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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Stellungnahmen</subject>
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<article-title>Welche fremdsprachlichen Lernziele der Schulen k&#246;nnen mit digitalen Tools aber ohne Lernen erreicht werden? Simply playing the ostrich will not help in the long run</article-title>
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<surname>Berthele</surname>
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<aff id="aff-1">Institut de Plurilinguisme, Rue de Rome 1, CH-1700 Fribourg/Freiburg</aff>
<aff id="aff-2">Institut f&#252;r Mehrsprachigkeit, Universit&#233; de Fribourg</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2023-01-25">
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<abstract>
<p>F&#252;r die meisten in unseren Regionen unterrichteten Fremdsprachen und Zweitsprachen stehen mittlerweile leistungsf&#228;hige digitale Hilfsmittel wie automatische &#220;bersetzungsprogramme zur Verf&#252;gung. In diesem Beitrag wird diskutiert, inwiefern die Funktionen dieser Programme die Sprachhandlungen abdecken, die in typischen Lernzielbeschreibungen f&#252;r die obligatorische Schule (Sekundarstufe I) genannt werden. Zu diesem Zweck werden Bildungsstandards und Lernziele aus Deutschland und der Schweiz herangezogen. Die &#220;berlegungen zeigen ein grosses Potenzial der digitalen Programme, aber auch ihre Grenzen auf. Die Diskussion ist ein Versuch, ausgehend von der Verf&#252;gbarkeit dieser Werkzeuge dar&#252;ber nachzudenken, was in naher Zukunft genau die Funktion eines handlungsorientierten Fremdsprachenunterrichts sein kann.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>On achieving educational goals in foreign languages with digital tools.</bold></p>
<p>Powerful digital tools such as automatic translation programs are now available for most of the foreign/second languages taught in Western Europe. This paper discusses to what extent the functions of these digital tools cover the can-do descriptions we find in typical descriptions of learning outcomes for compulsory schools (lower secondary level). For this purpose, educational standards and learning objectives from Germany and Switzerland are discussed. The discussion shows a great potential of these digital tools, but also their limitations. The ultimate goal of this paper is an attempt to reflect, given ubiquity and availability of these tools, what exactly the function of action-oriented foreign language teaching in the near future can be.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Digitalisierung</kwd>
<kwd>Automatische &#220;bersetzer</kwd>
<kwd>Fremdsprachenunterricht</kwd>
<kwd>Lernziele</kwd>
<kwd>Handlungsorientierung; digitisation</kwd>
<kwd>automatic translators</kwd>
<kwd>foreign language teaching</kwd>
<kwd>learning objectives</kwd>
<kwd>action orientation in language teaching</kwd>
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<sec>
<title>1 Einleitung</title>
<p>Nehmen<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> wir an, Herbert ist Hobbyb&#228;cker. Jede Woche backt er mindestens ein Hefeteigbrot, gerne auch f&#252;r einen geselligen Sonntagsbrunch. Herbert benutzt nur erstklassige lokale und biologisch angebaute Zutaten. Fr&#252;her knetete er den Teig &#8211; zweimal, zwischen zwei Aufgehphasen &#8211; von Hand, seit ein paar Monaten macht er das mit einer KitchenAid Maschine, die er liebevoll Kimberley nennt. Ausl&#246;ser f&#252;r den Maschinenkauf war, dass er wegen einer hartn&#228;ckigen Sehnenscheidenentz&#252;ndung am rechten Handgelenk nicht kneten konnte. Die Sehnenscheidenentz&#252;ndung ist mittlerweile weg, Kimberley ist geblieben. Herbert l&#228;sst sie jede Woche f&#252;r deutlich l&#228;ngere Zeit den Teig kneten als er das von Hand getan hatte. Er muss sich eingestehen, dass das Brot seither noch luftiger geworden ist. Die Brunchg&#228;ste sind ebenfalls gl&#252;cklich und loben Herberts Backk&#252;nste noch mehr als vor der Anschaffung von Kimberley. Herbert gilt, seit Kimberley in sein Leben getreten ist, nicht als weniger kompetenter Hobbyb&#228;cker, eher im Gegenteil, denn jetzt fabriziert er noch h&#228;ufiger und auch mehr unterschiedliches Geb&#228;ck als zuvor. Niemand ver&#252;belt ihm das Hinzuziehen einer Maschine. Die kompetente Verwendung von der Aufgabe angepassten Werkzeugen wird akzeptiert, ist eventuell gar erw&#252;nscht, da das Produkt sich verbessert.</p>
<p>Im Vergleich dazu wird im Sprachenbereich das Hinzuziehen von Werkzeugen unterschiedlich bewertet: Einerseits betonen viele zeitgen&#246;ssische didaktische Modelle den wichtigen Stellenwert von Strategien, sowohl im metasprachlichen wie auch im metakognitiven, das eigene Lernen fokussierenden Bereich. Das Hinzuziehen von Werkzeugen, die mit geringem sprachlich-kognitiven Aufwand zwischen Sprachen &#252;bersetzen (helfen), und so in gewisser Weise Kommunikationsprobleme direkter l&#246;sen (helfen), wird hingegen weniger positiv wahrgenommen. Im p&#228;dagogischen Bereich sind sie gar oft explizit verboten. Viele von uns verwenden jedoch automatische &#220;bersetzungstools, wenn wir in weniger gut beherrschten Sprachen schriftlich kommunizieren m&#252;ssen oder wollen. In der Regel l&#246;schen wir jedoch etwas versch&#228;mt den Vermerk &#8222;traduit avec <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.DeepL.com">www.DeepL.com/</ext-link> Translator&#8220; am Schluss des &#252;bersetzten Textes, bevor wir die E-Mail abschicken.</p>
<p>Der R&#252;ckgriff auf solche digitale Werkzeuge im sprachlichen Bereich wird also, anders als in Herberts Hobbybackstube, nicht immer als legitim und als Ausdruck von Kompetenz bewertet, obwohl auch hier der Prozess oder das Resultat der (sprachlichen) Handlung &#8211; normalerweise &#8211; verbessert wird. DeepL und &#228;hnliche Werkzeuge werden zumeist eher als Instrumente wahrgenommen, die helfen, fehlende Kompetenz zu kompensieren. In einer k&#252;rzlich durchgef&#252;hrten Umfrage (<xref ref-type="bibr" rid="B32">Udry/Berthele, in review</xref>) haben wir danach gefragt, inwiefern Lehrpersonen und Lernende es unehrlich finden, digitale &#220;bersetzungstools zu verwenden, da Kompetenzen, die gar nicht vorhanden sind, vorget&#228;uscht werden k&#246;nnen (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>). Es zeigt sich, dass besonders Lehrpersonen im postobligatorischen Bereich (Gymnasium und Berufsbildung) die Toolbenutzung als unehrlich empfinden. Die Lernenden dagegen haben deutlich weniger Skrupel.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Lehrpersonen (links) und Lernende (rechts) bez&#252;glich der &#8222;Ehrlichkeit&#8220;, aus einer Umfrage des Kompetenzzentrums Mehrsprachigkeit (<xref ref-type="bibr" rid="B32">Udry/Berthele, in review</xref>)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="zif-3519_berthele-g1.png"/>
