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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Praxisbericht</subject>
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<article-title>Lesen digitaler Magazinbeitr&#228;ge im DaF-Lehramtsstudium &#8211; Gestaltung und Evaluation eines Lernarrangements</article-title>
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<surname>Kele&#351;</surname>
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<email>nursezakeles@uludag.edu.tr</email>
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<surname>&#350;eny&#305;ld&#305;z</surname>
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<prefix>Prof. Dr.</prefix>
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<aff id="aff-1">Bursa Uluda&#287; Universit&#228;t Erziehungswissenschaftliche Fakult&#228;t Abteilung f&#252;r die Deutschlehrendenausbildung 16159 Bursa, T&#252;rkei</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2022-09-23">
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<year>2022</year>
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<license-p>CC BY 4.0 International - Creative Commons, Namensnennung. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>Die pandemiebedingte Online-Lehre f&#252;hrte zum &#220;berdenken bestehender Unterrichtskonzepte und zum Entwickeln neuer digitaler Lernarrangements auch im Fremdsprachenbereich. Im folgenden Beitrag wird am Beispiel eines Leseseminars f&#252;r angehende DaF-Lehrkr&#228;fte in der T&#252;rkei gezeigt, wie die Textarbeit mit Beitr&#228;gen aus einem Webmagazin des Goethe-Instituts konzipiert und durchgef&#252;hrt werden k&#246;nnte. F&#252;r die Evaluation des Lernarrangements wurden die teilnehmenden Studierenden zu ihren Erfahrungen mit dem digitalen Lesen und der Erstellung von digitalen Leseprodukten befragt. Die Befunde zeigen u.a., dass die Studierenden digitale Lernarrangements positiv bewerten und das digitale Lesen im Vergleich zum analogen Lesen als vorteilhafter betrachten. Au&#223;erdem wird deutlich, dass das Erstellen von Leseprodukten nicht nur den Leseprozess unterst&#252;tzt, sondern auch die Entwicklung von Medienkompetenzen beg&#252;nstigt.</p>
</abstract>
<trans-abstract xml:lang="en">
<p><bold>Reading digital magazine articles in a GFL teacher training program &#8211; design and evaluation of a learning arrangement</bold></p>
<p>The online teaching caused by the pandemic led to the reconsideration of existing teaching concepts and the development of new digital learning arrangements also in the foreign language area. The following article uses the example of a reading seminar for GFL teacher trainees in Turkey to show how the text work with contributions from a web magazine of the Goethe Institute could be designed and carried out. To evaluate the learning arrangement, the participating students were asked about their experiences with digital reading and creating digital reading products. The findings show that students rate digital learning arrangements positively and consider digital reading more advantageous than analogue reading. It also becomes clear that the creation of reading products not only supports the reading process but also promotes the development of media skills.</p>
</trans-abstract>
<kwd-group>
<kwd>Digitales Lesen</kwd>
<kwd>Lehrendenausbildung</kwd>
<kwd>Online-Unterricht</kwd>
<kwd>Deutsch als Fremdsprache</kwd>
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<kwd>digital reading</kwd>
<kwd>teacher training</kwd>
<kwd>online lessons</kwd>
<kwd>German as foreign language</kwd>
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<sec>
<title>1 Einleitung</title>
<p>Die Digitalisierung beeinflusst mittlerweile alle Lebensbereiche. Auch das Lesen, das neben Rechnen und Schreiben zu den grundlegenden Kulturtechniken der Informations- und Wissensgesellschaft geh&#246;rt, wird davon stark gepr&#228;gt. So wird die digitale Technik im Modell von Kerres (<xref ref-type="bibr" rid="B15">2017</xref>) als ein verbindendes Element dargestellt, das quer zu den bestehenden Kulturtechniken verl&#228;uft, sie durchdringt sowie beim Nutzen, Verstehen, Bewerten und Gestalten des Wissens hilft.</p>
<p>Digitales Lesen gewinnt auch im Bereich des Fremdsprachenlehrens- und -lernens u.a. aufgrund schneller Verf&#252;gbarkeit digitaler Texte immer mehr an Bedeutung. Daher ist die Entwicklung autonomief&#246;rdernder Lernarrangements notwendig, in deren Rahmen sich die Lernenden mit authentischen digitalen Texten selbstgesteuert besch&#228;ftigen und Anregungen zum Erweitern ihrer fremdsprachlichen Kompetenzen bekommen k&#246;nnten.</p>
