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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Artikel au&#223;erhalb des themenschwerpunkts</subject>
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<article-title>&#8222;Du musst wahnsinnig gut vorbereitet sein&#8220; &#8211; Kontextualisierter Grammatikunterricht im DaF-Unterricht f&#252;r Anf&#228;nger*innen</article-title>
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<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2023-02-13">
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<abstract>
<p>Aktuelle fremdsprachendidaktische Tendenzen heben den Wert eines expliziten Grammatikunterrichts vor, der mit meaning making in einem kommunikativen Kontext verbunden ist. Allerdings bleibt offen, wie ein solcher Unterricht konkret konzeptualisiert werden kann. In diesem Artikel pr&#228;sentieren und exemplifizieren wir drei konkrete Prinzipien f&#252;r einen expliziten, funktionell orientierten Grammatikunterricht und diskutieren damit verbundene Herausforderungen aus Perspektive der Lehrenden. Die Prinzipien wurden im Rahmen einer gr&#246;&#223;eren ethnografischen Studie in D&#228;nemark entwickelt, gefolgt von Teilstudien, die die Verwendung dieser Prinzipien untersucht haben. Die Datengrundlage f&#252;r diesen Artikel entstammt einer Teilstudie zu DaF-Unterricht in einer 9. Klasse, in der ein kommunikativ kontextualisierter Grammatikunterricht auf der Grundlage von Bildtexten aus World Press Photo und mit dem Thema Satzvorfeld durchgef&#252;hrt wurde. Ziel ist es, durch diese drei Prinzipien Denkanst&#246;&#223;e f&#252;r den Grammatikunterricht in der Sekundarstufe zu geben und so einen Beitrag zur grammatikdidaktischen Forschung zu leisten.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>&#8220;You need to be really well prepared&#8221;. Contextualised grammar teaching in German as foreign language for beginners</bold>&#160;</p>
<p>Explicit grammar instruction within foreign language classrooms has been suggested as worthful, when linked to communicative situations and meaning making through texts. However, it is yet to be investigated further how such an approach might be conceptualised. In this article, we present and exemplify three concrete principles for an explicit and functional oriented grammar teaching and discuss possible challenges seen from teacher perspectives. The principles were developed on the ground of a larger focused ethnographic study in Denmark, followed by sub-studies exploring the use of these principles in unit-of-works on two schools. Data in this study is from one of the sub-studies conducted in one Year 9 (age 15) German as Foreign Language Class, in which a contextualised grammar teaching on the use of sentence openers in texts from World Press Photos was held and examined. The aim of the article&#8217;s exploration of the three principles is to contribute to grammar pedagogy research and to offer inspiration for continued reflexions relevant for grammar teaching at the lower secondary level.</p>
</trans-abstract>
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<kwd>kontextualisierte Grammatik</kwd>
<kwd>DaF</kwd>
<kwd>didaktisches Experiment</kwd>
<kwd>Sekundarstufe</kwd>
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<kwd>Grammar pedagogy</kwd>
<kwd>contextualised grammar</kwd>
<kwd>DaF</kwd>
<kwd>qualitative experiment</kwd>
<kwd>lower secondary</kwd>
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<title>1 Einleitung</title>
<p>Seit Langem ist der Grammatikunterricht in den schulischen Sprachf&#228;chern ein oft diskutiertes Thema, sowohl in Skandinavien als auch international (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Hertzberg 1995</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B31">Locke 2010</xref>). In den Diskussionen geht es dabei haupts&#228;chlich um zwei Problemstellungen: Zum einen inwieweit ein expliziter oder ein impliziter sprachlicher Fokus die Entwicklung der sprachlichen Kompetenzen der Lernenden besser unterst&#252;tzt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Hudson 2004</xref>), und zum anderen ob im Unterricht ein deduktiver oder induktiver Zugang vorzuziehen ist. Diese Unterscheidung steht in enger Verbindung zu zwei in der Fremdsprachendidaktik zentralen Begriffen, n&#228;mlich <italic>focus on forms</italic> und <italic>focus on form</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Long 1991</xref>). <italic>Focus on forms</italic> beschreibt einen deduktiven Zugang, der durch einen isolierten, systematischen Unterricht gekennzeichnet ist, in dem z.B. Wortarten und ihre Flexionsformen durchgenommen werden, um Regelwissen zu f&#246;rdern. <italic>Focus on form</italic> steht f&#252;r einen induktiven Zugang, in dem die Aufmerksamkeit der Lernenden auf sprachliche Ph&#228;nomene gelenkt wird, die in einem kommunikativen Unterricht zuf&#228;llig entstehen. Es gab lange einen Widerwillen gegen insbesondere einen expliziten <italic>focus on forms</italic> Zugang. Ein solcher Grammatikunterricht wurde grundlegend als unwirksam angesehen, stattdessen ist ein <italic>focus on form</italic> Zugang bevorzugt worden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">Pagunis/Salome 2014</xref>). In den letzten Jahrzehnten ist die Bedeutung eines expliziten Fokus mittlerweile positiv hervorgehoben worden (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B38">Norris/Ortega 2000</xref>). Die Bedeutung von <italic>focus on form</italic> wurde gleichzeitig auch erweitert, sodass der Begriff jetzt auch einen expliziten Fokus auf sprachliche Ph&#228;nomene <italic>vor</italic> einer kommunikativen Aufgabe enthalten kann, und damit mehr generell als &#8222;a set of procedures for attracting attention to form while learners are engaged in meaning making&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Ellis 2016: 423</xref>) gesehen werden kann. Somit zeigen sich innerhalb der Fremdsprachendidaktik aktuelle Tendenzen, die Wert auf einen expliziten Grammatikunterricht legen. Dies betrifft insbesondere Grammatik in Verbindung mit <italic>meaning making</italic>, das hei&#223;t Grammatik als sprachliche Option in kommunikativen Situationen, anstatt ausschlie&#223;lich Grammatik als sprachliche Struktur (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Myhill 2021</xref>).</p>
<p>In diesem Artikel berichten wir aus dem d&#228;nischen Forschungsprojekt <italic>Gramma3</italic> (2018&#8211;2019), in dem wir (die Autorinnen dieses Artikels in Zusammenarbeit mit Kollegen des Forscherteams) untersucht haben, wie ein solcher expliziter Grammatikunterricht konzipiert werden und in schulischen Sprachf&#228;chern ablaufen kann. Im ersten Teil des Projekts wurden durch fokussierte ethnographische Unterrichtsforschung existierende Praxen im Unterricht der Erstsprache (L1) D&#228;nisch sowie in den Fremdsprachen Englisch (L2) und Deutsch (L3) untersucht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Christensen/Brok/Kabel 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B28">Kabel/Christensen/Brok 2022</xref>). Im zweiten Teil des Projekts wurden an zwei verschiedenen Schulen didaktische Experimente durchgef&#252;hrt &#8211; im Fach Deutsch in zwei Deutschklassen der 9. Klassenstufe (15-j&#228;hrige Sch&#252;ler*innen) &#8211; um zu untersuchen, wie ein kontextualisierter Grammatikunterricht im Deutsch als Anf&#228;ngerunterricht in D&#228;nemark als ein grundlegend kommunikatives Fach sich entfalten k&#246;nnte. Als sprachliches Ph&#228;nomen haben wir die Vorfeldbesetzung gew&#228;hlt. Diese Wahl war inspiriert durch eine kontrastive Studie von Hauk&#229;s &amp; Hoheisel (<xref ref-type="bibr" rid="B20">2013</xref>), in der sowohl die Wichtigkeit der Vorfeldbesetzung f&#252;r die Textgestaltung im Allgemeinen als auch spezifische Unterschiede zwischen der Besetzung im Deutschen und Norwegischen (das dem D&#228;nischen sehr &#228;hnlich ist) festgestellt wurde. Der Zugang in den didaktischen Experimenten war inspiriert von Myhill, Jones, Lines und Watson (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2012</xref>) und Myhill, Jones und Lines (<xref ref-type="bibr" rid="B34">2018</xref>) und basierte auf Erkenntnissen aus dem ersten Teil des Gramma3-Projekts. In diesem Artikel illustrieren wir, was kontextualisierter Grammatikunterricht in Deutsch als Anf&#228;ngerunterricht sein kann, und welche Herausforderungen dieser Zugang f&#252;r die Lehrenden mit sich bringt. Dadurch adressieren wir auch, wie <italic>focus on form</italic> in einer neuen und erweiterten Bedeutung konzipiert werden und ablaufen kann.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Hintergrund</title>
