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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<subject>Rezensionen</subject>
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<article-title>Bryant, Doreen &amp; Rinker, Tanja (2021): <italic>Der Erwerb des Deutschen im Kontext von Mehrsprachigkeit.</italic> T&#252;bingen: Narr Francke Attempto. ISBN: 978-3-8233-8322-2. 391 Seiten. 29,90 Euro</article-title>
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<aff id="aff-1">Deutschdidaktik/DaZ, Ludwig-Maximilians-Universit&#228;t M&#252;nchen</aff>
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<p>Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden Fluchtbewegungen stellen Schulen in Deutschland aktuell vor gro&#223;e Herausforderungen. Nicht zuletzt hat die Beschulung gefl&#252;chteter Sch&#252;ler*innen die Frage nach einer ad&#228;quaten Sprachbildung mehrsprachiger Sch&#252;ler*innen erneut aufgeworfen. Die Diskussionen verdeutlichen, dass bestehende Sprachbildungsmodelle im Kontext der Zweitsprachenvermittlung umstritten sind. Insbesondere Translanguaging als sprachwissenschaftliches und didaktisches Konzept (vgl. u.a. <xref ref-type="bibr" rid="B1">Garc&#237;a/Wei 2014</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B2">Panagiotopoulou/Rosen/Strzykala 2020</xref>) hat in den letzten beiden Jahrzehnten dazu beigetragen, dass diese zunehmend infrage gestellt werden. Dabei wird vor allem die Vorstellung von Sprachen als voneinander abgrenzbare Systeme, die dementsprechend neben- und hintereinander zu lernen seien, sowie die (alleinige) Fokussierung auf die Zweitsprache problematisiert. Stattdessen werden mehrsprachige Sprachaneignungsprozesse und -handlungspraxen in den Mittelpunkt von Sprachbildung ger&#252;ckt. Das Studienbuch <italic>Der Erwerb des Deutschen im Kontext von Mehrsprachigkeit</italic> von Doreen Bryant und Tanja Rinker folgt in gewissen Punkten diesem Perspektivenwechsel, wenn es sich sprachkontrastiv den Deutschaneignungsprozessen ann&#228;hert und auf diese Weise der Mehrsprachigkeit von Deutschlernenden Rechnung tragen m&#246;chte.</p>
<p>Die Monographie ist in zwei Teile gegliedert: Nach einem knappen &#220;berblick (Kapitel 0) &#252;ber verschiedene Sprachaneignungsszenarien, der sich der lebensweltlichen Mannigfaltigkeit von Spracherwerbsprozessen und ihrer Erforschung ann&#228;hert, fokussiert der erste Teil auf sieben Sprachbereiche. Dabei werden ausgehend von einem Vergleich des Deutschen mit anderen Sprachen potentiell schwer zu erwerbende Aspekte des Deutschen linguistisch gekl&#228;rt. Der zweite Teil ist forschungsorientiert. F&#252;r sechs Sprachbereiche werden anhand ausgew&#228;hlter empirischer Studien insbesondere Unterschiede zwischen Erst- und Zweitspracherwerb dargestellt.</p>
<p>In Kapitel 0 wird zun&#228;chst mittels dreier Sprachportr&#228;ts die Vielfalt mehrsprachiger Erwerbsverl&#228;ufe versinnbildlicht. Zugleich findet eine Ann&#228;herung an die Forschungsperspektive statt, die dem Studienbuch zugrunde liegt. Der sprachsystematische Zugang sowie die Orientierung an einem monolingualen Spracherwerb des Deutschen als Referenznorm werden offengelegt. Dar&#252;ber hinaus werden vor allem individuelle, in Ans&#228;tzen aber auch institutionelle und gesamtgesellschaftliche Einflussfaktoren diskutiert. In diesem Zusammenhang werden die Annahme einer Kritischen Periode sowie die Unterteilung von Zweitspracherwerbstypen, die prim&#228;r nach dem Erwerbsalter unterschieden werden, auch kritisch betrachtet.</p>
