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<journal-title>Zeitschrift f&#252;r Interkulturellen Fremdsprachenunterricht</journal-title>
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<issn pub-type="epub">1205-6545</issn>
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<publisher-name>Universit&#228;ts- und Landesbibliothek Darmstadt</publisher-name>
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<article-id pub-id-type="doi">10.48694/tujournals-XX</article-id>
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<subject>Themenschwerpunkt: korpora in daf und daz: theorie und praxis</subject>
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<article-title>Korpustraining und datengest&#252;tztes Lernen im Wirtschaftsdeutsch-Unterricht</article-title>
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<surname>Krekeler</surname>
<given-names>Christian</given-names>
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<email>krekeler@htwg-konstanz.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Hochschule Konstanz HTWG, Alfred-Wachtel-Str. 8, 78462 Konstanz</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2021-04-01">
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<year>2021</year>
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<year>2021</year>
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<copyright-year>2021</copyright-year>
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<abstract>
<p>Beim <italic>data-driven learning</italic> (DDL) werden Lernerinnen und Lerner angeleitet, sprachliche Muster mit Hilfe von Korpuswerkzeugen zu entdecken und eigene Korpusabfragen durchzuf&#252;hren. Am Beispiel einer Unterrichtseinheit f&#252;r den Wirtschaftsdeutsch-Unterricht wird der Einsatz von DDL erl&#228;utert. Es wird deutlich, welche Chancen korpuslinguistische Verfahren bieten, aber auch, welche Probleme beim DDL auftreten k&#246;nnen. Vor allem f&#252;r die Planung des Fachsprachenunterrichts k&#246;nnen korpuslinguistische Analysen hilfreich sein: Zu nennen sind die Bedarfsermittlung, die Auswahl von Materialien, die Identifizierung von typischem Wortschatz und h&#228;ufigen Mustern sowie die Erstellung von &#220;bungsmaterialien. Das Praxisbeispiel, das auf andere Kontexte &#252;bertragen werden kann, illustriert, wie sich korpuslinguistische Verfahren und DDL auf die Unterrichtsplanung und -durchf&#252;hrung auswirken: Sprache wird als Datenmenge betrachtet; der Fokus liegt auf sprachlichen Mustern; Fragen nach der Korrektheit bzw. der Angemessenheit werden thematisiert.</p>
<p>Data-driven learning (DDL) involves learners&#8217; use of corpora to discover frequent lexical bundles and carry out their own corpus research. The paper presents a teaching unit in a Business German course highlighting how corpora can support teachers in their lesson planning, how DDL can be implemented and how corpus literacy can be developed. Corpus tools can support the planning of teaching languages for specific purposes in different ways: These include needs analysis, materials design, the identification of relevant vocabulary and lexical bundles, as well as task creation. The practical example, which can be adopted to fit other contexts, illustrates how DDL affects planning and teaching: language is viewed as data, the focus is on lexical bundles, learners have to deal with questions of correctness and appropriateness.</p>
</abstract>
<kwd-group>
<kwd>datengesteuertes Lernen</kwd>
<kwd><italic>data-driven learning</italic></kwd>
<kwd>Korpustraining</kwd>
<kwd><italic>corpus literacy</italic></kwd>
<kwd>Fachsprachen</kwd>
<kwd>Wirtschaftsdeutsch</kwd>
<kwd>data-driven learning</kwd>
<kwd>corpus literacy</kwd>
<kwd>German for specific purposes</kwd>
<kwd>Business German</kwd>
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<list list-type="gloss">
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<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>1</bold></p></list-item>
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</list-item>
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<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Einleitung</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Beim <italic>Data-driven learning</italic> (DDL) werden Lernerinnen und Lerner angeleitet, Korpora und Korpuswerkzeuge f&#252;r ihren Spracherwerb zu nutzen. Das Konzept des datengest&#252;tzten Lernens ist nicht neu (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B35">Johns 1991</xref>), es liegen Unterrichtskonzepte vor (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B29">Friginal 2018</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B38">Lenko-Szymanska/Boulton 2015</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Mukherjee 2008</xref>), die Wirkungsforschung zeigt, dass positive Ergebnisse erzielt werden k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017</xref>), und an den technischen Voraussetzungen sollte die Umsetzung nicht mehr scheitern. Doch ist die mehrfach ausgerufene Korpusrevolution (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017: 388</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B41">Mukherjee 2008: 31</xref>) im Fremdsprachenunterricht angekommen? Vor allem mit Blick auf den Deutsch als Fremdsprache-Unterricht sind Zweifel angebracht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B24">Fandrych/Tschirner 2007</xref>). Die &#252;berwiegende Mehrzahl der ver&#246;ffentlichten Studien und Praxisberichte bezieht sich auf den Einsatz im Englischunterricht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017</xref>), Berichte &#252;ber den Einsatz im Deutsch als Fremdsprache-Unterricht findet man eher selten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B25">Flinz 2020</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B26">Flinz/Katelh&#246;n 2020</xref>).</p>
<p>Der folgende Praxisbericht beruht auf einer Unterrichtseinheit, mit der eine Evolution des Wirtschaftsdeutsch-Unterrichts durch die Integration eines Korpustrainings und die Ber&#252;cksichtigung der Korpuslinguistik f&#252;r die Planung erfolgen sollte. F&#252;r den Fachsprachenunterricht, bei dem die Lernerinnen und Lerner sprachliche Handlungsf&#228;higkeit im Fach erwerben sollen, wird der Einsatz von Korpora als besonders relevant angesehen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Boulton 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cotos 2017</xref>). Mit Korpusrecherchen k&#246;nnen Informationen &#252;ber den authentischen Sprachgebrauch im Fach gewonnen werden. Durch die automatische Analyse gro&#223;er Textmengen k&#246;nnen sprachliche Muster zutage gef&#246;rdert werden, die im Fach h&#228;ufig verwendet werden und die bei der Analyse einzelner Texte nicht notwendigerweise identifiziert werden. Diese Informationen k&#246;nnen einerseits von Lehrkr&#228;ften, die &#252;ber eine geringe Erfahrung mit dem Sprachgebrauch im Fach verf&#252;gen, f&#252;r die Planung genutzt werden und andererseits auch von Lernenden, die sie sich mit den Kommunikationsformen im Fach vertraut machen m&#246;chten. Voraussetzung ist ein Korpus, das den spezifischen Sprachgebrauch erfasst.</p>
<p>Im vorliegenden Beitrag wird eine Unterrichtseinheit beschrieben, zudem werden die Erfahrungen aus der Unterrichtseinheit genutzt, um die in der fachdidaktischen Literatur vertretenen Positionen kritisch zu reflektieren: Zun&#228;chst werden Erfahrungen mit der Planung der Unterrichtseinheit erl&#228;utert (Themen 1 und 2), anschlie&#223;end wird auf den Unterricht und Einfluss der Methode auf die Inhalte eingegangen (Themen 3 bis 6), schlie&#223;lich werden didaktische Konzepte hinterfragt, die mit Blick auf DDL postuliert werden (Themen 7 bis 9).</p>
<list list-type="order">
<list-item><p><bold>Planung: Korpuswerkzeuge f&#252;r die Planung nutzen</bold></p>
<p>Sind Korpusanalysen und Korpuswerkzeuge sinnvolle Planungshilfen f&#252;r den Fremdsprachenunterricht? Korpusanalysen k&#246;nnen Informationen aus gro&#223;en Textmengen verdichten. Sie f&#252;hren aber zu einer zus&#228;tzlichen Datenflut. Es ist zu kl&#228;ren, wie sinnvoll die zus&#228;tzlichen Informationen f&#252;r die Planung sind.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Planung: Korpora ausw&#228;hlen</bold></p>