</fig>
<p>Der sprachp&#228;dagogische Bereich zeichnet sich durch seinen positiven, ressourcenorientierten Blick auf Mehrsprachigkeit aus. Einsprachige, puristische Normen werden hinterfragt und von ihnen abweichende Sprachverwendung wird als normale, legitime Form sprachlichen Handelns betrachtet. Es geht um funktionale Mehrsprachigkeit, um das Handeln-K&#246;nnen in verschiedenen Sprachen, und nicht um Perfektion. Darf dieses Handeln aber auch mit punktuellem oder systematischem Einbezug von digitalen Werkzeugen stattfinden?</p>
<p>In deutschen und schweizerischen Bildungskontexten sind die Lernziele (teilweise in Form von Bildungsstandards) in Fremdsprachen zu einem betr&#228;chtlichen Teil als Beschreibungen von sprachlichen Handlungen formuliert. Im vorliegenden Beitrag m&#246;chten wir untersuchen, inwiefern g&#228;ngige, frei zug&#228;ngliche elektronische Hilfsmittel das Ausf&#252;hren dieser Handlungen erm&#246;glichen, entweder ganz ohne Sprachlernbedarf oder mit nur minimalem Lernaufwand. Dies tun wir nicht mit der Intention, zu zeigen, wie obsolet Fremdsprachenunterricht (FSU) im digitalen Zeitalter sei, sondern im Gegenteil mit dem Ziel, besser zu verstehen, welche sinnvolle Rolle dem FSU in einer Welt zukommen soll, in der Smartphones gratis und innert Sekunden (sogar mit Schweizer Akzent) gesprochenes Deutsch in korrektes gesprochenes Slowakisch &#252;bersetzen k&#246;nnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Lernziele und Referenzrahmen</title>
<p>Es ist hier weder m&#246;glich noch n&#246;tig, die &#8216;Kompetenzorientierung&#8217; im schulischen Bereich umfassend zu diskutieren und zu problematisieren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Bronckart/Dolz 1999</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Klieme 2003</xref> f&#252;r vertiefende Diskussionen des Kompetenzbegriffs). F&#252;r den sprachlichen Bereich k&#246;nnen wir festhalten, dass in Europa sowohl auf supranationaler wie auch auf nationaler Ebene durchwegs &#228;hnlich gefasste Definitionen und Zielsetzungen anzutreffen sind. So wird beispielsweise in einem Dokument der EU die &#8222;Multilingual Competence&#8220; folgendermassen umschrieben (Beispiel 1):</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>1. This competence defines the ability to use different languages appropriately and effectively for communication. [&#8230; I]t is based on the ability to understand, express and interpret concepts, thoughts, feelings, facts and opinions in both oral and written form (listening, speaking, reading and writing) in an appropriate range of societal and cultural contexts according to one&#8217;s wants or needs. Languages [sic] competences integrate a historical dimension and intercultural competences. It relies on the ability to mediate between different languages and media, as outlined in the Common European Framework of Reference. (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Directorate-General for Education 2019: 7</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Der Verweis auf den Gemeinsamen europ&#228;ischen Referenzrahmen (GER/CEFR) (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Europarat 2001</xref>) ist kein Zufall, dieses Dokument und seine zahlreichen Satellitentexte pr&#228;gen in bemerkenswerter Weise seit gut 20 Jahren die institutionellen Konzeptionen des Lernens und Benutzens von Sprachen (zumindest in Westeuropa). Im k&#252;rzlich erschienenen Begleitband wird diese Handlungsorientierung noch einmal deutlich (Beispiele 2 und 3).</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>2. The methodological message of the CEFR is that language learning should be directed towards enabling learners to act in real-life situations, expressing themselves and accomplishing tasks of different natures. Thus, the criterion suggested for assessment is communicative ability in real life, in relation to a continuum of ability (Levels A1-C2). (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Council of Europe 2020: 29</xref>)</p></list-item>
<list-item><p>3. Above all, the action-oriented approach implies purposeful, collaborative tasks in the classroom, the primary focus of which is not language. (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Council of Europe 2020: 30</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Formulierungen von Lernzielen, etwa die der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) oder der schweizerischen Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK), &#252;bernehmen diese Ausrichtung und verweisen oft auch auf den Referenzrahmen (Beispiele 4 und 5).</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>4. Dabei zielt der Fremdsprachenunterricht auf den Erwerb grundlegender kommunikativer F&#228;higkeiten und Fertigkeiten, die kontinuierlich entwickelt werden, sowie elementarer sprachlicher Mittel, die die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler in lebensnahen und kindgerechten Situationen erproben und festigen k&#246;nnen. Ziel sind die Anbahnung und der Aufbau einer interkulturellen kommunikativen Handlungsf&#228;higkeit. (<xref ref-type="bibr" rid="B20">KMK 2013: 4</xref>)</p></list-item>
<list-item><p>5. Ausgangspunkt ist der handlungsorientierte Ansatz, welcher die Sprachverwendung zu Zwecken der m&#252;ndlichen und schriftlichen Kommunikation im Zentrum hat. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011: 5</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Diese Kompetenzorientierung legt also den Fokus nicht auf sprachliche Mittel und lernersprachliche Entwicklungsmodelle, wie sie etwa in der Zweitspracherwerbsforschung untersucht werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Dimroth 2019</xref>), sondern auf die Handlungen, die mit (nicht weiter spezifizierten) sprachlichen Mitteln ausgef&#252;hrt werden k&#246;nnen. Beschrieben werden Teilkompetenzen, die bestimmten Skills oder Kommunikationsmodi zugeordnet werden k&#246;nnen (etwa Lesen, Schreiben, Sprechen, H&#246;ren, Sprachmittlung).<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Zus&#228;tzlich werden sowohl im Referenzrahmen wie auch in den von ihm beeinflussten sprachp&#228;dagogischen Rahmendokumenten metakognitive (Strategien), metasprachliche, interkulturelle und politische Komponenten mitformuliert, letztere beispielsweise im Sinne einer &#8222;European Citizenship&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B8">z.B. Council of Europe 2020: 27</xref>). Alle diese Komponenten sind Teil des (handlungsorientierten) Gesamtprogramms, das auch soziokonstruktivistische Ans&#228;tze einbezieht (siehe beispielsweise das in <xref ref-type="bibr" rid="B26">Piccardo/North 2019</xref> formulierte Programm). F&#252;r unser Erkenntnisinteresse scheint uns wichtig, zwischen der Handlungsorientierung im engeren Sinn (rezeptive und produktive Skills), die jeweils priorit&#228;r in den Lernzielen und Bildungsstandards behandelt werden, und den &#252;brigen, integrativen Komponenten zu unterscheiden.</p>