<sec>
<title>2.1 Grammatikunterricht in Skandinavien</title>
<p>In Skandinavien gibt es seit zehn Jahren ein steigendes Interesse an Grammatikunterricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B22">Hauk&#229;s/Vold 2012</xref>), bislang jedoch noch wenige Studien dazu. In D&#228;nemark wurde eine intervenierende Entwicklungsstudie durchgef&#252;hrt, um zu untersuchen, wie der Fremdsprachenunterricht, hierunter der Grammatikunterricht, in den Primarstufen konzipiert werden kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Daryai-Hansen/Albrechtsen 2018</xref>), w&#228;hrend der erste Teil des Forschungsprojekts Gramma3 die bisher einzige ethnographisch ausgerichtete Studie ist. In dieser Studie wurden sieben Klassen der 7.&#8211;9. Klassenstufe (13&#8211;15-j&#228;hrige Sch&#252;ler*innen) an sieben verschiedenen Schulen in ihrem D&#228;nisch- (L1) und Fremdsprachenunterricht (Englisch L2, Deutsch L3) begleitet. Eine wichtige Beobachtung war, dass in allen drei Sprachf&#228;chern ein expliziter Grammatikunterricht dominierte und dass der Unterricht in Bezug auf sowohl Inhalt als auch Zugang (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B46">van Rijt/de Swart/Wijnands/Coppen 2019</xref>) eher traditionell gestaltet war: Teils durch einen Fokus auf Satzsyntax im strukturellen Sinne sowie auf Wortarten und ihre Flexionen, teils auch durch &#220;bungen ohne Zusammenhang mit einem kommunikativen Kontext. Was Long (<xref ref-type="bibr" rid="B32">1991</xref>) mit <italic>focus on forms</italic> bezeichnet hat, war somit dominant. Es lie&#223;en sich jedoch sowohl in einigen Deutsch- wie auch in D&#228;nischklassen Ans&#228;tze zu einem kontextualisierten Grammatikunterricht erkennen, in dem die Lehrenden in m&#252;ndlichen kommunikativen &#220;bungen explizit Fokus auf z.B. syntaktische Optionen und deren kommunikative Bedeutung richteten. Allerdings haben teilnehmende Lehrende (n=22) aus allen drei F&#228;chern Inspiration f&#252;r neue konkrete Konzepte im Grammatikunterricht gew&#252;nscht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Kabel/Bjerre 2019</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B26">2020</xref>). Dass in Skandinavien ein expliziter und traditioneller Schulgrammatikunterricht dominiert, zeigt sich auch in einer Studie von Askland (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2019</xref>), in der <italic>teacher cognition</italic> und <italic>practices</italic> in der Sekundarstufe (13&#8211;18-j&#228;hrige Lernende) in den F&#228;chern Norwegisch (L1), Englisch (L2) und Spanisch (L3) in Norwegen untersucht wurden. Insbesondere im Fach Spanisch dominiert im Grammatikunterricht ein expliziter und deduktiver Zugang (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Askland 2019: 74</xref>). Obwohl das Fach Deutsch nicht Teil der Studie war, vermuten wir &#196;hnlichkeiten zwischen den skandinavischen L3-F&#228;chern Deutsch und Spanisch in der Sekundarstufe. Unsere Vermutung st&#252;tzt sich auch auf eine Studie von Hauk&#229;s, Malmqvist und Valfridsson (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2016</xref>), in der insgesamt sechs Lehrwerke f&#252;r Anf&#228;ngerdeutsch in Schweden und Norwegen untersucht wurden. Die Studie zeigt, dass die Lehrwerke auf einen traditionellen Grammatikunterricht mit Fokus auf Syntax und Wortschatz, unter Verwendung isolierter geschlossener &#220;bungen ohne Bezug zu kommunikativen Situationen bauen. Hauk&#229;s et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2016</xref>) heben hervor, dass solche Lehrwerke in Norwegen sowohl von Lehrenden als auch von Lernenden bevorzugt werden, obwohl die Lehrenden sich an einem kommunikativen Unterricht orientieren. In D&#228;nemark finden sich keine entsprechenden Analysen von Lehrwerken.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.2 Kontextualiserter Grammatikunterricht</title>
<p>Der Grammatikunterricht in schulischen Sprachf&#228;chern hat oft unterschiedliche Zielsetzungen, weil Erst- und Fremdsprachenunterricht typischerweise &#8222;auf unterschiedliche sprachliche Voraussetzungen baut&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Binanzer/Langlotz 2018: 310</xref>). W&#228;hrend es im L1-Unterricht oft Ziel ist, entweder Rechtschreibung oder grammatisches Analysewissen zu f&#246;rdern, hat der L3-Unterricht eher die Zielsetzung, sprachliches K&#246;nnen oder Prozesswissen zu unterst&#252;tzen, welches im operativen Handeln umgesetzt wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Bredel 2013: 100&#8211;110</xref>). Mittlerweile gibt es in der L1-Grammatikdidaktikforschung Studien, die neue Wege betreten, indem sie die Textgestaltungskompetenz von Lernenden zum Ziel haben (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Klotz 2013/1996</xref>). Neuere mixed-method-Studien aus Gro&#223;britannien haben dazu beigetragen, das Potenzial neuer Zug&#228;nge im Grammatikunterricht aufzuzeigen, und bieten Inspiration f&#252;r die Fremdsprachenf&#228;cher in der Sekundarstufe. Im Gegensatz zu einer Reihe fr&#252;herer Wirksamkeitsstudien (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Andrews/Torgerson/Beverton/Freeman/Locke/Low/Zhu 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B8">Braddock/Lloyd-Jones/Schoer 1963</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Graham/Perin 2007</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B45">The English Review Group 2004</xref>) haben Studien von Myhill et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2012</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B34">2018</xref>) gezeigt, dass expliziter Grammatikunterricht einen positiven Effekt auf die Texte und das metasprachliche Wissen der Lernenden haben kann &#8211; wohlgemerkt, wenn der Unterricht nicht allein auf Sprache als System fokussiert, sondern auf Kontextualisierung, bedeutungstragende sprachliche Einheiten und Optionen. Der Grammatikunterricht war in den Schreibunterricht im Fach Englisch in der 8. Klasse (13&#8211;14-J&#228;hrige) einbezogen und enthielt unter anderem untersuchende und dialogische Klassengespr&#228;che, in denen den Lernenden Raum f&#252;r eigene sprachlichen Erfahrungen gegeben wurde. Die Studien zeigten jedoch auch, dass es f&#252;r Lehrende sehr schwierig sein kann, solche Klassengespr&#228;che zu f&#246;rdern (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Myhill/Newman 2016</xref>), und dass die Lernergebnisse von den Kompetenzen der Lehrenden (Lehrerfahrung, linguistischem Wissen &#252;ber fachrelevante Grammatik, Wissen &#252;ber didaktische M&#246;glichkeiten) abh&#228;ngen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B36">Myhill/Jones/Watson 2013: 88</xref>). Aus einer <italic>teacher cognition</italic>-Perspektive hat Borg (<xref ref-type="bibr" rid="B7">2003</xref>) gezeigt, dass auch die eigenen Sprachenlernerfahrungen Einfluss auf didaktische Pr&#228;ferenzen der Lehrenden im Fremdsprachenunterricht haben. Auch Borg beschreibt Grammatikunterricht als ein au&#223;erordentlich unklar definiertes Feld und betont: &#8222;Research has failed to yield firm guidelines for grammar teaching methodology&#8221; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Borg 1999: 157</xref>). Zusammenfassend illustrieren die Studien, dass die Entwicklung von konkretem didaktischen Wissen wichtig ist, um Lehrende darin zu unterst&#252;tzen, neue Wege auszuprobieren.</p>
</sec>
<sec>
<title>2.3 Deutsch als Fremdsprache in D&#228;nemark</title>
