Ilias dargeboten werden. Die Studierenden bilden am Anfang des Kurses Arbeitsgruppen und suchen sich drei Projekte aus, die sie interessieren. F&#252;r ein Projekt ist ca. ein Monat vorgesehen. Im Fokus steht eine projekt- und Challenge-basierte sowie KI-gest&#252;tzte Arbeitsweise. Jede Gruppe verfolgt mit jedem der drei Projekte ein gemeinsames Ziel, eine Probleml&#246;sung. Dabei werden sprachliche Ziele in den Bereichen Wortschatz, Grammatik, Phonetik und Pragmatik individuell gesetzt. Jede Woche bietet der Unterricht am Anfang einen Schwerpunkt und eine Abhandlung bestimmter lexikalischer, grammatikalischer oder phonetischer Themen an, die von einzelnen Studierendengruppen vorbereitet werden. Anschlie&#223;end erfolgt die Arbeit an Projekten. Die Lehrkraft fungiert lediglich als Lerncoach oder Unterst&#252;tzer*in. Die Arbeitsergebnisse werden als Produkte pr&#228;sentiert und zus&#228;tzlich von Reflexionsportfolios begleitet, die eine Grundlage f&#252;r die Selbstreflexion bilden und f&#252;r die Punkte vergeben werden (ein Portfolio &#8211; 15 Punkte, drei Portfolios &#8211; 45 Punkte). Einige Lernhilfen wie bestimmte grammatische Themen oder Wortschatz werden von der Lehrkraft online zur Verf&#252;gung gestellt.</p>
<p>Das Kursziel besteht darin, Studierende zu bef&#228;higen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>sich selbstst&#228;ndig Ziele zu setzen und diese sprachlich zu formulieren.</p></list-item>
<list-item><p>in einer Gruppe zusammenzuarbeiten und zu diskutieren.</p></list-item>
<list-item><p>eine Vielzahl an m&#252;ndlichen und schriftlichen Textsorten nach eigener Wahl umzusetzen.</p></list-item>
<list-item><p>mit Werkzeugen wie Online-W&#246;rterb&#252;chern, Deepl Write, ChatGPT und anderen Hilfsmitteln umzugehen, um eigene sprachliche Entwicklung zu unterst&#252;tzen.</p></list-item>
<list-item><p>eigene Produkte kritisch zu evaluieren und dies ad&#228;quat zu &#228;u&#223;ern.</p></list-item>
<list-item><p>konstruktives Feedback sprachlich angemessen zu erteilen.</p></list-item>
<list-item><p>den eigenen Lernfortschritt zu reflektieren und sprachlich angemessen zu dokumentieren.</p></list-item>
</list>
<p>In diesem Kurs erwerben die Teilnehmenden folgende Kompetenzen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Sprachkompetenz, um sich effektiv und nuanciert in der Zielsprache auszudr&#252;cken.</p></list-item>
<list-item><p>Kommunikationskompetenz, die es erm&#246;glicht, in der Zielsprache klar und &#252;berzeugend zu interagieren.</p></list-item>
<list-item><p>Sozialkompetenz, um in der Zielsprache effektiv in Teams zu arbeiten und interkulturelle Beziehungen zu pflegen.</p></list-item>
<list-item><p>Methodenkompetenz, um Lernstrategien f&#252;r den Spracherwerb zu entwickeln und anzuwenden.</p></list-item>
<list-item><p>Medienkompetenz, um digitale und traditionelle Medien zur Unterst&#252;tzung des Sprachenlernens zu nutzen.</p></list-item>
<list-item><p>Reflexionskompetenz, um den eigenen Fortschritt im Spracherwerb zu bewerten und zu optimieren.</p></list-item>
</list>