<p>Ein Korpus ist eine Sammlung von Texten, die so aufbereitet ist, dass die Texte mit Korpuswerkzeugen ausgewertet werden k&#246;nnen. F&#252;r den Erfolg der Recherchen spielt die Auswahl der Korpora eine entscheidende Rolle. Welche Korpora eignen sich f&#252;r die Unterrichtsplanung und f&#252;r DDL?</p></list-item>
<list-item><p><bold>Unterricht: Sprachliche Muster thematisieren</bold></p>
<p>Durch den Einsatz von Korpora r&#252;cken sprachliche Muster in den Fokus, was beim DDL f&#252;r die Vermittlung genutzt wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B44">Pellicer-Sanchez/ Boers 2019</xref>). Die Ber&#252;cksichtigung der Korpuslinguistik im Fremdsprachenunterricht legt eine Besch&#228;ftigung mit sprachlichen Mustern nahe. Ist dieser Fokus sinnvoll?</p></list-item>
<list-item><p><bold>Unterricht: Mit Konkordanzen Lernen</bold></p>
<p>Ein zentraler Aufgabentyp beim datengest&#252;tzten Lernen mit Korpora ist die Analyse von Konkordanzen, die in einer <italic>Key Word in Context</italic>-Ansicht (KwiC-Ansicht) Ansicht pr&#228;sentiert werden. Es ist zu fragen, wie effizient es ist, Lernerinnen und Lerner Fragen zum Sprachgebrauch mit einer Analyse von Konkordanzen kl&#228;ren zu lassen.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Unterricht: Fehlerkorrekturen durchf&#252;hren</bold></p>
<p>Eine weitere typische Aufgabenstellung, die in der Literatur zum DDL h&#228;ufig erw&#228;hnt wird, ist die Fehlerkorrektur durch die Lernerinnen und Lerner mittels Korpusabfragen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">Bridle 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B19">Crosthwaite 2017</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B31">Gaskell/Cobb 2004</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B32">Gilquin/Granger 2010</xref>). K&#246;nnen Lernerinnen und Lerner ohne sprachwissenschaftliche Kenntnisse angeleitet werden, komplexe Korpusrecherchen f&#252;r Fehlerkorrekturen zu planen und durchzuf&#252;hren?</p></list-item>
<list-item><p><bold>Unterricht: Korrektheit/Angemessenheit thematisieren</bold></p>
<p>Die Besch&#228;ftigung mit Korpora f&#252;hrt zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Korrektheit/Angemessenheit, denn Korpora spiegeln den uneinheitlichen Sprachgebrauch wider und sind keine Regelwerke (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">L&#252;deling/ Walter 2010</xref>). Ist diese Auseinandersetzung sinnvoll?</p></list-item>
<list-item><p><bold>Didaktik: Zum Konzept des entdeckenden Lernens</bold></p>
<p>Ziel des DDL ist es, die Lernerinnen und Lerner in die Lage zu versetzen, eigene Korpusrecherchen f&#252;r spezifische Fragen zum Sprachgebrauch zu nutzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B13">Chambers 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B28">Flowerdew 2012</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B32">Gilquin/Granger 2010</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B34">Hadley 2002</xref>). Bei der Kennzeichnung des didaktischen Konzepts beruft man sich auf das entdeckende Lernen und die Lernerautonomie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B16">Cobb/Biber 2015</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B17">Conrad/LeVelle 2008: 547&#8211;548</xref>). Es ist jedoch zu fragen, ob das entdeckende Lernen als didaktisches Konzept ausreicht.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Didaktik: Zur Rolle der Lehrperson</bold></p>
<p>DDL wird mit Lernerzentriertheit und Lernerautonomie verbunden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B41">Mukherjee 2008: 43</xref>). Zu kl&#228;ren ist, welche Rolle die Lehrperson beim DDL tats&#228;chlich aus&#252;ben muss und ob zumindest bei der Einf&#252;hrung auch eine hohe Steuerungsfunktion der Lehrperson erforderlich ist.</p></list-item>
<list-item><p><bold>Didaktik: Corpus Literacy vermitteln</bold></p>
<p>Die angestrebte hohe Autonomie beim Umgang mit Korpora setzt <italic>Corpus Literacy</italic> voraus. Im Kontext von Fremdsprachenvermittlung wird mit Corpus Literacy die F&#228;higkeit bezeichnet, Korpora f&#252;r den Spracherwerb zu nutzen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B43">O&#8217;Sullivan 2007</xref>). Wer &#252;ber Corpus Literacy verf&#252;gt, wei&#223;, was ein Korpus ist, welche Informationen man mit einer Korpusrecherche generieren kann, wie man Konkordanzen interpretiert und wie Korpusabfragen zum besseren Sprachverst&#228;ndnis beitragen k&#246;nnen (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B40">Mukherjee 2006: 14</xref>). Es soll diskutiert werden, ob dieser Ansatz in der Unterrichtseinheit &#252;berzeugen konnte.</p></list-item>
</list>
<p>Bevor in Kapitel 03 auf diese Aspekte eingegangen wird, werden die Unterrichtsplanung und die Unterrichtsschritte beschrieben.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>2</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Eine Unterrichtseinheit aus dem Wirtschaftsdeutsch-Unterricht</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Gegenstand des Beitrags ist eine Unterrichtseinheit aus dem Wirtschaftsdeutsch-Unterricht im Studienkolleg der Hochschule Konstanz, die ab dem Wintersemester 2018/19 mehrmals in abge&#228;nderter Form durchgef&#252;hrt wurde. Das inhaltliche Thema der Unterrichtseinheit war Influencer Marketing, eine Form des Empfehlungsmarketings, bei dem Unternehmen Personen mit einer hohen Pr&#228;senz in Online-Medien f&#252;r das Marketing nutzen, welche die Zielgruppe des Unternehmens besonders gut erreichen. Am Unterricht nahmen zwischen 20 und 30 Lernerinnen und Lerner teil, die sich auf ein wirtschaftswissenschaftliches Hochschulstudium vorbereiteten. Die Deutschkenntnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lagen &#252;ber dem Niveau B1. Damit verf&#252;gten sie &#252;ber die sprachlichen Voraussetzungen, um von einem Korpustraining profitieren zu k&#246;nnen.</p>
<p>Im Wirtschaftsdeutsch-Unterricht findet eine Verbindung zwischen fachlichem und sprachlichem Lernen statt. Die Unterrichtseinheiten beinhalten zudem Unterrichtsprojekte, die als Klammer zwischen den inhaltlichen und sprachlichen Bestandteilen des Unterrichts fungieren und die im Sinne einer Bedarfsermittlung als Orientierungspunkt f&#252;r die Vermittlung dienen. Das gilt auch f&#252;r die Unterrichtseinheit zum Influencer Marketing, in die das Korpustraining integriert ist.</p>
<p>Ein &#252;berfachliches Anliegen des Unterrichts ist die Vermittlung studienrelevanter Lernstrategien, die Vorbereitung auf das wissenschaftliche Arbeiten im Studium und den Umgang mit Quellen. Auch mit dem Korpustraining sollen Lernstrategien vermittelt und Medienkompetenzen gef&#246;rdert werden.</p>
<p>Im Folgenden werden die Unterrichtsschritte beschrieben. Dabei gilt dem Einsatz von Korpora ein besonderes Augenmerk, andere Aspekte wie inhaltliche Themen und die Sozialformen werden nur erw&#228;hnt, wenn es f&#252;r das Verst&#228;ndnis des Ablaufs erforderlich ist.</p>
<p><bold>Einstieg in die Unterrichtseinheit:</bold> Zu Beginn wurden die Lernerinnen und Lerner &#252;ber den Ablauf, die Inhalte und Ziele der Unterrichtseinheit informiert (<xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>). Sie erfuhren, dass sie in dem Unterrichtsprojekt einen geeigneten Influencer f&#252;r ein Unternehmen identifizieren und ihre Empfehlung in einem kurzen Bericht und einer Pr&#228;sentation erl&#228;utern sollen (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>). Im Sinne eines <italic>advance organizers</italic> wurden die drei zentralen Bestandteile der Unterrichtseinheit vorgestellt: das Thema, die Sprache und das Projekt. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass sprachliche Muster erarbeitet werden und dass die Nutzung von Korpora als Lernstrategie vermittelt wird. Somit erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erste Hinweise auf die Arbeit mit Korpora.</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: Unterrichtsmaterial zum Einstieg in die Unterrichtseinheit &#8222;Influencer Marketing&#8220;</p>
</caption>
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</fig>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: Unterrichtsmaterial: Informationen zum Unterrichtsprojekt</p>