<p>Verschiedene Aspekte dieses ambiti&#246;sen Gesamtprogramms werden von didaktischer Seite in Frage gestellt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Maurer 2011</xref>) sowie von soziolinguistischer Seite kritisch aufgearbeitet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B28">Sokolovska 2021</xref>). Auch die neueste Entwicklung, nicht nur sprachliche Skills wie Lesen oder Sprechen zu skalieren, sondern auch eine &#8218;Kulturskala&#8216; f&#252;r Unterricht und Evaluation vorzuschlagen, wird von Seiten der Evaluationsforschung mit gemischten Gef&#252;hlen aufgenommen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Studer 2020</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Was sollen Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler am Ende der Sekundarstufe I k&#246;nnen?</title>
<p>Zur Beantwortung unserer Frage nach dem Verh&#228;ltnis von handlungsorientierten Kompetenzbeschreibungen und den M&#246;glichkeiten elektronischer Hilfsmittel fokussieren wir auf die Lernziele, die in Deutschland und der Schweiz f&#252;r Fremdsprachen formuliert werden. Um den Aufwand nicht explodieren zu lassen, konzentrieren wir uns auf die Lernziele, die f&#252;r das Ende der Sekundarstufe 1 formuliert werden. In Deutschland kann man hierzu die Bildungsstandards f&#252;r den mittleren Schulabschluss heranziehen (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003</xref>), in der Schweiz die HarmoS-Bildungsstandards, die f&#252;r das 11. Schuljahr formuliert werden (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011</xref>).<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref></p>
<p>Es ist f&#252;r unseren Zusammenhang sinnvoll, prim&#228;r zwischen dem schriftlichen und dem m&#252;ndlichen Medium zu unterscheiden. F&#252;r das schriftliche Medium wird die Handlungsorientierung mit typischen Kannbeschreibungen wie in 6&#8211;9 erfasst. Die Deskriptoren in der Schweiz (6 und 7) gelten f&#252;r die 1. und die 2. Fremdsprache, in der deutschsprachigen Schweiz je nach Region zuerst Englisch und dann Franz&#246;sisch oder umgekehrt:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>6. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen in k&#252;rzeren einfachen Texten &#252;ber Menschen und vertraute Erfahrungsbereiche schreiben. Sie k&#246;nnen kurz und einfach &#252;ber pers&#246;nlich relevante Ereignisse und Erfahrungen berichten und k&#246;nnen ganz einfache Geschichten erz&#228;hlen. Sie k&#246;nnen kurze, einfache Notizen und Mitteilungen schreiben, um pers&#246;nliche Bed&#252;rfnisse zu kommunizieren, und k&#246;nnen ganz einfache pers&#246;nliche Briefe schreiben. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011: 27</xref>)</p></list-item>
<list-item><p>7. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen k&#252;rzere Texte zu vertrauten Themen lesen, um wichtige Informationen zu finden und zu verstehen sowie die Hauptaussagen zu erfassen &#8211; vorausgesetzt die Texte sind in alltags- oder schulbezogener Sprache geschrieben. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011: 24</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Die entsprechenden Deskriptoren im deutschen Kontext sind in 8 und 9 wiedergegeben.</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>8. Englisch: Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen weitgehend selbstst&#228;ndig verschiedene Texte aus Themenfeldern ihres Interessen- und Erfahrungsbereiches lesen und verstehen (B1+).</p>
<p>Franz&#246;sisch: Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen verschiedene unkomplizierte Texte aus Themenfeldern ihres Interessen- und Erfahrungsbereiches lesen und verstehen (B1). (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 12</xref>)</p></list-item>
<list-item><p>9. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen zusammenh&#228;ngende Texte zu vertrauten Themen aus ihrem Interessengebiet verfassen (B1). (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 13</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>In den beiden Kompetenzbereichen Lesen und Schreiben k&#246;nnen Programme wie DeepL, MicrosoftTranslate oder GoogleTranslate f&#252;r die g&#228;ngigen Sprachen (wie Englisch, Franz&#246;sisch, Deutsch) qualitativ gute &#220;bersetzungen zwischen der beherrschten und nicht beherrschten Sprache anfertigen, vorausgesetzt sie werden sachgem&#228;ss benutzt (d.h. es werden z.B. nicht Einzelw&#246;rter, sondern ganze S&#228;tze oder Textabschnitte eingegeben).<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref></p>
<p>In der M&#252;ndlichkeit sind die Verh&#228;ltnisse weniger klar. Wir diskutieren im Folgenden vor allem die Standards der deutschen Kultusministerkonferenz, da diese h&#246;her sind als ihr schweizerisches Gegenst&#252;ck und somit potenziell herausfordernder f&#252;r elektronische Hilfsmittel. F&#252;r Englisch und Franz&#246;sisch als Fremdsprachen werden die folgenden Lernziele formuliert (Beispiele 10 und 11):</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>10. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen Erfahrungen und Sachverhalte zusammenh&#228;ngend darstellen, z. B. beschreiben, berichten, erz&#228;hlen und bewerten (B1).</p>
<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a) mit einfachen Mitteln Gegenst&#228;nde und Vorg&#228;nge des Alltags beschreiben, z. B. Rezepte, Wegbeschreibungen, Spielregeln, Bedienungsanleitungen (A2),</p></list-item>
<list-item><p>b) eine vorbereitete Pr&#228;sentation zu einem vertrauten Thema vortragen, wobei die Hauptpunkte hinreichend pr&#228;zise erl&#228;utert werden (B1),</p></list-item>
<list-item><p>c) f&#252;r Ansichten, Pl&#228;ne oder Handlungen kurze Begr&#252;ndungen oder Erkl&#228;rungen geben (B1). (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 13</xref>)</p></list-item>
</list></list-item>
<list-item><p>11. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen unkomplizierte Sachinformationen &#252;ber gew&#246;hnliche alltags- oder berufsbezogene Themen verstehen und dabei die Hauptaussagen und Einzelinformationen erkennen, wenn in deutlich artikulierter Standardsprache gesprochen wird (B1+).</p>
<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen (Englisch und Franz&#246;sisch)</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a) im Allgemeinen den Hauptpunkten von l&#228;ngeren Gespr&#228;chen folgen, die in ihrer Gegenwart gef&#252;hrt werden (B1),</p></list-item>
<list-item><p>b) Vortr&#228;ge verstehen, wenn die Thematik vertraut und die Darstellung unkompliziert und klar strukturiert ist (B1+),</p></list-item>