<p>Zu Beginn erfolgt die Festlegung der projektbezogenen sowie individuellen Ziele in Bereichen H&#246;ren, Sprechen, Schreiben, Lesen, Grammatik, Wortschatz, Phonetik usw. Die Studierenden sollen ihre Ziele so konkret wie m&#246;glich notieren. Bei der Ausformulierung dieser Ziele sollen die Teilnehmenden die M&#246;glichkeiten der generativen KI wie ChatGPT3.5, Bard oder Canva nutzen. Das Portfolio soll den ganzen Lernprozess begleiten. Bei der Formulierung der Ziele soll der Fragenblock 1 in <xref ref-type="table" rid="T1">Tabelle 1</xref> beantwortet werden. F&#252;r jede Beantwortung einer Frage im Portfolio erhalten die Studierenden einen Punkt. Unter dem Feedback haben sie die M&#246;glichkeit, ihre Ideen und Anmerkungen mit der Lehrkraft zu teilen. Wenn die Aufgabe gel&#246;st wurde, werden die Lernprozesse und Projektergebnisse anhand weiterer Portfoliofragen reflektiert (s. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>, Fragenbl&#246;cke 2 und 3).</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1: Portfoliobogen</p>
</caption>
<table>
<thead>
<tr>
<td align="center" valign="top"><bold>Portfoliobogen</bold></td>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>1. Reflexion des Projektziels</bold>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a. Definieren Sie Ihr Projektziel.</p></list-item>
<list-item><p>b. Mit welchen Ma&#223;nahmen wollen Sie das Ziel erreichen? Welche Produkte wollen Sie erstellen?</p></list-item>
<list-item><p>c. Definieren Sie Kriterien, anhand deren Sie einsch&#228;tzen k&#246;nnen, ob das Projektziel erreicht wurde.</p></list-item>
<list-item><p>d. Definieren Sie Kriterien, anhand derer Sie die entstandenen Produkte beurteilen k&#246;nnen.</p></list-item>
<list-item><p>e. Definieren Sie Ihre sprachlichen Ziele. Mit welchen Ma&#223;nahmen wollen Sie das Ziel erreichen? Wie stellen Sie fest, dass Ihre Ziele erreicht wurden?</p></list-item>
</list>Feedback: Wie kann Ihre Lehrkraft Sie dabei unterst&#252;tzen?</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>2. Prozessreflexion</bold>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a. Beschreiben Sie den Weg, den Sie gegangen sind, um das Projektziel zu erreichen.</p></list-item>
<list-item><p>b. Welche &#196;nderungen mussten Sie vornehmen bzw. welche Entscheidungen treffen? Erl&#228;utern Sie Ihre Wahl.</p></list-item>
<list-item><p>c. Mussten Sie die Kriterien zur Beurteilung Ihres Projektziels und Ihrer Produkte anpassen? Wie?</p></list-item>
<list-item><p>d. Wie haben Sie sich w&#228;hrend des Projekts gef&#252;hlt? Wor&#252;ber haben Sie sich gefreut oder ge&#228;rgert?</p></list-item>
<list-item><p>e. Welche Fehler haben Sie begangen und was haben Sie daraus gelernt?</p></list-item></list>Feedback: Welche Hinweise (W&#252;nsche, Kritik) m&#246;chten Sie Ihrer Lehrkraft geben?</td>
</tr>
<tr>
<td align="left" valign="top"><bold>3. Reflexion der Ergebnisse</bold>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a. Sch&#228;tzen Sie ein, wie gut Sie Ihr Projektziel erreicht haben (Qualit&#228;t).</p></list-item>
<list-item><p>b. Evaluieren Sie die entstandenen Produkte. Nutzen Sie dazu die erarbeiteten Kriterien, mit denen Sie die Produkte einsch&#228;tzen k&#246;nnen. Gehen Sie auch auf das Feedback Ihrer Kommiliton*innen ein (Qualit&#228;t).</p></list-item>
<list-item><p>c. Haben Sie Ihr Projektziel effektiv erreicht? Wenn nicht: Was w&#252;rden Sie das n&#228;chste Mal anders machen (Effektivit&#228;t)?</p></list-item>
<list-item><p>d. Welche Kompetenzen konnten Sie entwickeln?</p></list-item>
<list-item><p>e. Welche sprachlichen Fortschritte haben Sie erreicht? Was k&#246;nnen Sie jetzt besser? In welchen Bereichen f&#252;hlen Sie sich jetzt sicherer? Woran m&#246;chten Sie noch weiterarbeiten?</p></list-item></list>Feedback: Welche Hinweise (W&#252;nsche, Kritik) m&#246;chten Sie Ihrer Lehrkraft geben?</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table-wrap>