<p>Der vorliegende Beitrag besch&#228;ftigt sich mit dem Lesen digitaler Magazinbeitr&#228;ge in der Fremdsprache Deutsch, welches im Rahmen eines Online-Leseseminars f&#252;r t&#252;rkische DaF-Lehramtsstudierende erfolgte. Zuerst werden theoretische Grundlagen des digitalen Lesens allgemein und in der Fremdsprache skizziert. Im zweiten Kapitel wird ein eigenes Lernarrangement zum Einsatz digitaler landeskundlicher Zeitschriftenartikel im DaF-Unterricht beschrieben. Im dritten Kapitel wird die Evaluation des Lernarrangements aus der Sicht der teilnehmenden Studierenden dargestellt. Zum Schluss werden die Befunde zusammengefasst und im Hinblick auf den aktuellen Forschungsstand diskutiert.</p>
</sec>
<sec>
<title>2 Digitales Lesen</title>
<p>Im Folgenden wird zuerst ein kurzer Forschungs&#252;berblick &#252;ber die Besonderheiten des digitalen Lesens in der Erstsprache gegeben, danach wird auf Studien zum Lesen digitaler Texte in der Fremdsprache eingegangen.</p>
<sec>
<title>2.1 Digitales Lesen im einsprachigen Kontext</title>
<p>Digitales Lesen (E-Reading) kann in Anlehnung an Weidenmann (<xref ref-type="bibr" rid="B36">2002</xref>) anhand von Merkmalen wie Multimedialit&#228;t (unterschiedliche Speicher- und Pr&#228;sentationssysteme der Texte), Multicodalit&#228;t (die Verbindung von Schrift mit Bildern/Grafiken) und Multimodalit&#228;t (visuelle und auditive Wahrnehmung von Texten) beschrieben werden.</p>
<p>Digitale Texte k&#246;nnen sowohl wie analoge Texte (jeder Text einzeln f&#252;r sich) als auch in Form von Hypertexten gelesen werden. Unter Hypertexten sind internetbasierte, diskursiv strukturierte, interaktive Textdokumente zu verstehen, die multimediale Einheiten enthalten k&#246;nnen und durch Links miteinander netzartig verkn&#252;pft sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Wanning 2015</xref>). Anders als z.B. bei Lehrbuchtexten handelt es sich hierbei um authentische Lesematerialien (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Hallet 2008: 4</xref>). Der Leseprozess wird dabei von den Lesenden autonom gestaltet und st&#228;ndig neu strukturiert, indem sie einen Hypertext &#252;ber verschiedene Links und durch eigene Lesewege entwickeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Su&#241;er 2008: 7&#8211;8</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B35">Wanning 2015: 911&#8211;912</xref>). Beim Lesen eines Hypertextes werden die aus dem analogen Lesen bereits bekannten Lesestile verwendet. Dominierend ist jedoch das extensive (kursorische) Lesen, bei dem mehrere, unterschiedlich lange Texte mit dem Ziel eines globalen Leseverstehens unabh&#228;ngig von der Lehrperson gew&#228;hlt und gelesen werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Leisen 2020: 5</xref>).</p>
<p>Im Bereich des digitalen Lesens besch&#228;ftigt sich die Forschung mit unterschiedlichen Fragestellungen. Zum einen werden Herausforderungen des digitalen Lesens untersucht, da digitale Texte durch ihre Multimodalit&#228;t und Interaktivit&#228;t erh&#246;hte kognitive Anforderungen an die Lernenden stellen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B30">Salmer&#243;n/Str&#248;ms&#248;/Kammerer/Stadtler/van den Broek 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B37">Wylie/Thomson/Leppanen/Ackerman/Kanniainen/Prieler 2018</xref>). Zum anderen werden medienspezifische Unterschiede zwischen analogem und digitalem Lesen erforscht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Golan/Barzillai/Katzir 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B12">Halamish/Elbaz 2019</xref>). So stellen Delgado, Vargas, Ackerman &amp; Salmer&#243;n (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2018</xref>) in einer Metastudie zu den Auswirkungen digitaler Technologien auf die Lesefertigkeit fest, dass die Textverst&#228;ndlichkeit unter Zeitdruck bei l&#228;ngeren (Sach-)Texten auf dem Papier h&#246;her ist als am Bildschirm, w&#228;hrend bei narrativen Texten in Bezug auf die Textverst&#228;ndlichkeit keine Unterschiede zwischen analoger und digitaler Form festzustellen sind.</p>
<p>Aktuelle Forschungsergebnisse zum Einfluss der Digitalisierung auf Lesepraktiken werden in der Stavanger-Erkl&#228;rung zur Zukunft des Lesens zusammengefasst und reflektiert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">COST E-READ 2019</xref>). Dar&#252;ber hinaus werden auch Empfehlungen f&#252;r die Praxis gegeben; z.B. dass die Textpr&#228;sentation auf individuelle Interessen und Bed&#252;rfnisse abgestimmt sein soll oder dass Lernenden Strategien vermittelt werden sollen, die ein tieferes Leseverstehen auf digitalen Endger&#228;ten erm&#246;glichen. Studien mit Jugendlichen zeigen jedoch auch, dass die digitale Lesekompetenz nicht mit der Verf&#252;gbarkeit von digitalen Endger&#228;ten, sondern vielmehr mit der Einstellung der Lesenden gegen&#252;ber den Informations- und Kommunikationstechnologien zusammenh&#228;ngt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">Naumann/S&#228;lzer 2017</xref>). Im Hinblick auf die k&#252;nftige Forschung werden in der Stavanger-Erkl&#228;rung auch Fragen zur Effektivit&#228;t des Einsatzes digitaler Texte in unterschiedlichen Lesekontexten sowie der F&#246;rderung einer tieferen Textverarbeitung aufgeworfen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">COST E-READ 2019:1&#8211;2</xref>). Um ein tiefergehendes Leseverstehen zu sichern, sollte auch das intertextuelle Integrieren, also die kognitive Verbindung von separat abgespeicherten Informationen aus verschiedenen Lesequellen, und das sog. <italic>Sourcing</italic>, d. h. die Erkennung bedeutungsrelevanter Informationen und die Hinterfragung ihrer Quellen, trainiert werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Philipp 2021: 216</xref>).</p>