<p>Die Grundschule in D&#228;nemark ist eine nur altersdifferenzierte Einheitsschule und geht von der 0. Klasse (6-j&#228;hrige) bis zur 9. Klasse (15-j&#228;hrige). Alle Schulen m&#252;ssen ab der 5. Klasse Deutschunterricht anbieten; sie k&#246;nnen zudem Franz&#246;sisch oder Spanisch anbieten. Die meisten Lernenden (ca. 90 Prozent) w&#228;hlen Deutsch. Das aktuelle nationale Curriculum f&#252;r Deutsch der 5.&#8211;9. Klasse (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Kinder- und Jugendministerium 2020</xref>) nimmt eine kommunikativ-funktionale Perspektive auf Sprache, eine kommunikative Perspektive auf Sprachaneignung und eine dynamische Perspektive auf Kultur ein. &#220;bergeordnete Zielsetzung ist die interkulturelle kommunikative Kompetenz der Lernenden. Ferner sollen die Lernenden &#8222;durch die Verwendung der deutschen Sprache in sinnvoller Interaktion mit anderen&#8220; (49) Deutsch lernen. Sie sollen lernen, &#8222;die sprachlichen Formen zu w&#228;hlen, die in verschiedenen Kommunikationskontexten verwendet werden k&#246;nnen&#8220; (24), und es soll mit &#8222;laufenden Thematisierungen von sprachlichen Strukturen und zentralen Sprachregeln gearbeitet werden, alles in einem sinnvollen kommunikativen Zusammenhang und nicht als isolierte Gr&#246;&#223;e&#8220; (37). Konkrete Beispiele solcher sprachlichen Strukturen sind selten, Syntax und Konjugation der Verben werden aber erw&#228;hnt. Die Erwartung an den didaktischen Zugang, der im Curriculum formuliert wird, entspricht damit dem, was wir in der Einleitung als explizite Arbeit mit Grammatik auf Grundlage von <italic>meaning making</italic> beschrieben haben: Grammatik als Option und dadurch als sprachliches Mittel in kommunikativen Situationen statt ausschlie&#223;lich als sprachliche Struktur (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Myhill 2021</xref>).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>3 Die Studie</title>
<sec>
<title>3.1 Ziel und Fragestellung</title>
<p>Vor dem Hintergrund der skandinavischen Forschung, insbesondere im Gebiet der aktuellen Praxis im Grammatikunterricht f&#252;r DaF Anf&#228;nger*innen aus dem ersten Teil des Gramma3-Projekts, und dem Wunsch der teilnehmenden Lehrenden nach konkreten Anregungen f&#252;r neue Ans&#228;tze folgend, stellen wir zwei Forschungsfragen. Ziel der Studie ist es, neue Zug&#228;nge f&#252;r den Grammatikunterricht in der Sekundarstufe vorzulegen und zur grammatikdidaktischen Forschung beizutragen.</p>
<disp-quote>
<p>FF 1: Wie kann kontextualisierter Grammatikunterricht im DaF-Unterricht f&#252;r Anf&#228;nger*innen in der Sekundarstufe konzeptualisiert werden?</p>
<p>FF 2: Welche Herausforderungen kann dieser Zugang f&#252;r die Lehrenden mit sich bringen?</p>
</disp-quote>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Theoretische Grundlage: Kontextualisierter Grammatikunterricht</title>
<p>Die theoretische Grundlage f&#252;r kontextualisierten Grammatikunterricht ist bei Myhill und ihren Kolleg*innen unter anderem die funktionale Linguistik, insbesondere Hallidays Sozialsemiotik und die Betonung des bedeutungstragenden Charakters von Grammatik (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Halliday 1987</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B19">2002</xref>). <italic>Kontext</italic> bedeutet hier Kommunikationskontext eines Textes, das hei&#223;t der Fokus auf grammatikalische Optionen in einer gegebenen Kommunikationssituation im Grammatikunterricht. Der Kontextbegriff findet seine Grundlage in der funktionalen Linguistik, wir erweitern aber in dieser Studie die Bedeutung von Kontext und bauen auf einen mehrdimensionalen Kontextbegriff (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B4">Bartlett 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B27">Kabel/Brok 2018</xref>). Wie in Abschnitt 2.3 beschrieben, wird im d&#228;nischen Unterrichtskontext &#8211; auf nationalem Curriculum-Niveau &#8211; darauf Wert gelegt, dass die Lernenden kommunikative Fertigkeiten durch sinnvolle Interaktion mit anderen erwerben und dass der Unterricht Ausgangspunkt in Themen nimmt, die f&#252;r die Lernenden relevant sind. Um diese f&#252;r den DaF-Unterricht besonderen Charakteristika miteinzubeziehen, haben wir <italic>die Lebenserfahrungen der Lehrenden und Lernenden</italic> als eine kontextuelle Dimension miteinbezogen, auf die man in einem kontextualisierten Grammatikunterricht explizit Aufmerksamkeit richten kann (siehe <xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> &#252;ber Sprachebenen und kontextuelle Dimensionen).</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Operationalisierung von den Sprachebenen und kontextuellen Dimensionen im Forschungsprojekt Gramma3.</p>
</caption>
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</fig>
<p>Des Weiteren m&#246;chten wir betonen, dass <italic>die kommunikativen Erfahrungen der Lernenden</italic> im Klassenraum explizit ins Spiel gebracht werden k&#246;nnen und damit auch eine m&#246;gliche Kontextdimension bilden. Definierend f&#252;r einen kontextualisierten Grammatikunterricht ist aber, dass die Aufmerksamkeit der Lernenden explizit auf <italic>Zusammenh&#228;nge zwischen Wahlm&#246;glichkeiten auf Satz- und Wortniveau und dem Kommunikationskontext</italic> gerichtet wird. Der kommunikative Kontext ist somit in jeder &#196;u&#223;erung vorhanden, die Aufmerksamkeit wird im Unterricht jedoch nicht notwendigerweise darauf gerichtet. Erst wenn dies explizit der Fall ist, k&#246;nnen wir den Unterricht als kontextualisiert bestimmen. Wir k&#246;nnen damit pr&#228;zisieren, dass es bei einer expliziten Aufmerksamkeit auf die Form (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Ellis 2016</xref>) nicht darum geht, z.B. Kasusdeklination zu identifizieren, sondern vielmehr darum, die Aufmerksamkeit auf bedeutungstragende Form-Optionen oder Entscheidungen in den gegebenen Kommunikationssituationen zu richten. <italic>Text</italic> verstehen wir nicht ausschlie&#223;lich als schriftlichen Text, sondern auch als m&#252;ndlichen, z.B. in sinnvollen kommunikativen Dialogen von Lernenden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Kabel/Bjerre 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B28">Kabel et al. 2022</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>3.3 Didaktisches Experiment</title>
<p>Um zu untersuchen, wie ein kontextualisierter Grammatikunterricht verstanden werden und sich entfalten kann, haben wir im Herbst 2019 in Zusammenarbeit mit zwei der sieben schon im ersten Teil des Gramma3-Projektes beteiligten Schulen ein didaktisches Experiment entwickelt und durchgef&#252;hrt. Unsere methodologische Grundlage besteht aus didaktischem Designdenken, <italic>Design for learning</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B42">Selander/Kress 2012</xref>), und praxisentwickelnden explorativen Zug&#228;ngen zum Experiment, in dem Experimente als Handlungen, die etwas Neues inaugurieren und untersuchen, um Erfahrungen zu sammeln verstanden werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">Staun&#230;s et al. 2014: 7</xref>). Das didaktische Experiment bestand aus der Entwicklung von einem Mini-Modellverlauf mit zwei Unterrichtsstunden und beinhaltete Unterrichtpl&#228;ne, die Durchf&#252;hrung des Experiments und anschlie&#223;ende Reflexionsgespr&#228;che zwischen Forscherteam und Lehrenden an jeder Schule. Konkret haben vier Forscher*innen mit einer Lehrkraft aus jedem Fach an beiden der zwei Schulen gemeinsam einen Mini-Modellverlauf entwickelt. Um eine f&#228;cher&#252;bergreifende Zusammenarbeit zu erm&#246;glichen, w&#228;hlten die Lehrenden, ausgehend von einem Vorschlag des Forscherteams, f&#252;r alle drei F&#228;cher dieselbe Textgrundlage (World Press Photos, inklusive Bildtexte) und dasselbe sprachliche Ph&#228;nomen (Vorfeldbesetzung). Beides wird in Abschnitt 4.1. n&#228;her beschrieben. Anschlie&#223;end wurden von den Lehrenden mit fachlicher Unterst&#252;tzung von einem Mitglied des Forscherteams detaillierte Unterrichtspl&#228;ne f&#252;r jedes Fach ausgearbeitet. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass die Verl&#228;ufe in sowohl der aktuellen Praxis der jeweiligen F&#228;cher als auch im individuellen Unterricht von jeder Lehrperson verankert wurden. In dieser Studie konzentrieren wir uns auf das didaktische Experiment im Fach Deutsch als Fremdsprache in einer 9. Klasse (15-j&#228;hrige Lernende) an einer Grundschule n&#246;rdlich von Kopenhagen, bei dem eine der Autorinnen dieses Artikels beteiligt war. Dieser Case ist kritisch (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Flyvbjerg 2006</xref>), da die Lehrerin Charlotte (alle Namen sind pseudonymisiert) mit den neuen Zug&#228;ngen im Grammatikunterricht schon vertraut war und durch ihren Unterricht zur Identifikation eines kontextualisierten Grammatikunterrichts beigetragen hat, dessen Entfaltung wir im ersten Teil des Gramma3-Projektes sowohl im Fach Deutsch als auch im Fach D&#228;nisch sehen konnten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Kabel/Bjerre 2019</xref>). Auch hat Charlotte einen &#252;berdurchschnittlichen Ausbildungshintergrund, da sie au&#223;er einer Lehrerausbildung eine zweij&#228;hrige, Milit&#228;rausbildung als Sprachoffizierin im Fach Deutsch absolviert hat &#8211; eine Ausbildung, die sowohl darauf vorbereitet, zwischen Kulturen Br&#252;cken zu bauen als auch zwischen den Sprachen zu dolmetschen. F&#252;r eine Lehrerin in der Sekundarstufe in D&#228;nemark hat Charlotte damit sowohl erfahrungs- als auch ausbildungsm&#228;&#223;ig &#252;berdurchschnittliche Voraussetzungen. Deshalb sagt das durch die Studie entwickelte Wissen nicht nur etwas &#252;ber den konkreten Case aus, sondern auch dar&#252;ber, was im DaF-Unterricht f&#252;r Anf&#228;nger*innen in der Sekundarstufe in anderen Kontexten im d&#228;nischen Ausbildungssystem potenziell m&#246;glich, sinnvoll und herausfordernd ist.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.4 Datenlage</title>