<p>Die Studierenden haben die M&#246;glichkeit, unterschiedliche Projektthemen zu w&#228;hlen (Studierendenprotest, Zukunftskonferenz, Geschichtswerkstatt, Pint of Science, Start-up-Unternehmen oder eigenes Projekt). Im Folgenden wird ein ausgew&#228;hltes Szenario n&#228;her beleuchtet: der Studierendenprotest.</p>
<p>Beispiel:</p>
<disp-quote>
<p>Kurs Deutsch als Fremdsprache: &#8218;Werkstatt Deutsch&#8216;, Zielgruppe: Niveau B2.2</p>
<p>Das Projekt:</p>
<p>Die Studierenden der Universit&#228;t Rostock sind aufgeregt. Seit Tagen gibt es in der Mensa kein anderes Thema mehr als die Geb&#252;hrenerh&#246;hung f&#252;r die Sport- und Sprachkurse zum n&#228;chsten Semester. Diese sollen sich verdoppeln! Das wollen sich die Studierenden nicht gefallen lassen. Auch Sie sind damit nicht einverstanden und wollen dagegen protestieren.</p>
</disp-quote>
<p>Ihre Aufgabe:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Bilden Sie eine Arbeitsgruppe, die den Protest organisiert.</p></list-item>
<list-item><p>Legen Sie fest, mit welchen Mitteln Sie protestieren wollen.</p></list-item>
<list-item><p>Besprechen Sie einen Arbeitsplan, in dem Sie Deadlines und Verantwortlichkeiten festlegen.</p></list-item>
<list-item><p>F&#252;hren Sie die festgelegten Arbeitsschritte durch.</p></list-item>
<list-item><p>Legen Sie Ma&#223;st&#228;be fest, anhand deren Sie die Qualit&#228;t der Produkte und den Erfolg der Aktion messen k&#246;nnen.</p></list-item>
<list-item><p>Pr&#228;sentieren Sie Ihre Produkte.</p></list-item>
<list-item><p>Dokumentieren und reflektieren Sie Ihren Lernfortschritt.</p></list-item>
</list>
<p>Ideen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Plakate entwerfen</p></list-item>
<list-item><p>Studierende zu Aktionen aufrufen (in einer E-Mail)</p></list-item>
<list-item><p>Universit&#228;tsleitung anschreiben (um Gespr&#228;ch bitten)</p></list-item>
<list-item><p>Gespr&#228;ch mit Universit&#228;tsleitung f&#252;hren</p></list-item>
<list-item><p>Protestveranstaltung organisieren</p></list-item>
<list-item><p>Rede f&#252;r Protestveranstaltung vorbereiten</p></list-item>
<list-item><p>Social Media Kampagne starten</p></list-item>
<list-item><p>&#8230;</p></list-item>
</list>
<p>Durchf&#252;hrung:</p>
<disp-quote>
<p>Lernende &#252;berlegen zun&#228;chst einen Ma&#223;nahmenkatalog, d.h. alle sprachlichen Handlungen, die zum L&#246;sen des Problems (d.h. das Aufhalten der Geb&#252;hrensteigerung) beitragen k&#246;nnen. KI-Werkzeuge k&#246;nnen dabei zum Brainstormen eingesetzt werden. ChatGPT3.5 schl&#228;gt u.a. vor, eine Petition zu verfassen, Social-Media-Kampagnen zu starten, nach Verb&#252;ndeten zu suchen, Proteste zu organisieren sowie Gespr&#228;che mit den Universit&#228;tsvertre ter*innen und der Universit&#228;tsleitung zu suchen (s. <xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref>).</p>
</disp-quote>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Abb. 4: Von ChatGPT3.5 generierte Vorschl&#228;ge f&#252;r die Ma&#223;nahmen gegen die Erh&#246;hung der Sportkursgeb&#252;hren</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3722_ciezka-g4.png"/>
</fig>