</caption>
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</fig>
<p>Zur Einf&#252;hrung in das Thema wurden Videos von Influencern gezeigt, unter anderem das Video einer Studentin, die &#252;ber ihre Reisevorbereitungen berichtet und dabei einen Rucksack vorstellt. Der inhaltliche Input erfolgte sp&#228;ter &#252;ber einen Fachtext, in dem das Influencer Marketing aus betriebswirtschaftlicher Perspektive betrachtet wird (siehe Textauszug in <xref ref-type="fig" rid="F3">Abb. 3</xref>). Im Text werden Informationen zur Bedeutung des Influencer Marketings gegeben, es werden Kennzahlen zur Wirkung von Influencern vorgestellt und es wird dar&#252;ber berichtet, wie die Honorierung von Influencern erfolgen kann.</p>
<fig id="F3">
<caption>
<p>Abb. 3: Unterrichtsmaterial: Text &#8222;Influencer Marketing&#8220; (Auszug)</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g3.png"/>
</fig>
<p><bold>Die H&#228;ufigkeit &#8218;unbekannter&#8216; englischer W&#246;rter ermitteln:</bold> Mit den folgenden Aktivit&#228;ten wurde das Lesen des Fachtextes vorentlastet und es erfolgte eine Hinf&#252;hrung zu eigenen Korpusabfragen. Da der Fachtext viele englische W&#246;rter enth&#228;lt, wurden zwei Aufgaben zum Umgang mit englischen W&#246;rtern im Deutschen gestellt. In einer Aufgabe ging es um m&#246;gliche &#220;bersetzungen (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4, Aufgabe 2</xref>), in einer weiteren Aufgabe sollten die Lernerinnen und Lerner eine quantitative Korpusabfrage durchf&#252;hren (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4, Aufgabe 3</xref>). Mit Abfragen im Korpus &#8222;Deutscher Wortschatz&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Abteilung Automatische Sprachverarbeitung 2020</xref>) sollten sie ermitteln, wie oft englische Begriffe im Vergleich zu deutschen &#220;bersetzungen verwendet werden (Aufgabe 3a). Anschlie&#223;end sollten sie die H&#228;ufigkeit von Lehnw&#246;rtern wie <italic>sponsern</italic> bzw. <italic>sponsorn</italic> erheben und &#252;berpr&#252;fen, welche Bildung bzw. Schreibung des Partizips II h&#228;ufiger ist (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4, Aufgabe 3b/c</xref>). F&#252;r die Lernerinnen und Lerner war dies ihre erste Besch&#228;ftigung mit Korpusrecherchen in der Unterrichtseinheit, bei der sie auch mit zentralen Konzepten vertraut gemacht wurden (zum Beispiel mit <italic>H&#228;ufigkeitsklassen</italic>). Anlass f&#252;r die Thematisierung der englischen Begriffe waren korpuslinguistische Analysen. Vorausgegangen war eine Analyse des Fachtextes mit dem Programm QuAXDaF (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Jach 2020</xref>). Das Programm, das Texte im Vergleich zu einem Referenzkorpus analysiert, weist unter anderem die W&#246;rter aus, die dem Programm unbekannt, das hei&#223;t im Referenzkorpus nicht vorhanden sind. So wurden die englischen Begriffe, die im Text verwendet werden, als unbekannt ausgewiesen. Da Texte zum Thema Marketing h&#228;ufig englische Begriffe enthalten, wurde der Hinweis zum Anlass genommen, den Umgang mit englischen W&#246;rtern im Deutschen als Lerngegenstand zu behandeln.</p>
<fig id="F4">
<caption>
<p>Abb. 4: Unterrichtsmaterial: Aufgaben zu englischen W&#246;rtern</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g4.png"/>
</fig>
<p><bold>Mit Konkordanzen zu Schl&#252;sselw&#246;rtern arbeiten:</bold> Im folgenden Unterrichtsschritt wurden die Lernerinnen und Lerner erstmals mit Konkordanzen in der <italic>Key-Word-in-Context</italic>-Ansicht (KWiC-Ansicht) konfrontiert (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref>). In der Korpuslinguistik werden W&#246;rter als Schl&#252;sselw&#246;rter (<italic>keywords</italic>) bezeichnet, wenn sie &#252;ber eine &#8222;Keyness&#8220; verf&#252;gen, das hei&#223;t in dem untersuchten Korpus signifikant h&#228;ufiger als in einem Referenzkorpus vorkommen (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Bubenhofer 2017: 74</xref>). Die Verwendung eines Schl&#252;sselwortes bzw. eines Suchbegriffs im Korpus wird mit Trefferlisten verdeutlicht, bei denen der Kontext des Suchbegriffs enthalten ist. F&#252;r dieses Darstellungsformat von Konkordanzen wird auch die Bezeichnung <italic>Key-Word-in-Context</italic> (KWiC) verwendet.</p>
<p>Eine Analyse mit dem Programm QuAXDaF (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Jach 2020</xref>) zeigt, dass dem Wort <italic>Reichweite</italic> im Text &#8222;Influencer Marketing&#8220; die Rolle eines Schl&#252;sselwortes zukommt. Daher wurde eine &#220;bungsreihe zu <italic>Reichweite</italic> mit Konkordanzen aus dem Text durchgef&#252;hrt, die vier Schritte umfasste (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref>):</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Pr&#228;sentation des Schl&#252;sselwortes in der KWiC-Ansicht (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5, Aufgabe 4</xref>);</p></list-item>
<list-item><p>Pr&#228;sentation sprachlicher Muster/Kollokationen, die aus den Konkordanzen abgeleitet sind (Aufgabe 4);</p></list-item>
<list-item><p>Verwendung der Kollokationen in einer &#220;bungsaufgabe (Aufgabe 5);</p></list-item>
<list-item><p>Aufgabe zur Sprachproduktion (Aufgabe 6).</p></list-item>
</list>
<fig id="F5">
<caption>
<p>Abb. 5: Unterrichtsmaterial: Kollokationen zum Schl&#252;sselwort &#8222;Reichweite&#8220;</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g5.png"/>
</fig>
<p>Der methodische Weg bestand somit aus Pr&#228;sentation, &#220;bung und Anwendung. Es fand ein rezeptiver Umgang im Sinne eines Expositionslernens (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B37">Kollosche 2017</xref>) bzw. einer &#8222;deduktiven&#8220; Vorgehensweise statt (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B20">DeKeyser/Sokalski 2001</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B23">Ellis/Shintani 2014: 84&#8211;90</xref>).</p>
<p><bold>Sprachliche Muster aus Konkordanzen entwickeln:</bold> Im folgenden Unterrichtsschritt sollten die Lernerinnen und Lerner nicht mehr nur rezeptiv mit Konkordanzen umgehen, sondern sie nutzen, um selbst sprachliche Muster zu entdecken (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>). Es wurde ein &#8222;induktiver&#8220; methodischer Weg (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Ellis/ Shintani 2014: 83&#8211;93</xref>) beschritten, der typisch f&#252;r das entdeckende Lernen mit Konkordanzen ist:</p>
<disp-quote>
<p>LOOK at concordances for the key term and words surrounding it, thinking of meaning.</p>
<p>FAMILIARIZE yourself with the patterns of language surrounding the key term by referring to the concordances as you complete the tasks.</p>
<p>PRACTISE key terms without referring to the concordances.</p>
<p>CREATE your own piece of writing using the terms studied to fulfil a particular function of academic writing (<xref ref-type="bibr" rid="B49">Thurston/Candlin 1998: 272</xref>; Versalien im Original).</p>
</disp-quote>
<fig id="F6">
<caption>
<p>Abb. 6: Unterrichtsmaterial: sprachliche Muster zu &#8222;Prozent&#8220;</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g6.png"/>
</fig>
<p>Die Vorgehensweise in der Unterrichtseinheit, die sich an dieser Abfolge orientierte, m&#252;ndete in ein Miniprojekt (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 9</xref>).</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Lesen der Konkordanzen zu <italic>Prozent</italic> (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 7</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>Ableitung eines sprachlichen Musters aus den Konkordanzen (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 7</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>&#220;ben des sprachlichen Musters (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 8</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>Anwendung des sprachlichen Musters in einem Text bzw. einer Pr&#228;sentation zu einem neuen Thema (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 9</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Die gew&#228;hlte Vorgehensweise beinhaltete entdeckendes Lernen mit Konkordanzen, bei dem die Komplexit&#228;t allerdings stark reduziert war. Es wurden nur wenige Konkordanzen pr&#228;sentiert, die alle das sprachliche Muster enthalten, so dass sich das gesuchte sprachliche Muster leicht ableiten lie&#223;.</p>