<list-item><p>c) Ank&#252;ndigungen und Mitteilungen zu konkreten Themen verstehen, die in normaler Geschwindigkeit in Standardsprache gesprochen werden (B2),</p></list-item>
<list-item><p>d) vielen Filmen folgen, deren Handlung im Wesentlichen durch Bild und Aktion getragen wird (B1). (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 11</xref>)</p></list-item>
</list></list-item>
</list>
<p>Die Schweizer Standards sind insgesamt etwas tiefer (in der Regel Niveau A2.2), auch hier werden aber in der M&#252;ndlichkeit interaktive Kompetenzen formuliert (Beispiel 12).</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>12. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen sich mit etwas Hilfe recht gut an Gespr&#228;chen beteiligen &#8211; vorausgesetzt es handelt sich um eine strukturierte Gespr&#228;chssituation im vertrauten Rahmen.</p>
<p>Sie k&#246;nnen in Gespr&#228;chen &#252;ber vertraute Themen das Wesentliche und wichtige Einzelinformationen verstehen, wenn man mit ihnen deutlich artikuliert spricht und wenn sie nachfragen und um Erkl&#228;rungen bitten k&#246;nnen.</p>
<p>Sie k&#246;nnen sagen, dass sie nicht verstehen und den Gespr&#228;chspartner oder die Gespr&#228;chspartnerin auf einfache Weise um Hilfe bitten sowie fragen, ob der Gespr&#228;chspartner oder die Gespr&#228;chspartnerin verstanden hat.</p>
<p>Sie k&#246;nnen mit einfachen S&#228;tzen und Wendungen Informationen und Gedanken zu vertrauten Themen austauschen und sich in routinem&#228;ssigen Situationen verst&#228;ndigen. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011: 25</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Wenn elektronische Hilfsmittel wie beispielsweise automatische Live-&#220;bersetzung in Videokonferenzen (etwa mit Microsoft Teams oder Zoom) als Option herangezogen werden (ein solches Tool ist beispielsweise <xref ref-type="bibr" rid="B15">elitr.eu</xref> &#8211; European Live Translator), so ist es im Prinzip m&#246;glich, eine Pr&#228;sentation in einer Sprache (dominante Sprache oder &#8218;Muttersprache&#8216;) zu halten, w&#228;hrend die &#220;bersetzung in die Zielsprache in Form von Text (Untertitel oder auf einer Webseite) angezeigt wird (Beispiel 10b). Umgekehrt kann man somit auch eine Pr&#228;sentation in einer Fremdsprache verstehen (Beispiel 11b), wenn diese automatisch untertitelt/&#252;bersetzt wird. Wir haben in den Pandemiejahren verschiedentlich an Konferenzschaltungen teilgenommen, in denen ein solcher Dienst angeboten wurde. Unser Eindruck war, dass die Qualit&#228;t der automatischen &#220;bersetzungen stark variierte, wobei sie besonders von der Qualit&#228;t des gesprochenen Originaltextes abhing. Aber auch Gespr&#228;che unter TeilnehmerInnen wurden nach unserer Beobachtung recht akkurat untertitelt (Beispiel 11a). OptimistInnen werden wohl anmerken, dass die Qualit&#228;t dieser automatischen &#220;bersetzungen sich angesichts des technologischen Fortschritts rasch verbessern wird. Sowohl die Kompetenzen aus Beispielen 10a und 10c k&#246;nnen durch Smartphone-Applikationen (wie beispielsweise (SayHi Translate: Voice Translation for iOS and Android) bereits jetzt &#252;bernommen werden, auch mit weniger gel&#228;ufigen Sprachen als Englisch, Franz&#246;sisch und Deutsch. Somit ist auch Beispiel 11c abgedeckt. Beispiel 11d bedarf &#220;bersetzung durch z.B. Untertitelung, was im Moment nach unserem Wissensstand noch nicht automatisch m&#246;glich ist, wohl aber in vielen Streamingdiensten in einer zunehmenden Zahl von Sprachen verf&#252;gbar ist.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref></p>
<p>Teilnahme an Gespr&#228;chen, die in Pr&#228;senz und nicht via Online-Plattformen stattfinden, wie sie in Beispiel 12 erfasst werden, scheint uns im Moment mit digitalen Tools nur durch umst&#228;ndliches Dazwischenschalten von Smartphone-&#220;bersetzungen und damit nur als Notl&#246;sung praktikabel. Wenn man an berufliche Handlungsfelder denkt, auf die schulisches Sprachenlernen vorbereiten kann, so ist insbesondere im Fall von direktem Kundenkontakt wohl bis auf Weiteres m&#252;ndliche Interaktionskompetenz in den Zielsprachen relevant. Sobald jedoch das zeitliche Intervall zwischen produktiven und rezeptiven Komponenten zunimmt, k&#246;nnen computer- oder smartphonebasierte Applikationen in die L&#252;cke springen.</p>
<p>Im Bereich der Sprachmittlung werden in beiden nationalen Kontexten ebenfalls Kompetenzen formuliert (Beispiele 13 und 14).</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>13. Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen m&#252;ndlich in Routinesituationen und schriftlich zu vertrauten Themen zusammenh&#228;ngende sprachliche &#196;u&#223;erungen und Texte sinngem&#228;&#223; von der einen in die andere Sprache &#252;bertragen.</p>
<p>Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>a) in Alltagssituationen sprachmittelnd agieren,</p></list-item>
<list-item><p>b) pers&#246;nliche und einfache Sach- und Gebrauchstexte sinngem&#228;&#223; &#252;bertragen. (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 14</xref>)</p></list-item>
</list></list-item>
<list-item><p>14. SPRACHMITTLUNG M&#220;NDLICH &#8211; M&#220;NDLICH (GER A2.2) (wechselseitig aus einer Fremdsprache in eine zweite Fremdsprache &#8211; informelles Dolmetschen) Die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler k&#246;nnen in einem einfachen Gespr&#228;ch zwischen einer Person, die nur die erste Fremdsprache, und einer Person, die nur die zweite Fremdsprache spricht und versteht, einfache, kurze Fragen und Informationen zur Person (z.B. Herkunft, Hobbys) oder zu allt&#228;glichen Situationen wechselseitig sinngem&#228;ss wiedergeben, sofern die fremdsprachigen Personen jeweils in deutlich artikulierter Standardsprache sprechen und bereit sind zu helfen; das begrenzte Spektrum sprachlicher Mittel in der Fremdsprache kann zu Formulierungsschwierigkeiten f&#252;hren. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011: 9</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Vorausgesetzt, dass ein gewisses zeitliches Intervall zwischen Rezeption und Produktion akzeptiert wird, kann aus dem oben Gesagten geschlossen werden, dass digitale Hilfsmittel solche Sprachmittlungshandlungen ganz &#252;bernehmen oder gut und effizient unterst&#252;tzen k&#246;nnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Abdeckung der Lernziele durch digitale &#220;bersetzungstools</title>