<p>Um ein tiefergehendes Verst&#228;ndnis vom didaktischen Experiment zu erlangen und um FF1 und FF2 beantworten zu k&#246;nnen, haben wir komplementierende qualitative Daten gesammelt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Frederiksen 2014</xref>): Dokumente, Feldobservationen sowie Audioaufnahmen von Unterricht und Reflexionsgespr&#228;chen. Die besagten Dokumente bestehen aus dem entwickelten Unterrichtsplan und Materialien, die im Mini-Modellverlauf verwendet wurden: Ein Puzzle f&#252;r die Lernenden und die digitale Tafel der Lehrenden (Flipchart). Die Feldobservationen wurden von einem Forscher aus dem Forscherteam &#252;bernommen und sind nach Aktivit&#228;ten strukturiert. Eine Aktivit&#228;t wurde als eine zeitlich abgerundete Einheit mit derselben Organisationsform (z.B. Arbeit im Plenum) und demselben Inhalt (z.B. der Pr&#228;sentation vom Textmaterial des Experiments: World Press Photo) charakterisiert. Ausgew&#228;hlte <italic>key events</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Erickson 1986</xref>) aus dem Unterricht sowie die Reflexionsgespr&#228;che wurden transkribiert. Alle teilnehmenden Lernenden bzw. deren Eltern und Lehrenden haben ihre Erlaubnis (<italic>consent</italic>) zur Teilnahme an der Studie gegeben. Die Studie wurde somit gem&#228;&#223; der in D&#228;nemark geltenden ethischen Richtlinien und in &#220;bereinstimmung mit dem <italic>Danish Code of Conduct for Research Integrity</italic> (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Ausbildungs- und Forschungsministerium 2019</xref>) durchgef&#252;hrt.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.5 Analysevorgang</title>
<p>Unter Ber&#252;cksichtigung der theoretischen Grundlage haben wir eine deduktive thematische Kodierung der Feldobservationen, der transkribierten Audioaufnahmen der <italic>key events</italic> im Klassenraum und des Reflexionsgespr&#228;chs durchgef&#252;hrt. Dar&#252;ber hinaus haben wir den Unterrichtsablauf im Klassenraum mit einem detaillierten, gemeinsam ausgearbeiteten Unterrichtsplan festgehalten (siehe <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref>). Wir haben nach sprachlichem Inhalt auf Satz- und Wortniveau, Kontextdimensionen und Abweichungen (FF 1) und im Reflexionsgespr&#228;ch nach Aussagen &#252;ber Herausforderungen (FF 2) kodiert.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Ergebnisse</title>
<sec>
<title>4.1 Prinzipien, Text und sprachliches Ph&#228;nomen</title>
<p>Drei Prinzipien haben die Entwicklung des Unterrichtplans (siehe <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref>) und die Durchf&#252;hrung des Modellverlaufs geleitet:</p>
<list list-type="order">
<list-item><p><bold>Text</bold>, d.h., dass nicht nur mit isolierten Textst&#252;cken, sondern mit einem vollst&#228;ndigen sinnvollen Text wie z.B. einem Dialog oder einem schriftlichen Text gearbeitet werden sollte.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Text und Kontext</bold>, d.h<bold>.,</bold> dass die Lernenden darin unterst&#252;tzt werden sollten, die Verbindung zwischen grammatikalischen Optionen auf Wort-, Satz- und/oder Textebene und dem kommunikativen Kontext wahrnehmen zu k&#246;nnen.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Klassen- und Gruppengespr&#228;ch</bold>, d.h., dass die Lernenden nicht nur individuell arbeiten, sondern die M&#246;glichkeit f&#252;r gemeinsame untersuchende und dialogische Gespr&#228;che erhalten sollten.</p></list-item>
</list>
<p>Prinzip 1 meint, dass der zu behandelnde Text eine kommunikativ sinnvolle Ganzheit ausmachen soll &#8211; mit einem f&#252;r die Lernenden sinnvollen Inhalt, sodass die Kontextdimension der <italic>Lebenserfahrungen der Lehrenden und der Lernenden</italic> potenziell integriert ist. &#8218;Text&#8216; kann sowohl produktiv als auch rezeptiv, m&#252;ndlich als auch schriftlich sein. Prinzip 2 integriert den Kommunikationskontext und baut dabei auf dem Verst&#228;ndnis von Grammatik als sprachliche Option in kommunikativen Situationen, statt ausschlie&#223;lich als sprachliche Struktur (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B33">Myhill 2021</xref>). Prinzip 3 hebt hervor, wie eine explizite Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Formwahl in einer Kommunikationssituation organisiert werden kann und integriert damit die letzte Kontextdimension, weil <italic>die kommunikativen Erfahrungen der Lernenden</italic> dabei ber&#252;cksichtigt werden.</p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Ausz&#252;ge aus dem detaillierten Unterrichtsplan.</p>
<p>Linke Spalte: eingesch&#228;tzte Dauer. Mittlere Spalte: digitaler Tafeltext (teils auf D&#228;nisch). Rechte Spalte: Stichw&#246;rter der Lehrerin Charlotte f&#252;r eigene Pr&#228;sentation und f&#252;r Gespr&#228;che mit der Klasse.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-28-1-3581-g2.png"/>
</fig>
<p>Die in unserem Mini-Modellverlauf von den Lehrenden gew&#228;hlten Textgrundlagen (Prinzip 1) waren wie erw&#228;hnt nominierte Fotos f&#252;r den internationalen Fotowettbewerb World Press Photo (WPP) 2018 mit den dazugeh&#246;rigen informierenden Bildtexten. Die Entscheidung f&#252;r diese Texte mit weltweiter Zielgruppe hat eine nachvollziehbare Vermittlung erm&#246;glicht und eine pragmatische Pr&#228;misse erf&#252;llt: Wegen des zeitlich begrenzten Unterrichtsrahmens m&#246;chten wir mit kurzen Texten arbeiten. Die Lehrerin im Fach Deutsch har sich f&#252;r ein Foto von Li Huaifeng (2017) entschieden. Der Bildtext dieses Fotos ist im Stern (<xref ref-type="bibr" rid="B44">Ausgabe vom 11. November 2017</xref>) aus dem Englischen ins Deutsche &#252;bersetzt worden. Die Lehrerin hat diesen urspr&#252;nglich komplexen Bildtext in Form von vier syntaktisch einfachen Haupts&#228;tzen adaptiert:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Zwei Br&#252;der leben in einer traditionellen, ausgemei&#223;elten Yaodong-H&#246;hle.</italic></p>
<p><italic>Die H&#246;hle liegt auf einem H&#252;gel am Loess-Plateau in Zentralchina.</italic></p>
<p><italic>Die W&#228;nde aus Erde haben gute Isolationseigenschaften.</italic></p>
<p><italic>Deswegen &#252;berstehen die Bewohner den kalten Winter gut.</italic></p>
</disp-quote>
<p>Im Deutschen und auch D&#228;nischen steht in einem Hauptsatz die finite Verbform an zweiter Stelle; die Stelle davor ist das Vorfeld. Das Vorfeld wird am h&#228;ufigsten von einem Subjekt besetzt, seltener von einem Adverbial, Objekt oder Expletiv. Die Besetzung des Vorfeldes hat eine Schl&#252;sselrolle f&#252;r sowohl die Textvernetzung als auch die Informationsgewichtung im einzelnen Satz (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Hauk&#229;s/Hoheisel 2013</xref>). Im Bildtext haben alle S&#228;tze eine SVO-Struktur mit Ausnahme des letzten. Dreimal besteht das Satzglied im Vorfeld aus einer Nominalphrase, einmal ist diese noch attributiv rechtserweitert. Im letzten Satz ist ein Adverb im Vorfeld. Der Plan war, dass die Klasse nach einer gemeinsamen Einf&#252;hrung in das Thema und Identifikation von den Vorfeldbesetzungen in den vier S&#228;tzen durch ein Satzglied-Puzzle mit anderen Optionen arbeiten sollte als jenen, die im Text schon gew&#228;hlt waren. Das Ziel war, die Aufmerksamkeit der Lernenden auf die Verbindung zwischen Vorfeldbesetzung und kommunikativen Kontext zu lenken (Prinzip 2), da jede &#196;nderung in der Vorfeldbesetzung im Bildtext das Lesen des Fotos &#228;ndern k&#246;nnte. Im Experiment war aber die Einf&#252;hrung in das Thema Vorfeld wie auch in die Informationsoptionen innerhalb jedes Satzes im Fokus, eine Beschr&#228;nkung, zu der wir im folgenden Abschnitt zur&#252;ckkehren.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Kontextdimensionen und Abweichungen</title>
<p>In diesem Abschnitt werden wir auf Klassen- und Gruppengespr&#228;che (Prinzip 3) fokussieren und exemplifizieren, welche Kontextdimensionen im Unterrichtsablauf ins Spiel kommen und welche Abweichungen vom detaillierten Unterrichtsplan stattgefunden haben.</p>
