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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/zif.3622</article-id>
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<subject>Aufsatz au&#223;erhalb des Themenschwerpunkts</subject>
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<article-title>Interkulturelles Sprachenlernen in europ&#228;ischer Perspektive &#8211; eine Projektskizze des MONTAIGNE-Programms 1. Teil: Grundlagen</article-title>
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<surname>M&#252;ller-Pelzer</surname>
<given-names>Werner</given-names>
<prefix>Dr. phil.</prefix>
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<email>werner.mueller-pelzer@fh-dortmund.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Romanistik / Philosophie, FH Dortmund</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-03-27">
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<year>2024</year>
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<abstract>
<p>Das geplante studentische MONTAIGNE-Austauschprogramm greift mit ver&#228;ndertem Vorzeichen das Versprechen auf, ein europ&#228;isches Zusammengeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl &#252;ber den Spracherwerb zu schaffen. Es handelt sich formal um einen Spezialfall des interkulturellen Spracherwerbs im Erwachsenenalter. Inhaltlich ist dabei der Spracherwerb in eine existentiell bedeutsame neue Vergemeinschaftungsform eingebettet. Die &#196;quivokation der Bezeichnung &#8218;Europa&#8216; sowie das von der EU beanspruchte Deutungsmonopol &#252;ber das, was &#8218;europ&#228;isch&#8216; ist, verbietet es, sich an das ERASMUS-Programm anzuschlie&#223;en. Ausgehend von Grundbegriffen der Neuen Ph&#228;nomenologie wird der Spracherwerb als Teil der Lebenspraxis aufgefasst und mit dieser auf dem &#8218;Nullniveau&#8216; einsetzen. Studierenden aller Fachrichtungen soll die M&#246;glichkeit geboten werden, sich w&#228;hrend eines Urlaubssemesters ohne Fachveranstaltungen in einer unbekannten kulturellen europ&#228;ischen Umgebung und Sprache einzuleben. Das Ziel ist keine funktionale, sondern eine affektive plurilinguale und plurikulturelle Kompetenz mit der Aussicht auf eine sekund&#228;re Epigenese der Person als Europ&#228;er bzw. Europ&#228;erin.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>Intercultural Language Learning in a European Perspective - a project outline of the MONTAIGNE programme Part 1: Fundamentals</bold></p>
<p>The planned MONTAIGNE student exchange programme takes up, with a change of sign, the promise of creating a European sense of belonging through language acquisition. The programme is formally a special case of intercultural language acquisition in adulthood. In terms of content, language acquisition is embedded in an existentially significant new communitization form. The equivocation of the term &#8216;Europe&#8217; and the EU&#8216;s claimed monopoly on the interpretation of what is &#8216;European&#8217; make it impossible to join the ERASMUS program. Relying on basic concepts of the New Phenomenology, language acquisition will be seen as part of life practice and will start with it at the &#8216;zero level&#8217;. Students from all disciplines will be offered the opportunity to settle into an unknown European environment and language during a semester of leave without specialised courses. The aim is not a functional but an affective plurilingual and pluricultural competence with the prospect of a secondary epigenesis of the person as a European.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Spracherwerb als Lebenspraxis</kwd>
<kwd>Situation</kwd>
<kwd>Europa als affektiver Raum</kwd>
<kwd>methodologischer Situationismus</kwd>
</kwd-group>
<kwd-group xml:lang="en">
<kwd>Language acquisition as life praxis</kwd>
<kwd>situation</kwd>
<kwd>Europe as affective space</kwd>
<kwd>methodological situationism</kwd>
</kwd-group>
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<sec>
<title>Vorbemerkung</title>
<p>Nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch wird mit der vorgestellten Spielart des interkulturellen Spracherwerbs Neuland betreten: Die von Hermann Schmitz (1928&#8211;2021) begr&#252;ndete Neue Ph&#228;nomenologie spielt dabei die entscheidende Rolle. Da diese Denkrichtung vielen Leserinnen und Lesern noch nicht bekannt sein d&#252;rfte, sind grunds&#228;tzliche Erl&#228;uterungen unerl&#228;sslich. Insbesondere gilt dies f&#252;r die These, den Spracherwerb als Teil des Sich-Einlebens in einer unbekannten Lebenspraxis aufzufassen. Angesichts des begrenzten Raumes f&#252;r einen Aufsatz wird deshalb im vorliegenden ersten Teil die theoretische Fundierung des Programmes vorgestellt. In einem zweiten Teil (&#8222;Anwendung&#8220;) soll die geplante praktische Durchf&#252;hrung erl&#228;utert werden.</p>
</sec>
<sec>
<title>1 &#220;ber die neuph&#228;nomenologische Methode des MONTAIGNE-Projektes</title>
<p>&#8222;Sprache das hei&#223;t Sprachen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B58">Weinrich 2001</xref>): Dieser h&#228;ufig zitierte Buchtitel l&#228;dt dazu ein, die Besch&#228;ftigung mit einer Sprache in den weiten Zusammenhang der Sprachenvielfalt und der mehrsprachigen Praxis zu stellen. Im Hinblick auf den interkulturellen Sprachunterricht k&#246;nnte man daran die Einladung anh&#228;ngen: Spracherwerb, das hei&#223;t Spracherwerb aus einer bedeutsamen Lebenspraxis. Es empfiehlt sich, (noch) nicht von Kulturen zu sprechen, weil es dann naheliegt, unmittelbar zum Spracherwerb unter den Bedingungen der jeweils vorfindlichen Mehrkulturalit&#228;t &#252;berzugehen, ohne die Einbettung von Sprachen in einen bedeutsamen Lebenszusammenhang grunds&#228;tzlich bedacht zu haben. Insofern ist zwischen der Mehrsprachigkeit etwa in Indien oder in Indonesien und der Mehrsprachigkeit in Europa zu differenzieren. Die hier vertretene Konzeption impliziert die Auffassung, dass bei der Einsch&#228;tzung der europ&#228;ischen Mehrsprachigkeit die pr&#228;reflexive Lebenserfahrung einzubeziehen ist. Sprache wird also nicht lediglich als kommunikatives Instrument f&#252;r Konzepte verstanden. Neben der Verschlingung von Sprache und Denken (vgl. das Res&#252;mee bei <xref ref-type="bibr" rid="B55">Trabant 2003: 322&#8211;325</xref>) und dar&#252;ber hinaus ist die noch unber&#252;cksichtigte Rolle der Sprache als Explikation pr&#228;reflexiver, noch nicht vereinzelter Erfahrungen einzubeziehen. Die Bedeutsamkeit dieses Erfahrungsbereichs l&#228;sst sich mit einem Seitenblick auf das uneurop&#228;ische <italic>Globalese</italic> erl&#228;utern. J&#252;rgen Trabant (<xref ref-type="bibr" rid="B56">2014: 184</xref>) hat die Implikationen des globalen Englisch in aller Deutlichkeit benannt: Subjektivit&#228;t und Historizit&#228;t nat&#252;rlicher Sprachen werden damit eliminiert. &#8222;Ich habe zwar noch <italic>Zeichen</italic>, aber keine Sprache.&#8220; Heute kann man erg&#228;nzen: Ich habe nur noch <italic>Daten</italic>, die dank der K&#252;nstlichen Intelligenz (KI) &#252;ber Algorithmen beliebig verarbeitet, bearbeitet und f&#252;r praktische Zwecke eingesetzt werden k&#246;nnen. Wer &#252;ber die Zwecke bestimmt, bleibt im Dunkeln. Ob ein EU-weites Gesetz zur Kontrolle von KI-Anwendungen nun &#8218;scharf&#8216; oder &#8218;weich&#8216; ausf&#228;llt, spielt keine Rolle, weil das Prinzip der &#8222;Ideologie totaler Vernetzung&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> nicht in Frage gestellt wird. Mit der Einbeziehung der pr&#228;reflexiven Erfahrung versteht sich das MONTAIGNE-Programm als Beitrag, dass die Wirklichkeit nicht auf das reduziert wird, was als Netz beliebig umkn&#252;pfbarer Konstellationen objektivierbar ist und sich in Datenformaten fassen l&#228;sst.</p>