<p><bold>Sprachliche Muster mit Konkordanzen &#252;ben:</bold> KWiC-Ansichten k&#246;nnen auch f&#252;r die Erstellung von einfachen &#220;bungen mit authentischen, aber unverbundenen S&#228;tzen genutzt werden (<xref ref-type="fig" rid="F7">Abb. 7</xref>). Dieser Aufgabentyp, bei dem die Lernerinnen und Lerner fehlende Suchbegriffe eintragen sollen, wird h&#228;ufig beim <italic>Computer-Assissted Language Learning</italic> verwendet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B15">Cobb 2019</xref>).</p>
<fig id="F7">
<caption>
<p>Abb. 7: Unterrichtsmaterial: KWiC-Ansichten als &#220;bungsaufgabe</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g7.png"/>
</fig>
<p><bold>Lesen und Sprechen:</bold> Zur Vorbereitung auf das Projekt (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>) folgten Aufgaben zum Lesen (<xref ref-type="fig" rid="F8">Abb. 8</xref>), zum Sprechen (<xref ref-type="fig" rid="F9">Abb. 9</xref>) und zum Schreiben (<xref ref-type="fig" rid="F10">Abb. 10</xref>). Beim Lesen des Textes &#8222;Influencer Marketing&#8220; sollten die Lernerinnen und Lerner zentrale Begriffe und Konzepte exzerpieren, die sie f&#252;r den Bericht ben&#246;tigen (<xref ref-type="fig" rid="F8">Abb. 8, Aufgabe 11</xref>). Mit den Aufgaben zum Sprechen sollte die Pr&#228;sentation vorbereitet werden. Zun&#228;chst wurde der Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache thematisiert. Dazu sollten Aussagen aus dem Text in gesprochene Sprache umformuliert werden (<xref ref-type="fig" rid="F9">Abb. 9, Aufgabe 12</xref>). Au&#223;erdem wurden Aufgaben zur Pausierung beim Sprechen gestellt (<xref ref-type="fig" rid="F9">Abb. 9, Aufgabe 13 und Aufgabe 14</xref>).</p>
<fig id="F8">
<caption>
<p>Abb. 8: Unterrichtsmaterial zum Lesen</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g8.png"/>
</fig>
<fig id="F9">
<caption>
<p>Abb. 9: Unterrichtsmaterial zum Sprechen bzw. zur Vorbereitung der Pr&#228;sentation</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g9.png"/>
</fig>
<p><bold>Schreiben &#8211; Muster recherchieren:</bold> Vor der eigentlichen Arbeit am Projekt (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>) wurden vorbereitende Aufgaben zum Schreiben durchgef&#252;hrt. Die Lernerinnen und Lerner sollten geeignete Formulierungen f&#252;r ihren Bericht bzw. ihre Pr&#228;sentation mittels Korpusrecherchen identifizieren (<xref ref-type="fig" rid="F10">Abb. 10, Aufgabe 15</xref>). Dabei wurde eine f&#252;r das DDL typische Vorgehensweise gew&#228;hlt.</p>
<list list-type="order">
<list-item><p>Formulate the question.</p></list-item>
<list-item><p>Devise a search strategy.</p></list-item>
<list-item><p>Observe the examples and select relevant ones.</p></list-item>
<list-item><p>Draw conclusions (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Kennedy/Miceli 2001: 82</xref>).</p></list-item>
</list>
<fig id="F10">
<caption>
<p>Abb. 10: Unterrichtsmaterial zum Schreiben bzw. zur Vorbereitung des Berichts</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="krekeler-26-1-05-g10.png"/>
</fig>
<p>Im Unterricht wurde die Methode zun&#228;chst an einem Beispiel erl&#228;utert. Es wurde gezeigt, wie man sprachliche Muster, mit denen man eine <italic>Eignung</italic> ausdr&#252;cken kann, mit Korpusabfragen ermittelt. Die Lernerinnen und Lerner mussten lediglich im letzten Schritt die Muster vervollst&#228;ndigen (Aufgabe 15a). In der folgenden Aufgabe (15b) wurden die Suchw&#246;rter vorgegeben (<italic>passen, passt</italic>). Die Lernerinnen und Lerner mussten selbst eine Suche durchf&#252;hren, Beispiels&#228;tze auswerten und Muster bilden. Schlie&#223;lich wurde nur die Frage vorgegeben (&#252;ber <italic>Verg&#252;tung</italic> berichten), die &#252;brigen Schritte mussten von den Lernerinnen und Lernern ausgef&#252;hrt werden (Aufgabe 15c). Durch die ansteigende Komplexit&#228;t der Recherchen sollten die Lernerinnen und Lerner schrittweise zur Durchf&#252;hrung eigener Recherchen angeleitet werden.</p>
<p><bold>Korpusrecherchen f&#252;r Fehlerkorrekturen nutzen:</bold> Nachdem geeignete Formulierungen f&#252;r den Bericht mit Korpusrecherchen identifiziert wurden, sollten exemplarisch Fehlerkorrekturen durchgef&#252;hrt werden (<xref ref-type="fig" rid="F11">Abb. 11, Aufgabe 16</xref>). Die Lernerinnen und Lerner arbeiteten mit S&#228;tzen, die Fehler oder un&#252;bliche Formulierungen enthielten. Mit stark vorstrukturierten Recherchen identifizierten sie geeignete Muster f&#252;r die &#220;berarbeitung. Die ausgew&#228;hlten Fehler beruhten auf unterschiedlichen Fehlerursachen bzw. Lernschwierigkeiten: Wie wird die Wechselpr&#228;position <italic>auf</italic> verwendet (15a), welcher Kollokator passt zu <italic>Empfehlung</italic> als Kollokationsbasis (15b), wann entf&#228;llt <italic>es</italic> als formales Subjekt (15c)? Die sprachlichen Fragen wurden hier im Sinne einer impliziten Vermittlung &#252;ber die Identifikation von Mustern gekl&#228;rt, nicht &#252;ber explizite Erkl&#228;rungen der Grammatik.</p>
<fig id="F11">
<caption>
<p>Abb. 11: Unterrichtsmaterial zur Fehlerkorrektur mit Korpusrecherchen</p>
</caption>
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</fig>
<p><bold>Arbeit am Projekt und Projektpr&#228;sentation:</bold> Abschlie&#223;end erfolgte die eigentliche Arbeit am Projekt (<xref ref-type="fig" rid="F2">Abb. 2</xref>). Die Lernerinnen und Lerner recherchierten in einer Datenbank mit Influencern, w&#228;hlten eine Influencerin/einen Influencer aus, erhoben Kennzahlen (Reichweite, Relevanz und Resonanz) und erarbeiteten Vorschl&#228;ge f&#252;r die Honorierung. Sie verfassten den Bericht im Unterricht, wurden dabei beraten und gegebenenfalls auf Korpusrecherchen hingewiesen. Sie konnten aber frei w&#228;hlen, ob sie bei sprachlichen Fragen eine Korpusrecherche durchf&#252;hren, mit anderen Quellen arbeiten oder einfach jemanden fragen. Zum Schluss legten die Lernerinnen und Lerner ihre Berichte vor und hielten kurze Pr&#228;sentationen.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Reflexionen zum Einsatz von Korpora im Unterricht</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Im folgenden Teil des Beitrags werden die Erfahrungen aus der Praxis vor dem Hintergrund fachdidaktischer Positionen und Erkenntnisse reflektiert. Dabei wird zun&#228;chst auf die Planung, dann auf den Unterricht und schlie&#223;lich auf didaktische Positionen eingegangen.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.1</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Planung: Korpuswerkzeuge f&#252;r die Planung nutzen</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Sind Korpusanalysen und Korpuswerkzeuge sinnvolle Planungshilfen f&#252;r den Fremdsprachenunterricht? Die Planung der Unterrichtseinheit &#8222;Influencer Marketing&#8220; wurde durch den Einsatz der Korpusanalysen zwar nicht revolutioniert, der Einsatz erwies sich aber als sinnvoll und hilfreich. Ausgangspunkt meiner Planung war eine Analyse des Texts &#8222;Influencer Marketing&#8220;, der mit Korpuswerkzeugen ausgewertet wurde. Dazu wurden AntConc (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Anthony 2020</xref>), WordSmith (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Lexical Analysis Software 2020</xref>) und QuAXDaF (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Jach 2020</xref>) genutzt. F&#252;r die Planung f&#252;hrte ich au&#223;erdem Abfragen im Korpus &#8222;Deutscher Wortschatz&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Abteilung Automatische Sprachverarbeitung 2020</xref>), im &#8222;Deutschen Referenzkorpus&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Leibniz-Institut f&#252;r Deutsche Sprache 2020</xref>) und in einem eigenen Korpus mit 68 Dissertationen aus der Betriebswirtschaftslehre durch. Die Analysen unterst&#252;tzten die Identifikation lernrelevanter Inhalte, die Festlegung der Vermittlungsziele und die Gestaltung von &#220;bungen.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Der Hinweis auf das h&#228;ufige Vorkommen &#8218;unbekannter&#8216; englischer W&#246;rter war der Anlass f&#252;r Aufgabenstellungen dazu (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>Zu Schl&#252;sselw&#246;rtern und h&#228;ufigen sprachlichen Mustern, die von den Korpuswerkzeugen identifiziert wurden, wurden &#220;bungsreihen konzipiert, zum Beispiel die Aufgaben zu den Schl&#252;sselw&#246;rtern <italic>Reichweite</italic> und <italic>Prozent</italic> (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>F&#252;r Aufgaben zu sprachlichen Mustern wurden Konkordanzen aus dem Textzusammenhang genutzt, aber auch Konkordanzen aus Korpusabfragen (zum Beispiel Abb.7, Aufgabe 10).</p></list-item>