</sec>
<sec>
<title>2.2 Digitales Lesen in der Fremdsprache</title>
<p>Die Literaturforschung zum digitalen Lesen in der Fremdsprache zeigt, dass Fremdsprachenlernende beim digitalen Lesen einen komplexen kognitiven Prozess durchlaufen, der die papierbasierten Lesestrategien mit Computer- und Medienkompetenzen verbindet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">do Amaral/Torres/Tomitch 2018</xref>). In der Studie zum extensiven Lesen, die Arnold (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2009</xref>) mit DaF-Studierenden in den USA durchgef&#252;hrt hat, berichten die Befragten, dass sie das Erschlie&#223;en unbekannter W&#246;rter aus dem Kontext, das Durchf&#252;hren mehrerer Lesevorg&#228;nge einzelner Passagen und das Verwenden von Online-W&#246;rterb&#252;chern einsetzen. Au&#223;erdem zeigen Studien zum Online-Lesen in der Fremdsprache (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Ahmadian/Pasand 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B4">Azmuddin/Nor/Hamat 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B33">Taki 2015</xref>), dass die Lernenden bewusst mit Leseproblemen in der Fremdsprache umgehen, bei Konzentrationsverlust den Text erneut lesen sowie f&#252;r eine bessere Verst&#228;ndlichkeit langsam und sorgf&#228;ltig lesen. Dar&#252;ber hinaus werden weitere <italic>online-spezifische</italic> Lesestrategien festgestellt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Gilbert 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Us&#243;-Juan/Ruiz-Madrid 2009</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Zaki/Hassan/Razali 2008</xref>), die aufgrund der spezifischen kognitiven Anforderungen, die die Hypertexte stellen, erforderlich sind (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Park/Kim 2011</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B22">2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B23">Park/Yang/Hsieh 2014</xref>). Diese neuen Strategien betreffen Computerkenntnisse, Navigation zwischen Hypertexten sowie Nutzung von Applikationen und Zubeh&#246;r.</p>
<p>Ausgehend von den allgemeinen Textverarbeitungsmodellen und Textverarbeitungsebenen geht Su&#241;er (<xref ref-type="bibr" rid="B32">2008</xref>) auf die Unterschiede zwischen dem Lesen in der Erstsprache und in der Fremdsprache ein. Diese sind haupts&#228;chlich auf der grapho-phonischen, semantischen und syntaktischen Ebene anzusiedeln, bedingt durch Sprachdefizite und fehlende Automatisierung in der Fremdsprache:</p>
<disp-quote>
<p>Mit diesen L2-spezifischen Verarbeitungsschwierigkeiten an der Textoberfl&#228;che h&#228;ngt sehr oft eine defizit&#228;re Konstruktion eines mentalen Modells des Textes zusammen, die im Gegensatz zu einer propositionalen Textrepr&#228;sentation als tiefergehendes Textverstehen angesehen wird (<xref ref-type="bibr" rid="B32">Su&#241;er 2008: 7</xref>).</p>
</disp-quote>
<p>Jedoch k&#246;nnen Fremdsprachenlesende beim thematischen &#220;berblick und Konstruktionsprozess eines Hypertextes durch den Einsatz von Visualisierungen sinnvoll unterst&#252;tzt werden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Su&#241;er 2008: 11</xref>).</p>
<p>Auch die affektiven Bestandteile des digitalen Lesens in der Fremdsprache werden erforscht. In der bereits erw&#228;hnten Studie von Arnold (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2009</xref>) wird gezeigt, dass Online-Texte die Lesemotivation und das Selbstvertrauen positiv beeinflussen k&#246;nnen. Dies wird darauf zur&#252;ckgef&#252;hrt, dass die Studierenden beim Lesen eines Hypertextes ihren eigenen Lesepfad bestimmen k&#246;nnen, wodurch die Informationsentnahme und das Lesevergn&#252;gen gew&#228;hrleistet werden (vgl. 355).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>3 Lesen digitaler Magazinbeitr&#228;ge im DaF-Lehramtsstudium am Beispiel eines Seminars</title>
<p>In der pandemiebedingten Online-Lehre stellte sich in unserem Seminar f&#252;r t&#252;rkische DaF-Lehramtsstudierende an der Bursa Uluda&#287; Universit&#228;t die Frage nach geeigneten Lernarrangements mit dem Schwerpunkt digitales Lesen, welche einen hohen p&#228;dagogischen Mehrwert aufweisen sollten. Unter Lernarrangements wird dabei die Kombination unterschiedlicher Lernumgebungen und Lernszenarios verstanden, die zu einem selbstgesteuerten Lernen f&#252;hren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B31">Stangl 2021</xref>).</p>