<p>Sich zum Thema &#8218;europ&#228;ische Mehrsprachigkeit&#8216; zu &#228;u&#223;ern, fordert in besonderer Weise zur Besinnung auf: Um welchen Sachverhalt es sich bei Europa handelt, ist durchaus strittig. So kommt der Wiener Historiker Wolfgang Schmale zu dem Ergebnis, dass die h&#228;ufig beschworene europ&#228;ische Identit&#228;t im Verlauf der Jahrhunderte &#8222;praktisch-politischen N&#252;tzlichkeitserw&#228;gungen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Schmale <sup>2</sup>2010: 40&#8211;42</xref>) gehorcht habe. Von einem &#252;ber die Jahrhunderte durchgehaltenen, positiv bestimmbaren Begriffsgehalt k&#246;nne keine Rede sein. Europa habe inzwischen die Struktur eines potenziell globalen Netzwerks angenommen. Schmale res&#252;miert: Europ&#228;ische Identit&#228;t sei &#8222;als globaler Hypertext&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Schmale <sup>2</sup>2010: 147</xref>) zu betrachten, &#8222;durch Differenz, weniger durch Einheit gepr&#228;gt&#8220; (162). Demgegen&#252;ber scheint die Politik von dieser oder &#228;hnlichen Diagnosen nicht sonderlich beeindruckt zu sein. So hat etwa Emmanuel Macron u.a. in seiner programmatischen Sorbonne-Rede (<xref ref-type="bibr" rid="B27">2017</xref>) die Auffassung vertreten, Europa verschmelze immer mehr mit der Europ&#228;ischen Union im &#8222;projet europ&#233;en&#8220;, so dass die EU f&#252;r Europa sprechen k&#246;nne. Das gewagte Motto seiner Rede lautete deshalb: &#8222;Refonder l&#8217;Europe&#8220;, nicht etwa &#8218;Refonder l&#8217;Union europ&#233;enne&#8216;. Der k&#252;hne Anspruch, auch die affektive Bindung an die kulturellen Werte von Antike und Europa <italic>en bloc</italic> f&#252;r die EU zu reklamieren, war allerdings bereits zuvor von Hans Joas (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2012</xref>) als &#8222;Selbstsakralisierung Europas&#8220; kritisiert und auch von anderen Autoren zur&#252;ckgewiesen worden.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Aus einer anderen Perspektive hatten zudem Wissenschaftler unterstrichen: Einen europ&#228;ischen Demos gebe es nicht und werde es mittelfristig vermutlich auch nicht geben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">B&#246;ckenf&#246;rde 1976</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Judt 1996</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B59">Winkler 2017: 31</xref>). Da Europa eine disparate Mischung historischer und kultureller Vielfalt und Gegens&#228;tze darstelle, sei es nicht m&#246;glich, eine demokratische Legitimit&#228;t nach der Art der Nationalstaaten anzustreben. Aus diesen Gr&#252;nden pl&#228;dierten manche Forscher, man m&#252;sse auf ambitionierte Konstruktionen wie die EU verzichten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Judt 1996</xref>). Sozialwissenschaftliche Autoren vertraten hingegen die Auffassung, man m&#252;sse die post-nationale Demokratie auf einer rationalen politischen Identit&#228;t der Europ&#228;er (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Meyer 2009</xref>) ohne affektive Bindung aufsetzen (vgl. kritisch dazu Bach <xref ref-type="bibr" rid="B1">2008</xref>) und den traditionellen Prozess demokratischer Entscheidungsfindung der komplexen Realit&#228;t anpassen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Cerutti 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Habermas 2011</xref>; Meyer 2004; dazu kritisch <xref ref-type="bibr" rid="B32">M&#252;nch 2008: 380&#8211;383</xref>). Der Verfassungsrechtler Dieter Grimm (<xref ref-type="bibr" rid="B13">2016</xref>) sieht seinerseits das Hauptproblem des europ&#228;ischen Zusammenschlusses darin, dass der Gerichtshof der Europ&#228;ischen Union (EuGH) mit seiner Rechtsprechung die politischen Kompetenzen zunehmend von den demokratisch gew&#228;hlten Regierungen und Parlamenten zum Europ&#228;ischen Rat verlagert habe, der von den B&#252;rgern nicht demokratisch legitimiert ist; auch das Parlament der Europ&#228;ischen Union (EP<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>) k&#246;nne wegen der Abh&#228;ngigkeit von den nationalen Willensbildungsprozessen die Legitimationsl&#252;cke nicht schlie&#223;en. Deshalb tr&#228;gt Grimms Buch den vielsagenden Titel: &#8222;Europa ja &#8211; aber welches?&#8220;</p>
<p>Wollte man weitere wissenschaftliche Disziplinen zur Kl&#228;rung heranziehen, w&#252;rde sich die deutlich gewordene &#196;quivokation der Bezeichnung &#8218;Europa&#8216; noch vergr&#246;&#223;ern: Der gesuchte Sachverhalt scheint sich der Behandlung mit einer wissenschaftlichen Standardmethode zu entziehen. Je nach ihrer fachlichen Perspektive schneiden sich die thematisch involvierten Disziplinen gleichsam eine Portion von Sachverhalten, Programmen und Pro-blemen heraus, die unter den jeweiligen methodischen Grundannahmen bearbeitet werden. Nichtsdestoweniger werden Norweger, Schweizer, Serben oder Engl&#228;nder in anderen Erdteilen ohne Zweifel als Europ&#228;er bezeichnet, und die Genannten w&#252;rden diese Kategorisierung wohl auch f&#252;r zutreffend halten, obwohl sie B&#252;rger und B&#252;rgerinnen von L&#228;ndern sind, die nicht zur aktuellen EU geh&#246;ren. F&#252;r die Beantwortung der Frage: &#8218;Was bedeutet Europa f&#252;r Sie?&#8216;, d&#252;rften alle Befragten &#8211; ob nun aus einem EU-Land oder nicht &#8211; auf ihre Lebenserfahrung zur&#252;ckgreifen, die sich auf vielsagende, d.h. charakteristische, aber binnendiffuse Eindr&#252;cke st&#252;tzt, die umschrieben, aber in keiner Weise vollst&#228;ndig und abschlie&#223;end objektiviert werden k&#246;nnen. Analog zu Fragen vom Typ: &#8218;Was bedeutet f&#252;r Sie Frankreich?&#8216;, kann nicht davon ausgegangen werden, dass im Fall von Europa eine endliche Liste von Konstellationen aus Sachverhalten, Programmen und Problemen eine ersch&#246;pfende Antwort ergeben w&#252;rde. Es ist die subjektive Lebenserfahrung, die sagt, was Europa f&#252;r einen bedeutet &#8211; unbenommen des schwer &#252;berschaubaren und unabschlie&#223;baren Wissens dar&#252;ber. Mit ein wenig hermeneutischem Geschick wird man dar&#252;ber hinaus vorl&#228;ufige intersubjektive &#220;bereinstimmungen benennen k&#246;nnen, die sich auf den zun&#228;chst antiken, dann europ&#228;ischen Zivilisationstyp beziehen.</p>
<p>Sich auf die Lebenserfahrung zu berufen, ist f&#252;r positivistisch arbeitende Wissenschaften allerdings nur ein &#8218;schwaches&#8216; Argument; f&#252;r die Neue Ph&#228;nomenologie<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> hingegen ist dies ein &#8218;starkes&#8216; Argument: Sie hat den Anspruch, von der vorsprachlichen, pr&#228;reflexiven Erfahrung auszugehen. Der erfragte Sachverhalt (&#8218;Was bedeutet f&#252;r Sie Europa?&#8216;) sowie die eventuell damit verbundenen Programme und Probleme betreffen subjektive, h&#228;ufig vielsagende Eindr&#252;cke der Lebenserfahrung, die zum pr&#228;reflexiven Bereich der chaotischen Mannigfaltigkeit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Schmitz <sup>2</sup>1995: 65&#8211;67</xref>) geh&#246;ren, wie beispielsweise auch ein menschliches Gesicht, eine Gefahrensituation, eine Stimme oder ein kollektives Gef&#252;hl: Diese k&#246;nnen trotz eingehender Versuche nicht in aufz&#228;hlbare Einzelheiten zerlegt werden, sondern sind noch unentschieden hinsichtlich Identit&#228;t und Verschiedenheit, verschwimmen aber nicht, sondern treten aus der z&#228;hfl&#252;ssigen, binnendiffusen Mannigfaltigkeit erst bei passender Gelegenheit als charakteristische Ganzheit hervor. M&#246;glich macht dies &#8222;der binnendiffuse, chaotisch-mannigfaltige Charakter des Hofes der Bedeutsamkeit&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B41">Schmitz 1997: 29&#8211;30</xref>), der von Eindr&#252;cken ausgeht. Hermann Schmitz, der Begr&#252;nder der Neuen Ph&#228;nomenologie, fasst dies mit einem neuen <italic>terminus technicus</italic>, dem der <italic>Situation</italic>, zusammen.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> Der Begriff der Lebenserfahrung, wie er im vorliegenden Text verwendet wird, ist also ein Sammelbegriff f&#252;r die (ph&#228;nomenologisch noch zu differenzierenden) Situationen, wird also nicht im Sinne einer Sozial- oder Kulturtheorie auf die ausdifferenzierten Manifestationen und Regeln (Konstellationen) in einer Gesellschaft reduziert.</p>