<list-item><p>Zur Vorbereitung der Korpusabfragen, die von den Lernerinnen und Lernern durchgef&#252;hrt werden sollten, hatte ich selbst Korpusrecherchen durchgef&#252;hrt. Auf der Basis der Ergebnisse wurden Aufgaben modifiziert oder gestrichen (Aufgaben in <xref ref-type="fig" rid="F10">Abb. 10</xref> und <xref ref-type="fig" rid="F11">Abb. 11</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>Korpuslinguistische Verfahren und Korpusrecherchen k&#246;nnen die Lehrperson bei der Planung unterst&#252;tzen. Sie k&#246;nnen zur Kl&#228;rung der Inhalte und zur Festlegung der Lernziele beitragen und die Erstellung von Lehrmaterialien informieren (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Cobb/Biber 2015: 479&#8211;480</xref>). Vor allem die Planung von Fachsprachenunterricht kann mit Korpusabfragen und dem Einsatz von Korpuswerkzeugen unterst&#252;tzt werden, da authentische sprachliche Muster identifiziert werden, die in der Fachkommunikation genutzt werden. Die Orientierung an den Ergebnissen der Korpusrecherchen macht die Expertise der Lehrperson jedoch nicht &#252;berfl&#252;ssig, denn die Ergebnisse m&#252;ssen nach fachlichen, sprachlichen und didaktischen Kriterien ausgew&#228;hlt und f&#252;r den Unterricht aufbereitet werden.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.2</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Planung: Korpora ausw&#228;hlen</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Bei der Planung ist zu ber&#252;cksichtigen, dass die Ergebnisse der Abfragen durch die Auswahl der Korpora bestimmt werden. Flowerdew (<xref ref-type="bibr" rid="B27">2009: 408&#8211;410</xref>) beschreibt, welche Schwierigkeiten Lernerinnen und Lerner in ihrem Kurs zum akademischen Schreiben hatten, einen geeigneten Kollokator zur Kollokationsbasis <italic>survey</italic> mit einer Korpusabfrage in einem Korpus zu ermitteln, das aus Gesch&#228;ftskorrespondenz bestand. Dies beschreibt eine typische Situation, auf die man trifft, wenn eine ungeeignete Referenzquelle ausgesucht wurde. In der Unterrichtseinheit ergaben sich vergleichbare Situationen, die vor allem darauf beruhten, dass sich allgemeinsprachliche Korpora nicht zur Kl&#228;rung fachsprachlicher Probleme eignen:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Wenn man sich im Korpus &#8222;Deutscher Wortschatz&#8220; oder im &#8222;Deutschen Referenzkorpus&#8220; Konkordanzen zum Suchwort <italic>Reichweite</italic> anzeigen l&#228;sst, findet man viele Belege zur Reichweite von Elektroautos oder Raketen (&#8222;Vor allem durch die Reichweite, die eine Batterieladung liefert, setzt sich Tesla vom Markt ab&#8220;) und nur wenige zur Reichweite von Marketingma&#223;nahmen. Daher wurden Konkordanzen aus dem Text &#8222;Influencer Marketing&#8220; f&#252;r die Ermittlung geeigneter Kollokatoren verwendet (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5, Aufgabe 4</xref>).</p></list-item>
<list-item><p>Eine Lernerin beschrieb in ihrem Bericht, wie sich die Anzahl der Follower eines Influencers entwickelt. Dabei verwendete sie <italic>Prozente</italic> statt <italic>Prozentpunkte</italic>. Der semantische Unterschied l&#228;sst sich mit einer Abfrage in einem Korpus mit Zeitungstexten jedoch nicht kl&#228;ren, denn h&#228;ufig wird <italic>Prozent</italic> verwendet, wenn fachsprachlich pr&#228;zise <italic>Prozentpunkte</italic> gemeint sind. Hinzu kommt, dass das Suchwort nur im Satzzusammenhang, nicht aber im weiteren Kontext angezeigt wird. Man findet bei einer Korpusabfrage Belege wie &#8222;Ihr Stimmenanteil erh&#246;hte sich um &#252;ber zehn Prozent&#8220;. Da die Bezugsgr&#246;&#223;en fehlen, ist die genaue Bedeutung nicht mit Korpusabfragen zu kl&#228;ren.</p></list-item>
</list>
<p>Bei der Planung muss antizipiert und &#252;berpr&#252;ft werden, welche Korpora sich f&#252;r die spezifischen Abfragen als Referenzquelle eignen. In der einf&#252;hrenden Unterrichtseinheit wurden die Korpora vorgegeben, die f&#252;r die Abfragen genutzt werden sollten.</p>
<p>Auf die Erstellung von Korpora durch die Lernerinnen und Lerner, die besonders f&#252;r den Fachsprachenunterricht empfohlen wird (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Cotos 2017</xref>), wurde sowohl in der Unterrichtseinheit Influencer Marketing als auch im weiteren Verlauf des Kurses verzichtet, da der Aufwand den Nutzen in der Studienvorbereitung &#252;bersteigen w&#252;rde. M&#246;glicherweise gelangt man in studienbegleitenden Schreibkursen zu einer anderen Einsch&#228;tzung: F&#252;r die Erstellung studentischer Hausarbeiten und Qualifikationsarbeiten k&#246;nnte ein Korpus mit Texten aus dem Studienfach eine geeignete Referenzquelle darstellen.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.3</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Unterricht: sprachliche Muster thematisieren</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Der Begriff sprachliche Muster wird in der Korpuslinguistik als Oberbegriff f&#252;r wiederkehrende sprachliche Einheiten verstanden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Bubenhofer 2015</xref>). Demnach z&#228;hlen auch Kollokationen, Redewendungen und gebr&#228;uchliche Formulierungen zu sprachlichen Mustern. In der Literatur findet man weitere Bezeichnungen f&#252;r vergleichbare Ph&#228;nomene wie zum Beispiel &#8222;komplexe n-Gramme&#8220;, &#8222;usuelle Wortverbindungen&#8220; und &#8222;Kookkurrenzen&#8220; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B11">Bubenhofer 2015</xref>). Mit diesen Bezeichnungen wird eine bestimmte Eigenschaft bzw. eine bestimmte Sprachbetrachtung hervorgehoben.</p>
<p>Das Potential der Korpuslinguistik, in gro&#223;en Textmengen h&#228;ufige sprachliche Muster zu identifizieren, bedeutet nicht notwendigerweise, dass die gewonnenen Erkenntnisse f&#252;r den Spracherwerb und die Vermittlung auch relevant sind. Steht die Fokussierung auf sprachliche Muster mit den Prinzipien der Fremdsprachenvermittlung im Einklang? Aus der kognitiven Linguistik ist bekannt, dass der Erwerb sprachlicher Muster ein zentrales Element des Spracherwerbs ist und dass Sprecher als fortgeschritten eingesch&#228;tzt werden, wenn sie g&#228;ngige sprachliche Muster verwenden (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Boers/Eyckmans/ Kappel/Stengers/Demecheleer 2006</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B22">Durrant 2019</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B48">Stengers/Boers/Housen/ Eyckmans 2011</xref>). In der Lerntheorie geht man davon aus, dass Menschen eher in der Lage sind, Muster zu erkennen und zu behalten als abstrakte Regeln (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017: 350</xref>). F&#252;r die Vermittlung ist der durch die Ber&#252;cksichtigung von Korpora angeregte Fokus auf sprachliche Muster daher schl&#252;ssig.</p>