<p>Der Mini-Modellverlauf bestand aus sieben Aktivit&#228;ten (s. <xref ref-type="fig" rid="F3">Abbildung 3</xref>). In der ersten Aktivit&#228;t hat die Lehrerin Charlotte die WPP-Textgrundlage und deren Kommunikationskontext pr&#228;sentiert, einschlie&#223;lich der Funktion informierende Bildtexte und der Zielgruppe f&#252;r WPP. Auch wurde mit dem inhaltlichen Leseverstehen der Lernenden gearbeitet, u.a. von schwierigen W&#246;rtern (Aktivit&#228;t 1). Danach folgten zwei gemeinsame Klassengespr&#228;che &#252;ber die Identifikation des Vorfeldes (Aktivit&#228;t 2) und &#252;ber m&#246;gliche Optionen der Vorfeldbesetzungen und die kommunikativen Konsequenzen der syntaktischen Entscheidungen (Aktivit&#228;t 3). Die Aktivit&#228;ten 4&#8211;8 waren dialogische Gruppenaktivit&#228;ten, bei denen die Lernenden mit neuen WPP-Fotos und Bildtexten gearbeitet haben, immer noch mit Fokus auf die Identifikation des Vorfeldes, optionale Vorfeldbesetzungen und die kommunikativen Konsequenzen der syntaktischen Entscheidungen.</p>
<p>Sowohl in den gemeinsamen Klassenaktivit&#228;ten als auch in den Gruppenaktivit&#228;ten sind die drei Kontextdimensionen ins Spiel gebracht worden.</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Aktivit&#228;ten und Aktivit&#228;tsdauer im Mini-Modellverlauf.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-28-1-3581-g3.png"/>
</fig>
<p>In <italic>Aktivit&#228;t 1</italic> hat die Lehrerin Charlotte einleitend den Lernenden das Textgenre und <italic>den kommunikativen Kontext</italic> pr&#228;sentiert und zeitgleich als eine p&#228;dagogische Pointe <italic>die Lebenserfahrung der Lernenden</italic> aktiviert: &#8222;Ihr kennt World Press Photos&#8220;. Danach hat sie den spezifischen WPP-Modelltext pr&#228;sentiert und die Lernenden darin unterst&#252;tzt, den Text zu verstehen, indem sie gemeinsame Lebenserfahrungen angesprochen und geographisches Wissen vermittelt hat. Charlotte hat z.B. erl&#228;utert, wie das Wort &#8218;ausgemei&#223;elt&#8216; verstanden werden kann, indem man ber&#252;cksichtigt, wo in der Welt das Foto aufgenommen wurde, und wie es dort aussieht.</p>
<p>Untenstehender Auszug 1 gibt eine kurze Sequenz der Aktivit&#228;t wieder, in der Charlotte zwischen D&#228;nisch (Kursivschrift, &#252;bersetzt) und Deutsch (Normalschrift) wechselt:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Und das ausgemei&#223;elt, von dem wir gerade gesprochen haben, weil ausgemei&#223;elt, das h&#246;rt sich etwas speziell an, nicht wahr, das ist aber, weil die H&#246;hle in, in die Erde, in das Plateau dort, hier unten, wo sie wohnen, ausgemei&#223;elt ist, okay? ausgemei&#223;elt ist das einzige Wort, das wir nicht so, das kein transparentes Wort ist, den Rest k&#246;nnen wir tats&#228;chlich wiedererkennen, entweder weil wir es fr&#252;her gelernt haben, oder weil es sich fast wie im D&#228;nischen anh&#246;rt, nicht?</italic> &#8211; traditionell <italic>okay?</italic> Und hier, die H&#246;hle, <italic>das ist ja denn die H&#246;hle</italic>. die H&#246;hle liegt auf einem H&#252;gel am Loess-Plateau in Zentralchina. Was bedeutet das? (&#8230;)</p>
<p><italic>Sille: Also, dass die H&#246;hle, sie liegt (&#160;) auf irgendetwas, &#246;hh (&#160;)</italic></p>
<p><italic>Charlotte: auf einem H&#252;gel &#8230; oder so oben in, ja, ein H&#252;gel</italic></p>
<p><italic>Sille: Jah</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Wo? Das ist ja ein, das k&#246;nnen wir nicht &#252;bersetzten.</italic></p>
<p><italic>Sille: Neee</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Das hei&#223;t einfach ein Loess-Plateau in Zentralchina.</italic></p>
<p><italic>Sille: Jah</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Das, das, ich habe Fotos mitgenommen, hier. So hier sieht es aus. Ich habe es gegoogelt und einige Beispiel daf&#252;r gefunden, wie das da</italic> Loess-Plateau in Zentralchina aussieht, wie das aussieht. Das ist eine H&#246;hle, das ist eingemei&#223;elt, <italic>das da ist in, &#246;&#246;hm, das ist so, so ein Plateau, und dann sind sie so in die Erde eingemei&#223;elt, jah? Es sieht ein bisschen speziell aus.</italic></p>
</disp-quote>
<p>Wie aus dem Auszug hervorgeht, unterst&#252;tzt Charlotte die Verstehensarbeit der Lernenden. Im Modelltext wird beschrieben, dass das Foto zwei Br&#252;der in einer Yaodong-H&#246;hle im Loess-Plateau in Zentralchina darstellt, und diese Beschreibung erg&#228;nzt Charlotte mit Fotos vom Loess-Plateau.</p>
<p>In <italic>Aktivit&#228;t 2</italic> wurde der grammatikalische Fokus, das Vorfeld, pr&#228;sentiert. W&#228;hrend dieser Aktivit&#228;t waren alle drei Kontextdimensionen im Spiel. Zuallererst zieht Charlotte eine Verbindung zu einer Schulvariante von <italic>den Lebenserfahrungen der Lehrenden und Lernenden</italic>, n&#228;mlich dem konkreten Schulkontext: &#8222;<italic>Und jetzt werden wir mit diesem sentence-starter, von dem [Name der Englisch-Lehrerin] letzte Woche so viel gesprochen hat. Was war aber jetzt auch ein sentence-starter?&#8220;</italic> Danach zeigt Charlotte das Pr&#228;dikat im ersten Satz des Bildtextes: <italic>&#8222;Zwei Br&#252;der leben in einer traditionellen, ausgemei&#223;elten Yaodong H&#246;hle&#8220;</italic> und erkl&#228;rt, dass die Position vor dem Pr&#228;dikat das Vorfeld ist. Der Modelltext wurde sowohl an der digitalen Tafel gezeigt als auch als Fotokopie verteilt und damit haben die Lernenden jetzt zu zweit versucht, Pr&#228;dikat und Vorfeld in jedem der insgesamt vier Bildtexts&#228;tze zu identifizieren. Im Anschluss arbeitete die Klasse gemeinsam an der digitalen Tafel. Im untenstehenden Auszug 2 illustrieren wir, wie die drei kontextuellen Dimensionen in einem anschlie&#223;enden Klassengespr&#228;ch ins Spiel kamen:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Weil, wenn man einen Text schreibt</italic>, wenn man einen Text schreibt, <italic>dann ist es ein bisschen wichtig, dass man dazu Stellung nimmt, was man eigentlich zuerst schreiben will. Warum wohl? Was sieht man wohl zuerst? Das ist ein wenig einleuchtend. Aleksander?</italic></p>
<p><italic>Aleksander: Aber, das sind ja die ersten Buchstaben (&#160;)</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Jah, warum, warum ist das wichtig? Warum ist das wichtig?</italic></p>
<p><italic>Aleksander: Weil, wei&#223;t du, das ist, wo es die Aufmerksamkeit f&#228;ngt.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Jah. So willst du, dass ich &#252;ber das Bild hier nachdenke &#8211; weil das Bild ist ja mit dem Text zusammen eine Einheit &#8211; dann musst du mich ja etwas denken lassen, wenn du das hier schreibst. Und wenn du</italic> &#8217;zwei Br&#252;der&#8217; <italic>schreibst, dann denke ich nicht: Da ist ein Hund. Ich habe den Hund gar nicht gesehen. Erst als Ihr mir gesagt habt, dass es einen Hund gab, habe ich es gesehen [&#8230;] Ich hatte ihn gar nicht entdeckt. Ihr habt letzte Woche gesagt, dass es einen Computer gibt, und ich habe gedacht &#8217;einen Computer, wo gibt es einen Computer? Ich hatte ihn gar nicht entdeckt. Den Hund habe ich gesehen. Wahrscheinlich, weil ich selber einen Hund habe. Ja, so war es. Ich habe den Hund gesehen, aber &#252;berhaupt nicht entdeckt [&#8230;] Das hei&#223;t: Man kann das Vorfeld &#228;ndern</italic>, man kann es also &#228;ndern.</p>
</disp-quote>
<p>Im Auszug sieht man, wie Charlotte unterstreicht, dass es eine Bedeutung hat, welche Information man im Vorfeld des Satzes w&#228;hlt, und dass es sich um eine sprachliche Option handelt, die im Verh&#228;ltnis zur Kommunikationssituation entschieden werden muss. Die Entscheidung hat f&#252;r den Empf&#228;nger eine Bedeutung und h&#228;ngt deswegen damit zusammen, worauf man als Absender die Aufmerksamkeit des Empf&#228;ngers richten will. <italic>Der kommunikative Kontext</italic> wird dadurch aktiviert und Entscheidungen auf Satzniveau werden mit diesem Kontext verbunden (Prinzip 2). Charlotte l&#228;dt <italic>die kommunikativen Erfahrungen der Lernenden</italic> ein und aktiviert auch die Kontextdimension <italic>die Lebenserfahrungen der Lehrenden und Lernenden</italic>, indem sie Elemente aus ihrem eigenen Alltag einbezieht, n&#228;mlich dass sie einen Hund hat. Die Entscheidung hat eine Bedeutung daf&#252;r, wie der Empf&#228;nger das Foto liest, ist aber auch mit einem selbst als Absender verbunden. Dadurch verdeutlicht Charlotte ihren Lernenden, dass man im Text auch sich selbst ins Spiel bringen muss.</p>