<p>Die Lernziele f&#252;r Fremdsprachen am Ende der Sekundarstufe I in Deutschland und in der Schweiz sind nicht identisch, aber nach analogen Grunds&#228;tzen formuliert. In beiden Kontexten werden Englisch und Franz&#246;sisch angesprochen, jedoch ist der institutionelle Status unterschiedlich: In der deutschsprachigen Schweiz ist Franz&#246;sisch eine obligatorische Fremdsprache, je nach Region ist es die erste (ab der 3. Klasse &#8211; neue Z&#228;hlung, die mit der Kindergartenstufe beginnt, ist 5H) oder die zweite (ab der 5. Klasse, neu 7H). In Deutschland ist Englisch typischerweise die erste Fremdsprache (es gibt jedoch an verschiedenen Schulen auch die Folge mit Franz&#246;sisch als erster und Englisch als zweiter Fremdsprache) und Franz&#246;sisch optional.</p>
<p>Die Analyse der handlungsorientierten Lernzielbeschreibungen zeigt, dass eine Mehrheit der Handlungsbeschreibungen mit den g&#228;ngigen, in der Regel gratis zur Verf&#252;gung stehenden digitalen Hilfsmitteln abgedeckt sind. Ausnahme ist die M&#252;ndlichkeit: Insbesondere die lebendige, relativ schnelle und spontane Interaktion zwischen SprecherInnen kann realistischerweise (noch) nicht technikvermittelt stattfinden. Behelfsm&#228;ssig jedoch kann auch m&#252;ndliche Interaktion mit digitaler Unterst&#252;tzung von statten gehen, etwa mittels der Smartphone-App &#8222;sayHi&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Amazon 2022</xref>). Dies ist zumindest aus aktueller Sicht jedoch eher eine Notl&#246;sung, die l&#228;ngerfristig durch eigenst&#228;ndigen Sprachgebrauch ersetzt werden sollte. Ein Argument f&#252;r das Trainieren (und Evaluieren) von nicht-assistierter, spontaner m&#252;ndlicher Sprachverwendung k&#246;nnte entsprechend sein, dass das Verwenden von digitalen Werkzeugen die Kommunikation unnat&#252;rlich oder nicht-authentisch macht. Was jedoch als authentisch empfunden wird und was nicht, ist durchaus auch kulturellem Wandel unterworfen. Heute ist es vollkommen normal, dass sich Menschen durch den &#246;ffentlichen Raum bewegen, w&#228;hrend sie lautstark via Mobiltelefon an einer Videokonferenz teilnehmen oder aus anderen Beweggr&#252;nden auf ihren portablen Bildschirm starren &#8211; Verhaltensweisen, die noch vor wenigen Jahrzehnten vollkommen unbekannt waren. Wir k&#246;nnen also nicht ausschliessen, dass es in Zukunft durchaus &#8218;authentisch&#8216; sein wird, sich auch in Gespr&#228;chen via Smartphone zu unterhalten.</p>
<p>Wenn auch Handlungsorientierung im Sinne von sprachlichen Skills dominiert, so werden doch in beiden analysierten nationalen Kontexten zus&#228;tzliche Lernziele vorgegeben, die &#252;ber reine Handlungskompetenzen hinausgehen. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz werden, wiederum im Sinne der Vorgaben des Referenzrahmens (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Europarat 2001</xref>), interkulturelle und metakognitive Aspekte angesprochen (Beispiele 15 und 16):</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>15. Interkulturelle Kompetenzen</p>
<p><list list-type="simple">
<list-item><p>&#8226; soziokulturelles Orientierungswissen</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; verst&#228;ndnisvoller Umgang mit kultureller Differenz</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; praktische Bew&#228;ltigung interkultureller Begegnungssituationen</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Methodische Kompetenzen</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Textrezeption (Leseverstehen und H&#246;rverstehen)</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Interaktion</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Textproduktion (Sprechen und Schreiben)</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Lernstrategien</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Pr&#228;sentation und Mediennutzung</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Lernbewusstheit und Lernorganisation (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 8</xref>)</p></list-item>
</list></p></list-item>
<list-item><p>16. Der Unterricht in der ersten Fremdsprache entwickelt systematisch interkulturelle Kompetenzen; dabei orientiert er sich an dem Leitziel, bei den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern &#8211; auf der Basis eines Orientierungswissens zu exemplarischen Themen und Inhalten &#8211; Interesse und Verst&#228;ndnis f&#252;r andere kulturspezifische Denk- und Lebensweisen, Werte, Normen und Lebensbedingungen auszubilden. Sie k&#246;nnen eigene Sichtweisen, Wertvorstellungen und gesellschaftliche Zusammenh&#228;nge mit denen englisch- bzw. franz&#246;sischsprachiger Kulturen tolerant und kritisch vergleichen. Hiermit verbunden ist das Leitziel der St&#228;rkung der eigenen Identit&#228;t. (<xref ref-type="bibr" rid="B19">KMK 2003: 9&#8211;10</xref>)</p></list-item>
</list>
<p>Methodische Kompetenzen werden auch im Schweizer Kontext formuliert (Beispiel 17):</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>17. F&#252;r Fremdsprachenf&#228;cher spezifische methodische Kompetenzen k&#246;nnen sein:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>&#8226; Die F&#228;higkeit, Hilfsmittel zum Nachschlagen und Lernen (z.B. ein W&#246;rterbuch oder eine Lernergrammatik) selbst&#228;ndig zu nutzen.</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Die Kenntnis verschiedener Lernstrategien und die Bereitschaft und F&#228;higkeit, eine Auswahl davon gezielt anzuwenden.</p></list-item>
<list-item><p>&#8226; Die F&#228;higkeit, die Fremdsprache mit anderen Sprachen zu vergleichen, in der schon Kenntnisse erworben wurden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen und die in einer Sprache verf&#252;gbaren Kenntnisse einzusetzen, um eine Fremdsprache zu verstehen. (<xref ref-type="bibr" rid="B14">EDK 2011: 12</xref>)</p></list-item>
</list></list-item>
</list>
<p>Die in 15&#8211;17 umrissenen interkulturellen und metakognitiven/metalinguistischen Kompetenzen k&#246;nnen aus prinzipiellen Gr&#252;nden nicht an eine Maschine delegiert werden k&#246;nnen, da Maschinen kein menschliches Bewusstsein haben. Sie k&#246;nnen bestenfalls mittels k&#252;nstlicher Intelligenz menschliches Denken und Handeln simulieren. Zumindest metakognitive Kompetenzen jedoch kann man auch entwickeln, ohne eine (neue) Sprache zu lernen. (Sie sind aber auch kein automatisches Ergebnis des Fremdsprachenlernens.)</p>
</sec>
<sec>
<title>5 Erreichen der Lernziele ohne elektronische Hilfsmittel</title>
<p>Ob die unterschiedlich hoch gesteckten Ziele am Ende der Sekundarstufe I auch wirklich erreicht werden, ist f&#252;r unser Erkenntnisinteresse insofern wichtig, als das systematische Nicht-Erreichen der gesteckten Ziele potenziell die Kritik an den aktuellen Curricula befeuern kann. Mit anderen Worten: Wenn die angezielten Handlungskompetenzen in der &#246;ffentlichen Schule mit den zur Verf&#252;gung stehenden Ressourcen nicht oder nur schlecht erreicht werden, dann wird fast notgedrungen bald die Frage gestellt werden, ob sich denn der Aufwand lohnt, wo doch immer effizientere elektronische Hilfsmittel die Handlungsf&#228;higkeit ohne gr&#246;sseren Lernaufwand erm&#246;glichen.</p>
