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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Bechtel, Mark &amp; Rudolph, Tom (Hrsg.) (2022): <italic>Reflexionskompetenz in der Fremdsprachenlehrer*innenbildung. Theorien &#8211; Konzepte &#8211; Empirie</italic>. Konferenzband. Peter Lang. ISBN 9783631828878. 188 Seiten. 44,95 &#8364;.</article-title>
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<aff id="aff-1">DaF/DaZ, Universit&#228;t Koblenz</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2023-02-14">
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<p>Der Reflexionskompetenz (angehender) Lehrer*innen wird eine hohe Bedeutung f&#252;r die Professionalisierung zugesprochen. Dabei werden die Fragen nach der Modellierung, Entwicklung, F&#246;rderung und Messung von Reflexionskompetenz nicht nur in der allgemeinen Didaktik diskutiert, sondern geraten auch in den Fokus der an der Lehrer*innenbildung beteiligten Fachdidaktiken. Zentral sind dabei die Rolle der Fachlichkeit bei der Herausbildung, Entwicklung und F&#246;rderung von Reflexion sowie die Identifikation gegenstands- und prozessbezogener Merkmale einer fachspezifischen Reflexion. Ankn&#252;pfend an die allgemeindidaktische Diskussion und die Ergebnisse der aktuellen fremdsprachendidaktischen Forschung zur Bedeutung der Reflexion in der Professionalisierung von (angehenden) Fremdsprachenlehrer*innen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B3">Gerlach 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B4">G&#246;decke 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B5">Klempin 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B6">Sch&#228;dlich 2019</xref>) pr&#228;sentieren die Herausgeber einen Beitrag zur aktuellen Forschungslage. Aus der fachlichen Perspektivierung von Reflexion und Reflexivit&#228;t ergeben sich f&#252;r die Praxis und Forschung der fremdsprachendidaktischen Lehrer*innenbildung etliche Anforderungen, die den spezifischen Gegenstand der Reflexion betreffen: Das Lehrer*innenhandeln als solches, das sich in mehrsprachigen und plurikulturellen Lern-Lehr-Kontexten vollzieht und in bildungspolitische Rahmen und (global)gesellschaftliche Diskurse eingebettet ist.</p>
<p>Der Sammelband vereinigt neben der Einleitung acht Beitr&#228;ge, die in den Didaktiken des Englischen, der romanischen Sprachen und des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache verortet sind und eine reflexive Fremdsprachenlehrer*innenbildung als Thema haben. In der Einleitung f&#252;hren die Herausgeber des Sammelbandes in die wichtigsten Fragen und Erkenntnisse des allgemeinp&#228;dagogisch dominierten Diskurses und zeigen in aller K&#252;rze die besagte Problematik, die Herausforderungen und Anforderungen einer fremdsprachendidaktischen Perspektivierung und Erforschung von Reflexion auf.</p>
<p><bold>Dagmar Abendroth-Timmer</bold> vertritt den (berufs)biografischen Ansatz, wobei sie diesen als &#8222;eine ganzheitliche Folie&#8220; (S. 26) f&#252;r die Entwicklung professioneller Handlungskompetenzen von Lehrer*innen versteht, und stellt vier Modelle (im Abstract jedoch drei angegeben) vor: Das Modell zur Definition und Rahmung von Reflexion, das Modell individueller Reflexionsverl&#228;ufe, das Modell der Fachspezifik von Reflexion und das Modell (berufs-)biographischer Entwicklungslinien, welche theoretisch und zum Teil empirisch fundiert sind. Als wichtige Elemente der fremdsprachendidaktischen Reflexionskompetenz hebt die Autorin &#8222;die Sprach-(lern-)biographien der Lehrenden, ihre &#252;ber Mobilit&#228;tserfahrungen entwickelten sozio-emotionalen