<p>In <italic>Aktivit&#228;t 3</italic> hat die Klasse damit gearbeitet, Satzglieder aus den Bildtexts&#228;tzen in das Vorfeld zu setzen und die Konsequenzen f&#252;r das Lesen der S&#228;tze zu diskutieren. W&#228;hrend der Aktivit&#228;t wurden alle drei Kontextdimensionen ins Spiel gebracht, aber es konnten auch zwei Abweichungen vom Geplanten gesehen werden. Wir verdeutlichen das anhand von zwei Ausz&#252;gen aus der Arbeit in der Klasse. In der Klasse entwickelte sich ein angeregtes Gespr&#228;ch &#252;ber verschiedene Optionen, die Satzglieder zu verschieben. Die Lernenden meldeten sich eifrig, w&#228;hrend Charlotte die &#196;nderungsvorschl&#228;ge der Lernenden auf die digitale Tafel schrieb. Dann aber sagt ein Sch&#252;ler (Victor): &#8222;Charlotte. Der ganze Text h&#246;rt sich jetzt etwas merkw&#252;rdig an&#8220;. Charlotte geht einen Schritt zur&#252;ck, sieht auf den ganzen Text und antwortet: &#8222;Ja, wollen wir versuchen, ihn zu lesen? Es ist ja ziemlich wichtig, was du da sagst&#8220;. Im untenstehenden Auszug 3 geben wir die darauffolgende Sequenz wieder, w&#228;hrend der Sch&#252;ler sowohl f&#252;r seine Beobachtung gelobt wird als auch dazu aufgefordert wird, zu erkl&#228;ren, was er meint:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Victor: Charlotte. Der ganze Text h&#246;rt sich jetzt etwas merkw&#252;rdig an.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Ja, wollen wir versuchen, ihn zu lesen? Es ist ja ziemlich wichtig, was du da sagst, Victor. Es ist wichtig. Wie das jetzt klingt. Wie h&#246;rt es sich an, wenn man das Ganze in Betracht nimmt. (&#8230;)</italic> In einer traditionellen, ausgemei&#223;elten Yaodong-H&#246;hle leben zwei Br&#252;der. <italic>In einer traditionellen, ausgemei&#223;elten Yaodong-H&#246;hle leben zwei Br&#252;der</italic>. In Zentralchina liegt die H&#246;hle auf einem H&#252;gel am Loess-Plateau. <italic>In Zentralchina liegt die H&#246;hle auf einem H&#252;gel am Loess-Plateau. Gute Isolationseigenschaften haben die W&#228;nde aus Erde. Die Bewohner &#252;berleben deswegen gut den kalten Winter.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Und was findest du, h&#246;rt sich merkw&#252;rdig an?</italic></p>
<p><italic>Victor: Also ich glaube, dass ich auf jeden Fall das da &#8217;in Zentralchina&#8217; &#228;ndern w&#252;rde, weil es, wenn zwei S&#228;tze gleich nacheinander kommen, h&#246;rt es sich sehr, so kindisch an.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Ja, ja. Es gibt keinen richtig guten Zusammenhang unter dem hier jetzt. So, wozu w&#252;rdest du vorschlagen, es zu &#228;ndern?</italic></p>
<p><italic>Victor: &#214;hh (&#160;) Die H&#246;hle liegt in Zentralchina auf einem H&#252;gel am Loess-Plateau.</italic></p>
<p><italic>(&#8230;)</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Ist das jetzt das Wichtige? Ist das, was du dich vorstellen k&#246;nntest, gern erz&#228;hlen zu wollen?</italic></p>
<p><italic>Victor: Ja.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Warum?</italic></p>
<p><italic>Victor: Dann kriegt man ja irgendwie alles mit. Also (&#160;) sie wohnen in einer traditionellen (&#160;) man wei&#223;, wo sie wohnen, also worin sie wohnen.</italic></p>
<p><italic>(&#8230;)</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Aber der hier dann? Passt das, wenn du sagst: Die H&#246;hle liegt in Zentralchina auf einem H&#252;gel am Loess-Plateau</italic>. Gute Isolationseigenschaften &#8230; <italic>findest du, dass das passt in einem Zusammenhang mit dem hier oben?</italic></p>
<p><italic>Victor: Also nicht so richtig.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Warum nicht?</italic></p>
<p><italic>Victor: Ich wei&#223; es nicht. Es wird mehr so mechanisch &#8230; man startet nicht in der Weise. Weil dann wei&#223; man ja erst, was der Satz bedeutet, wenn man mit ihm ganz zu Ende ist.</italic></p>
</disp-quote>
<p>In dieser Sequenz richtete ein Sch&#252;ler die Aufmerksamkeit auf die Textvernetzung oder Koh&#228;sion des Textes, also, dass das Vorfeld auch f&#252;r die Thema-Rhema-Struktur in einem Text entscheidend ist. Wenn der Sch&#252;ler sagt, dass der Text sich jetzt merkw&#252;rdig anh&#246;rt, weicht das gemeinsame Klassengespr&#228;ch vom Geplanten ab und der sprachliche Fokus und die grammatikalische Komplexit&#228;t erweitert sich. In Verbindung mit den syntaktischen Entscheidungen ist vor allem eine Kontextdimension hier im Spiel: <italic>die kommunikativen Erfahrungen der Lernenden.</italic> Gleich nach dieser Sequenz wird Aktivit&#228;t 3 abgeschlossen. Der Plan war, dass Charlotte jetzt die Optionen der Vorfeldbesetzung zusammenfassen w&#252;rde sowohl in Hinsicht auf die Art als auch auf die kommunikative Bedeutung der syntaktischen Wahl. Im Klassenraum aber wich der Ablauf von der Planung ab, da das nachfolgende Gespr&#228;ch &#252;ber den durch das gemeinsame Klassengespr&#228;ch neu gestalteten Text ausschlie&#223;lich von (dem unvorbereiteten Thema) Wortarten im Vorfeld handelte, wie im Auszug 4 gezeigt:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Charlotte: Und welche W&#246;rter sehen wir jetzt im Vorfeld hier? Welche Wortarten sind das?</italic></p>
<p><italic>Alma: Das sind Substantive.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Alle?</italic></p>
<p><italic>Alma: &#214;h () ja.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Zwei, zwei sind Substantive. Welche zwei sind Substantive?</italic></p>
<p><italic>Alma: Die H&#246;hle und Isolation &#8211; und Bewohner.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Ja, ahja, dann habe ich &#252;bers&#8230;</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Und gut?</italic> Gut oder schlecht? &#8211; <italic>die etwas beschreiben?</italic></p>
<p><italic>Alma: Adjektiv.</italic></p>
<p><italic>Charlotte: Adjektiv, das auch etwas auf D&#228;nisch hei&#223;t?</italic></p>
<p><italic>Alma:</italic>Till&#230;gsord.</p>
<p><italic>Charlotte: Ja. Wir k&#246;nnen also verschiedene Dinge im Vorfeld haben.</italic></p>
</disp-quote>
<p>Da das Klassengespr&#228;ch sich in dieser Weise spontan entfaltet, kommt zwar grammatisches Wissen ins Spiel, aber weder Erfahrungen mit der Kommunikation noch mit dem kommunikativen Kontext.</p>
<p>Nach dieser Aktivit&#228;t hat sich der Mini-Modellverlauf mit den Aktivit&#228;ten 4&#8211;8 fortgesetzt, w&#228;hrend die Lernenden mit zwei neuen WPP-Fotos und den dazugeh&#246;rigen Bildtexten gearbeitet haben. Die Lernenden haben mit den neuen Texten das Puzzle mit der Vorfeldbesetzung wiederholt und haben zudem die Aufgabe erhalten, ihre Vorfeldentscheidungen einer anderen Gruppe zu begr&#252;nden (Aktivit&#228;t 8, siehe <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref>). Allen Lernenden ist damit die M&#246;glichkeit gegeben, in kleineren Gruppen eigene syntaktische Entscheidungen zu treffen und diese explizit zu begr&#252;nden.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.3 Herausforderungen</title>
<p>Das Reflexionsgespr&#228;ch, das nach dem didaktischen Experiment durchgef&#252;hrt wurde, vermittelt zusammen mit der Analyse der Beobachtungen einen Einblick in die Herausforderungen, die sich f&#252;r die Lehrenden mit dem neuen Zugang stellen k&#246;nnen. Die Abweichungen vom Plan in der konkreten Unterrichtsausf&#252;hrung deuten in unserer Interpretation auf zwei Herausforderungen hin: Die grammatische Komplexit&#228;t in der Arbeit mit sinnvollen Texten und die Durchf&#252;hrung untersuchender und dialogischer Klassengespr&#228;che. Beide Herausforderungen hat auch die Lehrerin Charlotte im Reflexionsgespr&#228;ch erw&#228;hnt. Dar&#252;ber hinaus hat sich aus der Sicht der Lehrenden durch das Reflexionsgespr&#228;ch noch eine Herausforderung gezeigt, n&#228;mlich die Qualit&#228;t in den Gruppengespr&#228;chen der Lernenden zu sichern.</p>