<p>Die Englischkompetenzen am Ende der Sekundarstufe I (oder sp&#228;ter) h&#228;ngen nur marginal davon ab, wann der Unterricht genau beginnt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B2">Baumert et al. 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B25">Pfenninger/ Singleton 2017</xref>). Im Jahr 2015 erreichten gut 40 % der deutschen SuS den Regelstandard im Leseverstehen Englisch am Ende der Sekundarstufe I (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Stanat et al. 2016: 156</xref>), im H&#246;rverstehen sind es ungef&#228;hr 44 %. In der Schweiz (eine Evaluationsstudie der Region Zentralschweiz ist z.B. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Peyer et al. 2016: 48</xref>) erreichen im Leseverstehen etwa 60 % der SuS die Basisstandards. Der Trend f&#252;r die Englischkompetenzen scheint nach oben zu zeigen, wenn man beispielsweise die Ver&#228;nderungen in den verschiedenen Evaluationsstudien des IQB-Instituts betrachtet. In einem unserer Projekte (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Berthele/Udry 2021</xref>) mit neueren Daten als die zitierte Evaluationsstudie hatten wir im Kanton Z&#252;rich sogar bereits in der 4. Primarschulklasse (6H) eine betr&#228;chtliche Anzahl SuS mit Maximalpunktzahl in einem Englisch-Test, der Niveau B1 abtestet (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Oxford University Press 2013</xref>) &#8211; der Basisstandard am Ende der 9. Klasse in der Schweiz ist A2 f&#252;r die meisten Fertigkeiten. In belgischen Flandern, wo &#228;hnlich wie in der westlichen Deutschschweiz zuerst Franz&#246;sisch und dann Englisch (ab Sekundarstufe I) unterrichtet wird, wurde festgestellt, dass die Englischkompetenzen zumindest rezeptiv bei vielen SuS bereits auf Niveau B1 sind, bevor auch nur eine einzige Lektion Englisch unterrichtet wurde (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">De Wilde/Eyckmans 2017</xref>). Es ist anzunehmen, dass ganz generell ausserschulisches Lernen von Englisch einen wichtigen Beitrag zu Englischkompetenzen leistet &#8211; je nach Perspektive in Konkurrenz oder im Zusammenspiel mit dem schulischen FSU. Dies kann auch am Befund abgelesen werden, dass geschlechtstypische Aktivit&#228;ten wie online-Spielen nachweislich mit Englischkompetenzen zusammenh&#228;ngen, was den sonst weitverbreiteten Geschlechtsunterschied im schulischen Fremdsprachenlernen zugunsten der M&#228;dchen zusammenschmelzen l&#228;sst (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Peters et al. 2019: 20</xref>).</p>
<p>F&#252;r Franz&#246;sisch jedoch sieht es in der Schweiz anders aus. So zeigen etwa Evaluation aus der Region Zentralschweiz (Franz&#246;sisch ist 2. Fremdsprache, <xref ref-type="bibr" rid="B24">Peyer et al. 2016</xref>) und in der westlichen Deutschschweiz (<xref ref-type="bibr" rid="B34">Franz&#246;sisch ist 1. Fremdsprache, Wiedenkeller/Lenz 2019</xref>), dass die Lernziele der Basisstandards (maximal auf Niveau A2) von einer betr&#228;chtlichen Anzahl von SuS nicht erreicht werden. Die Motivation, Franz&#246;sisch zu lernen, ist generell tiefer, und zwar unabh&#228;ngig davon, ob die SuS an der Sprachgrenze oder weiter davon entfernt lernen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Steiner 2021</xref>). Auch hier lohnt sich der Vergleich mit Flandern, wo die Franz&#246;sischkompetenzen trotz dem Status als Landessprache und der curricularen Bevorzugung entt&#228;uschend tief sind, wie unterschiedliche Evaluationen und Studien zeigen (<xref ref-type="bibr" rid="B33">z.B. Verhaegen 2018</xref>). Um Missverst&#228;ndnissen vorzubeugen, m&#246;chten wir hier festhalten, dass wir nicht der Meinung sind, dass der Franz&#246;sischunterricht (oder anderer schulischer FSU in anderen Sprachen als Englisch) folglich wertlos ist &#8211; es k&#246;nnte beispielsweise durchaus der Fall sein, dass der FSU mittel- oder langfristig positive Auswirkungen auf gewisse Kompetenzdimensionen hat. Es geht hier einzig darum, festzustellen, dass die als Basisstandards formulierten, handlungsorientierten Kompetenzniveaus f&#252;r das Ende der Sekundarstufe I von betr&#228;chtlichen Proportionen der SuS nicht erreicht werden. Dies wiederum scheint uns angesichts des diskutierten Potenzials digitaler Hilfsmittel ein bedenkenswerter (oder bedenklicher) Befund.</p>
</sec>
<sec>
<title>6 Diskussion: Was bleibt?</title>
<p>Wie die in diesem Artikel zitierten Lernziel- und Kompetenzbeschreibungen zeigen, ist Handlungsorientierung die dominante Maxime im aktuellen Fremdsprachenunterricht. Das Lernen von sprachlichen Mitteln steht im Dienst des Erreichens von Handlungsf&#228;higkeit. Die in unseren Breitengraden &#252;blichen Bildungsstandards beschreiben, welche Handlungen in welchen Sprachen ausgef&#252;hrt werden sollen. Die Ambition ist, im Sinne des Referenzrahmens, mehrsprachige europ&#228;ische B&#252;rgerInnen auszubilden, und Sprachen sind nicht das Ziel an sich, sondern Sprache ist ein &#8222;vehicle for opportunity and success in social, educational and professional domains&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Council of Europe 2020: 27</xref>). Welche sprachlichen Mittel notwendig sind, um bestimmte Handlungen ausf&#252;hren zu k&#246;nnen, wird in den einschl&#228;gigen Dokumenten nicht spezifiziert. Gewisse sprachdidaktische Handreichungen, etwa Profile Deutsch (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Glaboniat et al. 2002</xref>), ordnen Vokabular und Redemittel den GER-Niveaus zu, jedoch ohne dass genau ersichtlich wird, auf welcher Datenbasis diese Zuordnung stattfindet.</p>
<p>Der handlungsorientierte Ansatz deckt wie eingangs angesprochen auch interkulturelle sowie metakognitive und metasprachliche Ziele ab. Dies im Einklang mit der Grundhaltung im Referenzrahmen, dass (lebenslanges) Sprachenlernen und eine sich st&#228;ndig entwickelnde Mehrsprachigkeit individuell, aber auch kollektiv-gesellschaftlich vorteilhaft sind. W&#228;hrend junge LernerInnen in unseren L&#228;ndern f&#252;r Englisch wenig &#228;ussere Motivationsstimulation brauchen, scheint die Situation f&#252;r andere Fremdsprachen, auch wenn diese Landessprachen sind wie in der Schweiz, komplizierter. Angesichts der lebhaft gef&#252;hrten Debatten rund um den Sinn und Zweck des (sog. fr&#252;hen) Fremdsprachenunterrichts (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Pfenninger/Singleton 2017</xref>) scheint es wichtig, die sich st&#228;ndig verbessernden digitalen Hilfsmittel nicht aus der Debatte auszuklammern. Es ist nicht riskant, zu prognostizieren, dass angesichts der eher bescheidenen Kompetenzniveaus, etwa in den anderen Landessprachen in der Schweiz oder Belgien, die Frage nach dem Sinn und der Effizienz dieses Unterrichts auftaucht.</p>