<p>Sich neuph&#228;nomenologisch informiert mit dem Spracherwerb im Rahmen des MONTAIGNE-Programms zu besch&#228;ftigen,<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> bedeutet, dass man <italic>sich im Hinblick auf die Studierenden eines eingef&#252;hrten spracherwerbstheoretischen Begriffs enth&#228;lt</italic> &#8211; und sei es ein hypothetischer. Diese Maxime hat die Funktion, die Offenheit f&#252;r die vielsagenden Eindr&#252;cke und das subjektive Affiziert-Werden durch sie soweit m&#246;glich aufrecht zu erhalten.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Hintergrund ist die grunds&#228;tzliche Revision der tradierten Philosophie, von welcher die Neue Ph&#228;nomenologie ihren Ausgang nimmt. Sich der chaotischen Mannigfaltigkeit, d.h. der vorbegrifflichen Ebene der Erfahrung philosophisch zuzuwenden, geht von der Einsicht aus, &#252;ber die Schmitz sagt: &#8222;In Wirklichkeit ist Wahrnehmen nicht so sehr ein Registrieren von Objekten oder Sinnesdaten wie vielmehr eine Subjekt und Objekt im Sich-einspielen und Eingespieltsein auf einander umgreifende Kooperation, die ich [&#8230;] als Einleibung bezeichnen werde.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Schmitz <sup>2</sup>1995: 66</xref>) Die ph&#228;nomenologische Vorgehensweise setzt also nicht auf der abgehobenen Ebene der Begriffe ein, wie es die Wissenschaften tun, sondern beim leiblichen Sp&#252;ren.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref></p>
<disp-quote>
<p>Die unwillk&#252;rliche Lebenserfahrung, verstanden als Inbegriff alles dessen, was Menschen merklich widerf&#228;hrt, ohne dass sie es sich absichtlich zurechtgelegt haben, ist die einzige verl&#228;ssliche Erkenntnisquelle f&#252;r alle Wissenschaften, die nicht blo&#223; mit formaler Logik operieren. (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Schmitz 2007, Bd. 2: 820</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Nun ist es aber nicht m&#246;glich, von der entfalteten Ebene des begrifflichen Denkens auf die Ebene der unwillk&#252;rlichen Lebenserfahrung zur&#252;ckzugreifen und gleichsam im Handstreichverfahren &#8218;die Dinge richtig zu stellen&#8216;. Objektive (d.h. affektiv neutrale) Sachverhalte und ggf. Tatsachen sind nach Schmitz &#8222;verarmte&#8220;, auf relevante Konstellationen reduzierte Ergebnisse urspr&#252;nglich reicher subjektiver Tatsachen (<xref ref-type="bibr" rid="B46">Schmitz 2009: 29&#8211;34</xref>). Deshalb k&#246;nnen diese nicht von der reduktiven Ebene begrifflicher Abstraktion aus rekonstruiert werden. Mit einem Stufenmodell veranschaulicht Schmitz die Lage: Zwischen der unwillk&#252;rlichen Lebenserfahrung einerseits und der abstrakten Ebene der Begriffe, Theorien und Bewertungen andererseits liegt als Abstraktionsbasis</p>
<disp-quote>
<p>[&#8230;] die z&#228;h pr&#228;gende Schicht vermeintlicher Selbstverst&#228;ndlichkeiten, die [&#8230;] den Filter bildet. Die Abstraktionsbasis entscheidet dar&#252;ber, was so wichtig genommen wird, dass es durch Worte und Begriffe Eingang in Theorien und Bewertungen findet. Deshalb sind gegens&#228;tzliche Theorien und Bewertungen auf derselben Abstraktionsbasis m&#246;glich. (<xref ref-type="bibr" rid="B39">Schmitz 1998: 7</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref></p>
</disp-quote>
<p>Die Schwierigkeit, bei der Bezeichnung &#8218;Europa&#8216; zu verl&#228;sslichen Erkenntnissen zu gelangen, illustriert die Wirkung dieser &#8222;z&#228;h pr&#228;genden Schicht vermeintlicher Selbstverst&#228;ndlichkeiten&#8220;, die weitgehend unbeachtet in die Bewertung eingehen. Danach besteht die erste Aufgabe einer kritischen Ph&#228;nomenologie darin, diese vermeintlichen Selbstverst&#228;ndlichkeiten der Tradition zu benennen, um zu verstehen, inwiefern sie den Blick auf die unwillk&#252;rliche Erfahrung verstellen und den in Theorien verwandten Begriffen ihren Zuschnitt verliehen haben; danach l&#228;sst sich auch die historische Folgewirkung der Begriffe besser verstehen. Die Entscheidung der Neuen Ph&#228;nomenologie, im Vollsinn empirisch<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> einzusetzen, bedeutet deshalb, neu zu bildende Begriffe in un&#252;blicher Weise ausgehend von einer niedrigen Abstraktionsbasis zu bilden, die sich der leiblich bestimmten Lebenserfahrung ann&#228;hert. Die Neue Ph&#228;nomenologie ist deshalb zun&#228;chst <italic>Leibph&#228;nomenologie</italic>. Die Begriffe der Neuen Ph&#228;nomenologie sind insofern heuristisch, um in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen zu einer Verst&#228;ndigung zu gelangen.</p>
<p>Die Ph&#228;nomenologie verzichtet von vornherein auf den Anspruch, ihre Objektivit&#228;t dadurch zu erweisen, da&#223; ihre Befunde jedem Normalsinnigen vorgemacht werden, so da&#223; er sie zugeben mu&#223;. Sie baut auf die Selbstbesinnung des Einzelnen, der sich fragt: &#8218;Was mu&#223; ich gelten lassen?&#8216; (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Schmitz 2002: 36</xref>) Konkret ist damit das eigenleibliche Sp&#252;ren ohne R&#252;ckgriff auf das Tasten gemeint, das Affiziert-Werden von vielsagenden Eindr&#252;cken, die wechselseitige Resonanz in leiblicher Kommunikation sowie das Affiziert- bzw. Ergriffen-Werden von Gef&#252;hlsatmosph&#228;ren.</p>
<disp-quote>
<p>Der wichtigste Ertrag ph&#228;nomenologischer Objektivit&#228;t ist die &#214;ffnung des Blickes f&#252;r Zusammenh&#228;nge, die durch einseitig gerichtete Einstellungen, oft schon durch eine zu hoch &#252;ber der unwillk&#252;rlichen Lebenserfahrung angelegte Abstraktionsbasis, verdeckt werden. (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Schmitz 2002: 37</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Gernot B&#246;hme erg&#228;nzt: &#8222;[Es] zeigt sich, dass in der Tat die Ph&#228;nomenologie die genuine Erkenntnisweise f&#252;r den Leib ist. Denn sie untersucht, was man den menschlichen K&#246;rper nennt, in subjektiver Gegebenheit, im Medium des Sich-Sp&#252;rens.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B5">B&#246;hme 2003: 47</xref>)</p>
<p>Im vorliegenden Zusammenhang des Spracherwerbs muss zur Verdeutlichung auf das Beispiel des Wir-Gef&#252;hls eingegangen werden, dessen St&#228;rkung den ERASMUS-Studierenden fr&#252;her verhei&#223;en wurde.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> Die EU ist der &#220;berzeugung, dieses und andere Gef&#252;hle lie&#223;en sich mit der &#252;blichen psychologischen Befragungsmethodik zu objektiven Daten (Konstellationen) verdichten und f&#252;r die politische Argumentation verwenden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">DAAD-Wirkungsstudie 2016</xref>). Das subjektive, in Situationen aufgeh&#228;ngte, aber nur teilweise objektivierbare Lebensgef&#252;hl kann jedoch von den konventionellen statistischen Erhebungen nicht erfasst werden.<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> Das k&#252;nstliche Arrangement der Befragungen f&#252;hrt zu einer Aufl&#246;sung des Lebensvollzugs, um die es bei einem aktuellen Wir-Gef&#252;hl gerade geht: Entsprechend dem unterschwellig wirkenden nominalistischen Modell der Vereinzelung von allem werden <italic>Individuen</italic> befragt &#8211; neuph&#228;nomenologisch gesprochen: aus den einbettenden gemeinsamen Situationen herausgel&#246;st. Die kognitiv zun&#228;chst kaum merklichen atmosph&#228;rischen Ver&#228;nderungen f&#252;hren &#8211; so Hans Bernhard Schmid &#8211; zu einer Verzerrung der Wahrnehmung:</p>
<disp-quote>