<p>Die grammatische Komplexit&#228;t kommt direkt ins Spiel in Aktivit&#228;t 3, wenn der Sch&#252;ler Victor sagt, dass der Text sich jetzt ziemlich merkw&#252;rdig anh&#246;rt. Im Reflexionsgespr&#228;ch hat Charlotte erl&#228;utert, wie sie sich &#252;berrumpelt gef&#252;hlt hat: &#8222;Es gibt ja richtig viel, wo man es einfach auffangen muss, oder es nicht schafft, es aufzufangen.&#8220; Zudem f&#252;hlte sich Charlotte auch aufs fachliche Glatteis gef&#252;hrt: &#8222;Wie ist es jetzt auch noch &#8211; hei&#223;t es Koh&#228;sion oder Koh&#228;renz?&#8220; Drittens agierte sie unter dem Zeitdruck des minuti&#246;sen Unterrichtsplans: &#8222;Der Zeitplan darf heute nicht ausrutschen.&#8220; Unter diesen Voraussetzungen musste sie blitzschnell eine didaktische Entscheidung treffen. Charlotte hat sich dazu entschieden, das gemeinsame Klassengespr&#228;ch abzuschlie&#223;en, erz&#228;hlt sie im Reflexionsgespr&#228;ch: &#8222;Hat diese Klasse den Fachausdruck [Koh&#228;sion] geh&#246;rt? Ich glaube aber, dass, weil ich wusste, dass wir heute Fokus auf das andere hatten, habe ich es abgew&#228;hlt. Ich glaube nicht, dass ich es [Koh&#228;sion] schon erw&#228;hnt habe, und jetzt wollte ich sie nicht verwirren. Jetzt wollte ich den Fokus festhalten.&#8220; Sie hat diese Wahl als Herausforderung erlebt, aber auch als notwendige Fokussierung, wie im folgenden Auszug 5 zum Ausdruck kommt:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Ich denke, dass die eigentliche Herausforderung, die ist, wenn man, ich wei&#223; nicht, man lehrt ja die Sch&#252;ler verschiedene Sachen in den f&#252;nf Jahren, die man sie im Fach Deutsch hat. Irgendwann ist es wahrscheinlich n&#246;tig, den Blick auf das Vorfeld zu haben, andererseits geht es auch darum, um gute Schreiber zu machen, den Fokus auf Koh&#228;sion zu haben. Also man soll wahrscheinlich nicht von einem Sch&#252;ler in der 5., 6., 7., 8. und 9. erwarten, dass er gleichzeitig Fokus auf alles haben kann, und deswegen denke ich, ist es richtig gut, zwischendurch Fokus auf etwas zu haben (&#8230;) doch am Ende sollten sie hoffentlich ein bisschen ausw&#228;hlen k&#246;nnen. Das aber k&#246;nnen sie nicht, wenn ich ihnen sage: Jetzt sollt ihr einfach alles fokussieren. Schreibt einen guten Text.</italic></p>
</disp-quote>
<p>Wenn die Lernenden &#8211; wie hier &#8211; dazu eingeladen werden, an einem Gespr&#228;ch &#252;ber die grammatikalischen Entscheidungen teilzunehmen, die in einem entstehenden Text zu treffen sind, kann ein solches Gespr&#228;ch viele neue und unvorbereitete Richtungen nehmen. Es gibt also eine erhebliche Komplexit&#228;tserweiterung. Diese Komplexit&#228;tserweiterung in Verbindung mit dem gemeinsamen Klassengespr&#228;ch hat sich nicht nur in der aktuellen Unterrichtssituation als Herausforderung gezeigt, sondern war im ganzen zweiten Teil des Gramma3-Projekts auch f&#252;r alle teilnehmenden Lehrenden herausfordernd (siehe z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Rohde 2020</xref>). In der aktuellen Situation reagiert Charlotte auf die zweite Abweichung vom Unterrichtsplan mit einem konstatierenden Gespr&#228;ch &#252;ber Wortarten im Vorfeld. Das passiert in dem Augenblick, als sich der Fokus auf das von einem Sch&#252;ler er&#246;ffnete Gespr&#228;ch &#252;ber Koh&#228;sion richtet &#8211; genau dann, als sie die Gruppenarbeit in Gang setzen m&#246;chte. Dar&#252;ber hinaus war es an sich eine Herausforderung, die Qualit&#228;t in der Gruppenarbeit zu sichern, zumal es sich um Fremdsprachenunterricht f&#252;r Anf&#228;nger*innen handelte. Die Verstehensarbeit hat sowohl in Aktivit&#228;t 1 als auch in Aktivit&#228;t 4 (Gruppenarbeit mit neuen WPP-Fotos und Bildtexten) Zeit in Anspruch genommen. Gleichzeitig sind die Lernenden daran gew&#246;hnt, vor allem schriftliche deutschsprachige Texte verstehen zu m&#252;ssen und nicht &#252;ber sprachliche Entscheidungen zu reflektieren. Charlotte reflektiert: &#8222;Es kann ein bisschen schwierig sein, als ein vielleicht etwas schwacher Sch&#252;ler dort zu sitzen [&#8230;] und solche ein bisschen schwierige S&#228;tze &#252;bersetzen zu m&#252;ssen und sich dann noch dazu verhalten zu m&#252;ssen, wie sie umstrukturiert werden k&#246;nnen, weil es ja oft so ist &#8218;jetzt ist es &#252;bersetzt, dann brauche ich nicht mehr daran zu denken&#8216;.&#8220; Die Lernenden brauchen Zeit, aber vor allem auch Unterst&#252;tzung, die eigenen Entscheidungen zu verbalisieren, f&#252;gt sie hinzu. Charlotte fasst zusammen:</p>
<disp-quote>
<p><italic>Ja, aber ich bin mir immer noch im Zweifel dar&#252;ber, inwieweit eine solche einzige Doppellektion dann f&#252;r die Wirklichkeit reicht, dass sie dann, wenn sie zuletzt ihre syntaktische Entscheidungen in Verbindung mit dem eigenen Bild begr&#252;nden sollen, ob sie dann wirklich begr&#252;nden k&#246;nnen, warum sie just genau das gemacht haben, was sie gemacht haben. Also weil, warum hast du das ins Vorfeld gesetzt? Ja, dann erw&#228;hnen sie eigentlich, in der Gruppe, mit der ich gesprochen habe [&#8230;] das ist, weil wir Fokus auf Rugby haben wollen [&#8230;] den Fokus m&#246;chten sie also haben, f&#252;r die Gruppe, der sie das pr&#228;sentieren. Und dann sage ich: &#8218;Warum aber steht das dann nicht vorne?&#8216; &#8218;Ah ja&#8217;, sagen sie dann. Und dann [&#8230;] fingen sie tats&#228;chlich an, das zu diskutieren, erst aber wenn ich dahingegangen bin und nachgefragt habe.</italic></p>
</disp-quote>
<p>Zusammenfassend hat das didaktische Experiment gezeigt, dass sinnvolle Texte eine Komplexit&#228;t beinhalten k&#246;nnen, was Herausforderungen im untersuchenden und dialogischen Klassengespr&#228;ch sowie in Gruppenarbeiten mit sich bringen kann. Solche Herausforderungen k&#246;nnen z.B. zeitintensive Verst&#228;ndnisherausforderungen sein, aber auch die Tatsache, dass unvorhergesehene sprachliche Beobachtungen der Lernenden oder Lehrenden spontane Gespr&#228;che verlangen k&#246;nnen.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Diskussion</title>
<p>Ziel des didaktischen Experiments war es, einerseits Einsichten f&#252;r die grammatikdidaktische Forschungsliteratur zu gewinnen, andererseits auch theoretisch basiert und empirisch informiert Inspiration f&#252;r einen neuen vielversprechenden Zugang im Grammatikunterricht anzubieten. Mit diesem Zugang wird es m&#246;glich, einen <italic>focus on form</italic> in einer neuen und erweiterten Bedeutung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Ellis 2016</xref>) zu konzipieren und umzusetzen.</p>
<p>Die drei Prinzipien, die das Planen eines kontextualisierten Grammatikunterrichts leiten k&#246;nnen, haben wir durch die Arbeit mit Bildtexten der World Press Photos und mit grammatikalischem Fokus auf das Satzvorfeld (FF 1) illustriert. Dar&#252;ber hinaus haben wir Herausforderungen in Bezug auf drei Aspekte verdeutlicht: das Arbeiten mit sinnvollen Texten im Grammatikunterricht, auch Texten, die im Unterricht entstehen, das Erm&#246;glichen von untersuchenden und dialogischen Klassengespr&#228;chen &#252;ber sprachliche M&#246;glichkeiten und die Sicherung von Qualit&#228;t in den Gruppengespr&#228;chen (FF 2). Im Folgenden werden wir unsere Ergebnisse mit anderen Studien und dem Forschungsbeitrag vergleichen und danach eine zukunftsgerichtete Perspektive f&#252;r die Praxis und Implikationen f&#252;r die Lehrerausbildung diskutieren.</p>
<p>Die in unserer Studie entwickelten und ausgef&#252;hrten Prinzipien sind von den L1-Studien von Myhill et al. inspiriert (<xref ref-type="bibr" rid="B35">z.B. 2012</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B34">2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Myhill 2021</xref>), hierunter von ihrer sozialsemiotischen Grundlage, einem Verst&#228;ndnis davon, dass sprachliche Optionen auf Satz- und Wortniveau bedeutungstragend sind (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Halliday 1987</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B19">2002</xref>). Um diesen Zugang an den DaF-Anf&#228;nger*innen-Unterricht anzupassen, tragen wir zu einem erweiterten Textverst&#228;ndnis bei, in dem auch m&#252;ndlicher Text inkludiert ist, und wir tragen bei mit einem erweiterten theoriebasierten und empirisch informierten Verst&#228;ndnis von Kontext: Neben dem Kommunikationskontext gibt es zwei Kontextdimensionen f&#252;r einen kommunikativen DaF-Unterricht: Die Lebenserfahrungen der Lehrenden und Lernenden und die kommunikativen Erfahrungen der Lernenden. Beide Dimensionen er&#246;ffnen didaktische M&#246;glichkeiten f&#252;r einen sinnvollen Grammatikunterricht (auch im Sinne der &#252;bergeordneten Zielsetzung von interkultureller kommunikativer Kompetenz f&#252;r Deutsch im nationalen Curriculum). Damit wird die Wichtigkeit von sprachlichen Wahlm&#246;glichkeiten in Abh&#228;ngigkeit der jeweiligen Kommunikationssituation unterstrichen. Somit tragen die entwickelten Prinzipien zu existierender Forschungsliteratur bei, wie kontextualisierter Grammatikunterricht in einem fremdsprachdidaktischen Kontext verstanden werden kann.</p>