<p>Der vorliegende Beitrag wird mit der Absicht geschrieben, auf solche zuk&#252;nftigen Debatten vorzubereiten. Es ist nicht auszuschliessen, dass Fremdsprachenunterricht im Rahmen solcher Debatten ganz grunds&#228;tzlich in Frage gestellt werden wird, denn das zentrale Ziel des kommunikativen Handelns mit Anderssprachigen kann auch via &#220;bersetzungsmaschinen erfolgen. In diesem Sinne m&#246;chten wir abschliessend diskutieren, was denn der FSU, insbesondere in anderen Fremdsprachen als Englisch, ausser der im Moment dominierenden Handlungsorientierung kann oder soll.</p>
<p>Es ist davon auszugehen, dass in einer stark internationalisierten Wirtschaft und Kultur fremdsprachliche Kommunikation, zumindest f&#252;r Nicht-Anglophone, weiterhin eine Rolle spielen wird. Fremdsprachenkompetenz ist als Kulturtechnik zu begreifen, die kulturelle und soziale Teilhabe erm&#246;glicht. Die Vermittlung von (wenigstens elementaren) Kenntnissen in einer (oder mehreren) Fremdsprachen bleibt somit ein relevantes Bildungsziel. Ebenfalls scheint klar, dass sich digitale &#220;bersetzer als kommunikative Hilfsmittel bereits breit etabliert haben und dass sie qualitativ immer besser werden. Die Frage stellt sich, und sie sollte in Lernzielbeschreibungen mitbedacht werden, in welchen Kontexten Fremdsprachen k&#252;nftig digital unterst&#252;tzt oder eigenst&#228;ndig verwendet werden k&#246;nnen und sollen.</p>
<p>Wir haben gesehen, dass sprachliche Handlungskompetenz, insbesondere wenn es um Schriftlichkeit oder &#8218;planbare&#8216; M&#252;ndlichkeit geht, inzwischen recht effizient mit maschinellen Hilfsmitteln abgedeckt werden kann. Wenn es also nur um das Handeln, durchaus auch im Sinne des gegenseitigen Verstehens in vielsprachigen L&#228;ndern oder Regionen geht,<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> so haben wir technische L&#246;sungen zur Hand, die wenig oder gar kein Sprachenlernen mehr erfordern. Kritiker der Handlungsorientierung in der Didaktik zitieren gerne D&#252;rrenmatt: &#8222;[d]ie menschliche Bestimmung liegt im Denken, nicht im Handeln. Handeln kann jeder Ochse&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B13">D&#252;rrenmatt 1987: 40</xref>). Ochsen sind heute eher rar geworden, aber treten an ihre Stelle im sprachlichen Bereich Maschinen wie DeepL? Wie oben ausgef&#252;hrt k&#246;nnen diese elektronischen Ochsen nicht alle sprachlichen und sprachbezogenen Felder pfl&#252;gen: Handlungsfelder wie die spontane M&#252;ndlichkeit sowie die &#252;brigen Komponenten wie Interkulturalit&#228;t und Metakognition entziehen sich ihrem Zugriff.</p>
<p>Eine (teilweise) Verkn&#252;pfung mit dem eingangs erw&#228;hnten Bereich der Sprachmittlung ist ebenfalls denkbar. Tats&#228;chlich &#252;bernehmen digitale &#220;bersetzer in gewisser Weise eine Mediatorenrolle: Sie erm&#246;glichen Kommunikation zwischen zwei oder mehr Parteien, die nicht direkt miteinander kommunizieren k&#246;nnen, oder sich aus unterschiedlichen Gr&#252;nden nicht verstehen. Die Tools erf&#252;llen zwar effizient den sprachlichen Aspekt der Sprachmittlung, nicht aber den sozial-kulturellen und Lernprozess-bezogenen Teil (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Council of Europe 2020: 35&#8211;36</xref>) einer gelungenen Vermittlung zwischen den Gespr&#228;chsteilnehmenden. Verst&#228;ndnis f&#252;r unterschiedliche soziolinguistische Sichtweisen und Konventionen, oder der Umgang mit soziokulturellen oder soziolinguistischen Missverst&#228;ndnissen k&#246;nnen (aktuell) von der Maschine nicht vermittelt werden. F&#252;r die Verbindung von kulturellem Wissen (das wie oben ausgef&#252;hrt auch ohne Sprache erworben werden kann) mit sprachlichem Wissen (das wie oben ausgef&#252;hrt durchaus auch mit &#220;bersetzungstools erworben werden kann) bedarf es der menschlichen Reflexionsf&#228;higkeit.</p>
<p>Aus dem Gesagten k&#246;nnte man also schlussfolgern, dass der FSU vor allem Interkulturalit&#228;t und Metasprachliches/Metakognitives behandeln sollte. W&#228;hrend man ersteres auch ganz ohne Sprachunterricht im traditionellen Sinn machen kann, bedarf insbesondere Metasprache einer sprachlichen Basis. Wie der erste hier schreibende Autor anderswo argumentiert (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Berthele 2011</xref>), kann man Metasprache, etwa im didaktisch &#228;usserst popul&#228;ren Bereich der verwandten W&#246;rter &#252;ber Sprachen hinweg, nur dann sinnvoll entwickeln, wenn man zuerst einmal sprachliches Material gelehrt/gelernt hat. Wir halten deshalb eine allzu einseitige Ausrichtung auf die Metaebene in Form von Interkomprehension insbesondere im &#39;fr&#252;hen&#39; FSU als wenig zielf&#252;hrend.</p>
<p>Ein m&#246;gliches Szenario, um das &#8218;Problem&#8216; der immer leistungsf&#228;higeren Werkzeuge zu entsch&#228;rfen, w&#228;re demnach, den Fokus im Sprachunterricht genau auf die Bereiche zu legen, die die Werkzeuge nicht oder nur schlecht abdecken k&#246;nnen.</p>
<p>Als erstes k&#246;nnte der FSU beispielsweise die Schw&#228;chen der digitalen Werkzeuge fokussieren. Zum in den Lernzielen genannten Metawissen geh&#246;rt heute auch die F&#228;higkeit, mit digitalen &#220;bersetzern umgehen zu k&#246;nnen, um ein effizientes Suchverhalten zu entwickeln, aber auch die Korrektheit des Outputs interpretieren zu k&#246;nnen. Evaluationsf&#228;higkeit setzt ein gewisses Mass an (meta)sprachlichem Wissen voraus, das weiterhin im FSU vermittelt wird. Es ist durchaus m&#246;glich, dass diese Notwendigkeit, die Qualit&#228;t des Outputs der Programme einsch&#228;tzen zu k&#246;nnen, mit der Perfektionierung der Tools abnehmen wird.</p>
<p>Wir haben oben angesprochen, dass die spontane m&#252;ndliche Interaktion (noch) nicht zu den Dom&#228;nen geh&#246;rt, die die digitalen Werkzeuge problemlos abdecken k&#246;nnen. Dies k&#246;nnte f&#252;r den FSU bedeuten, m&#252;ndliche Interaktionskompetenzen stark zu priorisieren, und die Schriftlichkeit (produktiv und rezeptiv) stark zu reduzieren, da diese wie gesehen von den Werkzeugen &#252;bernommen werden kann.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Da jedoch von Anfang an mit schriftlichem Material gearbeitet wird (z.B. in Form von in Lehrmitteln aufbereiteten Wortschatzlisten oder Aufgaben), w&#228;re eine altersgem&#228;sse Thematisierung und Festigung der Graphem-Phonem Entsprechungen n&#246;tig, um das Dekodieren des Sprachmaterials, den Aufbau von Wortschatz und schliesslich auch die Entwicklung der Aussprache zu beg&#252;nstigen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Dherbey-Chapuis/Berthele 2020</xref>). Eine solche Einf&#252;hrung in grapho-phonemische Aspekte der Zielsprachen wird nach unserem Kenntnisstand im fr&#252;hen FSU momentan nur am Rande praktiziert. Im Moment, das zeigen die Evaluationen (<xref ref-type="bibr" rid="B34">Wiedenkeller/Lenz 2019: 3</xref>), ist insbesondere die Fertigkeit Sprechen im Franz&#246;sischen nicht auf einem Niveau, das auch nur m&#252;ndliche Interaktion &#252;ber Sprachgrenzen hinweg garantieren w&#252;rde.</p>