<p>Reflexiv-thematisches und vorreflexiv-unthematisches Wir-Bewu&#223;tsein k&#246;nnen radikal auseinanderklaffen; vielleicht t&#228;uschen wir uns in unserem reflexiven kollektiven Selbstverst&#228;ndnis tats&#228;chlich gr&#252;ndlichst dar&#252;ber, wer wir in Tat und Wahrheit sind &#8211; &#8218;Wir&#8216; im Sinne des lebendigen, vorreflexiv-unthematischen Wir-Bewusstseins. Eine Sozialwissenschaft, die ihren Begriff der Wir-Gruppe stark an den kollektiven Wir-Identit&#228;ten orientiert, wie sie im Erleben der Menschen selbst im Zentrum stehen und deshalb diesem Erleben direkt zu entnehmen sind, mu&#223; zwangsl&#228;ufig den <italic>Ri&#223;</italic> aus den Augen verlieren, der zwischen dem expliziten &#8218;Wir&#8216; unserer reflexiven sozialen Selbstidentifikation und dem impliziten &#8218;Wir&#8216; unserer lebendigen intentionalen Praxis besteht. (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Schmid <sup>2</sup>2012, 102&#8211;103</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Was die EU-Befragungen widerspiegeln, sind demnach jene &#8222;Selbstverst&#228;ndlichkeiten&#8220;, die &#252;ber Europa im Umlauf sind. Dass den Auftraggebern der zitierten DAAD-Studie diese Problematik nicht bewusst zu sein scheint, l&#228;sst sich aus der Unkenntnis qualitativer, ph&#228;nomenologisch informierter Befragungsmethoden wie Salber (<xref ref-type="bibr" rid="B34">2009</xref>) und Clarke (<xref ref-type="bibr" rid="B8">2011</xref>) schlie&#223;en.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> Statt wie bei den ERASMUS-Befragungen die Zahl von <italic>likes</italic> zu z&#228;hlen und Aussagen nach &#8222;mehr&#8220; oder &#8222;weniger&#8220; zu gewichten, um zu praktisch verwertbaren Konstellationen zu kommen, geht es im MONTAIGNE-Programm<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> darum, von dieser tr&#252;gerischen Objektivit&#228;t Abstand zu gewinnen.</p>
<p>Die f&#252;r selbstverst&#228;ndlich gehaltene Annahme, sich mit Hilfe einer gewissenhaften Analyse ein objektives Bild von der Welt machen zu k&#246;nnen, liegt nicht allein den EU-Befragungen zugrunde, sondern f&#252;hrt zur&#252;ck zur Entstehung der exakten Wissenschaften bei den griechischen Philosophen der Antike. Die von diesen vorgenommene &#8222;Zerschlagung der vielsagenden Eindr&#252;cke auf der Gegenstandsseite der Wahrnehmung&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Schmitz <sup>2</sup>1995: 21</xref>), welche die Lebenserfahrung charakterisieren, ist seit Demokrit und Platon f&#252;r die Entwicklung des philosophischen Denkens bestimmend geworden. Statt wie in der fr&#252;hen mythischen Welterfahrung von Impulsen, Eindr&#252;cken, leiblichen Regungen, heftig ergreifenden Gef&#252;hlen usw. heimgesucht zu werden, wird das Ich als zentrale Kontroll- und Steuerungsinstanz eingef&#252;hrt. Am Ende dieser Umpr&#228;gung steht das Modell eines Menschen, der auf einem stabilen Niveau personaler Emanzipation den Dingen gegen&#252;bertritt und f&#252;r sein Handeln rechenschaftsf&#228;hig wird. Die Ding-Ontologie entwertet jedoch zugleich die spontane, pr&#228;reflexive Lebenserfahrung: Sie wird auf die Gegenst&#228;nde reduziert, die <italic>more geometrico</italic> im zentralen Gesichtsfeld erfassbar und auf wenige Merkmale reduziert sind. Die Abstraktionsbasis der Begriffsbildung, die bei der Verh&#228;ltnisbestimmung von Selbst und Welt zugrunde gelegt wird, ist damit sehr schmal (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Schmitz 1999: 13</xref>). Die darauf aufbauende Anthropologie ist das Ergebnis einer Aufspaltung der Wirklichkeit in eine Au&#223;enwelt der bestimmten, festen und manipulierbaren Dinge und in eine Innenwelt (in der europ&#228;ischen Tradition die &#8222;Seele&#8220;), in der die nur unvollkommen objektivierbaren, fl&#252;ssigen und sich der Kontrolle entziehenden leiblichen Regungen und Strebungen, Erregungen und Eindr&#252;cke untergebracht wurden (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Schmitz <sup>2</sup>1995: 36</xref>). Damit wurden ganze Ph&#228;nomenbereiche (z.B. Gef&#252;hle) zerschnitten bzw. verdreht (die Wahrnehmung als leibliche Kommunikation) oder geleugnet (Situationen, darunter die vielsagenden Eindr&#252;cke und die Subjektivit&#228;t). Besonders schlimm traf es den Leib, der f&#252;r 2500 Jahre f&#252;r die philosophische Besinnung unsichtbar wurde: &#8222;[&#8230;] dieser verschwindet zwischen K&#246;rper und Seele wie in eine Gletscherspalte&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B50">Schmitz 2014: 8</xref>). Dieser Reduktionismus schw&#228;cht erheblich, was als Inbegriff des europ&#228;ischen Zivilisationstyps bezeichnet wird.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref></p>
<p>Die Absicht, den Fremdsprachenerwerb in <italic>europ&#228;ischer</italic> Perspektive zu untersuchen, problematisiert mit der Benennung &#8218;Europa&#8216; also zugleich den &#252;blichen wissenschaftlichen Umgang mit der Lebenspraxis, in die die europ&#228;ischen Sprachen eingebettet sind und aus der sie hervorgehen. Es stellt sich damit die Frage, wie man sich den Spracherwerb ausgehend von der chaotischen Mannigfaltigkeit konkret vorstellen soll.</p>
</sec>

<sec>
<title>2 Sprachenlernen in einer ver&#228;nderten Lebenspraxis</title>
<p>Abweichend von der Ph&#228;nomenologie, die an Husserl anschlie&#223;t, ist f&#252;r die Neue Ph&#228;nomenologie nicht das intentionale Bewusstsein, sondern das leiblich-affektive Betroffensein das Erste und Wichtigste, mit dem Menschen zu tun haben und was sie ihr Leben lang begleitet.<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> H&#228;ufig ist zu beobachten, dass dabei das Affiziert-Werden nicht vom Affizieren zu trennen ist &#8211; wie etwa beim H&#228;ndedruck oder beim <italic>embrassement/abracio/abrazo/&#238;mbr&#259;&#539;i&#351;are</italic>; hier greifen das leibliche Sp&#252;ren und die leibliche Kommunikation mit anderen ineinander und lassen sich in vielen F&#228;llen analytisch nur unvollkommen voneinander trennen. Andererseits d&#252;rfte etwa der vielsagende Eindruck, der von einem Gesicht oder einem Portr&#228;t ausgeht, ohne affizierende Antwort bleiben, sofern ein Gegen&#252;ber fehlt. Es lassen sich also einseitige Einleibung (wie etwa die beim Bildbetrachten anzutreffende Spielart leiblicher Kommunikation) und wechselseitige Einleibung (beim H&#228;ndedruck usw.) unterscheiden. Damit ist ein zentrales Strukturmerkmal der Lebenserfahrung genannt, die zur Entwicklung der Leibph&#228;nomenologie von Hermann Schmitz gef&#252;hrt hat. Dank der strukturellen &#220;bersichtlichkeit und Kombinierbarkeit der Faktoren spricht der Autor selbst vom &#8222;Alphabet der Leiblichkeit&#8220;<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref>.</p>
<p>Die Leiblichkeit als Grundlage hat sich inzwischen als anschlie&#223;bar an <italic>embodiment</italic>-Konzeptionen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Gallagher 2012</xref>) und als Korrektiv leib-k&#246;rperlicher Thesen erwiesen, die ausgehend von der &#228;lteren Ph&#228;nomenologie entwickelt worden sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Lindemann 2014</xref>). Neuerdings sind die Neuph&#228;nomenologische Humangeographie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Hasse 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B19">2023</xref>) und Soziologie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Gugutzer 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B57">Uzarewicz 2011</xref>) entstanden, die sich ausdr&#252;ckliche auf Hermann Schmitz berufen. Eine zentrale Aussage von Gugutzer l&#228;sst sich auf das Zusammentreffen der europ&#228;ischen Studierenden an ihrem Hochschulort &#252;bertragen: &#8222;Wo niemand affizierbar ist, also keine Leiber, sondern nur leblose K&#246;rper involviert sind, ist Sozialit&#228;t nicht m&#246;glich. Sozialit&#228;t setzt Leiblichkeit voraus.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Gugutzer 2017: 150</xref>) Der Terminus Lebenspraxis wird dementsprechend weder im Sinn einer von abstrakten Begriffen ausgehenden Sozialtheorie noch im Sinn einer historischen Gesellschaftstheorie verwendet, sondern im ph&#228;nomenologischen Sinn der leiblich gepr&#228;gten gemeinschaftlichen Lebenserfahrung. Ausgehend von der <italic>gemeinsamen Situation</italic> als Grundform des Zusammenlebens kann man von einem <italic>methodologischen Situationismus</italic> im Unterschied zu einem methodologischen Individualismus sprechen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Gugutzer 2017: 149&#8211;151</xref>).</p>