<p>Welche Folgen hat diese Schwerpunktsetzung f&#252;r die Vermittlung? Aus der Literatur zum DDL geht nicht hervor, ob die Korpusrecherchen zu einer Vermittlung von Regeln f&#252;hren sollten. Das DDL legt aber eine implizite Vorgehensweise nahe. Aus der Spracherwerbstheorie und der Lernforschung lassen sich vor allem Argumente f&#252;r eine explizite Vermittlung ableiten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B23">Ellis/Shintani 2014: 112</xref>). Beim DDL sind Grammatikerkl&#228;rungen und die Erarbeitung von Regeln zwar nicht ausgeschlossen, der erste Zugang zur Sprache erfolgt aber &#252;ber das Entdecken und die Anwendung h&#228;ufiger Muster. In der Unterrichtseinheit wurde daher eine implizite Vermittlung gew&#228;hlt. Es wurden unter anderem Kollokatoren zur Kollokationsbasis <italic>Reichweite</italic> ge&#252;bt (<xref ref-type="fig" rid="F5">Abb. 5</xref>) und sprachliche Muster mit <italic>Prozent</italic> entwickelt (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>). Einzelne W&#246;rter und deren grammatikalisch korrekter Gebrauch wurden demgegen&#252;ber nicht oder nur am Rande thematisiert. So wurde bei den Aufgaben zur Fehlerkorrektur keine Regeln erarbeitet, sondern nur Muster (<xref ref-type="fig" rid="F11">Abb. 11, Aufgabe 16</xref>). Diese Vorgehensweise war vermittelbar, auch wenn ein Teilnehmer &#228;u&#223;erte: &#8222;Ich brauche Regeln!&#8220;</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.4</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Unterricht: mit Konkordanzen lernen</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Im Unterricht wurden KWiC-Ansichten eingesetzt, um Kollokatoren und sprachliche Muster im Kontext zu zeigen bzw. um sprachliche Muster von den Lernerinnen und Lernern entdecken zu lassen. Aus lernpsychologischer Sicht ist die Sprachreflexion, die von den Lernerinnen und Lernern bei der Arbeit mit Konkordanzen geleistet werden muss, w&#252;nschenswert (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017: 350</xref>). Studien zum DDL und zur Arbeit mit Konkordanzen verdeutlichen, dass der Erwerb sprachlicher Muster ein langfristiger Prozess ist, f&#252;r den eine einzelne Intervention keine signifikante Rolle spielt (&#220;bersichten in <xref ref-type="bibr" rid="B7">Boers/Lindstromberg 2012</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B44">Pellicer-Sanchez/Boers 2019</xref>). Bei der Arbeit mit Konkordanzen und Korpusrecherchen h&#228;ngt der Lernerfolg von der Qualit&#228;t des gew&#228;hlten Inputs sowie von den F&#228;higkeiten und der Motivation der Lernerinnen und Lerner ab (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B7">Boers/Lindstromberg 2012: 99</xref>). Diese Feststellung ist f&#252;r die Planung von Aufgaben mit Konkordanzen relevant. Es ist zum Beispiel nicht motivierend f&#252;r die Lernerinnen und Lerner, wenn sie eine lange Liste mit Konkordanzen zu einem Suchwort durchgehen m&#252;ssen, um Belege f&#252;r ein geeignetes Muster zu finden.</p>
<p>In der Unterrichtseinheit erwies sich eine Aufgabe zu Konkordanzen als Schl&#252;sselmoment (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6</xref>). F&#252;r die Aufgabe, ein sprachliches Muster mit <italic>Prozent</italic> zu entwickeln, wurden ausgew&#228;hlte Konkordanzen pr&#228;sentiert. Ein h&#228;ufiges Muster lautet: <italic>[Zahl</italic> + <italic>Prozent]</italic> + <italic>[der</italic> + <italic>Gruppe]</italic> + <italic>[Verb]</italic>, zum Beispiel &#8222;14 Prozent der Befragten kennen &#8230;&#8220;. Das produktive Muster, das man f&#252;r Berichte &#252;ber Untersuchungsergebnisse nutzen kann, konnte von den Lernerinnen und Lernern anhand der ausgew&#228;hlten Konkordanzen leicht abgeleitet werden. Die Aufgabe f&#252;hrte zu Aha-Erlebnissen. &#8222;Warum lernen wir dann die ganze Grammatik, wenn es diese Muster gibt?&#8220; fragte eine Lernerin. &#8222;Warum hat man uns das nicht vorher gezeigt?&#8220; Die &#196;u&#223;erungen der Lernerin zeigen die Erleichterung &#252;ber die Erkenntnis, dass man auch sprachliche Muster nutzen kann, und dr&#252;cken die Frustration aus, die auf dem jahrelangen Umgang mit schwer erlernbaren Regeln beruht. Sie reflektieren damit die lerntheoretische Annahme, dass es schwieriger ist, abstrakte Regeln zu lernen, als Muster zu erkennen und zu behalten (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017: 350</xref>). Die Arbeit mit Konkordanzen, aus denen Muster abgeleitet werden, war in diesem Fall motivierend.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.5</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Unterricht: Fehlerkorrekturen durchf&#252;hren</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>K&#246;nnen Lernerinnen und Lerner Korpusrecherchen f&#252;r Fehlerkorrekturen nutzen? Studien zeigen, dass vor allem fortgeschrittene Fremdsprachenlernerinnen und -lerner, die bereits &#252;ber Erfahrungen im Umgang mit Korpora verf&#252;gen, in der Lage sind, Korpusabfragen f&#252;r erfolgreiche Fehlerkorrekturen durchzuf&#252;hren (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B9">Boulton/Cobb 2017</xref>). Aufgrund der fehlenden Vorkenntnisse der Lernerinnen und Lerner mit Korpusrecherchen wurde die Fehlerkorrektur in der Unterrichtseinheit an vorher ausgew&#228;hlten S&#228;tzen ge&#252;bt und es wurden detaillierte Hinweise zur Vorgehensweise gegeben. Die Fehlerkorrekturen mussten unterschiedlich stark vorstrukturiert werden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Eigenst&#228;ndige Recherchen sind m&#246;glich, wenn h&#228;ufige sprachliche Muster identifiziert werden sollen. Dies war bei der Korrektur der Pr&#228;positionalphrase &#8222;auf dieser Weise&#8220; der Fall (<xref ref-type="fig" rid="F11">Abb. 11, Aufgabe 16a</xref>). Eine Abfrage mit dem Suchwort &#8222;Weise&#8220; f&#246;rdert viele Belege zutage, aus denen der &#252;bliche Akkusativanschluss hervorgeht (&#8222;Auf diese Weise wird Karies verhindert&#8220;).</p></list-item>
<list-item><p>Die Suche nach geeigneten Kollokatoren kann erleichtert werden, wenn das Suchwort spezifiziert wird. F&#252;r eine Verbesserung auf lexikalischer Ebene erhielten die Lernerinnen und Lerner genaue Hinweise zur Vorgehensweise. Zu verbessern war der Satz &#8222;Zum Schluss habe ich meine Empfehlung eingegeben&#8220;. Die Verbesserung wurde vorbereitet, indem der unpassende Kollokator benannt und ein Hinweis zum Suchwort gegeben wurde (Aufgabe 16b).</p></list-item>
<list-item><p>Bei komplexen Lernproblemen ist eine Vorauswahl der Konkordanzen empfehlenswert. F&#252;r die Korrektur des Satzes &#8222;In diesem Fall empfiehlt es sich das Influencer Marketing, &#8230;&#8220; wurden ausgew&#228;hlte Belege einer Korpusabfrage zu <italic>empfiehlt</italic> pr&#228;sentiert und so pr&#228;sentiert, dass die Frage gekl&#228;rt werden kann, wann <italic>es</italic> als formales Subjekt erforderlich ist (Aufgabe 16c). Ohne eine Vorauswahl der Belege w&#228;ren die Lernerinnen und Lerner nicht in der Lage gewesen, den Satz zu verbessern.</p></list-item>
</list>
<p>Bei der Planung von Fehlerkorrekturen und anderen DDL-Aktivit&#228;ten muss antizipiert und ausprobiert werden, welche sprachlichen Fragen sich mit Korpusrecherchen kl&#228;ren lassen und f&#252;r welche Fragen andere Referenzquellen geeigneter sind. Diese Entscheidung ist schwierig, wenn die Beratung der Lernerinnen und Lerner im Unterricht spontan erfolgen soll. Bei den Durchf&#252;hrungen der Unterrichtseinheit traten Schwierigkeiten auf, die lexikalische oder grammatikalische Ebenen betrafen.</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Lernerinnen und Lerner k&#246;nnen keine Korpusrecherchen zur Fehlerkorrektur durchf&#252;hren, wenn sie den Fehler nicht identifizieren k&#246;nnen. In einer Pr&#228;sentation sagte eine Studentin: &#8222;Ich habe Sie empfohlen, die Influencerin Clarissa zu w&#228;hlen&#8220;. Die Lernerinnen und Lerner erhielten ad hoc die Aufgabe, den Satz mithilfe einer Korpusrecherche zu verbessern. Dazu sind sie aber nur in der Lage, wenn sie den Fehler auch identifizieren k&#246;nnen.</p></list-item>
<list-item><p>Im Korpus m&#252;ssen ausreichend viele Belege vorhanden sein, aus denen Hinweise auf die Fehlerkorrektur gewonnen werden k&#246;nnen. In vielen Belegen mit <italic>empfohlen</italic> wird auf ein Dativobjekt verzichtet (&#8222;F&#252;r die bequeme An- und Abreise wird die Nutzung des &#246;ffentlichen Nahverkehrs empfohlen&#8220;), so dass man lange suchen muss, um in den Belegen geeignete Hinweise zur Fehlerkorrektur zu finden.</p></list-item>
</list>