<p>Das Lesen von Magazinbeitr&#228;gen &#8211; eine traditionelle analoge Leset&#228;tigkeit &#8211; wurde in unserem Lernarrangement aufgrund des schnellen und kostenlosen Zugriffs auf zahlreiche authentische Textquellen in ein digitales Format &#252;bertragen.</p>
<p>Im Folgenden werden zun&#228;chst die Rahmenbedingungen unseres Leseseminars kurz beschrieben. Danach wird ein Einblick in die Gestaltung des digitalen Lernarrangements zum Thema &#8222;Deutsche St&#228;dte&#8221; gegeben.</p>
<sec>
<title>3.1 Rahmenbedingungen</title>
<p>Das sprachpraktische Seminar &#8222;Lesefertigkeit II&#8221; wurde im Bachelor-Studiengang &#8222;Deutsch als Fremdsprache auf Lehramt&#8221; an der erziehungswissenschaftlichen Fakult&#228;t der Bursa Uluda&#287; Universit&#228;t (T&#252;rkei) durchgef&#252;hrt. Das Seminar wurde im ersten Studienjahr (zweites Semester) mit zwei Semesterwochenstunden angeboten und zielte auf die Entwicklung des Kompetenzbereichs Leseverstehen auf dem B1-Niveau des Gemeinsamen Europ&#228;ischen Referenzrahmens ab (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Europarat 2020: 65&#8211;71</xref>). Als seminartragendes Lehrwerk wurde &#8222;Netzwerk B1.2&#8220; eingesetzt, aus dem Lesetexte mit Aufgaben und &#220;bungen bearbeitet wurden. Im pandemiebedingten Online-Sommersemester 2021 wurden alle Seminarsitzungen synchron via <italic>Google Meet</italic>-Videokonferenzen durchgef&#252;hrt und aufgezeichnet.</p>
</sec>
<sec>
<title>3.2 Gestaltung des Lernarrangements mit dem Schwerpunkt Digitales Lesen</title>
<p>Im Folgenden werden wir das digitale Lernarrangement zum Unterthema &#8222;Typisch K&#246;lsch&#8221; (Lektion 11 &#8222;Vom Leben in St&#228;dten&#8221;) vorstellen. Dazu werden zun&#228;chst die zu erwerbenden Kompetenzen aufgef&#252;hrt und dann wird die Umsetzung im Leseseminar vorgestellt.</p>
<p>Am Ende der Unterrichtseinheiten sollen die Studierenden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>unterschiedliche Lesezwecke und Lesestile, wie zur Orientierung lesen, Informationen und Argumentationen verstehen, Lesen als Freizeitbesch&#228;ftigung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Europarat 2020: 65&#8211;72</xref>), sowie extensives Lesen von Hypertexten kennen lernen;</p></list-item>
<list-item><p>webbasierte Lernangebote des Goethe-Instituts (das Webmagazin &#8222;Deutschland #noFILTER&#8221; mit der Rubrik &#8222;Stadtkonturen&#8221;, die Artikel mit Stadtportr&#228;ts enth&#228;lt, sowie die dazugeh&#246;rige Instagram-Seite) kennen lernen;</p></list-item>
<list-item><p>die wesentlichen Informationen in Texten &#252;ber die Besonderheiten einer deutschen Stadt erfassen k&#246;nnen;</p></list-item>
<list-item><p>die wichtigsten Informationen &#252;ber die Besonderheiten einer deutschen Stadt mit Hilfe eines <italic>Padlet</italic> als Leseprodukt visuell darstellen k&#246;nnen (Medienkompetenz zur Unterst&#252;tzung des digitalen Lesens);</p></list-item>
<list-item><p>den eigenen Leseprozess in asynchronen Seminarphasen selbstorganisierend und selbstregulierend gestalten k&#246;nnen (Selbstkompetenz).</p></list-item>
</list>
<p>F&#252;r einen besseren &#220;berblick soll unten das digitale Lernarrangement tabellarisch dargestellt werden:</p>
<table-wrap id="T1">
<caption>
<p>Tab. 1</p>
<p>Digitales Lernarrangement im Leseseminar B1</p>
</caption>
<table>
<tr>
<th colspan="3"><hr/></th>
</tr>
<tr>
<td valign="top" align="left">Zeit</td>
<td valign="top" align="left">selbstgesteuertes Lernen (asynchron) / Vorbereitung auf Seminarsitzungen</td>
<td valign="top" align="left">Seminarsitzungen (synchron, Videokonferenzen)</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" align="left">Woche 1</td>
<td valign="top" align="left">&#8226; Text &#8222;Meine ersten Tage in K&#246;ln&#8221; lesen (analoges Lernangebot des Lehrwerks, Lektion 11)<break/>&#8226; Textzusammenfassung, unbekannte W&#246;rter, Textaufgaben und &#220;bungen erarbeiten</td>
<td valign="top" align="left">&#8226;Text und dazugeh&#246;rige Aufgaben besprechen<break/>&#8226; Rubrik &#8222;Stadtkonturen&#8221; und die Instagram-Seite dazu (digitales Lernangebot des Goethe-Instituts) vorstellen<break/>&#8226; Lernberatung zu weiteren digitalen Lernangeboten des Goethe-Instituts</td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" align="left">Woche 2</td>
<td valign="top" align="left">&#8226; Text &#8222;Stadtkonturen K&#246;ln: F&#252;r Schwindelfreie und Feierwillige&#8221; lesen (digitales Lernangebot des Goethe-Instituts)<break/>&#8226; Textzusammenfassung, unbekannte W&#246;rter erarbeiten<break/>&#8226;ein eigenes Kreisdiagramm zu K&#246;ln (Leseprodukt) ohne Vorgabe von Tools erstellen</td>