<p>Lernende w&#228;gen Pro und Contra ab und entscheiden sich f&#252;r sinnvolle Schritte. Diese Schritte sind bereits in sich komplex und erfordern weitere Entscheidungen und sprachliche Handlungen. Beispielsweise m&#252;ssen im Rahmen der Organisation der Proteste E-Mails an Studierende verfasst, Protestschilder angefertigt, Slogans entwickelt, Reden geschrieben, Plakate entworfen werden usw. Wenn die Lernenden noch das Gespr&#228;ch mit der Universit&#228;tsleitung suchen m&#246;chten, so m&#252;ssen Termine abgesprochen, E-Mails verfasst, Argumente gesammelt, vielleicht auch Umfragen durchgef&#252;hrt und ausgewertet sowie das Gespr&#228;ch vorbereitet werden. F&#252;r all die Aufgaben d&#252;rfen KI-Tools genutzt werden. Die Lernenden ermitteln mit ihrer Hilfe, wie die einzelnen Textsorten aufgebaut sind, entwickeln Kriterien, nach denen sie die Texte beurteilen wollen, treffen letztlich Entscheidungen und begr&#252;nden diese. Die KI-Tools k&#246;nnen auch dazu dienen, die Texte der Studierenden zu korrigieren bzw. zu bearbeiten, wie weiter oben bereits er&#246;rtert. Dabei k&#246;nnen multimodale KI-Tools eingesetzt werden, um die kreativen Prozesse zu maximieren. Sie &#252;bernehmen die Rolle eines Stakeholders und Katalysators, der das kreative Lernen durch Assoziationen, Visualisierungen, Analogien, Verfremdung und Zufallsanregung sowie systematische Variation anregt. Dies erlaubt, die Kreativit&#228;tstechniken wie diese von Preiser und Buchholz (<xref ref-type="bibr" rid="B43">2008</xref>) und Caspari (<xref ref-type="bibr" rid="B10">2003: 310</xref>) in der Interaktion mit der KI anzuwenden. Durch diesen Ansatz setzen die Lernenden schrittweise ihre Teilziele auf dem Weg zum Hauptziel um, wobei bereits der Weg selbst als Ziel betrachtet wird. Sie trainieren nicht nur schriftliche, sondern auch m&#252;ndliche Fertigkeiten, erstellen vielf&#228;ltige Textsorten und bew&#228;ltigen komplexe und kreative Aufgaben, wobei ihre Entscheidungen im Mittelpunkt stehen.</p>
<p>Bei der Bewertung liegt der Fokus weniger auf dem Endprodukt als vielmehr auf dem Prozess, welcher von den Lernenden in einem Portfolio dokumentiert werden soll (s. <xref ref-type="table" rid="T1">Tab. 1</xref>). Es werden Arbeitsschritte festgehalten, Lernfortschritte verzeichnet und Teilergebnisse dokumentiert. Durch das Portfolio k&#246;nnen auch die eigenen Lernprozesse reflektiert werden, was eine Schl&#252;sselkompetenz f&#252;r das Lernen von Sprachen, ein erfolgreiches Studium und das Berufsleben darstellt. Es erlaubt auch den Lernenden ihren Lernstand zu erheben und zu beurteilen. In der Reflexionsphase wird untersucht, inwieweit die individuell festgelegten sprachlichen Ziele erreicht wurden. Aus den Ergebnissen dieser Analyse werden Schlussfolgerungen gezogen, welche Vorgehensweisen in zuk&#252;nftigen Lernprozessen als effektiv erachtet oder vermieden werden sollten.</p>
<p>Der Vorteil der generativen KI-Werkzeuge bei einer projektbasierten Arbeit liegt darin, dass diese eine schnelle Umsetzung solcher Szenarien erm&#246;glichen, da sie neben der Prozessoptimierung und Inspiration auch eine Zeitersparnis durch Automatisierung und individuelles und personalisiertes Coaching bieten. Das Haus DaF im Beruf (<xref ref-type="bibr" rid="B23">o.J.b: 281</xref>) formuliert jedoch einige Herausforderungen, die sich insgesamt bei der Durchf&#252;hrung von Projekten im fremdsprachlichen Unterricht ergeben k&#246;nnen. Eines der grundlegenden Probleme ist, dass die Fremdsprache oftmals auf der Strecke bleibt, da in den Gruppen bevorzugt die Muttersprache gesprochen wird (vgl. ebd.). Auch der Umgang mit Fehlern in der Fremdsprache stellt eine Herausforderung dar, da es gilt, sowohl sprachliche Korrektheit