Bez&#252;ge zur Sprache sowie allgemeine Aspekte beruflicher Identit&#228;t und der Unterrichtsgestaltung&#8220; (S. 25) hervor. Abendroth-Timmer zeigt auf, wie &#8222;vielschichtig und multidimensional Reflexionsprozesse sind und wie sie zwischen Momenten praktischer Erfahrung und theoretischer Erkenntnis oszillieren&#8220; (S. 30). Als Ziel der reflexiven Lehrer*inennbildung sieht sie die Entwicklung professioneller Flexibilit&#228;t an: &#8222;Professionelle Flexibilit&#228;t ist dann gegeben, wenn Fremdsprachenlehrer*innen berufliche Handlungsmuster immer wieder kontextspezifisch hinterfragen und neugestalten wollen und k&#246;nnen&#8220; (S. 36). Diese umfasst neben der kognitiven auch die emotionale und die leibliche Ebene, was die Argumentation f&#252;r den (berufs-)biografischen Zugang zur F&#246;rderung und Erforschung der Reflexionskompetenz unterst&#252;tzt. Gleichzeitig gibt Abendroth-Timmer zu bedenken, dass die Reflexion allein nicht zwangsl&#228;ufig eine Handlungsver&#228;nderung mit sich bringt.</p>
<p><bold>Birgit Sch&#228;dlich</bold> setzt sich mit dem Thema Reflexion und Fachlichkeit anhand der FRIQIA-Studie (Fremdsprachendidaktische Reflexion als Interimsdidaktik. Eine qualitative Inhaltsanalyse zum Fachpraktikum Franz&#246;sisch) auseinander und fokussiert dabei insbesondere den forschungsmethodologischen Zugang. Indem sie zwischen explizierenden und impliziten Wissenselementen differenziert und die Eignung der Inhaltsanalyse zur Erforschung von Reflexion bei angehenden Lehrer*innen im Nachhinein hinterfragt, zeigt sie auf, wie die in der fremdsprachendidaktischen Forschung zur reflexiven Fachlichkeit die Gegenstandsangemessenheit reflektiert wird. Sie pl&#228;diert f&#252;r den Einsatz rekonstruktiver Forschungsans&#228;tze.</p>
<p>Mit der Differenzierung von impliziten und expliziten Wissensbest&#228;nden befasst sich auch der Beitrag von <bold>David Gerlach</bold>. Er hebt die hohe Komplexit&#228;t der Reflexion und weist auf tieferliegende Prozesse und Interdependenzen hin. Gerlach warnt vor einem technologischen Verstehen der Reflexion und Reflexivit&#228;t, das die unmittelbare Beeinflussung, Messung und Auswirkung aufs Handeln bedeutet. Zentral sind f&#252;r ihn zwei Fragen: Wor&#252;ber wird reflektiert und wie wird reflektiert? In Bezug auf Wissensformen hebt er die Unterscheidung zwischen einem expliziten, d.h. bewussten und unmittelbar verf&#252;gbaren, und einem impliziten Wissen hervor, wobei das letztere &#8222;einen bedeutsamen Einfluss auf unser Handeln&#8220; hat (S. 69) und in der Ausbildung und Forschung st&#228;rker als bis jetzt ber&#252;cksichtigt werden sollte. &#8222;[U]m sich dem impliziten Wissen mittels eines Sprechens &#252;ber das Handeln zu n&#228;hern&#8220; (S. 72), f&#252;hrt Gerlach den Begriff &#8222;implizite Reflexion&#8220; ein und versteht darunter &#8222;eine Idee bzw. ein methodologischer Rahmen f&#252;r Reflexion und Reflexionsprozesse, um sich dem impliziten Wissen mittels eines Sprechens &#252;ber das Handeln zu n&#228;hern&#8220; (S. 72). Die implizite Reflexion, deren Ziel es ist, &#8222;(angehenden) Lehrer*innen dabei zu helfen, sich dieser unterschwelligen &#220;berzeugungen, also des impliziten Wissens, zun&#228;chst einmal bewusst zu werden&#8220; (72), wird erm&#246;glicht vor allem durch soziale Arbeitsformen (Gespr&#228;che mit Peers, Kolleg*innen und Fortbildner*innen) und narrative Textsorten (Erz&#228;hlungen, Beschreibungen). Als methodische Wege schl&#228;gt Gerlach Erfahrungsexperimente, Reflexionsportfolios und Reflexionsgespr&#228;che mit Expert*innen vor. Auch aufgenommene Selbstreflexionen mit einer anschlie&#223;enden Besprechung mit Kolleg*innen k&#246;nnen ein m&#246;gliches Verfahren zur Bewusstwerdung impliziter Wissensbest&#228;nde sein.</p>