<p>Der erste Teil bietet eine Einf&#252;hrung in die folgenden sieben linguistischen Beschreibungsebenen: 1) Prosodische und lautliche Aspekte, 2) Wortschreibung, 3) Wortbildung, 4) Flexion, 5) Wortstellung, 6) Lokalisierungsausdr&#252;cke und 7) Pr&#228;position-Artikel-Verschmelzung. Bei dem sprachvergleichenden Zugang auf diese Ebenen besteht kein Anspruch auf Vollst&#228;ndigkeit. Stattdessen werden durch die Kontrastierung des Deutschen mit anderen Sprachen Spezifika des Deutschen herausgearbeitet. Davon ausgehend werden diejenigen Ph&#228;nomene des Deutschen abgeleitet, die f&#252;r bestimmte Sprecher*innen anderer Sprachen potentiell schwer zu erwerben sein k&#246;nnen. So wird beispielsweise mit dem Lokalisierungssystem einem Bereich des Deutschen ein ganzes Kapitel (Kapitel 6) gewidmet, der im monolingualen Deutschunterricht nur am Rande eine Rolle spielt, der aber selbst bei einem fr&#252;hen Zweitspracherwerb f&#252;r mehrsprachige Deutschlernende herausfordernd sein kann &#8211; unter anderem auch aufgrund von Unterschieden zu den anderen den Deutschlernenden zur Verf&#252;gung stehenden Sprachen. Jedes Kapitel enth&#228;lt zudem Vorschl&#228;ge f&#252;r die Praxis. Es finden sich Hinweise zur didaktischen Reduktion (z.B. bei der Auseinandersetzung mit dem Pluralsystem), zur unterrichtlichen Progression (z.B. bei der Behandlung der Kasus), aber auch zur konkreten Umsetzung (z.B. die Arbeit mit dem topologischen Satzmodell bei der Thematisierung der Wortstellung).</p>
<p>Der zweite Teil ist im Vergleich zum ersten st&#228;rker lerner*innenorientiert. F&#252;r sechs Lerngegenst&#228;nde (1) Phonologie, 2) Wortschatz, 3) Genus, 4) Plural, 5) Wortstellung, 6) Lokalisierungsausdr&#252;cke) werden nach einer knappen Darlegung von Hintergrundinformationen, die Aneignungsprozesse im monolingualen Deutscherwerb und im Anschluss ausf&#252;hrlicher im zweisprachigen Erwerb bzw. Zweitspracherwerb besprochen. Die Ausf&#252;hrungen sind dabei empiriebasiert. Bei den Darstellungen zum Erstspracherwerb dienen die angef&#252;hrten Studien prim&#228;r als Belege, beispielsweise f&#252;r die Abfolge beim Erwerb bestimmter sprachlicher Ph&#228;nomene, f&#252;r Abweichungstendenzen und/oder f&#252;r die Rolle bestimmter Einflussfaktoren. Zudem werden auch verschiedene Erhebungsmethoden knapp thematisiert. Beim Zweitspracherwerb findet hingegen zus&#228;tzlich noch eine kritische Auseinandersetzung mit ausgew&#228;hlten empirischen Studien statt. Diese werden sowohl im Hinblick auf die zugrundeliegenden Fragestellungen und Hypothesen, auf die Stichproben, auf das methodische Vorgehen als auch auf die Ergebnisse diskutiert. Bei den besprochenen Studien handelt es sich um Untersuchungen, die in der Regel unter Laborbedingungen und h&#228;ufig mit (teil-)standardisierten Erhebungsmethoden durchgef&#252;hrt wurden. Bei der Auswahl der Studien bleiben die Autorinnen ihrer systemlinguistischen Perspektive treu, die Sprachen als klar voneinander trennbare Entit&#228;ten fasst. Es werden keine Studien herangezogen, die translingualen bzw. quersprachigen Praktiken nachgehen. Die pr&#228;sentierten Studien bieten nichtsdestotrotz Einblicke in verschiedene Verfahren zur Erhebung linguistischer Teilkompetenzen sowie einen &#220;berblick &#252;ber empirisch erforschte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen erstsprachlichen und bilingualen bzw. Zweitspracherwerb, zum Teil auch &#252;ber Unterschiede zwischen Deutschlernenden mit unterschiedlichen Erstsprachen.</p>