<p>Abschlie&#223;end m&#246;chten wir behaupten, dass es nur kleine Eingriffe erfordert, um einen traditionellen Schulgrammatikunterricht in einen kontextualisierten Unterricht zu transformieren. M&#246;glich wird das durch eine Arbeit mit Texten, die einen Fokus auf die Zusammenh&#228;nge zwischen Optionen auf Satz- und Wortniveau und dem kommunikativen Kontext erm&#246;glicht. Dies ist schon im Anf&#228;nger*innen-Unterricht m&#246;glich, obwohl es notwendig ist, sowohl mit dem sprachlichen Verst&#228;ndnis der Lernenden zu arbeiten und ihre kommunikativen Erfahrungen zu aktivieren als auch relevantes Wissen &#252;ber die Welt aufzubauen. Ferner m&#246;chten wir auf die h&#246;here Komplexit&#228;t hinweisen, die dieser Zugang mit sich f&#252;hren kann, und damit auf jene Herausforderungen, die das Klassengespr&#228;ch f&#252;r die Lehrenden haben kann. Ein kontextualisierter Grammatikunterricht erfordert sowohl didaktisches als auch fachrelevantes sprachliches Wissen wie bei Myhill et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B34">2018</xref>) hervorgehoben. Die Lehrerin in unserem Beispiel ist atypisch, da sie sowohl &#228;u&#223;erst erfahren ist als auch eine &#252;beraus gro&#223;e deutschsprachliche, linguistische und didaktische Kompetenz hat. In Verbindung mit dem Klassengespr&#228;ch wurde sie dennoch mit eigenen W&#246;rtern &#8218;&#252;berrumpelt&#8216;. Dadurch verunsichert hat sie sich unmittelbar danach und au&#223;erhalb des detaillierten Unterrichtsplans dazu entschieden, ein Gespr&#228;ch &#252;ber Wortarten im Vorfeld einzuleiten. Obwohl dies verglichen mit den Erkenntnissen im ersten Teil des Gramma3-Projekts f&#252;r den Unterricht dieser Lehrerin au&#223;ergew&#246;hnlich ist, kennen wir diese Herausforderung aus dem Erst- und Fremdsprachengrammatikunterricht, sowohl im skandinavischen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Kabel/Bjerre 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B40">Rohde 2020</xref>) als auch im internationalen Kontext (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Myhill/Newman 2016</xref>). Im Zusammenhang damit scheint es f&#252;r Lernende auf der Sekundarstufe ungew&#246;hnlich, &#252;ber syntaktische Optionen zu reflektieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B47">Watson/Newman 2017</xref>). Das Wechseln vom Untersuchenden zum sicher Konstatierbaren kann als eine M&#246;glichkeit f&#252;r eine Pause im Gespr&#228;ch gesehen werden, in der weder Lehrende noch Lernende herausgefordert werden. Obwohl unsere Identifikation von Herausforderungen auf der Analyse von einem didaktischen Experiment aufbaut, erwarten wir, dass entsprechende Herausforderungen von anderen Deutschlehrenden erlebt werden k&#246;nnen. Es erfordert eine vierj&#228;hrige Bachelorausbildung, Lehrkraft in einer d&#228;nischen Grundschule zu werden. W&#228;hrend der Ausbildung w&#228;hlt die angehende Lehrkraft drei Unterrichtsf&#228;cher. Das Fach Deutsch als Fremdsprache hat 30 ECTS. In Jahresberichten &#252;ber abschlie&#223;ende Lehramtspr&#252;fungen werden die unzul&#228;nglichen deutschsprachlichen Kompetenzen der Studierenden als ein Problem erw&#228;hnt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B41">Sekretariat der Beisitzer in der Lehrerausbildung 2022</xref>). Im Prinzip soll eine Deutschlehrkraft in der d&#228;nischen Grundschule eine Lehrpersonenausbildung mit Deutsch als Fremdsprache als eines von drei Unterrichtsf&#228;chern absolviert haben; da in der Lehrpersonenausbildung aber der Zugang von Studierenden zum Fach Deutsch nicht der Nachfrage an Schulen entspricht, wird der DaF-Unterricht auch von Lehrkr&#228;ften ohne formelle Unterrichtsqualifikation ausge&#252;bt. Der zeitliche Rahmen der Deutschlehrpersonenausbildung, die Herausforderungen, &#252;berhaupt ausgebildete Deutschlehrkr&#228;fte in den Schulen anstellen zu k&#246;nnen und die mit diesen Umst&#228;nden verbundenen M&#246;glichkeiten der Lehrenden, didaktische und fachrelevante sprachliche Kompetenzen zu erwerben, deuten auf die Schwierigkeit hin, neue Wege im Grammatikunterricht &#252;berhaupt gehen zu k&#246;nnen. Denn noch immer ist im Grammatikunterricht eine gewisse Ver&#228;nderungsresistenz vorherrschend (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Borg 1999</xref>, <xref ref-type="bibr" rid="B7">2003</xref> bzw. innerhalb der L1 Forschung <xref ref-type="bibr" rid="B45">The English Review Group 2004</xref>). Der Grammatikunterricht in Sprachf&#228;chern kann viele Aspekte zum Ziel haben, z.B. kann ein Ziel sein, dass die Lernenden Wissen &#252;ber die Strukturen in einer Sprache erlangen (vgl. z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B12">Dielemans/Coppen 2021</xref>). Der L3 Anf&#228;nger*innen-Unterricht ist aber grundlegend kommunikativ. Dabei handelt der Grammatikunterricht davon, das <italic>meaning making</italic> der Lernenden in der Fremdsprache zu unterst&#252;tzen. Die identifizierten Herausforderungen deuten auf die Lehrpersonenausbildung hin, aber auch auf die Lehrwerke und die Unterst&#252;tzung, die sie anbieten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Hauk&#229;s et al. 2016</xref>). Um <italic>focus on form</italic> im Klassenraum (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Ellis 2016</xref>) auf neue Art und Weise zu adressieren, ben&#246;tigen wir neue Lehrwerke, die einen kontextualisierten Grammatikunterricht unterst&#252;tzen. Auch zeigt eine f&#228;cher&#252;bergreifende Arbeit gro&#223;es Potenzial, nicht nur in Hinblick auf Konsolidierung von Wissen und kollegiales Sparring, sondern auch, wie von Charlotte formuliert, in Hinblick darauf, den Lernenden Teilnahmem&#246;glichkeiten zu er&#246;ffnen, indem sie auf Wissen von und Erfahrungen mit <italic>meaning making</italic> in den anderen Sprachf&#228;chern bauen k&#246;nnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>6 Schlussfolgerung</title>
<p>Die skandinavische Forschung auf dem Gebiet Grammatikunterricht in der Sekundarstufe ist beschr&#228;nkt. Auf Grundlage eines qualitativen didaktischen Experiments und der Identifikation aktueller Praxen im kommunikativ und interkulturell orientierten DaF-Unterricht tragen wir in diesem Artikel mit Wissen &#252;ber eine m&#246;gliche Konzeptualisierung von kontextualisiertem Grammatikunterricht im DaF-Anf&#228;nger*innen-Unterricht bei. Dar&#252;ber hinaus weisen wir &#8211; mit dem Wissen, dass diese Identifikationen weder allgemeing&#252;ltig noch vollst&#228;ndig sind &#8211; auf einige durch den Zugang entstandene konkrete Herausforderungen hin, die in anderen &#228;hnlichen Klassen wiedererkannt werden k&#246;nnen. Die Studie beinhaltet so Anst&#246;&#223;e f&#252;r eine weitere Forschung, die einen kontextualisierten Grammatikunterricht von mehreren Klassen untersucht. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen die Erkenntnisse der Studie f&#252;r kommende komparative Studien herangezogen werden. Diese Studien haben das Potential, durch empirische Informationen aus anderen Ausbildungskontexten auch die Konzeptualisierung von einem kontextualisierten Grammatikunterricht zu verfeinern.</p>
<p>Dank</p>
<p>Wir m&#246;chten allen Teilnehmenden des Gramma3-Projektes f&#252;r ihre Beitr&#228;ge danken.</p>
</sec>
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<title>Literatur</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Kirsten Bjerre</bold> ist Hochschuldozentin im Fach Deutsch als Fremdsprache in der Lehrerausbildung an der P&#228;dagogischen Hochschule in Kopenhagen, D&#228;nemark. Ihr Hauptinteresse ist Grammatikdidaktik.</p>
<p><bold>Kristine Kabel</bold> is Associate Professor, PhD at the Danish School of Education, Aarhus University, Denmark. Her main research interests are educational linguistics, subject-specific literacy and student writing, particularly in the context of first language education.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Kirsten Bjerre</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">K&#248;benhavns Professionsh&#248;jskole</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Humletorvet 3</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">1799 K&#248;benhavn V</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:mail@kirstenbjerre.dk">mail@kirstenbjerre.dk</ext-link></styled-content></p>
<p>&#160;</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Kristine Kabel</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Danish School of Education, Aarhus University</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Tuborgvej 164</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">2400 Copenhagen NV</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:kabel@edu.au.dk">kabel@edu.au.dk</ext-link></styled-content></p>
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