als auch fl&#252;ssige Ausdrucksweise zu erreichen, ohne dass einer dieser Aspekte den anderen beeintr&#228;chtigt. Des Weiteren l&#228;sst sich nicht jeder Unterrichtsstoff in ein Projekt integrieren. Die Bewertung der Leistungen, Produkte und Kompetenzen sowie Notenermittlung, erfordern eine Anpassung und Transparenz, sei es auf Gruppen- oder individueller Ebene. Dabei ist zu beachten, dass der Lernerfolg nicht sofort &#252;berpr&#252;fbar ist (vgl. ebd.). Zudem sind der materielle und organisatorische Aufwand f&#252;r Projekte oft hoch, da Ger&#228;te, Medien, Stifte, Plakate und &#228;hnliches ben&#246;tigt werden und auch zeitlicher Aufwand meist viel umfangreicher als im herk&#246;mmlichen Unterricht ist. Hier k&#246;nnten unter Umst&#228;nden die KI-Werkzeuge eine gro&#223;e Erleichterung darstellen, da diese durch ihre unterst&#252;tzende Rolle der Begleitung und Beratung diesen Aufwand minimieren k&#246;nnten. Technische Probleme und Herausforderungen bei der Zusammenarbeit und Informationsvermittlung innerhalb der Arbeitsgruppen k&#246;nnen ebenfalls auftreten, etwa wenn einzelne Gruppenmitglieder nicht &#252;ber die Aktivit&#228;ten der anderen informiert sind.</p>
<p>Die in Kap. 1 und 4 diskutierten inh&#228;renten Schw&#228;chen der KI verdeutlichen zudem die Notwendigkeit, die ver&#228;nderte Rolle der Lehrkr&#228;fte st&#228;rker in den Mittelpunkt zu r&#252;cken. Diese Rolle beinhaltet insbesondere Kernaufgaben und Kompetenzen wie die Koordination von &#220;bungen und Materialien sowie die Analyse der Leistungen der Lernenden, erg&#228;nzt durch die Bereitstellung qualitativ hochwertigen Feedbacks, wie Drittmeyer (<xref ref-type="bibr" rid="B13">2023</xref>) ausf&#252;hrt. Die Lehrenden werden zu Begleitpersonen und Moderator*innen, die den Lernenden dabei helfen, die kreativen M&#246;glichkeiten der Technologie zu nutzen (vgl. auch <xref ref-type="bibr" rid="B54">Strasser 2011: 14</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B55">2012: 6&#8211;7</xref>). In diesem Zusammenhang helfen sie bei der Auswahl und Anwendung der geeigneten KI-Werkzeuge, spornen die Entdeckung neuer Ans&#228;tze und Ideen an und helfen bei der Interpretation und Bewertung der generierten Inhalte. Sie sollten auch sicherstellen, dass die generierten Inhalte den didaktischen Zielen und Standards entsprechen, und dass die Lernenden weiterhin ihre sprachlichen F&#228;higkeiten aktiv anwenden und entwickeln. Lehrkr&#228;fte werden zu Coaches, die den Lernenden dabei helfen, ihre kreative Schreib- und Lernkompetenz auf innovative Weise zu entwickeln und ihre individuellen Lernziele zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird klar, dass generative KI-Tools nicht darauf abzielen, Lehrkr&#228;fte zu ersetzen, sondern diese vielmehr im Rahmen von Blended-Learning-Methoden und anderen zeitgem&#228;&#223;en didaktischen Ans&#228;tzen wie der Projektarbeit zu unterst&#252;tzen. Sie tragen zur Optimierung des Lernprozesses bei, indem sie als pers&#246;nliche Assistenz f&#252;r die Lernenden fungieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B56">Strasser 2020: 5</xref>). Die Lehrenden sollten ihre Lernenden dabei anregen, ein kritisches Bewusstsein f&#252;r die M&#246;glichkeiten und Grenzen der generativen KI zu entwickeln, indem sie ihre Studierenden &#252;ber die Funktionsweise und den Einfluss solcher Technologien informieren, diese Werkzeuge gemeinsam mit ihnen ausprobieren und reflektieren. Dar&#252;ber hinaus tragen die Lehrkr&#228;fte die Verantwortung, die Objektivit&#228;t zu wahren und ihren Lernenden den Zugang zu vielf&#228;ltigen Informationsquellen zu erm&#246;glichen. Sie fungieren als Kompass, der Lernenden hilft, verschiedene Quellen zu erkunden und kritisch zu hinterfragen.</p>