<p>Die verbreitete Auffassung, man verstehe einen anderen Menschen in erster Linie &#252;ber das, was er mitteilt, muss also korrigiert werden. Gespr&#228;che z.B. sind als leibliche Kommunikation zun&#228;chst Teil der vorbegrifflichen, pr&#228;reflexivien Erfahrung (zu den nicht rationalen und nichtsprachlichen Abstimmungs- und Verst&#228;ndigungsprozessen vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Gugutzer 2017: 154</xref>): Der wechselseitige Austausch vielsagender Eindr&#252;cke (Proxemik, Stimme, Gestik, Mimik<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref>) kulminiert im Blickwechsel, einem der wichtigsten Kan&#228;le der Einleibung. Das subjektive Spektrum zwischen leiblicher Attraktion und Repulsion wird ausgelotet, gesp&#252;rte Gemeinsamkeiten werden gepr&#252;ft, die Vertrauensf&#228;higkeit abgewogen und die urspr&#252;nglichen Absichten der neuen Situation angepasst sowie zu erwartende Verhaltensweisen abgesch&#228;tzt. Das aneinander Ma&#223;nehmen weist den Blick als Prototyp wechselseitiger antagonistischer Einleibung aus und stiftet ein gemeinsames atmosph&#228;risches Vorgef&#252;hl zwischen den Partnern, so dass man zu sp&#252;ren meint, worauf man sich bei dem Gegen&#252;ber einzustellen hat. Selbst wenn sich dieser Eindruck nicht oder nur teilweise best&#228;tigen sollte, bleibt der atmosph&#228;rische Eindruck ein Mittel der vorsprachlichen Orientierung in einer neuen gemeinsamen Situation. Die Situation der Gruppenbildung der europ&#228;ischen Studierenden zu Beginn des Europa-Semesters, d.h. die allgegenw&#228;rtige latente Einleibung, sorgt f&#252;r hinreichend zahlreiche Gelegenheiten, dass etwa aus einem von Sympathie getragenen Mitmachen &#252;ber die dauerhafte leibliche Kopr&#228;senz die manifeste Einleibung und daraus eine kollektive Atmosph&#228;re entsteht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Landweer 2016: 151&#8211;154</xref>).</p>
<p>Peter Sloterdijk hat in seiner Weise von einer &#8222;proxemischen Anthropologie&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B36">2012: 27</xref>) gesprochen, die die klimatischen &#8222;N&#228;he-Beziehungen&#8220; als atmosph&#228;risch aufgeladene Sph&#228;ren bezeichnet, durch welche sich die Menschen in ihrer Umgebung zuerst finden. So wissen sie</p>
<disp-quote>
<p>[&#8230;] auf der Stelle, woran sie sind &#8211; mit sich selbst und mit anderen und allem. In Atmosph&#228;ren sind sie eingetaucht, aus Atmosph&#228;ren spricht zu ihnen das Offenbare. Durch Immersion ins leitf&#228;hige Element sind sie urspr&#252;nglich <italic>da</italic> und f&#252;r Umgebung offen. Der Raum als Atmosph&#228;re ist nichts als Schwingung oder <italic>reine Konduktivit&#228;t</italic> (vgl. Gosztonyi 1976: 1255). (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Sloterdijk 2012: 28</xref>; Hervorhebungen im Original)</p>
</disp-quote>
<p>Bereits Gernot B&#246;hme hatte unterstrichen: &#8222;Das prim&#228;re Thema von Sinnlichkeit sind nicht die Dinge, die man wahrnimmt, sondern das, was man empfindet: die Atmosph&#228;re.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B4">B&#246;hme 1995: 15</xref>) Gemeinsame Situationen sind insofern vor jedem Gespr&#228;ch Heimst&#228;tten kollektiver Atmosph&#228;ren.</p>
<disp-quote>
<p>Atmosph&#228;ren sind Ausdrucksph&#228;nomene, genauer Ph&#228;nomene, bei denen der <italic>Ausdruck</italic> einer Gestalt leiblich <italic>beeindruckt</italic>, d.h. das F&#252;hlen anspricht und Impulse zum Mitschwingen setzt. [&#8230;] Das F&#252;hlen als leibliches Sp&#252;ren ist in dieser Perspektive eine Art Resonanzraum f&#252;r Ausdrucksph&#228;nomene. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Gro&#223;heim/Kluck/N&#246;remberg 2014: 9</xref>, Hervorhebungen im Original).</p>
</disp-quote>
<p>Die Einleibung als F&#252;hler f&#252;r das, &#8218;was atmosph&#228;risch los ist&#8216;, d&#252;rfte sich also auf besondere Weise beim Erschlie&#223;en eines kollektiven Resonanzraumes bew&#228;hren, wie er bei der Gruppenbildung unter europ&#228;ischen Studierenden entstehen kann:</p>
<disp-quote>
<p>Kollektive oder gemeinsame Atmosph&#228;ren sind stets an gemeinsame Situationen gebunden, w&#228;hrend gemeinsame Situationen auch ohne gemeinsame Atmosph&#228;ren vorkommen. [&#8230;] Das d&#252;rfte daran liegen, dass sie [die kollektiven Atmosph&#228;ren, W.M.-P.] auf Einleibung beruhen. [&#8230;] Einleibung ist die Heimst&#228;tte gemeinsamer Atmosph&#228;ren und gemeinsamer Situationen. (<xref ref-type="bibr" rid="B50">Schmitz 2014: 50, 56, 58</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Damit zeichnet sich der au&#223;erordentliche Stellenwert ab, den die Einleibung als Spielart der leiblichen Kommunikation f&#252;r die Verst&#228;ndigung &#252;ber kulturelle Schwellen hinweg haben kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">M&#252;ller-Pelzer 2021</xref>). &#8222;Die Gef&#252;hle transportieren nicht nur Atmosph&#228;ren, sondern auch in Atmosph&#228;ren gebundene Situationen.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B53">Schmitz 2019: 30</xref>)</p>
<p>Die neue Lebenspraxis imponiert danach zun&#228;chst als Atmosph&#228;re, ob nun leiblich als hintergr&#252;ndige Stimmung sp&#252;rbar oder als leiblich ergreifende, bisweilen auch &#252;berw&#228;ltigende Erregung, ohne Namen und Herkunft. Die subjektive Perspektive der erlebenden, leiblich affizierten und affizierenden Studierenden, d.h. &#8222;wof&#252;r und wogegen sie sich mit W&#228;rme einsetzen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B44">Schmitz 2003: iii</xref>), nicht das subjektive Bewusstsein steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Handeln bezeichnet hier das Einleben in der Lebenspraxis<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> von Menschen einer unbekannten europ&#228;ischen Kultur und diese Erfahrung begleitend das Einwachsen in die unbekannte Sprache als Teil dieser Praxis.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Sich-Einleben und Einwachsen ist kein bewusst intentionales Agieren, sondern etwas, das mit einem geschieht. Insofern l&#228;sst sich von <italic>Patheuren</italic> sprechen anstelle von Akteuren. &#220;berraschendes, Unerwartetes, Neuartiges, Verst&#246;rendes, R&#228;tselhaftes, Verlockendes widerf&#228;hrt<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> einem, aber nicht im dreidimensionalen Raum, sondern im pr&#228;dimensionalen, leiblichen Raum und im Raum der Gef&#252;hle (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Schmitz <sup>2</sup>1995: 292&#8211;320</xref>). Deshalb bezeichnet Gugutzer im Anschluss an Hasse dieses Handeln &#8222;als (eigensinnig) <italic>leibliches Handeln</italic>&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2017: 150, Hervorhebung im Original</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Die menschliche Rede zwischen Gef&#252;hlsatmosph&#228;ren und situativem Verst&#228;ndnis</title>
<p>Das leibliche Einwachsen in einer neu sich bildenden gemeinsamen Lebenspraxis samt unbekannter Sprache soll im MONTAIGNE-Programm eine bislang verstellte Europ&#228;isierungserfahrung er&#246;ffnen. Doch es ist in Rechnung zu stellen, dass die zun&#228;chst leitende Frage der Teilnehmer/innen lauten d&#252;rfte: &#8218;Wie erschlie&#223;e ich mir durch einen Spracherwerb, der weitgehend von utilitaristischen &#220;berlegungen frei ist, die M&#246;glichkeit, mein Leben als selbstbestimmte Europ&#228;erin bzw. als selbstbestimmter Europ&#228;er in die eigene Hand zu nehmen?&#8216; Bereits die erste vorbereitende Erl&#228;uterung des Europa-Semesters wird zu Tage f&#246;rdern, dass sich die Antwort nicht in diskursiver, vom subjektiven Erleben abl&#246;sbarer Weise geben l&#228;sst. Erst in der Bildung neuer gemeinsamer Situationen mit den Mitstudierenden und Menschen der Umgebung, d.h. durch leibliche Kommunikation und gemeinsame Gef&#252;hlsatmosph&#228;ren, erschlie&#223;t sich die unbekannte Sprache als subjektive, unvertretbare Erfahrung. Diese Auskunft bedarf der Konkretisierung.</p>