<p><bold>Georgia G&#246;decke</bold> geht in ihrem Beitrag, dem die Erkenntnisse aus ihrem abgeschlossenen Dissertationsprojekt zu Grunde liegen, auf e-Portfolios als Lernszenario f&#252;r Auf- und Ausbau von Reflexivit&#228;t ein und fokussiert ein fachspezifisches e-portfoliobezogenes Reflexionsmodell. Dabei ist es ihr wichtig, &#8222;neben allgemeindidaktischen und -p&#228;dagogischen Aspekten auch fachspezifische Anteile nicht aus dem Blick zu verlieren&#8220; (S. 87). Mittels einer evaluativen qualitativen Inhaltsanalyse wurden Reflexionstexte und Reflexionsgespr&#228;che von Studierenden im Hinblick auf die Tiefe der Teilprozesse ausgewertet. Dabei stellt G&#246;decke den Zusammenhang zwischen einer fachspezifischen Reflexion und der Fachsprachlichkeit fest.</p>
<p><bold>Svenja Haberland</bold> stellt die Erkenntnisse aus einer nach dem Design-Research konzipierten Studie vor und geht insbesondere auf das Ausgangsdesign und das erste Designexperiment ein. Nach der Darbietung des inhaltlichen Aufbaus der Intervention mit Fokus auf Mehrsprachigkeit(sdidaktik) geht sie auf zwei Reflexionsaufgaben ein, die sich in die Reflexion aus der Sch&#252;ler*innenperspektive und als der (k&#252;nftigen) Lehrperson ausdifferenzieren. Sie analysiert exemplarisch zwei schriftliche Bearbeitungen von Reflexionsaufgaben und stellt dabei Ver&#228;nderungen in Bezug auf die fachliche Durchdringung der mehrsprachigkeitsdidaktischen Ans&#228;tze fest. In der zunehmenden Bereitschaft und Offenheit gegen&#252;ber der schulischen Mehrsprachigkeit erkennt sie Potenziale f&#252;r die Optimierung und weitere Erprobung der hochschuldidaktischen Intervention.</p>
<p>Anhand des laufenden Dissertationsprojekts nimmt <bold>Tom Rudolph</bold> Unterrichtsvideografie und deren Potenzial f&#252;r reflexive Momente in den Blick. Er geht der Frage nach, inwiefern ein Fremdunterrichtsvideo samt seiner inhaltlichen und medialen Beschaffenheit sowie den darauf bezogenen Aufgaben ein reflexionsf&#246;rderliches Lehr-Lern-Format darstellt. Mit Fokus auf den Kategorien Theorie-Praxis-Bezug und Beliefs-Praxis-Bezug differenziert er einerseits zwischen dem deklarativen Wissen und Beliefs sowie andererseits deren jeweils expliziter und impliziter Form. Anhand eines deduktiv kodierten Reflexionstextes zeigt er auf, dass die Analyse des Fremdunterrichtsvideos eher &#8222;einperspektivisch-linear&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Sch&#228;dlich 2019: 147</xref>) erfolgte (S. 138). Dies nutzt er f&#252;r die Reflexion der gew&#228;hlten Forschungsmethodologie.</p>
<p><bold>Tanja Fohr</bold> r&#252;ckt berufsbezogene &#220;berzeugungen angehender Deutsch als Zweit- und Fremdsprachenlehrkr&#228;fte ins Zentrum ihres Beitrags und fokussiert &#8222;Lehrphilosophien als Instrument zur Bewusstmachung der Vorstellungen von und &#220;berzeugungen zur Rolle einer zuk&#252;nftigen Lehrkraft f&#252;r Deutsch als Fremd- und Zweitsprache&#8220; (S. 144). Konkret geht sie der Frage nach, &#8222;welche fachspezifischen und allgemeinp&#228;dagogischen Einstellungen eine angehende Lehrkraft f&#252;r DaFZ vertritt&#8220; (S. 144). 17 Lehrphilosophien wurden mit Hilfe eines Analyserahmens beschrieben und analysiert. Dabei lassen sich Unterschiede in den Reflexionen zwischen Studierenden mit und ohne Praxiserfahrung feststellen. Die Rekonstruktion berufsbezogener &#220;berzeugungen, so Fohr, &#8222;kann dabei helfen, beispielsweise diffuse Beziehungen zu verstehen, die mit dem Beruf verbundenen Entscheidungszw&#228;nge und Verpflichtungen und gewisse Unw&#228;gbarkeiten zu begreifen und ihr Handlungsspektrum im Vorfeld auszuloten&#8220; (S. 160).</p>