<td valign="top" align="left">&#8226;Text und Kreisdiagramme der Studierenden besprechen<break/>&#8226; Lernberatung im Hinblick auf Lesestile<break/>&#8226; Lernberatung zu <italic>Padlet</italic></td>
</tr>
<tr>
<td colspan="3"><hr/></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top" align="left">Wochen 3-6</td>
<td valign="top" align="left">&#8226; einen selbstgew&#228;hlten Text zu einer deutschen Stadt lesen (digitales Lernangebot des Goethe-Instituts)<break/>&#8226; Textzusammenfassung, unbekannte W&#246;rter erarbeiten<break/>&#8226; ein Leseprodukt zum Text mit <italic>Padlet</italic> erstellen</td>
<td valign="top" align="left">&#8226; Texte und Leseprodukte der Studierenden besprechen<break/>&#8226; Lernberatung im Hinblick auf die Gestaltung der asynchronen Lernphase (Lernerautonomie)</td>
</tr>
</table>
</table-wrap>
<p>Der Tabelle l&#228;sst sich entnehmen, dass folgende Webangebote des Goethe-Instituts als zus&#228;tzlicher digitaler Sprachinput in das Seminar integriert wurden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>ausgew&#228;hlte Beitr&#228;ge des Webmagazins &#8222;Deutschland #noFILTER&#8221; zu unterschiedlichen deutschen St&#228;dten (die Rubrik &#8222;Stadtkonturen&#8221;);</p></list-item>
<list-item><p>Kreisdiagramme (als Instagram-Posts) mit den Schl&#252;sselbegriffen aus den Stadtkonturen-Texten.</p></list-item>
</list>
<p>Durch die asynchronen Lernphasen zur Vorbereitung auf die Seminarsitzungen konnten die Studierenden ihre Selbstlernkompetenz weiterentwickeln. Im Sinne der Lernerautonomie sollten sie ihre Lernprozesse selbstregulierend und selbstorganisierend gestalten (vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B2">Apeltauer/&#350;eny&#305;ld&#305;z 2015</xref>). Dazu sollten sie w&#246;chentliche Aufgaben bearbeiten und auf die Lehr- und Lernplattform <italic>Google Classroom</italic> hochladen, wo sie von der Seminarleitung bewertet und schriftlich kommentiert wurden. Dazu geh&#246;rten u.a. ein Kreisdiagramm bzw. eine Grafik, welche mit Informationen aus dem Text zuerst ohne Vorgabe von Tools und dann mit Hilfe der interaktiven digitalen Tafel <italic>Padlet</italic> (vgl. dazu auch <xref ref-type="bibr" rid="B17">Lay/Giblett 2020: 558&#8211;563</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B24">Pfiffner/Sterel/Hassler 2021: 79&#8211;80</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B29">Reichwein 2021: 55&#8211;56</xref>) zu erstellen waren. Das Ziel bei der Erstellung der Leseprodukte mithilfe von <italic>Padlet</italic> war die tiefergehende Verarbeitung der gelesenen digitalen Texte.</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>4 Evaluation des digitalen Lernarrangements</title>
<p>Im Folgenden wird die Evaluation des digitalen Lernarrangements vorgestellt. Sie fand in Anlehnung an das Konzept der Qualitativen Evaluation von Kuckartz/Dresing/R&#228;diker/ Stefer (<xref ref-type="bibr" rid="B16">2007</xref>) statt, das f&#252;r universit&#228;re Lehrveranstaltungen entwickelt wurde. Wir verwendeten dabei:</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>&#8211; einen Online-Fragebogen (&#252;ber <italic>Google Formulare</italic>) vor der Durchf&#252;hrung des Lernarrangements, um den Bekanntheitsgrad von Online-Materialien des Goethe-Instituts bei den Studierenden und ihr Interesse daran zu eruieren,</p></list-item>
<list-item><p>&#8211; ein Online-Gruppeninterview (&#252;ber <italic>Google Meet</italic>) am Semesterende, um ihre Erfahrungen und Bewertungen hinsichtlich des digitalen Lernarrangements zu erheben.</p></list-item>
</list>
<p>Die Befragungen wurden wegen einer besseren Verst&#228;ndlichkeit auf T&#252;rkisch durchgef&#252;hrt und anschlie&#223;end ins Deutsche &#252;bersetzt. Die Aussagen aus dem Gruppeninterview wurden im Sinne der Qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring (<xref ref-type="bibr" rid="B19">2002</xref>) zur Auswertung textbasierter Daten sowohl material- als auch theoriegeleitet kodiert und analysiert.</p>
<sec>
<title>4.1 Fragebogen</title>
<p>Der Fragebogen wurde vor der Durchf&#252;hrung des digitalen Lernarrangements eingesetzt, um herauszufinden, ob die Studierenden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>das Webmagazin und die Instagram-Seite des Goethe-Instituts kennen und regelm&#228;&#223;ig nutzen,</p></list-item>
<list-item><p>damit im Rahmen des Leseseminars arbeiten m&#246;chten,</p></list-item>
<list-item><p>diese Quellen f&#252;r die Entwicklung ihrer sprachlichen Kompetenzen n&#252;tzlich finden.</p></list-item>
</list>
<p>Dabei wurden sowohl geschlossene Fragen mit Ja-/Nein-Antwortm&#246;glichkeiten als auch endpunktbenannte Likert-Skalen mit f&#252;nf Skalenpunkten eingesetzt. Die numerische Auswertung erfolgte mit <italic>Google Formulare</italic>.</p>