<p>Auch in Szenarien, in denen der FSU weniger grunds&#228;tzlich auf die digitale Innovation reagieren soll, scheint es uns wichtig, dass die digitalen Hilfsmittel im FSU zumindest ber&#252;cksichtigt und integriert werden. Wir machen an anderer Stelle (<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://digitalvocabulary.wordpress.com">https://digitalvocabulary.wordpress.com</ext-link>)<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> detaillierte Vorschl&#228;ge, wie dies geschehen k&#246;nnte. Hier sollen nur einige wenige allgemeine Bemerkungen gen&#252;gen: In zuk&#252;nftigen Versionen von Bildungsstandards und Lernzielbeschreibungen sollten die digitalen Tools angesprochen und integriert sein. In den von uns ausgewerteten Dokumenten sind sie dies nicht, was teilweise mit dem Zeitpunkt der Redaktion zu tun hat (die oben diskutierten normativen Vorgaben der EDK und der KMK wurden zwischen 2003 und 2013 ver&#246;ffentlicht, als die Tools offensichtlich noch nicht den Stellenwert hatten, den sie heute haben). Bez&#252;glich des eingangs angesprochenen erweiterten Blicks auf Handlungsorientierung und Werkzeuge, scheint es uns wichtig, die hier fokussierten digitalen Tools nicht einfach nur als Problem und Bedrohung zu betrachten, sondern ihr metalinguistisches Potenzial anzuerkennen: Input und Output von automatischen &#220;bersetzungsprogrammen k&#246;nnen im Unterricht und beim autonomen Lernen zur Sprachbetrachtung herangezogen werden. Insofern k&#246;nnen sie durchaus in lern-relevanter Weise zur Erweiterung des Werkzeugkastens der SprachlernerInnen beitragen. Wir sind auch &#252;berzeugt, dass die digitalen Werkzeuge durchaus eine Entlastung bieten k&#246;nnen, wenn es darum geht, nicht nur kommunikativ effizient, sondern auch korrekt zu formulieren. Simply playing the ostrich will not help in the long run.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref></p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Wir danken Thomas Studer f&#252;r seine hilfreichen und wichtigen Kommentare zu einem Entwurf dieses Beitrags.</p></fn>
<fn id="n2"><p>In den neuen Kompetenzbeschreibungen des 2020 erschienenen Companion volume zum GER/CEFR (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Council of Europe 2020</xref>) wird der Fokus weniger auf solche Skills, sondern auf sogenannte Kommunikationsmodi gelegt (Rezeption, Produktion, Interaktion, Sprachmittlung). Die Lernzielbeschreibungen und Bildungsstandards, die unten diskutiert werden, sind noch der traditionelleren Skills-Sichtweise verpflichtet, weshalb wir mit letzteren operieren. An der grunds&#228;tzlichen Natur unserer Argumentation &#228;ndert sich durch die terminologische Neuerung nichts.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Analoge Analysen f&#252;r andere Bildungsstufen sind m&#246;glich. Unser Eindruck ist, dass sie grunds&#228;tzlich &#228;hnliche Ergebnisse zu Tage f&#246;rdern w&#252;rden.</p></fn>
<fn id="n4"><p>In der Literatur zur Qualit&#228;t der maschinellen &#220;bersetzung spielen Qualit&#228;tsprobleme bei Phraseologismen und Kollokationen eine gewisse Rolle, hier scheinen die Systeme am ehesten Unverst&#228;ndliches zu produzieren; vgl. z.B. Bestgen (<xref ref-type="bibr" rid="B5">2022</xref>).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis automatische Untertitelung sowohl in der Originalsprache (Captions) als auch in &#220;bersetzung (Subtitles) auf vielen Plattformen m&#246;glich wird. Es gibt heute bereits automatische, interaktive Untertitelung f&#252;r MigrantInnen von schwedischsprachigen Programmen, vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Spr&#229;kkraft/Spr&#229;kplay, Carlsson 2022</xref>.</p></fn>
<fn id="n6"><p>In der Schweiz kommt immer wieder die Frage auf, inwiefern die nationale Koh&#228;sion durch tats&#228;chliche oder vermeintliche M&#228;ngel in den Sprachkompetenzen gef&#228;hrdet ist. Als Beispiel k&#246;nnen hier markante Aussagen des Journalisten Jos&#233; Ribeaud dienen: &#8222;Warum sollen wir unsere Vetter &#8211; im alemannischen oder im lateinischen Sprachbereich &#8211; noch besuchen, wenn wir nicht im Stande sind, ihre Muttersprache zu verstehen?&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B27">Ribeaud 1998: 41</xref>)</p></fn>
<fn id="n7"><p>Ein solcher Fokus erscheint besonders sinnvoll in mehrsprachigen L&#228;ndern wie der Schweiz, etwa f&#252;r das Franz&#246;sische in der deutschen Schweiz oder f&#252;r das Deutsche in der franz&#246;sischen Schweiz.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Die frei zug&#228;nglichen Unterrichtsmaterialien thematisieren Vor- und Nachteile von online &#220;bersetzungshilfen und bieten konkrete &#220;bungsm&#246;glichkeiten f&#252;r eine sinnvolle Nutzung im Fremdsprachenunterricht.</p></fn>
<fn id="n9"><p>(badly) translated with <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.DeepL.com/Translator">www.DeepL.com/Translator</ext-link> (free version), und zwar am 18.7.2022.</p></fn>
</fn-group>
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<title>Literatur</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Raphael Berthele</bold> ist Linguist und arbeitet als Professor f&#252;r Mehrsprachigkeitsforschung an der Universit&#228;t Freiburg/Fribourg (Schweiz), wo er auch studiert hat. Er lernte und lehrte ausserdem an den Universit&#228;ten T&#252;bingen, Berkeley und Bern. Er forscht zu kognitiven und soziolinguistischen Aspekten des Lernens und Gebrauchens mehrerer Sprachen und Dialekte.</p>
<p><bold>Isabelle Udry</bold> forscht und lehrt am Institut f&#252;r Mehrsprachigkeit der Uni Freiburg (CH) und an der PH Z&#252;rich. Sie interessiert sich f&#252;r individuelle Unterschiede im Spracherwerb, kognitive Prozesse der Mehrsprachigkeit und Digitalisierung im Fremdsprachenunterricht. In einem aktuellen Projekt untersucht sie mit dem Erstautor die Rolle von online &#220;bersetzungshilfen beim Lernen von Fremdsprachen.</p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><bold>Anschrift:</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Raphael BERTHELE</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Institut de Plurilinguisme</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">Rue de Rome 1</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2">CH-1700 Fribourg/Freiburg</styled-content></p>
<p><styled-content style="text-align: right; display: block; line-height: 0.2"><ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:raphael.berthele@unifr.ch">raphael.berthele@unifr.ch</ext-link></styled-content></p>
</sec>
</back>
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