<p>Entsprechend ihren Prinzipien scheiden f&#252;r die Neue Ph&#228;nomenologie konstruktivistische und naturwissenschaftlich argumentierende Sprachtheorien aus.<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> Die Sprache wird aus der Perspektive des leiblich affizierbaren und in gemeinsame Situationen eingebetteten Subjekts thematisiert. Anstelle des &#252;blichen universit&#228;ren Sprachenlernens, das ein entfaltetes Niveau personaler Emanzipation voraussetzt, beginnen die MONTAIGNE-Studierenden &#228;hnlich wie Kinder mit dem situativen Aneignen von bedeutsamem Eindr&#252;cken. Bestimmte vorsprachliche Anl&#228;sse kanalisieren den &#220;bergang zur Rede. Zu denken ist etwa an das leibliche Koagieren in solidarischer Einleibung: Ohne Zuwendung zu den einzelnen Mitstudierenden entsteht z.B. durch chorisches Sprechen und chorischen Gesang eine gemeinsame Gef&#252;hlsatmosph&#228;re, bisweilen bis zur Bildung einer &#8218;Gef&#252;hlsglocke&#8216;, ein pr&#228;reflexives Wir. Selbst wenn die Manifestationen &#252;ber das Vokalisieren hinausgehen und Ausrufe und Aufforderungen (man denke an Mannschaftsspiele) enthalten, handelt es sich noch nicht um menschliche Rede, sondern um F&#228;lle sozialer Kommunikation wie bei bestimmten Tierarten. Die jeweiligen Situationen werden als ganze evoziert und bearbeitet, nicht aber wie in menschlicher, d.h. satzf&#246;rmiger Rede zerlegt in Sachverhalte, Programme und Probleme und damit expliziert. Das Einwachsen (Implikation) in die &#252;beraus reiche, neue, pr&#228;reflexive Erfahrung d&#252;rfte bei den Studierenden fr&#252;her oder sp&#228;ter zu einer &#220;berforderung, zu &#220;berw&#228;ltigungserfahrungen wie Schwindel, Kurzschlussreaktionen, R&#252;ckzug oder das Ausweichen in bereits vertraute Sprachen f&#252;hren: Angesichts der dichten Abfolge, der Konkurrenz und des Kontrastes kollektiver Atmosph&#228;ren wei&#223; man mitunter nicht mehr, &#8218;wo einem der Kopf steht&#8216;. Um dem Eindruck des zentrifugalen Sich-Verlierens entgegenzuwirken, unterst&#252;tzen zu Beginn des Europa-Semesters praktische &#220;bungen die Gruppenbildung, welche an die Schauspielausbildung, das Improvisationstheater und ggf. an das provokative Coaching angelehnt sind.<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> In <italic>spielerischer Identifizierung</italic><xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> nehmen die Studierenden mit Unterst&#252;tzung des p&#228;dagogischen Teams f&#252;r eine gewisse Zeit die kindliche Perspektive ein. Ohne an diese &#220;bertragung in interkulturelle Begegnungssituationen zu denken, zitiert Schmitz zustimmend den Sprachpsychologen Hans H&#246;rmann:</p>
<disp-quote>
<p>Das sprechenlernende Kind erfasst zun&#228;chst nicht das, was der ge&#228;u&#223;erte Satz meint, sondern, was ein Sprecher meint, und gesteuert von dem protolinguistischen Duktus der Zuwendung, der Intonation, lernt das Kind, die in dieser Situation produzierte verbale &#196;u&#223;erung so zu analysieren, dass es sp&#228;ter weitgehend auf die St&#252;tzung durch derartige dann &#8218;zus&#228;tzliche&#8216; F&#228;higkeiten verzichten kann. (<xref ref-type="bibr" rid="B21">H&#246;rmann 1976: 76</xref>, zit. bei <xref ref-type="bibr" rid="B49">Schmitz 2012: 234</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Schmitz erg&#228;nzt:</p>
<disp-quote>
<p>Nur durch Einpflanzung seiner pers&#246;nlichen Situation in solche gemeinsamen Situationen kann ein Kind sprechen lernen, indem es die Muttersprache aus der Bedeutsamkeit gemeinsamer Situationen abzulesen lernt. (<xref ref-type="bibr" rid="B47">Schmitz 2010: 94</xref>) Zun&#228;chst sind es aktuelle, von Augenblick zu Augenblick verschiebbare Situationen, aus denen das Kind sein Sprachverst&#228;ndnis sch&#246;pft; durch rasche Verallgemeinerung bilden sich ihm daraus zust&#228;ndliche, auf l&#228;ngere Sicht verl&#228;ssliche Situationen [&#8230;]. (<xref ref-type="bibr" rid="B49">Schmitz 2012: 234</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Ausgehend von der Erfahrung der Einleibung, in die sich die MONTAIGNE-Studierenden &#252;ber suggestive Atmosph&#228;ren zum Sich-Einleben in Situationen hineinziehen lassen und sich ihnen z.T. auch ausliefern, entstehen dauerhafte Situationen. Da es sich um junge Erwachsene handelt, wird diese Einstellung aber von dem Bed&#252;rfnis abgel&#246;st, sich &#252;ber die bedr&#228;ngenden Situationen Klarheit zu verschaffen, d.h. das vertraute Niveau personaler Emanzipation einzunehmen. Das Bed&#252;rfnis nach Distanzierung &#228;u&#223;ert sich darin, dass die zuvor affektiv gesp&#252;rte, bedr&#228;ngende Bedeutsamkeit der Situationen nach einer Einordnung in Gattungen verlangt. Die entsprechende implizite Frage an sich selbst lautet: &#8218;Worauf will das alles mit mir hinaus?&#8216;</p>
<p>Dies d&#252;rfte der Antrieb sein, der nach menschlicher Rede dr&#228;ngt, das hei&#223;t Sprache verstanden prim&#228;r nicht als Kommunikation, sondern als Explikation, als Auseinanderwickeln des leiblich-atmosph&#228;risch-situativ Verwickelten, und zwar in Satzform.</p>
<disp-quote>
<p>Das Hauptgesch&#228;ft, das Spezifische, des Sprechens besteht in der Explikation (einzelner Bedeutungen aus Situationen mit anschlie&#223;ender Kombination der Explikate) [&#8230;]. Bei der Explikation setzt die Leistung der Sprache f&#252;r das Sprechen ein. Ihr grundlegender Erfolg ist die von den S&#228;tzen geregelte Abteilung der Explikationsprodukte in Portionen durch Darstellung in Spr&#252;chen. (<xref ref-type="bibr" rid="B49">Schmitz 2012: 218&#8211;219</xref>)</p>
</disp-quote>
<p>Damit wird besser verst&#228;ndlich, warum Schmitz die Sprache definiert als &#8222;eine Situation, die ganz in ihrem Programmgehalt aufgeht&#8220; (2012: 214), indem sie andere Situationen expliziert. Die Sprache ist ein Instrument, dessen man sich intuitiv bedient: Unabh&#228;ngig vom Grad sprachlicher Progression greift man in freier Rede ohne Gebrauchsanweisung in den Vorrat der sprachlichen M&#246;glichkeiten.</p>
<p>Die Explikation in Konstellationen und diese verkn&#252;pfbar zu Netzwerken betrifft aber lediglich bestimmte Sachverhalte, Programme und Probleme; der diffuse &#8222;Hof der Bedeutsamkeit&#8220; (Schmitz) der Situation bleibt erhalten. Sofern kein praktisch-reduktives Interesse vorherrscht, l&#228;sst sich sukzessive auch Anderes aus der Situation herausholen: Nach ihrer Verwendung sinken die Konstellationen in die Situation wieder ein und verleihen ihr eine ver&#228;nderte Bedeutsamkeit, so dass z.B. durch Erinnern andere, vermeintlich &#8218;&#252;bersehene&#8216; Ph&#228;nomene auff&#228;llig werden. Oder aber wenn die Explikation als hermeneutische bereits auf Mehrdeutigkeit angelegt ist:</p>
<disp-quote>
<p>Hermeneutisch ist eine Intelligenz, die der poetischen Explikation dadurch nahe kommt, da&#223; sie sich nicht darauf beschr&#228;nkt, einzelne Bedeutungen (d.h. Sachverhalte, Programme und Probleme) zu explizieren und zu kombinieren, sondern die binnendiffuse Bedeutsamkeit ganzheitlich im Auge beh&#228;lt, um sich mit geschickter Sparsamkeit der Explikation ihr anzupassen. Eine Dom&#228;ne f&#252;r Entfaltung hermeneutischer Intelligenz ist das Gespr&#228;ch [&#8230;]. (Schmitz 2005: 55)</p>
</disp-quote>
<p>Durch leibliche Interaktion und Affizierung<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> k&#246;nnen die Studierenden unter den unterschiedlichen &#8218;mitgebrachten&#8216; Europ&#228;isierungsstilen, den Auto- und Heterostereotypen gleichsam hindurchtauchen, so dass diese nicht zu einem un&#252;berwindlichen Verst&#228;ndigungshindernis werden. Was einem w&#228;hrend des Europa-Semesters widerf&#228;hrt und einen affektiv nicht mehr losl&#228;sst, ist unvorhersehbar. Nicht selten sind es Textfragmente, Liedtexte oder Dialogteile, die sich dank ihrer melodischen, rhythmischen und prosodischen Qualit&#228;ten in das Ged&#228;chtnis gleichsam einbrennen und u.U. ein Leben lang erinnert werden k&#246;nnen.</p>