<p>An der schriftlichen Befragung nahmen 14 Studierende teil, davon waren zehn weiblich und vier m&#228;nnlich. Das Durchschnittsalter der Studierenden lag bei 20,85 Jahren. Da wegen der Covid-19-Pandemie die sonst an t&#252;rkischen Hochschulen geltende Anwesenheitspflicht abgeschafft wurde, lag die regelm&#228;&#223;ige Teilnahme am Online-Seminar zum Zeitpunkt der Fragebogenerhebung bei 64,3 %.</p>
<p>Die Auswertung des Fragebogens zeigte, dass alle Studierenden die Internetseite des Goethe-Instituts kannten und dort den Onleihe-Service (E-Books) im Rahmen des Leseseminars regelm&#228;&#223;ig nutzten. Dagegen kannten nur 21,4 % der Befragten die Instagram-Seite des Goethe-Instituts und sahen sich die dort geposteten Beitr&#228;ge an. 78,6 % der Studierenden gaben an, dass sie Interesse an der Nutzung der digitalen Lernm&#246;glichkeiten des Goethe-Instituts im Seminar h&#228;tten, wobei der Rest unentschieden war. Diese durchaus positive Einstellung kann darauf zur&#252;ckgef&#252;hrt werden, dass 85,7 % der Studierenden darin ein gro&#223;es Potential f&#252;r die Entwicklung ihrer sprachlichen Kompetenzen sehen w&#252;rden. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Ergebnisse des Fragebogens eine positive Grundeinstellung der Studierenden zum geplanten Lernarrangement bezeugten.</p>
</sec>
<sec>
<title>4.2 Gruppeninterview</title>
<p>Das 27-min&#252;tige halbstrukturierte Leitfaden-Gruppeninterview wurde am Semesterende mit vier Studierenden durchgef&#252;hrt, die eine regelm&#228;&#223;ige und aktive Teilnahme am Seminar vorweisen konnten. Durch den Einsatz des Interviews wurden die Evaluation des digitalen Lernarrangements im Seminar sowie die Reflexion des digitalen Leseverhaltens der Studierenden angestrebt.</p>
<p>Im Einzelnen wurden dabei folgende Aspekte fokussiert:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>die Bewertung des digitalen Lernarrangements im Leseseminar,</p></list-item>
<list-item><p>die Reflexion des Leseprozesses im digitalen Umfeld am Beispiel von Stadtkonturen-Texten aus dem Webmagazin des Goethe-Instituts (digitale Lesekompetenzen),</p></list-item>
<list-item><p>die Reflexion des Erstellungsprozesses von digitalen Leseprodukten zu den gelesenen Texten (Medienkompetenzen zur Unterst&#252;tzung des digitalen Lesens).</p></list-item>
</list>
<p>Im Folgenden wird die Auswertung der Antworten pr&#228;sentiert.</p>
<p><bold>Wie bewerten Sie das Lernarrangement zum digitalen Lesen im Seminar?</bold></p>
<p>Es zeigte sich eine insgesamt positive Einstellung der Befragten zum Lesen von digitalen Magazinbeitr&#228;gen, da die Studierenden dadurch landeskundliche Informationen bekommen konnten sowie diese als einen wichtigen Teil der Sprache und der Kultur des Zielsprachenlandes sahen.</p>
<p>Auf die Frage nach dem Nutzwert des digitalen Lernarrangements wurde Folgendes genannt:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>die Verbindung des Sprachenlernens mit den landeskundlichen/interkulturellen Inhalten (2)</p></list-item>
<list-item><p>&#8222;Es war auf jeden Fall sehr n&#252;tzlich, weil es wichtig war, die kulturellen Besonderheiten, St&#228;dte, Gewohnheiten usw. eines Landes kennenzulernen, dessen Sprache wir lernen&#8221; (5&#8211;6DW).</p></list-item>
<list-item><p>&#8222;Es ist eine gute Gelegenheit, die Kultur kennenzulernen&#8221; (14&#8211;15CW).</p></list-item>
<list-item><p>Motivation durch das Lesen digitaler Texte mit pers&#246;nlicher Relevanz und dadurch ein nachhaltigeres Lernen (1)</p></list-item>
<list-item><p>&#8222;Informationen, die wir finden k&#246;nnen, sind begrenzt, aber die Informationen, die wir bei solchen Aufgaben finden, machen mehr Spa&#223; und das, was wir lernen, wird langanhaltender&#8221; (13&#8211;14CW).</p></list-item>
</list>
<p><bold>Wie haben Sie die digitalen Magazinbeitr&#228;ge gelesen?</bold></p>
<p>Im Hinblick auf das Lesen digitaler Texte im Seminar zeigte sich, dass folgende Lesestrategien und -techniken aus dem analogen auf den digitalen Kontext &#252;bertragen wurden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>mehrere Lesedurchg&#228;nge (2)</p></list-item>
<list-item><p>lautes Vorlesen und globales Lesen beim ersten Lesedurchgang, um das Thema und die Schl&#252;sselw&#246;rter zu erfassen (2)</p></list-item>
<list-item><p>Satz f&#252;r Satz-&#220;bersetzen beim zweiten Lesedurchgang (1)</p></list-item>
<list-item><p>Erraten der Bedeutung unbekannter W&#246;rter aus dem Kontext und anhand von Wortbildungsregularit&#228;ten (4)</p></list-item>
<list-item><p>Notieren unbekannter W&#246;rter (2)</p></list-item>
</list>