<p>Diese Erfahrungen zeigen, dass h&#228;ufig eine Vorauswahl der Fehler angezeigt ist, die mittels Korpusabfragen verbessert werden sollen, und dass in vielen F&#228;llen zus&#228;tzliche Hinweise zur Vorgehensweise gegeben werden m&#252;ssen. Bevor Lernerinnen und Lerner ohne eine sprachwissenschaftliche Ausbildung selbst entscheiden k&#246;nnen, ob eine Korpusrecherche zielf&#252;hrend ist, ist ein l&#228;ngerer Lernprozess erforderlich.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.6</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Unterricht: Korrektheit/Angemessenheit thematisieren</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Vor allem bei Korpusabfragen zur Fehlerkorrektur wird den Lernerinnen und Lernern deutlich, dass sie lediglich ermitteln k&#246;nnen, wie h&#228;ufig ein Wort oder ein sprachliches Muster im Korpus verwendet wird, welche Verwendungen oder Schreibweisen dort h&#228;ufig sind. Diese Eigenschaft hat Auswirkungen auf den Umgang mit Regeln und die methodische Vorgehensweise im Unterricht (explizit oder implizit, siehe Abschnitt 3.3).</p>
<p>Aus Sicht der Sprachvermittlung sind Auseinandersetzungen mit Angemessenheit und sprachlichen Zweifelsf&#228;llen sinnvoll. F&#252;r Fremdsprachenlernende auf der Suche nach klaren Regeln kann diese Auseinandersetzung auch unbefriedigend sein.</p>
<p>Dieses Spannungsverh&#228;ltnis kam auch in der Unterrichtseinheit zum Tragen. Mit Korpusabfragen kann nicht abschlie&#223;end gekl&#228;rt werden, ob <italic>sponsern</italic> oder <italic>sponsorn</italic> korrekt ist und wie das Partizip II von <italic>sponsern/sponsorn</italic> lautet (<xref ref-type="fig" rid="F4">Abb. 4, Aufgabe 3</xref>). Die Abfragen zeigen lediglich, dass sich in der Sprachgemeinschaft noch keine einheitliche Schreibweise etabliert hat. Bei der Konfrontation der Lernerinnen und Lerner mit sprachlichen Zweifelsf&#228;llen verliehen sie ihrem Wunsch nach klaren Regeln Ausdruck: &#8222;Was sollen wir im Bericht schreiben?&#8220; Auch die unpr&#228;zise Verwendung von <italic>Prozent</italic>, wenn eigentlich <italic>Prozentpunkte</italic> gemeint sind, verdeutlichte den Lernerinnen und Lernern, dass der Sprachgebrauch nicht immer klaren Regeln folgt.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.7</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Didaktik: zum Konzept des entdeckenden Lernens</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Beim DDL steht nicht der Nutzen von Korpora f&#252;r die Unterrichtsplanung im Mittelpunkt, sondern die Besch&#228;ftigung der Lernerinnen und Lerner mit Korpora f&#252;r ihren Spracherwerb. Das didaktische Konzept des DDL beruht auf dem entdeckenden Lernen, denn beim DDL m&#252;ssen die Antworten auf sprachliche Fragen aus den Korpusbelegen abgeleitet werden. Es ist aber zu fragen, ob das entdeckende Lernen allein als didaktische Basis ausreicht und ob ein Korpustraining &#252;ber weite Strecken nicht auch Expositionslernen und deduktive Vorgehensweisen bestehend aus Pr&#228;sentation, &#220;bung und Anwendung beinhalten muss. Dies wird deutlich, wenn man die methodischen Schritte eines Korpustrainings zur Vermittlung von DDL betrachtet, die in der Literatur beschrieben werden:</p>
<list list-type="bullet">
<list-item><p>Nachvollzug von einfachen Korpusanalysen;</p></list-item>
<list-item><p>Interpretation von kleineren Listen mit ausgew&#228;hlten Strukturen;</p></list-item>
<list-item><p>Fokussierung auf sprachliche Ph&#228;nomene und relevante Kontexteigenschaften in gr&#246;&#223;eren Listen;</p></list-item>
<list-item><p>Erstellung eigener Listen zu einem Unterrichtsgegenstand;</p></list-item>
<list-item><p>Extraktion eigener H&#228;ufigkeitslisten in selbst zusammengestellten Korpora (<xref ref-type="bibr" rid="B39">L&#252;deling/Walter 2010: 318</xref>).</p></list-item>
</list>
<p>In der Unterrichtseinheit, in der die ersten vier Schritte ber&#252;hrt wurden, ging es auch um Pr&#228;sentation und Anwendung. Am Anfang standen einfache Korpusanalysen zur H&#228;ufigkeit und die Pr&#228;sentation von Konkordanzen. Zum Schluss wurden komplexere Abfragen durchgef&#252;hrt und Korpora f&#252;r eigene Texte und zur Fehlerkorrektur konsultiert. Dieser &#220;berblick verdeutlicht, dass das entdeckende Lernen nur ein methodischer Ansatz neben anderen war.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.8</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Didaktik: zur Rolle der Lehrperson</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>In der p&#228;dagogischen Literatur wird das entdeckende Lernen als methodischer Baustein eines offenen Unterrichts angesehen, der weiter durch eine &#8222;Zur&#252;ckhaltung der Lehrenden&#8220; und die &#8222;F&#246;rderung selbstorganisierten Lernens&#8220; charakterisiert ist (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Gudjons 2006: 55</xref>). Dieser Aspekt wird in der Literatur zum DDL aufgegriffen. Dabei wird zwischen &#8222;weichem&#8220; und &#8222;hartem&#8220; Vorgehen unterschieden (<xref ref-type="bibr" rid="B30">Gabrielatos 2005: 17</xref>), an anderer Stelle wird ein &#8222;Gradient zunehmender Lernerzentriertheit und Lernerautonomie&#8220; beschrieben (<xref ref-type="bibr" rid="B41">Mukherjee 2008: 43</xref>). Bei einem &#8222;weichen&#8220; Vorgehen werden die Aktivit&#228;ten eng von der Lehrperson gesteuert. Es werden vorab ausgew&#228;hlte Konkordanzen pr&#228;sentiert, die Korpusabfragen werden detailliert vorbereitet. Bei einem &#8222;harten&#8220;, lernerzentrierten Vorgehen entwickeln die Lernerinnen und Lerner eigene Korpusrecherchen zu ihren sprachlichen Fragen, w&#228;hlen geeignete Korpora aus und legen m&#246;glicherweise sogar eigene Korpora an, w&#228;hrend die Lehrperson &#8222;Zur&#252;ckhaltung&#8220; &#252;bt.</p>
<p>In der Unterrichtseinheit war die Steuerung durch die Lehrperson bei der Arbeit mit Korpora hoch. Die im Umgang mit Korpora unerfahrenen Lernerinnen und Lerner wurden angeleitet, Konkordanzen zu interpretieren und Korpusabfragen durchzuf&#252;hren. Nach und nach wurden Entscheidungsspielr&#228;ume bei Korpusrecherchen &#252;bertragen. Mit zunehmender Komplexit&#228;t der Aufgaben und zunehmender Autonomie bei den Recherchen sank allerdings der Anteil der Lernerinnen und Lerner, die in der Lage waren, die Aufgaben durchzuf&#252;hren. Dies wurde zum Anlass genommen, bei der wiederholten Durchf&#252;hrung der Unterrichtseinheit eine &#8222;weichere&#8220; Vorgehensweise mit einer eher niedrigen Lernerautonomie zu w&#228;hlen und zum Beispiel bei den Aufgaben zum Schreiben (<xref ref-type="fig" rid="F10">Abb. 10</xref>) und zur Fehlerkorrektur (<xref ref-type="fig" rid="F11">Abb. 11</xref>) kleinschrittig vorzugehen. Die Fragen wurden vorgegeben, in einigen Aufgaben wurden nur ausgew&#228;hlte Konkordanzen pr&#228;sentiert und die Form der gesuchten Muster wurde skizziert. Zumindest am Beginn eines Korpustrainings ist eine Zur&#252;ckhaltung der Lehrperson nicht angezeigt.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>3.9</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Didaktik: Corpus Literacy vermitteln</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>F&#252;r die Integration eines Korpustrainings in den Fremdsprachenunterricht k&#246;nnen folgende Argumente angef&#252;hrt werden:</p>
<disp-quote>
<p>Erstens k&#246;nnen Fremdsprachenlernerinnen und -lerner Corpus Literacy f&#252;r ihren Spracherwerb einsetzen. Besonders f&#252;r fachsprachliche Kommunikationssituationen k&#246;nnen sie durch Abfragen in geeigneten Korpora Belege f&#252;r einen authentischen Sprachgebrauch ermitteln, die sich &#252;ber Recherchen in Nachschlagewerken nicht in gleicher Weise erschlie&#223;en. Das trifft vor allem auf sprachliche Muster zu, zum Beispiel das im Unterricht erarbeitete Muster mit <italic>Prozent</italic> zur Pr&#228;sentation von Untersuchungsergebnissen (<xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 7</xref>). In anderen Quellen w&#228;re man nicht f&#252;ndig geworden. Im &#8222;W&#246;rterbuch der Kollokationen im Deutschen&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Quasthoff 2011</xref>) ist <italic>Prozent</italic> nicht als Stichwort enthalten. Wenn das Stichwort aufgef&#252;hrt w&#228;re, w&#252;rde man Kollokatoren finden und keine Mehrworteinheiten. Das &#8222;Wahrig Gro&#223;w&#246;rterbuch Deutsch als Fremdsprache&#8220; (<xref ref-type="bibr" rid="B50">Wahrig-Burfeind 2008</xref>) enth&#228;lt sechs Anwendungsbeispiele zum Stichwort <italic>Prozent</italic>, von denen nur eines als Muster f&#252;r die Darstellung von Umfrageergebnissen genutzt werden k&#246;nnte (<italic>Prozente f&#252;r eine Arbeit bekommen; Prozente geben; 10 Prozent Bedienungszuschlag; der Schnaps enth&#228;lt 40 Prozent Alkohol;</italic> <bold><italic>es waren h&#246;chstens 75 Prozent aller Mitglieder anwesend;</italic></bold> <italic>das Kapital wird mit 4 Prozent verzinst</italic>).</p>