<p>Das Werk ist f&#252;r einen breiten Personenkreis geeignet: Forschende erhalten mittels der detailliert besprochenen Studien einen &#220;berblick &#252;ber den aktuellen Forschungsstand, der auch Forschungsdesiderate offenlegt. (K&#252;nftig) In der Praxis t&#228;tige Personen k&#246;nnen sich hingegen linguistische Grundlagen des Deutschen aneignen, die f&#252;r eine Sprachbildung essentiell sind. Die Gegen&#252;berstellung von Erst- und Zweitspracherwerb sensibilisiert dabei daf&#252;r, Abweichungen von standardsprachlichen Normen nicht lediglich als Defizite, sondern auch als lernf&#246;rderliche Lernstrategien auf dem Weg zur Aneignung des Deutschen wahrzunehmen. Die Aufgaben, die jedem (Unter-)Kapitel voran- und nachgestellt sind, regen in diesem Zusammenhang nicht nur dazu an, das Gelesene zu rekapitulieren, zu reflektieren und zu vertiefen, sondern auch die neuen Inhalte mit eigenem Vorwissen in Bezug zu setzen. Die zahlreichen Hinweise f&#252;r die institutionelle Vermittlung grammatischer Ph&#228;nomene k&#246;nnen dar&#252;ber hinaus eine erste Orientierung f&#252;r die Gestaltung der (Unterrichts-)Praxis darstellen.</p>
<p>W&#252;nschenswert w&#228;re eine Reflexion dar&#252;ber gewesen, dass Deutschlernen und -sprechen mehr ist als der Erwerb linguistischer F&#228;higkeiten. Insbesondere fehlt eine gesamtgesellschaftliche Einbettung von Sprachaneignungsprozessen, mit der auch die Frage in den Blick ger&#228;t, wer sich unter welchen Bedingungen mit welchen sprachlichen Kompetenzen als Deutschsprecher*in (nicht) positionieren kann. Ausgehend von einer soziolinguistischen Perspektive h&#228;tten auf diese Weise sprachdidaktisch relevante Exklusions- und Inklusionsmechanismen fokussiert werden k&#246;nnen. Auch w&#228;re damit m&#246;glicherweise ein kritischerer Umgang mit Zuschreibungen wie &#8222;deutsche Kinder&#8220;, &#8222;t&#252;rkische Kinder&#8220; oder mit dem Begriff &#8222;Herkunftssprache&#8220; erfolgt. Mit diesen werden Personen nicht nur auf eine &#8218;Herkunft&#8216;, sondern auch auf eine Sprache festlegt und Hierarchisierungen ignoriert, die mit Differenzierungen von &#8218;Erstsprache &#8211; Zweitsprache&#8216;, &#8218;deutsch &#8211; nicht-deutsch&#8216; einhergehen. Nicht zuletzt ist die im Studienbuch dominante monolinguale Perspektive auf die Mehrsprachigkeit problematisch, die Zweisprachigkeit als Summe aus zwei Sprachen konzeptualisiert und zwei- bzw. mehrsprachigen Personen an monolingualen Ma&#223;st&#228;ben misst. Wohl auch deswegen wird ein sprachkontrastives Arbeiten prim&#228;r als etwas thematisiert, das vor und nicht im Unterricht passiert. Die Potentiale eines sprachvergleichenden und mehrsprachigen Zugangs im Rahmen institutioneller Sprachbildung bleiben &#252;ber weite Teile des Buches unber&#252;cksichtigt.</p>
<p>Diese Kritik m&#246;chte nicht die Relevanz der in diesem Buch zusammengetragenen Inhalte infrage stellen. Auch eine Sprachbildung, die an einem dynamischen Konzept von Mehrsprachigkeit und einer gesamtgesellschaftlichen Verortung interessiert ist, kommt um eine linguistische Fundierung nicht herum. Insbesondere der erste Teil des Studienbuchs stellt eine geeignete Grundlage dar, von der aus auch eine solche Sprachbildung gedacht werden kann.</p>
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<ref id="B2"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Panagiotopoulou</surname>, <given-names>Julie A.</given-names></string-name>; <string-name><surname>Rosen</surname>, <given-names>Lisa</given-names></string-name> &amp; <string-name><surname>Strzykala</surname>, <given-names>Jenna</given-names></string-name> (Hrsg.) (<year>2020</year>): <source>Inclusion, Education and Translanguaging</source>. <publisher-loc>Wiesbaden</publisher-loc>: <publisher-name>Springer VS</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
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