<p>Dar&#252;ber hinaus stellte sich heraus, dass alle Studierenden bei Verstehensproblemen Online-W&#246;rterb&#252;cher, etwa <italic>Tureng</italic> (mehrsprachig, Deutsch-Englisch), <italic>Duden</italic> (einsprachig, Deutsch) sowie Web2.0-&#220;bersetzungstools wie <italic>Google Translate</italic> nutzten. Anders als beim analogen Lesen wurden dabei nicht nur einzelne W&#246;rter, sondern auch gr&#246;&#223;ere sprachliche Einheiten wie S&#228;tze und Paragraphe durch Kopieren und Einf&#252;gen schnell &#252;bersetzt:</p>
<disp-quote>
<p>Wenn ich den Satz auch im Kontext nicht verstehe, nehme ich <italic>Translate</italic> zur Hilfe, weil einige S&#228;tze sehr lang und mit vielen Konjunktionen verbunden sind. Auch wenn ich die Bedeutung des Wortes kenne, verstehe ich es manchmal nicht (59&#8211;63DW).</p>
</disp-quote>
<p>Eine Probandin (BW) nutzte den digitalen Text als Ausgangspunkt f&#252;r weitere eigenst&#228;ndige Recherchen, indem sie zus&#228;tzliche Informationen auf den entsprechenden Internetseiten &#252;ber die im Text vorkommenden Sehensw&#252;rdigkeiten las und dadurch einen eigenen Hypertext erstellte:</p>
<disp-quote>
<p>Ich habe erforscht, was tats&#228;chlich in den Veranstaltungen oder Orten gemacht wird. Manche haben auch ihre eigenen Internetseiten. Ich habe insbesondere diese recherchiert. Es hat mich dazu gebracht, andere Artikel zu lesen, was eigentlich besser f&#252;r mich war. Ich habe mehr gelernt (81&#8211;84BW).</p>
</disp-quote>
<p><bold>Wie haben Sie die digitalen Leseprodukte zu den gelesenen Magazinbeitr&#228;gen erstellt?</bold></p>
<p>Zu den gelesenen digitalen Magazinbeitr&#228;gen sollten die Studierenden f&#252;nf Wochen lang ein digitales Leseprodukt erstellen. Dadurch sollte der Leseprozess dieser authentischen fremdsprachlichen Texte unterst&#252;tzt und strukturiert werden. Es handelte sich um ein Diagramm bzw. eine Grafik, die zuerst ohne Angabe von Tools (die Studierenden pr&#228;ferierten dabei <italic>Microsoft Word</italic>) und sp&#228;ter nach unserer Vorgabe mit <italic>Padlet</italic> vorbereitet wurden. Nur ein Student (AM) konnte diese Aufgabe erst am Semesterende einreichen, was er mit einem pandemiebedingten Motivationsverlust im Studium begr&#252;ndete.</p>
<p>Die Erstellung von Kreisdiagrammen mit Hilfe von <italic>Microsoft Word</italic> wurde im Interview als umst&#228;ndlich und daher als nicht befriedigend bezeichnet (2). Die Studierenden verwendeten dabei nur Schl&#252;sselw&#246;rter aus den Texten und keine Abbildungen. Dagegen waren alle Befragten, obwohl sie zuvor keine Erfahrungen mit <italic>Padlet</italic> hatten, mit diesem Tool aus folgenden Gr&#252;nden zufrieden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>praktische und einfache Nutzung (2)</p></list-item>
<list-item><p>vorgegebene Schablonen (1)</p></list-item>
<list-item><p>schnelles Einf&#252;gen von Bildern (1)</p></list-item>
</list>
<p>Aufgrund dieser positiven Erfahrungen gaben zwei Studierende (BW, CW) an, dass sie das <italic>Padlet</italic> auch in den bevorstehenden Unterrichtspraktika und sp&#228;ter im Beruf einsetzen wollen.</p>
<p>Bei der Beschreibung des Erstellungsprozesses von digitalen Pinnw&#228;nden mit <italic>Padlet</italic> schilderten zwei Befragte (CW, DW), dass sie ausgew&#228;hlte Bilder, &#220;berschriften bzw. Schl&#252;sselw&#246;rter aus den gelesenen Texten verwendeten. Wie in der Interviewfrage zum digitalen Lesen bereits erw&#228;hnt, f&#252;hrte eine Probandin (CW) eine eigenst&#228;ndige Internetrecherche zum Thema des Textes durch und stellte die Ergebnisse dieser Recherche in Form von Bildern und zus&#228;tzlichen Informationen auf der digitalen Pinnwand zusammen: &#8222;Ich wollte kreativere und andere Dinge schreiben und sie nicht direkt dem Text entnehmen. Deshalb habe ich ein bisschen interpretierend geschrieben&#8221; (85&#8211;86CW).</p>
</sec>
</sec>
<sec>
<title>5 Diskussion und Ausblick</title>
<p>Digitales Lesen bietet durch die Authentizit&#228;t, ein reiches Angebot und die leichte Erreichbarkeit zahlreicher M&#246;glichkeiten f&#252;r den Fremdsprachenunterricht. &#196;hnlich wie bei Arnold (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2009</xref>) zeigten unsere Untersuchungsergebnisse, dass unsere Studierenden, die zu &#8222;Digital Natives&#8221; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Prensky 2001</xref>) geh&#246;ren, ein gro&#223;es Interesse an digitalen Lernm&#246;glichkeiten und eine positive Einstellung zum digitalen Lesen hatten. Unsere Lernenden gaben an, dass die selbst ausgew&#228;hlten Magazinbeitr&#228;ge nicht nur f&#252;r ihre sprachliche Entwicklung eine gute Anregung boten, sondern auch landeskundliche und interkulturelle Informationen vermittelten. Diese positive Einstellung kann u.a. dadurch erkl&#228;rt werden, dass die eingesetzten Texte kein tieferes Verst&#228;ndnis unter Zeitdruck und kein Behalten gr&#246;&#223;erer Informationsmengen erforderten, was auch von Delgado et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2018</xref>) im Hinblick auf Textverst&#228;ndlichkeit bei informativen und narrativen Textsorten festgestellt wurde.</p>