</disp-quote>
<p>Zweitens wird der Umgang mit gro&#223;en Datenmengen zu Recht als eine wichtige Medienkompetenz (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B39">L&#252;deling/Walter 2010</xref>) und sogar als Schl&#252;sselkompetenz f&#252;r die moderne Wissensgesellschaft bezeichnet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B21">Dubova/Proveja 2016</xref>). Vor dem Hintergrund der zunehmenden Datenmengen und der Informationsexplosion stellt der erfolgreiche Umgang mit Korpora eine strategische Kompetenz dar, die auf andere Bereiche &#252;bertragen werden kann.</p>
<p>Lohnt sich ein Korpustraining im Fremdsprachenunterricht? Ein Korpustraining ist zeitaufw&#228;ndig. In der Unterrichtseinheit mussten der Umgang mit Korpora und die ungewohnten Aufgabenstellungen mehrfach erl&#228;utert werden. Als die Lernerinnen und Lerner zum ersten Mal die Aufgabe erhielten, Muster aus Konkordanzen abzuleiten (s. <xref ref-type="fig" rid="F6">Abb. 6, Aufgabe 7</xref>), wurde die Frage gestellt: &#8222;Was sollen wir genau tun? Keiner wei&#223;, was wir tun sollen.&#8220;</p>
<p>Wenn die Lernerinnen und Lerner im Sinne eines &#8222;harten&#8220; Vermittlungsansatzes (<xref ref-type="bibr" rid="B30">Gabrielatos 2005: 17</xref>) mit einer hohen Autonomie bei der Entwicklung von Corpus Literacy selbst Texte analysieren und sogar Korpora erstellen sollen, m&#252;ssen sie zun&#228;chst mit der Bedienung von Korpuswerkzeugen vertraut gemacht werden. F&#252;r die Lernerinnen und Lerner in der Vorbereitung auf ein wirtschaftswissenschaftliches Studium ist dies keine relevante F&#228;higkeit. Die Situation stellt sich m&#246;glicherweise anders dar, wenn, wie zum Beispiel in dem von Zareva (<xref ref-type="bibr" rid="B51">2016</xref>) beschriebenen Unterricht, Fremdsprachenlehrkr&#228;fte ausgebildet werden. Wie wichtig ein Korpustraining und die Vermittlung von Corpus Literacy sind, ist daher zielgruppenbezogen zu kl&#228;ren. Die Entscheidung &#252;ber den Umfang des Korpustrainings muss in &#220;bereinstimmung mit den Lernzielen des Unterrichts, dem Sprachbedarf der Zielgruppe und ihren Interessen erfolgen.</p>
<list list-type="gloss">
<list-item>
<list list-type="wordfirst">
<list-item><p><bold>4</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
<list-item>
<list list-type="sentence-gloss">
<list-item>
<list list-type="final-sentence">
<list-item><p><bold>Fazit</bold></p></list-item>
</list>
</list-item>
</list>
</list-item>
</list>
<p>Im Beitrag wurde die Integration eines Korpustrainings in den Wirtschaftsdeutsch-Unterricht beschrieben und dargestellt, wie korpuslinguistische Verfahren f&#252;r die Unterrichtsplanung genutzt werden k&#246;nnen, welche Aufgabentypen f&#252;r das datengest&#252;tzte Lernen eingesetzt werden k&#246;nnen und wie ein Korpustraining als Lernstrategietraining integriert werden kann. Es wurde argumentiert, dass die Ber&#252;cksichtigung von Korpora vor allem im Fachsprachenunterricht angezeigt ist, wenn die Lehrperson keine Expertin/kein Experte f&#252;r die spezifischen Kommunikationsformen ist und sich f&#252;r die Planung des Unterrichts nicht auf die eigene Sprecherintuition verlassen kann. Es wurde weiter argumentiert, dass es konform mit &#220;berlegungen zum Spracherwerb ist, wenn durch korpuslinguistische Analysen die Aufmerksamkeit auf sprachliche Muster gelenkt wird und dieser Aspekt verst&#228;rkt bei der Vermittlung ber&#252;cksichtigt wird.</p>
<p>Eine zentrale Entscheidung beim DDL betrifft die Rolle der Lehrkraft und die Steuerung des Korpustrainings. Die Erfahrungen aus der Unterrichtseinheit legen nahe, dass die Heranf&#252;hrung an Korpusrecherchen durch die Lehrperson schrittweise erfolgen muss und dass die F&#228;higkeit zum autonomen Umgang mit Korpora &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum entwickelt werden muss. Dabei sind sowohl entdeckendes Lernen als auch Expositionslernen erforderlich. Wenn Lernerinnen und Lerner am Anfang ihrer Besch&#228;ftigung mit Korpora stehen, sind zun&#228;chst einfache Korpusabfragen zur H&#228;ufigkeit empfehlenswert, au&#223;erdem sollten Konkordanzen ausgew&#228;hlt werden, die zum gesuchten Muster passen. Wenn die Lernerinnen und Lerner Korpusabfragen durchf&#252;hren sollen, m&#252;ssen geeignete sprachliche Probleme und passende Korpora ausgew&#228;hlt werden.</p>
<p>Dies trifft vor allem auf weniger fortgeschrittene Lernerinnen und Lerner zu, denn bei Korpusabfragen werden Konkordanzen ausgewiesen, die f&#252;r Lernerinnen und Lerner im Anf&#228;ngerunterricht nicht verst&#228;ndlich sind. Aus diesem Grund richten sich Konzepte und Unterrichtsmodelle zum datengest&#252;tzten Lernen vornehmlich an fortgeschrittene Lernerinnen und Lerner. Es gibt aber auch Unterrichtsbeispiele f&#252;r ein datengest&#252;tztes Lernen auf Grundstufenniveau (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B14">Chujo/Oghigian 2015</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B32">Gilquin/Granger 2010: 362&#8211;364</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B47">St John 2001</xref>). Die Lernerinnen und Lerner, die an der Unterrichtseinheit &#8222;Influencer Marketing&#8220; teilnahmen, verf&#252;gten bereits &#252;ber Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 und h&#246;her. Selbst f&#252;r diese Zielgruppe waren die Aufgaben anspruchsvoll. Erfolgreich umgesetzt wurden demgegen&#252;ber Abfragen, bei denen die Komplexit&#228;t durch eine Vorauswahl der Konkordanzen stark reduziert war. Im Grundstufenbereich k&#246;nnen vermutlich nur vorbereitete Korpusabfragen eingesetzt und ausgew&#228;hlte Konkordanzen pr&#228;sentiert werden.</p>
<p>Die Arbeit mit Korpora verschafft einen tiefen Einblick in authentischen Sprachgebrauch und sie f&#246;rdert authentische sprachliche Muster zutage, was in fachspezifischen Kontexten besonders hilfreich ist. Entdeckendes Lernen mit Korpora ist f&#252;r viele Lernerinnen und Lerner motivierend, sie erwerben durch das Korpustraining eine neue Lernstrategie und k&#246;nnen durch die Arbeit mit Korpora einen alternativen Zugang zum Deutschlernen finden. Dass die mehrfach ausgerufene Korpusrevolution im Fremdsprachenunterricht bislang dennoch ausbleibt, h&#228;ngt aber auch mit dem Gegenstand zusammen: Die Arbeit mit Korpora ist erkl&#228;rungsbed&#252;rftig; manche Lernerinnen und Lerner sind wegen der fehlenden Eindeutigkeit der Ergebnisse verwirrt, sie empfinden die mehrstufigen Rechercheaktivit&#228;ten als zu zeitaufw&#228;ndig; DDL ist zudem nicht universell einsetzbar, der Einsatz h&#228;ngt vom Sprachniveau der Lerngruppe, den Zielen des Unterrichts und den Interessen der Lernerinnen und Lerner ab.</p>
<p>Mein Fazit ist, dass DDL und Korpustraining jenseits von Revolutionsrhetorik und didaktischer &#220;berh&#246;hung als zus&#228;tzliches Strategietraining in die Unterrichtspraxis integriert werden k&#246;nnen. Im besten Fall erhalten die Lernerinnen und Lerner damit eine zeitgem&#228;&#223;e Strategie f&#252;r den selbst gesteuerten Spracherwerb, die bei ihnen das Interesse am autonomen Weiterlernen f&#246;rdert.</p>
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<back>
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<title>Korpora und Korpuswerkzeuge</title>
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<title>Author Contribution</title>
<p><bold>Kurzbio:</bold> Christian Krekeler ist Professor f&#252;r Deutsch als Fremd- und Fachsprache an der Hochschule Konstanz HTWG. Er ist verantwortlicher Redakteur der Fachzeitschrift &#8222;Informationen Deutsch als Fremdsprache&#8220; und besch&#228;ftigt sich mit Fachsprachen, Testverfahren und methodisch- didaktischen Fragestellungen. Homepage: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.htwg-konstanz.de/studium/studienkolleg/kontakt/christian-krekeler/">https://www.htwg-konstanz.de/studium/studienkolleg/kontakt/christian-krekeler/</ext-link></p>
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