<p>Mit den neuen gemeinsamen Situationen und den darin sich anlagernden kollektiven Atmosph&#228;ren weitet sich die urspr&#252;ngliche, vom heimatlichen Milieu gepr&#228;gte Situation der Studierenden zu einer <italic>pluralen, europ&#228;ischen, implantierenden Situation</italic>, d.h. die Person w&#228;chst so in sie ein, dass &#8222;eine Abl&#246;sung nur unvollst&#228;ndig m&#246;glich ist oder wenigstens tiefe Wunden rei&#223;t&#8220; (Schmitz 2005: 25&#8211;27) Durch solche, mit der Sprache sprunghaft erweiterten Erfahrungen erschlie&#223;t sich etwas Neues als Eigenes, so dass die neue Sprache nicht einfach etwas &#8222;Angelerntes&#8220; bleibt, sondern etwas subjektiv Bedeutsames, etwas Eigenes wird. Es sind subjektive Tatsachen (<xref ref-type="bibr" rid="B46">Schmitz 2009: 29&#8211;34</xref>), die die &#8222;Evidenz im Augenblick&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B54">Sommer 1987</xref>) aufblitzen lassen: <italic>Das geh&#246;rt zu mir</italic>. Nicht das utilitaristisch gesteuerte, auf Virtuosit&#228;t ausgerichtete Lernen einer Sprache (etwa im Sinne des GER) ist gemeint, sondern die Hinwendung zu einer &#8222;Bruder-Sprache&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B56">Trabant 2014: 34&#8211;35</xref>), der man in Analogie zur &#8222;Muttersprache&#8220; &#228;hnlich affektiv zugetan ist. Wie in der kindlichen Entwicklung (Epigenese) entsteht damit etwas unableitbar Neues.</p>
<p>Indem sich die Lebenspraxis der Studierenden durch die Verschlingung von Implikation (in Situationen der versprachlichten Lebenspraxis) und Explikation (dieser Situationen) von Grund auf ver&#228;ndert, ver&#228;ndert sich ihr Selbst- und Weltverh&#228;ltnis. Was den Studierenden ans Herz w&#228;chst, was ihnen so wichtig ist, dass sie materielle und symbolische Vorteile geringsch&#228;tzen, zeigt sich in den neu entstehenden Gef&#252;hlen. Die neu sich bildenden Situationen und die darin sich niederlassenden Gef&#252;hlsatmosph&#228;ren werden als gemeinsame geteilt und Gegenstand hermeneutischer Bem&#252;hungen. Da diese Erfahrungen von Studierenden aus unterschiedlichen L&#228;ndern geteilt werden, erschlie&#223;t sich das &#8218;Europ&#228;ische&#8216; &#252;ber den geteilten &#8218;Umweg&#8216; des Einlebens in den unbekannten Europ&#228;isierungsstil vor Ort. Im Ergebnis kann es zu einer <italic>sekund&#228;ren Epigenese der Person als Europ&#228;erin bzw. als Europ&#228;er</italic> kommen. <xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref></p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Siehe den Titel des Buches von Hermann Schmitz: Situationen und Konstellationen. Wider die Ideologie totaler Vernetzung, Freiburg/M&#252;nchen 2005.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Siehe Brague (<xref ref-type="bibr" rid="B6">1992: 238</xref>), der fragte: &#8222;Sommes-nous bien s&#251;rs que ce qui se construit est vraiment l&#8217;Europe?&#8220; Au&#223;erdem Fernand Braudel: &#8222;C&#8216;est mal conna&#238;tre les hommes que de leur donner pour seule p&#226;ture ces sages additions qui font si p&#226;le figure &#224; c&#244;t&#233; des enthousiasmes, des folies non d&#233;nu&#233;es de sagesse qui ont soulev&#233; l&#8216;Europe de jadis ou d&#8216;hier. Une conscience europ&#233;enne peut-elle se construire seulement sur des chiffres? Ne peut-elle pas, au contraire, leur &#233;chapper, les d&#233;border de fa&#231;on impr&#233;visible?&#8220; (zit. bei <xref ref-type="bibr" rid="B10">Delors 1989: 3</xref>)</p></fn>
<fn id="n3"><p>Die Bezeichnungen &#8218;Europ&#228;ischer Gerichtshof&#8216; und &#8218;Europa-Parlament&#8216; sind fehlerhaft. Richtig muss es hei&#223;en: Gerichtshof der Europ&#228;ischen Union (GHEU) und Parlament der Europ&#228;ischen Union (PEU) wie auch Zentralbank der Europ&#228;ischen Union (ZEU).</p></fn>
<fn id="n4"><p>Vgl. Schmitz (<xref ref-type="bibr" rid="B52"><sup>2</sup>2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B51">2016</xref>); zur kritischen W&#252;rdigung einiger Themen vgl. Rappe (<xref ref-type="bibr" rid="B33">2018</xref>); B&#246;hme (<xref ref-type="bibr" rid="B5">2003</xref>).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Siehe unten Kap. 3. Zur Herleitung des Mottos &#8222;Zu den Situationen selbst!&#8220; aus der Kritik an der Ph&#228;nomenologie von Husserl und Heidegger vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Gro&#223;heim 2018</xref>.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Vgl. M&#252;ller-Pelzer (<xref ref-type="bibr" rid="B31">2023</xref>).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Max Scheler hatte den verbreiteten Versto&#223; gegen das ph&#228;nomenologische Prinzip so zusammengefasst, &#8222;da&#223; man, anstatt die schlichte Frage zu stellen: &#8218;<italic>Was</italic> ist gegeben?&#8216;, die Frage stellt: &#8218;<italic>Was kann</italic> gegeben sein?&#8216;&#8220;. (<xref ref-type="bibr" rid="B35">Scheler 1980: 74</xref>; Hervorhebung im Original)</p></fn>
<fn id="n8"><p>Von dieser die tradierte Philosophie revolutionierenden Einsicht hat sich eine breite Diskussion &#252;ber die Leibphilosophie, bzw. Leibph&#228;nomenologie entfaltet, die mit den Namen B&#246;hme, Gahlings, Landweer, Gro&#223;heim, Rappe, Gugutzer, Griffero, Waldenfels, Fuchs, Soentgen u.a. angedeutet wird.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Ein einschl&#228;giges Beispiel ist die bis heute verbreitete Annahme, der Mensch habe eine Seele. Ausgehend von dieser vermeintlichen Selbstverst&#228;ndlichkeit werden abstrakte Begriffe gebildet, mit denen Theorien je nach den zugrundeliegenden Annahmen operieren.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Die positivistische Verengung der Empirie besteht in der Annahme, der Weltstoff bestehe vollst&#228;ndig aus wohlbestimmten Sachverhalten. Hier macht sich der europ&#228;ische Nominalismus/Singularismus bemerkbar, wonach der gesamte Weltstoff in Einzelnes zergliedert sei und sich alles auf der Basis einzelner Faktoren verkn&#252;pfen und zu neuen Netzen umkn&#252;pfen lasse (Schmitz 2005: 49). Die vielsagenden Eindr&#252;cke der Lebenserfahrung werden mit der Konstruktion eines psychischen Apparates k&#252;nstlich in kognitive, affektive und volitive Bestandteile zerlegt, so dass anstelle des diffusen subjektiven Sp&#252;rens Konstellationen &#252;brigbleiben, mit denen man konstruieren kann. Wie in der Physik herrscht auch hier das Gesetz des Ingenieurs. Diese derart &#8222;halbierte&#8220; Erfahrung (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Schmid <sup>2</sup>2012: 102&#8211;105</xref>) bringt den modernen Konstellationismus hervor (vgl. Schmitz 2005), f&#252;r den sich ein ganzheitliches Verst&#228;ndnis von Europa gleichsam in Luft aufl&#246;st.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Das urspr&#252;ngliche Ziel des ERASMUS-Programms, neben der beruflichen Flexibilisierung zur Bildung bzw. Vertiefung eines europ&#228;ischen Zusammengeh&#246;rigkeitsgef&#252;hls beizutragen, ist um das Jahr 2020 entfallen. Eine aktuelle Illustration der selbstbezogen-selbstzufriedenen Hintergrundstimmung, wonach die Globalisierung sich als eine &#8218;feine Sache&#8216; darstellt, bietet das neue Motto des ERASMUS-Programms. Mit dem neuen Slogan: &#8222;Enriching lifes. Opening minds.&#8220; (<underline>https://www.erasmusplus.de/</underline>) bietet sich das studentische EU-Austauschprogramm ERASMUS+ den Studierenden an, die auf der Globalisierungswelle &#8218;surfen&#8216; wollen.</p></fn>
<fn id="n12"><p>&#8222;Eurobarometer&#8220; ist das offizielle Organ der Europ&#228;ischen Kommission f&#252;r politische Meinungsumfragen. Durch diese Interessenlage sowie methodisch unscharfe bis manipulative Fragestellungen ist die Grenze zur Propaganda flie&#223;end (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">H&#246;pner/Jurczyk 2015</xref>).</p></fn>
<fn id="n13"><p>Die Spitze des unkritischen Positivismus ist z.B. die Idee, die auf Aussagen der Befragten beruhenden &#8222;Love stories &#8211; international relationship&#8220; als Kategorie der Wirkungsstudie aufzunehmen. Vergleiche dazu die Untersuchung von Illouz (<xref ref-type="bibr" rid="B22">2018: 329&#8211;346</xref>).</p></fn>