<p>Abschlie&#223;end ist anzumerken, dass im Rahmen des projektbasierten und KI-gest&#252;tzten Fremdsprachenlernens mit unvermeidlichen R&#252;ckschl&#228;gen und Herausforderungen zu rechnen ist. Diese Unw&#228;gbarkeiten bedingen eine sorgf&#228;ltige Planung und erfordern ein hohes Ma&#223; an Flexibilit&#228;t seitens der Lehrenden, um die erfolgreiche und effektive Durchf&#252;hrung solcher Lernformate zu sichern. Zudem befindet sich das oben vorgestellte Konzept noch in der Erprobungsphase. Erst nach seiner wissenschaftlichen Evaluation k&#246;nnen mit aller Sicherheit seine m&#246;glichen Vorteile und Limitationen besprochen werden.</p>
</sec>
<sec>
<title>6 Res&#252;mee</title>
<p>Der Einsatz generativer KI-Tools im Fremdsprachenunterricht er&#246;ffnet facettenreiche Perspektiven f&#252;r das kreative Lernen. Diese Technologie optimiert nicht nur umfassende kreative Prozesse wie das Verfassen von Texten oder die Realisierung von Projekten (&#8222;little-c&#8220; bis &#8222;Pro-c&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B27">Kaufmann/Beghetto 2009: 2&#8211;6</xref>)), sondern st&#228;rkt auch grundlegend den Spracherwerbsprozess durch die Verbesserung von Grammatik, Wortschatz und Ausdrucksf&#228;higkeit (&#8222;mini-c&#8220; bis &#8222;little-c&#8220; (ebd.: 2&#8211;4)). Dar&#252;ber hinaus beg&#252;nstigt der Einsatz generativer KI im Fremdsprachenunterricht &#8211; in Form von zeitnahen Korrekturen, unmittelbarem Feedback, Brainstorming, individueller Beratung und Rechercheunterst&#252;tzung &#8211; die Entstehung kreativer Produkte wie Texte, Poster, Flyer oder Gespr&#228;che. Die durch die KI generierten R&#252;ckmeldungen stimulieren eine kritische Reflexion und tragen zur methodischen Weiterentwicklung des Sprachlernprozesses bei. Sie f&#246;rdern die Gestaltung sprachlicher Produkte und leisten somit einen bedeutsamen Beitrag zur Ausbildung sprachlicher Kompetenzen. Die Nutzung von generativen KI-Tools schafft eine mediengest&#252;tzte Umgebung, die insgesamt eine inspirierende Atmosph&#228;re f&#252;r kreative Prozesse schafft und somit ein kreatives Umfeld entstehen l&#228;sst. Durch die Interaktion mit diesen Werkzeugen k&#246;nnen Lernende neue Perspektiven gewinnen und ihre individuelle kreative Pers&#246;nlichkeit entfalten. Der Einsatz generativer KI er&#246;ffnet im Fremdsprachenunterricht neue Wege, um die kreative Kompetenz der Lernenden zu st&#228;rken und somit das Sprachenlernen zu optimieren. Dabei spielen eine eigenst&#228;ndige, aktive und selbstgesteuerte Arbeitsweise sowie die M&#246;glichkeit des Experimentierens mit Sprachgeneratoren und die Erstellung personalisierter Lerninhalte eine zentrale Rolle.</p>
<p>Es ist jedoch entscheidend, den Einsatz generativer KI-Werkzeuge sinnvoll und effektiv zu gestalten und zu verstehen, dass generative KI als unterst&#252;tzende Werkzeuge dienen und den kreativen und kritischen Denkprozess (welchen der Spracherwerb selbst darstellt) erg&#228;nzen sollen. Die Lernenden sollten erkennen, dass diese Werkzeuge nicht als Ersatz f&#252;r ihren individuellen Schreibprozess oder ihre pers&#246;nliche Auseinandersetzung mit literarischen Werken dienen, sondern als Instrumente, die ihnen neue M&#246;glichkeiten er&#246;ffnen, ihre kreativen und interpretativen F&#228;higkeiten zu entfalten.</p>