<p><bold>Benjamin Inal</bold> gew&#228;hrt in seinem Beitrag Einblick ins Forschungsprojekt &#8222;SprechenHoch<sup>3</sup>&#8220;, welches das Ziel hat, &#8222;Reflexionsprozesse auf einen spezifischen, fremdsprachendidaktisch zentralen Aspekt hin auszurichten: die M&#252;ndlichkeit bzw. das Sprechen im Fremdsprachenunterricht&#8220; (S. 164). Er beleuchtet das Theoriewissen &#252;ber M&#252;ndlichkeit und widmet sich dem Fragebogen als Reflexionsinstrument. Es bleibt offen, wie der Fragebogen zum Einsatz kommt und zu welchem Handeln Handlungsoptionen formuliert werden sollen.</p>
<p>Insgesamt werden im Sammelband verschiedene Modellierungen fachspezifischer Reflexion sowie verschiedene erprobte Verfahren zu deren F&#246;rderung und Erfassung pr&#228;sentiert. Diese, werden im Sinne der reflexiven Lehrer*innenbildung &#8211; wenn auch dem unterschiedlichen Stand im Forschungsprozess geschuldet im unterschiedlichen Ma&#223;e &#8211; expliziert und einer Reflexion unterzogen.</p>
<p>Trotz dieser F&#252;lle an Impulsen und Erkenntnissen bleibt jedoch die Frage offen, wann wir von Erz&#228;hlen, Beschreiben, Probleml&#246;sen oder Analysieren und wann von Reflektieren sprechen sollen, damit der sich herauskristallisierende fachspezifische Begriff nicht seine definitorischen Konturen verliert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Aufschnaiter von/Fraij/Kost 2019</xref>). Ferner kommen die Fragen auf, mit welchem Verfahren welche Reflexions(teil)prozesse gef&#246;rdert werden k&#246;nnen und ob es vielleicht auch &#8222;reflexionsresistente[&#8230;] Them[en]&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Ehlich 2006: 50</xref>) in der fremdsprachendidaktischen Ausbildung gibt.</p>
<p>Insgesamt pr&#228;sentiert der Sammelband neben den bereits etablierten Erkenntnissen auch vielversprechende Forschungsprojekte und zeigt, wie notwendig eine weitere fremdsprachendidaktische Diskussion zum Thema fachspezifische Reflexionskompetenz ist. Er richtet sich vornehmlich an Wissenschaftler*innen, die zu Reflexion in der Professionalisierung von Fremdsprachenlehrer*innen forschen, aber auch an Personen, die an der Lehrer*innenbildung beteiligt sind, und bietet zahlreiche Impulse zur F&#246;rderung und Erfassung von Reflexivit&#228;t, die von bereits bew&#228;hrten Verfahren wie Portfolios oder Reflexionsaufgaben &#252;ber biografisch-rekonstruktive Zug&#228;nge bis hin zu innovativen Methoden wie Smartphone-Aufnahmen von Selbstreflexionen reichen.</p>
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<title>Literatur</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="webpage"><string-name><surname>Aufschnaiter von</surname>, <given-names>Claudia</given-names></string-name>; <string-name><surname>Fraij</surname>, <given-names>Amina</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Kost</surname>, <given-names>Daniel</given-names></string-name> (<year>2019</year>): <article-title>Reflexion und Reflexivit&#228;t in der Lehrerbildung</article-title>. <source>Herausforderung Lehrer*innenbildung &#8211; Zeitschrift zur Konzeption, Gestaltung und Diskussion</source> <volume>2</volume>: <issue>1</issue>, <fpage>144</fpage>&#8211;<lpage>159</lpage>. <uri>https://www.herausforderung-lehrerinnenbildung.de/index.php/hlz/article/view/2439/2441</uri> (20.12.2022).</mixed-citation></ref>
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