<fn id="n14"><p>In dem hier betrachteten Fall von Studierenden ist die zentrale Organisationseinheit ein Urlaubssemester (&#8222;Europa-Semester&#8220;). Der Name des Programms ist so gew&#228;hlt worden, weil der intellektuelle Aufbruch des modernen Europas im 16. Jahrhundert einen angemessenen Ausdruck im Juristen, Politiker und philosophierenden Autor Michel de Montaigne (1533&#8211;1592) findet. Er hat die beruhigenden Begrenzungen des christlichen Humanismus eines Erasmus von Rotterdam hinter sich gelassen und die St&#252;rme einer Welt erlebt, welche die traditionelle Orientierung in metaphysischer, politischer, wissenschaftlicher und anthropologischer Hinsicht gro&#223;enteils ins Wanken gebracht hatten. Der zweite Grund ist darin zu sehen, dass Montaigne in seinen <italic>Essais</italic> auf Franz&#246;sisch schrieb, - damals noch eine Umgangssprache auf dem Weg zu einer Hochsprache, und nicht wie Erasmus im Latein der Gelehrten, das Montaigne gem&#228;&#223; dem humanistischen Bildungsideal seines Vaters schon von Kindesbeinen an gelernt hatte. Auf diese Weise bezeugt die Bezeichnung MONTAIGNE-Programm, dass Europ&#228;er-Sein untrennbar mit dem Erwerb und dem Gebrauch einer lebenden, auf affektiver N&#228;he gr&#252;ndenden Sprache (oder mehrerer) verbunden ist. Drittens ist sein Werk, die <italic>Essais</italic>, der Selbsterfahrung gewidmet. Damit stellt es eine fr&#252;he, kritische Instanz gegen&#252;ber dem heraufziehenden naturwissenschaftlich-technischen Dynamismus dar.</p></fn>
<fn id="n15"><p>&#8222;[&#8230;] die europ&#228;ische Intellektualkultur, den spezifisch europ&#228;ischen Stil der zur Hochkultur geh&#246;rigen besonderen Disziplin. Dieser Stil besteht darin, da&#223; jeder Mensch (zun&#228;chst: jeder erwachsene Mann) eingeladen ist, sich sein eigenes Urteil zu bilden und auf dieser Grundlage Vorschl&#228;ge &#252;ber Tatsachen und Programme einzelnen und gemeinsamen Lebens zu machen; die Disziplinierung besteht darin, da&#223; er seine Meinung begr&#252;nden und der Kritik der Anderen aussetzen mu&#223;.&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B41">Schmitz 1997: 23</xref>) Drei Merkspr&#252;che verdeutlichen dies: &#8218;Weder will ich n&#228;mlich herrschen noch mich beherrschen lassen.&#8216; Dies meint die Zur&#252;ckweisung von aktiver wie passiver Despoten- und Priesterherrschaft. Es folgt die zun&#228;chst r&#228;tselhafte Aufforderung: &#8218;Werde, der du bist!&#8216; Sie war an den einzelnen Menschen gerichtet, sich als unfertig zu betrachten, um selbst den Weg zum Selbstsein zu finden, also keine (theologische, biologische o.&#228;.) Vorbestimmung zu akzeptieren. Schlie&#223;lich: &#8218;Erkenne dich selbst! Sei besonnen!&#8216; Die Selbstbesinnung wurde damit auf das lebenskluge Abw&#228;gen zwischen den Extremen der Selbst&#252;bersch&#228;tzung und der Selbsterniedrigung verwiesen. Im Gegensatz zum mythischen Verst&#228;ndnis wurde der Mensch als m&#252;ndig (frei), entwicklungsf&#228;hig (sich entwerfend) und rechenschaftsf&#228;hig (f&#252;r sein Handeln verantwortlich) aufgefasst. Zur Vorgeschichte vgl. Meier (<xref ref-type="bibr" rid="B28">2012</xref>).</p></fn>
<fn id="n16"><p>Verschiedentlich verweist Schmitz erstens auf die blo&#223; leiblichen Regungen wie Schreck, Angst, Schmerz, Hunger, Durst, Jucken, Stechen, Wollust, Ekel, Frische, M&#252;digkeit; zweitens auf die leiblichen Regungen, die affektives Betroffensein von Gef&#252;hlen sind, drittens auf die gesp&#252;rten willk&#252;rlichen und unwillk&#252;rlichen Bewegungen wie Gehen, Greifen, Springen, Tanzen, Zittern, Zucken, Schlucken, und viertens auf die unumkehrbaren leiblichen Richtungen, teils ohne Bewegung vorkommend wie der Blick, teils an Bewegungen gebunden wie Ausatmen und Schlucken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B48">Schmitz 2011: 4</xref>).</p></fn>
<fn id="n17"><p>&#8222;Die wichtigste Dimension des leiblichen Befindens ist die von Enge und Weite, besetzt mit gegen einander strebenden, aber mehr oder weniger an einander gebundenen Tendenzen der Engung und Weitung. Leiblichsein bedeutet in erster Linie: Zwischen Enge und Weite in der Mitte zu stehen und weder von dieser noch von jener ganz loszukommen, wenigstens so lange, wie das bewu&#223;te Erleben w&#228;hrt. Im heftigen Schreck schwindet es im Extrem einer Engung ohne Weitung, beim Einschlafen und in verwandten Trancezust&#228;nden im Extrem einer Weitung ohne Engung, und beide Extreme k&#246;nnen auch zusammenfallen, wenn das Band zwischen Engung und Weitung rei&#223;t. [&#8230;] Das prim&#228;re Verh&#228;ltnis zwischen Engung und Weitung besteht darin, dass sie antagonistisch konkurrieren, indem sie einander anstacheln und eben dadurch Widerstand leisten. In diesem Verh&#228;ltnis bezeichne ich die Engung als Spannung, die Weitung als Schwellung (im Sinne von &#8218;geschwellt&#8216;, nicht von &#8218;geschwollen&#8216;). Jede kann dominieren; beide Tendenzen k&#246;nnen sich auch ungef&#228;hr das Gleichgewicht halten. [&#8230;] [Es kommt ein weiteres Begriffspaar hinzu.] Protopathische und epikritische Tendenz. Protopathisch ist die Tendenz zum Dumpfen, Diffusen, Ausstrahlenden, worin die Umrisse verschwimmen, epikritisch die sch&#228;rfende, spitze, Punkte und Umrisse setzende Tendenz.&#8220; (Schmitz <sup>2</sup>1992: 11&#8211;19)</p></fn>
<fn id="n18"><p>Darunter werden nicht naturwissenschaftlich reduzierte, quantifizierbare k&#246;rperliche Prozesse verstanden, sondern leiblich-k&#246;rperlich verschlungene, nur ansatzweise objektivierbare Ph&#228;nomene.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Wenn im Folgenden von Lebenspraxis ohne andere Bezugnahme gesprochen wird, dann ist das Sich-einleben in Situationen im Zielland gemeint.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Zum Thema der Sprachenwahl siehe Teil 2 des vorliegenden Aufsatzes.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Dass das Affiziert-Werden einen doppelten, passiv-aktiven Sachverhalt bezeichnet, wird in Teil 2 erl&#228;utert.</p></fn>
<fn id="n22"><p>F&#252;r die Darstellung der Schmitz&#8217;schen Sprachtheorie siehe Demmerling (<xref ref-type="bibr" rid="B11">2018</xref>), der den aktuellen Stand der philosophischen Debatte erl&#228;utert.</p></fn>
<fn id="n23"><p>Im Unterschied dazu handelt es sich aber nicht um die Simulation gemeinsamen Situationen, sondern um die Vorstufe implantierender gemeinsamer Situationen mit den Gruppenmitgliedern.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Im Spiel, d.h. durch die Einklammerung der Tats&#228;chlichkeit, besteht die Aussicht, dass entweder die unter Druck stehende, starre Fassung ein wenig gelockert oder aber die labile Fassung entlastet werden kann. F&#252;r Erl&#228;uterungen siehe Teil 2 des vorliegenden Aufsatzes.</p></fn>
<fn id="n25"><p>&#220;ber die Rolle leiblicher Br&#252;ckenqualit&#228;ten (Bewegungssuggestionen, syn&#228;sthetische Charaktere) siehe Schmitz (2005), 126&#8211;137 sowie die Erl&#228;uterungen in Teil 2.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Damit d&#252;rfte das MONTAIGNE-Projekt die bei Schmitz vorliegenden &#196;u&#223;erungen zum Fremdsprachenerwerb erg&#228;nzen (<xref ref-type="bibr" rid="B49">Schmitz 2012: 217&#8211;218</xref>).</p></fn>
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<title>Kurzbio</title>
<p>Dr. phil. <bold>Werner M&#252;ller-Pelzer</bold> war von 1990 bis 2014 Studiengangsleiter f&#252;r die Studieng&#228;nge <italic>International Business</italic> deutsch-franz&#246;sisch und deutsch-spanisch an der FH Dortmund. Er leitet die <italic>Forschungsstelle f&#252;r interkulturelle und europ&#228;ische Studien und ist Herausgeber des eJournals impEct</italic>.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Wirtschaft</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Emil-Figge-Stra&#223;e 44</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">44227 Dortmund</styled-content></p>
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