<p>Gleichzeitig m&#252;ssen die Herausforderungen und Risiken, die mit der Integration von KI in den Sprachunterricht verbunden sind, sorgf&#228;ltig abgewogen werden. Ein ausgewogener Ansatz, der die Vorteile der KI-Tools nutzt und zugleich sicherstellt, dass die Lernenden ihre eigenen kreativen F&#228;higkeiten entwickeln und kritisch reflektieren k&#246;nnen, ist von gro&#223;er Bedeutung. Die Rolle der Lehrkr&#228;fte ver&#228;ndert sich in diesem Kontext hin zu einer moderierenden und begleitenden Funktion, wobei sie die Nutzung der KI-Werkzeuge steuern, und ihre Lernenden anleiten, diese kritisch und effektiv einzusetzen.</p>
<p>Wie Schmid (<xref ref-type="bibr" rid="B49">2023: 4</xref>) anf&#252;hrt, sind die &#8222;KI-Technologien (&#8230;) zunehmend aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken&#8220;, weshalb ihre Integration in den Fremdsprachenunterricht und in die Bildung im Allgemeinen unabdingbar und unvermeidbar ist. Dabei ist die &#8222;Vermittlung eines sinnvollen, sicheren und souver&#228;nen Umgangs&#8220; (ebd.) mit diesen Werkzeugen von zentraler Bedeutung. Insgesamt er&#246;ffnet der Einsatz generativer KI-Tools wie ChatGPT3.5 im Fremdspracheunterricht sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Es liegt an uns, diese Werkzeuge auf eine Weise einzusetzen, die die Kreativit&#228;t der Lernenden f&#246;rdert und gleichzeitig ihren Spracherwerbsprozess st&#228;rkt. Durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihnen kann das kreative Lernerlebnis bereichert werden. Die KI-Forschung steht in diesem Kontext vor der Herausforderung, die derzeit vorherrschenden, haupts&#228;chlich auf Daten basierenden Ans&#228;tze zu erweitern, um komplexe Themen effektiv mit Hilfe von KI-Tools zu vermitteln und zu bewerten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B49">Schmidt 2023: 4</xref>).</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Auf Englisch generative AI (Artificial Intelligence) ist eine Form von k&#252;nstlicher Intelligenz, die auf Basis von Vorgaben und vorhandenen Informationen neue Inhalte generiert. Es kommen KI-Verfahren und -Technologien wie trainierte neuronale Netzwerke, maschinelles Lernen (Deep Learning) und KI-Algorithmen zum Einsatz, um nach Anweisungen Texte, Bilder, Audio- und Videoinhalte, Programmcode, 3D-Modelle und anderes zu erzeugen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Luber 2023</xref>).</p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Literaturverzeichnis</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Agnieszka Ci&#281;&#380;ka:</bold> 2014 Studium der Germanistik an Universit&#228;ten Szczecin und Rostock, 2022 Promotion in der Germanistischen Sprachwissenschaft an der Universit&#228;t Rostock, seit 2021 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt &#8218;Digitaler Campus Rostock&#8216; am Sprachenzentrum der Universit&#228;t Rostock und Lehrbeauftragte am Institut f&#252;r Germanistik.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Agnieszka Ci&#281;&#380;ka</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Sprachenzentrum</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Universit&#228;t Rostock</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Ulmenstr. 69, Haus 1</styled-content></p>
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