<p>In den Stavanger-Erkl&#228;rungen wird die Frage nach den spezifischen Vorteilen des digitalen Lesens gegen&#252;ber dem Lesen auf dem Papier gestellt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">COST E-READ 2019</xref>). Diese kann f&#252;r unseren Forschungskontext so beantwortet werden, dass das digitale Format das einfachere Verstehen des Gelesenen in der Fremdsprache erm&#246;glicht, weil die Lernenden ihre Verstehensl&#252;cken (Lakunen) durch das einfache und schnelle Kopieren und Einf&#252;gen l&#228;ngerer Textpassagen in die Online-&#220;bersetzungsprogramme schlie&#223;en k&#246;nnen. Das d&#252;rfte dazu f&#252;hren, dass die Lesefl&#252;ssigkeit erh&#246;ht wird und m&#246;gliche Frustrationen vermieden werden.</p>
<p>Beruhend auf den Ergebnissen unserer Untersuchung kann festgestellt werden, dass Magazinbeitr&#228;ge einen geeigneten Kontext f&#252;r digitales Lesen bilden, auf deren Grundlage weitere Lernarrangements entwickelt werden k&#246;nnen. Mit Hilfe sinnvoller Leseauftr&#228;ge, die zum kollaborativen Erstellen innovativer digitaler Leseprodukte f&#252;hren, k&#246;nnte der p&#228;dagogische Mehrwert von Unterrichtsaktivit&#228;ten (vgl. das SAMR-Modell von <xref ref-type="bibr" rid="B27">Puentedura 2006</xref> und <xref ref-type="bibr" rid="B28">2012</xref>) deutlich erh&#246;ht werden.</p>
<p>Der Leseauftrag in unserem Seminar beinhaltete das Erstellen digitaler Leseprodukte. Auf ihre Relevanz u.a. f&#252;r das extensive Lesen weist z.B. auch Leisen (<xref ref-type="bibr" rid="B18">2020: 7</xref>) hin. Bei ihrer Vorbereitung nutzten die Studierenden auf unsere Empfehlung <italic>Padlet</italic> und berichteten im Interview &#252;ber ihre positiven Erfahrungen damit aufgrund der Benutzerfreundlichkeit und Vielseitigkeit, was auch von z.B. Lay/Giblett (<xref ref-type="bibr" rid="B17">2020</xref>) f&#252;r den DaF-Unterricht festgestellt wird.</p>
<p>Sichtbar wird auch, dass das digitale Lesen ein individueller Prozess ist, bei dem die Befragten Strategien aus dem papierbasierten Lesen auf das digitale &#252;bertragen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">do Amaral et al. 2018</xref>), wie etwa das Erschlie&#223;en aus dem Kontext oder Notieren unbekannter W&#246;rter. Unsere Interviewergebnisse zeigten, dass auch &#8222;Digital Natives&#8221; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B26">Prensky 2001</xref>) mit dem unterrichtsbezogenen Lesen von Hypertexten vertraut gemacht werden sollen. Denn nur eine Probandin nahm den Zeitungsartikel zum Anlass, &#252;ber die dort berichteten Orte und Ereignisse zu recherchieren und auf diese Weise durch das extensive Lesen einen eigenen Hypertext zu erstellen. Daher sollten die Besonderheiten des digitalen Lesens im fremdsprachlichen Kontext, Lesestile (insbesondere das extensive Lesen) und Lesestrategien sowie die Eigenschaften von Hypertexten &#8211; z.B. im Rahmen eines hybriden Sprachlerncoachings (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Do&#287;an 2021</xref>) oder einer Sprachlernberatung (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Hoffmann 2019</xref>) &#8211; thematisiert und reflektiert werden.</p>
</sec>
</body>
<back>
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<title>Literatur</title>
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<title>Kurzbio</title>
<p><bold>Nurseza Kele&#351;</bold> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der erziehungswissenschaftlichen Fakult&#228;t der Bursa Uluda&#287; Universit&#228;t (T&#252;rkei). Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen soziale und digitale Medien in der Fremdsprache.</p>
<p><bold>Anastasia &#350;eny&#305;ld&#305;z</bold> ist Professorin an der Deutschabteilung der erziehungswissenschaftlichen Fakult&#228;t der Bursa Uluda&#287; Universit&#228;t (T&#252;rkei). Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Berei-chen des fr&#252;hen Zweispracherwerbs und der Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache.</p>
<disp-quote>
<p><bold>Anschrift:</bold></p>
<p>Nurseza Kele&#351;</p>
<p>Prof. Dr. Anastasia &#350;eny&#305;ld&#305;z</p>
<p>Bursa Uluda&#287; Universit&#228;t</p>
<p>Erziehungswissenschaftliche Fakult&#228;t</p>
<p>Abteilung f&#252;r die Deutschlehrendenausbildung</p>
<p>16159 Bursa, T&#252;rkei</p>
<p>E-Mail: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:nursezakeles@uludag.edu.tr">nursezakeles@uludag.edu.tr</ext-link></p>
<p>E-Mail: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="mailto:asenyildiz@uludag.edu.tr">asenyildiz@uludag.edu.tr</ext-link></p>
<p>Tel.: +902242942272</p>
<p>Tel.: +902242942274</p>
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</sec>
</back>
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